chinesiches Zeichen

Rückschau auf das Jahr 2005

1. Information und Bewusstseinsbildung über China

Die Bewußtseinsbildung über China gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Geschäftsstelle. Sie wird vor allem in vier Bereichen durchgeführt:

  • durch die Publikation der Zweimonatszeitschrift China heute und andere Veröffentlichungen
  • durch Organisation von Vorträgen in der Geschäftsstelle und die Durchführung einer Jahresakademie
  • durch Vorträge und Veranstaltungen
  • durch gezielte Gespräche

 
China heute

China heute. Informationen über Religion und Christentum im chinesischen Raum stellt für die Bewusstseinsbildung zu Fragen der Religionen und des Christentums im chinesischen Kulturraum das wichtigste Instrument des China-Zentrums dar.

Die Bezieherzahlen von China heute konnten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden, von 1.482 Ende 1998 auf 1.838 Ende 2005.

Inhaltliche Schwerpunkte waren im Jahr 2005 waren:

  • die Entwicklungen in der Religionspolitik (insbesondere im Zusammenhang mit den ersten nationalen „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“)
  • die Entwicklungen in den sino-vatikanischen Beziehungen (insbesondere nach dem Tod von Johannes Paul II.)
  • die Entwicklungen im sozialen Bereich sowie die Situation des Islam und des Buddhismus
  • weitergeführt wurde auch die systematische bibliographische Auswertung relevanter Materialien

Mehrfach wurden 2005 Artikel aus China heute in Zeitschriftenpublikationen abgedruckt oder zitiert.

Vorträge und Veranstaltungen

  • Prof. Dr. Thomas Heberer (Lehrstuhl Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politik Ostasiens, Universität Duisburg), „Chinas neue Vielfalt. Soziale Konfliktlösungen im urbanen Raum“, 3. Mai 2005 (veröffentlicht unter dem Titel „Soziale Sicherung und Sozialhilfe: Schritte zur ‚Harmonisierung‘ der Gesellschaft im gegenwärtigen China“ in China heute 2005, Nr. 4-5, S. 152-160)
  • Dr. Katrin Fiedler (Amity Foundation, Hongkong), „Der entleibte Drache. Die Situation der protestantischen Kirche in China“, 18. Mai 2005
  • Anthony Lam (Holy Spirit Study Centre, Hongkong), „The Importance of the Chinese Catholic Hierarchy for Evangelization in China Today“ (veröffentlicht in China heute 2006, Nr. 1-2, S. 34-39)
  • Dr. Zhang Kechuang, Professor an der Fachhochschule für Politik- und Rechtswissenschaften in Shanghai, zum Thema „Gegenwart und Zukunft der Aus- und Weiterbildung in der katholischen Kirche Chinas“

 
Im Auftrag des Ökumenischen China-Arbeitskreises organisierten das China-Zentrum und das Evangelische Missionswerk Hamburg folgende öffentliche Vorträge:

  • Dr. Katrin Fiedler (Amity Foundation, Hongkong), „Gesellschaftliche Herausforderungen und Brüche in China – Die Reaktion der Amity Foundation und des Chinesischen Christenrats“, 30. Mai 2005 (veröffentlicht in China heute 2005, Nr. 4-5, S. 161-166)
  • VLR Michaela Spaeth (Stellvertretende Leiterin, Ostasienreferat im Auswärtigen Amt), „Erfahrungen mit dem Rechtsstaatsdialog zwischen der Bundesregierung und der Volksrepublik China“, 28. November 2005
  • Podiumsgespräch auf der Sitzung des Ökumenischen China-Arbeitskreises in Berlin 28. November 2005 „Rechtsstaat, Religionsfreiheit und Handlungsspielräume der Kirchen in China – Welche Einflußmöglichkeiten gibt es von deutscher Seite?“ mit VLR Michaela Spaeth, Ministerialrat Josef Brink (Bundesministerium der Justiz), Prof. Dr. Robert Heuser (Universität zu Köln), Katharina Wenzel-Teuber, Dr. Gotthard Oblau und Dr. Stefan Friedrich (Konrad-Adenauer-Stiftung), Moderation: Dr. Wolfgang Runge

 
Im Rahmen des 21. Chinesisch-deutschen Studententreffens zum Thema „Recht und Rechtverständnis in China und Deutschland“ vom 18.-20. März 2005 in Walberberg fanden folgende Vorträge statt:

