Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli bis 30. September 2018

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de).
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2018, Nr. 2, S. 81-92) reichte bis einschließlich 30. Juni 2018.

Politik

10. Juli 2018:
Liu Xia, Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, reist nach Deutschland aus
Nach 15-monatigem Tauziehen mit der chinesischen Regierung konnte Liu Xia am 10. Juli letztendlich China verlassen und nach Deutschland ausreisen, vor allem auch dank stiller Diplomatie seitens der Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel sowie stetigem öffentlichem Druck und Appellen von Intellektuellen und Menschenrechtsaktivisten. Ihr Mann Liu Xiaobo war am 13. Juli 2017 im Alter von 61 Jahren in einem Krankenhaus in Shenyang an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Bis zu seinem Tod verbüßte der Systemkritiker eine langjährige Haftstrafe, die am 25. Dezember 2009 gegen ihn verhängt worden war und 2020 ausgelaufen wäre. Die Dichterin Liu Xia stand seit 2010 bis zu ihrer Ausreise in Beijing unter Hausarrest, nachdem ihrem Mann im Oktober 2010 der Friedensnobelpreis zugesprochen worden war. Sie selbst wurde nie eines Vergehens angeklagt. Nachdem sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlechtert hatte, drängten die Bundesregierung u.a. im Frühjahr auf ihre Freilassung (South China Morning Post 22.07.; zeit.de 10.07.; siehe auch China heute 2017, Nr. 3, Informationen).

31. Juli 2018:
KP Chinas lanciert Kampagne zur „Förderung des patriotischen Kampfgeistes“ unter den Intellektuellen
Eine entsprechende Anweisung der Propaganda- und der Organisationabteilung der KPCh wurde von Xinhua am 31. Juli veröffentlicht. Dem Dokument zufolge soll der „patriotische Kampfgeist“ (弘扬爱国奋斗精神) durch Schulungen etc. insbesondere bei jungen und mittelalten Intellektuellen an Universitäten, Forschungseinrichtungen und anderen Institutionen geweckt werden, damit ihre „ideologische, emotionale und wertebezogene Identifikation mit den Kampfzielen von Partei und Regierung gestärkt“ wird. Es gehe darum, „die Herzen der Intellektuellen zusammenzuschließen“, damit sie „[...] noch entschlossener der Partei folgen“, hieß es in einem Leitartikel der Renmin ribao vom 2. August. In den letzten Monaten wurden laut South China Morning Post (SCMP) in den intellektuellen Kreisen Festlandchinas zunehmend Stimmen publik, die sich über die politische Entwicklung seit der Abschaffung der Amtszeitbegrenzung für den Staatspräsidenten im März dieses Jahres besorgt zeigten. So listete SCMP zufolge der Juraprofessor Xu Zhangrun (Tsinghua University) in einem in den Netzwerken verbreiteten Artikel acht Hauptgründe für Angst und Panik auf, darunter verschärfte ideologische Kontrolle, Rückkehr zum Klassenkampf, Politik der geschlossenen Tür und Rückkehr zum Totalitarismus. Die Kampagne sei eine Art Reaktion der Behörden auf Kritik von Intellektuellen, lautete eine von der Zeitung zitierte Analyse (Text des Dokuments unter www.zytzb.gov.cn/tzyw/292967.jhtml, Renmin ribao 2.08.; Global Times 31.07.; 8.08.; South China Morning Post 8.08.; Xinhua 31.07.).

6. August 2018:
Veröffentlichung von „Maßnahmen zur Informationsoffenlegung durch wohl­tätige Organisationen“
Auf der Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen des am 1. September 2016 in Kraft getretenen Gemeinnützigkeitsgesetzes (慈善法) der Volksrepublik China wurden vom Ministerium für zivile Angelegenheiten Regelungen veröffentlicht, die am 1. September 2018 in Kraft treten. Auf einer vom Ministerium eingerichteten öffentlichen, vereinheitlichten Informationsplattform müssen u.a. Basis-Informationen, Jahresberichte, Finanzberichte sowie Berichte über Fundraising, Programme, Stiftungen, Kapitalfluss, Investments und sonstige finanzielle Transaktionen wohltätiger Organisationen veröffentlicht werden. Auch die Satzung der Organisation sowie Informationen zu den Entscheidungsträgern, Gründern, wichtigen Geldgebern, Managern bis hin zu Individuen oder Organisationen, die Verbindungen zu der betreffenden Organisation haben, müssen offengelegt werden. Organisationen, die zum öffentlichen Fundraising berechtigt sind, müssen außerdem Angaben zu den Gehältern der fünf höchstbezahlten Mitarbeiter sowie zu Ausgaben für geschäftliche Reisekosten, Fahrzeugkäufe und sonstige Ausgaben machen.
Schon am 24. Januar 2018 wurden die Maßnahmen zur Verwaltung der „Kredit- [Vertrauenswürdigkeits-]Informationen von sozialen Organisationen“ veröffentlicht und sind damit in Kraft getreten. Diese Maßnahmen beinhalten auch die Erstellung und Veröffentlichung einer Liste von Organisationen mit regelwidrigen Aktivitäten sowie einer weiteren Liste von Organisationen, die als schwerwiegend nicht-vertrauenswürdig eingestuft sind (Xinhua 8.08.; Text der Maßnahmen zur Informationsoffenlegung durch wohltätige Organisationen mit englischer Übersetzung unter www.chinalawtranslate.com/慈善组织信息公开办法/?lang=en; Text der Maßnahmen zur Verwaltung der Kreditinformationen von sozialen Organisationen mit englischer Übersetzung unter www.chinalawtranslate.com/社会组织信用信息管理办法/?lang=en). Jan Kwee

28. August 2018:
Entwurf für Zivilgesetzbuch entfernt alle Inhalte zur Geburtenkontrolle
Die chinesische Regierung hat im August zum kommenden Jahr des Schweins eine neue Briefmarke herausgegeben, die ein glückliches Schweinelternpaar mit drei fröhlichen Ferkeln abbildet. Offensichtlich ein Hinweis auf das Ende der Zwei-Kind-Politik. 2015 hatte China die seit 1979 geltende rigoros durchgeführte Ein-Kind-Politik beendet und verheirateten Paaren erlaubt, zwei Kinder zu bekommen. Damals hatte die chinesische Post zum Jahr des Affen ebenfalls eine neue Briefmarke herausgegeben – mit einem Affen und zwei kleinen Äffchen.
Wie u.a. Merics schreibt, hat der ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses Ende August einen Entwurf des neuen Zivilgesetzbuchs diskutiert. „Darin befinden sich keine Hinweise mehr auf ‚Familienplanung‘. Demnach würde die Zahl der Kinder pro Familie künftig nicht eingeschränkt,“ so Merics. Änderungen am Entwurf des Zivilgesetzes sollen dem Nationalen Volkskongress vorgelegt werden.
Laut einem Bericht von BBC wurde am 10. September auf der Webseite von Chinas Nationaler Gesundheitskommission verkündet, dass drei Familienplanungsbehörden zusammengelegt und eine neue Abteilung für „Bevölkerungskontrolle (population monitoring) und Familienentwicklung“ eingeführt werde.
China sieht sich u.a. durch eine überalterte Bevölkerung, eine anhaltend niedrige Geburtenrate und einen Mangel an Erwerbstätigen zunehmend Druck ausgesetzt. Die Geburtenrate lag 2017 bei 1,6 Kindern pro Frau, viele können und möchten sich mehr Kinder nicht leisten. 2.1 wären nötig, um die Bevölkerung auf einem konstanten Niveau zu halten.
Die Provinz Jiangxi hat sicherlich auch in diesem Zusammenhang Mitte Juni neue Richtlinien erlassen, nach denen Abtreibungen nach der 14. Schwangerschaftswoche nur noch aufgrund medizinischer Indikation und mit schriftlicher Zustimmung von drei Ärzten erlaubt sind. Ähnliche Regelungen gibt es seit einigen Jahren auch in anderen Provinzen. Dies soll auch Abtreibungen aufgrund von Geschlechterselektion vorbeugen. Nach einer von der Regierung veröffentlichten Zahl von 2013 wurden seit 1971 in China 336 Millionen Abtreibungen vorgenommen (AsiaNews 30.08.; BBC 11.09.; CNN 8.08.; The Guardian 22.06.; merics China Update 13/2018, 12/2018; South China Morning Post 28.08.;  The Telegraph 11.09.).

Religionspolitik

Ende Juli / Anfang August 2018:
Berichte über Eskalation im „großen Sargkrieg von Jiangxi“
Mit der Begründung, Landressourcen bewahren zu wollen, hatte die Provinzregierung von Jiangxi, Südchina, schon im Februar dieses Jahres eine „Null-Erdbestattungen“-Richtlinie eingeführt. Die Webseite von China Aid betitelte das daraus folgende harte Durchgreifen als den „großen Sargkrieg von Jiangxi“. Nach Berichten der South China Morning Post (SCMP) ist es so, dass die häufig maßgefertigten und daher für die ärmere Landbevölkerung teuren Särge oft schon frühzeitig von den älter werdenden Menschen angeschafft werden. Die Särge werden aus dem Glauben zuhause aufbewahrt, dass man dadurch ein langes Leben und Glück für sich erwirken kann. Solche Särge können bis zu 5.000 Yuan kosten und so boten einige Kreisregierungen eine Entschädigung von ca. 2.000 Yuan an, wenn die Särge bei den Autoritäten abgeliefert würden. So konnten im Kreis Gao’an 5.800 Särge aus 24 Dörfern eingesammelt werden. Jedoch gibt es auch dramatische Fotos von alten Menschen (siehe Artikel der SCMP), die sich an ihre Särge klammern, während diese von den Behörden abtransportiert werden.
Die Durchsetzung dieser im Februar erlassenen Richtlinie eskalierte auf lokaler Ebene, wie China Aid und SCMP berichteten. Im April und Juni dieses Jahres habe es Fälle gegeben, wo man Gräber wieder geöffnet und die Leichname dann zwangskremiert habe, da dieser Richtlinie zum Trotz doch Erdbestattungen durchgeführt worden waren. Der Provinzgouverneur Liu Qi von Jiangxi hält die Einführung einer „umweltfreundlicheren“ Begräbnisrichtlinie, die eigentlich zur Verbesserung der Landknappheit der Region gedacht war, für richtig, musste aber eingestehen, dass die Durchführung vom „Weg abgekommen“ sei und Ärgernis erregt habe, so AsiaNews. Die „drakonische“ Durchführung erfuhr auch Kritik in staatlichen Medien wie in einem Artikel der People’s Daily, in dem die Lokalregierung aufgefordert wurde, ihre Richtlinie und deren Durchführung zu überdenken (AsiaNews 4.08.; The Guardian 1.08.; People’s Daily 30.07.; South China Morning Post 31.07.).

29. Juli 2018:
Bitter Winter veröffentlicht chinesisches Geheimdokument mit einem Plan über die Niederschlagung von „Kulten“ – laut CESNUR „Kirche des Allmächtigen Gottes“ jetzt am stärksten verfolgt
Bitter Winter brachte Fotos eines Dokuments, das auf 10. April 2018 datiert und von einer „Führungsgruppe zur Verhütung und Behandlung von Kulten“ ausgestellt ist. Der Ort ist unkenntlich gemacht, es scheint aber ein lokales Parteidokument zu sein. Das Dokument enthält einen „Plan zur Entfaltung der Untersuchungs- und Regulierungsarbeit [bezüglich] des Problems der Kulte“ (开展邪教问题排查整治工作方案). Wie Bitter Winter erläutert, sieht der Plan vor, zwischen April 2018 und Januar 2019 gegen die „Kulte“ vorzugehen, u.a. durch Nutzung von Propaganda in den Medien, gezielte Schulungen, Ermutigungen von Anzeigen [seitens der Bevölkerung], Sammlung von Informationen und konzentrierte Festnahmen.
Die chinesischen Behörden haben eine Reihe von Bewegungen als heterodoxe „Kulte“ (xiejiao 邪教) definiert und verboten. Laut dem Direktor des Zentrums für Studien über neue Religionen CESNUR, Massimo Introvigne, ist die „Kirche des Allmächtigen Gottes jetzt die am stärksten verfolgte von ihnen und hat Falun Gong als die vom Regime am meisten angegriffene religiöse Minderheit abgelöst“. CESNUR mit Sitz in Turin besteht seit 1988, seit Mai 2018 betreibt es die Website Bitter Winter für Nachrichten über Religionen in China (www.cesnur.org; https://bitterwinter.org/plan-for-persecuting-xie-jiao/; freedomofbelief.net 15.05.).

