Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Oktober bis 31. Dezember 2018

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de).
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2018, Nr. 3, S. 153-165) reichte bis einschließlich 3. Oktober 2018.

Religionspolitik

21.–23. November 2018:
„Erste Promotion von und wissenschaftliche Konferenz zu chinesischer Prägung religiöser Gebäude“ in Xi’an

Die hochrangig besetze Konferenz diskutierte Fragen des „Systems der religiösen Architektur“, wie dessen Sinisierung, Geschichte und Gegenwart, künstlerische Besonderheiten, soziale Funktion und gesellschaftlichen Wert. Veranstalter waren das Institut für Weltreligionen (IWR) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, die ihm unterstehende Chinesische Gesellschaft für Religionswissenschaft 中国宗教学会 sowie deren Fachkommission für religiöse Baukultur. Zhuo Xinping 卓新平, früherer Direktor des IWR und jetzt Leiter der Gesellschaft für Religionswissenschaft, erklärte in seiner Rede, man habe eine erste Liste von 50 religiösen Stätten, die zur Promotion chinesischer Prägung religiöser Gebäude [als Modelle dienen können], aufgestellt, von denen ein Teil zudem in besonderer Weise die „rote Revolutionskultur Chinas“ widerspiegle. Sie seien eine Ermutigung für das Festhalten am kulturellen Selbstvertrauen und die Verwirklichung des Chinesischen Traums. Auf der Konferenz wurde auch ein Promotionsfilm über diese 50 Modellstätten vorgestellt. 40 namhafte Wissenschaftler aus der Chinesischen daoistischen Vereinigung und verschiedenen Akademien und Universitäten des Landes nahmen an der Konferenz teil (Bericht auf der Website des IWR, iwr.cass.cn, 23.11.).

23. November 2018:
Bitter Winter: Parteizentrale führt seit September 2018 die erste, geheim­gehaltene landesweite Inspektion der „Religionsarbeit“ durch

Bitter Winter (BW), die Nachrichtenwebsite des Zentrums für Studien über neue Religionen CESNUR in Turin, berief sich in ihrer Meldung auf ihr zugängliche Behördendokumente und Tonaufnahmen von Sitzungen aus verschiedenen Provinzen. In einem von BW zitierten Dokument aus Gansu heißt es, das Zentralkomitee der KP Chinas habe „zum ersten Mal in der Geschichte Chinas“ die Durchführung einer landesweiten Inspektion der Religionsarbeit beschlossen, „mit dem Ziel, durch diese hochgradige, umfassende und in die Tiefe gehende Supervisionsarbeit zu überprüfen und zu messen, wie die politischen Richtlinien und Vorkehrungen der Zentralregierung verbreitet und in die Praxis umgesetzt werden“. BW zufolge besteht das Programm aus zwei Phasen. In der ersten Phase, genannt „Selbstin­spektion und Korrektur“, wurden Provinz- und Munizipalbehörden aufgerufen, die Durchführung der religionspolitischen Maßnahmen in ihrem Jurisdiktionsbereich zu überprüfen und den festgestellten Stand an die Einheitsfrontabteilung zu melden. Die zweite Phase begann laut BW im Oktober 2018 mit der Entsendung von Teams aus Beamten der Zentralregierung ins ganze Land, um die Ergebnisse der „Selbstinspektion“ zu überprüfen und Probleme zu identifizieren. In einer Stadt in der Provinz Henan seien u.a. folgende religionspolitische Aufgaben als verbesserungsbedürftig identifiziert worden: Online-Propaganda, die Förderung von „patriotischem“ Klerus, Vorgehen gegen die katholische Untergrundkirche und südkoreanische religiöse Stätten sowie Verhinderung von Evangelisierung an Schulen und Universitäten. In Treffen von Behördenvertretern wurde BW zufolge, mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung im In- und Ausland, die strenge Vertraulichkeit der Inspektionskampagne betont. Ab Januar 2019, so ein internes Dokument der KPCh laut BW, sollen die Zentralen Inspektionsbehörden, auf den Ergebnissen der Inspektion dieses Jahres basierend, Rektifizierungsaufgaben umsetzen (mehr Details und Teilfotos eines Behördendokuments in der Meldung von BW unter https://bitterwinter.org/ccp-secretly-conducts-religious-inspection-across-china/).

Religionswissenschaft

19. Oktober 2018:
Konferenz zur zehnten Ausgabe der Zeitschrift Renwen zongjiao yanjiu 人文宗教研究 (Journal of Humanistic Religion) diskutiert über eine Religionswissenschaft chinesischer Prägung
Die Konferenz fand an der Peking University statt, denn der Chefredakteur von Renwen zongjiao yanjiu, Li Silong 李四龙, ist zugleich Vizerektor der Fakultät für „humanities“ (renwenxue 人文学) an dieser Hochschule. Auf der Tagung wurde erörtert, wie der Aufbau eines „religionswissenschaftlichen Theoriesystems chinesischer Prägung“ zu bewerkstelligen sei. Dem Begriff renwen 人文 (engl. „humanistic“) wurde dabei eine wichtige Rolle zugeschrieben. Er verweist auf die „humanities“ (Geisteswissenschaften) im Allgemeinen, wird aber offenbar auch zur Charakterisierung einer China eigenen, auf den Menschen zentrierten Religionstradition verwendet, die sich von der westlichen unterscheide. So postulierte Prof. Lou Yulie 楼宇烈 auf der Konferenz den Begriff renwen zongjiao 人文宗教 (im offiziellen englischen Titel der gefeierten Zeitschrift übersetzt mit „humanistic religion“) als „grundlegendste Besonderheit des religiösen Glaubens in der chinesischen Kultur“; die chinesische Religion entspreche am meisten dem Geist der Zeit, so Lou, denn „da gibt es von vornherein keinen wie auch immer gearteten Erlöser der Welt, [man muss] auf sich selbst gestützt sich selbst erlösen, das ist die grundlegende Besonderheit der chinesischen Religion“.
Die Zeitschrift befasst sich bisher v.a. mit dem Buddhismus, künftig sollen dort auch Forschungsartikel über andere Religionen und den Volksglauben erscheinen (siehe den offiziellen Konferenzbericht auf iwr.cass.cn 22.10.).
Siehe auch den Gebrauch des Begriffs renwen im „Fünfjahres-Arbeitsplan für das Vorantreiben des Festhaltens des Katholizismus unseres Landes an der Ausrichtung auf Sinisierung (2018–2022)“ in der Dokumentation dieser Nummer. Für Hinweise zu dem Begriff danke ich Fachkollegen. (kwt)

20. Oktober 2018:
Forum zu zehn Jahre „Blue Book of Religions“
Das erste „Blue Book of Religions“ (der eigentliche Titel lautet Zhongguo zongjiao baogao 中国宗教报告 Annual Report on Religions in China) wurde im Jahr 2008 von Jin Ze 金泽 und Qiu Yonghui 邱永辉, beide Forscher am Institut für Weltreligionen (IWR) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS), herausgegeben. Besonders die ersten Bände des jährlichen Berichts mit Erhebungen und Feldstudien zu den verschiedenen Religionen stießen auch international auf großes Echo. Qiu Yonghui, die ab dem Berichtsjahr 2014 das Blue Book of Religions allein verantwortete, hielt auf dem Forum eine Art Resumée und wünschte ihrem Nachfolger Chen Jinguo 陈进国 – einem IWR-Mitarbeiter, der sich vor allem mit Forschung zum Volksglauben hervorgetan hat – viel Erfolg. Bezüglich der Zukunft des „Blue Book“ vertraten die Forumsteilnehmer dem Bericht zufolge „einhellig“ die Meinung, dass die Autoren 1. in ihrer Forschung auf der „traditionellen geisteswissenschaftlichen (renwen) Forschung“ basieren, die marxistische Religionssicht als Richtschnur nehmen und Methoden aus der Religionsanthropologie, Religionssoziologie und Religionspsychologie miteinander verbinden sollen; 2. nur dann die Denkfabrik-Funktion des Blue Book erfüllen können, wenn sie die Probleme aus Sicht des langfristigen Nutzens von Staat und Nation betrachten; 3. sich nach Kräften bemühen sollen, die Engpässe bei der Erlangung von Datenmaterial zu überwinden, sie sollen qualitative und quantitative Forschung miteinander verbinden und mehr Grafiken und Tabellen mit objektiven, umfassenden Daten nutzen. Der von Chen Jianguo verantwortete Annual Report on Religions in China (2019) soll im Mai 2019 erscheinen (iwr.cass.cn 22.10.).

Religion allgemein

5.–7. November 2018:
Singapur: Zweites christlich-daoistisches Kolloquium
„Christliche und daoistische Ethik im Dialog“ war das Motto des zweiten christlich-daoistischen Kolloquiums in Singapur, an dem 70 Experten und Praktizierende aus Christentum und Daoismus von Singapur, China, Frankreich, Südkorea, Malaysia, der Schweiz, Taiwan und dem Vatikan teilnahmen. Veranstaltet wurde das Kolloquium vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Singapur und der Daoistischen Föderation Singapur. Vertreten waren auch die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen sowie der Ökumenische Rat der Kirchen. Das erste christlich-daoistische Kolloquium hatte 2014 in Taiwan stattgefunden (Eglises d’Asie 12.11.; Vatican News 7.11.; Zenit 8.11.; https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2018-11/singapur-zweites-treffen-taoisten-vatikanvertreter.html; s. auch China heute 2017, Nr. 2, S. 72, Informationen).

