Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Januar bis 31. März 2010

11. Januar 2010:
Religionsbüro erlässt Vorschriften zur Finanzüberwachung von Kultsstätten
Die „Maßnahmen (zur Probe) zur Überwachung und Verwaltung der Finanzen religiöser Versammlungsstätten“ Zongjiao huodong changsuo caiwu jiandu guanli banfa (shixing) 宗教活动场所财务监督管理办法(试行) wurden als Verordnung Nr. 7 des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten erlassen und traten am 1. März 2010 in Kraft (www.sara.gov.cn).

11. Januar 2010:
Primas der Anglikaner im Sudan kritisiert China
Erzbischof Daniel Deng, Primas der anglikanischen Kirche des Sudan, beschuldigte China, im Umgang mit Sudan nur seine wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen und dem Land zu schaden. Während eines Besuchs im Lambeth Palace in London sagte Deng, China sei es egal, ob im Sudan Krieg sei oder nicht, es trage nicht zur Versöhnung im Land bei. Im Jahr 2008 importierte China nach Angaben von Reuters (11.01.) sudanesisches Rohöl im Wert von 6,3 Mrd. US-Dollar.

12. Januar 2010:
Erdbeben in Haiti
Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, bei dem schätzungsweise 220.000 Menschen starben, riefen auch Religionsgemeinschaften in Festlandchina, Hongkong, Macau und Taiwan zu Spenden und Gebeten für die Opfer auf (s. Bericht in den Informationen dieser Nummer).

12. Januar 2010:
L’Osservatore würdigt verstorbenen Untergrundbischof
Der 1923 geborene Bischof Leo Yao Liang von Xiwanzi (Provinz Hebei) starb am 30. Dezember 2009. Die Vatikanzeitung L’Osservatore Romano schrieb in einem (unüblichen) Nachruf, Yao Liang sei wegen seiner Weigerung, der Bewegung für die Unabhängigkeit der Kirche beizutreten, 1956 zu Zwangsarbeit und 1958 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er wurde erst 1984 freigelassen, 2002 zum Bischof geweiht und 2006 noch einmal für 30 Monate inhaftiert. Nach seinem Tod hätten die Behörden den Katholiken nicht erlaubt, den Verstorbenen als Bischof zu ehren. „Für ihn, wie für die anderen sechs chinesischen Bischöfe, die 2006 gestorben sind, treffen die Worte aus dem Buch der Weisheit zu: Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand ...“, hieß es im L’Osservatore (11.–12.01.).
Die Diözesen Xiwanzi und Xuanhua wurden 1980 offiziell zur Diözese Zhangjiakou zusammengelegt, die beiden Untergrundgemeinschaften bestehen jedoch weiter (UCAN 6.01.2010).

14. Januar 2010:
Chinesisch Neujahr
In China beginnt nach dem traditionellen Mondkalender das „Jahr des Tigers“.

14. Januar 2010:
Papstgrüße zu Chinesisch Neujahr
Papst Benedikt XVI. grüßte am 14. Januar die Menschen in Asien, besonders in China und Vietnam, zum Neujahrsfest und wünschte ihnen die Bewahrung ihres „reichen Erbes spiritueller und moralischer Werte“ (UCAN 15.02.).

19. Januar 2010:
Katholische Universität von Macau eröffnet Verbindungsbüro in Beijing
Das Büro soll Kontakte in Festlandchina aufbauen und bei der Errichtung von Konfuziusinstituten außerhalb Chinas helfen. Bereits im Dezember 2009 wurde das 1996 gegründete Macau Inter-University Insti­tute in University of Saint Joseph umbenannt. Am 15. Dezember wurde der Grundstein für ein neues Universitätsgelände im Norden der Macau-Halbinsel gelegt. Es soll 2011 fertig werden und 2.200 Studenten sowie 800 College-Schülern Platz bieten (UCAN 18.12.2009; 28.01.2010).

