Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli - 30. September 2019

Politik, Menschenrechte

8. Juli 2019:
Brief von UN-Botschaftern aus 22 Staaten ruft China auf, willkürliche Inhaftierungen in Xinjiang zu beenden
Brief von Saudi-Arabien und 36 weiteren Staaten unterstützt Chinas Xinjiang-Politik

UN-Botschafter 18 europäischer Länder sowie aus Kanada, Australien, Neuseeland und Japan zeigten sich in einem auf den 8. Juli datierten Brief an den Präsidenten des UN-Menschenrechtsrats und die Hochkommissarin für Menschenrechte besorgt über „willkürliche Inhaftierung in großangelegten Haftzentren und weitverbreitete Überwachung und Einschränkungen“, die vor allem Uiguren und andere muslimische und Minderheitengruppen in Xinjiang beträfen. Sie riefen China auf, diese zu beenden und internationalen Beobachtern aussagekräftigen Zugang zu Xinjiang zu erlauben. Der Brief wurde am 10. Juli veröffentlicht. Die semioffizielle Global Times wies ihn am 11. Juli scharf zurück. Eine Art Gegenbrief von 37 Staaten an die UN unterstützte Chinas Politik. Laut Reuters, das den Brief am 12. Juli sah, schrieben die 37: „Angesichts der schweren Herausforderung von Terrorismus und Extremismus hat China in Xinjiang eine Reihe von Anti-Terror- und Deradikalisierungsmaßnahmen durchgeführt, einschließlich Fortbildungszentren für Berufsbildung.“ Sicherheit sei in Xinjiang wieder eingekehrt und die fundamentalen Menschenrechte der Menschen aller Ethnien seien gewährleistet. Der Brief wurde von Saudi-Arabien, Russland, vielen afrikanischen Staaten, Nordkorea, Venezuela, Kuba, Weißrussland, Myanmar, den Philippinen, Syrien, Pakistan, Oman, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterzeichnet. Laut einer Analyse von CNN hat fast die Hälfte der unterzeichnenden Staaten eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung; dies spiegele Chinas großen Einfluss auf diese Staaten wider (CNN 17.07.; globaltimes.cn 11.07.; nytimes.com 10.07.; Reuters 12.07.; Brief der 22 unter www.hrw.org/sites/default/files/supporting_resources/
190708_joint_statement_xinjiang.pdf
).

21. Juli und 16. August 2019:
China veröffentlicht zwei Weißbücher zu Xinjiang: über „historische Fragen“ und „Fortbildungszentren für Berufsbildung“
Das Weißbuch „Historical Matters concerning Xinjiang” widmet sich u.a. dem Thema „Xinjiang ist seit langem untrennbar Teil des chinesischen Territoriums“ (Kap. I). Kap. VII weist darauf hin, dass die Uiguren historisch verschiedenen Religionen anhingen (u.a. dem Buddhismus) und dass der Islam „keine freiwillige Wahl der einfachen Leute war, sondern ein Ergebnis von Religionskriegen und Auferlegung durch die herrschende Klasse, auch wenn dies nicht unsere Achtung vor dem Recht der Muslime auf ihren Glauben untergräbt“.
Das Weißbuch „Vocational Education and Training in Xinjiang“ behauptet u.a., „Das einzige Kriterium für Erziehung in den Zentren ist, ob der Trainee wegen rechtswidriger oder krimineller Handlungen im Zusammenhang mit Terrorismus und religiösem Extremismus verurteilt wurde“; das habe nichts mit ethnischer oder religiöser Diskriminierung zu tun. Bereits im März d.J. hatte China das Weißbuch „Der Kampf gegen Terrorismus und Ex­tremismus und Menschenrechtsschutz in Xinjiang“ veröffentlicht (vgl. China heute 2019, Nr. 1, Chronik, Politik, Menschenrechte, 18. März 2019).
Texte der neuen Weißbücher unter www.chinadaily.com/cn/a/201907/22/WS5d34f718a310d830564002eb_1.html und http://english.scio.gov.cn/2019-08/16/content_75106484.htm.

14. August 2019:
Bürgerrechtsanwalt Gao Zhisheng seit über zwei Jahren verschwunden, erklärt seine Frau in Radio Free Asia
Nach Angaben seiner in den USA lebenden Frau Geng He ist Gao Zhisheng seit dem 13. August 2017 als aus seiner Behausung in Shaan­xi vermisst gemeldet; sie wisse seither nicht, wo er ist. Gao Zhisheng hatte sich als Anwalt für die Rechte von Menschen in politisch heiklen Fällen eingesetzt, beispielsweise verteidigte er Falungong-Anhänger und klagte gegen Behörden wegen Zwang bei der Durchführung der Familienplanung. 2005 wurde seine Kanzlei geschlossen. 2006 wurde er wegen Anstiftung zur Subversion zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und danach immer wieder für längere Zeit verschleppt, wobei er nach eigenen Berichten auch gefoltert wurde. Am 14. August 2014 wurde er in sehr schlechtem Gesundheitszustand nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, er stand danach unter Hausarrest. Gao Zhisheng ist Christ (rfa.org 14.08.; vgl. China heute 2010, Nr. 2, Chronik, 26. April 2010; 2014, Nr. 3, Chronik, 7. August 2014).

Religionswissenschaft

10. Juli und 24. September 2019:
Vortragsreihe zum Großprojekt „Religiöse Risiken bei der Durchführung von ‚One Belt One Road‘“ der Nationalen Stiftung für Sozialwissenschaft in Beijing
In Vortrag Nr. 15 der Reihe befasste sich Lü Jianfu (Shaanxi Normal University) am 10. Juli mit Fragen zum Ursprung des Buddhismus und seiner Verbreitung nach China. Lü zufolge gibt es zwei Sichtweisen, was die Annahme des Buddhismus durch die Chinesen betrifft: die eine meint, dass der Buddhismus dem chinesischen Denken entsprochen habe; die andere geht davon aus, dass der Mahayana-Buddhismus sich infolge einer „Leere“ in China ausbreiten konnte, da das Land zur Zeit der Frühlings- und Herbstperiode und der Streitenden Reiche (770–221 v.Chr.) keine „Mainstream-Kultur und -Religion“ besessen habe. Im Vortrag Nr. 16 am 24. September ging es um Pakistan. Referent Wang Nan, Vorstandsmitglied der Chinesischen Gesellschaft für Asien-und Afrikastudien, beantwortete u.a. Fragen zum islamischen Extremismus und zur Ausbreitung des Christentums in Pakistan. Beide Vorträge fanden im Institut für Weltreligionen (IWR) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS) statt. Die Vortragsreihe wurde 2015 initiiert (iwr.cass.cn 12.07.; 25.09.).

