Die Zeitschrift China heute beschäftigt sich mit Religionen im chinesischen Kulturraum, wobei dem Christentum in der VR China besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die 1982 im Institut Monumenta Serica begründete Zeitschrift liefert aktuelle Informationen, Dokumente, Hintergrundberichte und Analysen sowie historische und bibliographische Notizen. China heute wird viermal im Jahr vom China-Zentrum herausgegeben.

Chronik zu Religion und Kirche in China 26. September bis 2. Dezember 2016

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de).
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2016, Nr. 3, S. 147-154) reichte bis einschließlich 2. Oktober 2016.

Allgemeines − Zivilgesellschaft, Recht

28. November 2016:
Ministerium für öffentliche Sicherheit veröffentlicht Leitfaden für die Registrierung ausländischer NGOs
Am 1. Januar 2017 tritt das kontroverse „Gesetz zur Verwaltung von Aktivitäten innerhalb des [chinesischen] Gebiets durch Nichtregierungsorganisationen von außerhalb des [chinesischen] Gebiets“ in Kraft, das die Tätigkeit ausländischer NGOs in China nur nach Registrierung eines Repräsentanzbüros oder nach behördlicher Eintragung vorläufiger Aktivitäten mit einem chinesischen Kooperationspartner erlaubt. Am 28. November veröffentlichte das Ministerium für öffentliche Sicherheit hierzu einen Leitfaden. Dieser Leitfaden deckt sich laut Kristin Shi-Kupfer vom Mercator Institute for China Studies MERICS in Berlin mit dem sehr restriktiven Charakter des Gesetzes. In einer Pressemitteilung vom 29. November sagte sie, es sei immer noch nicht klar, auf welcher rechtlichen Grundlage in China tätige ausländische NGOs (und ihre Mitarbeiter) über Dezember 2016 hinaus arbeiten könnten: „Bis heute ist zum Beispiel keine Liste mit den in Frage kommenden chinesischen Partner- und Aufsichtsorganisationen veröffentlicht, die künftig für die Registrierung benötigt werden. Fraglich ist auch, ob die NGOs ihre bisher genutzten Überweisungswege und Konten für den Einsatz von Finanzmitteln weiterhin nutzen können.“ Zudem gebe es für chinesische Institutionen „kaum Anreize, aber vielfältige Risiken in der Kooperation mit ausländischen NGOs“. Die chinesische Institution werde rechtlich zur Verantwortung gezogen, falls die ausländische NGO gegen Vorschriften verstoße.
Am 8. November gab das Ministerium für öffentliche Sicherheit nach einem Briefing mit Vertretern von 11 Konsulaten in Shanghai bekannt, dass es keine Übergangsfrist für noch nicht registrierte ausländische NGOs geben werde (merics.org, „China Update“ 21/2016 und „China Flash“ 29.11.).
Chinesischer Text und englische Übersetzung des Leitfadens (境外非政府组织代表机构登记和临时活动备案办事指南) unter chinalawtranslate.com. Eine deutsche Übersetzung des Gesetzes findet sich in China heute 2016, Nr. 3, S. 155-163.

Religionspolitik

26. September 2016:
Staatliches Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) organisiert Konferenz über Sinisierung der Religionen
An der Konferenz nahmen Religionsvertreter, Religionswissenschaftler, Ethnologen, Juristen und Vertreter der staatlichen Religionsbehörden teil. Grundlage war die von Xi Jinping in einer Tagung zur Einheitsfrontarbeit im Mai 2015 aufgestellte und auf der Nationalen Konferenz zur Religionsarbeit im April 2016 erneuerte Forderung, dass in der Religionsarbeit an der Sinisierung festgehalten werden müsse. BRA-Direktor Wang Zuo’an erläuterte in seinem Konferenzbeitrag, was unter Sinisierung der Religionen zu verstehen sei. Unter anderem sagte er, sowohl Religionen ausländischen Ursprungs als auch einheimische Religionen müssten sich sinisieren. Denn eine an die chinesische Gesellschaft der Vergangenheit angepasste Religion sei nicht unbedingt der heutigen Gesellschaft angepasst. Besonders geht es um die Anpassung an die sozialistische Gesellschaft. Sinisierung ist laut Wang ferner eine Strategie, um Probleme im religiösen Bereich zu lösen, insbesondere Infiltration mittels Religion, Verbreitung von religiösem Extremismus und „Anti-Sinisierung“ (ni Zhongguohua 逆中国化). Neben politischer Identifikation mit der Führung der Partei forderte Wang von den Religionen kulturelle Verschmelzung. In der Auslegung religiöser Schriften und Lehren, in der Form religiöser Aktivitäten, Musik, Kleidung und Gebäude müsse klar chinesischer Stil zum Ausdruck kommen. Auch seien die Reformen im religiösen System Chinas zu festigen; es sei zu verhindern, dass feudale Privilegien wiederaufleben oder Religionen Chinas in die Kontrolle durch eine ausländische Kraft zurückfallen, so Wang (Zhongguo zongjiao 2016, Nr. 10, online unter fo.ifeng.com/a/20161118/44496106_0.shtml).

10. Oktober 2016:
„Gemeinsame Konferenz der nationalen religiösen Organisationen“ tagt im Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA)
Aufruf zur Armutsbekämpfung

Auch früher schon wurden Vertreter der offiziellen religiösen Organisationen vom BRA zusammengerufen, z.B. um gemeinsame Erklärungen zu bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Problemen abzugeben. Nun wurde die „Gemeinsame Konferenz“ als fester Mechanismus eingerichtet, wie das BRA meldete. Die „Gemeinsame Konferenz der nationalen religiösen Organisationen“ solle eine Plattform für Austausch, Zusammenarbeit und Dialog unter den Religionen bieten, sagte BRA-Direktor Wang Zuo’an in einer Ansprache auf dem ersten Treffen. Neben den nationalen Organisationen der fünf Religionen gehören der Gemeinsamen Konferenz auch die nationalen Verbände des chinesischen YMCA und YWCA an. Auf der Sitzung am 10. Oktober verabschiedeten die religiösen Organisationen einen Aufruf der fünf großen Religionen zur Beteiligung an der Armutsbekämpfung in Sanduxian. In dem Autonomen Kreis Sanduxian der Sui-Nationalität in der Provinz Guizhou leben dem Aufruf zufolge rund 800.000 registrierte Arme. Der Kreis wurde zur „Nationalen Basis für die Praxis gemeinnütziger Wohlfahrt der religiösen Kreise“ erklärt. Seit 2015 führen die fünf Religionen dort Untersuchungen und Projekte durch (Bericht und Wortlaut des Aufrufs unter www.sara.gov.cn/xwzx/xwjj/378386.htm).
Siehe auch den Eintrag vom 24.–27. Oktober / 1. November 2016 in dieser Rubrik.