31. Juli 2018:
Die nationalen Organisationen der 5 Religionen veröffentlichen gemeinsamen Aufruf zum Hissen der Nationalflagge an allen religiösen Stätten
Die „Gemeinsame Konferenz der nationalen religiösen Organisationen“ verabschiedete das Dokument auf ihrer 6. Sitzung in Beijing; Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Direktor des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, hielt dabei eine Rede. Der Aufruf der religiösen Organisationen enthält u.a. folgende Punkte: Die Stätten für religiöse Aktivitäten, die die Voraussetzung dazu haben, müssen die Flagge hissen und können an Feiertagen wie dem Nationalfeiertag, dem Tag der Arbeit, Neujahr und religiösen Feiertagen Zeremonien zum Hissen der Flagge durchführen. Bei Flaggenhiss-Zeremonien müssen die Teilnehmenden ehrerbietig Haltung annehmen, die Nationalhymne muss gespielt oder gesungen werden. Die Flagge muss an einem gut sichtbaren zentralen Ort aufgehängt werden und, wenn gleichzeitig religiöse Symbole oder Fahnen gehisst sind, vor diesen hängen. Außerdem sind die Verfassung, das Nationalflaggengesetz, die Helden und Märtyrer der Flagge sowie der patriotische Kampfgeist zu studieren. Alle religiösen Ausbildungsstätten müssen ihr „Flaggenhisssystem“ komplettieren und durchführen. Die Fahne – so der Aufruf – soll nicht nur über den Stätten, sondern in den Herzen der religiösen Massen wehen.
Die parteinahe Global Times kommentierte, für ein multi-ethnisches und multi-religiöses Land wie China sei die Stärkung des National- und Bürgerbewusstseins besonders wichtig. Außerdem seien Nationalflaggen an religiösen Stätten auch anderswo üblich, besonders in den USA.
Das Fahnenhissen ist Teil der landesweiten „Vier Hinein-Aktion“, durch die außer der Landesflagge auch Verfassung und Gesetze, die sozialistischen Kernwerte und die vorzügliche traditionelle chinesische Kultur Eingang in religiöse Stätten finden sollen. Sie wurde im Mai 2018 zuerst als Beitrag zur „Sinisierung“ des Islam gestartet (vgl. China heute 2018, Nr. 2, Chronik, Religionspolitik 8., 12. und 30. Juni 2018; Chronik, Religion allgemein 11. Juni 2018; Chronik, Islam 18. Mai 2018). 
Die Chinesische buddhistische Vereinigung veranstaltete am 17. August ein feierliches Hissen der Nationalflagge am Guangji-Tempel in Beijing; viel mediale Beachtung fand die erste Flaggenzeremonie am Shaolin-Tempel in Henan am 27. August. Lokal war aber auch von christlichen Gemeinden zu hören, die sich der Installation der Nationalflagge an den Kirchen widersetzten (chinabuddhism.com.cn 17.08.; South China Morning Post 28.08.)

August 2018:
Offizielle englische Bezeichnung des Büros für religiöse Angelegenheiten auf nationaler Ebene nicht mehr SARA, sondern NRAA
Auf der offiziellen Website des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, www.sara.gov.cn, lautet seit August die englische Übersetzung dieser Institution nicht mehr State Administration for Religious Affairs (SARA), sondern National Religious Affairs Administration (NRAA). Mit der englischen Namensänderung wurde vermutlich der Tatsache Rechnung getragen, dass das Büro seit März 2018 nicht mehr dem Staatsrat – also der Regierung – untersteht, sondern der Abteilung für Einheitsfrontarbeit der Kommunistischen Partei Chinas. Die chinesische Bezeichnung Guojia zongjiao shiwu ju 国家宗教事务局 bleibt unverändert. China heute wird künftig die Bezeichnung „Nationales Büro für religiöse Angelegenheiten“ (NBRA) verwenden.

12. August 2018:
Chinesische Medien berichten über Prozess gegen Führer der Kirche des Allmächtigen Gottes in Heilongjiang und beschuldigen USA, „Kulte“ für anti­chinesische Aktionen zu nutzen
Seit 31. Juli 2018 laufe in Daqing ein Prozess gegen führende Mitglieder des Heilongjiang-Zweigs des „Kults des ‚Allmächtigen Gottes‘“, hieß es in einer englischen Meldung von Xinhua am 12. August. Sie seien im Juni 2017 verhaftet worden. Zahl und Namen der Angeklagten wurden nicht genannt. Die chinesischsprachige Huanqiu shibao (Global Times) beschuldigte am gleichen Tag die USA, Kulte zu schützen und für antichinesische Zwecke zu nutzen. Der eine Kult sei bekanntermaßen „FLG“ (d.h. Falun Gong) und dessen Gründer Li Hongzhi. Nicht alle aber wüssten, dass in China derzeit noch ein anderer Kult die Gesellschaft bedrohe, dessen Anführer sich ebenfalls in den USA verstecke, und das sei der „Allmächtige Gott“ (quannengshen 全能神) (Xinhua 12.08.).
Die in den 1990er Jahren gegründete „Kirche des Allmächtigen Gottes“ (auch bekannt als „Lehre vom Östlichen Blitz”) verkündet den Zweiten Christus, eine Wiedergeburt Christi in Gestalt einer chinesischen Frau. Sie missioniert seit Jahren vor allem in christlichen Gemeinden. Seit sie Ende 2012 in ganz China mit Weltuntergangsprophezeiungen auftrat und nach einem Mord in einer McDonald’s-Filiale in Zhaoyuan/Shandong im Mai 2014 gehen die Behörden massiv gegen sie vor.

17. August 2018:
Wang Zuo’an im Parteiorgan Qiushi: „Zwischen Chinas Religionen und den Religionen des Auslands bestehen keine Zugehörigkeitsbeziehungen“
Wang, seit 1. April 2018 Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas sowie langjähriger Direktor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, veröffentlichte in der parteitheoretischen Zeitschrift Qiushi (2018, Nr. 16) einen Grundsatzartikel über die Religionsarbeit. Darin schrieb er: „Alle Religionen unseres Landes halten am Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung fest. Zwischen den Religionen Chinas und den Religionen des Auslands bestehen keine Zugehörigkeitsbeziehungen [lishu guanxi 隶属关系, andere Übersetzungsmöglichkeit: „untergeordneten Beziehungen“]. Die religiösen Organisationen und religiösen Angelegenheiten unseres Landes werden von keiner ausländischen Kraft kontrolliert.“ Reuters wies auf die zeitgleich zu diesen Äußerungen laufenden sino-vatikanischen Verhandlungen über die Bischofsernennungen hin.
Wang äußerte in dem Aufsatz ferner, Religion sei weder eine Frage des privaten Glaubens, um die der Staat sich nicht zu kümmern brauche, noch sei sie kompletter Aberglaube, der streng kontrolliert oder gar ausgelöscht werden müsse. Er betonte, dass die Religionen [von den Behörden] mit einer Haltung des „Leitens“ zu behandeln seien. Aus dem letzten Kapitel, „An der konzentrierten einheitlichen Führung der Partei über die Religionsarbeit festhalten“, geht hervor, dass dabei die eigentliche Leitungsrolle der Partei (und nicht der Regierung) zukommt. Im März hatte die KP Chinas das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten als selbständiges Organ aufgehoben und ihrer Einheitsfrontabteilung unterstellt (Qiushi 17.08., online unter www.qstheory.cn/dukan/qs/2018-08/17/c_1123284988.htm; Reuters 18.08.).

26. August 2018:
Neue „Vorschriften für Disziplinar­strafen der KP Chinas“ werden veröffentlicht – mehrere Paragraphen betreffen Religion
Parteimitglieder dürfen nicht an eine Religion glauben. Dies legen etwa die „Vorschriften für die Einheitsfrontarbeit der Kommunistischen Partei Chinas“ von 2015 fest. Entsprechende Sanktionen enthalten die neuen – 142 Paragraphen starken – Parteivorschriften für Disziplinarstrafen. § 62 betrifft „Parteimitglieder, die an eine Religion glauben“: Diese müssen „ideologisch erzogen“ und, falls sie sich trotzdem nicht wandeln, zum Parteiaustritt ermutigt oder aus der Partei entfernt werden. Solche, die an Religion benutzenden aufwieglerischen Aktivitäten teilnehmen, müssen mit Parteiausschluss bestraft werden. Weitere Paragraphen betreffen die „Organisation oder Nutzung religiöser Aktivitäten, um sich der Linie, dem Kurs, der Politik oder Beschlüssen der Partei zu widersetzen“ (§ 61), die Organisation von oder Teilnahme an „abergläubischen Aktivitäten“ (§ 63) sowie Verstöße gegen Gesetze und religiöse Bräuche anderer Länder bei Auslandsaufenthalten (§ 132). Die Vorschriften traten am 1. Oktober 2018 in Kraft. Text der 中国共产党纪律处分条例 unter http://politics.people.com.cn/n1/2018/0827/c1001-30251784.html; vgl. China heute 2015, Nr. 3, Dokumentation (Vorschriften für die Einheitsfront­arbeit).

2. September 2018:
Schule in Henan verbietet Eltern, „anzuleiten, zu unterstützen, zu erlauben oder zu dulden, dass Minderjährige an eine Religion glauben oder an religiösen Aktivitäten teilnehmen“ – ähnliche Verbote auch an anderen Orten
China Aid veröffentlichte das Foto eines auf 2. September datierten „Briefs an die Familienvorstände von jugendlichen Schülern in der Großgemeinde Tongzhaipu“ – einem Ort im Kreis Tanghe, Stadt Nanyang in der Provinz Henan. Der Brief verweist darauf, dass laut Verfassung, Erziehungsgesetz, Gesetz zum Schutz der Minderjährigen und Vorschriften für religiöse Angelegenheiten das Prinzip der Trennung von Erziehung und Religion herrsche und dass Religion sich nicht in die Erziehung der Bürger einmischen dürfe. Es sei „eine gesetzwidrige Handlung, Minderjährige dazu anzuleiten, sie zu unterstützen, ihnen zu erlauben oder zu dulden, an eine Religion zu glauben oder an religiösen Aktivitäten teilzunehmen. [...] Die Minderjährigen dazu zu erziehen, dass sie nicht an eine Religion glauben können, ist Verantwortung und Pflicht von Schulen und allen Eltern. Gläubige wie nichtgläubige Eltern müssen ihren Kindern beibringen, dass sie Stätten für religiöse Aktivitäten nicht betreten, nicht an religiösen Aktivitäten, religiösen Fortbildungen oder Winter(Sommer)-Lagern teilnehmen dürfen.“ Der Brief enthält einen von Familienoberhaupt und Schüler zu unterschreibenden Antwortabschnitt, in dem diese bestätigen, dass sie die Anweisungen befolgen werden. Die Echtheit des Dokuments von Tongzhaipu wird gestützt durch einen Elternbrief mit dem identischen Text (ohne den Antwortabschnitt), der sich auf der Website des Parteikomitees des Bezirks Hualong der Stadt Puyang in Henan findet, er ist auf den 18. April 2018 datiert und von sechs Organen des Bezirks – darunter die Einheitsfrontabteilung – unterzeichnet. Berichte über Druck auf christliche Schüler und Eltern gab es vor allem aus Henan, aber auch aus anderen Provinzen. So berichtete die Hongkonger Ping Kuo Jih Pao (Apple Daily), dass nach Angaben einer Wenzhouer Kirche die Erziehungsbehörde der Provinz Zhejiang von allen Grund- und Mittelschülern gefordert habe, ihren Glauben in ein Formular mit persönlichen Daten einzutragen; 100 christliche Schüler an der Zhejiang Taishun Sekundarschule Nr. 7 seien gezwungen worden, sich als Nichtgläubige einzutragen, und an einer anderen Schule sei christlichen Schülern nahegelegt worden, sich als Nichtchristen zu bezeichnen, um ihre Zukunftschancen nicht zu gefährden. – In einem UCAN-Bericht heißt es, dass Katholiken in Henan dazu übergehen würden, sich in ihren Häusern statt in Kirchen zu treffen, damit die Kinder bei den Gottesdiensten dabei sein können; auch Priester kämen zu diesen Haustreffen. Eine Katholikin aus der Diözese Shangqiu in Henan wird zitiert mit den Worten, es bleibe den Gemeinden nichts anderes übrig, als den Glauben heimlich an die Kinder weiterzugeben (Apple Daily 16.09. nach BBC Monitoring; www.chinaaid.net/2018/09/blog-post.html [Brief Tongzhaipu]; www.hualongqu.com/news_show.aspx?id=5497 [Brief Hualong]; UCAN 11.08.
Ein flächendeckendes Verbot des Besuchs religiöser Stätten durch Minderjährige gab es seit Jahren nur in Xinjiang; seit 2017/2018 nehmen Berichte über Verbote von Kirch- bzw. Moscheebesuchen und Religionsunterricht für Kinder auch aus anderen Gebieten zu. Siehe dazu auch den Eintrag vom 10. Juli 2018 und vom 23. Juli 2018 in der Rubrik „Buddhismus“ und vom 16. Juli 2018 in der Rubrik „Islam“; zu den Verboten des Kirchbesuchs Minderjähriger siehe China heute 2018, Nr. 2, Informationen S. 73; Chronik, Christentum allgemein, April 2018; Chronik, Katholische Kirche, Ab 1. April 2018, u.a.

