chinesiches Zeichen

Die katholische Kirche in China

Über eine wechselvolle Geschichte...

Bereits im 7. Jh. kam es zur ersten Begegnung zwischen China und dem
Christentum. Damals erreichten Kaufleute der ostsyrischen Kirche
(„Nestorianer“) auf der Seidenstraße das chinesischen Kaiserreich, das in
dieser Zeit weltoffen war und zu vielen Ländern Handelsbeziehungen unterhielt. Die Nestorianer arbeiteten in China mit den Buddhisten zusammen,
z.B. bei der Übersetzung ihrer Schriften. Eine gegen den Buddhismus
gerichtete Verfolgungskampagne weitete sich jedoch im 9. Jh. auch
auf die Christen aus und brachte das Ende dieser kleinen Kirche in China.

Ende des 16. Jahrhunderts erreichten Jesuitenmissionare China auf dem
Seeweg. Sie versuchten, als Gelehrte die Gunst der chinesischen Oberschicht
und des Kaisers zu gewinnen, und beeindruckten die Chinesen
durch ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse, zum Beispiel in der Astronomie.
Sie erkannten auch, dass das Christentum sich der chinesischen
Kultur anpassen musste, wenn es in China Fuß fassen wollte. So erlaubten
sie den chinesischen Christen, nach chinesischer Tradition ihre Ahnen
und Konfuzius zu verehren. Darüber kam es zum Ritenstreit (besonders
1693–1705): Rom verbot schließlich die Missionierungsmethode der Jesuiten.
Der chinesische Kaiser reagierte darauf mit einem Verbot des Christentums.

Im 19. Jahrhundert kam das Christentum erneut nach China – diesmal als
geteilte Kirche in katholischer und protestantischer Form. Dass seine Missionare
nach den Opiumkriegen unter dem Schutz der Imperialmächte in
China tätig waren, hat dem Ansehen des Christentums nachhaltig geschadet.
Doch wird heute auch von chinesischen Historikern anerkannt, dass
die christliche Mission, besonders in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts,
sehr viel zur Modernisierung Chinas beigetragen hat, etwa im sozialen
und schulischen Bereich.

Diese letzte Phase der China-Mission endete 1949, als die Kommunisten
die Volksrepublik China gründeten. Anfang der 1950er Jahre wurden alle
ausländischen Missionare des Landes verwiesen. Dazu kamen zunehmende
Repressionen gegen Christen, dann die völlige Zerschlagung allen religiösen
Lebens in der Kulturrevolution (1966–1976). Die Öffnung und Liberalisierung
Chinas Anfang der 1980er Jahre brachte auch für die Religionen
eine politische Lockerung. Seither gibt es wieder offen sichtbares religiöses
Leben in China.

... zu einer lebendigen Ortskirche

In ganz China sind die christlichen Gemeinden heute sehr lebendig. Sie sind zwar immer noch eine kleine Minderheit in der chinesischen Bevölkerung von 1,3 Mrd. Menschen, doch sie wachsen dynamisch. Im ganzen Land gibt es heute schätzungsweise 12-14 Mio. katholische Christen, rund viermal so viele wie 1949. Die Zahl der protestantischen Christen wird auf 25-50 Mio. geschätzt. Viele Menschen suchen wieder nach Orientierung bei den Religionen, auch beim Christentum. Ein Teil von ihnen findet den Weg in die Kirchen. In zahlreichen katholischen Gemeinden ist seit einigen Jahren ein missionarischer Aufbruch spürbar. Besonders das Interesse an der Bibel ist groß. An Ostern 2009 wurde die höchste Zahl von Taufen in der katholischen Kirche in neuerer Zeit gemeldet – über 22.000 im ganzen Land, wobei dies nur die offiziell bekannt gewordenen Taufen sind.

Ein besonderes Phänomen in China ist das wachsende akademische Interesse am Christentum. Es hat dazu geführt, dass sich in chinesischen Buchläden eine ganze Reihe von Publikationen über christliche Theologie finden lässt, die aus der Feder nichtchristlicher chinesischer Wissenschaftler stammt. Manche Menschen beschäftigen sich außerdem privat oder im Freundeskreis mit dem Christentum, ohne sich taufen zu lassen.

Im China der „sozialistischen Marktwirtschaft“ ist die Kluft zwischen Arm und Reich dramatisch gewachsen. Viele Menschen, besonders auf dem Land, haben keinerlei soziale Absicherung. Die katholische Kirche engagiert sich zunehmend im karitativen Bereich, etwa durch Kindergärten, kleine Ambulanzen, Hilfe für Findelkinder, Behinderte und Alte, Sorge für Leprakranke oder Stipendien für bedürftige Schüler und Studenten. Auch neue Themen werden in den letzten Jahren aufgegriffen, etwa die HIV/AIDS-Prävention oder die Arbeit mit Migranten.

Die chinesische Religionspolitik, der Brief des Papstes und der 24. Mai

Offiziell sind fünf Religionen in China staatlich zugelassen: Buddhismus, Daoismus, Islam, Katholizismus und Protestantismus. Zwar ist die „Freiheit des religiösen Glaubens“ in der chinesischen Verfassung verankert. Doch zielt die staatliche Religionspolitik auf eine Kontrolle der Religionen ab und steckt der religiösen Betätigung einen engen Rahmen. Besonders stark davon betroffen sind der tibetische Buddhismus und der Islam im Nordwesten Chinas, aber auch die christlichen Kirchen. Deshalb ziehen es viele Katholiken vor, außerhalb der staatlich zugelassenen Kirche zu praktizieren. Diese sog. katholische Untergrundkirche“ wird vom Staat als illegal betrachtet und teils toleriert, teils mit unterschiedlicher Härte unterdrückt. Zwar ist die Spaltung innerhalb der
chinesischen Kirche immer noch schmerzlich spürbar, doch ist die Grenze zum staatlich anerkannten „offiziellen“ Teil der Kirche fließend.

Heute empfinden sich die chinesischen Katholiken, egal ob staatlich anerkannt oder nicht, ganz entschieden als Teil der katholischen Universalkirche. Sie wachsen trotz unterschiedlicher Standpunkte allmählich zusammen. Obwohl die VR China versucht, eine von Rom unabhängige katholische Kirche durchzusetzen, sind heute auch im staatlich zugelassenen Teil der katholischen Kirche Chinas mindestens 85% der Bischöfe vom Papst anerkannt.

Aufgrund dieser besonderen und komplexen Situation schrieb Papst Benedikt XVI. am 27. Mai 2007 einen langen Brief an die katholische Kirche in China. Allein schon die Tatsache, dass der Papst einen Brief an die Katholiken eines einzelnen Landes schreibt, ist ungewöhnlich. In dem Brief dankt er der chinesischen Kirche für ihr Zeugnis der Treue. Er bespricht sodann verschiedene Anliegen, u.a. das Anliegen der Einheit innerhalb der chinesischen Kirche und mit der Weltkirche. Am Ende des Briefes bestimmt der Papst den 24. Mai – den Gedenktag der Jungfrau Maria unter dem Titel „Hilfe der Christen“, die am Sheshan in Shanghai verehrt wird – zum weltweiten Tag des Gebets für die und mit der Kirche in China.

Katharina Wenzel-Teuber, China-Zentrum

Weitere Informationen auf der Website des China-Zentrums und in der Zeitschrift China heute. Informationen über Religion und Christentum im chinesischen Raum.



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