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Bischof Shao Zhumin von Wenzhou seit über einem Monat verschwunden – nach dem deutschen Botschafter äußert nun auch der Vatikan seine große Sorge

(ChZ 27.06.2017) Der Vatikan hat sich nun ebenfalls zum Schicksal des verschleppten Bischofs Shao Zhumin geäußert. Wie die vatikanische Nachrichtenagentur Fides am 26. Juni meldete, sagte der Direktor des Presseamts des Heiligen Stuhls, Greg Burke, auf Fragen von Journalisten:

„Der Heilige Stuhl verfolgt die persönliche Situation von Bischof Peter Shao Zhumin von Wen­zhou mit großer Sorge, der seit nunmehr langer Zeit gezwungen wurde, seinen Bischofssitz zu verlassen. Die katholische Glaubensgemeinschaft der Diözese und die Angehörigen kennen weder die Gründe für die Entfernung noch den Ort, an dem er festgehalten wird. Diesbezüglich wünscht der Heilige Stuhl, mit großem Schmerz über diese und ähnliche Episoden, die den Weg der Verständigung leider nicht begünstigen, dass Bischof Peter Shao Zhumin so bald wie möglich in die Diözese zurückkehren kann und Garantien dafür, dass er sein Bischofsamt sorglos ausüben kann. Wir sind alle eingeladen, für Bischof Shao Zhumin und den Weg der Kirche in China zu beten.“

Bereits am 20. Juni hatte Michael Clauss, der deutsche Botschafter in Peking, in einem Statement auf der Website der Botschaft Besorgnis über die Behandlung von Bischof Shao Zhumin durch die chinesischen Behörden bekundet.

Bischof Shao Zhumin von Wenzhou seit über einem Monat verschwunden – Deutscher Botschafter in Peking äußert Besorgnis

(ChZ 21.06.2017) Bischof Shao Zhumin kehrte am 18. Mai 2017 von einem Besuch bei der Religionsbehörde nicht mehr nach Hause zurück, wie die katholischen Nachrichtenagenturen AsiaNews und UCANews übereinstimmend berichteten. Er wird seither an unbekannten Orten festgehalten. AsiaNews meldete am 19. Juni, dass ein Katholik den Bischof zufällig vor drei Tagen in Begleitung von Regierungsbeamten am Flughafen von Wenzhou gesehen habe. Jedoch sei der Bischof daraufhin nicht in die Diözese zurückgebracht worden, sondern werde weiter vermisst.

Bischof Shao Zhumin gehört der katholischen Gemeinschaft im „Untergrund“ an und ist von der Regierung nicht als Bischof anerkannt. Seit er automatisch die Nachfolge seines 2016 verstorbenen Vorgängers, Bischof Zhu Weifang, als Ortsbischof der Diözese Wenzhou in der Küstenprovinz Zhejiang angetreten hat, ist er insgesamt nun schon viermal unter Arrest gestellt oder aus seiner Diözese entfernt worden. AsiaNews äußerte die Vermutung, dass die Behörden mit diesen Maßnahmen erreichen wollen, dass Bischof Shao sich der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung und der offiziellen Chinesischen Bischofskonferenz anschließt. Beide Organe stehen unter Regierungskontrolle und sind von Rom nicht anerkannt. Die Diözese Wenzhou zählt laut AsiaNews etwa 130.000 Katholiken, von denen rund 80.000 der Gemeinschaft im „Untergrund“ angehören.

Seit Mitte 2014 verhandeln der Vatikan und Peking über das Problem der Bischofsernennungen in China. Dabei geht es auch um die sieben kirchenrechtlich illegitimen Bischöfe und die über dreißig von der Regierung nicht anerkannten Bischöfe im „Untergrund“.

Der deutsche Botschafter zeigte sich in seinem Statement außerdem besorgt darüber, dass einige im Entwurf für die Revision der „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ enthaltenen neuen Regelungen das Recht auf Religionsfreiheit weiter einschränken könnten. Der Revisionsentwurf wurde im September 2016 vom Staatsrat der Volksrepublik China zur Einholung öffentlicher Meinungen veröffentlicht, aber bisher nicht verabschiedet.

Der folgende Wortlaut des Statements von Botschafter Clauss ist der Website der Deutschen Botschaft in Peking entnommen:

STATEMENT BY AMBASSADOR CLAUSS ON RELIGIOUS FREEDOM

20.06.2017
I welcome China’s declared intention to achieve progress with regard to the Catholic Church. However, despite progress in this direction, we also see setbacks in guaranteeing religious freedom. One case of growing concern is the treatment of Bishop Shao Zhumin by the authorities. Since autumn last year he seems to have been forced to move to unknown locations no less than four times and now seems to have been confined to his home since his return. His full freedom of movement should be restored.

I am also concerned about a number of new rules in a draft regulation on religious affairs. If unchanged, they could place further restrictions on the right to freedom of religion and belief.

Quelle des Statements: www.china.diplo.de/Vertretung/china/de/__pr/2016/politik/190620Statement-pm.html, abgerufen am 20. Juni 2017.



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