22. Januar 2010:
TCHRD: Weniger tibetische Flüchtlinge erreichen Indien
Wie der am 22. Januar veröffentlichte Annual Report 2009 des Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD) in Dharamsala feststellt, ist die Zahl der tibetischen Flüchtlinge, die Indien erreichten, seit den Unruhen in Tibet im März 2008 dramatisch zurückgegangen. Während 2007 2.300 Tibeter im Auffanglager in Dharamsala eintrafen, seien es 2008 nur 627 gewesen und 2009 691. Das Zentrum führt dies auf Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Tibetern durch die chinesischen Behörden und verschärfte Kontrolle der Grenzgebiete zurück.
Der Bericht stellt u.a. auch fest, dass die Unterdrückung der tibetischen Klöster seit den Protesten vom Frühjahr 2008 intensiviert worden sei und die Zahl der Selbstmorde von Mönchen und Nonnen ständig steige (www.tchrd.org, nach Phayul 22.01.).

24. Januar 2010:
Ricci-Ausstellung im Vatikan endet
Die Ausstellung „Zu den Höhepunkten der Geschichte. Matteo Ricci (1552–1610): Zwischen Rom und Peking“ am Petersplatz im Vatikan stellte vom 30. Oktober 2009 bis zum 24. Januar 2010 Riccis Leben in Italien, seinen Weg über Indien nach Macau und seine Zeit in China vor. Das Komitee für die Feier des 400. Todestages Matteo Riccis hatte die Ausstellung zusammen mit der Diözese Macerata, den Vatikanischen Museen, dem Generalat der Jesuiten und der Gregoriana organisiert (Fides 30.10.; UCAN 29.10.).
Zu Ricci siehe auch den Beitrag in der Dokumentation dieser Nummer.

24. Januar 2010:
Bischof C. Giuliodori eröffnet Selig­sprechungsverfahren für Matteo Ricci
Der Bischof von Riccis Geburtsstadt Macerata leitete die erste Sitzung des diözesanen Tribunal für den Seligsprechungsprozess, das zunächst Zeugen anhören wird; außerdem wurde eine historische Kommission eingesetzt. Die Ergebnisse werden an die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse weitergeleitet. Das Kanonisierungsverfahren für Ricci war 1984 schon einmal eingeleitet worden und führte 1985 zur Zuerkennung des Titels „Diener Gottes“, wurde aber dann nicht weiterverfolgt (UCAN 25.01.).

26.–31. Januar 2010:
Gesandtschaft des Dalai Lama besucht VR China
Die Sondergesandten des Dalai Lama, Lodi Gyari und Kelsang Gyaltsen, sprachen mit Vertretern der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas (u.a. mit dem Direktor Du Qinglin) und mit Nima Ciren, dem Vizevorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Autonomen Gebiets Tibet. In einer Pressekonferenz des Staatsrats nach dem Besuch erklärte Zhu Weiqun von der Einheitsfront, der Dalai Lama solle die Geschichte respektieren, der Realität ins Gesicht sehen und seine Worte und Taten überdenken. Die Delegation habe keine Zugeständnisse hinsichtlich des bereits bei der letzten Gesprächsrunde (November 2008) vorgelegten „Memorandums für die Verwirklichung wahrer Autonomie für alle Tibeter“ gemacht.
Die Gesandten des Dalai Lama äußerten sich enttäuscht über das Ergebnis der Gespräche. Es war die neunte Gesprächsrunde; die Gespräche begannen 2002 (Kyodo 2.02.; PTI 25.01.; Xinhua 2.02.)

26. Januar bis 2. Februar 2010:
Weihbischof Ludger Schepers (Essen) in China
Der Weihbischof besuchte Shanghai und Hongkong, um sich über die Situation der katholischen Kirche in den beiden Metropolen zu informieren. Insbesondere wollte er die Seelsorge in den Gemeinden des Essener Partnerbistums Hongkong kennenlernen. Begleitet wurde er von Dr. Thilo Esser, Leiter der Zentralabteilung Weltkirche des Bistums Essen, sowie von P. Anton Weber SVD, Direktor des China-Zentrums in Sankt Augustin.

27. Januar 2010:
Gericht bestätigt Millionen-Steuerbescheid für Anglikaner
Die Anglikanische Kirche in Hongkong muss 180 Mio. HK$ (ca. 17 Mio. Euro) Steuern zahlen für Gewinne aus einer Luxus-Wohnanlage, zu der ein ehemaliges Waisenhaus der Kirche umgebaut worden war. Das Gericht argumentierte, die Kirche habe nicht bewiesen, dass die Gewinne für karitative Zwecke verwendet wurden (Ecumenical News International 5.02.)