11. Oktober 2016:
Neu: Religiöse Ausbildungsstätten in Datenbank des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten
Seit 2014 baut das staatliche Religionsbüro (BRA) auf seiner Website eine Online-Datenbank auf. Seit Ende 2015 sind dort alle beim Staat registrierten religiösen Versammlungsstätten (Tempel etc.) des Buddhismus und des Daoismus in China abrufbar (vgl. Auswertung in China heute 2016, Nr. 1, S. 27-29). Am 11. Oktober 2016 wurde eine weitere Datenbank mit allen registrierten religiösen Ausbildungsstätten eingestellt. Angegeben wird jeweils die Religion, die Trägerorganisation der jeweiligen Ausbildungsstätte, ihr Name, ihre Adresse sowie der Name der für die Ausbildungsstätte verantwortlichen Person. Der Datenbank zufolge gibt es derzeit 36 buddhistische, 10 daoistische, 10 islamische, 21 protestantische und 9 katholische Ausbildungsstätten. Nach der begleitenden Meldung zur Lancierung der Datenbank studieren derzeit an den 86 religiösen Ausbildungsstätten rund 10.000 Personen. Rund 40.000 Studierende haben seit der Wiedereröffnung der Seminare dort ein Studium abgeschlossen. Die Meldung betont, dass die Gründung einer Ausbildungsstätte von der [offiziellen] religiösen Organisation auf nationaler oder Provinzebene beantragt und vom BRA genehmigt werden muss.
Unter den aufgeführten 9 katholischen Priesterseminaren sind auch die zeitweise geschlossenen Seminare in Taiyuan und Shanghai, das Seminar in Jilin ist nicht dabei (Datenbank unter http://sara.gov.cn/zjxycs/index.htm).

24.–27. Oktober / 1. November 2016:
Plenum des Zentralkomitees der KP Chinas tagt, bezeichnet Xi Jinping als seinen „Kern“ / Religionsvertreter studieren den „Geist“ des Plenums
In dem vom Plenum verabschiedeten Communiqué wird die ganze Partei aufgerufen, sich „eng um das ZK der KPCh mit Genosse Xi Jinping als seinem Kern zusammenzuschließen“. Mit dem Titel eines „Kern“-Führers sei Xi auf eine Stufe mit Mao Zedong und Deng Xiaoping gestellt worden, schrieb Reuters. Ferner verabschiedete das Plenum „Einige Normen bezüglich des politischen Lebens innerhalb der Partei unter der neuen Situation“. Diese bekräftigen in dem Kapitel über politische Disziplin noch einmal, dass es Parteimitgliedern verboten ist, „feudalen Aberglauben auszuüben, eine Religion zu praktizieren oder sich Kulten anzuschließen sowie religiös-extremistische Kräfte, ethnisch-separatistische Kräfte oder terroristische Kräfte zu tolerieren oder zu unterstützen“.
Bereits am 1. November wurde die neugegründete „Gemeinsame Konferenz der nationalen religiösen Organisationen“ einberufen, um den Geist des ZK-Plenums zu diskutieren. Die versammelten Religionsvertreter versprachen, „die gläubigen Massen dazu anzuleiten, sich eng um das ZK der Partei mit Xi Jinping als seinem Kern“ zusammenzuschließen – hieß es in einem Bericht des Staatlichen Religionsbüros (Reuters 27.10.; sara.gov.cn 2.11.; Xinhua 27.10. nach Übersetzung von BBC Global Monitoring; Xinhua 2.11.)
Siehe auch den Eintrag vom 10. Oktober 2016 in dieser Rubrik.

1. November 2016:
Xinjiang: „Vorschriften zur Prävention von Straftaten durch Minderjährige“ verbieten Eltern, ihre Kinder zur Teilnahme an religiösen Aktivitäten zu „verleiten“
Die neue Verwaltungsrechtsnorm wurde am 29. September 2016 vom Volkskongress des Autonomen Gebiets Xinjiang der Uiguren verabschiedet, am 12. Oktober veröffentlicht und trat am 1. November in Kraft. Dort heißt es in § 9: „Die Eltern oder andere Vormünder sowie Verwandte von Minderjährigen dürfen keine der folgenden Handlungen vornehmen: [...] 3. organisieren, dazu verleiten oder erzwingen, dass Minderjährige an religiösen Aktivitäten teilnehmen; [...] 5. Minderjährige dazu anstacheln, zwingen oder verleiten, an terroristischen oder extremistischen Aktivitäten oder Untergrund-Koranstudien teilzunehmen, oder [eine Teilnahme] dulden; [...]. Werden oben genannte Handlungen an Minderjährigen verübt, hat jede Organisation und Einzelperson die Pflicht, dies zu stoppen und der Polizei zu melden“ (Text der 新疆维吾尔自治区预防未成年人犯罪条例 unter news.xinhuanet.com/legal/2016-10/13/c_129321033.htm; guancha.cn 12.10.; xinjiangnet.com.cn 13.10.).

