chinesiches Zeichen

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Januar bis 31. März 2012

Januar 2012:
Neujahrshirtenbrief des Bischofs von Shanghai setzt sich für die Seligsprechung Xu Guangqis ein
Der Hirtenbrief zum Chinesischen Neujahr des 95-jährigen Bischofs Aloysius Jin Luxian ist ein Plädoyer für die Seligsprechung des Gründers der katholischen Kirche in Shanghai, Xu Guangqi (1562–1633). Dieses Jahr feiert die Diözese Shanghai den 450. Geburtstag ihres großen Glaubenspioniers. Xu Guangqi war der Erste, der im Range eines Mandarins die Taufe erhalten und sich auch tatkräftig für die Glaubensverbreitung und den Fortbestand der Kirche eingesetzt hat. Bischof Jin nennt ihn in seinem Hirtenbrief, um seine vielseitige Begabung, seinen tiefen Glauben und seine Offenheit für Fortschritt und Entwicklung zu würdigen, einen „Mann für alle Jahreszeiten“ (siehe die deutsche Übersetzung des Hirtenbriefs in der Dokumentation dieser Nummer).

Zwischen 6. Januar und 30. März 2012:
20 Tibeter – meist Mönche – setzen sich aus Protest in Brand
Sie riefen dabei Slogans, in denen sie die Rückkehr des Dalai Lama und Freiheit für Tibet forderten. Die meisten waren sehr jung, doch auch ein älterer reinkarnierter Lama (Sopa Tulku) und der ehemalige Disziplinar und Lehrer eines Klosters (Dhamchoe Sangpo) waren darunter sowie mehrere Laien und eine Nonne:

  • 6. Januar: Ten-nyi (20), Mönch des Klosters Kirti, Bezirk Ngaba (chin. Aba), Sichuan. Er starb am selben Tag.
  • 6. Januar: Tsultrim (20), Ngaba. Er starb am 7. Januar.
  • 8. Januar: Sonam Wangyal (Sopa Tulku) (42), Kreis Darlag (Dari), Bezirk Golog (Guoluo), Qinghai. Er starb am selben Tag.
  • 14. Januar: Lobsang Jamyang (22), Ngaba, ehemaliger Mönch des Klosters Aduk. Er starb am selben Tag.8. Februar: Rigzin Dorje (19), Me᾽uruma, Kreis Ngaba; ehemaliger Mönch des Klosters Kirti. Zustand unbekannt.
  • 9. Februar: Sonam Rabyang (42), Mönch des Klosters Lab in Tridu, Bezirk Yushu, Qinghai. Zustand unbekannt.11. Februar: Tenzin Choedron (18), Nonne, Kloster Mame Dechen Choekhorling, Bezirk Ngaba. Sie starb am 13. Februar.
  • 13. Februar: Lobsang Gyatso (19), Mönch des Klosters Kirti, Ngaba. Zustand unbekannt.
  • 17. Februar: Dhamchoe Sangpo (38), Mönch des Klosters Bongthak, Kreis Themchen (Tianjun), Bezirk Haixi, Qinghai. Er starb am selben Tag.
  • 19. Februar: Nangdrol (18), Kloster Zamthang, Kreis Zamthang (Rangtang), Bezirk Ngaba. Er starb am selben Tag.
  • 3. März: Tsering Kyi (20), Machu (Maqu), Bezirk Kanlho (Gannan), Gansu, Mittelschülerin. Sie starb am selben Tag.
  • 4. März: Rinchen (33), Ngaba, Mutter von vier Kindern. Sie starb am selben Tag.5. März: Dorjee (18), Ngaba. Er starb am selben Tag.
  • 10. März: Gyepe (18), Mönch des Klosters Kirti, Ngaba. Er starb am selben Tag.
  • 14. März: Jamyang Palden (34), Mönch des Klosters Rongbo Gonchen, Kreis Rebkong (Tongren), Qinghai. Zustand unbekannt.
  • 16. März: Lobsang Tsultrim (20), Mönch des Klosters Kirti, Ngaba. Er starb am 19. März.
  • 17. März: Sonam Dhargye (43), Kreis Rebkong (Tongren), Qinghai; Familienvater. Er starb am selben Tag.28. März: Sherab (20), Ngaba. Er starb am selben Tag.
  • 30. März: Tenpa Dhargyal (22) und Chime Palden (21), beide aus dem Kloster Gyalrong Tsodun Kirti, Ngaba. Zustand unbekannt.

Schwerpunkt der Vorfälle waren das Kloster Kirti und der Autonome Tibetische Bezirk Ngaba (Aba) in der Provinz Si­chuan. Erstmals hatte sich im Februar 2009 ein Mönch des Klosters Kirti angezündet, 12 weitere Fälle folgten im Jahr 2011 (vgl. u.a. China heute 2011, Nr. 4, S. 218, 221). (Listen auf www.tibetoffice.ch und www.tchrd.org; zahlreiche weitere Meldungen in den Medien, s.a. den TibetInfoNet News Digest für diesen Zeitraum.)

9. Januar 2012:
Religionsbüro meldet Fortschritte bei der Registrierung religiöser Amtsträger und der Finanzaufsicht über Kultstätten, Aufbau einer Religionsdatenbank
2011 sei die Anerkennung religiöser Amtsträger durch die (offiziellen) Religionsgemeinschaften und ihre (in den „Maßnahmen zur Akteneintragung religiöser Amtsträger“ von 2007 festgelegte) Eintragung bei den staatlichen Behörden beschleunigt worden. Dies erklärte Jiang Jianshui, Vizedirektor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA), auf der „Nationalen Konferenz zur Religionsarbeit“ in Harbin. In 10 Verwaltungseinheiten auf Provinzebene (Beijing, Tianjin, Jilin, Heilongjiang, Shandong, Hubei, Tibet, Gansu, Ningxia und Xinjiang) seien 99% der religiösen Amtsträger anerkannt und zu den Akten genommen, in weiteren 11 (darunter Hebei) seien es 85%, in 6 seien es 70%, in Shanghai, Guangdong, Guizhou und Xinjiang sei diese Arbeit im Gang. Die nationalen religiösen Organisationen hätten den meisten Eingetragenen schon ihre „Ausweise für religiöse Amtsträger“ ausgestellt. Schwierigkeiten entstünden durch die Mobilität vieler Kleriker und das Fehlen eines landesweit einheitlichen Management­informationssystems. – Auch die Umsetzung der 2010 erlassenen „Verwaltungsmaßnahmen zur Überwachung der Finanzen religiöser Versammlungsstätten (zur probeweisen Durchführung)“ kam laut Jiang 2011 voran. Die Mehrheit der größeren religiösen Versammlungsstätten habe bereits ein Finanzverwaltungssystem mit entsprechender Buchführung und Finanzaufstellung eingeführt, bei kleinen Kultstätten gebe es noch Probleme. Beide Prozesse sollen 2012 abgeschlossen werden. Bekanntgeben wurde zudem, dass das BRA 2011 mit dem Aufbau einer Basisinformationsdatenbank für die Religionsarbeit begonnen hat (Xinhua 8.,9.01.2012, nach www.sara.gov.cn; vgl. vgl. China heute 2007, Nr. 1-2, S. 23-33).