Ab 13. Juli 2019:
Animationsfilm über die mythologische Figur Ne Zha wird in China zum Kassenschlager
Der Film ist eine freie Adaption des Mythos von Ne Zha, einem Dämonen mit übermenschlichen Kräften, der als Kind menschlicher Eltern geboren wird. Der Mythos „findet sich in chinesischen und indischen Erzählungen, im Daoismus und im Buddhismus wieder. Die Figur des Ne Zha tritt in vielen Klassikern der chinesischen Literatur auf, unter anderem in der Reise nach Westen und in der Investitur der Götter. Die Darstellung von Ne Zha ist dabei immer sehr schwankend. Doch die Figur ist äußerst beliebt. Bereits seit den späten 1970er Jahren gibt es verschiedene Cartoon-Verfilmungen des Materials“, schrieb Maik Rudolph in China Radio International. Ne Zha wird in der chinesischen Volksreligiosität auch als Schutzgottheit verehrt. Der Film des Regisseurs Jiaozi wurde in China zum beliebtesten Animationsfilm aller Zeiten, bis Ende August hatte er 4,68 Mrd. Yuan (rund 596,1 Mio. Euro) eingespielt. In den USA und Kanada, wo er seit Ende August läuft, hatte er weniger Erfolg. Global Times führte dies auf kulturelle Unterschiede zurück und schrieb: „[Der Film] Ne Zha, dessen Kernwert lautet ‚Ich allein bin der Meister meines Schicksals‘, mag Schwierigkeiten haben, die Herzen jener zu berühren, die an Gott glauben“ (beta.blickpunktfilm.de 3.09.; german.cri.cn 15.08.; globaltimes.cn 11.10.).

Religionspolitik

10. Juli 2019:
Behörden von Xingtai (Provinz Hebei) geben Telefon-Hotline zur Anzeige illegaler religiöser Aktivitäten bekannt
Einheitsfront und Religionsbüro der Stadt Xingtai gaben die Schaltung einer entsprechenden Hotline bekannt; es erschien auch eine vorläufige Rechtsnorm der Stadt, die „Maßnahmen zur Belohnung von Anzeigen illegaler religiöser Aktivitäten“ 邢台市举报非法宗教活动奖励办法(试行). Diesen „Maßnahmen“ zufolge sollen folgende illegale Handlungen angezeigt werden: die Verteilung von nicht behördlich genehmigten religiösen Publikationen, die nicht genehmigte Inbetriebnahme und Errichtung religiöser Stätten, die Organisation religiöser Aktivitäten oder Annahme religiöser Spenden durch nicht-religiöse Organisationen oder Stätten. Außerdem soll „das nicht genehmigte, eigenmächtige Organisieren von religiösen Fortbildungen, Hadsch-Aktivitäten oder Kursen mit Religionsunterricht für Minderjährige durch welche Organisation oder Einzelperson auch immer“ angezeigt werden. Vertraulichkeit wird zugesichert, die Belohnung beträgt 100 bis 500 Yuan oder mehr.
Im März d.J. hatte die Stadt Guang­zhou eine ähnliche Rechtsnorm veröffentlicht, mit weit höheren Belohnungen. Es gibt in China Hotlines für die Erstattung von Anzeigen auch zu vielen anderen Themen.
Nach dem Atlas of Religion in China von Yang Fenggang sind die katholische Kirche und der Islam, gemessen an der Zahl der registrierten religiösen Stätten, die beiden am stärksten vertretenen Religionen im Verwaltungsgebiet von Xingtai (UCAN 18.07.; Text der Bekanntmachung unter www.xingtai.gov.cn/zwgk/zwdt/gsgg/201907/t20190709_537068.html, der „Maßnahmen“ unter www.ainanhe.com/thread-1071-1-1.html; zu Guang­zhou siehe China heute 2019, Nr. 1, Chronik, Religionspolitik, 20. März 2019).

22. Juli 2019:
Zwanzig Jahre Verbot von Falungong
Verschiedene internationale Medien erinnerten an das Verbot der Meditationsbewegung Falungong vor zwanzig Jahren. Am 25. April 1999 demonstrierten über 10.000 Falungong-Anhänger dreizehn Stunden lang schweigend vor dem Zhongnanhai, dem Sitz von Partei und Staatsregierung, um eine Anerkennung ihrer Bewegung zu erreichen. Das ZK der KP Chinas gab sodann am 19. Juli 1999 bekannt, dass Parteimitglieder nicht Falungong praktizieren dürfen – unter der großen Anhängerschaft von Falungong sollen auch zahlreiche Parteimitglieder gewesen sein. Am 22. Juli 1999 verboten das Ministerium für Zivilverwaltung und das Ministerium für öffentliche Sicherheit die Bewegung (vgl. China heute 1999, Nr. 3-4, S. 66-72, 83-85). Eine Niederschlagung der Bewegung und anhaltende Verfolgung ihrer Anhänger durch die Behörden setzte ein. Laut einer von UCAN zitierten Untersuchung von Freedom House aus dem Jahr 2017 sollen trotzdem weiterhin 7 bis 20 Mio. Menschen in China Falungong praktizieren (UCAN 19.07.).

August 2019:
Neue Oberstufen-Lehrbücher betonen „chinesische Werte“ – Berichte über Streichung von religiösen Begriffen aus Schulbüchern zu westlicher Literatur  
Das chinesische Erziehungsministerium hat erstmals landesweit einheitliche Lehrbücher für die Fächer Politik, Geschichte und chinesische Sprache herausgegeben, wie China Daily am 28. August meldete. Die neuen Lehrbücher betonen stärker die traditionellen Werte und die Revolutionsgeschichte Chinas, heißt es in China Daily. Sie vermitteln den Schülern zudem einen starken Sinn für nationale Souveränität und betonen, dass Tibet, Xinjiang, Taiwan und die Inseln im südchinesischen Meer untrennbar zu China gehören – so der Chefredakteur des Geschichtslehrbuchs zu China Daily. Die Bücher sollen ab dem neuen Schuljahr in der ersten Klasse der Oberen Mittelstufe in Beijing, Tianjin, Liaoning, Shanghai, Shandong und Hainan eingesetzt werden. Bis 2022 sollen alle Schüler der Oberen Mittelstufe in China sie verwenden.
Aus ins Chinesische übersetzten ausländischen Textbüchern mit Klassikern der Weltliteratur für die 6. Klasse seien religiöse Bezüge wie die Wörter „Gott“ und „Bibel“ gestrichen worden, meldete UCAN am 8. August unter Berufung auf Medienberichte. Beispielsweise sei in einem von der People’s Education Press herausgegebenen Band im Andersen-Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ der Satz „Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele zu Gott empor“ geändert worden in „Wenn ein Stern fällt, geht ein Mensch.“ Ähnlich zensiert seien auch Robinson Crusoe und die Erzählung „Wanka“ von Anton Tschechow (bitterwinter.org 26.05.; China Daily 28.08.; UCAN 8.08.).