Daoismus

23. Oktober 2016:
Öffentliche Opferzeremonie für Zhuangzi in Mengcheng (Anhui)
Im Zhuangzi-Tempel in Mengcheng, das als Heimatort Zhuangzis angesehen wird, führten rund hundert Zhuangzi-Forscher und -Liebhaber ein feierliches Herbstopfer für den daoistischen Philosophen durch. Fotos auf der Website der amtlichen Zeitung China Daily zeigen Rituale wie die Opferung von Tee und Weihrauch, die Verehrung einer Zhuangzi-Statue und Rezitationen aus dem Buch Zhuangzi. China Daily zufolge handelt es sich um ein altes, seit der Song-Dynastie bestehendes Opferritual, das lange unterbrochen war und 2012 von der lokalen Bevölkerung spontan wiederaufgenommen wurde. In einem Bericht auf der Website Anhui wang hieß es in diesem Zusammenhang, dass sich die lokalen Behörden um den Aufbau von Kulturtourismus bemühen (ahwang.cn 24.10.; chinadaily.com.cn 24.10.; xinhuanet.com 24.10.).

Buddhismus

27. Oktober 2016:
Erstes Forum zur „‚Herz-Sutra‘-Kultur“ in den Ländern an den neuen Seidenstraßen
In Nanjing kamen rund 240 hochrangige Mönche, Wissenschaftler, Diplomaten und Auslandsstudenten aus 30 Ländern zu dem von der Zeitschrift Renmin Zhongguo und der Buddhistischen Vereinigung von Jiangsu organisierten Forum zusammen. Jiang Jianyong, Vizedirektor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, sagte bei der Eröffnung, die Seidenstraßen dienten bis heute nicht nur den Handelsbeziehungen, sondern auch dem Kulturaustausch. Darin sei der Buddhismus als besonders schöne strahlende Perle eingebettet. In einer gemeinsamen Aktion schrieben die Teilnehmer das Herz-Sutra in ihrer jeweiligen Muttersprache (sara.gov.cn 28.10.).
Die neuen Seidenstraßen („One Belt One Road“) sind ein geostrategisches Projekt der Regierung Xi Jinping; vgl. China heute 2016, Nr. 3, S. 172-177 und 178-183.

19.–23. November 2016:
Dalai Lama besucht Mongolei, bestätigt Geburt einer hohen Reinkarnation der Gelug-Schule
Proteste Chinas

Über 12.000 Anhänger nahmen an einer Belehrung des 14. Dalai Lama am 20. November in Ulaanbaatar teil, so ein Bericht auf der Website des Dalai Lama. In einer Botschaft an die mongolische Jugend würdigte er die Bewahrung des buddhistischen Glaubens in der Zeit der kommunistischen Herrschaft und ermahnte junge Mönche zu hartem Studium. Am 23. November sagte er in einer Pressekonferenz, er sei überzeugt, dass die Reinkarnation des 9. Jebtsundamba Khutuktu in der Mongolei geboren worden sei.
Die Jebtsundamba Khutuktus sind die Patriarchen des mongolischen Buddhismus und gehören zur Gelug-Schule, deren Oberhaupt der Dalai Lama ist. Die geopolitische Bedeutung dieser Reinkarnation ist komplex, wie M.A. Aldrich in The Diplomat schilderte. Die ersten acht Patriarchen waren von der Qing-Regierung Chinas offiziell als religiöse Führer der nördlichen Mongolei anerkannt. Der 8. Patriarch starb 1924, die kommunistische Volksrepublik Mongolei verbot 1929 eine Reinkarnation. Dennoch wurde in Tibet 1936 eine Reinkarnation gefunden, deren Identität aber geheimgehalten wurde; sie floh 1959 nach Indien. 1991, nach dem Ende des Kommunismus in der Mongolei, erkannte der 14. Dalai Lama diese Reinkarnation öffentlich an. Der 9. Patriarch seinerseits erklärte vor seinem Tod 2012, er werde in der Mongolei wiedergeboren werden. Aldrich vermutet, dass Beijing schon im Vorfeld der Reise besorgt war, der Dalai Lama könnte mit seiner Anerkennung des 10. Patriarchen chinesischen Interessen bezüglich des tibetischen Buddhismus schaden. Zudem hält es Aldrich für möglich, dass der Prozess der Identifikation des 10. Patriarchen ein „Probelauf“ für eine künftige Identifikation des 15. Dalai Lama außerhalb der VR China sei.
China protestierte gegen den Besuch des Dalai Lama und sagte danach bilaterale Gespräche ab, in denen es um chinesische Darlehen für die Mongolei gehen sollte, die in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt (Associated Press 19.11.; dalailama.com 20.,22.,23.11.; The Diplomat 3.12.; South China Morning Post 26.11.; Xinhua 20.11.).

Islam

26.–28. November 2016:
10. Nationalversammlung der Vertreter des Islam in China
Das höchste offizielle Gremium der Muslime Chinas wählte turnusmäßig eine neue Leitung der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV). Neuer Vorsitzender ist der 1965 geborene Imam Yang Faming, ein Hui aus Ningxia. Er löst den 1932 geborenen Chen Guangyuan ab, der seit 2000 das Amt des Vorsitzenden bekleidete. Yang Faming ist Mitglied der Chinesischen Politischen Konsultativkonferenz und war bisher schon Vizevorsitzender der CIV. Er hat u.a. Kurse am Chinesischen Koraninstitut (1990/1991), an der Zentralen Schule für Sozialismus (1994) und an der Al-Azhar-Universität in Kairo (1999) absolviert. Neuer Generalsekretär ist Wang Zhongping. Gewählt wurden auch 20 Vizevorsitzende. Der bisherige Generalsekretär Guo Chengzhen, ein Hui, der von 1989 bis 2011 Mitarbeiter im Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten war, taucht in der neuen Führungsriege nicht mehr auf. Wie die Renmin-Universität meldete, haben acht Mitglieder der neuen Führungsriege der CIV, darunter Yang Faming, den „Studienkurs der Renmin-Universität für patriotische Persönlichkeiten aus den religiösen Kreisen“ absolviert. In diesen seit 2006 fortlaufend abgehaltenen 4-monatigen Kursen wurden bisher 600 Vertreter der 5 großen Religionen politisch, kulturell und fachlich fortgebildet; viele der Absolventen haben Posten in den nationalen religiösen Organisationen inne.
Die 10. Nationalversammlung verabschiedete revidierte Statuten der CIV, in denen die Bekämpfung von Extremismus besonders hervorgehoben wird. Zum Abschluss wurden die Delegierten von Yu Zhengsheng, dem Vorsitzenden der Politischen Konsultativkonferenz, empfangen (China Daily 29.11.; news.ruc.edu.cn 1.12.; sara.gov.cn 26.,29.11.; takungpao.com 28.11.; Xinhua 28.11.).