9. Januar 2012:
Chinesisch-Afrikanisches Symposium zur Armutsbekämpfung in Shenzhen
Bei einem dreitägigen Symposium, das am 9. Januar in Shenzhen eröffnet wurde, ging es um die Zusammenarbeit zwischen China und afrikanischen Staaten bei der Bekämpfung von Armut. 50 Regierungsvertreter, Wissenschaftler und Unternehmer aus China und Afrika sowie Vertreter von internationalen Einrichtungen diskutierten über Möglichkeiten zur Reduzierung von Armut. Veranstalter waren das Internationale Zentrum zur Armutsbekämpfung in China, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und die Universität Shenzhen (Xinhua 9.02.2012).

11. Januar 2012:
Global Times vergleicht Dalai Lama mit Falungong
Die englischsprachige Zeitung, die zur Gruppe der Parteizeitung Renmin ribao gehört, warf der „Dalai-Gruppe“ in Zusammenhang mit der Serie von Selbstverbrennungen vor, die jungen Mönche grausam unter Druck zu setzen und für politische Zwecke zu missbrauchen. Die letzten Selbstverbrennungen in China seien von Falungong-Mitgliedern durchgeführt worden. „Hopefully the Dalai group will not become another cult“, schrieb Global Times (www.globaltimes.cn 11.01.2012).

13. Januar 2012
Bürgerrechtler Yu Jie nach Amerika ausgereist
Der 38-jährige regimekritische chinesische Schriftsteller Yu Jie ist mit seiner Familie überraschend nach Amerika ausgereist. Yu, der in seinem Buch „Chinas größter Schauspieler: Wen Jiabao“ den Ministerpräsidenten der Heuchelei bezüglich demokratischer Werte bezichtigt hatte, schrieb nach seiner Ankunft in den USA in einer Mail, dass er den zunehmenden Druck Beijings nicht mehr ertragen konnte. „Meine Sicherheit war ernsthaft bedroht“, so Yu. Der Literaturwissenschaftler Yu Jie ist protestantischer Christ und war in einer Hauskirche aktiv. Er stand seit längerer Zeit unter Hausarrest. Yu ist ein Freund des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo und hatte auch die „Charta 08“ für Freiheit und Demokratie in China unterzeichnet (South China Morning Post 13.01.2012; www.faz.net 12.01.2012).

16. Januar 2012:
Appell von AsiaNews zur Freilassung inhaftierter chinesischer Bischöfe und Priester
In einem Schreiben an Staatspräsident Hu Jintao und den chinesischen Botschafter in Italien Ding Wei hat die Nachrichtenagentur AsiaNews um die Freilassung von drei Bischöfen und sechs Priestern gebeten, die in Polizeigewahrsam verschwunden oder ohne Prozess inhaftiert sind. Ihre Freilassung könne als Geste der Freundschaft und Hoffnung für Katholiken und Menschenrechtsaktivisten wie auch ein Zeichen echter Hoffnung vor dem bevorstehenden Neujahrsfest (am 23. Januar) sein. AsiaNews fügte eine Liste bei, die als verschwunden bzw. inhaftiert die folgenden Bischöfe und Priester nennt: Untergrundbischof James Su Zhimin (79) von Baoding (Hebei, 1997 verhaftet, Aufenthaltsort unbekannt); Untergrundbischof Cosmas Shi Enxiang (90) von Yixian (Hebei, 2001 verhaftet, Aufenthaltsort unbekannt); Fr. Joseph Lu Genjun, Generalvikar von Baoding im Untergrund (2006 verschwunden, Aufenthaltsort unbekannt); Fr. Zhang Jianlin und Fr. Cui Tai, beides Untergrundpriester von Xuanhua (Hebei, am 22. Juni 2011 von Beamten des Religionsbüros verschleppt, Aufenthaltsort unbekannt); Fr. Liu Honggen, Untergrundpriester von Baoding (zusammen mit acht weiteren Priestern am 27. Dezember 2006 verhaftet, im Gefängnis von Qingyuan inhaftiert); Fr. Ma Wuyong, Untergrundpriester von Baoding (zusammen mit acht weiteren Priestern im August 2004 verhaftet, ebenfalls in Qingyuan inhaftiert); Fr. Wang Chengli, Untergrundpriester von Heze (Shandong, am 25. August 2011 zu zweieinhalb Jahren „Umerziehung durch Arbeit“ verurteilt, Lager Jining); Bischof Wu Qinjing von Zhouzhi (Shaanxi, geheim geweiht, seit November 2007 unter Hausarrest im Kleinen Seminar von Xi’an) (AsiaNews 16.01.2012).

30. Januar 2012:
Sechs Priester der Diözese Suiyuan (Innere Mongolei) werden verhaftet – weitere Repressionen folgen
Sechs Priester der Untergrunddiözese Sui­yuan wurden am 30. Januar in Erenhot, einer Grenzstadt zur Äußeren Mongolei, verhaftet, unter ihnen der Rektor des Untergrundseminars, Fr. Joseph Ban Zhanxiong. Das Seminar wurde am 14. Februar geschlossen, die Seminaristen nach Hause geschickt.