10. September 2018:
Entwurf für „Maßnahmen für die Verwaltung von religiösen Informationsdiensten im Internet“ veröffentlicht
Eine staatliche Regulierung der „Religion im Internet“ war schon länger angekündigt und durch zwei Paragraphen in den 2017 revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ angelegt. Nun hat das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten am 10. September 2018 einen Entwurf für „Maßnahmen für die Verwaltung von religiösen Informationsdiensten im Internet“ zur Einholung von Meinungen vorgelegt, die Eingabefrist endete am 9. Oktober 2018. Zu Einzelheiten des sehr restriktiven Entwurfs siehe den Beitrag in den Infomationen.

Buddhismus

10. Juli 2018:
200 minderjährige Novizen unter 16 Jahren werden gezwungen, das tibetische buddhistische Kloster Sershul zu verlassen, um staatliche Schulen zu besuchen
Laut einem Bericht des amerikanischen Senders Radio Free Asia (RFA) kursierte ein Bericht über die Ausweisung der jugendlichen Novizen in den tibetischen sozialen Netzwerken. Das Kloster Sershul liegt im Kreis Sershul (auch Dzakucha, chin. Shiqu) im Autonomen Bezirk Kardze (chin. Ganzi) der Tibeter in der Provinz Sichuan und ist nach Angaben der International Campaign for Tibet (ICT) das größte Gelug-Kloster in der historischen tibetischen Region Kham. Auch andere kleinere Klöster der Gegend seien aufgefordert worden, Novizen im Alter von 15 Jahren und darunter in staatliche Schulen zu schicken; bei Zuwiderhandeln sei den Klöstern mit der Schließung gedroht worden, so eine von RFA zitierte lokale Quelle. Ähnliche Vorfälle wurden auch aus der Provinz Qinghai gemeldet. ICT wies darauf hin, dass in Tibet Novizen traditionell sehr jung ins Kloster eintreten; schon seit Mitte der 1990er Jahre hat es laut ICT Versuche seitens der KP gegeben, den Eintritt junger Novizen zu verhindern, wobei der Grad der Durchsetzung dieser Maßnahme von Kloster zu Kloster sehr verschieden gewesen sei (rfa.org 10.07.; savetibet.org 12.07.).

23. Juli 2018:
Global Times: Minderjährige Schüler in Tibet dürfen in den Sommerferien nicht an religiösen Aktivitäten teilnehmen – Trennung von Erziehung und Religion als rechtliche Grundlage genannt
Nach Angaben des Leiters der Abteilung für politische Erziehung einer Mittelschule in Lhasa, die Global Times (GT) zitierte, hat das Erziehungsministerium des Autonomen Gebiets Tibet eine entsprechende Richtlinie an die Grund- und Mittelschulen verschickt, woraufhin seine und andere Schulen entsprechende Regeln an Schüler und Eltern verschickt hätten, die die Schüler unterzeichnen müssten. Xiong Kunxin von der Minzu University in Beijing sagte der Global Times, die rechtliche Grundlage für diese Maßnahme sei die Trennung von Erziehung und Religion in Chinas Erziehungsgesetz. Der GT-Artikel wies darauf hin, dass „auch das Autonome Gebiet Xinjiang der Uiguren minderjährigen Schülern die Teilnahme an religiösen Aktivitäten verbietet“.
Freetibet.org berichtete, dass die Eltern von Schülern der Oberen Mittelschule Nr. 3 von Lhasa eine sechspunktige Bekanntmachung unterzeichnen mussten, deren 2. Punkt lautete: „Während der Ferien muss den Schülern die Teilnahme an religiösen Aktivitäten untersagt werden. [...]“
Der Autor Song Jieja in UCAN ist der Ansicht, dass die chinesische Religionspolitik gegenüber den tibetischen Schülern damit von einem Verbot des Besuchs großer religiöser Feste zu einem vollständigen Verbot der Teilnahme an allen religiösen Aktivitäten übergegangen ist (freetibet.org 19.07.; GT 23.07.; South China Morning Post 24.07.; UCAN 4.09.).

15., 23., 24. August 2018:
Der Vorsitzende der Chinesischen buddhistischen Vereinigung (CBV), Abt Xuecheng, wird wegen Vorwürfen der sexuellen Nötigung von Nonnen aller Ämter enthoben, gegen ihn ermittelt die Öffentliche Sicherheit
Xuecheng 学诚 (geb. 1966) war der ranghöchste „offizielle“ Buddhist, er leitete seit 2015 die Chinesische buddhistische Vereinigung. Zudem bekleidet(e) er das politische Amt eines Mitglieds der Nationalen Politischen Konsultativkonferenz. Er war Abt des Longquan-Klosters in Beijing, das aufgrund seiner Technologiefreudigkeit, seines hohen Anteils an Mönchen mit Universitätsabschlüssen und der vielen Laienanhänger und Freiwilligen in den chinesischen Medien als eine Art Muster für einen modernen Buddhismus gehandelt wurde. In den letzten Jahren dominierte er zunehmend das Geschehen in der CBV. Xuecheng schien auch im Vergleich mit den offiziellen Vertretern der anderen vier Religionen ein bevorzugter Ansprechpartner der staatlichen Behörden zu sein; so erhielt er als erster den rotierenden Vorsitz der 2016 gegründeten Gemeinsamen Konferenz der nationalen religiösen Organisationen.
Ende Juli kam ein 95 Seiten starker „Bericht über eine hochwichtige Angelegenheit“ in den chinesischen Online-Medien in Umlauf, den zwei ehemalige Mönche des Longquan-Klosters verfasst haben. Sie beschuldigen darin Meister Xuecheng, mit ihm in Schülerbeziehung stehenden Nonnen unter Berufung auf den Buddhismus sexuelle Handlungen aufgedrängt oder dies versucht zu haben. Als Beleg dokumentieren die Autoren Chatverläufe mit einigen Betroffenen, sie beschreiben außerdem Missstände im Longquan-Kloster wie „systematische geistige Kontrolle“ und die Heranführung der Anhängerinnen an eine idealisierende Verehrung des Meisters als Grundlage für derartige Vorfälle. Ferner beschuldigen sie Xuecheng illegaler Baumaßnahmen und Geldgeschäfte.
Am 1. August wies das Longquan-Kloster auf seiner Website die Vorwürfe als falsch und bösartig rufschädigend zurück und forderte eine Untersuchung durch die Behörden. Das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) erklärte am 2. August, es habe begonnen, den Bericht bezüglich des CBV-Vorsitzenden Xuecheng zu überprüfen. Am 15. August verabschiedete der Vorstand der CBV einen Beschluss. Darin heißt es, dass er den Rücktritt Xuechengs als Vorsitzender, ständiges Vorstandsmitglied und Vorstandsmitglied der CBV annehme und den Vizevorsitzenden Yanjue 演觉 [Abt des Guangji-Tempels in Beijing] vorübergehend mit der Leitung der CBV beauftrage. Das Dokument gibt keine Gründe für den Rücktritt an. Das NBRA veröffentlichte am 23. August einen Untersuchungsbericht: Die nötigenden Textnachrichten seien echt und ein Verstoß gegen die monastische Disziplin, wofür Xuecheng bereits von der CBV zur Verantwortung gezogen werde. Bezüglich des Vorwurfs der sexuellen Nötigung werde auch durch die Behörden für Öffentliche Sicherheit der Stadt Beijing ermittelt, heißt es in dem Untersuchungsbericht; die Probleme der nicht genehmigten Gebäude und des unklaren Verbleibs von Klostergeldern – so der Bericht weiter – würden von den zuständigen Behördem weiter untersucht. Am 24. August entzog die Beijinger buddhistische Vereinigung Xuecheng sein Amt als Abt des Longquan-Klosters.
Der Sturz einer derart mächtigen Figur im System der offiziellen Religionsorganisationen wirft auch einen Schatten auf das staatliche Religionsaufsichtssystem selbst. Ji Zhe (Institut National des Langues et Civilisations Orientales, Paris) sah in diesem Zusammenhang ein Problem in der fundamentalen Machtstruktur der religiösen Autorität des Buddhismus im heutigen China. Religiöse Persönlichkeiten mit echtem Einfluss könnten nur schwer aufsteigen, wenn die Posten der Religionsführer von der Politik entschieden würden, sagte Ji der South China Morning Post („Bericht über eine hochwichtige Angelegenheit“ unter xqdoc.imedao.com/164f59c8b1799c43fe3a7953.pdf; bjethnic.gov.cn 25.08.; chinabuddhism.com.cn 15.08.; longquanzs.org 1.08.; sara.gov.cn 2.,23.08.; South China Morning Post 21.09.).
Zum Longquan-Kloster und dem Fall seines Abtes Xuecheng siehe auch den Artikel von Carsten Krause in den Themen.

Islam

16. Juli 2018:
South China Morning Post: In Linxia, dem „chinesischen Klein-Mekka“, werden Moscheebesuch und Religionsunterricht für Kinder unter 16 Jahren verboten
In Linxia im Autonomen Gebiet Ningxia der Hui haben die Behörden verboten, dass Kinder unter 16 Jahren an religiösen Aktivitäten oder am Religionsunterricht teilnehmen – berichtet die South China Morning Post (SCMP), ohne anzugeben, seit wann genau dieses Verbot gilt. Auch die Zahl der über 16-jährigen, die an einer Moschee unterrichtet werden dürfen, sei stark begrenzt worden. 51% der Bevölkerung der Stadt Linxia, die für ihre vielen Moscheen bekannt ist, gehören der muslimischen Hui-Nationalität an. In der Moschee eines von SCMP zitierten Imams aus Linxia hätten bisher jeweils rund 1.000 Jungen in den Sommer- und Winterferien an Korankursen teilgenommen, jetzt dürften nur noch 20 offiziell registrierte Schüler über 16 Jahren dort lernen. Gesprächspartner von SCMP äußerten sich besorgt, dass die muslimische Tradition zum Verschwinden gebracht und dass das „Xinjiang-Modell“ in Ningxia eingeführt werden könnte (SCMP 16.07.).

9.–11. August 2018:
Geplanter Zwangsabriss der Großen Moschee von Weizhou im Autonomen Gebiet Ningxia nach Protesten Tausender gestoppt
Tausende (nach manchen Berichten Hunderte) von Hui-Muslimen protestierten drei Tage lang vor der Großen Moschee von Weizhou, nachdem die Behörden dem Verwaltungskomitee der Moschee mitgeteilt hatten, dass diese am 10. August abgerissen werde, weil sie ohne die notwendige Baugenehmigung errichtet worden sei. Laut South China Morning Post handelte es sich bei den Protesten um die „mit Abstand größte Oppositionsbekundung durch Hui“ gegen den massiven Druck der Regierung, die Religionen zu „sinisieren“. Der 2015–2017 offenbar mit Zustimmung der lokalen Behörden errichtete große Neubau im orientalischen Stil mit zahlreichen Kuppeln und Minaretten ersetzt einen älteren Bau aus dem Jahr 1979, der an Stelle der in der Kulturrevolution zerstörten und im chinesischen Stil erbauten 600-jährigen Moschee des Hui-Marktfleckens Weizhou im Kreis Tongxin errichtet worden war. Vor Beginn der Proteste sollen die Gläubigen einen Vorschlag der Regierung zurückgewiesen haben, die neue Moschee stehen zu lassen, wenn acht der neun Kuppeln abgerissen bzw. durch Pagoden ersetzt würden (unterschiedliche Darstellung bei SCMP und Reuters). Die semioffizielle Global Times sprach davon, dass bei der Renovierung die behördlich genehmigten Maße überschritten worden seien; die lokale Kommission für Disziplin-Inspektion der KP ermittle gegen die verantwortlichen Regierungskader wegen mangelnder Aufsicht. Am 11. August gaben die Behörden bekannt, dass der Moscheeabriss zunächst gestoppt und Veränderungen am Bau nur mit Zustimmung der Gemeinde stattfinden würden, so SCMP. Daraufhin zerstreute sich der Protest (AFP nach SCMP 12.08.; Global Times 11.08.; Reuters 10.08.; SCMP 14.08.).
Bereits im Frühjahr 2018 war berichtet worden, dass die Behörden im Autonomen Gebiet Ningxia arabische Stilelemente insbesondere von säkularen Gebäuden, aber teilweise auch von Moscheen entfernen. Im April 2017 war auf einer Konferenz über Moscheebaustile in Xi’an das Problem der „Arabisierung“ im Moscheebau kritisiert worden (vgl. China heute  2018, Nr. 2, Chronik, Islam, Frühjahr 2018; 2017, Nr. 2, Chronik, Islam, 6.-7. April 2017).

