
John Tong Hon, Bischof von Hongkong, gehört zu den 22 neuen Kardinälen, die Papst Benedikt XVI. im Konsistorium am 18. Februar 2012 in das Kardinalskollegium aufnahm. Der 72-jährige ist der siebte chinesische Kardinal in der Kirchengeschichte und der dritte Kardinal der Diözese Hongkong – nach dem verstorbenen John Baptist Kardinal Wu Cheng-chung und Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, dem Vorgänger von Bischof Tong. Gegenüber dem Sunday Examiner (Hongkong) sagte Tong am 9. Januar, er fühle sich „unwürdig und dennoch priviligiert“. Seine Erhebung zum Kardinal sei „ein Zeichen der großen Liebe und Fürsorge des Papstes für die katholische Kirche in China und eine Ermutigung der Diözese Hongkongs in ihren Bemühungen um die Versöhnung und Wiederherstellung der vollen Einheit zwischen der Kirche in China und der Universalkirche“. In einem Brief an das China-Zentrum betonte John Tong, es sei eine Ehre für alle Katholiken in der Diözese Hongkong und gleichfalls eine Ehre für die Katholiken in China.
Hongkong ist somit eine der wenigen Diözesen, die über zwei Kardinäle verfügen, wobei Kardinal Zen, der 2006 in das Kardialskollegium aufgenommen wurde, nach Vollendung seines 80. Lebensjahres am 13. Januar 2012 nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen darf. Mit Paul Kardinal Shan Kuo-hsi (Shan Guoxi) SJ in Kaohsiung (Gaoxiong, Taiwan) – der mit 90 ebenfalls die Altersgrenze überschritten hat – gibt es zum ersten Mal in der Geschichte drei chinesische Kardinäle im Kardinalskollegium.
John Tong wurde am 31. Juli 1939 in Hongkong geboren und wuchs in Guangzhou auf. Seine Eltern ließen sich und den Jungen taufen, als er ein Kind war. Er studierte Theologie in Macau, Hongkong und Rom und wurde am 6. Januar 1966 in Rom – kurz nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils – von Papst Paul VI. zum Priester geweiht. 1969 wurde er an der Päpstlichen Universität Urbaniana zum Doktor der Theologie promoviert. 1979 erwarb er zudem den Magister der Philosophie an der Chinese University of Hongkong. Seit 1970 doziert John Tong Dogmatik und chinesische Philosophie am Holy Spirit Seminary in Hongkong, dessen Rektor er zehn Jahre lang war, seit 1980 leitet er das diözesane Holy Spirit Study Centre, das Informationen über die Kirche Chinas und den chinesischen Kontext dokumentiert und analysiert und somit eine Brückenrolle zur Kirche auf dem chinesischen Festland wahrnimmt. 1992 wurde er Generalvikar und 1996 Weihbischof der Diözese. Am 30. Januar 2008 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Koadjutorbischof und damit designierten Nachfolger von Kardinal Joseph Zen (vgl. China heute 2008, Nr. 1-2, S. 23f., und 2009, S. 77f.). Nach der Emeritierung von Kardinal Zen übernahm Bischof Tong dieses Amt am 15. April 2009. Tong ist der siebte Bischof von Hongkong und der bisher einzige, der in Hongkong geboren wurde. Er ist im Vatikan u.a. Berater der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und Mitglied der China-Kommission.
Eine Delegation der Diözese Hongkong nahm an den Feierlichkeiten in Rom teil. Am 20. Februar feierte Kardinal Tong im Pontificio Collegio Urbano, wo er in den Jahren 1964 bis 1966 als Seminarist lebte, eine Dankmesse.
Unter den neu kreierten Kardinälen ist auch der 65-jährige Fernando Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Von 1992 bis 2001 war er Leiter der Studienmission des Vatikans in Hongkong und so Bezugsperson zur Kirche in China. Bischof Tong bemerkte gegenüber dem Sunday Examiner, Filoni sei „sehr fähig, mit viel Erfahrung in Asien. Angesichts der Situation in China, so denke ich, wird er viel Gutes tun und wichtige Beiträge leisten“.
Kardinal Tong, ein gleichzeitig reservierter wie resoluter Mann des Ausgleichs, kann eine bedeutende Rolle spielen bei der Überwindung der Kluft zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Behörden. Dialog ist das große Stichwort, das er in Interviews immer wieder verwendet. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sind für ihn allerdings nicht von alleiniger Bedeutung. Themen wie die Versöhnung zwischen offizieller und Untergrundkirche sowie die Aus- und Weiterbildung des Klerus und der Laien sind für ihn ebenfalls von höchster Priorität.