Rektor Ban Zhanxiong. Foto: www.ucanews.com

Am 31. Januar wurde der Diözesanadministrator Fr. Gao Jiangping zusammen mit einem weiteren Priester verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Die anderen Priester hielten sich versteckt. Vier der am 30. Januar Verhafteten wurden nach kurzer Zeit wieder freigelassen, mussten sich jedoch täglich bei der Polizei melden und sich Studiensitzungen unterziehen. Nach Angaben von UCAN wurden sie am 13. Februar gezwungen, eine Messe in Anwesenheit von Bischof Meng Qinglu und zwei weiteren offiziellen Priestern zu feiern. 20 Regierungsbeamte hätten die Messe in der Stadt Baotou mitverfolgt und die Priester danach wieder mitgenommen. Nach Meinung von AsiaNews standen die Übergriffe u.a. im Zusammenhang mit Konflikten innerhalb der Diözese, die mit „der Zweideutigkeit des offiziellen Bischofs Paul Meng Qinglu“ von Hohhot zu tun hätten. Paul Meng ist sowohl vom Heiligen Stuhl wie auch von der chinesischen Regierung anerkannt. Bei seiner Weihe hatte er die Hoffnung auf eine Versöhnung mit der Untergrundkirche bekundet. Im November 2010 nahm er jedoch an der illegitimen Bischofsweihe in Chengde teil und wurde im Dezember 2010 zum Vizepräsidenten der Patriotischen Vereinigung ernannt. Auch UCAN spricht von Disputen bezüglich der Versetzung von Priestern. Zur Untergrunddiözese Suiyuan gehören etwa 30.000 Gläubige, 35 Priester und 90 Ordensschwestern. Sie deckt ein großes Gebiet des zentralen und südöstlichen Teils der Inneren Mongolei ab. Aus Sicht der chinesischen Regierung ist sie Teil der offiziellen Diözese Hohhot. In den letzten Jahren, vor den aktuellen Vorfällen, konnte sich die Diözese ungestört entwickeln und die Priester friedlich ihrer pastoralen Arbeit nachgehen (AsiaNews 2.,24.02.2012; UCAN 31.01.; 8.,23.02.2012).

Ende Januar 2012:
Kurs für Ehrenamtliche in der Diözese Shanghai
Ende Januar fand in der Diözese Shanghai der erste Kurs des Jahres 2012 für Freiwillige statt. Der Kurs wurde vom 2005 gegründeten diözesanen Guangqi-Sozialdienstzentrum veranstaltet. Verschiedene Gruppen des Zentrums tauschten Erfahrungen in ihrer Arbeit als Ehrenamtliche im vergangenen Jahr aus. Die Freiwilligen engagieren sich vor allem in den folgenden vier Bereichen: Stipendienprogramme für Schüler aus benachteiligten Familien, Hilfe für alte Menschen, für Wanderarbeiter und im Gesundheitsbereich. Freiwillige werden auch bei Katastrophen eingesetzt (Fides 1.02.2012; eine Vorstellung des Zentrums s. China heute 2010, Nr. 1, S. 45-47).

1. Februar 2012:
Chiang Han-sun neuer Präsident der katholischen Fu Jen-Universität, Taipei
Nach Abschluss der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung der Fu Jen-Universität in Taiwan, die am 8. Dezember 2011 unter hochrangiger Beteiligung von kirchlichen und politischen Würdenträgern (u.a. Kardinal Zenon Grocholewski, vatikanische Bildungskongregation, Erzbischof Savio Hon Tai-fai, Kongregation für die Evangelisierung der Völker u.a.) in Hsinchuang (Xin­zhuang), Taipei, ihren Höhepunkt fanden, und nachdem am 3. Dezember der erste Spatenstich für die Errichtung eines 132 Mio USD teuren Universitätskrankenhauses getan war, übergab der Präsident der Universität, Prof. Bernard Li, am 1. Februar 2012 in einer würdigen Feier das Amt an seinen Nachfolger, Vincent Chiang Han-sun (Jiang Hansheng). Der 61-jährige Chiang ist promovierter Urologe (TU München) und war bereits Dekan der Medizinischen Fakultät sowie Vizerektor der Universität. Der neue Präsident wies darauf hin, dass die Fu Jen-Universität nicht nur eine Hochschule sei, auf die die bisher 170.000 Graduierten stolz sein könnten. Er setzte ihr zugleich ein visionäres Ziel: sie solle bis zum Jahre 2025 zu den 200 besten Universitäten der Welt gehören (www.pro.fju.edu.tw/press_show.asp?press_id=1301).

4. Februar 2012:
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Bischof Gan Junqiu von Guangzhou
Bei ihrem Staatsbesuch in der VR China im Februar 2012 traf die deutsche Bundeskanzlerin auf eigenen Wunsch den katholischen Bischof (siehe Bericht in den Informationen).

5. Februar 2012:
Untergrundadministrator von Kunming, Dali und Zhaotong stirbt

Fr. Lawrence Zhang Wenchang. Foto: www.ucanews.com

Im Alter von 92 Jahren starb im Autonomen Kreis Shilin der Yi-Nationalität der Priester Lawrence Zhang Wenchang, Apostolischer Administrator der drei Kirchenterritorien in der Provinz Yunnan: Kunming, Dali und Zhaotong. Fr. Zhang war Angehöriger des Volkes der Sani, einer Untergruppe der Yi. Der Untergrundadministrator, der keinerlei Beziehung zur offiziellen Kirche unterhielt, lebte seit Jahren unter polizeilicher Überwachung in der Stadt Kunming. Die Diözese Kunming hat seit 60 Jahren keinen von Rom anerkannten Bischof mehr. Offizieller Bischof von Kunming ist Joseph Ma Yinglin, der 2006 ohne Genehmigung des Heiligen Stuhls geweiht wurde. Fr. Zhang wurde 1920 geboren, studierte am Priesterseminar von Kunming und wurde 1946 zum Priester geweiht. Die Zeit von 1958 bis 1982 verbrachte er im Gefängnis und in Arbeitslagern. 1987 wurde er rehabilitiert. 2000 erhielt er von Rom die Ernennung zum Administrator der Diözesen Kunming und Dali sowie der Apostolischen Präfektur Zhaotong (UCAN 7.2.2012).

