Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. April bis 30. Juni 2010

3./4. April 2010:
3.000 Ostertaufen in der katholischen Kirche Hongkongs
In der Osternacht wurden in den Hongkonger Pfarreien über 3.000 Erwachsene getauft, deutlich mehr als in den letzten Jahren. Bischof John Tong dankte in seinem Osterhirtenbrief auch den 580 freiwilligen Katechisten der Diözese und lobte den Einsatz von über 1.000 Sonntagsschullehrerinnen und -lehrern. In Hongkong leben 350.000 Katholiken unter einer Bevölkerung von 6,8 Mio. (Asianews 6.04.2010; www.catholic.org.hk).
Auch in den Gemeinden in Festlandchina fanden wieder zahlreiche Ostertaufen statt, anders als in den letzten Jahren veröffentlichte Xinde (Faith) jedoch keine Gesamtzahl.

5. April 2010:
Gericht in Neu Delhi weist Klage von Dorje Shugden-Anhängern gegen Dalai Lama ab
Die Dorje Shugden Devotees’ Charitable and Religious Society hatte die Tibetische Zentralregierung [im Exil] und den Dalai Lama der Schikane und Misshandlung angeklagt. Das Gericht erklärte, die Beschuldigungen seien zu vage, um justiziabel zu sein. Fragen der religiösen Verehrung fielen nicht in die Zuständigkeit von Gerichten. Das Gericht erwähnte eine eidliche Erklärung der Angeklagten, der zufolge es den Mönchen überlassen bleibe zu entscheiden, ob sie sich der Shugden-Praxis anschließen wollten (tibet.net 20.04.).
Über die Verehrung der Gottheit Dorje Shugden, die der Dalai Lama als schädlich und sek­tie­rerisch ablehnt, wird im tibetischen Buddhismus seit langem eine heftige Kontroverse geführt (vgl. China heute 2006, Nr. 3, S. 67; 2007, Nr. 3, S. 67f.).

8. April 2010:
Bischof Matthias Du Jiang von Bameng wird offiziell in sein Amt eingesetzt
Der 1963 geborene Du war bereits 2004 insgeheim mit päpstlicher Ernennung zum Bischof geweiht worden, wurde aber erst jetzt von den Behörden als Bischof anerkannt (UCAN 8.,9.04. − siehe Beitrag in den Informationen dieser Nummer).

9. April 2010:
Zwei Mönche und ein ehemaliger Mönch des Klosters Kirti zu Haftstrafen verurteilt
Ein Gericht im Kreis Aba (tibet. Ngaba) in Sichuan verurteilte den Mönch Choedar wegen „Anführung von Protesten gegen die Regierung“ im Jahr 2008 zu 13 Jahren Haft. Der Mönch Gotsang Jamyang Phuntsok und der ehemalige Mönch Khomatsang Jigmey wurden wegen Kontakt mit „ausländischen separatistischen Kräften“ zu 6 bzw. 7 Jahren Haft verurteilt, wobei Ersterem außerdem „separatistische Aktivitäten“ und Letzterem „Weitergabe von Staatsgeheimnissen an ausländische Kräfte“ vorgeworfen wurden – wie das „Notfallkoordinationskomitee des Klosters Kirti“ meldete (Phayul 12.04.).

14. April 2010:
Erdbeben in Qinghai
Ein Erdbeben der Stärke 7,1 erschütterte den Autonomen tibetischen Bezirk Yushu in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai. Mindestens 2.200 Menschen wurden getötet, 12.000 verletzt und über 100.000 wurden obdachlos. Das buddhistische Kloster Thrangu wurde völlig zerstört, fast alle voll ordinierten Mönche des Klosters wurden getötet. Berichten zufolge wurde trotz großem Einsatz von Regierungskräften und Militär ein großer Teil der Rettungsarbeiten von tibetischen Mönchen geleistet. Auch Organisationen anderer Religionen beteiligten sich an den Hilfsmaßnahmen. Das Büro für religiöse Angelegenheiten in Beijing rief alle Religionsgemeinschaften Chinas zur Unterstützung der Opfer auf (Christian Post 11.05.; Tibet­InfoNet Update 26.04.; UCAN 4.05.)

18. April 2010:
Erste Bischofsweihe in China seit 2007
Der 47-jährige Paul Meng Qinglu wurde von Bischof Pei Junmin von Liaoning zum 7. Bischof von Hohhot (Innere Mongolei) geweiht. Die Weihe fand mit päpstlicher und behördlicher Genehmigung statt. Konzelebrierende Bischöfe waren Liu Shigong von Jining, Du Jiang von Bameng und Li Jing von Ningxia. Der Bischofssitz war seit 2005 vakant (UCAN 19.04. – siehe Beitrag in den Informationen).