Januar / Februar 2010:
Multireligiöses Zentrum für Asienspiele in Guangzhou fast fertig
Das Zentrum soll Sportlern und Betreuern verschiedener Religionen dienen. Während der Spiele stehen den internationalen Besuchern in Guangzhou zudem 26 Tempel und Kirchen sowie „zwei weitere Häuser für christliche Aktivitäten“ offen. Im Vorfeld der Spiele werden einige der Kultstätten mit Regierungsgeldern renoviert, darunter die 1890 erbaute katholische Kirche auf der Insel Shamian und die Bischofsresidenz. Die Asienspiele finden vom 12.–27. November 2010 in Guangzhou statt (Sports Features Communications 19.01.; UCAN 9.02.).

Januar / Februar 2010:
Kontroverse um China-Nummer der Zeitschrift 30Giorni
Die Nummer 12/2009 der katholischen Zeitschrift 30Giorni (www.30giorni.it) befasste sich mit der Rolle des Papstbriefes und der schwierigen Lage der Diözese Bao­ding nach der umstrittenen Entscheidung des früheren Untergrund-Weihbischofs (heute Koadjutor) An Shuxin, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, und setzte damit die von katholischen Medien im Herbst 2009 begonnene Debatte fort (vgl. China heute 2009, Nr. 4, S. 209f.). 30Giornis Verteidigung von Bischof An und Angriff auf Hongkongs Kardinal Zen löste wiederum Kritik aus; letztere sei kontraproduktiv und nütze nach dem Motto „teile und herrsche“ nur der KP Chinas, sagte z.B. Sr. Beatrice Leung, Spezialistin für sino-vatikanische Beziehungen (UCAN 2.,9.02.; s.a. Asianews 18.02.).
Vgl. auch das Interview mit Ren Yanli in der Dokumentation dieser Nummer.

1. Februar 2010:
Bischof Raymondus Wang Chonglin von Zhaoxian (Hebei) stirbt
Bischof Wang wurde im Mai 1921 geboren und 1950 zum Priester geweiht. 1957–1979 war er inhaftiert. 1983 wurde er im Untergrund geweiht und von Rom als Bischof von Zhaoxian anerkannt mit dem Mandat, das Gebiet von Weixian zu verwalten. 1988 ernannte ihn die Regierung zum Bischof der von ihr neu errichteten Diözese Xingtai, die Zhaoxian, Shunde und Weixian einschließt. Er setzte sich besonders für die Ausbildung von Priestern und Schwestern ein. Als sein 2006 eingesetzter Nachfolger Bischof Jiang Mingyuan (1931–2008) 2007 aus Gesundheitsgründen zurücktrat, übernahm Bischof Wang das Amt erneut bis zu seinem Tod. An seiner Beerdigung am 8. Februar nahmen über 20.000 Gläubige teil (Asianews 3.,8.02.).

1.–3. Februar 2010:
8. Nationalversammlung der Chinesischen Buddhistischen Vereinigung
Die 8. Nationalversammlung, das alle 5 Jahre tagende höchste Gremium des offiziellen Buddhismus in China, wählte in Beijing turnusmäßig einen neuen Vorstand. Neuer Vorsitzender ist Meister Chuanyin (geb. 1927), der bisher nicht im Vorstand vertreten war. Die 25 stellvertretenden Vorsitzenden sind meist Mönche, nur etwa vier sind Laien. Unter den 25 sind sechs Tibeter (darunter erstmals der 19-jährige offizielle 11. Panchen Lama), zwei Dai, ein Mongole und eine Frau (Nonne). Vizevorsitzender Meister Xuecheng ist Assistent des Vorsitzenden. Der Generalsekretär Wang Jian ist ein Laie (special.fjnet.com/fxh/index.html).
Nach Angaben der Hongkonger Zeitung Ming Pao (1.02.) hat der neue Vorsitzende Chuanyin im Jahr 1989 zusammen mit Jinghui, einem der Vizevorsitzenden, 120 Mönche zur Unterstützung der streikenden Studenten auf den Tian’anmen-Platz geführt.