9. Februar 2012:
Jährlicher „Monat des Studiums der Religionspolitik und der gesetzlichen
Religionsbestimmungen“ wird eingeführt
Eine entsprechende, auf 9. Februar datierte Bekanntmachung sandte das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten an seine Zweigstellen auf Provinzebene. Demnach sollen ab 2012 jährlich vom 1.–30. Juni entsprechende Studienaktivitäten für Verantwortliche und Mitarbeiter religiöser Organisationen und Kultstätten, religiöse Amtsträger, Lehrer und Studenten an religiösen Ausbildungsstätten und Gläubige organisiert werden. Ziel ist, ihr „Staats-, Bürger- und Rechtsbewusstsein zu stärken“. Eine 3 Titel umfassende Pflichtlektüreliste ist dem Dokument beigefügt. Bis Ende Juli müssen die Provinzreligionsbüro schriftlich und mit Fotos über ihre Aktivitäten an das zentrale Büro berichten, heißt es am Ende der Bekanntmachung (Wortlaut des Dokuments unter www.sara.gov.cn/zzjg/zjwhcbs/xxfb13/12407.htm).

13. Februar 2012:
CPJ: Zehn der 27 in China inhaftierten Journalisten sind Tibeter
Dies stellte The Committee to Protect Journalists (CPJ, New York) in seiner jährlichen Zählung inhaftierter Journalisten fest. Weitere sechs seien Uiguren (nach TibetInfoNet News Digest 11.–24.02.).

15. Februar 2012:
Bischof von Macerata beginnt Taiwanbesuch
Bischof Claudio Giuliodori von Macerata, dem Geburtsort von Matteo Ricci, hielt sich im Februar zu einem einwöchigen Besuch in Taiwan auf. Ein Ziel der Reise war es, Zeugnisse zu finden, die den Seligsprechungsprozess von Matteo Ricci vorantreiben könnten. Das geistliche Erbe von Matteo Ricci, das geprägt sei von „gegenseitigem Respekt und einem offenen Dialog zwischen Ost und West, ist auch noch heute von Bedeutung“, so Bischof Giulio­dori im Gespräch mit Erzbischof John Hung Shan-chuan (Hong Shan­chuan) bei einem Treffen mit Kirchenführern in der erzbischöflichen Kurie von Taipei am 16. Februar. Dabei erwähnte der Bischof das Studienzentrum Matteo Ricci, das in seiner Diözese gegründet wurde, „im Dienste chinesischer Kleriker, die in Europa studieren, und zur Durchführung von theologischen Seminaren“. Auch sprach er die Hoffnung aus, die Diözese Shanghai werde den Prozess für Paul Xu Guangqi, Riccis Mitarbeiter in China, beschleunigen, damit „die beiden katholischen Weisen des Ostens und des Westens zusammen kanonisiert werden“. Bischof Giuliodori besuchte auch Kardinal Paul Shan Kuo-hsi (Shan Guoxi) in der Diözese Kao-hsiung (Gaoxiong) und die Diözese Tainan, wo er Statuen von Matteo Ricci und Xu Guang­qis Enkelin Candida Xu (1607–1689) enthüllte (UCAN 17.,21.02.2012).

17. Februar 2012:
Chinesischer Gesundheitsminister fordert Korruptionsbekämpfung
In einer Verlautbarung auf der Website des Gesundheitsministeriums wurde Gesundheitsminister Chen Zhu zitiert, der die Gesundheitsbehörden dazu aufrief, die Überwachung der Praktiken medizinischer Mitarbeiter und der Operationen von öffentlichen und privaten Krankenhäusern zu verstärken. Die Korruption beim Kauf und Verkauf von Medizin und medizinischen Geräten soll intensiver bekämpft und das Einkommenssystem für das Krankenhauspersonal reformiert werden. Außerdem fordert er von den Krankenhäusern und deren Mitarbeitern eine Verbesserung ihrer Servicequalität. Nach mehrfachen Berichten über Streitigkeiten zwischen Ärzten und Patienten, die sogar zu physischen Angriffen führten, hat das gestörte Arzt-Patienten-Verhältnis große Besorgnis erregt. Das Ministerium will existierende Notfallmaßnahmen zur Handhabung von Konflikten wegen medizinischer Behandlungen verbessern und die Sicherheit der Krankenhausangestellten erhöhen. Gleichzeitig ermutigt das Ministerium die Bevölkerung, wachsam gegenüber möglichem Missverhalten der Ärzte zu sein (Xinhua 18.;24.02.; 15.03.2012).

18. Februar 2012:
Bischof John Tong wird in das Kardinals­kollegium aufgenommen
John Tong Hon, Bischof von Hongkong, gehörte zu den 22 neuen Kardinälen, die Papst Benedikt XVI. während des Konsistoriums im Petersdom in Rom in das Kardinalskollegium aufgenommen hat. Der 72-jährige ist der siebte chinesische Kardinal in der Kirchengeschichte und der dritte Kardinal der Diözese Hongkong – nach dem verstorbenen John Baptist Kardinal Wu Cheng-chung und Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, der seit 2009 emeritiert ist. Seine Erhebung zum Kardinal bezeichnete John Tong als „ein Zeichen der großen Liebe und Fürsorge des Papstes für die katholische Kirche in China und eine Ermutigung der Diözese Hongkongs in ihren Bemühungen um die Versöhnung und Wiederherstellung der vollen Einheit zwischen der Kirche in China und der Universalkirche“. Im Vatikan ist Kardinal Tong u.a. Berater der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und Mitglied der China-Kommission (siehe ausführlichen Bericht in den Informationen dieser Nummer).