Protestantismus

8. November 2016:
Amity-Druckerei feiert 30-jähriges Bestehen
150 Mio. Bibeln gedruckt

Laut der Website der Amity Printing Company in Nanjing, die am 8. November ihr 30-jähriges Bestehen beging, wurden seit Produktionsbeginn im Jahre 1987 bis 2007 die ersten 50 Millionen Bibeln gedruckt. „Von 2007 bis 2012 brauchte es lediglich fünf Jahre, um die nächsten 50 Millionen Exemplare zu drucken. Von 2013 bis 2016 brauchte es für die dritten 50 Millionen nur drei Jahre.“ Im Juni 2016 betrug die monatliche Produktion an Bibeln – sowohl gebundene wie Paperback-Ausgaben – bereits über 2 Millionen Exemplare. Am 18. Juli ging dann die 150-millionste Bibel vom Band. Die Amity Printing Company wurde 1986 als Joint Venture zwischen der Amity-Stiftung und den United Bible Societies (UBS) gegründet. Die UBS unterstützen den Bibeldruck seit Jahrzehnten u.a. durch Spenden von Bibelpapier. Laut der Website wurden seit Beginn inzwischen mehr als 74 Millionen Bibeln in über 90 verschiedenen Sprachen für den Export gedruckt (AsiaNews 17.11.; amityprinting.com/news-events/item/838-celebrating-the-completion-of-the-150-millionth-bible; s. auch China heute 2012, Nr. 4, Chronik, 6. und 8. November 2012).

29.–30. November 2016:
Offizielle protestantische Leitungsgremien beschließen Arbeitspläne für 2017
Auf einer gemeinsamen Sitzung der Ständigen Ausschüsse des Chinesischen Christenrats und der Protestantischen Drei-Selbst-Bewegung in Shanghai, an der auch Vertreter des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten teilnahmen, wurde über die Arbeit im Jahr 2016 berichtet. Für das Jahr 2017 nannte Pastor Xu Xiaohong, Vizevorsitzender der Drei-Selbst-Bewegung, folgende Arbeitsschwerpunkte: 1. Fortführung des theologischen Aufbaus und eines erneuerten Denkens zur Sinisierung des Christentums; 2. Forschungen zur Kirchenordnung und der grundlegenden Situation der Kirche(n); 3. Standardisierung der Seminarausbildung; 4. Integration der verschiedenen Ressourcen für soziale Dienste, aktive Beteiligung an Wohlfahrtsaktivitäten; 5. verstärkter Austausch mit dem Ausland, Widerstand gegen ausländische Infiltration (sara.gov.cn 1.12.).

Orthodoxe Kirche

29. September 2016:
Orthodoxe Kathedrale von Harbin als chinesisches Architekturerbe anerkannt
Die orthodoxe St. Sophia-Kathedrale von Harbin ist zusammen mit 97 anderen Stätten in die erste Liste chinesischen Architekturerbes im 20. Jahrhundert aufgenommen worden. Die Liste wurde am 29. September von der Vereinigung Chinesischen Kulturerbes und der Architekturgesellschaft Chinas veröffentlicht. In der Liste sind z.B. auch die Große Halle des Volkes und die Yangtse-Brücke in Wuhan aufgeführt, sozusagen als Zeugen der chinesischen Geschichte im 20. Jahrhundert, so Expertenaussagen laut eines Berichts von AsiaNews. Die Kathedrale wurde 1907 im neo-byzantinischen Stil erbaut und 1996 als nationales Kulturerbe gelistet. 1997 wurde die Kirche aufwendig restauriert und wird nunmehr als Museum genutzt.
Am 1. Mai vergangenen Jahres feierte der erste seit 60 Jahren geweihte chinesische orthodoxe Priester Alexander Yu Shi die Osterliturgie für die Gemeinde von Harbin, die seit 15 Jahren ohne Priester gewesen ist. Der Gottesdienst fand in der Pokrow-Kirche (Schutz der Muttergottes) statt. Die orthodoxe Kirche ist in China nur lokal an einigen Orten vom Staat anerkannt und zählt rund 15.000 Gläubige (AsiaNews 12.10.; s. auch China heute 2016, Nr.2, Chronik, 1. Mai 2016).

Katholische Kirche

12.–13. Oktober 2016:
Konferenz in Beijing zur Inkulturation und Sinisierung der katholischen Kirche
Das staatlich gestützte katholische Doppelleitungsgremium, Chinesische patriotische Vereinigung und offizielle Chinesische Bischofskonferenz, veranstaltete das „4. Forum zur Inkulturation der chinesischen katholischen Kirche und zu einer sinisierten Theologie“ im Nationalen Priesterseminar. Das Festhalten an der Sinisierung sei der Schlüssel für eine gesunde Entwicklung der katholischen Kirche und müsse „mit großer Kraft angepackt“ werden, erklärte Chen Zongrong, Vizedirektor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, bei der Eröffnung. Der (von Rom nicht anerkannte) Bischof Ma Yinglin, Vorsitzender der Bischofskonferenz, blickte im Eröffnungsvortrag auf Bemühungen um Inkulturation und Sinisierung in der Geschichte sowie seit 1949 zurück und bezeichnete sie als große und langfristige Aufgabe für mehrere Generationen. Das 4. Forum hatte den Schwerpunkt „Interreligiöser Dialog und Sinisierung“; als Dialogpartner war ein Vertreter der Chinesischen islamischen Vereinigung eingeladen (siehe den Konferenzbericht unter www.chinacatholic.cn/html1/report/1610/70-1.htm, 20.10.).