Buddhismus

11. Oktober 2018:
Die beiden rivalisierenden Inkarnationen des Karmapa geben gemeinsame Absichtserklärung zur Überwindung der Spaltung in der Karma Kagyu-Linie ab
Der Karmapa Lama ist das Oberhaupt der Karma Kagyu, einer der vier Schulen des tibetischen Buddhismus. Für den aktuellen 17. Karmapa Lama wurde von unterschiedlichen hochrangigen Lamas der Linie jeweils ein anderer Knabe als Reinkarnation bestätigt. Der Karmapa Trinley Thaye Dorje, geb. 1983, kam schon als Kind nach Indien und wurde dort ausgebildet. Der Karmapa Ogyen Trinley Dorje, geb. 1985, ist auch vom Dalai Lama (der allerdings das Oberhaupt einer anderen Schule, der Gelugpa, ist) und der chinesischen Regierung anerkannt. Er wurde in der VR China unter Regierungsaufsicht ausgebildet und floh Ende Dezember 1999 nach Indien. In der nun verlautbarten gemeinsamen Erklärung der beiden Karmapas heißt es einleitend, sie hätten sich mehrere Tage an einem ländlichen Ort in Frankreich getroffen, um sich persönlich kennenzulernen. Dort hätten sie zum ersten Mal frei miteinander sprechen und den Anfang für etwas legen können, „von dem wir erwarten, dass es sich zu einer starken Beziehung entwickeln wird“. Sie hätten auch über die unglückliche Spaltung der Karma Kagyu-Linie gesprochen und sähen es als ihre Pflicht an, alles zu tun, um die Linie zusammenzubringen. Dies sei entscheidend für die Zukunft der Linie und des tibetischen Buddhismus. Die beiden Karmapas riefen alle in der Karma Kagyu-Gemeinschaft auf, sie in dieser Bemühung zu unterstützen. Die Erklärung wurde auf Englisch und Tibetisch mit chinesischer Übersetzung auf ihren offiziellen Websites veröffentlicht.
Laut Buddhistdoor Global erkennt eine Mehrheit der tibetischen Buddhisten Ogyen Trinley Dorje als 17. Karmapa an, eine einflussreiche Minderheit Trinley Thaye Dorje. Ogyen Trinley Dorje wiederum, der sich seit einem Jahr in den USA aufhält, hat im März 2018 in einer Videobotschaft über die Last der an ihn gerichteten Erwartungen und die Verdächtigungen der indischen Regierung, dass er ein chinesischer Spion sei, geklagt (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, Anfang März 2018). Laut AsiaNews hat er inzwischen wegen der ihm von der indischen Regierung auferlegten Reisebeschränkungen einen Pass des karibischen Inselstaats Dominica erworben. Mitte September meldete Buddhistdoor Global, es gebe Anzeichen, dass Indien seine Haltung gegenüber Ogyen Trinley Dorje lockern werde; es zitiert den Berater für Tibetfragen des indischen Innenministeriums mit den Worten: „Indien zweifelt nicht daran ... [dass der Karmapa] das künftige Gesicht des tibetischen Buddhismus sein wird“ (AsiaNews 2.11.; buddhistdoor.net 12.09.; 11.10.; Statement auf den Websites der beiden Karmapas: www.karmapa.org/joint-statement-of-his-holiness-trinley-thaye-dorje-and-his-holiness-ogyen-trinley-dorje/ und https://kagyuoffice.org/joint-statement-of-his-holiness-ogyen-trinley-dorje-and-his-holiness-trinley-thaye-dorje/).

25. / 30. Oktober 2018:
Global Times und Human Rights Watch berichten, dass die chinesischen Behörden eigens geschulte tibetische Mönche und Nonnen zur Propagierung der Regierungspolitik in die Klöster schicken
Teams aus angesehenen Mönchen, Rechtsexperten und Beamten seien im Autonomen Gebiet Tibet (AGT) in die Tempel geschickt worden, um Mönche über die Gesetzgebung und deren Durchsetzung zu belehren, meldete die semioffizielle chinesische Global Times (GT) am 25. Oktober. Schon früher hatte die GT berichtet, dass „mit der Aufgabe der Verbreitung der Regierungspolitik beauftragte“ Mönche und Nonnen im AGT vom 31. Mai bis 2. Juni 2018 in Lhasa fortgebildet worden seien, „um ihre politischen Überzeugungen zu stärken“. Laut Human Rights Watch ist es unwahrscheinlich, dass die für die Fortbildung ausgewählten Mönche die Teilnahme verweigern konnten. Die GT zitierte Xiong Kunxin von der Minzu University of China mit den Worten, es sei effektiver, die Regierungspolitik durch buddhistische „Fazilitatoren“ unter den Mönchen und Nonnen zu verbreiten, da diese das Denken ihrer eigenen Gruppe besser verstünden. Sie berichtete auch, dass in Tibet nach dem 19. Parteikongress von 2017 „über 20.000 Parteikader in Dörfer und 7.000 in Tempel entsandt“ worden seien, um den Geist des Parteikongresses zu verbreiten.
Human Rights Watch berichtete ferner, dass die Behörden neuerdings tibetische Mönche, die die höchste akademische Qualifikation des tibetischen Buddhismus, den Geshe, in indischen Exilklöstern erworben haben, nicht mehr als Lehrer in Klöstern in Tibet zulassen würden, seit vor einiger Zeit ein staatliches, von der Chinesischen buddhistischen Vereinigung geleitetes Programm zur Ausbildung von Geshes gegründet worden sei (globaltimes.cn 4.06.; 25.10.; hrw.org 30.10.).

28.–30. Oktober 2018:
5. Buddhistisches Weltforum tagt in Putian
Über tausend Teilnehmer aus 55 Nationen, darunter sowohl Vertreter des Buddhismus als auch Buddhismusforscher, kamen nach Angaben staatlicher chinesischer Medien zu dem Ereignis in die Küstenprovinz Fujian. Wie die vorangegangenen vier Buddhistischen Weltforen (2006, 2009, 2012, 2015) wurde es von der Chinesischen buddhistischen Vereinigung (CBV) und der Chinesischen Vereinigung für religiösen Kulturaustausch organisiert. Das Thema lautete „Austausch mit gegenseitigem Lernen: Mittelweg für perfekte Harmonie“. In einem Hauptforum und sieben Unterforen wurden Themen wie Buddhismus und die maritime Seidenstraße des 21. Jhs., Buddhismus und Umweltschutz sowie Buddhismus und Wohltätigkeit behandelt. Am Ende wurde eine Erklärung verabschiedet. Wang Zuo’an – Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Leiter des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten – hielt in seiner Rolle als Leiter der mitveranstaltenden Chinesischen Vereinigung für religiösen Kulturaustausch eine Rede. Darin erklärte er, seine Vereinigung werde zusammen mit der CBV und den buddhistischen Kreisen Taiwans, Hongkongs und Macaus die Buddhistischen Weltforen weiterführen und zum „einflussreichsten multilateralen Dialogmechanismus des Weltbuddhismus machen“ (german.china.org.cn 30.10.; globaltimes.cn 29.10.; xinhuanet.com 30.10.).
Auf der Website der CBV gibt es eine Unterseite zum 5. Buddhistischen Weltforum: www.chinabuddhism.com.cn/e/action/ShowInfo.php?classid=660&id=40217. Zu den letzten Buddhistischen Weltforen siehe auch Carsten Krause, „Auf Spurensuche 1978–2018: Zur Entwicklung des chinesischen Buddhismus in der Gegenwart“, in China heute 2018, Nr. 3, Themen.

Islam

20.–21. Oktober 2018:
Konferenz zur „Islamforschung im neuen Zeitalter“ in Xi’an
Es handelte sich dabei um die „4. Nationale Konferenz der Islamwissenschaft“. 12 Themen in 3 Panels drehten sich um den „Islam im neuen Zeitalter“ und seine einheimischen Besonderheiten, die Seidenstraßeninitiative, die Schicksalsgemeinschaft der Menschheit, neue Perspektiven der Islamforschung, chinesisch-arabische strategische Partnerschaft, Islam und Konfuzianismus und den Widerstand gegen die Diskurshegemonie des Westens. Veranstalter waren die Forschungsstelle Islam des Instituts für Weltreligionen der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sowie das Institut für Westchina und Grenzregionen der Shaanxi Normal University; dritte Mitorganisatorin war die im August 2018 gegründete Fachkommission Islam der Chinesischen Gesellschaft für Religionswissenschaft. Diese Kommission hat laut Konferenzbericht zum Zweck, in Befolgung des Kurses „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ (sic!), interdisziplinär und vielschichtig die Koordination der Forschung von in- und ausländischen Wissenschaftlern zu islambezogenen Themen zu organisieren und die chinesische Islamforschung im neuen Zeitalter auf eine neue Stufe zu heben. Dem Konferenzbericht zufolge befindet sich die chinesische Islamforschung in einer entscheidenden Phase. Das zerstückelte System der wissenschaftlichen Disziplinen entspreche nicht den Bedürfnissen der Zeit, es müsse „große Wissenschaft“ betrieben werden. Die chinesischen Islamwissenschaften müssten Experten für Ethnien und Religionen, für internationale Beziehungen, Sprache und Kultur, Regionen und Staaten, Sicherheit und Antiterrorismus zusammenbringen, um der Entwicklungsstrategie des Staates zu dienen (iwr.cass.cn 2.11.).

27. November 2018:
Global Times: Ningxia unterzeichnet Kooperationsvereinbarung über Terrorismusbekämpfung mit Xinjiang
Wie die Zeitung unter Berufung auf die Ningxia Daily berichtete, reiste der Parteichef des Autonomen Gebiets Ningxia, Zhang Yunsheng, nach Xinjiang, um zu erfahren, „wie Xinjiang den Terrorismus bekämpft und gesetzmäßig religiöse Aktivitäten verwaltet“ – der Beitrag erwähnt u.a. Xinjiangs Anwendung von Big Data im Kampf gegen den Terrorismus. Die beiden Autonomen Gebiete unterzeichneten einen Kooperationsvertrag über Terrorismusbekämpfung. Xinjiang und Ningxia seien aufgrund der alten Seidenstraße kulturell und religiös ähnlich geprägt, deshalb wolle Ningxia von Xinjiang lernen, so Zhang.
Seit einiger Zeit befürchten Muslime der chinesischsprachigen Hui-Nationalität, dass die harte Politik gegen die muslimischen Uiguren in Xinjiang auch auf sie übertragen werden könnte. In Ningxia ist ihr Anteil an der Bevölkerung besonders hoch. Im August 2018 stoppten die Behörden dort den geplanten Zwangsabriss der Großen Moschee von Weizhou nach Protesten Tausender (nach manchen Berichten Hunderter) von Hui-Muslimen (siehe China heute 2018, Nr. 3, Chronik, Islam, 9.-11. August 2018). Am 29. Dezember 2018 schlossen die Behörden im Kreis Weishan in Yunnan drei Hui-Moscheen, die nach Behördenangaben illegal errichtet worden waren und „illegale religöse Erziehung“ durchgeführt hätten – meldete die South China Morning Post (AsiaNews 4.12.2018; Global Times 27.11.2018; The Guardian 15.01.2019; South China Morning Post 31.12.2018).

