
Im Juli und September dieses Jahres fanden in der katholischen Kirche Chinas erneut vier Bischofsweihen statt. Folgende Bischöfe wurden geweiht (zu Einzelheiten siehe die Chronik in dieser Nummer):
| 10. Juli 2010: | Anton Xu Zhiwei (75 Jahre) zum Bischof von Taizhou (Provinz Zheijiang) |
| 15. Juli 2010: | Johann Baptist Yang Xiaoting (geb. 1964) zum Bischof von Yan’an (Yulin, Provinz Shaanxi) |
| 16. September 2010: | Paul Meng Ningyou (geb. 1963) zum Koadjutor-Bischof von Taiyuan (Provinz Shanxi) |
| 21. September 2010: | Peter Wu Junwei (geb. 1963) zum Bischof von Yuncheng (Provinz Shanxi) |
Wie schon bei den ersten vier Weihen dieses Jahres (vgl. China heute 2010, Nr. 2, S. 72f.) waren auch hier die Kandidaten sowohl vom Papst als auch von den chinesischen Behörden ernannt. Auch waren die Hauptkonsekratoren und alle an den jüngsten vier Weihen beteiligten Bischöfe von Rom anerkannt.
Hinsichtlich der Bewertung dieser Tatsache gab es unterschiedliche Meinungen. Kardinal Joseph Zen, der emeritierte Bischof von Hongkong, kritisierte die Schlussfolgerung „Peking will Bischöfe, die vom Papst ernannt sind“. Mit einer Stellungnahme in Asianews wandte sich der Kardinal am 29. Juli gegen einen Artikel dieses Titels, den Gianni Valente in der Zeitschrift 30Giorni (2010, Nr. 5) veröffentlicht hatte. Valente bezog sich darin außer auf die jüngsten Weihen auch auf ein am 13. Mai publiziertes Interview der quasi-offiziellen Global Times mit zwei auf Christentum und Religionspolitik spezialisierten Beijinger Wissenschaftlern: Zhuo Xinping (Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften) und Liu Peng (Pushi Institute for Social Science). Dort hatte Liu Peng u.a. geäußert, „dass die chinesische Regierung den römisch-katholischen Glauben mehr respektiert und besser versteht, dass die vatikanische Ernennung der Bischöfe ein Schlüsselelement der katholischen Tradition ist“. Valente schloss daraus auf eine „kopernikanische Wende“ und sah die jüngsten Weihen „als eine Art Bewährungsprobe für ein mögliches Rahmenabkommen pro tempore“ zwischen Beijing und Rom in der Frage der Bischofsernennungen.
Kardinal Zen hielt dagegen, dass Beijing nur durch den entschiedenen Glauben der chinesischen Katholiken, die Bischöfe ohne päpstliche Ernennung nicht akzeptieren, zu diesem Kompromiss gezwungen worden sei. Die „Wahlen“ der Bischöfe durch die örtliche Gemeinde seien zudem fast immer über die Patriotische Vereinigung von der Regierung manipuliert. Die Regierung „übt dazu noch so viel Druck auf den Heiligen Stuhl aus, dass ihre Kandidaten approbiert werden (Kandidaten, die sie sich seit langem herangezogen haben)“, schrieb Zen. Die schärfste Kritik übte er an Valentes Aussagen zur bevorstehenden 8. Nationalversammlung der chinesischen Katholiken. Während Valente die Sorge äußerte, dem Druck nachgebende teilnehmende Bischöfe könnten „wieder einmal ... an den Pranger gestellt“ werden, hält Zen eine Teilnahme der Bischöfe an diesem höchsten, von den Behörden kontrollierten „Selbstleitungsgremium“ für „Sklaverei“ und unvereinbar mit ihrem Status der Einheit mit dem Papst.
Sehr problematisch bleibt die Situation in der Diözese Baoding, wo am 7. August in einer, wie es hieß, kurzfristig von der Regierung angesetzten Zeremonie der früher im Untergrund tätige Koadjutor-Bischof An Shuxin als Ortsbischof installiert wurde, obwohl es bereits einen Ortsbischof gibt – Bischof Su Zhimin, der seit 13 Jahren im Gefängnis ist. Dies habe die Spaltung in der Diözese weiter verstärkt, äußerten Beobachter (siehe Chronik, 7. August).
Katharina Wenzel-Teuber
Quellen: 30Giorni 2010, Nr. 5; Asianews 29.07.2010; opinion.globaltimes.cn/commentary/2010-05/531147.html.
From: China heute 2010, No.3, pp. 143-144.