3. Februar 2010:
Katholische Diözese Hongkong verliert im Schulprozess
In zweiter Instanz verlor die Diözese als größter Schulträger in Hongkong ihre Klage gegen das Education (Amendment) Ordinance von 2004. Das Gesetz verpflichtet private Schulen, die staatlich subventioniert werden, bis Juli 2011 eingetragene Schulverwaltungsräte zu bilden, die zu mindestens 40% aus gewählten Vertretern der Eltern, Lehrern und Absolventen bestehen müssen und rechtlich für die Leitung der Schule verantwortlich sind. Die Diözese fürchtet um die katholische Identität der Schulen. Das Urteil betrifft auch andere Schulen in religiöser Trägerschaft. Die katholische und die protestantischen Kirchen stellen et­wa die Hälfte der Schulen in Hongkong. (UCAN 3.02.; SCMP 4.02.).
Vgl. China heute 2004, Nr. 4-5, S. 136f., 145-148; 2007, Nr. 3, S. 91f.

4. Februar 2010:
Ningxia plant islamische Bank
Xinhua meldete unter Berufung auf einen örtlichen Regierungsvertreter, dass das Autonome Gebiet Ningxia der muslimischen Hui-Nationalität die Gründung einer „internationalen“ islamischen Bank vorantreiben wird, um Investitionen aus den arabischen Staaten anzuziehen. Am 24. Dezember 2009 hatte die Bank of Ningxia als erste Bank Chinas ein Pilotprojekt für Islamic Banking gestartet (Xinhua 4.02.2010; www.2muslim.com, 25.12.2009)

4. Februar 2010:
Falungong veröffentlicht Opferliste
Das Falun Dafa Information Center veröffentlichte eine Liste von 96 Falungong-Anhängern, die im Jahr 2009 durch Misshandlung in der Haft zu Tode kamen. Seit 1999 habe das Zentrum die Tode von insgesamt 3.352 Falungong-Anhängern dokumentiert, die tatsächliche Zahl sei vermutlich beträchtlich höher, heißt es in dem Bericht (faluninfo.net).

5. Februar 2010:
Webseite der Minzu-Universität warnt Studenten vor Oxfam
Entsprechende Meldungen, die dem Erziehungsministerium zugeschrieben werden, erschienen auch auf anderen Hochschulwebseiten. Darin wurden Studierende davor gewarnt, an Trainingsprogrammen von Oxfam Hongkong teilzunehmen, das als „illegale Organisation mit niederen Motiven“ bezeichnet wurde. Beobachter führten dies darauf zurück, dass Oxfam Freiwilligenprogramme für Studenten in NGOs in sensiblenen Bereichen anbiete. Auch der große Umfang der Tätigkeit von Oxfam in China könnte eine Rolle spielen. Oxfam ist seit 24 Jahren in China tätig.
Mindestens 2.000 nicht-registrierte ausländische NGOs arbeiten in Festlandchina, sagten Fachleute in der South China Morning Post (26.02.). Die Regierung heiße internationale NGOs tendenziell willkommen, wolle sie jedoch unter Kontrolle halten.

6. Februar bis 20. März 2010:
Ricci-Ausstellung im Hauptstadt­museum in Beijing
Die Ausstellung mit dem Titel „Matteo Ricci. Incontro di civiltà nella Cina dei Ming“ wird auch in Shanghai (2. April bis 23. Mai, d.h. teilweise während der Expo) und in Nanjing (4. Juni bis 25. Juli) gezeigt (siehe den Bericht über die Expo).Über die Beijinger Ausstellung wurde auch in chinesischen Medien wie Xinhua und CCTV berichtet.

8. Februar 2010:
Katholik wird einer der „10 Menschen, die China 2009 bewegten“
Der 71-jährige Bauer Wang Ping’an aus Xiaodian (Shahe, Provinz Hebei) wurde für die jährlich vom staatlichen Fernsehen CCTV, der Volkszeitung und Xinhua nach Internetbefragung vergebene Anerkennung ausgewählt, weil er im Lauf von 23 Jahren rund 100 obdachlose oder behinderte alte Menschen aufgenommen und 63 von ihnen bis zum Tod begleitet hat (chinacatholic.org, 7.02.; Fides 8.02.)