Xinjiang / Islam

9. Oktober 2018:
Revision der „Vorschriften für Ent-Extremisierung des Autonomen Gebiets Xinjiang“ „legalisiert“ Umerziehungszentren
In die „Vorschriften für Ent-Extremisierung des Autonomen Gebiets Xinjiang“ 新疆维吾尔自治区去极端化条例 wurden durch die Revision „Fortbildungszentren für Berufsbildung“ (职业技能教育培训中心) als mögliche Maßnahme aufgenommen. § 17 der revidierten Fassung legt fest, dass Volksregierungen ab der Kreisebene „Einrichtungen und Verwaltungsbehörden für Transformation durch Erziehung einrichten können, wie Fortbildungszentren für Berufsbildung, um Personen, die unter dem Einfluss von Extremismus stehen, zu erziehen und zu transformieren“. § 14 nennt als Inhalte der Transformation durch Erziehung „eine Verbindung von Erziehung in Gesetzesherrschaft mit Aktivitäten, die diese Erziehung unterstützen“, ideologische Erziehung, psychologische Betreuung, Verhaltenskorrekturen, das Studium der allgemeinen Sprache und Schrift des Landes [i.e., des Hochchinesischen], der Gesetze und von Fertigkeiten. § 21 erwähnt „Behörden für die Verwaltung von Transformation durch Erziehnung“ (教育转化管理部门) zur Koordinierung der verschiedenen beteiligten Einrichtungen und Organe. Die vom Ständigen Ausschuss des Xinjianger Volkskongresses am 9. Oktober verabschiedete Revision trat am gleichen Tag in Kraft (Text unter www.guancha.cn/politics/2018_10_10_474949.shtml). Zum Inhalt der am 29. März 2017 verabschiedeten „Vorschriften für Ent-Extremisierung“ siehe China heute 2017, Nr. 1, Chronik, Religionspolitik, 29. März 2017.
Die Revision der Vorschriften wurde in Kommentaren als nachträgliche „Legalisierung“ der Umerziehungslager in Xinjiang betrachtet, in denen Hunderttausende oder bis zu 1 Mio. Menschen festgehalten werden sollen. Eva Pils vom King’s College London sagte der South China Morning Post (SCMP), die revidierte Fassung mache nicht deutlich, dass in den „Fortbildungszentren“ Menschen gegen ihren Willen festgehalten würden. Das Dokument enthalte weder Möglichkeiten, Berufung einzulegen, noch Angaben, wie lange jemand interniert werden könne. Pils zeigte sich auch besorgt, dass Xinjiang als Versuch für eine künftige landesweite Gesetzgebung dienen könnte. Li Lifan, Zentralasienexpertin an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, erklärte laut SCMP, die Revision stelle eine zeitgemäße rechtliche Rückendeckung für Maßnahmen gegen den Terrorismus dar. Sie wies auf die Bedrohung hin, die von chinesischen Staatsbürgern ausgehe, die in Syrien für den IS gekämpft hätten.
Nachdem zunächst innerhalb Chinas gar nicht über die Umerziehungszentren in Xin­jiang berichtet worden war, gab es ab Mitte Oktober eine Reihe von Berichten in den chinesischen Medien, die ein positives Bild dieser Einrichtungen zeichneten. Shohrat Zakir, der Vorsitzende der Regierung von Xin­jiang, sagte in einem Xinhua-Interview, die Berufsbildungszentren seien „menschenorientiert“, und viele früher vom Extremismus beeinflusste Trainees würden nun feststellen, dass „das Leben so bunt sein kann“. Die öffentliche Sicherheit in Xinjiang habe sich deutlich verbessert (BBC Monitoring 24.10.; SCMP 13.10.; The Washington Post 16.10.; Xinhua 16.10).

6. November 2018:
China verteidigt vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf die Erziehungszentren in Xinjiang
China hatte in seinem Bericht für die Universelle Periodische Überprüfung Fortschritte bei Bildung und Gesundheitsversorgung im Land genannt. Vertreter nordamerikanischer und europäischer Staaten riefen China auf, die Internierung von Uiguren und anderen Angehörigen von Minderheitengruppen zu beenden sowie Religions-, Meinungs- und Vereinigungsfreiheit zu respektieren. Chinas Vizeaußenminister Le Yucheng, der die chinesische Delegation anführte, wies laut New York Times diese Anschuldigungen zurück und bezeichnete die Erziehungszentren als vorbeugende Maßnahmen gegen den Terrorismus. Laut New York Times kam die Kritik an den Umerziehungslagern fast ausschließlich von westlichen Staaten, während Vertreter aus Afrika oder dem Nahen Osten Chinas wirtschaftlichen Fortschritt priesen. James Leibold von der La Trobe University in Australien sagte der Zeitung, es wäre für China weitaus schädlicher, wenn muslimische Länder anfangen würden, es [das Vorgehen in Xinjiang] für inakzeptabel zu halten (New York Times 6.11.).

15. November 2018:
Reuters berichtet über gemeinsamen Brief von Diplomaten 15 westlicher Länder zur Lage in Xinjiang
Reuters zufolge forderten 15 in Beijing stationierte Botschafter in dem Brief ein Gespräch mit Chen Quanguo, dem Parteichef von Xinjiang. Der Nachrichtenagentur lag nach eigenen Angaben ein Entwurf des an Chen gerichteten Briefes vor, es sei unklar, ob er abgeschickt worden sei. Der Brief trage die Namen von 15 Botschaftern westlicher Länder, nämlich Kanada, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz, die Europäische Union, Deutschland, die Niederlande und Australien sowie Irland, Schweden, Belgien, Norwegen, Estland, Finnland und Dänemark. Reuters bezeichnete den Brief als ungewöhnlich breite koordinierte Aktion einer Gruppe von Ländern zu einer Menschenrechtsfrage in China. Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, sagte laut Reuters, sie habe den Brief nicht gesehen; die Botschafter seien in Xinjiang willkommen, Diplomaten sollten sich jedoch nicht in innere Angelegenheiten des Landes einmischen, in dem sie stationiert sind (Global Times 16.11.; Reuters 15.11.).

26. November 2018:
278 Wissenschaftler aus 26 Ländern fordern China in einem gemeinsamen Statement auf, die massenhafte Internierung von Angehörigen muslimischer Minderheiten in Xinjiang zu beenden
Die Wissenschaftler, die – so das Statement – über China, das Autonome Gebiet Xinjiang, Zentralasien und andere in Bezug stehende Weltregionen forschen, wollen ihre Sorge über die gegenwärtigen massenhaften Menschenrechtsverletzungen und bewussten Angriffe auf indigene Kulturen in Xinjiang zum Ausdruck bringen und die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufrufen. Sie beschreiben die massenhafte Internierung ohne Prozess von etwa 1 Mio. Angehörigen muslimischer Turkvölker in Lagern und die starken Einschränkungen persönlicher Freiheiten durch staatliche Überwachungssysteme für 10 Mio. Angehörige ebendieser Völker in Xinjiang. Zeitlich sehen sie einen Zusammenhang dieser Maßnahmen mit Chinas Seidenstraßeninitiative und der Ausweitung des staatlichen „sozialen Managements“ mit dem Social Credit System. Sie sind besorgt, dass solche extremen Maßnahmen künftig auf andere Teile der Bevölkerung Chinas angewendet werden könnten. Sie warnen davor, dass China Methoden und Technologien exportieren und andere autoritäre Staaten diese kopieren könnten, wenn die internationale Gemeinschaft die Lage in Xinjiang jetzt nicht anspreche. Das Statement ruft Staaten und Institutionen auf, China zur sofortigen Abschaffung der „Transformation durch Erziehung“ aufzurufen, Sanktionen gegen beteiligte chinesische Behörden und Firmen zu verhängen, Angehörige der betroffenen Gruppen nicht mehr nach China abzuschieben und das Asyl zu beschleunigen. Akademische Institutionen mit formellen Partnerschaften in China sollen dort ihre Besorgnis ausdrücken und eine Aussetzung der Partnerschaft erwägen. Soweit das Statement.
Zu den Unterzeichnern gehören auch führende westliche Experten für den Islam in China, wie Dru Gladney und Michael Dillon. Am 9. Dezember 2018 hatten bereits 601 Wissenschaftler aus 39 Ländern das Statement unterzeichnet (Text und Liste der Unterzeichner unter https://concernedscholars.home.blog/).

Christentum allgemein

16. November 2018:
AsiaNews: Immer mehr Kirchen müssen Fahnen und sogar Portraits von Mao und Xi Jinping aufhängen
Spätestens seit die offiziellen Organisationen der fünf Religionen am 31. Juli 2018 einen gemeinsamen Appell zum Hissen der Nationalflagge an allen religiösen Stätten veröffentlicht haben (vgl. China heute 2018, Nr. 3, S. 154), häufen sich Berichte aus ganz China, dass die Behörden von den Gemeinden fordern, vor den Kirchen Fahnenstangen aufzustellen und die Fahne zu hissen (das Gleiche geschieht mit Tempeln und Moscheen). In manchen Fällen werden Kirchen und Christen sogar genötigt, Fahnen und Portraits von Mao und Xi Jinping im Altarraum bzw. in ihren Wohnungen aufzuhängen. AsiaNews veröffentlichte dazu am 16. November zwei Fotos: Das eine zeigt den Altarraum einer offensichtlich protestantischen Kirche, in dem an der Seite die Nationalflagge und links und rechts vom zentralen Kreuz die Portraits von Xi Jinping und Mao Zedong aufgehängt sind. Auf dem zweiten hängt über der Anrichte eines vermutlich katholischen Haushalts ein großes Xi-Poster, daneben ein kleineres Christusbild.

15. Dezember 2018:
Kommerzielles Weihnachten in Langfang, Hebei, untersagt
In der nordchinesischen Stadt Langfang, Provinz Hebei, wurde laut Global Times vor Weihnachten eine Bekanntmachung der Lokalregierung in Umlauf gebracht, die auf den 15. Dezember 2018 datiert ist. Viele Journalisten interpretierten diese Bekanntmachung dahingehend, dass Weihnachten 2018 in Langfang sämtliche Weihnachtsthematik untersagt sei. Weihnachtsbäume waren in den Straßen nicht erlaubt, den Läden war es verboten, jegliche Form von Weihnachtsdekoration anzubieten. Straßenverkäufern war der Verkauf von Weihnachtsartikeln komplett untersagt. Stadtangestellte waren angewiesen, zwischen dem 23. Dezember und dem Weihnachtstag Kontrollgänge zu machen, um sicherzustellen, dass den Anweisungen in der Bekanntmachung auch Folge geleistet würde. Die South China Morning Post (SCMP) berichtete auch davon, dass die Bevölkerung extra ermutigt worden sei, Zuwiderhandlungen gegen die neuen Regeln in der Öffentlichkeit den Behörden zu melden. Jedweder öffentliche Raum sei von Weihnachtsdekoration und allem anderen, was an Weihnachten erinnert, freizuhalten. Die SCMP brachte diese Aktion mit einem landesweiten härteren Vorgehen gegen christliche Gemeinschaften in Verbindung. Laut Aussage eines Beamten in der Stadtverwaltung sei die Aktion allerdings gegen den illegalen Straßenverkauf gerichtet gewesen und nicht spezifisch gegen das christliche Weihnachten (AsiaNews 22.12.2018; Global Times 17.12.2018; SCMP 19.12.2018; UCAN 20.12.2018).

