chinesiches Zeichen

Direktor des China-Zentrums: "Konkret und wirkungsvoll"

Einen solchen Brief an die chinesischen Katholiken hat es noch nie gegeben.

Dass sich Benedikt XVI. zu diesem Schritt entschlossen habe, wurde Anfang des Jahres bekannt. Am 19. und 20. Januar waren im Vatikan sechs chinesische Bischöfe mit der Führung des Staatssekretariats und weiteren Kurienkardinälen zusammengekommen, um über die Lage der Kirche in der Volksrepublik zu beraten. Am Rande dieses Treffens war zu erfahren, dass der Papst einen Brief an die etwa zwölf Millionen Katholiken in China richten wolle.

Wir haben den Steyler-Missionar und Direktor des China-Zentrums St. Augstin (Bonn), Pater Anton Weber um eine Einordnung des Schreibens gebeten:

„Ich schätze den Brief sehr hoch ein. Es war schon an der Zeit, dass der jetzige Papst sich Mal äußert gegenüber der Kirche in China. Das hat er nun tatsächlich getan. Es ist ja lange überlegt worden. Die Erwartungen waren ungeheuerlich hoch. Weil sich das so hingezögert hat, ist das ein Zeichen dafür, dass der Papst sehr vorsichtig sein wollte, indem was er sagen möchte. So wie ich es nun sehe, hat er eben gewisse Grenzen gehalten. Der Brief ist sehr pastoral ausgerichtet und nicht politisch. Es wird hier richtig deutlich, worum es der Kirche geht: um das Wohl der Gläubigen. Das kommt sehr stark durch.“

Lobenswert findet Pater Weber,
„dass der Papst Hinweise gibt und zwar sehr konkrete Hinweise. Dies betrifft beispielsweise die Bischofsernennungen und das Leben in einer Gemeinschaft, in der dies Thema ist. Dass es Bischöfe gibt, die von der Kirche nicht anerkannt sind, und daher geht es darum, wie sich die Gläubigen zu verhalten haben. Ob das überhaupt gültig ist, damit die Leute wissen, ob sie die Sakramente (von dem jeweiligen Priester) erhalten können.“

Der Brief wird auch Konsequenzen für den Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik haben. Davon ist der China-Experte Pater Weber überzeugt.

„Das ist auch das Wesentliche. Und zwar, dass von innen her Schritte getan werden, wo die Kirche sich einigt, einen gemeinsamen Standpunkt hat und das der hält. Inwieweit nach außen und von den Behörden her, die den Brief sicherlich lesen werden, dies wahrgenommen wird, das ist schwer zu sagen. Vom Staat her gesehen wird die Beziehung zwischen der Kirche und dem Staat eigentlich zu wenig betrachtet. Ob da dieser Brief viel beiträgt? Diese Angst, wie Kardinal Zen immer sagt, und dass sie nicht wissen, was auf sie zukommt, dass ist nicht so leicht aus dem Weg zu räumen.“

Gemäß der französischen Nachrichtenagentur AFP fordert die chinesische Regierung „eine realistische Haltung“ vom Vatikan. Die katholische Kirche solle keine „neuen Hindernisse“ auf dem Weg des Dialogs stellen, schreibt die Regierung in Peking kurz nach der Veröffentlichung des Papst-Briefes.

(rv 30.06.2007 mg)



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