27. Oktober 2016:
Tod von Bischof Francis Tong Hui von Yan’an
Der emeritierte Bischof von Yan’an, Provinz Shaanxi, verstarb im Alter von 83 Jahren infolge einer Lungenentzündung. Die Diözese von Yan’an leitet seit fünf Jahren Bischof John Baptist Yang Xiaoting, der 2010 zum Koadjutorbischof geweiht wurde und 2011 nach der Emeritierung von Bischof Tong Hui das Amt als Ortsbischof antrat.
Bischof Tong Hui war sowohl vom Vatikan wie der chinesischen Regierung anerkannt. Nach einer Meldung von UCAN litt Bischof Tong seit einigen Jahren an Symptomen der Alzheimer-Krankheit.
Bischof Tong wurde am 15. August 1933 in Lintong, Shaanxi, geboren und 1956 zum Priester geweiht. 1965 wurde er verhaftet und erst 15 Jahre später freigelassen. 1994 wurde er zum Koadjutorbischof von Yulin geweiht (heute Yan’an) und übernahm 1999 in der Nachfolge von Bischof Wang Zhenye die Diözese.
Das Gebiet der Diözese Yan’an war Ziel des Langen Marsches und viele Jahre Basis der Kommunistischen Partei. Die Diözese zählt heute 33 Priester und 65.000 Katholiken (AsiaNews 28.10.; UCAN 28.10; http://directory.ucanews.com/dioceses/china-yanan-yulin/238).

20. November 2016:
Ende des heiligen Jahres der Barmherzigkeit − heilige Pforten schließen
Zum Ende des von Papst Franziskus weltweit ausgerufenen heiligen Jahres, das von der Kirche in China intensiv begangen wurde, wurden in den Diözesen feierlich die heiligen Pforten geschlossen.

22.–23. November 2016:
6. Konferenz zu „Rolle und Einfluss des Christentums in der chinesischen Gesellschaft heute“ an der Renmin-Universität in Beijing
Die 6. Konferenz in der Reihe widmete sich dem Thema „Die heutige Weltordnung und die Religionen“. Veranstalter waren wieder das Zentrum für Christentumsforschung der Renmin-Universität und zwei katholische Forschungseinrichtungen, die Yuan Dao Study Society (Hongkong) und das Faith Institute for Cultural Studies (Shijiazhuang). An der Eröffnungsveranstaltung nahmen auch ehemalige hochrangige Vertreter der nationalen Einheitsfrontabteilung der Partei teil. Zhuo Xinping (Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften) sagte in seinem Eröffnungsvortrag, die Sinisierung sei eine Chance für das Christentum in China. Peter Choy, Leiter der Yuan Dao Study Society und Rektor des Holy Spirit Seminary in Hongkong, überbrachte Grüße des Hongkonger Bischofs Kardinal Tong. Ein Konferenzbericht in Zhongguo minzu bao (China Ethnic News) konzentrierte sich auf die Konferenzbeiträge zum Thema Religion und neue Seidenstraßen („One Belt One Road“, OBOR). U.a. sagte Yan Kejia (Shanghai Academy of Social Sciences, SASS), Chinas Religionen sollten „hinausgehen“ und in der Welt eine aktive Rolle spielen, z.B. bei der Lösung regionaler Konflikte. Zhang Hua (SASS) zeigte am Beispiel der protestantischen Amity Foundation, dass Chinas Religionen bereits im Ausland aktiv sind – Amity hat seit 2015 als erste chinesische NGO formal ein Büro in Afrika (Addis Abeba) und seit März 2016 ein internationales Büro in Genf. Pfarrer Michael Bauer, Seelsorger der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Shanghai, wies darauf hin, dass Präsident Xi Jinping bei einer Rede in Polen im Juni 2016 den polnischen Chinamissionar Michał Boym SJ (1612–1659) und beim G20-Treffen in Hangzhou den italienischen Chinamissionar Matteo Ricci SJ (1552–1610) erwähnt habe. Wenn der Austausch im Rahmen von OBOR keine theologische und spirituelle Dimension habe, verfehle er eine tiefere Bedeutung. Yang Huilin (Renmin-Universität) forderte, die Dialogfähigkeit der Kultur und der Religionen Chinas müsse im Rahmen von OBOR erhöht werden. Laut Konferenzbericht machten die Konferenzteilnehmer auch „einige konstruktive Vorschläge zu den sino-vatikanischen Beziehungen“ (chinacatholic.org 22.11.; Zhongguo minzu bao 29.11. nach iwr.cass.cn).
Die 5. Konferenz der Reihe fand im November 2015 in Hongkong statt, vgl. China heute 2015, Nr. 4, Chronik, 17.-18. November 2015.

Sino-vatikanische Beziehungen

5. Oktober 2016:
Erstes öffentliches Treffen eines Papstes mit einem Bischof aus der Volksrepublik China (Festland)
Bischof Xu Honggen war mit einer Pilgergruppe aus seiner Diözese Suzhou (Provinz Jiangsu) in Rom und traf den Papst während der öffentlichen Audienz auf dem Petersplatz. Ein Foto des Treffens verbreitete sich in den katholischen sozialen Netzwerken in China. Bischof Xu ist vom Papst und von der Regierung anerkannt. Zwar haben auch in den vergangenen Jahrzehnten Bischöfe aus beiden Teilen der Kirche Chinas Päpste in Rom besucht. Doch wurden diese Treffen stets diskret behandelt, da chinesische Bischöfe (die sowieso nur schwer eine Erlaubnis zu Auslandsreisen bekommen) seitens der chinesischen Regierung den Vatikan nicht besuchen dürfen. UCAN beobachtete gemischte Reaktionen in China: Während ein Blogger-Priester aus der offiziellen Kirche von Anzeichen eines Frühlings für die chinesische Kirche sprach, erklärte ein Priester aus der Untergrundkirche gegenüber UCAN, der Papst sei in eine Falle gegangen (UCAN 13.10.).

ca. 10. Oktober / 7. November 2016:
Mutmaßliche Weihe von Bischöfen im Untergrund ohne päpstliche Ernennung wird bekannt
Vatikan warnt vor Weihen ohne Mandat