24. Dezember 2018:
Schuldirektor in Sixian, Anhui: „Weihnachten ist eine brennende Schande“
Laut AsiaNews hatte am 24. Dezember 2018 Schuldirektor Dong Xuefeng der Grundschule in der Gemeinde Huangwei im Kreis Sixian die Schulkinder in der Schule versammelt, um ihnen eine Ansprache über die Ablehnung von Weihnachten zu halten. Er sagte, Weihnachten in China zuzulassen sei eine „brennende Schande“, denn es sei im Zuge der Kolonialisierung chinesischer Gebiete im 19. Jahrhundert durch die imperialistischen westlichen Mächte nach China gekommen, die China gedemütigt hätten. Ein Schüler hielt nach dieser Ansprache eine kurze Rede, in der er die Mitschüler und die ganze Bevölkerung dazu aufrief, besser den Geburtstag von Mao Zedong (26. Dezember) zu begehen als den von Jesus Christus. Die South China Morning Post berichtete, dass diese Form der Erziehung der Jugendlichen zur Ablehnung von ausländischem Gedankengut und der Stärkung des Chinesisch-seins von offizieller Seite befürwortet werde. Die chinesische Regierung versucht immer mehr westliche Feiertage aus dem Kalender zu verdrängen. AsiaNews berichtete hierzu auch davon, dass Schüler dazu gebracht worden seien, einen Eid auf die Hochhaltung der chinesischen Kultur zu leisten und die „Invasion“ westlicher Kultur abzulehnen (AsiaNews 27.12.2018; South China Morning Post 26.12.2018).

Protestantismus

14.–16. November 2018:
Internationale Konferenz zur Bibel in China
Zum 8. Mal in Folge fand in Shanghai eine internationale Konferenz zur Bibel in China statt, organisiert von Yan Kejia, Shanghai Academy of Social Sciences, in Kooperation mit dem Centre for the Studies of Religion and Culture und mit Unterstützung der United Bible Societies. Im Zentrum der Tagung stand das Thema „Migration und Gemeinschaft“. Unter den Teilnehmenden waren 60 Theologiestudierende der Seminare in Shanghai, Jiangsu und Shandong sowie Angehörige der Lehrkörper. Die Bedeutung des sozialen Engagements in der Gesellschaft wurde ebenso unterstrichen wie die Wichtigkeit des fortgesetzten Austauschs in der internationalen Gemeinschaft (ubscp.org 4.12.2018).
Isabel Friemann, China InfoStelle

27. / 29. November  2018:
Neue Kirchenordnung für die chinesische protestantische Kirche und neue Leitung von Drei-Selbst-Bewegung und Chinesischem Christenrat
Am 27. November diskutierte und verabschiedete das Arbeitskomitee des Rates von Drei-Selbst-Bewegung und Christenrat die revidierte Fassung der Kirchenordnung für die chinesische protestantische Kirche 中国基督教教会规章. Die bislang gültige Fassung stammt aus dem Jahr 2008.
Am 29. November wurde auf der Nationalversammlung der Vertreter des chinesischen Protestantismus eine neue Leitung für die beiden offiziellen protestantischen Leitungsgremien gewählt. Neuer Vorsitzender der Drei-Selbst-Bewegung wurde Pastor Xu Xiaohong 徐晓鸿, Pfarrer Kan Baoping 阚保平 bleibt als einer der insgesamt neun stellvertretenden Vorsitzenden in einer wichtigen Funktion. Das Amt des Generalsekretärs wurde Gu Mengfei 顾梦飞 übertragen. Neuer Präsident des Nationalen Christenrates ist Pastor Wu Wei 吴巍. Geschäftsführer und einer von ebenfalls neun stellvertretenden Präsidenten ist Shan Weixiang 单渭祥. Er ist bekannt als Herausgeber der Kirchenzeitschrift Tianfeng. Pastor Dr. Gao Feng 高峰 ist Leiter eines neuen Gremiums geworden, das national und auf Provinzebene tätig wird. Der chinesische Name dieser Abteilung lautet: 监事会 (jianshi hui), englisch widergegeben als „supervisory board“. Als sein Stellvertreter fungiert Wu Jianrong 吴建荣, zeitgleich Leiter des nationalen chinesischen CVJM.
Zu weiteren Details siehe den Beitrag in den Informationen.
Isabel Friemann, China InfoStelle

9. Dezember 2018:
Festnahme von Pastor Wang Yi, Chengdu
Am 9. Dezember 2018 wurden Pastor Wang Yi, seine Frau Jiang Rong und etwa 100 weitere Mitglieder der nicht registrierten „Early Rain Covenant Church“ in Chengdu festgenommen. Die Mehrzahl wurde kurz darauf wieder entlassen. Pastor Wang wurde bisher kein Kontakt zu einem Anwalt gestattet. Die Anklage gegen ihn lautete „Aufwiegelung gegen die Staatsmacht“.  Die Gemeinde wurde geschlossen. Am 24. Dezember 2018 wurden abermals 44 Angehörige der Gemeinde bei Versammlungen in Privatwohnungen verhaftet und über Nacht festgehalten, darunter 11 Kinder.
Wang Yi war bereits ein bekannter Essayist und Menschenrechtsanwalt in China, bevor er sich 2005 mit 33 Jahren taufen ließ. 2011 wurde er ordiniert und übernahm als Hauptpastor die Leitung der Gemeinde. Er unterhielt gute Beziehungen zu Schriftstellern und Journalisten in den USA und Europa, was ihm viel internationale Beachtung verschaffte, u.a. 2006 Gespräche im Weißen Haus mit dem damaligen Präsidenten Bush. Jedes Jahr hielt die Early Rain Covenant Church Gedenkgottesdienste für die Opfer des Tiananmen-Massakers am 4. Juni 1989 ab. Aus diesem Grund wurde die Gemeinde bereits früher vorübergehend geschlossen. Am 30. August 2018 veröffentlichte Wang Yi eine Hauskirchen-Erklärung, in der er sich in Abgrenzung gegen staatliche Herrschaftsansprüche zu Jesus Christus als höchster Autorität bekennt und Kritik an den zunehmenden Repressionen gegen Hauskirchen übt, die er als legal definiert. Diese Erklärung wurde innerhalb einer Woche von 279 Hauskirchen in ganz China unterzeichnet (siehe China heute 2018, Nr. 3, Chronik, Protestantismus, 30. August / 1. September 2018)
Unter chinesischen Hausgemeinden ist Pastor Wang umstritten. Manche halten ihn für einen politischen Aktivisten, der die christliche Botschaft nutzt, um seinem Anliegen Strahlkraft und internationale Unterstützung zu verschaffen. Im Herbst schrieb Wang eine Aufforderung zu zivilem Ungehorsam, die er für den Fall seiner Festnahme zur Veröffentlichung vorbereitet hatte. Der Text ist in englischer Übersetzung bei China Partnership nachzulesen: www.chinapartnership.org/blog/2018/12/my-declaration-of-faithful-disobedience (AsiaNews 7.03.2019; faz.net 1.03.2019; nytimes.com 25.03.2019).
Isabel Friemann, China InfoStelle

15. Dezember 2018:
Schließung der Rongguili-Kirche in Guang­zhou
Während des Kindergottesdienstes an dem Samstagvormittag kamen Sicherheitskräfte in die größte und bekannteste Hauskirche Südchinas, um sie zu schließen. Etwa 60 Uniformierte und Beamte beendeten die Veranstaltung. Danach wurden Bücher und Eigentum der Gemeinde konfisziert, Personalien der Anwesenden aufgenommen und Befragungen durchgeführt.
Die Geschichte der Rongguili-Kirche in Guangzhou reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Der frühere Gemeindeleiter Samuel Lamb verbrachte 20 Jahre in Arbeitslagern, bevor er 1978 die Aktivitäten der Gemeinde wieder aufnahm. Er starb 2013 im Alter von 88 Jahren (South China Morning Post 16.12.2018).
Isabel Friemann, China InfoStelle

Katholische Kirche

11. Oktober 2018:
Provinz Hebei: Vier Untergrundpriester in Polizeigewahrsam – vergebliche Versuche des Staates, sie zur offiziellen Registrierung zu bewegen
Vier Priester der Diözesen Xiwanzi und Xuanhua in Nord-Hebei wurden im Oktober von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die beiden Priester Zhang Guilin und Wang Zhong gehören zur Diözese Xiwanzi, die Priester Su Guipeng und Zhao He zu Xuanhua. Zhang und Wang wurden ab dem 11. Oktober an mehrere Orte gebracht, wo sie – so AsiaNews – „über die Religionspolitik der chinesischen Regierung indoktriniert wurden“, da sie eine Mitgliedschaft in der Patriotischen Vereinigung ablehnten. Laut UCAN wurden sie gezwungen, sich mit Bischöfen der offiziellen Kirche zu treffen, die „versuchten, sie davon zu überzeugen, die Prinzipien von Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung der Kirche zu akzeptieren, ein Zertifikat für Priester zu beantragen und sich der offiziellen Kirche anzuschließen“. Nur so würden sie von der Regierung als rechtmäßige Kleriker angesehen. Priester Su wurde am 13. Oktober unter Hausarrest gestellt, Priester Zhao am 24. Oktober in ein Hotel gebracht.
In einer Kampagne versucht die Regierung seit geraumer Zeit – verstärkt nach dem sino-vatikanischen Abkommen – Untergrundpriester in erzwungenen „Studienkursen“ unter Druck zum Eintritt in die Patriotische Vereinigung zu bewegen. Laut AsiaNews seien viele zur Registrierung bei der Regierung bereit, jedoch nicht zu einer Mitgliedschaft in der Patriotischen Vereinigung (AsiaNews 5.,14.11.; UCAN 2.,21.11.). Weiterhin in Haft bzw. verschwunden sind der 86-jährige Untergrundbischof Su Zhimin von Baoding und 47-jährige Untergrundpriester Liu Honggeng, ebenfalls Baoding. Priester Liu wurde vor drei Jahren von den Behörden verschleppt, Bischof Su wurde 1997 verhaftet (UCAN 5.10.).