19. Februar 2012:
Forderungen der Diözese Hongkong an die Regierung der Sonderverwaltungszone
Im Vorfeld der Wahlen des neuen Verwaltungschefs von Hongkong am 25. März 2012 hat sich die Diözese Hongkong in einem Statement mit dem Titel „Einige Erwartungen der katholischen Kirche in Hongkong bezüglich der zukünftigen Regierung in der Sonderverwaltungszone“ dezidiert zu einer Reihe politischer Fragen geäußert. An erster Stelle plädiert sie für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für die Wahl des Verwaltungschefs von Hongkong sowie des gesamten Legislativrats. Des Weiteren werden vier Bereiche genannt, in denen es große Defizite gibt und die Regierung nach Meinung der Diözese bisher zu wenig unternommen hat: Wohnraumbeschaffung, insbesondere für junge Leute, medizinische Versorgung, Bildung und Schutz im Alter. In allen Bereichen werden Vorschläge unterbreitet, wie Abhilfe geschafft werden könnte angesichts der Zunahme sozialer Gegensätze und wirtschaftlicher Rezession. Die Regierung wird zudem aufgerufen, angesichts vieler zerrütteter Ehen mehr Sorge zu tragen für den Schutz von Ehe und Familie (South China Morning Post 21.02.2012; sundayex.catholic.org.hk/).

27. Februar 2012:
Neue Kampagne „Den Geist von Lei Feng praktizieren“ gestartet
Zum 50. Jahrgedächtnis des schon zu Maos Zeiten zum moralischen Vorbild hochstilisierten chinesischen Nationalhelden wurde eine neue Kampagne gestartet. Dem von Mao formulierten Slogan „Von Lei Feng lernen“ wurde die Devise „Den Geist von Lei Feng praktizieren“ hinzugefügt. – Der Soldat Lei Feng kam im August 1962 bei einem Unfall ums Leben und wurde danach durch seine Tagebucheintragungen berühmt, in denen er seine Gedanken und guten Taten aufgeschrieben hatte, die ihn zu einer moralischen Leitfigur werden ließen. Durch die an seiner Persönlichkeit sichtbar gemachten Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit sollen nach Aussagen der South China Morning Post die moralischen Standards des Volkes verbessert und die Stabilität der Gesellschaft gestärkt werden. UCAN weist darauf hin, dass trotz der seit fast 50 Jahren laufenden Kampagne die heutige chinesische Gesellschaft von Korruption, Lebensmittelskandalen, Misswirtschaft, Rücksichtslosigkeit und Ungerechtigkeit geprägt sei und traditionelle moralische Werte immer mehr in Vergessenheit gerieten. Dem soll die neue Propagandakampagne der Regierung, die ein stärker menschliches Bild anstelle des bisherigen idealisierten Idols zeichnet, entgegenwirken (South China Morning Post 28.02.2012.; UCAN 18.03.2012).

27. Februar 2012:
Neues Dokument zur Ermutigung und Regulierung des Engagements religiöser Gruppen in der Wohlfahrt
Die von sechs Regierungsabteilungen herausgegebenen „Ansichten bezüglich der Ermutigung und Regulierung von Wohlfahrtsaktivitäten der religiösen Kreise“ (关于鼓励和规范宗教界从事公益慈善活动的意见) begrüßen die karitativen Hilfsangebote religiöser Gruppen und bestätigen, dass diesen steuerliche Begünstigungen und staatliche Zuwendungen zustehen, wenn sie sich registrieren lassen [was jedoch oft schwierig ist]. Allerdings dürfen nach den neuen Regelungen mit den sozialen Aktivitäten keine Glaubensinhalte verbreitet werden und die religiösen Hilfsorganisationen müssen frei von ausländischen Einflüssen arbeiten. Deshalb dürfen Fördermittel und Spenden aus dem Ausland nicht angenommen werden, wenn damit religiöse oder politische Bedingungen verbunden sind. Außerdem sollen religiöse Hilfsorganisationen der Überwachung, Leitung und Kontrolle der mit ihnen in Verbindung stehenden Regierungsabteilungen unterstehen. Der Religionsabteilung oberhalb der Kreisebene sollen solche Gruppen ihren Jahresarbeitsplan vorlegen. Laut AsiaNews wird durch die neuen Regelungen insbesondere das Ziel verfolgt, den Geldzufluss für islamische und tibetische Gruppen zu stoppen, die zwar religiös seien, aber auch starke politische Aspekte aufwiesen, die die Regierung eindämmen wolle (AsiaNews 3.02.2012; South China Morning Post 28.02.2012).

5. März 2012:
Wen Jiabao kündigt Programm zur Armutsbekämpfung und Entwicklung an – zuvor wurde die offizielle Armutsgrenze angehoben
Der chinesische Ministerpräsident hat bei der Eröffnung der Fünften Sitzung des Nationalen Volkskongresses in Beijing am 5. März die Einführung eines Programms zur Armutsbekämpfung und zur Entwicklung ländlicher Gebiete für den Zeitraum von 2011 bis 2020 angekündigt. Davon sollen vor allem die besonders armen Regionen Chinas profitieren. Hierzu gehören 11 Bergregionen und die vorwiegend von Tibetern bewohnten Gebiete der Provinzen Sichuan, Yunnan, Gansu und Qinghai sowie der südliche Bereich der autonomen Region Xinjiang. Die immer größer werdenden Vermögensunterschiede zwischen der städtischen und ländlichen Bevölkerung, zwischen den Küstenregionen und den Provinzen im Landesinneren sowie ganz allgemein zwischen den Reichen und den Armen werden von Regierungsstellen als besorgniserregend bezeichnet. So war 2010 das durchschnittliche Einkommen der Stadtbewohner um das 3,23-fache höher als das der Bauern. In der Provinz Guizhou, einer der ärmsten chinesischen Provinzen, beträgt das Bruttoinlandsprodukt zurzeit nur ein Sechstel des Wertes in Shanghai, und es leben dort ca. 15 Millionen Menschen und damit 45% der Bevölkerung dieser Provinz unter der neu definierten Armutsgrenze, die die chinesische Regierung am 29. November 2011 für die Landbevölkerung auf 2.300 Yuan Nettoeinkommen pro Jahr anhob. Als Teil der Armutsbekämpfungsmaßnahmen ist vorgesehen, aus denjenigen Gegenden von Guizhou, die wegen des felsigen Untergrundes nicht für Siedlungen geeignet sind, insgesamt 1,5 Millionen arme Dorfbewohner umzusiedeln (Xinhua 29.11.2011; 13.02.; 12.03.2012).