27. August 2019:
„Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Organisationen (Entwurf zur Einholung von Meinungen)“ veröffentlicht
Die neuen Vorschriften für religiöse Angelegenheiten, gültig seit 1. Februar 2018, weisen den „religiösen Organisationen“ (宗教团体) – das sind derzeit die offiziellen Dachverbände der fünf Religionen – eine Schlüsselrolle bei der staatlichen Verwaltung religiöser Angelegenheiten zu. Diese soll nun in der im Entwurf vorliegenden neuen Rechtsnorm detaillierter geregelt werden. Hier nur zwei Hinweise zum Inhalt des noch nicht verabschiedeten Dokuments: 1. Religiöse Organisationen im Sinn der neuen Rechtsnorm sind „von religiös gläubigen Bürgern freiwillig [sic!] gebildet [自愿组成]“, sie sind „Brücke und Verbindungsglied“ von Partei und Staat zu den religiösen Kreisen und Bürgern (§ 2). Bisher findet sich die Angabe, dass die Organisation auf Freiwilligkeit beruht, nur in der Satzung der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, nicht bei den Gremien der anderen vier Religionen. 2. Zu den politischen Grundsätzen, an denen die religiösen Organisationen festhalten müssen, gehört das „Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung“ (§ 5). Dieses Prinzip ist bisher nur in den Satzungen der Dachverbände von Katholiken (Patriotische Vereinigung und Bischofskonferenz), Protestanten und Muslimen enthalten, durch die neue Rechtsnorm wird es noch stärker generalisiert. Beide Punkte sind sicher mit Blick auf die weiterlaufenden sino-vatikanischen Verhandlungen beachtenswert.
Die Frist zur Einreichung von Meinungen lief am 27. September 2019 ab. Der Text der 宗教团体管理办法 (征求意见稿) findet sich unter www.moj.gov.cn/news/content/2019-08/28/zlk_3230430.html, eine inoffizielle Übersetzung unter www.chinalawtranslate.com/religious-group-draft.

1. Oktober 2019:
70 Jahre Volksrepublik China
Religionen beteiligen sich an den Feiern

Partei und Staat begingen mit großem Aufwand den 70. Tag der Staatsgründung; die fünf Religionen waren über ihre staatlich sanktionierten Dachverbände zur Mitfeier aufgerufen. Siehe hierzu den Beitrag in den Informationen.

Buddhismus

1. Juli 2019:
Chinesische buddhistische Vereinigung (CBV) erlässt Bekanntmachung über Amtseinführung von Äbten und Einweihung von Statuen und Stupas
Das Dokument stellt fest, dass Verschwendung, Prunksucht und blinder Wetteifer das Bild des Buddhismus in der Gesellschaft beschädigen. Es erläutert sodann die religiöse Bedeutung der Zeremonien: Der Sinn der Einweihung besteht darin, Statuen des Buddha oder von Bodhisattvas sowie Stupas (Pagoden) ihren heiligen Charakter zu verleihen und die Anhänger in die spirituelle Welt des Mitgefühls und der Weisheit einzuführen, die sie verkörpern. Einweihungen dürfen nicht als Bühne für die lokale Wirtschaft dienen, buddhistische Amtsträger dürfen keine religiösen Einweihungen für nicht-buddhistische Stätten und Gegenstände wie Uhren oder Autos vornehmen. Amtseinführung und Einweihung sollen schlicht sein und keine roten Teppiche, Trommeln und Pfeifen oder Formationen von Luxusautos einschließen. Zu den Zeremonien sollten keine Buddhisten und auch keine Amtsträger der CBV aus anderen Provinzen eingeladen werden, und außer Vertretern von Einheitsfront und Religionsbehörden auch keine Partei- und Regierungskader. Das Dokument „Bekanntmachung über die Standardisierung der buddhistischen Aktivitäten der Amtseinführung und der Einweihung“ (关于规范升座、开光等佛事活动的通知) findet sich unter www.chinabuddhism.com.cn/e/action/ShowInfo.php?classid=506&id=40433, eine deutsche Übersetzung erscheint in der nächsten Ausgabe.

Juli und August 2019:
Berichte über Umerziehung der aus Yachen Gar ausgewiesenen Mönche und Nonnen und über Abrissmaßnahmen in dem Klosterkomplex
Nach Angaben des amerikanischen Senders Radio Free Asia (RFA) waren seit Mai 2019 rund 3.500 Mönche und Nonnen von den Behörden aus dem monastischen Zentrum Yachen Gar im Autonomen tibetischen Bezirk Kardze (Ganzi) in Sichuan ausgewiesen worden – vor allem solche, die aus anderen Provinzen stammen (siehe China heute 2019, Nr. 2, S. 80). Die genau Zahl der Ausgewiesenen ist unklar. Am 1. Juli meldete RFA, dass viele der Ausgewiesenen nach der Rückkehr in ihre Heimatorte politisch umerzogen würden. Der Organisation Free Tibet zufolge absolvieren in einem Haftzentrum im Kreis Jomda (Jiangda) im Autonomen Gebiet Tibet rund 70 aus Yachen Gar ausgewiesene Nonnen eine zwei- bis dreimonatige patriotische Umerziehung, wobei sie Laienkleidung tragen, die VR China preisen und den Dalai Lama denunzieren müssten; danach dürften sie sich keinem Kloster mehr anschließen.
Free Tibet berichtete, dass am 10. August 2019 eine Instruktion herausgegeben wurde, nach der 3.500 Unterkünfte in Yachen Gar (meist von den Nonnen und Mönchen selbst gebaute Häuschen) abzureißen seien; die Abrisse hätten zwei Tage später begonnen. Am 30. September zeigte Free Tibet anhand von Satellitenaufnahmen, dass inzwischen fast die Hälfte des Areals von Yachen Gar von Gebäuden leergeräumt war. Die Zahl der Mönche und Nonnen in dem Komplex soll laut einer Quelle von RFA auf 4.700 beschränkt werden. Yachen Gar ist ein mit der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus verbundener Kloster- und Studienkomplex, in dem bis vor einigen Jahren rund 10.000 Nonnen und Mönche gelebt haben sollen, darunter viele Han-Chinesen. Es hat dort in den vergangenen Jahren immer wieder Ausweisungen gegeben (freetibet.org 8.07.; 24.08.; 30.09.; rfa.org 1.,27.07.).

9. September 2019:
International Network of Engaged Buddhists veröffentlicht Statement zu Hongkong
In dem Statement drücken die Buddhisten Sorge über das Leid der Menschen in Hongkong aus, die täglich [im Zusammenhang mit den anhaltenden Protesten] Gewalt leiden, und über dessen strukturelle Ursachen. Sie bekunden ihre Entschlossenheit, sich in Hongkong mitfühlend, ganzheitlich und gewaltlos zu engagieren und zu versuchen, durch ihre Netzwerke die Gewalt auf beiden Seiten zu beenden. „Wir freuen uns auf buddhistische Klöster und Gruppen in Hongkong, die jenseits politischer Positionen humanitäre Hilfe leisten“, so das Statement. Die Buddhisten wollen auch zu längerfristigen Lösungen der Probleme in Hongkong beitragen und bekunden die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Partnern. Das Netzwerk mit Mitgliedern aus 25 Ländern wurde nach eigenen Angaben1989 u.a. von dem thailändischen Soziologen und Aktivisten Sulak Sivaraksa gegründet mit dem Ziel, engagierte Buddhisten weltweit zu vernetzen, um globale Probleme anzusprechen (buddhistdoor.net 9.09.).