18. Oktober 2018:
Symposium zu 50 Jahre „Sigao 思高-Bibel“ in Beijing
40 Personen nahmen an dem von der Chinesischen katholischen Patriotischen Vereinigung und der Bischofskonferenz veranstalteten Symposium anlässlich des 50. Jubiläums der Herausgabe der chinesischen Studium Biblicum-Bibelversion („Sigao-Bibel“) teil. Es ist die von chinesischen Katholiken am häufigsten gebrauchte Ausgabe der Bibel. Übersetzt hatte sie der selige P. Gabriele Allegra OFM mit seinem Team vom – zunächst in Beijing, dann in Hongkong angesiedelten – Studium Biblicum Franciscanum. Es war die erste vollständige katholische Übersetzung der Bibel ins Chinesische. Bischof Guo Jincai von Chengde, Generalsekretär der Bischofskonferenz und im September von Papst Franziskus offiziell als Bischof anerkannt, erwähnte in seiner Eröffnungsansprache, dass seit 1993 auf dem chinesischen Festland 4,5 Mio. Kopien verschiedener Ausgaben der Studium Biblicum-Version gedruckt wurden. Auf dem Symposium wurden u.a. der Wunsch nach Errichtung einer Bibelgesellschaft auf dem Festland sowie der größere Gebrauch der sozialen Medien geäußert. Bischof Shen Bin, Vize-Präsident von Patriotischer Vereinigung und Bischofskonferenz, äußerte zum Abschluss die Hoffnung, dass die auf dem Symposium vorgebrachten Vorschläge in Zukunft umgesetzt und die Expertise der über 40 Priester und Schwestern, die im Ausland Bibelwissenschaften studiert haben, eingebracht werden könnten. Unter den Teilnehmern in Beijing waren Vertreter der acht offiziellen Priesterseminare in China sowie des Faith Institute for Cultural Studies wie auch Bischof Yang Xiao­ting von Yan’an. Studium Biblicum nahm nicht an der Feierlichkeit teil. Auf seiner Facebook-Seite hatte das Institut mitgeteilt, dass es aus diesem Anlass selbst keine Feier organisieren und auch nicht an den diesbezüglichen Veranstaltungen in Beijing, Hongkong und Taiwan teilnehmen werde (UCAN 31.10.; s. auch China heute 2007, Nr. 6, Informationen).

26. Oktober 2018:
AsiaNews: Offizieller Priester aus Henan vorübergehend inhaftiert und Priesterlizenz entzogen – vermutlich wegen Jugendarbeit
Priester Liu Jiangdong aus der Diözese Zhengzhou in der Provinz Henan wurde laut AsiaNews Anfang September verhaftet und eine Woche lang in Haft gehalten, angeblich wegen „ungeordneter Finanzkonten“ und des „Nutzens öffentlicher Gelder für private Zwecke“. Er wurde des „Verstoßes gegen die Religionspolitik und gegen Vorschriften bezüglich religiöser Aktivitäten“ bezichtigt. Am letzten Sonntag im September verkündeten Regierungsvertreter in der Kirche, dass Liu von seinem priesterlichen Amt suspendiert werde. Zudem wurde das Kreuz auf dem Glockenturm seiner Pfarrkirche demontiert.
Priester Liu wurde 2005 zum Priester geweiht und war Gemeindepfarrer der Herz-Jesu-Kirche von Zhengzhou. Er war sehr aktiv in der Jugendarbeit, organisierte Gebetstreffen, Katechismuskurse, Treffen zur Berufungsfindung für junge Leute, animierte diese zu karitativen Tätigkeiten – trotz der jüngsten Verbote religiöser Erziehung für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in der Provinz Henan. Ein Priester von Henan äußerte gegenüber AsiaNews, dass Priester Liu wegen dieser Aktivitäten seinen Status verloren habe: „Er war zu aktiv: er gründete so viele Gemeinschaften für junge Leute und auch für alte Menschen. Weil er nicht den Vorschriften folgte, war die Regierung verärgert“ (AsiaNews 26.10.).

28. Oktober 2018:
„Erstes Gipfeltreffen katholischer Unternehmer“ in Beijing
200 katholische Unternehmer aus 11 Provinzen und regierungsunmittelbaren Städten Chinas, die in Beijing ein Unternehmen gegründet haben, trafen sich in der Niufang-Kirche im Beijinger Bezirk Daxing. Der gemeinsamen Sonntagsmesse folgte eine Jobbörse, bei der sich anwesende Unternehmen vorstellten; viele junge Katholiken nutzten die Gelegenheit, um sich zu informierten und zu bewerben.
Nachmittags hielten zehn katholische Unternehmer Vorträge über ihre Erfahrungen mit Unternehmen und Glauben, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Das Gipfeltreffen wurde von Liu Zhe, dem Pfarrer der Niu­fang-Kirche, initiiert (fünf weitere Priester aus Beijing und Hebei waren anwesend) und u.a. von den engagierten katholischen Unternehmerinnen Huang Xiuhong und Li Wenxiang organisiert. Mit dem Treffen war – wie es im Bericht auf der Website von Xinde heißt – die Zielsetzung verbunden, dass katholische Unternehmer bei der Führung ihrer Geschäfte immer den Glauben an die erste Stelle setzen, gemeinsame Wertvorstellungen entdecken und sich gegenseitig unterstützen. Am Ende der Veranstaltung wurde ein „Unternehmerverband Pfarrei Niufang Bistum Beijing“ gegründet. Einige teilnehmende Unternehmer lobten im Gespräch mit der Xinde-Journalistin besonders die Jobbörse; das gegenseitige Interesse an katholischen Mitarbeitern bzw. Arbeitgebern sei groß, denn „Menschen, die glauben, halten bei ihrem Tun eine (moralische) Grundlinie ein“. Man müsse den Glauben in den Unternehmens­prozess einbinden, um Licht und Salz zu sein, so ein Manager. Die Treffen sollen fortgesetzt werden (chinacatholic.org 30.10.).

23./24. November 2018:
Untergrundbischof Peter Shao Zhumin von Wenzhou und Priester Lu Danhua freigelassen
Bischof Shao von Wenzhou in der Provinz Zhejiang war am 9. November 2018 von Regierungsvertretern des Religionsbüros von Yueqing weggebracht und 14 Tage lang festgehalten worden. Grund dafür war vermutlich eine Messfeier am Grab des ersten Bischofs von Wenzhou, Lin Xili, das sich in Yueqing befindet. Dort hatten sich 500 Gläubige versammelt. Am 23. November konnte der 55-jährige Bischof nach Hause zurückkehren. Es war das achte Mal – so UCAN –, dass Shao seit seiner Priesterweihe 1999 verhaftet bzw. weggebracht wurde, teils zu „Studien- bzw. Tourismusreisen“. Das letzte Mal war Bischof Shao vom 18. Mai 2017 bis 3. Januar 2018 zunächst verschwunden und stand anschließend unter Hausarrest außerhalb seiner Diözese. Im Juni 2017 hatten sich nacheinander der deutsche Botschafter in Beijing und der Vatikan in öffentlichen Statements für Bischof Shaos Freilassung eingesetzt. Auf Bischof Shao wurde vergeblich Druck ausgeübt, sich u.a. der Patriotischen Vereinigung anzuschließen.
Priester Lu war bereits am 29. Dezember 2017 von Beamten der Religionsbehörden aus seiner Pfarrei Qingtian abgeführt und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Laut einer Quelle, die UCAN zugänglich war, soll er die ganze Zeit über bis zu seiner Freilassung am 24. November in einem Luxushotel nahe der Kirche untergebracht gewesen sein. Das Hotel diene zur Überwachung von Regierungsbeamten, die gegen Regeln der Kommunistischen Partei verstoßen hätten. Er soll wegen illegaler Messfeiern verhaftet worden sein. Priester Lu – er wurde von Bischof Shao 2016 geweiht – ist der einzige Priester der benachbarten Diözese Lishui, die von Wenzhou mitverwaltet wird (AsiaNews 13.11.; UCAN 13.,30.11.).

Ab 13. Dezember 2018:
Entwicklungen in der Diözese Mindong nach der „Bischofs-Rochade“
Am 13. Dezember, nach seiner Rückkehr vom Treffen mit der Vatikandelegation in Beijing (siehe Eintrag vom 12. Dezember 2018 in der Rubrik „Sino-vatikanische Beziehungen“), versammelte Bischof Guo Xijin alle seine Priester. Er teilte ihnen mit, dass er ab jetzt nicht mehr Bischof der Diözese Mindong sei, und bat die Priester, Bischof Zhan Silu zu akzeptieren und ihm zu gehorchen; keiner der anwesenden Priester habe rebelliert. Dies schrieb einer dieser Priester, Luo Wen, in einem Blog-Beitrag; er argumentierte, die Diözese sei vor Jahrzehnten aus Treue zum Papst in den Untergrund gegangen, deshalb sei es nur konsequent, auch jetzt dem Papst zu gehorchen (siehe Dokumentation). Bischof Guo Xijin selbst wurde am 14. Dezember von der staatlichen Global Times zitiert, er werde Weihbischof und Zhan Silu Diözesanbischof in Mindong. Die Untergrundkirche und die staatlich sanktionierte Kirche in Mindong würden nach der Übergabe zusammengehen, so Bischof Guo laut Global Times. Auf die Frage, ob die Untergrundkirche diese Veränderung akzeptieren werde, sagte Guo zu Global Times: „Es gibt keinen Grund zur Sorge, weil es Gottes Wille ist.“ Er wisse noch nicht, wie und wann die offizielle Übergabe stattfinde und ob er dann eine „Bischofslizenz“ von der chinesischen Regierung erhalte; er werde weiter in der Seelsorge arbeiten, aber die Verwaltung der Diözese mit Bischof Zhan diskutieren.
Die Bereitschaft von Bischof Guo Xijin und anscheinend auch seiner Priester, sich der Leitung des ehemals illegitimen Bischofs Zhan Silu zu unterstellen, ist umso bemerkenswerter, als in der Diözese Mindong seit jeher die Kirche im Untergrund dominiert hat: Laut AsiaNews gehören mindestens 80.000 der über 90.000 Gläubigen der Diözese dem Untergrund an.
Nach dem Ende des Berichtszeitraums dieser Chronik meldete AsiaNews Anfang April, dass die chinesischen Religionsbehörden Guo Xijin weiterhin nicht als Weihbischof anerkennen und ihm die Teilnahme an der Chrisammesse verweigern wollten, wenn er nicht der Patriotischen Vereinigung beitrete. Am Gründonnerstag 2019 konnte schließlich doch eine gemeinsame Chrisammesse mit Bischof Zhan und Weihbischof Guo im Bischofsornat erfolgen, bei der auch die über 50 Priester der Untergrundgemeinschaft der Diözese konzelebrierten (AsiaNews 13.,20.12.2018; 3.,18.04.2019; Global Times 14.12.2018; UCAN 19.12.2018).