21. April 2010:
Joseph Shen Bin wird zum Bischof von Haimen (Jiangsu) geweiht
Die Weihe des 40-jährigen fand mit päpstlicher und behördlicher Zustimmung statt. Die weihenden Bischöfe waren Fang Xinyao von Linyi, Lu Xinping von Nanjing und Xu Honggen von Suzhou, bei der Messe konzelebrierte ferner der nicht von Rom anerkannte Bischof Wang Renlei von Xuzhou. Shens Vorgänger, der nicht von Rom anerkannte Bischof Yu Chengcai, starb bereits 2006 (UCAN 21.04. – siehe Beitrag in den Informationen).

26. April 2010:
CHRD: Lage der Menschenrechtsverteidiger in China verschlechterte sich 2009
Dies stellt der Annual Report on the Situa­tion of Human Rights Defenders in China (2009) der Organisation Chinese Human Rights Defenders CHRD fest. Mehr Menschenrechtsverteidiger als in jedem einzelnen Jahr seit 1989 seien 2009 polizeilichen Befragungen, Hausarrest oder erzwungenen Reisen unterworfen gewesen, wobei sie in manchen Fällen stärker misshandelt worden seien als in früheren Jahren. Acht von ihnen konnten ihre Anwaltslizenz nicht erneuern. Auf Rechtsfragen spezialisierte NGOs gerieten verstärkt unter Druck. Bedrängt wurden auch die 303 Erstunterzeichner der „Charta 08“, die bis Ende 2009 von ca. 10.000 Personen unterschrieben wurde; einer ihrer Organisatoren, Liu Xiaobo, wurde am 24. Dezember 2009 zu 11 Jahren Haft verurteilt (www.chrdnet.org).
Am 21. April 2010 verschwand erneut der Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, der erst am 28. März d.J. nach 14 Monaten illegaler Verschleppung wieder aufgetaucht war (SCMP 28.05.; 13.06.).

30. April 2010:
Taiwan: Hinrichtungen beenden Moratorium zur Todesstrafe
Mit der Hinrichtung von vier Männern endete das in Taiwan seit Dezember 2005 bestehende Moratorium hinsichtlich der Vollstreckung von Todesurteilen (Taiwan aktuell 15.05.). Die Presbyterianische Kirche Taiwans sowie die Regionale katholische Bischofskonferenz in Taiwan verabschiedeten jeweils am 6. bzw. am 13. April d.J. Appelle zur Abschaffung der Todesstrafe (siehe Dokumentation).

Mai 2010:
Ohel Rachel-Synagoge in Shanghai für Sabbat-Gottesdienste geöffnet
Zum ersten Mal seit rund 60 Jahren finden in der 1920 erbauten Synagoge wieder regelmäßig Sabbat-Gottesdienste statt. Die behördliche Erlaubnis gilt zunächst bis zum Ende der Expo, die vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2010 in Shanghai stattfindet. Die internationale jüdische Gemeinde in Shanghai hat rund 2.000 Mitglieder und unterhält zwei jüdische Zentren (siehe www.chinajewish.org/; The Economist 27.10.).
Ebenfalls für die Zeit der Expo wurden orthodoxe Gottesdienste in der Kirche des hl. Nikolaus des Wundertäters erlaubt (siehe Beitrag in den Informationen).

8. Mai 2010:
Joseph Cai Bingrui wird zum Bischof von Xiamen geweiht
Die Diözese Xiamen war 19 Jahre ohne Bischof; der 1966 geborene Cai war seit 1996 Diözesanadministrator. Die Bischofsweihe fand mit päpstlicher und behördlicher Zustimmung statt. Hauptkonsekrator war Bischof Fang Xinyao von Linyi, anwesend waren ferner die Bischöfe Li Mingshu von Qingdao, Xiao Zejiang von Guiyang, Xu Honggen von Suzhou und (der von Rom nicht anerkannte Bischof) Zhan Silu von Mindong sowie der emeritierte Erzbischof von Taibei, Cheng Tsai-fa. (UCAN 10.05. – siehe Beitrag in den Informationen).