10. / 13. August 2018:
UN-Ausschuss zur Beseitigung von Rassendiskriminierung wirft China schwere Diskriminierung muslimischer Ethnien in Xinjiang vor – chinesische Delegation dementiert
Der Ausschuss diskutierte in Genf turnusmäßig den Bericht der Volksrepublik China. In der Befragung der chinesischen Delegation äußerte Gay McDougall, Mitberichterstatterin des Ausschusses für China, schwere Besorgnis darüber, dass der Staat das Autonome Gebiet Xinjiang im Namen der Bekämpfung von „religiösem Extremismus“ und „sozialer Stabilität“ in eine „rechtsfreie Zone“ verwandelt habe. Sie zitierte Berichte, nach denen mindestens eine Mio. Menschen in sog. Anti-Extremismus-Zentren und weitere 2 Mio. [sic!] in „Umerziehungslagern“ festgehalten würden, die meisten von ihnen ohne Anklage oder Verfahren. Selbst alltägliche, für Muslime ethno-religiös bedeutsame Lebensäußerungen, wie Begrüßungen, Vollbärte oder Gesichtsschleier, würden zu strafbaren Handlungen gemacht. McDougall sah auch Probleme in der neueren Gesetzgebung, wie dem Nationalen Sicherheitsgesetz von 2015, dem Anti-Terrorismusgesetz von 2016 und den Vorschriften für religiöse Angelegenheiten von 2018, die durch vage Definitionen von Vergehen in Bezug auf nationale Sicherheit, Terrorismus und Extremismus willkürliche Anklagen und Verurteilungen ermöglichten. Die chinesische Delegation erwiderte, dass es in Xinjiang keine willkürlichen Festnahmen und keinen Mangel an Religionsfreiheit gebe. Es gebe dort keine Umerziehungszentren oder Anti-Terrorismus-Trainingszentren. Xinjiang sei ein Opfer von Terrorismus, deshalb habe das Autonome Gebiet spezielle Kampagnen zur Niederschlagung gewaltsamer terroristischer Aktivitäten nach dem Gesetz durchgeführt und eine Reihe von Verbrechern verurteilt. Kleinkriminelle würden durch Erziehung bei der Rehabilitation unterstützt, ihre Rechte in den Berufsausbildungszentren würden geschützt (Bericht unter www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=23452&LangID=E).
In einem Bericht zu Xinjiang sprach die Organisation Human Rights Watch am 9. September ebenfalls von geschätzten 1 Mio. Menschen, die ohne Verfahren in Lagern in Xinjiang festgehalten würden. Auch außerhalb der Lager seien Turkvölkern angehörende Muslime extremen Restriktionen unterworfen, z.B. in der Bewegungsfreiheit durch Checkpoints, durch politische Indoktrination, High-Tech-Überwachung, Erschwerung von Grenzübertritten und Kontakten ins Ausland (www.hrw.org/node/322139). Die deutsche Bundesregierung hat im September 2018 die Abschiebung von Uiguren und Angehörigen anderer muslimischer Minderheiten nach China bis auf weiteres ausgesetzt (br.de 11.09.).
Siehe auch China heute 2018, Nr. 2, Informationen, S. 76.

25. September 2018:
Sinisierung in Ningxia: Fluss wird um­benannt, weil sein Name an die dritte Frau des Propheten erinnerte
In Ningxia wurde der Fluss Aiyi (Aiyihe 艾依河) umbenannt, weil sein Name in den Ohren mancher arabisch klinge und ähnlich wie der Name der dritten Frau des Propheten, Ayisha (阿以莎) – erklärte Wang Genming, Experte für Hui-Studien, der semioffiziellen Global Times. Der Fluss heißt jetzt Diannonghe 典农河, wie das Amt für zivile Angelegenheiten des Autonomen Gebiets Ningxia am 17. September bekanntgab – nach Diannong, dem Namen des 112 v.Chr. zur Zeit der Westlichen Han-Dynastie gegründeten Vorläufers der heutigen Stadt Yinchuan. „Dies steht in Einklang mit Chinas Politik der Sinisierung der Religionen und ihrer Anpassung an die chinesische Gesellschaft“, zitierte die Global Times den Ethnologen Xiong Kunxin von der Minzu University in Beijing. Laut Global Times sind in ganz Ningxia Straßen, Stadtviertel und Restaurants umbenannt worden, damit sie „besser die chinesische Kultur widerspiegeln“. 36% der Bevölkerung von Ningxia gehören der überwiegend muslimischen Hui-Nationalität an (globaltimes.cn 26.09.; nxnews.net 25.09. [die amtliche Bekanntmachung ist auf 17.09. datiert, wurde aber am 25.09. online gestellt]; sueddeutsche.de 1.10.).

Christentum allgemein

Anfang Juli 2018:
Behörden in Henan fordern alle Pfarreien der Provinz auf, Daten ihrer Gläubigen zu erfassen und zu melden – Sorge um Streichung von Sozialhilfe
Ein katholischer Priester aus dem offiziellen Teil der Diözese Luoyang berichtete UCAN, dass ein lokaler Regierungsbeamter ihm am 1. Juli eine „Eilmitteilung des Spezialprojektbüros“ überbracht habe. In der Eilmitteilung hieß es, dass die Zahl der Gläubigen aller religiösen Stätten mit weiteren Angaben über ihre Lebensumstände bis 4. Juli erfasst und den übergeordneten Behörden gemeldet werden müsse. Überprüft würde der Eilmeldung zufolge auch, ob Minderjährige die Stätten besuchen, ob die amtlichen Zertifikate der religiösen Amtsträger ausgehängt sind, ob die Nationalflagge gehisst ist und die Nationalhymne gesungen wird; das Spezialprojektbüro werde offene und verdeckte Kontrollen durchführen. Der Priester sagte zu UCAN, er werde die Angaben nicht machen und er befürchte, dass die Behörden armen Katholiken die Sozialhilfe zur Sicherung des Existenzminimums streichen könnten. Ein Priester aus der Diözese Anyang in Henan berichtete UCAN, ein ähnliches Schreiben erhalten zu haben.
China Aid meldete, dass einige Dorfkomitees in Henan alte Leute genötigt hätten zu unterschreiben, dass sie nicht mehr an das Christentum glauben, unter der Androhung, dass ihnen sonst die Sicherung des Existenzminimums/die Altersrente gestrichen werde. Bereits im April war berichtet worden, dass ein Nachbarschaftskomitee in Henan die Gläubigen aller fünf Religionen aufgefordert habe, ihre Religionszugehörigkeit bei der Behörde zu registrieren. Die Registrierung einfacher Gläubiger war in der VR China bisher völlig unüblich (AsiaNews 11.07.; chinaaid.net 1.09.; china.ucanews.com 5.07.; UCAN 6.07.; vgl. China heute 2018, Nr. 2, Chronik, Religionspolitik, 8., 12. und 30. Juni 2018).

4. Juli 2018:
The Diplomat: Chinas Arbeiten an der Neuen Seidenstraße exportiert auch „Missionare und Bibeln“
In einem Artikel in The Diplomat schrieb Jeremy Luedi am 4. Juli über die Verquickung von Chinas „Seidenstraßen-Initiative“ und missionarischen Aktivitäten sowohl von chinesischen als auch von einheimischen Kirchen der jeweiligen Länder für die chinesischen Arbeiter. Die weltweit größte Bibel-Druckerei, die auch für den Export druckt, ist in Nanjing. Immer mehr der exportierten Bibeln landen allerdings in chinesischen Händen, denn die Chinesen, die im Ausland arbeiten, leben häufig in einem Umfeld, das von relativer Religionsfreiheit geprägt ist. So konvertieren immer mehr von ihnen unter dem Einfluss ihrer religiösen Mitbürger der jeweiligen Gastländer zu lokal ansässigen Religionen. Luedi zitiert einen taiwanischen Pastor, der 2017 gesagt hat, dass China auch der größte Exporteur des Christentums werden könnte (z.B. drei Viertel aller in Kenia benutzten Bibeln wurden in Festlandchina gedruckt). Die chinesischen Gläubigen sind daran gewöhnt, verdeckt zu agieren, und fließen so auch als verdeckte Missionare mit den großen Strömen chinesischer Firmen in die jeweiligen Länder ein. Sie missionieren sowohl die lokale Bevölkerung als auch die chinesischen Wanderarbeiter. Auch afrikanische, lokale Kirchen lassen ihre Pastoren Chinesisch lernen, um dann später unter den chinesischen Arbeitern wirken zu können. Christliche Missionare aus Taiwan oder Hongkong werden dagegen von den chinesischen Arbeitern eher misstrauisch beäugt, da dort mögliche Verquickungen zwischen religiösen und politischen Inhalten gesehen würden, so Luedi. So haben die afrikanischen Kirchen, die frei sind von solchem Ballast, anscheinend größeren Erfolg in der Missionierung. Andere Gruppen wie „Back to Jerusalem“ betrachten die Seidenstraßen-Initiative als Chance der Missionierung der Anrainerstaaten dieser Initiative und stecken sich hohe Ziele. Danny Lee, der UK-Direktor von „Back to Jerusalem“, wird mit der Aussage zitiert, dass man erreichen möchte, dass in Zukunft mindestens 100.000 chinesische Missionare entlang der neuen Seidenstraße evangelisieren werden (The Diplomat 4.07.)

Sommer / Herbst 2018:
Provinz Henan: Fortgesetzte Repressionen gegen christliche Gemeinden, besonders gegen Hauskirchen – Regierungsdokument aus Hebei gegen „katholische Untergrundkräfte“
Der seit Februar 2018 einsetzende und seit April 2018 drastisch verschärfte Druck gegen christliche Gemeinden in der Provinz Henan setzte sich im Sommer und Herbst fort. Nach Berichten von China Aid gab es Anfang September an zahlreichen Orten in Henan massive Razzien von Hauskirchen. Bei solchen Razzien wurde die Ausstattung der Kirchen zerstört oder konfisziert und in einigen Fällen Gläubige, die sich widersetzten, festgenommen oder verletzt. Am 3. September meldete China Aid, dass Kreuze in für Henan beispielloser Zahl abgerissen würden, so in Zhengzhou, Nan­yang und Yuzhou; außerdem seien allein im Bezirk Jinshui von Zhengzhou 8 Hauskirchen geschlossen worden. Fortgesetzt wurden auch die Verbote und Kontrollen bezüglich des Kirchbesuchs Minderjähriger. Nach öfters zitierter Meinung (so bei AFP 15.09.) richteten sich die Maßnahmen in erster Linie gegen das starke Wachstum protestantischer Gemeinden und Hauskirchen, die Katholiken seien aber mitbetroffen. Sie gehören in der Provinz zu großen Teilen dem Untergrund an.
Auch aus anderen Provinzen, wie Liaoning und Jiangsu, gab es Berichte über behördliches Vorgehen gegen Hauskirchen. In Langfang, Provinz Hebei, wurden laut China Aid Eigentümer unter Druck gesetzt, die Räume „illegal“ an nicht registrierte Gemeinden vermietet hatten. Die Organisation veröffentlichte am 21. September auch eine „Bekanntmachung zur Regulierung katholischer Untergrundkräfte nach dem Gesetz“, die von der Regierung der Großgemeinde Meihua, Bezirk Gaocheng, Stadt Shijiazhuang, Provinz Hebei unterzeichnet ist. Das Dokument, dessen Echtheit nicht überprüft werden konnte, fordert die Verwirklichung der „Drei Gibt-es-nicht“, und zwar soll es künftig keine von katholischen Untergrundkräften kontrollierten Gläubigen, keine von ihnen kontrollierten Kirchen sowie keine von ihnen betriebenen „illegalen Aktivitäten“ geben; es werden vier Telefonnummern genannt, unter denen Anzeige erstattet werden kann (AFP nach South China Morning Post 15.09.; chinaaid.org 18.07.; 25.08.; 3.,4., 7.,26.09.; chinaaid.net 1.,21.09.). Zur Situation in Henan vgl. China heute 2018, Nr. 2, Chronik, Christentum allgemein, April 2018; Chronik, Protestantismus, Ende März bis Juni 2018; Chronik, Katholische Kirche, Ab 1. April 2018, 8. April 2018, 20. April 2018 und 5. Juni 2018.

