chinesiches Zeichen

Das Marienheiligtum von Sheshan nahe Shanghai

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Brief an „die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China“ die Kirche weltweit dazu aufgerufen, alljährlich am 24. Mai für die Kirche in China zu beten. Er verweist in seinem Schreiben auf das Marienheiligtum von Sheshan.

Im Juni 1989, nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, betete bereits Papst Johannes Paul II. zur Jungfrau von Sheshan, der Helferin der Christen, dass sie gütig auf „das geliebte chinesische Volk“ blicken möge. Dies zeigt die Bedeutung dieser Wallfahrtsstätte. Sheshan liegt etwa 35 km außerhalb von Shanghai. Mit seinen Bambuswäldern und einem milden Klima ist der Hügel ein beliebtes Ziel von Wallfahrern, aber auch Touristen.

Die ersten Missionare siedelten sich 1844 auf dem Sheshan an. Im Jahr 1864 errichtete ein chinesischer Laienbruder auf dem Hügel einen sechseckigen Pavillon, in dem er ein eigenhändig gemaltes Muttergottesbild aufstellte, das er unter dem Titel „Hilfe der Christen“ verehrte. 1871 begannen die Jesuiten mit dem Bau einer ersten Kirche auf dem Berggipfel und weihten sie Maria, der Helferin der Christen. Seither hat sich die Verehrung der Gottesmutter von Sheshan im ganzen Gebiet verbreitet und alljährlich wird am 24. Mai feierlich ihr Fest begangen. Auf halber Höhe des Berges liegt eine weitere Kirche, die 1894 erbaut wurde.

Im Jahre 1924 weihten die Bischöfe Chinas das Land der Muttergottes und pilgerten anschließend zum Sheshan. 1925 wurde mit dem Neubau der Marienbasilika auf dem Berggipfel begonnen, die zehn Jahre später eingeweiht werden konnte. Die Basilika hat einen 38 Meter hohen Turm, dessen Spitze eine Bronzestatue der Muttergottes trägt, die ihren Sohn Jesus in die Höhe hebt. Da dieser die Arme segnend ausbreitet, gleicht die Statue aus der Ferne einem großen Kreuz.

Während der Kulturrevolution (1966-1976) wurde die Kirche stark beschädigt. Die ursprüngliche Bronzestatue der Gottesmutter verschwand von der Kirchturmspitze, ebenso andere religiöse Symbole und Gegenstände, einschließlich des Altars.

1981 wurde die Kirche der Diözese Shanghai zurückgegeben und restauriert. Eine Nachbildung der Bronzestatue wurde im Jahr 2000 erneut auf der Kirchturmspitze angebracht. Sie ist das Geschenk von etwa 10.000 Gläubigen.

Heute strömen Jahr für Jahr Zehntausende von Pilgern im Monat Mai mit ihren persönlichen Anliegen zur Muttergottes von Sheshan. Es sind ältere, aber auch junge Menschen, die gemeinsam den steilen Berg bis zum Gipfel ersteigen. Unterwegs machen sie Station bei einer Statue des leidenden Christus im Garten Gethsemane sowie 14 Kreuzwegstationen. Unter den Gläubigen sind auch zahlreiche Fischer aus der Umgebung.

Für den mittlerweile über 90-jährigen Bischof von Shanghai, Aloysius Jin
Luxian SJ, hat die Muttergottes von Sheshan eine ganz besondere persönliche
Bedeutung. Als seine Mutter mit ihm schwanger war, wurde sie schwer krank und war dem Tode nahe. „In ihrer Not betete sie zur Gottesmutter von Sheshan um Heilung und versprach, jedes Jahr eine Wallfahrt dorthin zu machen“, erzählt der Bischof. Nun geht er selber jedes Jahr im Mai zum Sheshan, um die Gottesmutter um ihre Hilfe zu bitten. Nur ein Studium in Europa und seine lange Zeit in Haft – er verbrachte 18 Jahre im Gefängnis und neun in Umerziehungslagern – konnten diese Tradition unterbrechen.

Quellen: Holy Spirit Study Centre (Hong Kong), Diözese Shanghai, Osservatore Romano, Interview China-Zentrum mit Bischof Jin.



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