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Die Olympischen Spiele in Peking werden zu einem Kampf der Kulturen

von Anthony Lam, 23.04.2008

Weit ab der Erwartungen der meisten Menschen sind die friedlichen olympischen Spiele zum Fokus des Konflikts zwischen China und dem Westen geworden.

Vielleicht war das, was im März in Tibet passierte, nur ein Zufall; die Pekinger Regierung interpretierte es jedoch als eine Verschwörung gegen die Olympischen Spiele 2008. Daher fingen die Menschen an, den Konflikt in Tibet mit den Olympischen Spielen in Peking in Verbindung zu bringen. Die Reaktionen der chinesischen Regierung auf Tibet wurden zur Bedingung der westlichen Staaten, an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilzunehmen. Dann ist die Situation zu einem internationalen Problem geworden.

So wie der Heilige Vater im März sagte, dass wir nicht genug Information hätten, um zu beurteilen, was in Tibet vorgefallen ist, sollten alle Parteien für den Moment ruhig bleiben und jedwede gewalttätige Handlung vermeiden. Der beste Weg, Probleme zu lösen, ist immer der gewaltfreie Weg.

Als aber einige ausländische Staaten drohten, die Pekinger Spiele zu boykottieren, und als dies von den westlichen Medien noch angeheizt wurde, kochte der Zorn der Chinesen auf dem Festland und im Ausland über. Chinesen auf der ganzen Welt demonstrierten gegen die Voreingenommenheit des Westens. Die Frage wurde zum „Kampf der Kulturen“.

Als Chinese – um ehrlich zu sein – bin ich aufgebracht, wenn Leute vorschlagen, die Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. Einige westliche Medien schienen China und allem Chinesischen gegenüber feindlich eingestellt. Manche Kritiken waren [sind] recht einseitig und andere zeigten Frustration. Diese Art von Mentalität ist für alle schädlich, einschließlich der westlichen Journalisten selbst.

China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt. Das chinesische Volk verdient die Chance, die Olympischen Spiele auszutragen. Peking wurde 2001 vom Internationalen Olympischen Komitee ausgewählt. Die soziale Situation Chinas mag nicht für alle restlos befriedigend sein, dies rechtfertigt jedoch nicht, die Spiele zu boykottieren.

Einige Leute argwöhnten, dass die Demonstrationen von Studenten in verschiedenen chinesischen Städten von der Zentralregierung veranlasst wurden. Für mich ist diese Art von Verdächtigung jedoch gegenstandslos. Es ist gefährlich, die Zentralregierung Chinas zu beschuldigen, Studenten und andere Leute dazu veranlasst zu haben, gegen französische Unternehmen und die französische Regierung zu demonstrieren. Diese Art von Vereinfachung kann irreführend sein. Ich möchte einige Punkte zur Berücksichtigung hervorheben.

Zunächst einmal sollte man die Macht des Internets in China nicht unterschätzen. Obwohl es stark kontrolliert wird, kann es Studenten aufrütteln, um in China eine große Bewegung in Gang zu setzen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Zentralregierung dem Internet nicht vertraut. Sie weiß, dass sobald etwas durch das Internet in Gang gebracht wird, es unkontrollierbar wird. Aus diesem Grund stützt sich die Zentralregierung auch heute noch so sehr auf traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen.

Die Zentralregierung macht sich große Sorgen um jede Art von Studentenbewegungen in China. Die Studenten, die heute gegen die französische Supermarktkette Carrefour protestieren, könnten morgen gegen die Zentralregierung protestieren. Die Regierung in Peking weiß dies sehr genau. Dies ist der Grund, warum sie das Ausmaß der patriotischen Bewegung am Sonntag, dem 20. April 2008, herunterspielte.

Zudem sollten wir nicht die Unzufriedenheit unterschätzen, die das chinesische Volk gegen die westlichen Medien hegt. Es fühlt sich unverstanden und denkt, dass Ereignisse und Situationen, die in China stattfinden, von den westlichen Medien verzerrt [dargestellt] werden.

Wir sollten zudem nicht den Zorn der chinesischen Jugend übersehen. Sie leidet sehr auf unterschiedliche Weise, wie z.B. beim Konkurrenzkampf um weiterführende Bildung und bei der Arbeitssuche. Wenn ihr Zorn sich bis zu einem bestimmten Level anstaut, könnte er jederzeit explodieren.

Wenn das chinesische Volk provoziert wird, tendiert es dazu, denen gegenüber handgreiflich zu werden, die es provoziert haben. Ungeachtet dessen, ob es sich um Amerika, Japan oder andere Länder handelt. Momentan ist die generelle Abneigung gegen den Westen so heftig, dass jeder kleine Funken ein riesiges Feuer entfachen kann.

Der Meinung der Zentralregierung nach ist das, was China am nötigsten braucht, eine „harmonische“ Gesellschaft. Eine „harmonische“ Gesellschaft bedeutet eine „beständige“ Gesellschaft, und eine beständige Gesellschaft bedeutet, dass alles ruhig ist. Es gibt keinen Bedarf an extremem Patriotismus, nur an gut kontrolliertem Patriotismus.

Ich schreibe diese kleine Reflektion nur, um uns alle daran zu erinnern, dass die Situation in China sehr heikel ist und mit größter Vorsicht behandelt werden sollte. Andernfalls könnte es sehr wohl zu einem unerwarteten Zusammenprall kommen. 

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