Ab 13. September 2018:
Myanmar – Die UWSA geht gegen „illegale“ religiöse Aktivitäten im „Wa State“ vor
ShanNews, ein lokales Nachrichtenportal aus dem Bundesstaat Shan im Osten Myanmars, berichtete am 25.09., dass die United Wa State Army (UWSA) seit dem 13. September Abrisse nicht autorisierter Kirchen, Verhaftungen von Pastoren und Schließungen von religiösen Schulen durchführe.
Die United Wa State Party (UWSP) stellt die Regierung im sogenannten „Wa State“, einem autonomen Teilgebiet im Osten von Shan in Myanmar, das an der chinesischen Grenze liegt. Die UWSA ist der militärische Arm der UWSP und auch das realiter agierende Exekutivorgan im Wa State. Am 6. September hat die UWSA eine sechs Punkte umfassende Erklärung an ihre Offiziere und die Verwaltung des Wa State veröffentlicht. Seit dem 13. September fingen als Konsequenz aus dieser Erklärung Einheiten der UWSA damit an, ausländische Missionare und Ordensleute zu verhören und teilweise auszuweisen. UCAN zitiert einen katholischen Priester mit der Aussage, dass es sich hauptsächlich um baptistische Gemeinden handle, die schnell und ohne offizielle Genehmigung Kirchen und vielleicht auch Schulen errichtet hätten. Die Lage scheint zurzeit sehr unübersichtlich zu sein. Interessant ist hier allerdings ein Zusammenfall dieser Anordnung der UWSA mit der Verurteilung von John Cao wegen der Organisation von illegalem Grenzübertritt. Cao ist ein bekannter Aktivist der chinesischen Hauskirchen-Bewegung und hatte sich laut ShanNews in Myanmar für den Bau von Schulen und die Auslieferung von Hilfsgütern an Arme engagiert. Die UWSP hat jedoch historische Verbindungen mit den Kommunisten in China und es scheint, dass die härter werdende Vorgehensweise der chinesischen Regierung gegenüber nicht-offiziellen religiösen Akteuren in der VR China sich über die Grenze nach Myanmar ausbreitet. Die chinesische Regierung möchte, so z.B. Bertil Lintner von Asia Times, sich ihre quasi Monopolstellung auf den Einfluss im Wa State sichern und sorge dafür, dass die UWSA ausländische religiöse Aktivitäten nur sehr begrenzt zulasse  (Asia Times 17.09.; AsiaNews 18.,28.09.; UCAN 21.,24.09.; ShanNews 25.09.).

Protestantismus

23. Juli 2018:
Beijinger Hauskirchen veröffentlichen Erklärung
Am 23. Juli richtete eine Gruppe von 34 Hauskirchen aus Beijing einen gemeinsamen offenen Brief an die chinesische Regierung, in der sie unter Berufung auf die Verfassung die Legitimität ihrer Existenz und Tätigkeiten erklären. Sie berichten von zunehmendem Druck und Einschränkung christlicher Aktivitäten in verschiedenen Provinzen Chinas seit Inkrafttreten der „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ am 1. Februar 2018. Sie argumentieren mit Artikel 33, Absatz 3 der Verfassung, wo der Schutz von Persönlichkeitsrechten verbrieft ist, und mit Artikel 36, der Glaubensfreiheit gewährt (www.chinaaid.net/2018/07/30.html). Isabel Friemann

20. August 2018:
Fu Xianwei, Vorsitzender der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung in China, verstirbt
Ältester Fu verstarb im Alter von 74 Jahren infolge eines Krebsleidens. Sein Tod ereilte ihn inmitten laufender Amtsgeschäfte. Mit ihm verlor das Land den höchsten politischen Vertreter des protestantischen Christentums in China. Am 6. September fand eine Trauerfeier für ihn in der Mu’en-Kirche in Shanghai statt, zu der Gäste aus dem In- und Ausland kamen und Kränze von höchsten chinesischen Politikern aufgestellt wurden. Fu Xianwei wurde im Februar 1944 in Ningbo, Provinz Zhejiang, in einer christlichen Familie geboren. Seit 1988 arbeitete er für den Shanghaier Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung. 1996 empfing er die Weihen als Ältester in der Mu’en-Kirche. Ebenso machte er einen Master-Abschluss am nationalen theologischen Seminar in Nanjing. Im Jahr 2008 wurde er zum Vorsitzenden der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung gewählt und nach einer ersten Amtsperiode von 5 Jahren in seinem Amt für weitere 5 Jahre bestätigt (siehe Nachruf in den Informationen). Isabel Friemann

30. August / 1. September 2018:
Gemeinsame Hauskirchen-Erklärung
Eine gemeinsame offene Erklärung von verschiedenen Hauskirchen setzte am 30. August die Early Rain Covenant Church in Chengdu, Sichuan, in Umlauf. Die Schrift erinnert in ihrem Wortlaut und Charakter an die Bekenntnisschrift der Barmer Theologischen Erklärung. Bis zum 6. September hatten Leitungspersonen von 279 Hauskirchen aus ganz China dieses Bekenntnis mit Namen unterzeichnet. Sie kritisieren die zunehmenden Repressionen gegen Hauskirchen, berufen sich auf Gott als ihren alleinigen Herrn und Herrn aller Welt, verlangen eine klare Trennung zwischen Staat und Kirche und kündigen an, unter keinen Umständen den aus ihrer Sicht regierungsnahen Dachverbänden der evangelischen Christen in China beitreten zu wollen. (Siehe den Wortlaut der Erklärung in der Dokumentation dieser Nummer). Isabel Friemann

4.–7. September 2018:
Generalsekretär des chinesischen CVJM-Verbandes bei CHINA TIME 2018 in Hamburg
Dr. Wu Jianrong 吴建荣, Generalsekretär des Nationalen CVJM-Verbandes in China, war aus Anlass der größten europäischen China-Veranstaltung, der alle zwei Jahre über drei Wochen in Hamburg stattfindenden sogenannten CHINA TIME, als Gast des Zentrums für Mission und Ökumene der evangelischen Nordkirche in der Hansestadt. Eine engere Kooperation zwischen kirchlichen Einrichtungen könnte Teil der seit 1986 in einem gegenseitigen Memorandum besiegelten Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg werden. Dazu fanden u.a. Werkstattbesuche und Gespräche im Rauhen Haus statt, ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern des Fachbereichs Theologie und eine Visite der Seemannsmission. Bei einem öffentlichen Vortrag erläuterte Dr. Wu die religionspolitische Situation in China, die Rolle des CVJM und die Arbeit des Shanghaier Verbandes mit 230 Vollzeitangestellten und 500 Ehrenamtlichen. Er betonte insbesondere die Wichtigkeit der Integration von Kindern und Jugendlichen chinesischer Arbeitsmigranten in den Städten und gab Beispiele für diesbezügliche Projekte des CVJM in Shanghai. Isabel Friemann

9. September 2018:
Bann der Zion-Kirche in Beijing
Am Sonntag, dem 9. September, beendeten Sicherheitskräfte den letzten Gottesdienst der Zion-Hauskirche in Beijing. Das Büro für zivile Angelegenheiten des Stadtteils Chaoyang verlautbarte, die Kirche habe „nicht autorisierte Massenversammlungen“ abgehalten, und gab an, „illegales Werbematerial konfisziert“ zu haben. Die im Jahr 2007 von Pastor Dr. Jin Mingri (Ezra Jin) gegründete Kirche war bis zum Frühjahr dieses Jahres relativ unbehelligt. Zu Gottesdiensten kamen bis zu 1.500 Personen zusammen, unter anderem aus der gehobenen Mittelschicht Beijings. Im April verweigerte die Zion-Kirche die Installation eines Kamera-Systems in ihren Räumen, woraufhin kurzfristig Strom und Wasser abgestellt wurden. Eine Registrierung bei den offiziellen Dachorganisationen der chinesischen Protestanten, dem Chinesischem Christenrat und der Drei-Selbst-Bewegung, lehnte die Zion-Kirche ebenfalls ab. Sechs kleinere Ableger der Kirche, die in der Umgebung von Beijing verteilt existierten, sind bereits in den vergangen Monaten geschlossen worden (AsiaNews 9.10. et. al.). Isabel Friemann

16. September 2018:
Amity Foundation wählt neue Generalsekretärin
Am 16. September wurde Ling Chunxiang 凌春香 zum Abschluss der 5. Sitzung des dritten Aufsichtsrates der Amity Foundation zur neuen Generalsekretärin gewählt. Als ihre zwei Stellvertreter wählte das gut 20-köpfige Gremium Gu Chuanyong 顾传勇, Vertreter der Religionsbehörde der Provinz Jiangsu, sowie Pastor Zhang Keyun 张克运, Vorsitzender der Drei-Selbst-Bewegung von Jiangsu. Frau Ling fing nach dem Abschluss ihres Magisterstudiums im Sommer 1999 an, in der Abteilung für ländliche Entwicklung bei Amity zu arbeiten. Sie leitete die Verwaltung, bevor sie im Dezember 2016 zu einer von fünf stellvertretenden Personen des Generalsekretärs ernannt wurde. Qiu Zhonghui 丘仲辉 verabschiedet sich nach 15 Jahren als Leiter der Stiftung aus seinem Amt. Unter ihm hat die Amity Foundation das Spendenaufkommen aus dem Inland über Crowdfunding und digitale Medien vervielfältigt, die höchste nationale Auszeichnung als AAAAA-NGO erhalten, sich mit Büros in Addis Abeba (2015) und Genf (2016) weiter internationalisiert.  Zu den Schwerpunktthemen der Öffentlichkeitsarbeit gehören 2018 Solidaritätskampagnen mit Betroffenen von Aids sowie Schutz und Rechtsbeistand für Opfer häuslicher Gewalt. Vom 26. August bis 7. September veranstaltete Amity zusammen mit dem nationalen theologischen Seminar in Nanjing eine diakonische Sommer-Akademie für chinesische Pastoren und Pastorinnen (www.amity.org.cn/index.php?m=Home&c=News&a=view&id=499). Isabel Friemann

Katholische Kirche

4. Juli 2018:
UCAN berichtet über vorübergehende Festnahme von Untergrundpriester aus Yongnian, Provinz Hebei, wegen Kontakt zu japanischem Journalisten
Wie UCAN – unter Berufung auf eine Meldung des Online-Dienstes Bitter Winter in Turin – am 4. Juli 2018 berichtete, wurde am 9. April der 55-jährige Priester Yan Lixin verhaftet und bis zum 28. April in einem Gästehaus festgehalten. Priester Yan war zu einem Kurs nach Hongkong eingeladen gewesen. Vor seiner Abreise verabredete er sich über sein Mobiltelefon mit einem japanischen Journalisten für ein Interview. Zwei Tage vor seiner Abreise ortete die Polizei Priester Yan über sein Mobiltelefon im Haus von Gläubigen und nahm ihn fest. Man habe ihn – ohne Erfolg – zwingen wollen, in die Patriotische Vereinigung einzutreten. Auch wurde ihm verboten, nach Hongkong zu reisen und erneut Kontakt zu dem Journalisten aufzunehmen.
In der Diözese Wenzhou, Provinz Zhe­jiang, startete Untergrundbischof Peter Shao Zhumin eine Fastenaktion und eine Heilige Messe an jedem 29. eines Monats für die Sicherheit von Priester Lu Danhua. Priester Lu, der einzige Priester in der benachbarten Diözese Lishui, die von Wenzhou mitverwaltet wird, wurde am 29. Dezember 2017 von Beamten der Religionsbehörden aus seiner Wohnung in Qingtian abgeführt und an einen unbekannten Ort gebracht. Behördenvertreter hatten später mitgeteilt, Priester Lu sei nach Wenzhou gebracht worden, um dort die neuen Religionsvorschriften zu studieren, er werde nach seiner Registrierung zurückkehren. Bischof Shao hatte ihn am 14. Dezember 2016 zum Priester geweiht (UCAN 4.07.; 31.08.).