18. Dezember 2018:
„Konferenz zum Gedenken an 60 Jahre Selbstwahl und -weihe von Bischöfen des chinesischen Katholizismus“ in Nanjing
Über 200 Personen nahmen an der Konferenz teil, die am Vormittag abgehalten wurde – darunter 48 Bischöfe (d.h. die Mehrheit der 57 amtierenden Bischöfe der offiziellen Kirche), mehr als 100 Priester sowie Ordensfrauen. Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Direktor des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, hielt dort eine Rede. Darin betonte er laut AsiaNews, dass das Prinzip der Unabhängigkeit und Selbstverwaltung „zu keiner Zeit und unter keinen Umständen“ aufgehoben werde. Am Nachmittag des gleichen Tages tagte, ebenfalls in Nanjing, die Vollversammlung der Kommission des chinesischen Katholizismus mit ebenfalls über 200 Personen. Dort formulierte Bischof Shen Bin, Vizevorsitzender der Chinesischen Bischofskonferenz und der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung (PV), als Zukunftshoffnung das Festhalten an der Sinisierung des Katholizismus, an der Liebe zu Land und Religion, an der autonomen Selbstverwaltung und demokratischen Verwaltung der Kirche sowie am verstärkten Selbstaufbau (der offiziellen Gremien).
Am 13. April 1958 wurden erstmals zwei chinesische Priester ohne päpstliche Ernennung zu Bischöfen geweiht – die Bischöfe Dong Guangqing von Hankou und Yuan Wenhua von Wuchang. Der Plan, 60 Jahre unabhängige Bischofsweihen zu begehen, wurde bereits im Februar 2018 angekündigt; der Abschluss des vorläufigen Abkommens über die Ernennung von Bischöfen mit dem Vatikan im September 2018 habe, so ein Kommentar von AsiaNews, die Regierung offenbar nicht vom Ziel einer „unabhängigen Kirche“ abgebracht (AsiaNews 18.12.2018; chinacatholic.cn 21.12.2018).

28. Dezember 2018:
Bischof Tan von Nanning der Unterschlagung von Diözesangeldern bezichtigt, Klerus und Gläubige wehren sich gegen Kirchenabriss
Bischof Joseph Tan Yanquan von Nanning, Provinz Guangxi, soll, einer Meldung von UCAN zufolge, 27 Mio. Yuan (ca. 4 Mio. US$) unterschlagen haben, um mit diesem Geld verschiedene private Firmen zu eröffnen. Er soll zudem illegal Spendengelder akquiriert und Kircheneigentum veräußert haben. Über 200 Priester, Ordensschwestern, kirchliches Personal und Laien der Diözese haben in einem gemeinsamen Schreiben an die städtische Kommission für ethnische und religiöse Angelegenheiten mit Kopie an die Einheitsfront eine Untersuchung der bischöflichen Finanzen gefordert und den Bischof beschuldigt, gegen nationale Finanz- und Wirtschaftsgesetze verstoßen zu haben. Die Diözese könne seit August 2018 nicht länger ihre normale pastorale Arbeit aufrechterhalten und für den Lebensunterhalt sowie Krankenversicherungen und Rentenzahlungen der Kleriker und des Kirchenpersonals aufkommen, so das Schreiben. Der Entschluss zur Anklage gegen den Bischof stand fest, nachdem ans Tageslicht gekommen war, dass Bischof Tan eigenmächtig einen Vertrag mit einer Immobilienfirma geschlossen hatte, nach dem die Kirche vom Heiligen Herzen Jesu neu erbaut, auf 20 Stockwerke erweitert und das Gebäude anschließend verkauft werden sollte. Priester und Gläubige blockierten am 28. Dezember 2018 den Eingang, um die Grundstücksentwickler am Betreten des Grundstücks zu hindern, und riefen die Polizei. Die Behörden verhinderten schließlich die Abrissarbeiten. Der Bischof soll zig-Millionen Schulden haben (UCAN 15.01.2019).

Sino-vatikanische Beziehungen

Oktober 2018:
Papst Franziskus und Ostasien – zwei Einladungen und ein Reiseplan
Das Amt des Präsidenten von Südkorea gab am 9. Oktober bekannt, dass beim interkoreanischen Gipfeltreffen in Pjöngjang im September d.J. der südkoreanische Präsident Moon Jae-in dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong-un vorgeschlagen habe, Papst Franziskus zu treffen, der sehr am Frieden auf der koreanischen Halbinsel interessiert sei. Das berichtete UCAN. Kim habe geantwortet: „Ich werde den Papst herzlich willkommen heißen, wenn er Pjöngjang besucht.“ Während des Gipfeltreffens sprach Kim auch mit dem südkoreanischen Erzbischof Kim Hee-joong, dem Vorsitzenden der Koreanischen Bischofskonferenz. Präsident Moon sagte nach seiner Audienz bei Papst Franziskus am 18. Oktober, der Papst habe sich bereit gezeigt, einer formellen Einladung Kims Folge zu leisten, so die South China Morning Post.
Taiwans Vizepräsident Chen Chien-jen, der am 14. Oktober an der Heiligsprechung von Papst Paul VI. teilnahm, lud bei der Gelegenheit Papst Franziskus erneut nach Taiwan ein. Vatikansprecher Greg Burke erklärte jedoch am 18. Oktober, ein solcher Besuch durch den Heiligen Vater sei nicht geplant. 
Am 9. September 2018 hatte Papst Franziskus laut Vatican News gegenüber Vertretern einer japanischen Assoziation erklärt, er wolle nächstes Jahr Japan besuchen (press.vatican.va 18.10.; South China Morning Post 19.10.; UCAN 10.10.; vaticannews.va 12.09.).
Zur Einladung in die Volksrepublik China durch Bischof Guo Jincai siehe den Eintrag vom 15. Oktober in dieser Rubrik.

ab 3. Oktober 2018:
Erstmals nehmen zwei Bischöfe von Festlandchina an einer Versammlung der Weltbischofssynode in Rom teil
Bischof Guo Jincai von Chengde und Bischof Yang Xiaoting von Yan’an sind zur XV. Ordentlichen Generalversammlung der katholischen Bischöfe zum Thema Jugend (3.–28. Oktober) nach Rom gereist. Papst Franziskus hieß die „Mitbrüder im Bischofsamt aus Kontinental-China“ in seiner Predigt bei der Eröffnungsmesse willkommen und sagte, dank ihrer Präsenz sei „die Gemeinschaft des ganzen Bischofskollegiums mit dem Nachfolger Petri [...] nun noch stärker sichtbar“. Außer den beiden kurzfristig teilnehmenden Bischöfen ist aus Festlandchina eine Ordensschwester als Auditorin eingeladen – Sr. Teresina Cheng Chaoying von den Schwestern der Mutter Gottes in Daming (Hebei), derzeit zum Studium in Rom. Bischof Guo gehört zu den sieben am 22. September vom Papst legitimierten Bischöfen und ist Generalsekretär der offiziellen Chinesischen Bischofskonferenz (BiKo). Bischof Yang Xiaoting, 2010 mit päpstlicher und staatlicher Genehmigung geweiht, übt ebenfalls wichtige Funktionen in den offiziellen Gremien aus, er ist einer der Vizevorsitzenden der BiKo und leitet deren Kommission für die theologische Forschung. Er hat in Italien und den USA studiert. Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, hatte am 26. September bei einer Versammlung von Vertretern der Patriotischen Vereinigung und der BiKo bekanntgegeben, dass diese beiden die Erlaubnis zur Teilnahme an der Synode erhalten hätten. Am 1. Oktober bestätigte Kardinal Baldisseri, Generalsekretär der Synode, dass die beiden chinesischen Bischöfe „vom Papst eingeladen wurden, als Ergebnis des Abkommens, und die Einladung von der anderen Seite akzeptiert wurde“.
Die Erlaubnis Beijings, die beiden zur Synode reisen zu lassen, würde „auf einen positiven Wandel in Beijings Politik hindeuten“, so B. Cervellera in AsiaNews. Bisher hatte China die Teilnahme chinesischer Bischöfe an den Synoden nicht erlaubt: Papst Johannes Paul II. hatte 1998 die Bischöfe Duan Yinming und Xu Zhixuan (beide Diözese Wanxian) zur Asiensynode eingeladen, Papst Benedikt XVI. lud 2005 drei auch von der Regierung anerkannte Bischöfe (Bischof Li Du’an von Xi’an, Bischof Lukas Ly von Fengxiang sowie Bischof Jin Luxian (Shanghai) und einen Untergrundbischof (Bischof Wei Jingyi von Qiqihar) zur Vollversammlung der Bischofssynode ein; keiner der Eingeladenen durfte jedoch nach Rom reisen. Die Bischofssynode als ständige Institution wurde 1965 von Papst Paul VI. ins Leben gerufen (America 1.10.; AsiaNews 27.09.; 1.,3.10.; Vatican Insider 26.09.; vatican.va 3.10.; www.synod2018.va).
Zur Asiensynode 1998 vgl. China heute 1998, Nr. 2-3, S. 49-53, zur Vollversammlung der Bischofssynode im Jahr 2005 vgl. ebd. 2005, Nr. 4-5, Informationen, Nr. 6, Themen, S. 219-220.

Oktober / November 2018:
AsiaNews und UCAN veröffentlichen Stimmen aus der chinesischen Kirche zum sino-vatikanischen Abkommen – Gefühl von „Verwirrung und Verlust“ bei vielen im Untergrund
Untergrundpriester John sagte zu UCAN, die Priester in seinem Umfeld hätten beschlossen, vereint zu bleiben und gemeinsam offiziell zu werden, wenn der Papst dies wünsche. Sie seien aber nun verwirrt. Sie würden dem Papst zustimmen, dass das Abkommen aus pastoraler Notwendigkeit geschlossen worden sei, aber sie verstünden die Anerkennung der 8 illegitimen Bischöfe nicht. Ohne Religionsfreiheit sähen sie keine Vorteile gegenüber der Evangelisierung im Untergrund. John zufolge könnte das Abkommen die Spaltung in der Kirche noch vergrößern. Seit dem Abkommen zögen es einige Priester vor, sich der Patriotischen Vereinigung anzuschließen, weil sie meinen, der Papst sei nicht dagegen; hinwiederum fänden manche Katholiken aus der offiziellen Kirche, die aufgetauchten Untergrundpriester seien zu regierungsnah, und würden in den Untergrund wechseln, weil sie der Ansicht seien, dass Kirchen, in denen die Nationalflagge gehisst und die Nationalhymne gesungen werde, nicht mehr wie Kirchen seien. Mehrere Stimmen berichteten UCAN, dass Untergrundpriester über ihre Eltern bedroht, oder verschleppt und „gehirngewaschen“ worden seien, oder ihnen ihre Pfarrkirchen genommen worden seien. Untergrundpriester Peter fordert in AsiaNews vom Heiligen Stuhl insbesondere, dass er sich um die noch inhaftierten Bischöfe kümmern solle. Ein Priester aus der offiziellen Kirche mit dem Pseudonym „Zaoxu“ erklärte, die weiteren Verhandlungen nach dem Abkommen seien extrem wichtig. Denn da die Untergrundbischöfe nicht an ihr teilnehmen dürften, existiere die Bischofskonferenz nur in einer nominellen und instrumentalen Weise und sei bar jedes Inhalts. Nur wenn alle Bischöfe ohne Ausnahme teilnähmen, existiere sie in einem angemessenen Sinn. Priester Paul Xie schrieb, Papst Franziskus habe einen menschlich gesehen riskanten Schritt getan, aber zum Glück sei die Kirche die Kirche Gottes und sie müsse vom Glauben Abrahams lernen (AsiaNews 10.09.; 19.,28.11.; UCAN 7.,30.11.).