7. März 2012:
Xindra Tenzin Chodrak: 27.000 Mönche und Nonnen in Tibet wurden ins staatliche Krankenversicherungs­system aufgenommen
14.000 Mönche haben zudem eine Altersversicherung, und 4.300 Mönche aus armen Familien erhalten staatliche Zuschüsse für die Sicherung ihres Existenzminimums, sagte Xindra Tenzin Chodrak, stellvertretender Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses des Autonomen Gebiets Tibet, während einer Podiumsdiskussion beim Nationalen Volkskongress. Alle 46.000 Mönche und Nonnen, die gegenwärtig in Klöstern im Autonomen Gebiet Tibet leben, sollen in die Sozialversicherungssysteme aufgenommen werden. Padma Choling, Regierungschef des Autonomen Gebiets, sagte auf der gleichen Sitzung, der Dalai Lama und seine Anhänger versuchten junge Tibeter anzuziehen. Damit brauche [die Regierung] nicht zu wetteifern, der Schlüssel [zur Popularität] sei vielmehr, den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen (Xinhua 7.03.; vgl. China heute 2011, Nr. 4, S. 222).

 

11. März 2012:
Katholische Kirche in Taiwan bleibt Demonstrationen gegen Nuklearenergie fern
Im Zusammenhang mit dem Jahresgedächtnis der Tsunamikatastrophe und der Atomkatastrophe in Fuku­shima veröffentlichten führende Persönlichkeiten der protestantischen Kirchen, der Buddhisten, der Muslime in Taiwan und der daoistischen Zhengyi-Sekte ein gemeinsames Statement, in dem sie vor der Nutzung von nuklearer Energie warnten und die Regierung zur Abschaffung dieser Energieform in Taiwan sowie zur entschiedenen Förderung regenerierbarer Energien aufrief. Gemeinsam mit 70 weiteren Gruppen nahmen sie am 11. März zusammen mit Tausenden Taiwanesen an Protesten in Taipei, Taichung (Tai­zhong)und Kaohsiung (Gaoxiong) teil. Wie UCAN berichtete, zeichnete die katholische Kirche weder das Statement noch stellte sie sich offiziell gegen die Nutzung atomarer Energie. Ein Sprecher der Bischofskonferenz erklärte, die Kirche Taiwans halte sich damit an eine Entscheidung vatikanischer Politik, sich im Streit um die friedliche Nutzung nuklearer Energie neutral zu verhalten. Allerdings sagte ein Vertreter der Bischofskonferenz, der nicht namentlich genannt werden wollte, dass „Kirchenführer nicht dagegen seien, dass Katholiken als Privatpersonen an den Protesten teilnähmen“ (UCAN 12.03.2012).

Ureinwohner fordern die Schließung des Atommülllagers auf der Insel Lanyu. Foto: www.ucanews.com

14. März 2012:
Wen Jiabao missbilligt Selbstverbrennungen von Tibetern
Auf einer Pressekonferenz äußerte der chinesische Ministerpräsident, es habe in letzter Zeit in den tibetischen Gebieten das Phänomen der Selbstverbrennung einiger Mönche gegeben. „Wir missbilligen es, dass solch extreme Taten benutzt werden, um die Harmonie der Gesellschaft zu zerstören.“ Die jungen Mönche seien unschuldig, „wir empfinden großen Schmerz angesichts ihres Handelns“. Mit oder ohne direkte Beteiligung des Dalai Lama bilde die sogenannte „Exilregierung“ in Dharamsala eine Einheit von Politik und Religion mit dem Ziel, Tibet vom Mutterland abzutrennen, wozu China einen klaren Standpunkt habe. In Tibet müsse die Wirtschaft entwickelt, aber gleichzeitig der Schutz der Umwelt und der kulturellen Traditionen beachtet werden. Die Glaubensfreiheit der tibetischen Landsleute werde respektiert (Xinhua 14.03., nach www.sara.gov.cn). 

15. März 2012:
UCAN: 20–30 Theologiestudenten aus Festlandchina studieren in Taiwan
UCAN berichtet von einer interessanten Entwicklung im Bereich der Zusammenarbeit von Taiwan und Festlandchina im Bereich der theologischen Ausbildung. Nach Angaben des Vorsitzenden der Bischofskonferenz Taiwans, Erzbischof John Hung Shan-chuan (Hong Shanchuan) SVD, studieren zu Beginn des Jahres 2012 20–30 Priester, Ordensschwestern und Brüder im Alter von 20 bis 30 Jahren an der Katholischen Theologischen Fakultät der Fu Jen-Universität in Hsin­chuang (Xin­zhuang), Taipei. Diese Möglichkeit ergab sich a) durch die Öffnung Taiwans für die Zulassung von Studenten aus Festlandchina – vor allem – zu privaten Universitäten auf der Insel, ferner b) durch ein Übereinkommen Ende 2011 zwischen der Regierung Taiwans und der vatikanischen Bildungskongregation, dass Titel und Abschlüsse der Theologischen Fakultät offiziell in Taiwan anerkannt werden (vgl. China heute 2011, Nr. 4, S. 223), und nicht zuletzt auch c) durch Verhandlungen von Erzbischof Hung mit Wang Zuo’an, dem Direktor des staatlichen Religionsbüros, die bereits vor etwa zwei Jahren ihren Anfang genommen hatten. Die erste Gruppe von Studenten aus Festlandchina begann ihre Studien im Herbst 2011. Taiwan arbeitet am weiteren Ausbau dieses Programms. Erzbischof John Hung sieht Vorteile sowohl für die Kirche auf dem Festland, indem die Studenten eine gediegene Ausbildung im Rahmen der universalen Kirche erhalten, als auch für die Kirche Taiwans, die sich Hilfe im Zusammenhang mit der niedrigen Zahl der Berufungen auf der Insel erhofft, auch wenn die Möglichkeiten eines Einsatzes von Klerikern und Ordensschwestern von Festlandchina bei der gegenwärtigen Gesetzeslage in Taiwan noch sehr begrenzt sind (UCAN 15.03.2012).