Widersprüchliche Informationen dazu kursierten im Netz. Nach Darstellung von UCAN gab der Untergrundpriester Paul Dong Guanhua aus der Diözese Zhengding in der Provinz Hebei im Mai 2016 bekannt, dass er bereits 2005 zum Bischof geweiht worden sei (was er gegenüber UCAN bestätigte, ohne den Namen des weihenden Bischofs zu nennen). Am 11. September soll Dong erstmals mit Mitra und Hirtenstab offen als Bischof aufgetreten sein. Die Diözese Zhengding (von der offiziellen Kirche als Diözese Shijiazhuang bezeichnet) hat bereits einen Bischof, den 81-jährigen, vom Papst anerkannten Untergrundbischof Julius Jia Zhiguo. Dieser erklärte am 13. September in einem Schreiben, dass Dong Guanhua sich durch die Weihe ohne päpstliches Mandat die automatische Exkommunikation zugezogen habe. Bischof Jia soll Priester Dong schon vor Jahren vom Priesteramt suspendiert haben. Anfang September postete Dong auf der katholischen Website Tianzhujiao zaixian seine Handynummer und schrieb, wenn eine Diözese eine Bischofsweihe brauche, könne sie ihn anrufen. Gegenüber UCAN erklärte Dong Guanhua, er habe am 7. September einen 51-jährigen Bischof geweiht, dessen Identität er nicht enthüllte. Berichten zufolge soll sich Dong auf Sondererlaubnisse berufen, die von Papst Johannes Paul II. der Untergrundkirche erteilt, jedoch von Papst Benedikt XVI. 2007 aufgehoben wurden. Laut UCAN löste die Nachricht von den Weihen „Schockwellen“ unter den Katholiken in China aus. Kommentaren zufolge verkomplizieren die Vorfälle die Situation der katholischen Kirche in China und die sino-vatikanischen Verhandlungen zusätzlich; sie werden aber von einigen auch als Hinweis gesehen, dass sich Teile der Kirche im „Untergrund“ zunehmend isoliert fühlen.
Erst am 7. November reagierte der Vatikan öffentlich. Vatikansprecher Greg Burke sagte in einer Erklärung zu den Berichten über Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat von Priestern der inoffiziellen Gemeinschaft: „Der Heilige Stuhl hat keine Weihen autorisiert noch wurde er über solche informiert. Sollten sich solche Bischofsweihen ereignet haben, würden sie eine schwere Verletzung kirchenrechtlicher Normen darstellen. Der Heilige Stuhl hofft, dass diese Berichte unbegründet sind. Falls nicht, wird er vor einer angemessenen Bewertung der Fälle verlässliche Informationen und sichere Dokumentation abwarten müssen. Es wird jedoch bekräftigt, dass es nicht erlaubt ist, eine Bischofsweihe ohne das notwendige päpstliche Mandat vorzunehmen, auch nicht unter Berufung auf besondere persönliche Überzeugungen“ (Églises d’Asie 19.10.; UCAN 19.10.; 9.11.; Vatican Insider 10.,24.10.; Vatican Press Office 7.11.).

Anfang November 2016:
Sino-vatikanische Gesprächsrunde in Rom
Gerüchte von „baldiger Übereinkunft“ und Warnungen in Medien

Die jüngste Verhandlungsrunde zwischen China und dem Vatikan fand Anfang November in Rom statt, wie UCAN am 25. November unter Berufung auf Quellen berichtete. Im Vorfeld hatten verschiedene Medien, z.B. Reuters, berichtet, ein Abkommen solle bei diesem Treffen „finalisiert“ werden. Die Nachrichtenagentur schrieb, dass der Vatikan zur Anerkennung von 4 der 8 illegitimen Bischöfe bereit sei und eine Einigung über die Bischofsernennungen vor der Einberufung der 9. Nationalversammlung der Vertreter der chinesischen katholischen Kirche im Dezember erreichen wolle, um Spannungen wie 2010 und einem „Schisma“ vorzubeugen. Auch die der Parteizeitung Renmin ribao unterstehende Global Times sprach in einem Artikel vom 25. Oktober von der „Endphase“ der Verhandlungen. Global Times führte noch bestehende Hindernisse auf und zitierte den Religionswissenschaftler Yang Fenggang (Purdue University, USA), der davor warnte, dass viele Katholiken im Untergrund sich weigern könnten, einem Abkommen zu folgen, falls sie das Gefühl hätten, der Vatikan habe zu viele Zugeständnisse gemacht. Während Vatican Insider u.a. Medien stark für ein Abkommen eintreten, formierten sich international auch Gegenstimmen. So gibt es seit August die Website VaticanChina.org, initiiert von einer „Gruppe von Bürgern aus aller Welt, die sehr besorgt sind, dass der Vatikan übereilt diplomatische Beziehungen mit China aufnimmt“. Die Website fordert zu Petitionen an Kardinalstaatssekretär Parolin und Papst Franziskus auf. Sophie Richardson, Leiterin des Chinaprogramms von Human Rights Watch, warnte den Vatikan, Angeboten Beijings blind zu vertrauen, solange es in China keine Religionsfreiheit gibt. Ein Warner seit langem ist auch Kardinal Zen (s.u.).
Am 25. November schrieb UCAN unter Berufung auf eine kirchliche Quelle, dass man noch weit von einem Abkommen entfernt sei. Für diese Einschätzung sprechen die Präsenz eines illegitimen Bischofs bei den Weihen in Chengdu und Xichang sowie die Einberufung der 9. Nationalversammlung (siehe die Einträge vom 30. November, 1. Dezember und 2. Dezember 2016 in dieser Rubrik) (Global Times 25.10.; Human Rights Watch 1.11.; Reuters 21.10.; UCAN 25.10.; 25.11.).