10. Februar 2010:
Religionspolitisches Dokument zur sozialen Absicherung des religiösen Personals
Die „Ansichten über geeignete Lösungen für die Frage der Sozialversicherung religiöser Amtsträger“ (Guanyu tuoshan jiejue zongjiao jiaozhi renyuan shehui baozhang wenti de yijian 关于妥善解决宗教教职人员社会保障问题的意见) wurden vom Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten sowie von vier weiteren Ministerien (für Personalressourcen und Sozialversicherung, für Finanzen, für Zivilverwaltung und für Gesundheit) herausgegeben. Behandelt wird die Frage der Aufnahme (registrierten) religiösen Personals in staatliche soziale Sicherungssysteme bezüglich minimaler Grundsicherung, Krankheit und Alter. Die zuständigen Behörden auf Provinzebene sollen bis Ende 2010 konkrete Durchführungsbestimmungen festlegen.
Das auf 10. Februar datierte Dokument wurde im Juni auf der Webseite des Religionsbüros eingestellt (www.sara.gov.cn).

13. Februar 2010:
Vatikan ernennt seinen Vertreter in Hongkong zum Nuntius für Madagaskar
Der 51-jährige Msgr. Eugene Nugent war seit 2001 Leiter der Studienmission des Heiligen Stuhls in Hongkong und als solcher auch für die Kommunikation zwischen der Kirche in Festlandchina und dem Heiligen Stuhl zuständig. Nugent wurde vor Antritt seines neuen Amtes am 18. März in Rom zum Erzbischof geweiht.  Sein Nachfolger in Hongkong ist Msgr. Ante Jozic. Jozic, ein Kroate, war vorher an der Nuntiatur in Moskau tätig (UCAN 15.02.; Asianews 22.02.; 22.03.; The Bankok Post 2.03.).

16. Februar 2010:
Ricci-Dokumentarfilm am Sitz der UNESCO in Paris gezeigt
Die Vorführung fand im Vorfeld des von der UNESCO ausgerufenen Internationalen Jahrs für die Annäherung der Kulturen statt; Kardinal Rylko, Präsident des Päpstlichen Rats für die Laien, hielt dabei einen Vortrag über Ricci und den Dialog zwischen Glauben und Kultur.
Der italienische Dokumentarfilm „Matteo Ricci. Ein Jesuit im Reich des Drachens“ des Regisseurs Gjon Kolndrekaj erschien im März d.J. in 6 weiteren Sprachen (darunter Chinesisch und Deutsch). An seiner Welt-Vorpremiere am 18. Juni 2009 nahmen hochrangige Vertreter des Vatikan und der Chinesischen Botschaft in Rom teil.

28. Februar 2010:
Panchen Lama wird Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz
Der offizielle, von der chinesischen Regierung eingesetzte 11. Panchen Lama Gyaltsen Norbu wurde zum Mitglied des Nationalkomitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes ernannt. Am 3. März gab er mit seiner erstmaligen Teilnahme an einer Sitzung der Konferenz sein „Debut in der politischen Arena Chinas“ (Xinhua 28.02., 4.03.).

1. März 2010:
Leitartikel in 13 chinesischen Zeitungen fordert Abschaffung des hukou-Systems
Der Leitartikel erschien kurz vor den jährlichen Sitzungen der Politischen Konsultativkonferenz und des Nationalen Volkskongresses und rief die Abgeordneten auf, sich für eine Reform des 1958 eingeführten hukou-Systems einzusetzen. Es schränkt die freie Migration im Land ein, besonders vom Land in die Städte. Das System sei verfassungswidrig und verletze die Menschenrechte, hieß es in dem Leitartikel; es führe zu unfairem Wettbewerb zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Unter den 13 Zeitungen waren Jingji guancha bao in Beijing, die den Artikel initiierte, und Nanfang zhoumo in Guangzhou. Der Autor des Leitartikels wurde entlassen.
Das hukou-System wirkt sich auch auf die Katholiken stark aus, da ca. 80% von ihnen zur Landbevölkerung gehören (South China Morning Post 2.03.; UCAN 11.03.)