18. März 2012:
Shanghai: Priesterweihen ohne Weihbischof Joseph Xing – neuer Generalvikar Thaddäus Ma
Sieben Diakone – sechs aus der Provinz Shaanxi, einer aus der Inneren Mongolei stammend – empfingen am 18. März, dem Vortag zum Fest des Hl. Joseph, in der Kathedrale von Shanghai aus den Händen des 95-jährigen Bischofs Aloysius Jin Lu­xian die Priesterweihe. Ursprünglich war die Weihe für den 10. Dezember vergangenen Jahres vorgesehen, wurde jedoch kurzfristig abgesagt, nachdem sich Bischof Jin bei einem Sturz eine Rippe gebrochen hatte. Die Weihe war überschattet vom Fernbleiben des 49-jährigen Weihbischofs Joseph Xing Wenzhi, der seit mehreren Monaten nicht mehr öffentlich aufgetreten war. Nach monatelangen Gerüchten hatte Bischof Jin schließlich den Rücktritt des Weihbischofs mitgeteilt, so eine Meldung von Eglises d’Asie. Der aus der Provinz Shandong stammende Xing Wenzhi war ursprünglich der Wunschkandidat von Bischof Jin und empfing 2005 mit Erlaubnis Roms wie der chinesischen Regierung die Bischofsweihe. Lange Zeit galt er als designierter Nachfolger von Bischof Jin. In der Woche vor Weihnachten ernannte Bischof Jin jedoch Priester Thaddäus Ma Daqin, einen gebürtigen Shanghaier, zum Generalvikar der Diözese. Priester Ma hatte zunächst im Untergrund gearbeitet, aber seit einigen Jahren wichtige Aufgaben in der offiziellen Kirche übernommen. Weihbischof Xing, ein geradliniger, aufrichtiger Kirchenvertreter, war seit längerer Zeit in Ungnade bei der Regierung gefallen. Wie UCAN schreibt, wurde er vor allem für seine Haltung während der 8. Nationalversammlung der Vertreter der katholischen Kirche Chinas im Dezember 2010 in Beijing kritisiert. Dort weigerte er sich, Bischofskleidung zu tragen, und bekundete eine sehr unkooperative Haltung. Die Gründe für den Rücktritt von Weihbischof Xing bleiben unklar. Nach Eglises d’Asie sprechen einige von persönlichen Gründen. Auf jeden Fall jedoch sei er Opfer des Kontrollsystems und des Drucks seitens der Regierung gewesen. Was auch immer die Gründe seien – so Eglises d’Asie –, der Rücktritt habe einen Schock unter dem Klerus in China ausgelöst (vor allem bei all den jungen Priestern, die von Xing Wenzhi in den langen Jahres seines Dienstes als Rektor des Seminars von Shanghai unterrichtet worden waren) (Eglises d’Asie 21.03.2012; UCAN 13.01.2012, Vatican Insider 30.12.2011).

19. März 2012:
Tibet Daily fordert stärkere Kontrolle von „wandernden“ Mönchen und langfristigen Mechanismus für das Management der Klöster in Tibet
In einem Leitartikel rief die Parteizeitung Xizang ribao (Tibet Daily, Lhasa) dazu auf, insbesondere die „wandernden“ Mönche und Nonnen (liudong sengni 流动僧尼) zu regulieren, den Aufbau der Institute für den tibetischen Buddhismus und die Kontrolle über die Reinkarnierung Lebender Buddhas zu verstärken und einen „langfristigen Mechanismus für das Management der Klöster“ (simiao guanli de changxiao jizhi 寺庙管理的长效机制) aufzubauen. Padma Choling, Regierungschef des Autonomen Gebiets Tibet, hatte laut South China Morning Post während der Sitzung des Nationalen Volkskongresses bestätigt, dass Regierungskader dauerhaft in den tibetischen Klöstern stationiert würden, wobei bereits 21.000 Kader in 5.451 Dörfer des Autonomen Gebiets verteilt worden seien. – Nach Angaben von Human Rights Watch vom 16. März handelt es sich bei dem „langfristigen Mechanismus“ um eine neue Form der Überwachung. Die  bisher von den Mönchen (wenn auch unter Kontrolle) gewählten und aus Mönchen bestehenden „demokratischen Verwaltungskomitees“ der Klöster im Autonomen Gebiet Tibet würden dabei nicht gewählten Verwaltungskomitees, in denen Regierungskader vertreten seien, unterstellt (Human Rights Watch 16.03.; South China Morning Post 20.03.).

19. März 2012
Untergrundbischof von Wenzhou von der Regierung zu „Studienzwecken“ weggebracht
Der 49-jährige Bischof-Koadjutor Peter Shao Zhumin von Wenzhou und sein Kanzler Fr. Paul Jiang Sunian wurden von Regierungsbeamten verschleppt, um an „Studienkursen“ teilzunehmen. Bischof Shao wurde 2007 vom Heiligen Stuhl zum Leiter der Untergrundkirche in Wenzhou ernannt und ist nicht von der Regierung anerkannt. Falls beide „intelligent genug seien in ihren Studien“, dürften sie bald wieder nach Hause, falls nicht, würden sie länger in Haft bleiben, zitierten kirchliche Quellen vor Ort die Regierungsbeamten. „Ihre Freilassung hängt davon ab, ob sie die Religionspolitik der Regierung akzeptieren“, so eine der Quellen. Auch einige der 17 Untergrundpriester der Diözese wurden zu Verhören abgeholt. Es wird vermutet, dass die Vorfälle mit der geheimen Bischofsweihe in der Diözese Tianshui in der Provinz Gansu im vergangenen Jahr zu tun haben. Die Regierung will offensichtlich herausbekommen, wer in die Weihe involviert war. Bischof Johannes Wang Ruowang von Tianshui wurde Ende Dezember ebenfalls zu „Studienkursen“ weggebracht (UCAN 22.3.2012, siehe Eintrag 30. Dezember).