17. Juli / 13. August 2018:
Zwei weitere Kirchen in Shandong zwangsabgerissen
In der Diözese Jinan in der Provinz Shandong wurden in jüngster Zeit drei offizielle Kirchengebäude von den lokalen Behörden zwangsabgerissen. Nachdem dieses Jahr bereits die Kirche von Shilihe abgerissen worden war, folgten am 17. Juli die Kirche von Liangwang und am 13. August die Kirche von Qianwang, beide im Distrikt Licheng im Außenbezirk der Provinzhauptstadt Jinan gelegen. Alle drei Kirchen waren offiziell bei den Religionsbehörden registriert und wurden normal genutzt. Die Kirchen sollten vordergründig Stadtplanungsprojekten weichen, den Gemeinden wurde jeweils Land versprochen für einen Neuaufbau. Ohne dieses Versprechen einzuhalten, wurden die Kirchen ohne jegliche Vorwarnung gewaltsam zerstört.
Die Kirche von Liangwang stammt von 1920 und wurde 2006 neu aufgebaut. 70 Personen waren mit Bulldozern und Spitzhacken an der Zerstörung beteiligt, in Qianwang sollen es über 100 „Schlägertypen“ gewesen sein. Die Kirche von Qianwang datiert von 1750, war nach der Zerstörung durch eine Flut 1938 wieder neu aufgebaut worden und wurde nach der Kulturrevolution seit 1987 wieder benutzt. Nach der Zerstörung demonstrierten zwei Priester, eine Ordensschwester und fast 70 Gemeindemitglieder vor der Stadtregierung. Den Priestern soll daraufhin von Beamten in Licheng versprochen worden sein, die beiden Kirchen andernorts wieder aufzubauen, dies könnte jedoch „lange dauern“. Als nächstes soll die Kirche von Wangcun, Huashan, unweit der Stadt Jinan auf dem Plan stehen.
Ying Fuk-tsang von der School of Divinity der Chinese University of Hong Kong meinte zu UCAN, das scharfe Vorgehen gegenüber katholischen und protestantischen Gemeinschaften in China in jüngster Zeit sei das Ergebnis von zweijährigen Vorbereitungen auf Provinz-, Stadt- und Kreisebene seitens der zunehmend mächtigen Einheitsfrontabteilung der KP Chinas (AsiaNews 18.07; 16.08.; UCAN 3.,18.08.)

28. Juli 2018:
Umbettung sterblicher Überreste von 7 CICM-Missionaren in der Inneren Mongolei
UCAN berichtete über die Umbettung der sterblichen Überreste von sieben Missionaren der Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens (CICM), die am 28. Juli in die Sansenggong-Kirche in der Diözese Bameng, Innere Mongolei, überführt und dort in den fertig renovierten Katakomben beigesetzt wurden.
Die sterblichen Überreste von 16 CICM-Missionaren wurden während der Kulturrevolution von Roten Garden in der Diözese Bameng aus ihren Gräbern ausgegraben, in die Wüste gebracht und dort zurückgelassen. 1992 und 1993 wurden die Überreste von neun dieser Missionare wiedergefunden und zwei davon als Märtyrer in die Katakomben der Xiayingzi-Kirche, Diözese Bameng, überführt und dort beigesetzt.
Bischof Matthias Du Jiang von Bameng sagte bei einer Rede anlässlich der Umbettung, dass die Überreste der sieben Missionare, die noch gefehlt hatten, später noch entdeckt worden seien und nun für „ihren selbstlosen Einsatz und ihre harte Arbeit“ ihre letzte Ruhe in einer katholischen Kirche fänden. Er hoffe, dass die Anwesenheit dieser Missionare die Gemeinde der Gläubigen stärke, dass sie so wie die Missionare fest im Glauben bestehen würden (UCAN 29.08.).

31. Juli 2018:
UCAN veröffentlicht „Fünfjahres-Entwicklungsabriss zur Sinisierung des Katholizismus“ in Übersetzung – chinesische Diözesen sollen eigene Pläne erstellen
Der Fünfjahresplan war am 16./17. Mai 2018 von der Gemeinsamen Versammlung der Verantwortlichen von Chinesischer katholischer patriotischer Vereinigung und Bischofskonferenz (PV-BiKo) verabschiedet worden. Der Text wurde zunächst nicht veröffentlicht. UCAN zufolge schickten PV-BiKo das Dokument im Juni an alle Diözesen Chinas mit der Aufforderung, bis Ende August jeweils eigene Fünfjahrespläne zur Sinisierung zu erstellen.
Der rund 6.500 Schriftzeichen lange Text umfasst 9 Kapitel. Kapitel 3 mit der Überschrift „Vertiefung der politischen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Identität der Kirche“ enthält auch den Punkt „Festhalten am Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung“. Kapitel 4 zur „Verschmelzung mit der vortrefflichen chinesischen Kultur“ fordert u.a. eine neue Geschichtsschreibung der chinesischen katholischen Kirche. Kapitel 5 behandelt den Aufbau „theologischen Denkens mit Besonderheiten der chinesischen Kirche“, Kapitel 6 die Schaffung einer „kirchlichen Organisationsform mit chinesischen Besonderheiten“, die u.a. eine „organische Vereinigung“ von Hierarchie und demokratischer Verwaltung beinhalten soll. Weitere Kapitel betreffen die Sinisierung von Liturgie, kirchlicher Architektur, Kunst und Musik. Das Dokument hat einen sehr politischen Stil; der Name „Xi Jinping“ erscheint ebenso oft in dem Text wie das Wort „Evangelium“, nämlich fünfmal. Eine nähere Betrachtung des Dokuments erfolgt in einer der nächsten Ausgaben von China heute.
PV-BiKo veröffentlichte den Text des Fünfjahresplans erst am 8. Oktober 2018 auf ihrer Anfang Oktober neugestalteten gemeinsamen Website. Auf dieser Website sind auch zwei Datenbanken – eine teilweise gefüllte für Kirchen und eine noch leere für den Klerus – angelegt.
Die protestantischen Leitungsgremien veröffentlichten bereits im März 2018 einen „Abriss des Fünfjahresarbeitsplans zum Vorantreiben der Sinisierung des protestantischen Christentums in China“. Der Entwurf eines Fünfjahresplans zur Sinisierung des Islam wurde Ende Dezember 2017 von den islamischen Gremien verabschiedet (Text des 推进我国天主教坚持中国化方向五年工作规划 [2018–2022] unter www.chinacatholic.cn/html/report/18100224-1.htm; englische Übersetzung unter www.ucanews.com/news/sinicization-of-china-church-the-plan-in-full/82931; chinaislam.net.cn 21.12.2017; UCAN 20.,23.07.).
Vgl. China heute 2018, Nr. 2, Chronik, Protestantismus, 27./28. März 2018; Chronik, Katholische Kirche, 16./17. Mai 2018.

20. August 2018:
1.200 Musiker trommeln beim „Dritten Himmelston-Pokal“ der Diözese Taiyuan für katholische Schlagzeug-Ensembles aus ganz China
Insgesamt traten 27 Gong (bzw. Becken)- und Trommelgruppen mit 1.200 Mitgliedern aus verschiedenen Diözesen und Provinzen Chinas zu den Vorführungen an, die auf dem Platz vor der Kirche der Pfarrei Honggou nördlich von Tai­yuan in der Provinz Shanxi stattfanden. Frühmorgens zogen die Musikgruppen mit „zum Himmel dröhnenden“ Klängen heran – wie es in dem Bericht auf der Website von Xinde (Faith) heißt. Auf das Hochamt in der Kirche mit Taiyuans Bischof Meng Ningyou folgte die feierliche Eröffnung. Ehrengäste waren neben dem Bischof und 20 Priestern verschiedener Diözesen eine Reihe von Spezialisten für traditionelle chinesische Perkussionsmusik, wie der Vorsitzende der Vereinigung der Gong- und Trommelkünstler der Provinz Shanxi und Leiter des Museums für Volkskunst von Taiyuan, Chang Feng, der der Jury vorstand. Bei ihren Vorführungen boten die farbenfroh kostümierten Gruppen nicht nur Musik, sondern auch sorgfältig ausgearbeitete Choreographien dar (Fotos hierzu auf der Website). Der Bericht hebt die Teilnahme vieler Kinder zwischen 6 und 13 Jahren hervor, die „die Lebenskraft der Kirche sichtbar“ machten. Auch Jurychef Chang Feng lobte die Zunahme der Kinder- und Jugendgruppen beim diesmaligen Himmelston-Pokal als hoffnungsvolles Zeichen für die Weitergabe dieser Volkstradition. Dem Bericht zufolge ist die Gong- und Trommelkunst von Taiyuan seit 2008 vom Staatsrat als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Es gibt einen katholischen „Himmelston-Verband für Gong- und Trommelkunst“ (Tianyin luogu yishu xiehui 天音锣鼓艺术协会), eine landesweite Organisation mit 25 Zweigorganisationen, 40 Musikgruppen und 2.000 Mitgliedern, mit dem Ziel, „durch die Gong- und Trommelkunst Gott zu verherrlichen, die kulturelle Entwicklung der Kirche zu fördern und auch die traditionelle Kultur der chinesischen Nation weiterzugeben“. Aus dem Bericht geht hervor, dass der Vizevorsitzende des Himmelston-Verbands Katchumene ist und sein Amt als Vizevorsitzender des Gong- und Trommelverbands der Provinz niedergelegt hat, um sich ganz der Kirche widmen zu können. Im Bericht zitierte Stimmen aus der Kirche stellen übereinstimmend fest, dass das Engagement in den Schlagorchestern den Gläubigen Zusammenhalt gibt und sie aktiver macht. Auch Nichtkatholiken treten in die Gruppen ein und finden so manchmal zur Kirche. Die Musikgruppen schaffen eine feierliche Atmosphäre in der Liturgie. Nicht zuletzt werden der Zusammenhalt und der Glaube der Jugendlichen in der Kirche gefördert (www.chinacatholic.org/News/index/id/43285.html, 21.08.).
Zur langen Tradition der volkstümlichen Bläser- und Schlagzeug-Ensembles in der katholischen Kirche vgl. Ma Li, „,Wenn es uns gefällt, gefällt es auch Gott‘. Kirchenmusik im heutigen China zwischen europäischer und chinesischer Tradition“, in: China heute 2012, Nr. 3, Themen.

22. August 2018:
Katholische Kirche im Stil einer mongolischen Jurte wird in der Inneren Mongolei eingeweiht
Dem Bericht auf der Website von Xinde zufolge gleicht „die übergroße Jurte einer Mutter des Graslands – der Gottesmutter –, die aufrecht unter blauem Himmel und weißen Wolken sitzt und ihre Kinder in die Arme nimmt“. Das weiße, niedrige Gebäude hat den Grundriss eines Kreisviertelsegments. Es besitzt ein flach gewölbtes, himmelblau und weiß gemustertes Kuppeldach, das von einer blauen Laterne mit Kreuz gekrönt wird. Auf dem Dach sind über einem Band von traditionellen mongolischen Ornamenten die chinesischen Schriftzeichen „Muttergottes der Mongolei, bitte für uns“ zu erkennen – dieser ist die neue Kirche in Salaqi auch geweiht. Sie fasst 1.000 Personen. Zur feierlichen Einweihung kamen Vertreter verschiedener Bistümer der Inneren Mongolei: Bischof Meng Qinglu von Hohhot als Hauptzelebrant, Bischof Du Jiang von Bameng und der Generalvikar der Diözese Jining sowie Priester und Musikgruppen aus mehreren Pfarreien.
Die Großgemeinde Salaqi liegt im Rechten Tumed-Banner und gehört zum Verwaltungsgebiet der Industriestadt Baotou in der Inneren Mongolei. Laut Guide to the Catholic Church in China 2014 gehört Salaqi zur Diözese Baotou, die derzeit keinen Bischof hat. Trotz der mongolischen Form der Kirche dürften die Katholiken von Salaqi ganz überwiegend Han-Chinesen sein: Nach dem Zensus von 2000 sind 94% der Bewohner des von Baotou verwalteten Gebiets Han und nur knapp 3% Mongolen (chinacatholic.org 23.08.; 13.09.; Xindebao 20.08.; 10.09.).