Islam

21. September 2019:
New York Times (NYT) über geheime politische Richtlinie zur „Islamarbeit“ von 2018 und über die Abschaffung staatlicher halal-Standards
Im Artikel von Steven Lee Myers geht es um zunehmende Restriktionen hinsichtlich bestimmter Aspekte des islamischen Lebens in der VR China, besonders in Ningxia, der Inneren Mongolei und Henan (die spezielle Situation in Xinjiang wird nicht besprochen). Myers nennt in diesem Zusammenhang das vom Büro des ZK und dem Büro des Staatsrats bereits am 19. April 2018 herausgegebene interne Dokument (2018) Nr. 24, „Ansichten zur Verstärkung und Verbesserung der Islamarbeit in der neuen Situation“ 关于加强和改进新形势下伊斯兰教工作的意见, das der NYT auszugsweise vorlag. Dieses Dokument warne vor der „Arabisierung“ islamischer Stätten, Moden und Rituale in China und dabei insbesondere vor dem Einfluss Saudi-Arabiens, schreibt Myers. Es verbiete den Gebrauch des islamischen Finanzsystems. Es untersage Moscheen und anderen privaten islamischen Organisationen das Organisieren von Kindergärten oder Programmen nach Schulschluss und verbiete Schulen für arabische Sprache, Religion zu unterrichten oder Studenten ins Ausland zu schicken, so Myers. Bereits im Juni 2018 hatten Bitter Winter und Radio Free Asia von diesem Dokument berichtet, dessen Existenz auch durch Meldungen auf Websites einiger Lokalbehörden bestätigt wird.
Myers schreibt außerdem, dass die Behörden mehrerer Provinzen keine halal-Zertifikate für Lebensmittelproduzenten und Restaurants mehr ausstellen. Tatsächlich meldete Global Times bereits im Dezember 2018, dass die Provinzen Gansu und Shaanxi die staatlichen halal-Identifizierungs-Standards abgeschafft hätten, die laut Global Times erst wenige Jahre zuvor, hauptsächlich mit Rücksicht auf den Export, eingeführt worden waren, und dass weitere Provinzen folgen würden. Diese Standards hätten „auf den Vorschriften des Islam und ausländischen Identifizierungsmethoden“ basiert; künftige halal-Identifikation werde „keine festgelegten Standards haben, sondern lokalen ethnischen Gebräuchen folgen“, sagte ein Behördenvertreter in Gansu der Zeitung (globaltimes.cn 17.,20.12.2018; NYT 21.09.; rfa.org 22.06.2018; zh.bitterwinter.org 5.06.2018; zjsmzw.gov.cn 15.05.2018).
Bestimmte Wissenschaftler hatten in chinesischen Medien schon lange vor sog. „pan-halal-Tendenzen“ gewarnt; die Marxismusforscherin Xi Wuyi hatte eine Trennung von Staat und Religion in diesem Bereich gefordert (vgl. China heute 2017, Nr. 1, Chronik, Islam, seit 10. Dezember 2016; Nr. 4, Chronik, Islam, 14. September 2017; 2018, Nr. 1, Chronik, Islam, 10. März 2018).

Orthodoxe Kirche

3. August 2019:
In Hongkong wird das Sonntags-Oktoich in chinesischer Sprache veröffentlicht
Die Veröffentlichung dieses bedeutenden liturgischen Werks, welches sowohl für den öffentlichen Gottesdienst als auch für das private Gebet verwendet werden kann, soll chinesischsprachigen Gläubigen liturgische Texte verfügbar machen. Diese Ausgabe, welche auf dem chinesischen Text basiert, der von der russisch-orthodoxen Mission in Peking im 19. Jahrhundert übersetzt wurde, wurde wesentlich überarbeitet, um den heutigen Standards der chinesischen liturgischen Sprache zu entsprechen. Sie umfasst acht Bände des Oktoich, 36 Seiten in jedem Band, mit Texten in zugleich englischer und chinesischer Sprache, liturgischen Kommentaren und einem kurzen Anhang mit chinesischen Gesängen (mospat.ru 3.08.).

Protestantismus

Mitte Juli 2019:
Bibel-App WeDevote blockiert
Mitte Juli wurde WeDevote 微读圣经, die mit 10 Millionen Installationen beliebteste Bibel-Applikation in China, gesperrt. Den Zugang zu ihrer Internetseite hat die Zensur blockiert, bei App-Anbietern verschwand sie aus dem Angebot. WeDevote ging nach einer Entwicklungsphase von drei Jahren im Juni 2013 auf den Markt, wo sie sich innerhalb kürzester Zeit als Marktführerin etablierte. Das kleine Produktionsteam um Levi Fan musste auf Druck der Regierung 2015 sein Unternehmen in Beijing schließen und den Vertrieb einstellen. Für diesen Fall war bereits mit einer Zweigfirma in Hongkong vorgesorgt worden, an die dann alle Rechte übertragen wurden. WeDevote konnte bis zum Sommer dieses Jahres ohne Probleme weiter auf dem chinesischen Festland installiert und aktualisiert werden. Nun ist das nicht mehr möglich. Allerdings kann das Programm offline verwendet und privat über Links geteilt werden. Levi Fan lebt inzwischen in den USA (June Cheng in: World Magazine, Ausgabe vom 12.10. [world.wng.org 26.09.]).
Isabel Friemann, China InfoStelle

17.–30. Juli 2019:
Delegation junger Ehrenamtlicher der United Methodist Church besucht China
Vom 17.-30. Juli besuchte eine US-amerikanische Delegation der United Methodist Church auf Einladung des Chinesischen Christenrates Kirchen und kirchennahe Einrichtungen wie CVJM und Amity Foundation in Shanghai, Nanjing und Beijing. Die zwölfköpfige Gruppe junger Ehrenamtlicher im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die ihre Reise als Führungstraining zur weiteren Übernahme von Aufgaben in ihrer Kirche betrachteten, wurde von Rev. David Newhouse und seiner Frau Christy organisiert und geleitet. Bischof Hee-Soo Jung, Präsident der Abteilung für ökumenische Beziehungen der United Methodist Church, begleitete ebenfalls die Gruppe, u.a. zur Festigung der partnerschaftlichen Beziehungen mit der offiziellen protestantischen Kirche in China. In der Zentrale des Christenrates in Shanghai wurde die methodistische Delegation von Pastorin Lin Manhong empfangen, zuständig für theologische Ausbildung. In Beijing besuchte die Gruppe einen Gottesdienst in der großen Haidian-Kirche im Universitätsviertel (ccctspm.org 19.07.; UM News 16.08.).
Isabel Friemann, China InfoStelle