In einer Pressekonferenz in Hongkong am 2. März bezeichnete sich John Tong als einen „pastoralen Bischof“. Seine Vision für die Diözese habe sich nicht verändert, aber er sei nun dazu berufen, mit größerem Mut zu dienen, da das Rot der Kardinäle das Rot des Blutes der Märtyrer symbolisiere. Wieder betonte er den Dialog als die große Herausforderung, insbesondere im Umgang mit Beijing, nachdem nach den letzten beiden illegitimen Bischofsweihen im vergangenen Jahr die sino-vatikanischen Beziehungen einen Rückschritt erlitten hätten. „Dialog ist besonders wichtig, vor allem in schwierigen Zeiten, da nur der Dialog die Probleme lösen und Schwierigkeiten überwinden hilft“, so der Kardinal. Gleichzeitig sagte er, dass der Weg vorwärts über Verhandlungen führe und die Priester, die sich illegitim zu Bischöfen weihen ließen, Mitverantwortung trügen für den Zusammenbruch des Dialogs. Verglichen mit früher habe sich die Situation der Gläubigen in China jedoch insgesamt in gewisser Weise verbessert. So sieht er trotz aller Schwierigkeiten mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft.
In Hongkong selbst möchte Kardinal Tong sich weiterhin für die Verwirklichung der katholischen Soziallehre einsetzen, auch wenn er z.B. an keinen Versammlungen für die Durchsetzung eines allgemeinen Wahlrechts teilnehmen und auch die Katholiken Hongkongs nicht dazu aufrufen werde. Es liege ihm mehr daran, seine Meinungen in gemäßigtem Ton auszudrücken. „Ich glaube, dies hat größere Wirkung.“ Gleichzeitig jedoch lenkte er die Aufmerksamkeit der Medien auf ein Dokument vom 19. Februar, das die Erwartungen der Diözese Hongkong an die Regierung der Sonderverwaltungszone beschreibt (siehe „Chronik“ dieser Nummer).

Gegenüber den mehr als 1.000 Gläubigen – unter ihnen auch viele von Festlandchina – betonte Kardinal Tong während einer feierlichen Messe am 3. März in der Kathedrale von Hongkong, dass die Sorge um China eines seiner wichtigsten pastoralen Anliegen sei. Die Lokalkirche werde ihren Auftrag für die Kirche in China in „einer vorsichtigen und diskreten Weise“ fortsetzen. Als „Brückenkirche“ helfe die Kirche in Hongkong der Kirche auf dem Festland bei der Formation, der Versöhnung und beim Erlangen der vollen Einheit mit dem Heiligen Vater und der Universalkirche. Der Kardinal rief zum Gebet für „die Wiedereröffnung des Dialogs zwischen China und dem Vatikan“ auf sowie für „Gnadengaben für die Exkommunizierten, damit ihre frühzeitige Reue unserer Kirche Versöhnung bringt und auf diese Weise die Wunden in unserer Kirche geheilt werden können“. Als wichtiges Anliegen nannte Kardinal Tong auch die Fürsorge für nicht-chinesische Katholiken in der Diözese. Er ermutigte alle Pfarreien, sonntags mindestens eine englischsprachige Messe anzubieten.
Bei der Messe konzelebrierten Kardinal Zen, Kardinal Shan, Bischof José Lai von Macau, Vatikanvertreter und etwa 100 Priester. Ein Dutzend Pastoren anderer christlicher Kirchen in Hongkong nahm ebenfalls an der Liturgiefeier teil.
Die sehr lebendige Diözese Hongkong spielt trotz eines prozentual geringen Anteils der Katholiken an der Gesamtbevölkerung (ca. 5%) durch eine große Zahl von Schulen wie auch sozial-karitativen Einrichtungen, aber auch durch das gesellschaftspolitische Engagement von Katholiken eine nicht unbedeutende Rolle in der Hongkonger Gesellschaft. Sie zählt ca. 500.000 Gläubige (davon 138.000 nicht-chinesische Katholiken, insbesondere philippinische Hausangestellte) und seit 2008 über 5.000 Taufen pro Jahr, darunter die Hälfte Erwachsenentaufen.
Die Kirche in Deutschland ist u.a. über das Partnerbistum Essen sowie das China-Zentrum und dessen Mitgliedsorganisationen seit vielen Jahren der Diözese Hongkong und ihren Bischöfen eng verbunden.
Katharina Feith
Quellen (2012): AsiaNews 17.02., 7.03.; Hong Kong Sunday Examiner 14.01., 25.02, 10.03.; UCAN 1.02., 5.03.; Vatican Insider 22.01. (Gerard O’Connell). Siehe auch das Interview mit Kardinal Tong in der Dokumentation dieser Nummer.
From: China heute 2012, No.1, pp. 4-5.