November 2016:
Kardinal Joseph Zen warnt mehrfach vor „Kompromissen“ und „Kapitulation“ in den Verhandlungen des Vatikans mit China
In China herrsche ein totalitäres Regime, das alles kontrollieren wolle; die Gefahr sei groß, dass der Vatikan getäuscht werde, sagte der emeritierte Hongkonger Bischof zur deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ähnlich äußerte er sich gegenüber The Wall Street Journal. Bei einer von der Justitia et Pax-Kommission der Diözese Hongkong organisierten Veranstaltung am 13. November sagte Zen, es müsse unbedingt ein Abkommen vermieden werden, das eine Ernennung der Bischofskandidaten durch die (offizielle, von Rom nicht anerkannte) Chinesische Bischofskonferenz vorsehe. Dies würde den Vatikan auf eine passive Rolle reduzieren, es sei auch nicht realistisch, dass der Vatikan wiederholt von chinesischer Seite vorgeschlagene Kandidaten ablehnen könne. Gegenüber KNA betonte Zen, er kritisiere den Vatikan, nicht den Papst. Wenn der Papst einem Abkommen zustimme, werde er sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen (Hong Kong Sunday Examiner 26.11.; KNA nach katholisch.de 21.11.; The Wall Street Journal 3.11.).

10. November 2016:
Diözese Changzhi (Shanxi): Erste öffentliche Bischofsweihe seit über einem Jahr – mit Zustimmung von Papst und Regierung
Der 54-jährige Priester Peter Ding Lingbin wurde von Bischof Li Shan von Beijing zum Bischof geweiht; Mitweihende waren die Bischöfe Li Suguang von Nanchang (Jiangxi) und Wu Junwei von Yuncheng (Shanxi), ferner konzelebrierten die Bischöfe Meng Ningyou von Taiyuan, Zhang Yinlin von Anyang und der 87-jährige Bischof Jin Daoyuan. Letzterer war im Jahr 2000 ohne päpstliches Mandat zum Bischof von Changzhi geweiht worden; der Vatikan erkannte ihn später an, ohne ihn jedoch zur Leitung der Diözese zu autorisieren. Alle an der Weihe von Bischof Ding beteiligten Bischöfe sind somit auch vom Papst anerkannt. Wie bereits in anderen Fällen war die päpstliche Ernennung vor der Weihe „privat“ vor den versammelten Priestern verlesen worden und die Ernennung der offiziellen (von Rom nicht anerkannten) Chinesischen Bischofskonferenz öffentlich. Es war die erste öffentliche Bischofsweihe seit der von Bischof Zhang Yinlin in Anyang am 4. August 2015 und die zweite seit der von Bischof Ma Daqin in Shanghai am 7. Juli 2012. Laut UCAN wurde Ding schon 2013 vom Papst zum Bischof ernannt und kurz danach im von der Regierung vorgeschriebenen „demokratischen“ Verfahren zum Bischofskandidaten gewählt. Rom ernannte ihn jedoch zum Ortsbischof, während die chinesische Regierung ihn lediglich als Koadjutor von Bischof Jin Daoyuan anerkennt. Rund 20 weitere Priester in China sollen bereits (teils seit etlichen Jahren) vom Papst zu Bischöfen der vielen vakanten Diözesen ernannt worden sein, bisher jedoch keine Zustimmung der Regierung für die Weihe erhalten haben.
Bischof Ding Lingbin ist 1962 geboren. Vor dem Eintritt ins Priesterseminar arbeitete er einige Jahre als Arzt. Die Diözese Changzhi hat 55.000 Katholiken, 47 Priester und 19 Seminaristen (AsiaNews 24.10.; 9.,10.11.; UCAN 14.,30.11.).

30. November 2016:
Bischofsweihen mit Zustimmung von Papst und Regierung in Ankang und Chengdu – in Chengdu jedoch unter Beteiligung eines exkommunizierten Bischofs
In der kleinen Diözese Ankang im Süden der Provinz Shaanxi wurde der 1966 geborene Priester Johann Baptist Wang Xiaoxun zum Koadjutorbischof geweiht. Er war nach seiner Ernennung durch den Papst bereits 2010 zum Bischofskandidaten gewählt worden. Die an der Weihe beteiligten Bischöfe – Bischof Yang Xiaoting von Yan’an als Hauptweihender, die mitweihenden Bischöfe Dang Mingyan von Xi’an und Yu Runchen von Hanzhong sowie die konzelebrierenden Bischöfe Han Yingjin von Sanyuan, Tong Changping von Weinan und Wu Qinjing von Zhouzhi (alle aus Shaanxi) – sind durchweg vom Papst anerkannt. Der 85-jährige erkrankte Ortsbischof Ye Ronghua nahm nicht an der Weihe teil. Die Diözese hat 4.000 Katholiken, 9 Priester und 6 Schwestern.
Die Weihe in Chengdu (Provinz Sichuan) fand unter starker Polizeipräsenz statt. Bereits im Vorfeld hatten Katholiken gegen die von ihnen befürchtete Teilnahme des exkommunizierten Bischofs Lei Shiyin (Leshan, ebenfalls Sichuan) protestiert, wie AsiaNews berichtete. Der 1963 geborene Priester Tang Yuange wurde 2014 zum Bischof gewählt, seine Ernennung durch den Papst wurde laut UCAN im Oktober 2015 bekannt. Hauptweihender war Bischof Fang Xinyao von Linyi, der Vorsitzende der Chinesischen patriotischen Vereinigung, mitweihende Bischöfe waren Luo Xuegang von Yibin und He Zeqing of Wanxian (Wanzhou), es konzelebrierten die Bischöfe Chen Gong’ao von Nanchong, Xiao Zejiang von Guiyang und Lei Shiyin. Bis auf Lei Shiyin sind alle Bischöfe von Rom anerkannt. Die Diözese Chengdu zählt 100.000 Katholiken, 20 Priester und 9 Schwestern (AsiaNews 30.11.; UCAN 30.11.).