Oktober 2019:
Internationale Bibel-Konferenz abgesagt
Das nationale theologische Seminar des Chinesischen Christenrates mit Sitz in Nanjing hatte für Anfang November eine Konferenz zum 100-jährigen Bestehen der Chinese Union Version der Bibel, einer chinesischen Übersetzung der English Revised Version, geplant, die ohne offizielle Angabe von Gründen im Oktober abgesagt wurde. An einer vollständigen chinesischen Übersetzung der Bibel aus den hebräischen und griechischen Originaltexten wird noch gearbeitet.
Isabel Friemann, China InfoStelle

Katholische Kirche

Ab 28. Juni / 2. Juli bis 1. September 2019
Pfarrei Longgang, Diözese Wenzhou, startet 24-stündige Ewige Anbetung – und verteilt kostenlos „Hitzetee“
Die Gläubigen der 10.000 (!) Katholiken zählenden Pfarrei Longgang hegen seit jeher eine große Verehrung für das Altarsakrament, und in der kleinen Sakramentskapelle finden sich fast immer Betende – so ein Bericht in der katholischen Zeitung Xinde (Faith). Der Gemeindeleiter Herr Zhou Xiong initiierte nun eine permanente 24-stündige Anbetung des Allerheiligsten. An 13 Orten in der Pfarrei warb er dafür, in Listen wurde festgelegt, wer welche Schicht übernimmt, und es wurden Gruppenleiter gewählt. Am 28. Juni 2019 begann die Pfarrei mit der Ewigen Anbetung. Die Schicht von Mitternacht bis vier Uhr früh übernimmt normalerweise ein Ehepaar, damit niemand nachts allein unterwegs ist. Betende berichten über tiefgreifende Erfahrungen durch die enge Zwiesprache mit Christus in der Anbetung und über positive Auswirkungen auf das Familienleben. Eine Katholikin, die ihren Sohn mehrmals zur Anbetung mitgenommen hatte, erzählte Xinde, dass dieser daraufhin seine Spielsucht überwand und zum guten Schüler wurde.
Seit Jahren und so auch dieses Jahr verteilten Freiwillige der Pfarrei im subtropischen Longgang in der heißen Jahreszeit kostenlos „Hitzetee“ an Passanten. Da die katholische Kirche in der Straße-vor-dem-Bahnhof liegt, kommen ständig Leute vorbei, darunter viele körperlich Arbeitende, wie Transportarbeiter, Lastenträger und Dreiradfahrer, die das Angebot gerne annehmen. An der diesjährigen Aktion, die vom 2. Juli bis 1. September dauerte, beteiligten sich 76 Freiwillige aus der Pfarrei. Jeweils fünf Leute kochten ab dem frühen Morgen Wasser mit Zutaten der chinesischen Medizin; täglich wurden 10 bis 18 Fünfzig-Liter-Töpfe Tee ausgeschenkt. Die Kosten wurden von der Yawei-Charity der Pfarrei und von Spenden gedeckt. Die Freiwilligen sehen die Aktion als Möglichkeit, ihren Glauben im Alltag zu leben und den Menschen sichtbar zu machen – so der Bericht (Xinde 2019, Nr. 28 [30.07.]; Nr. 30 [20.08.]).

16.–25. Juli 2019:
Besuch einer Delegation mit 5 chinesischen Bischöfen in Belgien und Deutschland
Der Delegation gehörten die Bischöfe Fang Xinyao (Diözese Linyi, Provinz Shandong), Shen Bin (Diözese Haimen, Provinz Jiangsu), Xu Honggen (Diözese Suzhou, Provinz Jiangsu), Du Jiang (Diözese Bameng, Autonomes Gebiet Innere Mongolei) und Chen Gong’ao (Diözese Nanchong, Provinz Sichuan) an. Bischof Fang ist zudem Vorsitzender der Patriotischen Vereinigung (PV) auf nationaler Ebene, Bischof Shen Vizevorsitzender der PV und der Chinesischen Bischofskonferenz. Eingeladen von Kardinal De Kesel, Erzbistum Mecheln-Brüssel, und Weihbischof Steinhäuser, Erzbistum Köln, organisiert vom Verbiest Institute in Leuven in Zusammenarbeit mit dem China-Zentrum e.V. in Sankt Augustin, begannen die Bischöfe ihren Aufenthalt in Belgien. Am 16. Juli konzelebrierten sie bei der Hl. Messe in der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen. Sie besuchten in Belgien u.a. das St. Egidio-Zentrum, die Theologische Fakultät der KU Leuven, das Verbiest Institute, das Chinese College Leuven und die Bischofskonferenz von Belgien. Dabei wurden auch viele Gespräche geführt. So tauschten sich die 5 Bischöfe z.B. mit Kardinal De Kesel und Msgr. Herman Cosijns, Generalsekretär der Belgischen Bischofskonferenz, ausführlich über die Funktionen der Bischofskonferenzen in China und Belgien aus.
Am 20. Juli reiste die Delegation weiter nach Deutschland. Sie konzelebrierten im Kölner Dom beim Hochamt am Sonntag mit Weihbischof Steinhäuser. Neben einem anschließenden Austausch mit Weibischof Steinhäuser und weiteren Vertretern des Erzbistums Köln führten die chinesischen Bischöfe zahlreiche Dialoge und Gespräche bei ihren Besuchen in der Benediktinerabtei Maria Laach, im China-Zentrum und dem Institut Monumenta Serica in Sankt Augustin sowie mit den katholischen Hilfswerken Misereor, Missio und dem Päpstlichen Kindermissionswerk in Aachen. Dabei wurden auch konkrete Themen wie die zukünftige Zusammenarbeit angesichts neuer gesetzlicher Entwicklungen in China angesprochen (Verbiest Update Nr. 48, Juli; eigene Informationen).