8.–11. Oktober 2018:
Politische Schulung für katholischen Klerus in Hubei: Vertreter der Religionsbehörde warnt vor Störversuchen des Vatikans und Katholiken, die nicht wissen, „welche Fahne sie hochhalten“ sollen
An der politischen Erziehungsmaßnahme der Regierung für das katholische Personal der ganzen Provinz nahmen laut UCAN 80 Priester, Schwestern und Laien teil. Xiong Xiaqi, stellvertretender Direktor der Kommission für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Provinz Hubei, hielt einen Vortrag, wovon ein Foto mit einer lesbaren Textfolie seiner PowerPoint-Präsentation in den Netzwerken kursierte. Xiong hebt darin drei Punkte hervor: „Erstens, zwar haben China und der Vatikan das vorläufige Abkommen unterzeichnet, aber die Versuche des Vatikans, sich in die Angelegenheiten des Katholizismus unseres Landes einzumischen und sie zu stören, sind unverändert, ihre Methoden, das System der [kirchlichen] Hierarchie zu propagieren und negative Meinungen zu verbreiten, sind unverändert; künftig werden diese Methoden noch versteckter und noch vielfältiger sein. Zweitens, das Denken eines Teils der Personen in den katholischen Kreisen rutscht ab, es ist ihnen nicht klar bewusst, welche Fahne sie hochhalten und welchen Weg sie gehen [sollen], ihr Denken ist verwirrt, ihr Standpunkt des Prinzips der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung wird erschüttert. Drittens, nach der Einteilung der Diözesen haben in einem Teil der Diözesen Dispute über religiöses Eigentum und Interessensbeziehungen zu Widersprüchen geführt“ (UCAN 17.10.; Foto mit der PPT-Folie u.a. bei AsiaNews 11.10.).

14.–16. Oktober 2018:
Drei chinesische Bischöfe nehmen an „Friedensbrücken“ in Bologna teil
Zu der von der Gemeinschaft Sant’Egidio in Kooperation mit der Erzdiözese Bologna organisierten Tagung „Friedensbrücken. Religionen und Kulturen im Dialog“ kamen Vertreter verschiedener Religionen und Kulturen zusammen. Es handelte sich um die „32. Etappe des Geistes von Assisi, den Johannes Paul II. 1986 ins Leben gerufen hat und von der Gemeinschaft Sant’Egidio weitergetragen wurde“, hieß es auf der Website der Gemeinschaft.
Zu der Konferenz waren auch drei chinesische Bischöfe aus der Volksrepublik China eingeladen: Anthony Dang Mingyan von Xi’an (Shaanxi), Joseph Shen Bin von Haimen (Jiangsu) sowie Joseph Yang Yongqing von Zhoucun (Shandong); die drei wurden von Priester Zhang Qiulin begleitet. Bisho Shen kam zweimal öffentlich zu Wort, zum einen als Sprecher auf einem Podium zum Thema „Solidarität zwischen den Generationen“, zum zweiten vor großem Publikum bei der Abschlusszeremonie auf der Piazza Maggiore in Bologna. Die Delegation war einige Tage zuvor zunächst in Rom eingetroffen, kurz bevor die beiden Bischöfe Yang Xiaoting und Guo Jincai, die die ersten 12 Tage an der Jugendsynode teilgenommen hatten, am 15. Oktober wieder nach China zurückkehrten (AsiaNews 21.10.; santegidio.org 23.09.; siehe auch Eintrag vom 15. Oktober in dieser Rubrik). Die Reden von Bischof Shen sind abrufbar unter: https://preghieraperlapace.santegidio.org/pageID/30660/langID/en/text/2804/Speech-of-Joseph-Shen-Bin.html (Plenumsansprache am 15.10.); https://preghieraperlapace.santegidio.org/pageID/30660/langID/de/text/3000/Rede-von-Bischof-Joseph-Shen-Bin-von-Haimen-China.html (Rede auf der Piazza Maggiore am 16.10.); https://preghieraperlapace.santegidio.org/pageID/30660/langID/en/video/77276/Video-della-Cerimonia-Finale.html (Video der gesamten Abschlusszeremonie).

15. Oktober 2018:
Chinesische Bischöfe kehren von der Synode nach China zurück – haben Papst nach China eingeladen
Bischof Guo Jincai von Chengde und Bischof Yang Xiaoting von Yan’an, die auf Einladung von Papst Franziskus an der XV. Ordentlichen Generalversammlung der katholischen Bischöfe zum Thema Ju­gend (3.–28. Oktober) teilgenommen hatten, sind am 15. Oktober vor Abschluss der Synode wieder nach China zurückgekehrt. Dies sei der zuvor festgelegte Tag ihrer Abreise gewesen, so die Zeitschrift Avvenire vom 16. Oktober. Bischof Guo gehört zu den sieben am 22. September vom Papst legitimierten Bischöfen und ist Generalsekretär der of­fiziellen Chinesischen Bischofskonferenz. Bischof Yang Xiaoting wurde 2010 mit päpstlicher und staatlicher Genehmigung geweiht, er ist einer der Vizevorsitzenden der Bischofskonferenz und Leiter der Kommission für die theologi­sche Forschung. Es waren die ersten chinesischen Bischöfe überhaupt, die an einer Synode in Rom teilgenommen haben.
In einem Interview mit Avvenire sagte Bischof Guo, dass im Moment der Begrüßung von Papst Franziskus zu Beginn der Synode 70 Jahre Leid in einem Augenblick wie weggeflogen gewesen seien. Zum Papst hätten sie in den gemeinsamen Tagen im Gästehaus Santa Marta eine familiäre Beziehung gehabt. „Er sagte, dass er uns liebt, unser Land liebt und stets sehr viel für die Christen in China betet. … In diesen Tagen haben wir Papst Franziskus nach China eingeladen. Wir warten auf ihn. Den Moment kennt nur der Herr. Aber wir beten dafür, wir beten den Rosenkranz, damit schon bald dieser Moment kommt. Wie auch unsere Präsenz hier unmöglich erschien und jetzt möglich wurde.“ Zudem sagte Bischof Guo, dass die Kirche eine einzige große Familie sei mit derselben Taufe und demselben Glauben, „wir sind Zeugen einer geeinten Kirche in der Verschiedenheit“. Die Jugend sowie damit zusammenhängende Fragen und (auch politische) Probleme wurden in dem Interview nicht thematisiert.
In Rom feierten die beiden Bischöfe auch eine heilige Messe mit chinesischen Katholiken in der Kirche des Hl. Bernardino von Siena (South China Morning Post 16.10.; Vatican Insider 16.10.; https://www.avvenire.it/chiesa/pagine/i-vescovi-cinesi-al-sinodo-esserci-stato-un-miracolo 16.10.; siehe auch China heute 2018, Nr. 3, S. 164).

29. Oktober 2018:
Semioffizielle chinesische Global Times stellt Überlegungen zur Zukunft der katholischen Untergrundbischöfe nach dem „vorläufigen Abkommen“ an
Wie die Zeitung zutreffend schreibt, wurden zeitgleich mit der Unterzeichnung des Vorläufigen Abkommens über die Bischofsernennungen durch die Außenminister Chinas und des Vatikans am 22. September 2018 die sieben aus kirchlicher Sicht illegitimen chinesischen Bischöfe durch Papst Franziskus anerkannt, doch „was mit den über 30 Untergrundbischöfen in China geschehen wird, ist noch unklar“. Francesco Sisci, Forscher an der Renmin University of China, sagte der Global Times (GT), das Problem sei, „welche Art von Anerkennung“ sowohl für die Regierung als auch für die Bischöfe akzeptabel sei; „das ist es, woran Beijing und Rom jetzt arbeiten“. Wang Meixiu, Katholizismusexpertin an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, erklärte, die Verhandlungen über die Untergrundbischöfe seien kompliziert und langwierig, da mögliche Veränderungen bezüglich des kirchlichen Eigentums und der [Einteilung der] Diözesen involviert seien. Wang zufolge könnten Untergrundbischöfe mancher Diözesen zurückgestuft oder in andere Diözesen versetzt oder um Rücktritt gebeten werden. Ein Priester aus Mindong namens Luo Wen wird von der GT mit der Aussage zitiert, die Untergrundgemeinschaft der Diözese Mindong sei darauf vorbereitet, dass Bischof Guo Xijin zum Weihbischof zurückgestuft werden könnte (globaltimes.cn 29.10.).
Der von der Regierung nicht anerkannte Bischof Guo war bisher der vom Papst eingesetzte Ortsbischof der Diözese Mindong; am 22. September wurde jedoch der bis dahin kirchlich illegitime Bischof Zhan Silu, der aus staatlicher Sicht Ortsbischof ist, vom Papst in die volle kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Zum zunehmenden Druck auf die katholischen Gemeinschaften im „Untergrund“ siehe die Einträge vom 11. Oktober 2018 und 23./24. November 2018 in der Rubrik „Katholische Kirche“.