1. Dezember 2016:
Vatican Insider: 9. Nationalversammlung der Vertreter der katholischen Kirche Chinas soll Ende Dezember 2016 stattfinden
Als geplanten Termin, den auch UCAN bestätigte, nannte Vatican Insider den 26.–30. Dezember 2016 – also unmittelbar nach Weihnachten und zwei Tage länger als die letzten katholischen Nationalversammlungen oder die der Muslime vom 26.–28. November 2016 (s.o.).
Wie bei den anderen vier großen Religionen Chinas ist die turnusmäßig alle 5 Jahre stattfindende Nationalversammlung das vom Staat vorgeschriebene und kontrollierte höchste Gremium der offiziellen katholischen Kirchenstrukturen in China. Es wählt die Leitung der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung und der offiziellen, von Rom nicht anerkannten Chinesischen Bischofskonferenz. Diese Leitungsstrukturen hatte Papst Benedikt XVI. in seinem Brief an die katholische Kirche in China von 2007 (ohne Organisationen namentlich zu nennen) als „der Struktur der Kirche fremd“ und „nicht mit der katholischen Lehre vereinbar“ bezeichnet. Die letzte, 8. Nationalversammlung fand vom 7.–9. Dezember 2010 unter sehr großem Druck und Zwangsmaßnahmen seitens der Behörden statt (vgl. China heute 2011, Nr. 1, S. 4-7). Die 9. Nationalversammlung war wegen der laufenden sino-vatikanischen Gespräche verschoben worden. Dass sie nun doch noch dieses Jahr stattfinden soll, bezeichnete Chinabeobachter P. Jeroom Heyndrickx CICM als Herausforderung („curve ball“) für den Vatikan (Reuters 21.10.; UCAN 7.12.; Vatican Insider 1.12.).

2. Dezember 2016:
Bischofsweihe in der Diözese Xichang (Sichuan) mit Zustimmung von Papst und Regierung, jedoch unter Beteiligung eines exkommunizierten Bischofs
In Xichang wurde unter sehr strengen Sicherheitsvorkehrungen der 1970 geborene Priester Johannes Lei Jiapei zum Ortsbischof der Diözese geweiht. Hauptweihender war wieder Bischof Fang Xinyao von Linyi, mitweihende Bischöfe waren Xiao Zejiang von Guiyang und He Zeqing of Wanxian (Wanzhou), es konzelebrierten die Bischöfe Chen Gong’ao von Nanchong, Luo Xuegang von Yibin, Tang Yuange von Chengdu und Lei Shiyin. Priestern von Xichang sei gesagt worden, die Teilnahme des exkommunizierten Bischofs Lei Shiyin erfolge auf Anordnung höherer Regierungsstellen, berichtete UCAN. Der Priester Lei Jiapei war bereits 2010 zum Bischofskandidaten gewählt und 2015 vom Vatikan zum Administrator der Diözese ernannt worden, die seit 1999 keinen Bischof mehr hatte. Laut UCAN zögerte Rom lange mit seiner Ernennung zum Bischof; angeblich soll es Zweifel an seiner priesterlichen Moral gegeben haben, was Bischof Lei Jiapei gegenüber UCAN jedoch als „Gerücht“ bezeichnete. Bischof Lei soll zudem bei Katholiken Empörung ausgelöst haben, als er 2011 im Messgewand auf der Bühne „rote“ kommunistische Lieder sang. Die Diözese Xichang hat laut UCAN 25.000 Katholiken, 11 Priester und 11 Schwestern, sie liegt im Hauptsiedlungsgebiet der Yi-Nationalität (AsiaNews 2.12.; china.ucanews.com 2.12.; UCAN 2.12.).
Es gab keine offizielle Reaktion des Vatikans zur Teilnahme Bischof Lei Shiyins an den beiden Weihen. Unter chinesischen Katholiken herrschte Betroffenheit. Der Priester Peter Peng aus Hebei schrieb in einem Blogeintrag, legitime Weihen unter Teilnahme illegitimer Bischöfe seien wie „mit Sand vermischter Reis“ – schwer zu schlucken, auch wenn manche Kirchenleute in China so daran gewöhnt seien, dass sie ihn als köstlich bezeichneten (UCAN 8.12.).

Hongkong

13. November 2016:
Hongkong: Michael Yeung zum Koadjutorbischof von Hongkong ernannt
Am 13. November ernannte Papst Franziskus den 71-jährigen Weihbischof Michael Yeung Ming-cheung zum Koadjutorbischof der Diözese Hongkong mit dem Recht auf die Nachfolge von Kardinal John Tong. Bei der Bekanntgabe seiner Ernennung während einer Messe zum Abschluss des Heiligen Jahres in der Kathedrale von Hongkong bekundete Yeung seine Dankbarkeit gegenüber seinen beiden Vorgängern Kardinal Zen und Kardinal Tong, die „wie zwei große Bäume Schatten bieten“, während derzeit Stürme die Hongkonger Gesellschaft durchrüttelten. Anthony Lam vom Holy Spirit Study Centre bezeichnete den neuen Koadjutor als „Mann mit großer Verantwortung und ernsthaft in seinen Prinzipien. Er … weiß, wie man in gesunder Weise mit den Medien umgeht …“.
Michael Yeung wurde 1945 in Shanghai geboren, kam aber mit 14 Jahren mit seiner Familie nach Hongkong. Nach einigen Jahren in der Wirtschaft trat er mit 26 Jahren ins Priesterseminar in Hongkong ein. 1978 wurde er zum Priester für die Diözese Hongkong geweiht. Er erwarb Studienabschlüsse u.a. in Sozialer Kommunikation von der Syracuse University in den USA sowie in Erziehungswissenschaften von der Harvard University. In Hongkong hatte er vor seiner Bischofsweihe 2014 unterschiedliche Aufgaben in pastoralen, aber auch Verwaltungsbereichen inne, u.a. arbeitete er von 2003–2014 als Direktor von Caritas Hongkong. Ab 2009 war er einer der Generalvikare Hongkongs.
Nach seiner möglichen Emeritierung gefragt, bekundete Kardinal John Tong gegenüber UCAN, er warte auf weitere Nachricht vom Heiligen Stuhl. Vor der Weihe seiner drei Weihbischöfe am 30. August 2014 – neben Michael Yeung die Bischöfe Ha Chi-shing OFM und Lee Bun-sang (inzwischen Bischof von Macau) – hatte der Kardinal mitgeteilt, dass der Heilige Stuhl seine Amtszeit als Bischof von Hongkong um weitere drei Jahre verlängert habe (Kardinal Tong war am 31. Juli 2014 75 Jahre alt geworden) (Fides 14.11.; Hong Kong Sunday Examiner 19.11.; UCAN 14.,17.11; www.catholic.org.hk; s. auch China heute 2014, S. 150f.).


Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2016.

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