22. März 2012:
Sitzung im Religionsbüro zum neuen Regierungsdokument über die Wohltätigkeitsaktivitäten der Religionen
Unter Vorsitz von Wang Zuo’an, dem Direktor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA), studierten Vertreter der nationalen Organisationen der fünf großen Religionen die am 16. Februar 2012 vom BRA zusammen mit der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und verschiedenen Staatsministerien erlassenen „Ansichten zur Ermutigung der religiösen Kreise zur Durchführung von Wohltätigkeitsaktivitäten und zu deren Regulierung“. – Liu Yuanlong, Vizevorsitzender der Patriotischen Vereinigung der chinesischen katholischen Kirche, erklärte auf der Sitzung, die Kommission für Wohltätigkeit von Patriotischer Vereinigung und [offizieller] Bischofskonferenz müsse ihre Funktion als „Plattform“ für eine gemeinsame Arbeit der lokalen katholischen Sozialdienstorganisationen entfalten. Das Religionsbüro rief zudem zur Vorbereitung der für dieses Jahr geplanten „Wohltätigkeitswoche der Religionen“ auf (www.catholicchurchinchina.org 29.03.). – Eine deutsche Übersetzung der „Ansichten“ finden Sie hier auf unserer Webseite.

22. März 2012:
Kardinalstaatssekretär Bertone zu Beziehungen Vatikan – China
In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa hat sich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone auf die Frage zur Zukunft der Beziehungen des Vatikans zu Beijing wie folgt geäußert: „Um es vorweg zu sagen, es gibt Beziehungen zu China und der Dialog wurde nicht abgebrochen, obgleich er zeitweise schwierig ist und ‚auf und ab‘ geht. Die katholische Gemeinschaft in China lebt, arbeitet und liebt den Papst und die Kirche und ist eng verbunden mit der Universalkirche. Viele kirchliche oder katholische Institutionen unterhalten Beziehungen von hohem kulturellem Wert mit den chinesischen Institutionen. All dies kann nur von Vorteil sein für die Beziehungen mit Beijing. Wenn man auf den bereits erreichten Fortschritt sieht, dann kann man eine positive Begegnung zwischen der katholischen Kirche in ihrer friedfertigen und humanisierenden Mission und dem großartigen chinesischen Volk nicht ausschließen, sondern vielmehr voraussehen – und dazu müssen wir ermutigen.“ (La Stampa 22.03.).

25. März 2012:
Wahlen in Hongkong: Kirchen fordern allgemeines Wahlrecht
Im Vorfeld zu den Wahlen des neuen Verwaltungschefs von Hongkong am 25. März plädierten die christlichen Kirchen für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts sowohl für den Verwaltungschef wie auch den gesamten Legislativrat. Nach dem derzeitigen System wurde der Unternehmer Leung Chun-ying mit 689 von 1.200 Stimmen vorher nominierter Wahlmänner bzw. -frauen gewählt, die vor allem der Geschäftswelt und pro-Beijinger Gruppen entstammen. Leung hatte die Unterstützung der Beijinger Zentralregierung. Der Hongkonger Christenrat veranstaltete am 23. März ein Gebetstreffen aus Protest gegen die undemokratische Wahl. Kardinal John Tong Hon hatte ebenfalls zu Gebeten für den 25. März aufgerufen und sich für direkte Wahlen vor 2017 ausgesprochen. 2017 ist das Jahr, in dem die Hongkonger ihren Regierungschef zum ersten Mal direkt wählen dürfen. Der neue Verwaltungschef soll diesen Prozess einleiten. Die katholische Wochenzeitung Sunday Exam­iner plädierte ebenfalls in scharfem Ton für mehr Demokratie und direkte Wahlen: „Wer auch immer unter dem gegenwärtigen System gewählt wird, dem fehlt in den Augen des Volkes die Legitimität.“ 2.000 Protestler – darunter auch Christen – hatten die Nacht vor dem Konferenzzentrum verbracht, in dem das Wahlkomitee am Wahltag zusammentrat. Es kam zu Tumulten, als sie versuchten, das Zentrum zu stürmen (AsiaNews 26.03.; ENI 23.03; Sunday Examiner 24.03; 7.04.; www.faz.net 25.03.; siehe auch China heute 2012, Chronik, 19. Februar 2012).

25. März 2012:
Neuer anglikanischer Bischof für Hongkong geweiht
In Anwesenheit von 22 anglikanischen Bischöfen aus Asien, Europa und Nordamerika wurde Andrew Chan Au-ming von der Diözese Westliches Kowloon am 25. März in der St. John’s Kathedrale in Hongkong zum Bischof geweiht. Mit ihm gibt es nunmehr drei amtierende Bischöfe in der Anglikanischen Kirche von Hongkong. Der 50-jährige Bischof Chan wurde 1992 zum Priester geweiht und machte 2004 an der University of London seinen Magister in Pastoraltheologie. Ein Jahr später wurde er zum ersten chinesischen Pastor der St. John’s Kathedrale ernannt (UCAN 27.03.).

26. März 2012:
Kontroversen über Priesterweihen in Provinz Yunnan
Trotz Warnungen und Kritik innerhalb und außerhalb Chinas weihte der von Rom nicht anerkannte Bischof Joseph Ma Yinglin von Kunming, der gleichzeitig auch Vorsitzender der offiziellen Chinesischen Bischofskonferenz ist, in der Herz-Jesu-Kathedrale in Dali sechs junge Männer zu Priestern. Unter den 16 Konzelebranten waren auch ein in Dali studierender amerikanischer Maryknoll-Priester sowie zwei koreanische Benediktiner, deren Orden das Kleine Seminar von Dali unterstützt, was zu vielen kritischen Stimmen führte. Die Neupriester gehören zu den Diözesen Dali und Kunming sowie zur Apostolischen Präfektur Zhaotong, alle drei in der Provinz Yun­nan gelegen. Es war die erste Priesterweihe seit der Errichtung der Diözese Dali im Jahre 1946. Einer der drei Neupriester der Diözese ist tibetischer Abstammung, die beiden anderen gehören zum Volk der Miao sowie der Jingpo. In der Diözese Dali gab es bisher lediglich drei Priester und drei Schwestern, die für die 80.000 Katholiken arbeiten, von denen die Mehrzahl sieben Stammesgruppen angehört, die in entlegenen Berggebieten leben. Ein Priester müsse jährlich fast 60.000 km zurücklegen, um die Gläubigen zu besuchen, so eine Quelle in Dali (UCAN 13.,28.03.).

Katharina Feith
Jan Kwee
Martin Welling
Katharina Wenzel-Teuber

Aus: China heute 2012, Nr. 1, S. 9-14, und Nr. 2, S. 89.



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