8./9. Mai 2010:
Maßnahmen gegen die Liangren-Kirche in Guangzhou
Pastor Wang Dao wurde am 8. Mai wegen „Versammlung einer Menge zwecks Störung der öffentlichen Ordnung“ verhaftet. Am 9. Mai wurde ein Sonntagsgottesdienst von der Polizei aufgelöst, den die Liangren-Kirche in einem Park abhielt, nachdem die Behörden ihr zuvor die Benutzung ihres regulären Treffpunkts verwehrt hatten. Den Berichten zufolge handelt es sich um eine v.a. aus jungen Akademikern bestehende protestantische Hauskirche. Wang Dao (eig. Wang Tongjiang) war früher wegen Beteiligung an den Studentenprotesten 1989 ein Jahr im Gefängnis. Im November 2009 sollen bereits zwei weitere Hauskirchen, die Shouwang-Kirche in Beijing und die Wanbang-Kirche in Shanghai, nach Restriktionen seitens der Behörden Gottesdienste in Parks abgehalten haben (SCMP 11.05.; www.chinaaid.org).

11. Mai 2010:
400. Todestag des Chinamissionars Matteo Ricci SJ (1552–1610)
Die Kirche in- und außerhalb Chinas gedachte des bedeutenden Pioniers der Chinamission der Jesuiten und des chinesisch-westlichen Dialogs. Am Todestag besuchte Bischof Li Shan von Beijing mit Vertretern der Diözese das Grab des Missionars in Beijing, die Diözese Shanghai rief ein Ricci-„Jahr“ aus und betete für die Seligsprechung des aus Shanghai stammenden katholischen Gelehrten-Beamten Xu Guangqi, der mit Ricci eng zusammenarbeitete (siehe Beitrag in den Informationen).

15./16. Mai 2010:
Mönche im tibetischen Kloster Wara festgenommen
Bei einer Razzia im Kloster Wara im Kreis Jiangda (tibet. Jomda) im Autonomen Gebiet Tibet wurden sechs Mönche verhaftet. Vier wurden beschuldigt, im Frühjahr 2008 Proteste im Kreis angestiftet zu haben, zwei weitere hochrangige Mönche sollen wegen Versagens bei der Durchführung „patriotischer Erziehung“ im Kloster verhaftet worden sein. Drei weitere Mönche des Klosters wurden im Juni ebenfalls wegen Anstiftung zu Protesten festgenommen (TCHRD 19.05.; VOT 12.06. nach TibetInfoNet).

24. Mai 2010:
Gebetstag für die Kirche in China
Katholiken in ganz China beteten an diesem Tag für die Kirche in ihrem Land. Papst Benedikt XVI. hatte das Fest „Maria Hilfe der Christen“ – mit Verweis auf ihre Verehrung im Marienheiligtum Sheshan in Shanghai – 2007 als jährlichen Gebetstag für China festgelegt. Auf dem Sheshan selbst ist seit 2007 die Zahl der Pilger stark gesunken, weil die Patriotische Vereinigung und die offizielle Bischofskonferenz den Gläubigen nahelegen, statt dem Sheshan regionale Marienschreine aufzusuchen, und überregionale Wallfahrten unterbunden werden. Auch weltweit wurde der Gebets­tag begangen (Asianews 24.05.; UCAN 29.04.; 24.05.).

29. Mai 2010:
Papstansprache zum 400. Todestag von Matteo Ricci
Papst Benedikt XVI. hielt diese Ansprache während der Audienz für eine Pilgergruppe aus den Diözesen der italienischen Region Marken, darunter die Heimatdiözese Riccis, Macerata (siehe Dokumentation).

30. Mai 2010:
Zwei Priester der Diözese Xuanhua (Hebei) festgenommen
Auf dem Weg in eine Gemeinde wurden die Untergrundpriester Wang Jianchen und Li De im Kreis Huai’an (Stadt Zhangjiakou) von der Polizei angehalten und „weggebracht“. Örtliche katholische Quellen vermuteten als Grund, die Behörden hätten von der kürzlich erfolgten Priesterweihe Li Des erfahren. Im letzten Jahr wurden vier Priester der Diözese Xuanhua festgenommen, von denen drei inzwischen freigelassen sind und einer sich weiter täglich bei den Behörden melden muss (UCAN 31.05.).

7./8. Juni 2010:
Katholische Kirche in Ordos von Behörden zerstört
In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni wurde die Dongsheng-Kirche in Ordos, Innere Mongolei, von einem 100-köpfigen Abrisstrupp völlig zerstört. Pfarrer Gao En und Gemeindeleiter Yang Yizhi, die den Abriss aufzuhalten versuchten, wurden abgeführt und 20 Stunden von der Polizei festgehalten. Die Gemeinde hatte zuvor einen Abrissbescheid erhalten, weil die 2009 registrierte Kirche einem Straßenbauprojekt weichen sollte, und hatte mehrfach erfolglos mit den Behörden verhandelt. Der neugeweihte Diözesanbischof Meng Qinglu von Hohhot beauftragte zwei Priester, den Vorfall zu untersuchen (UCAN 9.06.).

