
Bis in die jüngste Zeit ist Chinas muslimische Tradition nur in geringem Maße systematisch erforscht worden. Einige neuere wissenschaftliche Arbeiten bringen erste Studien zur Geschichte und gegenwärtigen Situation der Muslime und des Islam in China. In seinem Buch Muslim Chinese (1991) bot DRU GLADNEY einen der ersten umfangreicheren Berichte über die Hui-Muslime – die größte muslimische ethnische Minoritätengruppe in China – im China nach MAO und ein allgemeines Portrait der muslimischen Völker Chinas. Doch seit seinem Erscheinen haben nur einige wenige Werke die islamische Erneuerungsbewegung im China der 1990er Jahre behandelt. In China wird die Bedeutung und Vielfalt von Chinas islamischem Erbe auch unter Wissenschaftlern zunehmend anerkannt. Nach einer Statistik der Islamischen Vereinigung Chinas hatte China am Ende des 20. Jahrhunderts eine muslimische Bevölkerung von über 20 Mio. Menschen und 35.000 Moscheen. 46.000 akhonds (persisch: Lehrer, Kleriker) oder Geistliche arbeiten für die muslimischen Gemeinschaften, es gibt 20.000 khalifas (arabisch: Nachfolger des Propheten MUHAMMAD – Religionsstudenten an madrasas, d.h. religiösen Schulen) und mindestens 1.000 örtliche Islamische Vereinigungen (darunter 422 auf Kreisebene), die die islamischen Angelegenheiten mit den Regierungsbehörden unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei koordinieren. [...]
Volltext als PDF