
Im Jahr 1603 ließ sich Xu Guangqi, ein hoher kaiserlicher Beamter, taufen. Bereits als junger Mann hatte er sich für die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der damals in China missionierenden europäischen Jesuiten interessiert und so das Christentum kennengelernt. 1608 kehrte Xu Guangqi zum Begräbnis seines Vaters in seine Heimatstadt Shanghai zurück. Er lud den Jesuiten Lazare Cattaneo ein, ihn zu begleiten und dort das Evangelium zu verkünden. Cattaneo blieb zwei Jahre und taufte in dieser Zeit zweihundert Menschen – der Kern der katholischen Gemeinde in Shanghai.
Nachdem die europäischen Missionare im 18. Jh. China verlassen mussten, hielten die einheimischen Katholiken selbständig das christliche Leben in der Region aufrecht. 1841, kurz nach dem ersten Opiumkrieg, kamen wieder ausländische Missionare nach Shanghai. Die Stadt, die sich schnell zu einem internationalen Handelszentrum entwickelte, wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. auch ein wichtiges Zentrum der katholischen Kirche Chinas. 1924 weihten die dort versammelten Bischöfe Chinas das ganze Land der Muttergottes „Hilfe der Christen“, die im Shanghaier Marienheiligtum auf dem Berg Sheshan verehrt wird.
1955, sechs Jahre nach Gründung der Volksrepublik China, führte die kommunistische Regierung einen ersten schweren Schlag gegen die katholische Kirche Shanghais und verhaftete in einer Nacht über vierhundert Menschen, darunter den damaligen Bischof Gong Pinmei, viele Priester und Gläubige. Eine völlige Unterdrückung allen religiösen Lebens in ganz China folgte in der Kulturrevolution (1966-1976).
Erst 1979 wurde die Shanghaier Kathedrale wieder für den Gottesdienst geöffnet, und 1982 nahm das Shanghaier Priesterseminar als erstes in China nach der Kulturrevolution wieder Priesteramtskandidaten zur Ausbildung auf. Seither ist viel geschehen. Unter der Leitung des heute 91-jährigen Bischofs Aloysius Jin Luxian SJ ist – wie auch in den anderen chinesischen Bistümern – eine neue, junge Generation von Priestern und Ordensschwestern herangewachsen. Seit 2005 hat die Diözese auch einen jungen Weihbischof, Joseph Xing Wenzhi. Die Zahl der Katholiken in der Diözese Shanghai ist trotz der Jahre der Verfolgung von 100.000 im Jahr 1949 auf derzeit 150.000 gestiegen.
Katharina Wenzel-Teuber