8. Juni 2010:
Regierung veröffentlicht erstes Weißbuch über „Das Internet in China“
Dem Weißbuch zufolge nutzten Ende 2009 in China 384 Mio. Menschen, das sind 29% der Bevölkerung, das Internet. China garantiere die Redefreiheit der Bürger und ihr Recht auf Information und Partizipation durch das Internet nach dem Gesetz. Gesetzlich verboten seien u.a. Inhalte, die die Staatsgewalt untergraben, die nationale Einheit unterminieren, die nationale Ehre und nationale Interessen verletzen oder zu ethnischem Hass oder Sezession aufrufen. Ferner fordert das Weißbuch den Schutz der „Internet-Souveränität Chinas“ (China Daily 9.06.).

9. Juni 2010:
China Daily meldet sprunghaften Anstieg der Syphilis-Infektionen
Nach Angaben des chinesischen Gesundheitsministeriums ist die Zahl der Syphilis-Infektionen in China von 1.982 im Jahr 1992 auf 306.381 im Jahr 2009 gestiegen, wodurch die Syphilis landesweit Rang drei in der Liste gefährlicher Infektionskrankheiten einnimmt. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Syphilis bei Neugeborenen. Die höchsten Infektionsraten finden sich in den Küstenprovinzen und in Xinjiang. Zurückgeführt wird das Wiederaufleben der Seuche auf die Öffnung Chinas Anfang der 1980er Jahre und die gestiegene Nachfrage nach käuflichem Sex bei reichen Geschäftsleuten und Wanderarbeitern.

21.–23. Juni 2010:
8. Nationalversammlung der Chinesischen daoistischen Vereinigung
Die rund 400 daoistischen Vertreter wählten den 165-köpfigen Vorstand der Vereinigung. Meister Ren Farong (geb. 1936) wurde zum Vorsitzenden wiedergewählt, unter den 14 Vizevorsitzenden sind zwei Frauen. Generalsekretär wurde Wang Zheyi. Die Versammlung verabschiedete u.a. eine Revision der „Statuten der Chinesischen daoistischen Vereinigung“, „Maßnahmen zur Besetzung leitender religiöser Ämter in daoistischen Tempeln und Klöstern“ (Daojiao gongguan zhuyao jiaozhi renzhi banfa 道教宫观主要教职任职办法) sowie „Maßnahmen für die Verwaltung daoistischer Tempel und Klöster“ (Daojiao gongguan guanli banfa 道教宫观管理办法) (www.taoist.org.cn).

24. Juni 2010:
Joseph Han Yingjin wird zum Bischof von Sanyuan geweiht
Der 52-jährige wurde von seinem emeritierten Vorgänger, Bischof Zong Huaide, mit Zustimmung des Papstes und der chinesischen Regierung in der Kathedrale von Sanyuan (Diözese Shaanxi) geweiht. Mitkonsekratoren waren die Bischöfe Dang Mingyan von Xi’an und Yu Runchen von Hanzhong, anwesend waren auch die Bischöfe Tong Changping von Weinan, Han Jide von Pingliang und Li Jing von Ningxia (UCAN 24.06.; siehe Beitrag in den Informationen).

28. Juni 2010:
KP Chinas meldet Zuwachs auf fast 78 Mio. Mitglieder
Nach Angaben eines Parteisprechers hatte die KP Chinas Ende 2009 insgesamt 77,995 Mio. Mitglieder. Davon sind 18,5 Mio. unter 35 Jahre alt, über 20% sind Frauen. Im Jahr 2009 stellten über 20 Mio. Personen einen Antrag auf Aufnahme in die Partei, rund 2 Mio. neue Mitglieder wurden aufgenommen (SCMP 28.06.; Xinhua 28.06.).

Juni 2010:
Offizieller Panchen Lama besucht Tibet
Nach Angaben von Xinhua hielt sich der von der chinesischen Regierung eingesetzte Panchen für eine Reihe „buddhistischer Ereignisse“ in Tibet auf, was seine jährliche Routine geworden sei. Nach Angaben der Einheitsfrontabteilung der regionalen KP segnete er innerhalb von 20 Tagen einer „Rekordzahl“ von 40.000 tibetischen Gläubigen durch Berühren des Kopfes. Er verbringe die meiste Zeit in Beijing, wo er den Buddhismus studiere (Xinhua 25.,28.06.).

Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2010.

Aus: China heute 2010, Nr. 2, S. 80-82.

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