Sino-vatikanische Beziehungen

18. September 2018:
Vatikan-Berichterstatter über Inhalt des bevorstehenden sino-vatikanischen Abkommens
Das Abkommen werde vor Ende September unterzeichnet, schrieb Gerard O’Connell unter Berufung auf eine vatikanische Quelle in America. The Jesuit Review. „Informierten Quellen zufolge“, so O’Connell, hätten sich der Heilige Stuhl und Beijing auf einen Prozess für die Ernennung von Bischöfen geeinigt, und zwar: Kandidaten würden auf Diözesanebene durch das von den chinesischen Behörden eingeführte System der „demokratischen Wahl“ gewählt, wobei „die Priester der Diözese gemeinsam mit Vertretern der Ordensfrauen und der Laien durch Abstimmung aus den Kandidaten auswählen, die von den Behörden, die die kirchlichen Angelegenheiten beaufsichtigen, vorgelegt werden“. Das Ergebnis der Wahl werde an die für die Kirche zuständigen Behörden in Beijing, darunter die Bischofskonferenz, geschickt und nach Überprüfung ein Name über diplomatische Kanäle an den Heiligen Stuhl gesandt. Dieser habe dann einige Monate Zeit für die Überprüfung des Kandidaten, woraufhin der Papst diesen entweder genehmige oder sein Veto einlege. Wenn der Papst den Kandidaten genehmige, werde der Prozess (der Weihe) fortgesetzt. Wenn er sein Veto einlege, würden beide Seiten Dialog führen und Beijing werde schließlich den Namen eines anderen Kandidaten unterbreiten – soweit O’Connell. Ähnliche Varianten des mutmaßlich beschlossenen Kompromissverfahrens waren schon früher „durchgesickert“. Bernardo Cervellera nannte in AsiaNews Angaben, die er bezüglich des vorgesehenen päpstlichen Vetorechts gehört habe, nämlich dass der Papst innerhalb von drei Monaten Gründe für seine Ablehnung des Kandidaten nennen könne und dass die chinesische Regierung, wenn sie die Begründung nicht stimmig finde, mit der Weihe des von ihr gewählten Kandidaten fortfahren werde (America 18.09.; AsiaNews 24.09.).
Da der Inhalt des Abkommens auch nach der Unterzeichnung nicht bekannt gemacht wurde, bleibt weiter völlig unklar, wie das vereinbarte Verfahren tatsächlich aussieht.

22. September 2018:
Heiliger Stuhl und Volksrepublik China unterzeichnen ein „vorläufiges Abkommen über die Ernennung von Bischöfen“ (关于主教任命的临时性协议)
Der Heilige Stuhl und China gaben die Unterzeichnung des Abkommens am gleichen Tag bekannt. Bei einem Treffen der Delegationen beider Seiten in Beijing unterzeichneten die jeweiligen „Vizeaußenminister“ – der Unterstaatssekretär für die Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Staaten, Msgr. Antoine Camilleri, und der stellvertretende chinesische Außenminister Wang Chao – das Dokument. Die sehr knappe Meldung auf der Website des chinesischen Außenministeriums benutzt nicht den Begriff „Heiliger Stuhl,“ sondern sprach von einem Abkommen mit dem „Vatikan“. Sie erklärt, dass beide Seiten die „Verbesserung der beidseitigen Beziehungen weiter vorantreiben“ werden. Das Kommuniqué des Heiligen Stuhls spricht von einer vorgesehenen „regelmäßigen Evaluierung seiner [d.h. des Abkommens] Umsetzung“ und von der „gemeinsamen Hoffnung“, dass dieses „positiv zum Leben der katholischen Kirche in China, zum Wohle des chinesischen Volkes und zum Frieden in der Welt“ beitragen werde.
Der Inhalt des Abkommens – d.h. auf welches Verfahren für künftige Bischofsernennungen man sich geeinigt hat – wurde und wird wohl auch in absehbarer Zukunft nicht bekanntgegeben; es gibt nur „durchgesickerte“ Hinweise darauf (siehe z.B. den Eintrag vom 18. September 2018 in dieser Rubrik). Seit Juni 2014 wurden wieder Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung geführt. 1958 wurden auf Druck der kommunistischen Regierung in China erstmals katholische Bischöfe ohne päpstliches Mandat geweiht.
Siehe Dokumentation und Informationen.

22. September 2018:
Das Presseamt des Heiligen Stuhls gibt die Anerkennung der sieben (bzw. acht) illegitimen chinesischen Bischöfe und die Errichtung der Diözese Chengde durch den Papst bekannt
Bis zu diesem Datum waren von den 64 Bischöfen der offiziellen Kirche in China sieben nicht vom Papst anerkannt, drei von ihnen waren ausdrücklich exkommuniziert. Wie das Presseamt in zwei Meldungen bekanntgab, hat Papst Franziskus entschieden, diese sieben und einen weiteren posthum „in die volle kirchliche Gemeinschaft aufzunehmen“. Es handelt sich um die Bischöfe Joseph Guo Jincai, Joseph Huang Bingzhang, Paul Lei Shiyin, Joseph Liu Xinhong, Joseph Ma Yinglin, Joseph Yue Fusheng, Vinzenz Zhan Silu und den 2017 verstorbenen Bischof Anton Tu Shihua. Die Erklärung lässt offen, ob sie auch (alle) als Diözesanbischöfe eingesetzt wurden. Gleichzeitig wurde die Errichtung der Diözese Chengde bekanntgegeben. Sie war 2010 offiziell durch die chinesische Regierung begründet worden, während Rom grundsätzlich weiter der ursprünglichen Einteilung der Diözesen von 1951 folgt. Der jetzt legitimierte Bischof Guo Jincai war im November 2010 ohne päpstliches Mandat zum Bischof von Chengde geweiht worden. Alle acht Bischöfe sollen den Papst schriftlich um Vergebung gebeten haben.
Siehe Dokumentation und Informationen.

22. September 2018:
Erklärungen von Kardinalstaatssekretär Parolin zum vorläufigen Abkommen: Ziel ist pastoral
Kardinal Parolin, der als Leiter des vatikanischen Staatssekretariats für die Verhandlungen mit China zuständig war, erklärte, dass das Ziel des Abkommens pastoral sei; es sollen Bedingungen geschaffen werden, dass die katholische Kirche in China „sich der Verkündigung des Evangeliums widmen kann“. Parolin betont, dass „heute [...] zum ersten Mal alle Bischöfe in China in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, mit dem Nachfolger Petri“ sind. Er spricht von der Notwendigkeit, gute Hirten zu haben, die vom Papst und von den legitimen zivilen Behörden anerkannt sind. Die katholische Gemeinschaft in China wird vom Papst zu konkreten Gesten der Versöhnung aufgerufen, so Parolin (siehe Wortlaut in der Dokumentation).
Die 36 vom Papst, aber nicht vom chinesischen Staat anerkannten Bischöfe im „Untergrund“ werden in keiner der Verlautbarungen hinsichtlich des vorläufigen Abkommens und der Anerkennung erwähnt.
Siehe Dokumentation und Informationen.

23. September 2018:
Äußerung eines Pressesprechers der offiziellen chinesischen katholischen Leitungsgremien zum vorläufigen Abkommen
Ein namentlich nicht genannter Pressesprecher der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung und der (offiziellen) Chinesischen katholischen Bischofskonferenz erklärte, dass beide Gremien das vorläufige Abkommen zwischen den „beiden Staaten China und de[m] Vatikan“ aufrichtig befürworteten, um im nächsten Absatz zu versichern, dass die chinesische katholische Kirche „am Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung“, an der Sinisierung und der Anpassung an die sozialistische Gesellschaft festhalten werde (siehe Wortlaut in der Dokumentation). Die Erklärung erschien schriftlich auf der Website der beiden Gremien.

25. September 2018:
Papst Franziskus äußert sich auf dem Rückflug von Tallinn zum vorläufigen Abkommen sowie zur Anerkennung der Bischöfe  – „Ich bin der Verantwortliche“
In der Pressekonferenz auf dem Rückflug von seiner Pastoralreise ins Baltikum würdigte der Papst seine Mitarbeiter bei den Verhandlungen mit China (namentlich nannte er Erzbischof Celli, Prälat Rota Graziosi und Kardinalstaatssekretär Parolin). Er betonte aber, dass er selbst verantwortlich sei für die Anerkennung der Bischöfe und für den Abschluss des Abkommens mit China. Zu den Bischofsernennungen sagte er, „es ist ein Dialog über die möglichen Kandidaten. [...] Aber die Ernennung ist Sache Roms; die Ernennung erfolgt durch den Papst, das ist klar.“ Der Papst sagte außerdem, er denke „an die Katholiken, die gelitten haben: es stimmt, sie werden leiden. Bei einem Abkommen gibt es immer Leid“ (siehe Wortlaut in der Dokumentation).

26. September 2018:
Botschaft von Papst Franziskus an die chinesischen Katholiken und an die universale Kirche
In dem Schreiben wendet sich erstmals seit dem Brief von Benedikt XVI. von 2007 wieder ein Papst ausführlich direkt an die katholische Kirche in China. Anlass des Schreibens sind das vorläufige Abkommen sowie die päpstliche Anerkennung der bislang illegitimen Bischöfe. Der Papst ist sich bewusst, dass sie einen „Wirbel an Meinungen“ hervorgerufen haben, der von Zweifel, Ratlosigkeit und der „schmerzliche[n] Frage nach dem Wert des Leidens, das man für die Treue zum Nachfolger Petri hinnehmen musste“, bis hin zu „positive[n] Erwartungen“ reicht. In 11 Punkten erläutert der Papst verschiedene mit dem Abkommen verbundene Ziele und Aspekte. Er ruft die katholische Gemeinschaft in China zur Überwindung von Spaltungen auf (6), wendet sich insbesondere an die katholische Jugend in China (8), an die universale Kirche (9) sowie an die Führer der Volksrepublik China (10) und schließt mit einem Gebet für die Kirche in China (siehe Wortlaut in der Dokumentation und die Informationen).

ab 3. Oktober 2018:
Erstmals nehmen zwei Bischöfe von Festlandchina an einer Versammlung der Weltbischofssynode in Rom teil
Bischof Guo Jincai von Chengde und Bischof Yang Xiaoting von Yan’an sind zur XV. Ordentlichen Generalversammlung der katholischen Bischöfe zum Thema Jugend (3.–28. Oktober) nach Rom gereist. Papst Franziskus hieß die „Mitbrüder im Bischofsamt aus Kontinental-China“ in seiner Predigt bei der Eröffnungsmesse willkommen und sagte, dank ihrer Präsenz sei „die Gemeinschaft des ganzen Bischofskollegiums mit dem Nachfolger Petri [...] nun noch stärker sichtbar“. Außer den beiden kurzfristig teilnehmenden Bischöfen ist aus Festlandchina eine Ordensschwester als Auditorin eingeladen – Sr. Teresina Cheng Chaoying von den Schwestern der Mutter Gottes in Daming (Hebei), derzeit zum Studium in Rom. Bischof Guo gehört zu den sieben am 22. September vom Papst legitimierten Bischöfen und ist Generalsekretär der offiziellen Chinesischen Bischofskonferenz (BiKo). Bischof Yang Xiaoting, 2010 mit päpstlicher und staatlicher Genehmigung geweiht, übt ebenfalls wichtige Funktionen in den offiziellen Gremien aus, er ist einer der Vizevorsitzenden der BiKo und leitet deren Kommission für die theologische Forschung. Er hat in Italien und den USA studiert. Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, hatte am 26. September bei einer Versammlung von Vertretern der Patriotischen Vereinigung und der BiKo bekanntgegeben, dass diese beiden die Erlaubnis zur Teilnahme an der Synode erhalten hätten. Am 1. Oktober bestätigte Kardinal Baldisseri, Generalsekretär der Synode, dass die beiden chinesischen Bischöfe „vom Papst eingeladen wurden, als Ergebnis des Abkommens, und die Einladung von der anderen Seite akzeptiert wurde“.
Die Erlaubnis Beijings, die beiden zur Synode reisen zu lassen, würde „auf einen positiven Wandel in Beijings Politik hindeuten“, so B. Cervellera in AsiaNews. Bisher hatte China die Teilnahme chinesischer Bischöfe an den Synoden nicht erlaubt: Papst Johannes Paul II. hatte 1998 die Bischöfe Duan Yinming und Xu Zhixuan (beide Diözese Wanxian) zur Asiensynode eingeladen, Papst Benedikt XVI. lud 2005 drei auch von der Regierung anerkannte Bischöfe (Bischof Li Du’an von Xi’an, Bischof Lukas Ly von Fengxiang sowie Bischof Jin Luxian (Shanghai) und einen Untergrundbischof (Bischof Wei Jingyi von Qiqihar) zur Vollversammlung der Bischofssynode ein; keiner der Eingeladenen durfte jedoch nach Rom reisen. Die Bischofssynode als ständige Institution wurde 1965 von Papst Paul VI. ins Leben gerufen (America 1.10.; AsiaNews 27.09.; 1.,3.10.; Vatican Insider 26.09.; vatican.va 3.10.; www.synod2018.va).
Zur Asiensynode 1998 vgl. China heute 1998, Nr. 2-3, S. 49-53, zur Vollversammlung der Bischofssynode im Jahr 2005 vgl. ebd. 2005, Nr. 4-5, Informationen, Nr. 6, Themen, S. 219-220.