1. März 2010:
Vorschriften für ausländische Spenden an chinesische Organisationen treten in Kraft
Demnach müssen einheimische Organisationen Spenden in ausländischer Währung über eigens eingerichtete Devisenkonten abwickeln, wobei jeder Spendeneingang (oder -ausgang) unter Vorlage von durch die jeweilige Bank zu überprüfender Dokumente beantragt werden muss. Für Spenden an religiöse Organisationen im Wert von über 1 Mio. RMB muss eine Zustimmung der Religionsbehörden vorgelegt werden. Das „Circular of the SAFE on Rel­evant Issues Concerning the Administration of Donations in Foreign Exchange by Domestic Institutions“ (Guojia waihui guan­liju guanyu jingnei jigou juanzeng waihui guanli youguan wenti de tongzhi 国家外汇管理局关于境内机构捐赠外汇管理有关问题的通知) wurde vom Staatlichen Devisenkontrollbüro (SAFE) am 25. Dezember 2009 erlassen. Eine chinesische und eine englische Version des Dokuments finden sich unter www.safe.gov.cn.
Berichten zufolge ist durch die neuen Vorschriften der Zugang zu ausländischen Mitteln für NGOs teilweise stark erschwert worden (vgl. SCMP 28.05.).

1. März 2010:
Vorstand des Nanjing Union Theological Seminary beschließt neue Leitung
Pfarrer Gao Feng, der Vorsitzende des Chinesischen Christenrats, wurde zum Präsidenten des zentralen theologischen Seminars der protestantischen Kirche ernannt. Er tritt damit die Nachfolge des 95-jährigen Bischofs K.H. Ting (Ding Guangxun) an, der das Seminar jahrzehntelang leitete. Auch andere Leitungspositionen wurden neu besetzt (www.ccctspm.org 3.04.; siehe Beitrag in den Informationen).

2. März (Rom), 4.–6. März 2010 (Macerata):
Konferenz „Wissenschaft, Vernunft, Glaube. Der Genius des P. Matteo Ricci“
Der erste Teil der Konferenz an der Gregoriana in Rom befasste sich mit „Matteo Ricci, von den Chinesen geformt“, der zweite Teil, organisiert u.a. von der Diözese Macerata und dem Generalat der Jesuiten, mit verschiedenen Aspekten des Hauptthemas. Papst Benedikt XVI. würdigte in einem von Staatssekretär Kardinal Bertone unterzeichneten Telegramm die Konferenzteilnehmer in Macerata für ihren Beitrag zur Bekanntmachung von Riccis außerordentlichem kulturellem und wissenschaftlichem Werk (Fides 2.03.; Zenit 9.03.; www.diocesimacerata.it).

7. März 2010:
Gouverneur von Xinjiang: „Dutzende“ Todesurteile wegen Unruhen vom Juli 2009
In einer Pressekonferenz sagte Nur Bekri, 198 Personen sei der Prozess gemacht worden, die Zahl werde noch steigen. „Dutzende“ seien zum Tode verurteilt worden, die Zahl der Hinrichtungen nannte er nicht. Ende Januar sprach BBC von mindestens 25 Todesurteilen und 9 Hinrichtungen. Bei den gewaltsamen Unruhen in Urumqi am 5. Juli 2009 kamen nach offiziellen Angaben 197 Menschen ums Leben (vgl. China heute 2009, Nr. 3, S. 141-145).
Bekri sagte auch, in Xinjiang sei der Zugang zu 31 gebilligten Webseiten wiederhergestellt worden. Nach den Unruhen legten die Behörden in dem Gebiet Internet, SMS-Dienste und Auslands-Telefonverbindungen für Monate still, um die Verbreitung weiterer Proteste zu verhindern. Dem Menschenrechtsbericht 2009 des US State Department zufolge wurde die schwere kulturelle und religiöse Unterdrückung der ethnischen Minderheiten in Xinjiang verstärkt (AFP 11.03.; AP 7.03.; BBC 26.01.).

7. März 2010:
Taiwans Präsident ruft zu mehr religiösem Austausch mit dem Festland auf
Bei einer Zeremonie im Zhongtai-Chan-Kloster in Zentraltaiwan sagte Ma Yingjiu, die Buddhisten in China könnten von den buddhistischen Gruppen in Taiwan lernen. Letztere hätten durch ihr Engagement in der Sozialarbeit, durch die Förderung von Freiwilligendiensten und der Gleichberechtigung der Geschlechter (insbesondere durch gut ausgebildete Nonnen!) sowie ihr Unternehmertum viel zur Entwicklung Taiwans beigetragen. Der Buddhismus sei in Taiwan zu einer bewegenden Kraft geworden, wie es sie in der chinesischen Religionsgeschichte selten gegeben habe. Dies sei auch den bürgerlichen Freiheiten und der Demokratie in Taiwan zu verdanken. 5,5 Mio. Taiwanesen (über ein Viertel der Bevölkerung) sind Buddhisten (CNA 7.03.).