  • Prof. Dr. Robert Heuser (Professor für chinesisches Recht, Institut für moderne China-Studien, Universität zu Köln), „Chinesisches Rechtsbewußtsein im Wandel?“
  • Dr. Qian Yuejun (Chefredakteur der Zeitschrift Ouhua daobao und Redakteur der Zeitschrift Laiyin tongxin), „Das Rechtsbewusstsein von Chinesen in Deutschland“
  • Dagmar Borchard, M.A. (Anwältin mit Arbeitsschwerpunkt China), „Das neue Gesetz der VR China zu Bevölkerung und Geburtenplanung: neue Entwicklungen und Zukunft der Einkindfamilienpolitik“

 
Die Mitglieder der Geschäftsstelle hielten auf Einladung Vorträge, gaben Interviews, wirkten mit bei Veranstaltungen Dritter und gingen auf journalistische und andere Anfragen ein.

2. Förderung der Kontakte und Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern

Die Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern ist einer der Schwerpunkte der Aktivitäten der Geschäftsstelle, die seitens der Kirche in China und anderer Institutionen in China ausdrücklich gewünscht wird. Diesem Ziel dienen u.a. die Weitervermittlung von Projektanträgen aus China sowie Besuche in und aus China.

Im Rahmen des Weltjugendtages (WJT) vom 15.–21. August 2005 kamen viele Besucher, u.a. die Bischöfe Joseph Zen Ze-kiun von Hongkong und Bosco Lin Chinan von Tainan (Taiwan) sowie zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen aus der VR China, Hongkong und Taiwan, auch ins China-Zentrum. Das China-Zentrum koordinierte verschiedene Besucher- und Pressetermine und half in einigen Fällen bei der Betreuung; die chinesischen Theologiestudenten und Schwestern betätigten sich als Gastgeber insbesondere für Kommilitonen aus anderen europäischen Ländern sowie als volunteers. Kooperation bestand hinsichtlich des WJT auch mit der Diözese Essen, bei der 110 Pilger aus Hongkong mit Bischof Zen sowie Gruppen von zwei festlandchinesischen Diözesen zu Gast waren (vgl. Bericht in China heute 2005 Nr. 4-5, S. 137f.).

3. Forschungsvorhaben zu den Religionen in China


Ausstellung „Die Gesichter Jesu in China“

Die im Jahre 2003 gemeinsam vom Institut Monumenta Serica und dem China-Zentrum auf Initiative von P. Roman Malek vorbereitete Ausstellung mit Exponaten zum Christusbild in der christlichen Kunst Chinas von den ersten nestorianischen Christianisierungsversuchen (7. Jh.) bis zur Gegenwart wurde unter dem Titel „Chi?skie oblicza Jezusa Chrystusa“ vom 15. Oktober 2005 bis zum 15. Januar 2006 im Staatlichen Ethnographischen Museum in Warschau gezeigt. Veranstalter waren neben dem Institut Monumenta Serica und dem China-Zentrum, Sankt Augustin, das Missionssekretariat der Steyler Missionare in Polen und das Staatliche Ethnographische Museum, Warschau.

4. Publikationen

Band 3a des von P. Roman Malek konzipierten und herausgegebenen Werkes The Chinese Face of Jesus Christ, einer gemeinsamen Publikation von Monumenta Serica und dem China-Zentrum, erschien im Sommer 2005.

5. Bibliothek und Dokumentationsarchiv


Bücher

Ende 2005 waren 1.900 Titel in der Büchersammlung des China-Zentrums registriert. Im Jahre 2005 wurden 50 neue Titel angeschafft.

Zeitschriften

Die Zahl der bis Ende 2005 vom China-Zentrum abonnierten oder auch im Austausch bezogenen Zeitschriften und Zeitungen beträgt 85 Titel (24 chinesisch- und 61 westlichsprachige).

Dokumentationsarchiv

Die Sammlung von Informationsmaterialien über China (mit den Schwerpunkten Kultur, Christentum und Religionen) wurde auch im Jahre 2005 fortgesetzt.

6. Kontakte und Zusammenarbeit im deutschsprachigen Raum


Mitglieder

Das China-Zentrum ging auch im Jahre 2005 selbstverständlich auf die chinabezogenen Anfragen und Bitten seiner Mitglieder ein und wirkte bei einzelnen Veranstaltungen der Mitglieder mit. Mit einer Reihe von Mitgliedern besteht zudem ein regelmäßiger Kontakt bezüglich kirchlicher Projektarbeit in China und den chinesischen Theologiestudenten und Schwestern. Zudem bestehen enge Kontakte zu den Mitgliedern z.B. im Zusammenhang mit Besucherdelegationen und China-Reisen.