12. Dezember 2018:
Vatikanvertreter überreicht in Beijing sieben ehemals illegitimen und zwei bislang im Untergrund wirkenden Bischöfen Ernennungen für ihre pastoralen Verantwortungsbereiche
Dies berichteten verschiedene Medien bereits im Dezember 2018, der vatikanische Osservatore Romano (OR) veröffentlichte am 3. Februar 2019 eine offizielle Notiz zu dem Vorgang (siehe Wortlaut in der Dokumentation). Die Vatikandelegation wurde von Erzbischof Claudio Maria Celli geleitet. Laut OR erhielten die neun Bischöfe am 12. Dezember „Mitteilung vom Heiligen Stuhl“ bezüglich „ihrer pastoralen Verantwortungsbereiche“. Die letzten sieben illegitimen chinesischen Bischöfe ohne päpstliches Mandat waren im September 2018 wieder „in die volle kirchliche Gemeinschaft aufgenommen“ worden (laut OR bereits am 8. September, eine offizielle Bekanntgabe des Heiligen Stuhls erfolgte am 22. September, dem Tag des vorläufigen sino-vatikanischen Abkommens über die Ernennung von Bischöfen). Am 12. Dezember wurden sie nun seitens des Papstes auch als leitende Bischöfe der jeweiligen Diözesen berufen (was sie aus Sicht der chinesischen Regierung seit jeher waren), und zwar, laut OR, Joseph Guo Jincai als der erste Bischof von Chengde, Joseph Huang Bingzhang als Bischof von Shantou, Joseph Liu Xinhong als Bischof in Anhui, Joseph Ma Yinglin als Bischof von Kunming, Joseph Yue Fusheng als Bischof in Heilong­jiang, Vinzenz Zhan Silu als Bischof von Funing/Mindong und Paul Lei Shiyin als Bischof von Leshan. Die Formulierungen „Bischof in Anhui“ bzw. „Bischof in Heilongjiang“ rühren offenkundig daher, dass diese beiden Provinzen aus vatikanischer Sicht keine Diözesen sind. Da es in der Diözese Shantou und der Diözese Funing/Mindong bereits jeweils einen vom Papst eingesetzten, aber von der Regierung nicht anerkannten Bischof gab, mussten diese beiden Untergrundbischöfe den neu eingesetzten Bischöfen durch Herunterstufung bzw. Emeritierung Platz machen: Laut OR wurde Vinzenz Guo Xijin Weihbischof von Funing/Mindong und Peter Zhuang Jianjian Bischof emeritus von Shantou. AsiaNews zufolge überreichte Celli Bischof Guo Xijin einen von Kardinalstaatssekretär Parolin und Kardinal Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, unterzeichneten Brief, in dem diese Guo baten, seine Funktion als Ortsbischof Bischof Zhan zu überlassen. Dass der Plan für eine solche „Bischofsrochade“ in Shantou und Mindong bestand, wurde bereits im Januar 2018 von AsiaNews und Kardinal Zen enthüllt (vgl. China heute 2018, Nr. 1, S. 4-5, 16-17, 19-21). Über den Besuch der Vatikandelegation und die Bischofs(um)ernennungen berichtete auch die staatliche Global Times mehrfach (AsiaNews 13.12.2018; Global Times 14.,15.,16.12.2018; Osservatore Romano 3.02.2019; UCAN 19.12.2018).
Zur weiteren Entwicklung in Mindong und Shantou siehe die Eintragungen von Ab 13. Dezember 2018 und vom 22. Januar 2019 in der Rubrik „Katholische Kirche“.

Hongkong

19. November 2018:
Hongkong: Prozessbeginn gegen Führer von „Regenschirm-Bewegung“ von 2014
Wegen Anstiftung und Verschwörung zur Störung der öffentlichen Ordnung durch Organisation von Blockaden und Sit-ins in verschiedenen Stadtteilen stehen neun führende Mitglieder der pro-demokratischen Demonstrationsbewegung von 2014 in Hongkong vor Gericht. Unter ihnen sind die führenden Köpfe der 2011 von ihnen gegründeten Protestbewegung „Occupy Central“, der Juraprofessor Benny Tai, der Sozialwissenschaftler Chan Kin-man sowie der Baptistenpastor Chu Yiu-ming. Zwei der sechs anderen Angeklagten sind die Abgeordneten Tanya Chan und Shiu Ka-chun. Allen Angeklagten drohen hohe Haftstrafen. 79 Tage lang legten Hunderttausende Demonstranten, darunter viele Schüler und Studenten, im Herbst 2014 die Stadt quasi lahm. Hintergrund der Proteste waren Forderungen nach mehr Demokratie und freien Wahlen in Hongkong.
„Ich habe Vertrauen, dass die Gerichte in Hongkong noch unabhängig und gerecht sind. Aber ich habe mich auf das Schlimmste vorbereitet“, sagte Tai der Deutschen Presse-Agentur laut Der Tagesspiegel vom 19. November. Als sie damals zivilen Ungehorsam vorgeschlagen hätten, seien sie darauf vorbereitet gewesen, vor Gericht zu kommen, so der Der Tagesspiegel weiter. Tai habe sich pessimistisch gegenüber der Entwicklung in Hongkong geäußert, das immer „autoritärer“ werde. Zum Prozessauftakt haben alle neun ihre Unschuld beteuert (AsiaNews 19.11.; Der Tagesspiegel 19.11.; South China Morning Post 20.11.; s. auch China heute 2014, Nr. 3, Informationen).

Taiwan

14.–18. Oktober 2018:
Erstes interreligiöses Treffen christlicher und buddhistischer Nonnen
„Kontemplative Aktion und aktive Kontemplation: Buddhistische und christliche Nonnen im Dialog“ war das Thema der ersten gemeinsamen internationalen Konferenz von Nonnen beider Religionen, die am Foguangshan bei Kaohsiung, Taiwan, stattfand. Veranstalter waren der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog, die taiwanische katholische Ordensoberinnenvereinigung, das buddhistische Foguangshan-Kloster sowie der Dialogue Interreligieux Monastique/Monastic Interreligious Dialogue (DIM·MID). 70 buddhistische und katholische Nonnen vor allem von Taiwan, aber auch aus Südkorea, Japan, Indien, Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Singapur, Hongkong, Kambodscha, den Philippinen, Brasilien, Italien, Deutschland, Norwegen und den USA nahmen an dem Dialog teil. Anwesend war auch eine Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen von Genf. Die Konferenz endete mit einem Abschlussdokument, in dem u.a. zur Fortsetzung des interreligiösen Dialogs aufgerufen wurde (AsiaNews 24.10.; Vatican Insider 17.10.).

24. Oktober 2018:
Proteste ziviler Gruppen gegen den Entwurf eines Religionsgesetzes
Um die 50 zivile Gruppen forderten am 24. Oktober 2018 den Rückruf der Vorlage zu einem neuen „Religionsgrundgesetz“ (宗教基本法), das nach ihrer Meinung der Religion einen Status über der Verfassung verliehen hätte. Kurz zuvor hatte der Ausschuss der Legislative eine Lesung des Entwurfs infolge des öffentlichen Unwillens abgesagt.
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Taiwan Association for Human Rights, Wang Kuo-yan (翁國彥), beruht der Entwurf auf einer Fehlinterpretation der Verfassung. Artikel 490 garantiere den Schutz der Religionsfreiheit, nämlich das Recht, die Konfession oder Religion zu wählen, er stelle aber weder die Religionsfreiheit über andere Menschenrechte noch gewähre er religiösen Gruppen Privilegien, die andere Organisationen nicht haben. Der Gesetzentwurf sieht „religiöse Autonomie“ (宗教自主權) vor, was religiöse Organisationen laut Taipei Times von der Regierungsaufsicht in vielen Bereichen wie Landnutzung, Bildung, Verwaltung von Personal und Finanzen ausnehmen würde. Viele Menschen seien besorgt, dass dies zu Korruption, Umweltschäden, religiöser Diskriminierung und anderen Menschenrechtsverletzungen im Namen der Religion führen könnte. Da der Entwurf religiöse Organisationen von dem Verbot der beruflichen Diskriminierung ausnimmt, könnten sie sich weigern, Menschen anzustellen, die nicht ihren Lehren entsprächen, wie Schwule und Lesben oder Frauen, die abgetrieben haben, sagte der Manager der Gender Equality Education Platform Chang Ming-hsu (張明旭). Der Gesetzentwurf könne sogar zu illegaler Landnutzung ermutigen, da er religiösen Gemeinschaften die legale Nutzung öffentlichen Landes gewähre, das sie zuvor fünf Jahre lang illegal in Beschlag genommen hätten, so eine weitere Kritik. Diese Vorlage sei lächerlich, da sie viele andere Gesetze untergrabe oder übergehe, spottete die DDP-Abgeordnete Yu Mei-nu (尤美女).
Der Entwurf war ursprünglich von drei KMT-Abgeordneten und einem DDP-Abgeordneten eingebracht und von über 30 Abgeordneten unterstützt worden. Auf Grund des anschwellenden Volkszorns zogen 17 Mitglieder der regierenden Fortschritts-Partei DPP am 24. Oktober ihre Unterstützung zurück. Ob der Entwurf noch einmal aufgenommen wird, steht momentan in den Sternen (Taipei Times 25.10.).
Willi Boehi

24. November 2018:
Taiwaner lehnen in einem Referendum die gleichgeschlechtliche Ehe ab
In einem Referendum, das zeitgleich mit Kommunalwahlen abgehalten wurde, stimmten die Taiwaner über mehrere Vorlagen verschiedener Aktivistengruppen ab. Das taiwanische Verfassungsgericht hatte im Mai 2017 entschieden, dass die derzeitige gesetzliche Ausgestaltung der Eheschließung – sprich die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau – gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße. Es gab der Regierung zwei Jahre Zeit, ein entsprechendes Gesetz umzuarbeiten, mit den beiden Möglichkeiten der Öffnung der Ehe für alle oder der Schaffung einer eingetragenen Partnerschaft. Sollte der Gesetzgeber dem nicht nachkommen, „erklärt das Gericht Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern dennoch für gültig“, so die Frankfurter Rundschau vom 25.05.2017.
Nach den offiziellen Referendumsergebnissen haben sich – laut EDA – 67,26% gegen eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare entschieden, 72,48% haben sich dafür ausgesprochen, die Definition der Ehe auf die Verbindung zwischen Mann zu Frau zu begrenzen. Die Wähler stimmten auch gegen die Einführung von LGBT in Schullehrplänen. Das Ergebnis der Volksbefragung ist zwar nicht bindend, zwingt die Regierung aber zum Handeln.
Anfang November hatte sich Erzbischof John Hung Shan-chuan von Taipei gegen eine Diskriminierung von Gleichgeschlechtlichen ausgesprochen, aber gleichzeitig eindeutig gegen die gleichgeschlechtliche Ehe positioniert. Das Referendum war auf Druck von Gegnern der Homo-Ehe zustande gekommen, darunter Christen und Buddhisten (CNA Deutsch 28.11.; EDA 26.11.;  Frankfurter Rundschau 25.05.2017; SRF 24.11.; UCAN 22.11.).

Katharina Feith
Katharina Wenzel-Teuber

mit je einem Beitrag von Willi Boehi und Isabel Friemann

Alle Quellen angaben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2018.

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