11. März 2010:
Taiwans Justizministerin tritt wegen Differenzen über Todesstrafe zurück
Justizministerin Wang Ching-feng hatte am 10. März gesagt, sie werde bei keinem der 44 zum Tod Verurteilten die Vollstreckung des Urteils unterzeichnen, solange sie im Amt sei. Dafür war sie vom Sprecher des Präsidialbüros kritisiert worden, weil die Todesstrafe in Taiwan immer noch gesetzlich verankert ist. Die letzte Hinrichtung in Taiwan fand 2005 statt (Taiwan aktuell 15.03.).

22.–24. März 2010:
China-Kommission tagt im Vatikan
Die von Papst Benedikt 2007 eingesetzte Kommission zum Studium wichtiger Fragen des Lebens der katholischen Kirche in China befasste sich in ihrer jährlichen Sitzung u.a. mit der Formation von Priestern und Ordensleuten sowie der Versöhnung und Einheit innerhalb der Kirche. Einer Erklärung zufolge, die das Presseamt des Heiligen Stuhls am 25. März herausgab, hoffen die Teilnehmer der Kommission, dass alle Bischöfe in China Gesten vermeiden, die der Einheit mit dem Papst zuwiderlaufen und in ihren kirchlichen Gemeinschaften teilweise zu schweren Konflikten führen. Sie äußerten ferner Hoffnung auf einen respektvollen und offenen Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl und China und erklärten ihre Teilnahme am Gebet für diejenigen Bischöfe und Priester, die ihrer Freiheit beraubt sind (Vatican Information Service 25.03.)

26. März 2010:
Japanisch-koreanische Friedensmesse in China
Anlass war der 100. Jahrestag der Hinrichtung des koreanischen Freiheitskämpfers und Katholiken Thomas An Jung-geun. Bischof Ri Iong-hoon von Suwon (Südkorea) zelebrierte die Messe zusammen mit zwei japanischen Bischöfen, Erzbischof Takami Mitsuaki von Nagasaki und Bischof Tani Daiji von Saitama, in der katholischen Kirche von Dalian in der nordostchinesischen Provinz Liaoning. In Dalian war Thomas An Jung-geun am 26. März 1910 hingerichtet worden, nachdem er am 26. Oktober 1909 in Harbin ein tödliches Attentat auf Itō Hirobumi verübt hatte, den ersten Generalgouverneur in Korea nach der Errichtung des japanischen Protektorats und ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten. Bischof Tani bat die Menschen Chinas, Koreas und aller Nationen Asiens um Vergebung wegen des durch die japanische Invasion und Kolonialpolitik zugefügten Leids. Dabei bezog er sich auf frühere Erklärungen der japanischen Bischöfe. Bischof Ri erläuterte Ans Vision eines Friedens in Ostasien und verwies auf die aktuelle Bedrohung des Friedens auf der koreanischen Halbinsel (UCAN 30.03.).

März 2010:
Priester in Fujian wegen Jugendlager inhaftiert
Sieben Untergrundpriester der Diözese Mindong organisierten vom 28. Januar bis 6. Februar 2010 zwei Treffen für 300 Studenten, die sie weiterführten, obwohl die Polizei am 3. Februar ihre Beendigung anordnete. Priester Luo Wen wurde am 3. März in 15-tägige Adminstrativhaft im Haftzentrum von Fu’an genommen, am 19. März wurde Priester Liu Maochun für 15 Tage inhaftiert, zwei weitere Priester haben eine Haftankündigung erhalten. Alle sieben wurden zudem zu einer Strafe von je 500 Yuan verurteilt. Sie wurden der „illegalen Versammlung“ beschuldigt (UCAN 11.,23.03.).

Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben beziehen sich, wenn nicht anders vermerkt, auf das Jahr 2010.

Aus: China heute 2010, Nr. 1, S. 13-16.

Teilen Sie diesen Artikel

Nach oben scrollen