21.–27. Juli 2019:
„Spezialfortbildung“ für Priester aus Mindong am Zentralinstitut für Sozialismus
33 Priester aus verschiedenen Pfarreien der Diözese Mindong in Fujian nahmen an einer „Spezialfortbildung für Arbeit der katholischen Kirche von Fujian (Ningde)“ teil – so ein Bericht auf der Website der offiziellen katholischen Leitungsgremien. AsiaNews schrieb dazu, dass viele Priester der Diözese Mindong, vor allem aus dem Untergrund, sich geweigert hätten, die von den Behörden geforderte Erklärung der Unterstützung des Prinzips der Unabhängigkeit der Kirche zu unterzeichnen. „Einige Dutzend“ hätten jedoch unterschrieben, und für diese war offenbar die politische Schulung gedacht. Sie war vom Zentralinstitut für Sozialismus und der Einheitsfrontabteilung von Fujian organisiert worden. Vertreter dieser beide Einrichtungen ermahnten die Kursteilnehmer zu Beginn, an den sozialistischen Kernwerten, der Liebe zu Land und Kirche, der Sinisierung und der Anpassung an den Sozialismus festzuhalten sowie sich aktiv für die „unabhängige, autonome und demokratische Verwaltung der Kirche“ einzusetzen. Am Ende des Kurses sprach Bischof Zhan Silu zu den Teilnehmern (AsiaNews 14.08.; chinacatholic.cn 30.07.).
In Mindong hatte der von der Regierung nicht anerkannte Ortsbischof Guo Xijin sich auf Bitten des Papstes im Dezember 2018 dem vom Papst begnadigten, vormals illegitimen Bischof Zhan Silu unterstellt, war aber dennoch nicht von der Regierung als Bischof anerkannt worden; im Mai widerrief er seinen Antrag auf behördliche Anerkennung (vgl. China heute 2019, Nr. 1, Chronik, Katholische Kirche, Ab 13. Dezember 2018, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 12. Dezember 2018, Dokumentation; Nr. 2, Chronik, Katholische Kirche, Ab April 2019).

August 2019:
Behörden verbieten vielen Diözesen das Abhalten von Sommerlagern für Schüler
Traditionell führen viele Diözesen und Pfarreien jedes Jahr in den Sommerferien Sommerlager mit Religionsunterricht für katholische Kinder und Jugendliche durch. Wie UCAN schreibt, haben die Behörden diese Sommerlager in den letzten Jahren zunehmend verboten, an manchen Orten war die Kirche gezwungen, sie ganz aufzugeben. Teilweise behelfen sich die Diözesen und Gemeinden, indem sie die Kurse ohne öffentliche Ankündigung an entlegenen Orten abhalten. So berichtet UCAN, dass in einer nordchinesischen Diözese ursprünglich zwei Sommerkurse geplant waren; der erste konnte stattfinden, weil Kirchenpersonal die Gläubigen privat eingeladen hatte; als die Diözese für den zweiten Kurs öffentlich warb, wurde er verboten. In einer anderen nordchinesischen Diözese wurde der Kurs von einer großen in eine kleine Pfarrei auf dem Land verlegt. Eine kirchliche Quelle sagte UCAN, dass einige Diözesen dazu übergegangen seien, die Kurse nicht als Unterricht zu deklarieren, sondern zu sagen, dass „die Pfarreien Sommeraktivitäten für Kinder organisieren, deren berufstätige Eltern sich in den Ferien nicht um sie kümmern können“. Die Quelle erläuterte, dass die Regierung der Kirche keine Aktivitäten für Kinder erlaube, die mit Unterricht zu tun hätten, selbst wenn die Kirche nach den staatlichen Bestimmungen die Erlaubnis dafür beantrage (UCAN 6.08.). Siehe auch den Eintrag Ab September 2019.

Ende August 2019:
Fortbildungen für kirchliche Korrespondenten werden von der Kirche an verschiedenen Orten Chinas organisiert
Um die „Evangelisierung durch Schriften“ (文字福传) zu fördern und die kirchliche Berichterstattung den Erfordernissen der Zeit anzupassen, wurden an mehreren Orten Fortbildungen für kirchliche „Korrespondenten“ (通讯员) abgehalten, berichtet Xinde. Am 28. August organisierte die Diözese Tangshan (Hebei) zum 6. Mal einen Austausch, an dem fast 40 Korrespondenten aus 13 Pfarreien teilnahmen. Es sprachen der Bischof sowie Generalvikar Ren Dahai, der die Teilnehmer aufforderte, auch über die Geschichte der Pfarreien zu schreiben und alte Gläubige zu interviewen, um deren Glaubenszeugnis zu bewahren.
Die katholische Kirche in der Provinz Zhejiang hielt vom 19. bis 23. August eine Fortbildung für 50 Priester, Schwestern und Korrespondenten aus den vier Bistümern der Provinz ab. Auf dem Programm standen Spiritualität sowie Schreib- und Fotografiertechniken, als Referenten waren auch kirchenexterne Fachleute eingeladen.
Das 5. Fortbildungs- und Austauschtreffen mit 23 Korrespondenten der Diözese Jinan (Shandong) fand am 22. August in Huzhuang statt. Nach einer Ansprache des Bischofs referierten zwei Katholiken zu den Themen journalistisches Fotografieren und Schreiben.
Die Arbeit der Korrespondenten wird in dem Bericht von Xinde nicht beschrieben. In der Regel sind es Ehrenamtliche, die für Diözesanzeitungen oder kirchliche WeChat-Gruppen schreiben; auch Xinde bezieht den Großteil seiner Nachrichten von ehrenamtlichen Autoren (Xinde 2019, Nr. 33 [10.09.]; xinde.org 27.,29.08.).

Ab September 2019:
Verbote des Kirchbesuchs Minder­jähriger nun auch in der Provinz Liaoning
Nach einem Bericht von UCAN haben die Behörden in den letzten Jahren den Kirchbesuch Minderjähriger im ganzen Land schrittweise eingeschränkt. Das Verbot werde zwar nicht überall, aber beispielsweise in den Provinzen Henan, Jiangxi und nun auch Liaoning streng durchgesetzt. (Aus Liaoning wurde im gleichen Zeitraum auch von der Schließung von Kirchen und Treffpunkten im Untergrund berichtet.) Eine kirchliche Quelle aus der Diözese Liaoning sagte zu UCAN, in ihrer Pfarrei, die zur offiziellen Kirche gehört, sei seit Anfang September d.J. Minderjährigen das Betreten der Pfarrkirche verboten, es gebe deshalb auch keine jugendlichen Ministranten bei den Sonntagsmessen mehr. Die lokalen Beamten der Einheitsfront hätten bisher oft „ein Auge zu“ gedrückt. Doch jetzt, da das Inspektionsteam (督察组) gekommen seien, würden die Befehle des Zentralkomitees streng befolgt.
Generell äußerten die Interviewpartner Sorge um die Weitergabe des Glaubens an die Kinder und um die Priesterberufungen. Ein Katholik namens Paulus sagte außerdem, es fühle sich an, als ob die Regierung „Frösche im warmen Wasser kocht“: die Restriktionen kommen schrittweise, wenn man sich an eine Bestimmung gewöhnt hat, kommt die nächste, und so wird der Lebensraum der Kirche immer enger (china.ucanews.com 24.09.; UCAN 10.,26.09.).