Hongkong

24. Juni 2018:
Studie zu sexuellen Übergriffen in protestantischen Kirchen Hongkongs veröffentlicht
Bei der Online-Studie, die vom Hongkong­er Christenrat zwischen August letzten Jahres und diesem April durchgeführt wurde, gingen 55 Antworten von Kirchgängern ein. Es war die erste derartige Untersuchung innerhalb der protestantischen Kirchen Hongkongs. 35 der Antwortenden bezeichneten sich selbst als Opfer von sexuellem Fehlverhalten, 20 sprachen von betroffenen Freunden oder anderen betroffenen Kirchenmitgliedern. In einem von fünf Fällen wurde von Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung gesprochen. Bei 53 Fällen war der Beschuldigte ein Mann, bei 48 das Opfer eine Frau. Bei der Hälfte soll es sich um Übergriffe seitens Pastoren oder anderer Kirchenführer handeln. Die Studie zeige, dass sexuelle Gewalt in Kirchen immer weitergehe, so Jessica Tso Hiu-tung, assistierende Generalsekretärin des Christenrates und verantwortlich für die Studie, bei einer Pressekonferenz am 24. Juni (siehe South China Morning Post). Viele Opfer würden wegen des Machtgefälles keine Beschwerde einlegen. Die Kirchen würden zudem versuchen, alles zu vertuschen, was dem Image schade. Bei Fällen von Pastoren, die ein hohes Ansehen in ihren Gemeinden genießen, gebe es die Tendenz, den Berichten der Opfer nicht zu glauben. Tso drängte die Kirchen, Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe zu ergreifen und Pastoren, Kirchenführer und Mitglieder entsprechend zu schulen. Linda Wong Sau-yung, Geschäftsführerin von RainLily, einer Interessens- und Selbsthilfegruppe von Opfern sexueller Gewalt, sagte laut UCAN bei der Pressekonferenz, dass kircheninterne Untersuchungen nicht ausreichten; die protestantischen Kirchen sollten bei der Einrichtung eines unabhängigen Untersuchungsteams mitwirken.
Zwei Monate vor der Veröffentlichung der Studie war Pastor Ngai Lap-yin von der Brotherly Love Swatow Baptist Church in Tsz Wan Shan wegen sexueller Vergehen gegenüber Frauen in seiner Gemeinde aus dem Dienst entlassen worden (South China Morning Post 24.06.; UCAN 29.06.).

8.–12. August 2018:
Großes Taizé-Treffen in Hongkong
An dem ökumenischen asiatischen Jugendtreffen von Taizé zum Thema „Pilgerreise des Vertrauens und der Versöhnung“ nahmen ca. 2.700 junge Menschen aus 40 Ländern teil, vorwiegend aus Asien, aber auch Jugendliche aus anderen Kontinenten. Von den Jugendlichen war eine ganze Reihe aus Festlandchina angereist. Es war das erste Mal, dass solch ein Treffen in Hongkong stattfand. Neben ökumenischen Gebetsgottesdiensten, u.a. in der katholischen sowie der anglikanischen Kathedrale, gab es Workshops, Austausch sowie Besuche in verschiedenen religiösen Einrichtungen. Gastgeber waren die christlichen Kirchen in Hongkong. Ein Drittel der Teilnehmer waren Protestanten.
Die Gemeinschaft von Taizé hatte 2009 als „Ausdruck von Freundschaft“, so UCAN, eine Million Bibeln auf dem chinesischen Festland verteilt (Sunday Examiner 11.,18.08.; UCAN 27.08.; taize.fr 14.03.).

Taiwan

11. August – 10. September 2018:
Taiwan: Tourismus trotzt Geistermonat
Um die geschäftliche Flaute im „Geistermonat“ – dem 7. Monat des Mondkalenders, dieses Jahr vom 11. August bis zum 10. September – zu stoppen, versuchten die Tourismus-Unternehmen im 150 km südwestlich von Taipei gelegenen Sitou, mit abendlichen Veranstaltungen die bestehenden Tabus zu brechen.
Nach traditionellem chinesischem Glauben werden in dem Monat die Geister der Toten aus der Unterwelt freigelassen und begeben sich in menschliche Gefilde. Deshalb seien nach taiwanischer Tradition während dieser Periode manche Tätigkeiten wie Schwimmen, Reisen oder Fotos bei Hochzeiten zu unterlassen, bemerkte Tourismus-Direktor Wang Yuan-chung von Nantou. Aus diesem Grund belegten auch weniger Gäste die Hotels. Nun boten verschiedene Stellen nächtliche Veranstaltungen an, beim Sitou Pädagogischen Zentrum der Nationalen Taiwan-Universität konnten am 9. September die Sterne beobachtet werden; das Sitou Youth Activity Center offerierte vom 11. bis 29. August im Wald projizierte Lichtbilder-Shows. Wang schätzte diese kreativen Vorstöße zur Förderung des Reisetourismus.
Während die Tabus des Geistermonats vielerorts im Schwinden sind, bleibt in den Städten wie auf dem Land die Tradition des Opferns von Speisen und Papiergeld in den Häusern und besonders in den Tempeln ungebrochen bestehen. Willi Boehi

31. August 2018:
Erste Hinrichtung unter neuer Regierung
Der wegen Mordes an seiner Ex-Frau und ihrer sechs Jahre alten Tochter verurteilte 30-jährige Lee Hung-chi wurde am 31. August 2018 in einem Gefängnis durch Erschießen hingerichtet. Nach einem längeren Moratorium seit 2016 handelt es sich um die erste Vollstreckung eines Todesurteils unter der Administration von Präsidentin Tsai Ing-wen. Die Richter wiesen Lees Berufung zurück, da er keine Zeichen von Reue gezeigt und angedroht hatte, er werde nach Verbüßen der Gefängnisstrafe Rache an der Familie seiner Ex-Frau nehmen. Aus Kreisen der Richter verlautete, in diesem Fall nach den striktesten Vorschriften bezüglich der Verhängung der Todesstrafe vorgegangen zu sein.
Mitglieder der Taiwan Alliance to End the Death Penalty protestierten nach Bekanntgabe der Exekution und bedauerten sie als einen Schritt zurück für die Menschenrechte in Taiwan. Andere Menschenrechtsaktivisten stellten die Frage, ob sich die Regierung die Gunst der Öffentlichkeit für die Ortswahlen am 24. November erwerben wollte. Dies sei keine Lösung für die Probleme in der Gesellschaft.
Nach Umfragen befürworten etwa 80 Prozent der Bevölkerung Taiwans die Beibehaltung der Todesstrafe als Mittel zur Abschreckung und Verhinderung von Verbrechen. Momentan enthält die Liste der zum Tode Verurteilten 46 Namen. Mit einem Konsens in dieser strittigen Frage ist noch lange nicht zu rechnen. Willi Boehi

26. September 2018:
Biyun-Tempel ist kein Schrein kommunistischer Propaganda mehr
Wir berichteten in der letzten Ausgabe von China heute: „29. Mai 2018: Apple Daily Taiwan: Buddhistischer Tempel in ‚Kommunistische Basis‘ umgewandelt“. Es ging darum, dass der buddhistische Biyun-Tempel in Changhua, Taiwan, von Bauunternehmer und Oberst i.R. Wei Mingren in einen „Schrein“ für chinesisch-kommunistische Propaganda umgewandelt worden war. Die dort lebenden Nonnen hatten bei Wei einen Erweiterungsbau in Auftrag gegeben, und nach Problemen mit der Rechnungsbegleichung wurde ihm von einem taiwanischen Gericht die Anlage zugesprochen. Die Gebäude werden allerdings seit dem 26. September durch einen Beschluss des Magistrates von Ershui, Kreis Changhua, rückgebaut. Der Magistrat begründete seine Entscheidung damit, dass die Anbauten, die von Herrn Wei selbst durchgeführt und 2016 abgeschlossen wurden, illegal waren, da der ursprüngliche 96 Jahre alte buddhistische Tempel unter Denkmalschutz gestellt werden müsse und nur zu dem ursprünglichen Zweck, also für buddhistische Aktivitäten, genutzt werden dürfe, so berichtet die South China Morning Post. Die buddhistischen Nonnen sind nun ebenfalls traurig über die großangelegten Abrissarbeiten und hoffen, ihren Tempel später wieder zu der Größe nach der Erweiterung der Gebäude aufbauen zu können (China heute 2018, Nr. 2, Chronik, Taiwan, 29. Mai 2018; New York Times 19.09.; South China Morning Post 26.09.).

2. Oktober 2018:
Taiwan: Ausländische Missionare können Staatsbürgerschaft erwerben
Laut einer Meldung von AsiaNews vom 2. Oktober können ausländische Missionare und Missionarinnen, die in Taiwan arbeiten, die taiwanische Staatsbürgerschaft erwerben, ohne ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen. Dies sagte Präsidentin Tsai Ing-wen bei einem Treffen mit älteren katholischen Missionaren. Sie betonte, dass die Regierung die Bestimmungen für die Staatsbürgerschaft geändert habe, wovon Ausländer profierten, die einen Beitrag zur Nation geleistet hätten. Katholische Priester und Ordensschwestern hätten, so die Präsidentin, einen wichtigen Beitrag für die taiwanische Gesellschaft in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und weiteren sozialen Diensten geleistet und kümmerten sich um Frauen, ältere Menschen sowie Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Es sei an der Zeit, dass sich Taiwan für ihre jahrzehntelangen Dienste bedanke (AsiaNews 2.10.).

2. Oktober 2018:
Unterzeichner des sino-vatikanischen Abkommens auf Empfang der taiwanischen Botschaft im Vatikan
Anlässlich des Nationalfeiertages der Republik China am 10. Oktober hatte die taiwanische Botschaft im Vatikan am 2. Oktober zu einem Empfang eingeladen, an dem auch Msgr. Antoine Camilleri, Unterstaatssekretär für die Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Staaten und Unterzeichner des Abkommens zwischen China und dem Vatikan über die Bischofsernennungen vom 22. September 2018, teilnahm. Msgr. Camilleri gewann an dem Abend bei einer Lotterie den ersten Preis: einen Flug nach Taiwan. Botschafter Matthew S.M. Lee betonte laut einer Meldung von AsiaNews vom 3. Oktober in seiner Ansprache, dass das Abkommen eher auf religiöse Angelegenheiten denn auf diplomatische Fragen abziele. Er bezeichnete es als bedeutsames Abkommen, da die chinesische kommunistische Partei zum ersten Mal den Papst als Führer der Katholiken in China anerkenne und mit dem Dogma der Nichteinmischung des Auslands in die internen Angelegenheiten breche. Gleichzeitig betonte Lee, dass Beijing mit allen Mitteln versuche, Taiwan aus der internationalen Gemeinschaft auszuschließen. Aber mit der Hilfe der Partner weltweit werde sich Taiwan dem „Aufstieg der autokratischen autoritären Macht“ widersetzen (AsiaNews 3.10.; Taiwan News 4.10.).

Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith
Isabel Hess-Friemann
Gregor Weimar

mit Beiträgen von
Willi Boehi und Jan Kwee

Alle Quellenangaben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2018.

Nach oben scrollen