Kirchliche Kreise

Kontakte zu Kirche in Deutschland und verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden wurden u.a. intensiviert durch Vorträge und Veranstaltungen, gemeinsame Programme für Besucherdelegationen aus China und vor allem durch den Weltjugendtag in Köln und seinen Beginn in den deutschen Gemeinden, die junge Gäste aus dem chinesisch-sprachigen Raum aufgenommen hatten.

Ökumenische Zusammenarbeit

Im Jahr 2005 fanden zwei Sitzungen des Ökumenischen China-Arbeitskreises (ÖCAK) statt, und zwar am 30./31. Mai in Erfurt und am 28./29. November in Berlin.

Eine intensive Kooperation innerhalb des ÖCAK gab es im Rahmen der Vorbereitungen und der Durchführung der Fünften Europäischen Ökumenischen China-Konferenz in Rom im September 2005.

Auch 2005 wurden die Kontakte zum Ökumenischen Arbeitskreis Schweiz-China fortgesetzt. Ein Vertreter dieses Kreises nimmt weiterhin als Beobachter an den Sitzungen des deutschen Ökumenischen China-Arbeitskreises teil.

Das China-Zentrum unterhält intensive Kontakte zur evangelischen China InfoStelle in Hamburg. – Auf Einladung der China InfoStelle beteiligte sich das China-Zentrum vom 25.–29. Mai 2005 erstmals an einem gemeinsamen Stand auf dem Evangelischen Kirchentag in Hannover. In früheren Jahren hatten das China-Zentrum und die China InfoStelle bereits gemeinsame Stände auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin sowie auf mehreren Katholikentagen organisiert.

Betreuung von in Deutschland studierenden und lebenden Chinesen

Am 21. Chinesisch-deutschen Studententreffen vom 18.–20. März in Walberberg fand wiederum großes Interesse. Erstmals war 2005 das Ziel erreicht, mehr Deutsche für das Studententreffen gewinnen zu können. Auch dieses Mal mußte wieder Interessenten abgesagt werden, da die Kapazitäten voll ausgelastet waren. Dies zeigt, daß nach wie vor großer Bedarf an Begegnungsveranstaltungen besteht. Das Thema des Treffens lautete „Recht und Rechtverständnis in China und Deutschland“.

Das Ausbildungsprogramm für chinesische Theologiestudenten und Ordensschwestern, das vom China-Zentrum koordiniert wird, erfreut sich weiterhin eines guten Zuspruchs. Nach dem Studienaufenthalt in Deutschland und Europa und den damit verbundenen Erfahrungen mit der Universalkirche wissen sich die jungen chinesischen Theologen und Ordensschwestern nach ihrer eigenen Einschätzung besser gerüstet, den Herausforderungen und Problemen innerhalb der chinesischen Kirche und der heutigen Gesellschaft zu begegnen.

Das China-Zentrum pflegt gute Kontakte zu einzelnen in Deutschland studierenden chinesischen Wissenschaftlern, u.a. solchen, die sich für philosophische und religiöse Fragen interessieren.

Die Gemeinde der chinesischen Katholiken am Rhein trifft sich weiterhin einmal monatlich zu Gottesdiensten im Missionspriesterseminar Sankt Augustin. Kontakte bestehen auch zur chinesischen katholischen Gemeinde in München.

7. Kontakte und Zusammenarbeit auf europäischer und internationaler Ebene

Einen großen Raum nahmen 2005 die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Fünften Europäischen Ökumenischen China-Konferenz zum Thema „Diversity in Unity“ ein, die vom 16.–20. September 2005 in Rom (Sant’ Anselmo) mit 160 Teilnehmern stattfand und vom deutschen Ökumenischen China-Arbeitskreis organisiert wurde. Das China-Zentrum als bis Ende 2005 geschäftsführende Stelle des Ökumenischen China-Arbeitskreises war weitgehend für die konkrete Vorbereitungsarbeit zuständig. Die Konferenz kann insgesamt als erfolgreich beurteilt werden (vgl. China heute 2005, Nr. 4-5, S. 139-141).

Bereits im Jahre 2005 wurde die Vorbereitung des 7. Europäischen Katholischen China-Colloqiums fortgesetzt, das vom 6.–10. September 2006 in Mailand stattfinden wird.

Im Berichtsjahr 2005 wurden zudem Kontakte zu vielen weiteren, hier nicht ausdrücklich aufgeführten Stellen und Personen auf europäischer und internationaler Ebene gepflegt.

 



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