26. August 2019:
Behörden fordern Abriss des „Tors zum Himmel“ am Wallfahrtsort Dong’ergou, Diözese Taiyuan
Wie UCAN berichtete, forderte die Regierung Bischof Meng Ningyou von Taiyuan (Shanxi) auf, an der Marienwallfahrtsstätte Dong’ergou das freistehende dreistöckige Tor am Ende des Kreuzwegs, hinter dem sich das Plateau des „Bergs der Sieben Schmerzen Mariens“ mit Freiluftaltar und Kirche befinden, binnen 5 Tagen abzureißen. Im Oktober letztes Jahr waren bereits die Figuren an dem Tor und einige auf dem Gelände beseitigt worden. Der Bischof verhandle weiter mit den Behörden über den Erhalt des Tores, so der Bericht. Bischof Meng soll dieses Jahr alle Priester der Diözese aufgerufen haben, zur Hauptwallfahrt am 15. September nach Dong’ergou zu kommen. Obwohl die Behörden Straßen gesperrt hätten, hätten über 10.000 Gläubige an der Wallfahrt teilgenommen, mehr als sonst. Das „Tor zum Himmel“ soll ursprünglich mit Erlaubnis der örtlichen Behörden (zunächst einstöckig) errichtet, aber letztes Jahr vom Zentralen Inspektionsteam als zu nah an der Autobahn und zu auffällig beanstandet worden sein (AsiaNews 16.09.; china.ucanews.com nach rfa.org 18.09.; UCAN 20.09.)

Sino-vatikanische Beziehungen

16. August 2019:
UCAN: Vom Vatikan nicht anerkannter „selbsternannter“ Untergrundbischof in Shanghai plant Bischofsweihen
Der Priester Zhang Tongli soll UCAN zufolge im Jahr 1999 vom damaligen Koadjutorbischof von Henan, Zhang Changfeng, unter den von Papst Johannes Paul II. der chinesischen Untergrundkirche erteilten Sondererlaubnissen zum Bischof geweiht worden sein; der Vatikan erkenne ihn jedoch nicht als Bischof an und habe ihm verboten, eine Diözese zu leiten. Zhang Tongli erklärte nun gegenüber UCAN, mehrere Priester hätten ihm gesagt, er habe das Recht als Bischof, Kleriker zu weihen, weil das sino-vatikanische Abkommen den Glauben verraten habe. Er könne sich nun nicht länger weigern [zu weihen], so Zhang.
Laut UCAN gibt es in der chinesischen Untergrundkirche fünf oder sechs „privat“ (d.h. ohne Zustimmung des Papstes) geweihte Bischöfe, darunter Paul Dong Guanhua aus der Diözese Zhengding (vgl. China heute 2016, Nr. 4, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, ca. 10. Oktober / 7. November 2016; 2017, Nr. 1, Chronik, Katholische Kirche, 9.-14.Dezember 2016). Die Kurie müsse auch für diese Bischöfe eine Lösung finden (china.ucanews.com 16.08.; UCAN 16.08.).

26. August 2019:
Erste Bischofsweihe nach dem sino-vatikanischen Abkommen in der Diözese Jining (Innere Mongolei)
Der 1965 geborene Priester Antonius Yao Shun wurde von Bischof Meng Qinglu von Hohhot zum Bischof geweiht. Mitweihende waren die Bischöfe Du Jiang von Bameng, Li Jing von Ningxia und Meng Ningyou von Taiyuan. Während der Zeremonie wurde das Approbationsschreiben der Chinesischen Bischofskonferenz verlesen, darin hieß es: „Nach der Tradition der Bischofsweihe der heiligen Kirche und den Bestimmungen der Chinesischen Bischofskonferenz wurde der Bischof der Diözese gewählt. Nach Prüfung ist die Wahl gültig und hiermit offiziell genehmigt. Der Papst hat diesem Kandidaten bereits zugestimmt.“ (根据圣教会选举主教的传统和中国天主教主教团的规定,当选了教区主教。经审核,选举有效,现予以正式批准。此人选已经教宗同意。) Der letzte Satz bezüglich der Zustimmung (nicht: Ernennung) des Papstes war bisher nicht in der Formel des offiziellen Approbationsschreibens enthalten und wurde offenkundig infolge des Abkommens neu eingefügt.
Bischof Yao studierte am Nationalen Seminar in Beijing, wo er später auch unterrichtete, und wurde 1991 zum Priester geweiht. Von 1994 bis 1998 erwarb er an der St. John’s University in den USA einen Master in Liturgiewissenschaft. 2010 wurde er Generalvikar der Diözese Jining; laut UCAN wurde er damals bereits vom Papst zum Bischof ernannt. Am 9. April 2019 war er nach dem offiziellen chinesischen Verfahren zum Bischof gewählt worden. Das Bistum Jining (Ulanqab, Wumeng) hat laut UCAN 70.000 Katholiken; laut Xinde sind es 100.000, rund die Hälfte aller Katholiken der Inneren Mongolei. Seit dem Tod von Bischof Liu Shigong im Jahr 2017 war der Bischofssitz vakant (AsiaNews 26.08.; china.ucanews 26.08.; xinde.org 26.08.; UCAN 26.08.; vgl. China heute 2019, Nr. 2, Chronik, Katholische Kirche, 9. und 11. April 2019).

28. August 2019:
Stephan Xu Hongwei wird zum Koadjutorbischof von Hanzhong (Shaanxi) geweiht
Hauptweihender war Bischof Ma Yinglin von Kunming, Vorsitzender der Bischofskonferenz. Es konzelebrierten der 85-jährige Bischof von Hanzhong, Yu Runshen, sowie die Bischöfe Yang Xiaoting von Yan’an, Dang Mingyan von Xi’an, Wu Qinjing von Zhouzhi, Han Yingjin von Sanyuan, Tong Changping von Weinan und Koadjutor Wang Xiaoxun von Ankang (alle Provinz Shaanxi). Das bei der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfindenden Weihe verlesene Approbationsschreiben enthielt die gleiche neue Formel bezüglich der Zustimmung des Papstes wie bei der Weihe in Jining zwei Tage zuvor.
Bischof Xu Hongwei wurde 1975 geboren. Er studierte am Seminar in Xi’an und wurde 2002 zum Priester geweiht. 2004–2008 absolvierte er ein Lizenziatsstudium in Pastoraltheologie an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom, danach war er zwei Jahre in der Diözese Vancouver tätig. Am 11. April 2019 wurde er nach chinesischem Verfahren zum Bischof gewählt. Er soll jedoch schon vor dem sino-vatikanischen Abkommen vom Papst zum Bischof ernannt worden sein. Die Diözese Hanzhong zählt knapp 20.000 Katholiken, 27 Priester, acht Schwestern, einen Seminaristen und 21 Kirchen (AsiaNews 28.08.; UCAN 28.08.).

Ende August 2019:
Kommentare zu den beiden ersten Bischofsweihen nach dem Abkommen
Offizielle Medien des Vatikans und der VR China bewerteten die Bischofsweihen in Jining und Hanzhong positiv. Vatican News (VN) zitierte Kommentare des Leiters des Presseamts des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni. Dieser bestätigte für beide Weihen, der Geweihte habe „das päpstliche Mandat erhalten“ und seine Weihe habe „im Rahmen des vorläufigen Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und der VR China stattgefunden“. Nach fast einem Jahr „trägt das Abkommen Früchte“, so VN. Über Bischof Yao schrieb VN außerdem, er sei „in einem einstimmigen Beschluss im April vergangenen Jahres von den Vertretern der Diözese in einer Versammlung unter der Leitung von Bischof Meng Qinglu zum Bischof der Diözese Jining ernannt“ worden, welche hauptsächlich aus Priestern „flankiert von einigen Repräsentanten der Laien und Schwestern“ zusammengesetzt gewesen sei, und habe „nach sorgfältiger Bewertung das apostolische Mandat und die Ernennung durch den Papst“ erhalten. So fand das offizielle chinesische Bischofswahlsystem zumindest in dem Punkt der diözesanen Wahlversammlung eine Art Bestätigung durch den Vatikansprecher (er erwähnte nicht die Rolle der Chinesischen Bischofskonferenz).
Die ans Ausland gerichtete englischsprachige Global Times (GT) scheint das einzige chinesische Staatsmedium gewesen zu sein, das über die Weihen berichtete. Neben einigen positiven Stimmen ausländischer Experten zitierte GT u.a. Bischof Meng Qinglu mit den Worten, das Mandat von Papst Franziskus sei während der Zeremonie erwähnt worden. Bischof Shen Bin, Vizevorsitzender sowohl der Patriotischen Vereinigung als auch der Bischofskonferenz, sagte GT, Bischof Yaos Weihe sei „ein guter Start für China, mehr Bischöfe zu wählen und zu weihen“, da sie ein erfolgreiches Beispiel für ein entsprechendes Verfahren biete.
Neu war in gewisser Weise nicht das Verfahren an sich (denn schon in den letzten Jahrzehnten waren viele Bischöfe nach insgeheimer päpstlicher Ernennung offiziell gewählt und geweiht worden), sondern dass auf beiden Seiten diesmal das von der Gegenseite geforderte Verfahren (Wahl bzw. päpstliche Ernennung/Zustimmung) jeweils offiziell erwähnt wurde. Laut UCAN sind bereits 20 weitere Bischofskandidaten vom Papst approbiert worden [oft schon vor etlichen Jahren], konnten aber noch nicht geweiht werden, weil die Genehmigung von chinesischer Seite noch aussteht (Global Times 27., 28.08.; UCAN 26.08.; 11.09.; Vatican News 28.08.).

22. September 2019:
Jahrestag des vorläufigen sino-vatikanischen Abkommens über Bischofsernennungen – Untergrundbischof Wei Jingyi: „keine Vorbehalte, keine Zweifel“
Anlässlich des Jahrestags der Unterzeichnung des Abkommens veröffentlichte Vatican Insider ein Interview mit Wei Jingyi, dem von der Regierung nicht anerkannten Bischof der Diözese Qiqihar (Provinz Heilongjiang), der sich schon früher positiv über den Dialog zwischen Rom und Beijing geäußert hat. Die Gefahr einer Spaltung zwischen chinesischer Kirche und Weltkirche habe sich durch das Abkommen verringert, so der Bischof. Er habe keine Vorbehalte, keine Zweifel hinsichtlich des Abkommens. Einigen falle es aufgrund bitterer Erfahrungen in der Vergangenheit schwer, sich an die neue Situation anzupassen. Der Bischof sagte, die Kirche im Untergrund sei entstanden, um die Integrität des Glaubens zu bewahren. Doch nun ernenne der Papst die neuen Bischöfe, sie seien alle in voller Gemeinschaft mit dem Papst. Das ändere alles und mache es möglich, dem Motto „das Land und die Kirche lieben“ zu folgen. Auch das Prinzip der Unabhängigkeit könne nun neu interpretiert werden.
Anthony Lam vom Holy Spirit Study Centre sagte der South China Morning Post, Weis Kommentare spiegelten seine persönliche Überzeugung wider. Lams Ansicht nach zeigen sie „seine Bereitschaft, sich in Gottes Hand zu begeben, einschließlich des Aufgebens seiner Position [als Bischof]“ (South China Morning Post 24.09.; Vatican Insider 22.09.).

Hongkong

Juli bis Oktober 2019:
Die Proteste halten an, es kommt zunehmend zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei
Zu diesen Vorgängen und zu den Reaktionen der Religionsgemeinschaften in Hongkong siehe die Informationen, die Dokumentation und die Themen dieser Nummer.

5. Juli 2019:
UCAN: Übersetzung der Untertitel des Musicals über den Heiligen Josef Freinademetz SVD in mehrere Sprachen abgeschlossen
Das mit internationalen Filmpreisen, wie u.a. dem Gabriel Award und dem Danali Award, preisgekrönte Musical „St. Joseph Freinademetz – The First Saint to Ever Serve in Hong Kong“, welches die Geschichte des China-Missionars und Heiligen Josef Freinademetz erzählt, ist im Original in Kantonesisch gesungen. Der Steyler Missionar, welcher auch bekannt für seine Aussage ist, „Die Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen“, beherrschte viele Sprachen und Dialekte. Daher war es dem Produktionsteam auch besonders wichtig, die Untertitel in möglichst viele Sprachen zu übersetzen. Zudem wurde der Titelsong des Musicals in 20 verschiedenen Sprachen aufgenommen.
Das Video des Musicals mit deutschen Untertiteln wurde am 25. September auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Musicals hochgeladen. Dort ist es auch mit Untertiteln in weiteren Sprachen frei verfügbar: www.youtube.com/channel/UCSAaIa6lRWIq77UEyGMm82w (UCAN 5.07.).

Macau

2. Oktober 2019:
Diözese Macau protestiert gegen Illumination der Fassade von St. Paul mit Emblem der Volksrepublik China
In einem Statement hat sich der Kanzler der Diözese Macau, Rev. Cyril Jerome Law, Jr., gegen eine Videoinstallation („Mapping Show“) anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung der VR China an der Fassade der ehemaligen Kathedrale von St. Paul gewandt, die vom Tourismusbüro der Regierung von Macau vom 29. September an an drei aufeinanderfolgenden Tagen veranstaltet wurde. Bei der Show wurden auch Symbole der Volksrepublik China, wie die Landesflagge und das Staatswappen, projiziert. Die Fassade der Ruinen von St. Paul sei nicht nur ein Markenzeichen der Stadt, sondern habe auch eine reiche historische und religiöse Bedeutung. „Obgleich die Fassade nicht länger in Kirchenbesitz ist, bleibt sie Symbol des katholischen Glaubens in Macau“. Viele Gläubige unterschiedlicher Nationalitäten hätten sich irritiert gezeigt. Zukünftige Videoinstallationen sollten in Beziehung stehen zum religiösen Kontext des jeweiligen Gebäudes (AsiaNews 3.10.; UCAN 4.10.)

Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith
Isabel Friemann, China InfoStelle
Jan Kwee

Alle Quellenangeben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2019.
Anmerkung: Seit Anfang Oktober 2019 kann china.ucanews.com leider nicht mehr aufgerufen werden.

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