Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli bis 30. September 2010

1.–4. Juli 2010:
„Studiensitzung“ für katholische Führer
Unter den rund 50 Teilnehmern der von der Einheitsfrontabteilung der KPCh und dem Religionsbüro organisierten Sitzung in Beijing waren 28 Bischöfe der offiziellen Kirche unter 60 Jahren, 14 Bischofskandidaten sowie Laien. Sie hörten Vorträge über die staatliche Religionspolitik, über Vorschriften für die Teilnahme an Aktivitäten außerhalb ihrer Diözesen (!) und über die Lage der Kirche in China. Der Vizevorsitzende der Patriotischen Vereinigung, Liu Bainian, dementierte auf Nachfrage, dass die Sitzung der Vorbereitung der mehrfach verschobenen 8. Nationalversammlung der chinesischen Katholiken diene; diese werde aber „definitiv dieses Jahr“ stattfinden, auch wenn der Termin noch nicht feststehe (UCAN 7.07.).

4. Juli 2010:
Offizieller Panchen Lama bestimmt Reinkarnation des 5. Lebenden Buddha Dezhub per Los
Der Direktor des Komitees für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Regierung des Autonomen Gebiets Tibet (AGT), Losang Jigme, stand der Zeremonie im Jokhang-Tempel in Lhasa vor, verlas die Regierungserlaubnis für die Abhaltung der Zeremonie und verkündete, nachdem der offizielle (von der Regierung, nicht vom Dalai Lama anerkannte) 11. Panchen Lama das Los aus der Goldenen Urne gezogen hatte, den Namen des Ausgelosten. Zuvor hatte ein Suchtrupp zwei Kandidaten ermittelt. Wie ein Bericht des China Tibet Information Center betonte, verkörperte die Zeremonie vorbildlich die „strikte Umsetzung der religiösen Praxis und der ‚Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus‘“. Der 2005 geborene Losang Doje wird nach seiner Approbation durch die Regierung des AGT offiziell der 6. Lebende Buddha Dezhub. Sein Vorgänger verstarb bereits im Jahr 2000 (eng.tibet.cn/news/today/201007/t20100704_601447.htm).

4.–13. Juli 2010:
Bischof von Riccis Geburtsort in China
Im Juli geleitete Bischof Claudio Giuliodori von Macerata, dem Geburtsort des Chinamissionars Matteo Ricci SJ, anlässlich dessen 400. Todestages eine 200-köpfige Delegation nach Macau, Hongkong und in die Volksrepublik China. Stationen in der Volksrepublik waren Kanton, Shanghai, Xi’an und Beijing. Ein Höhepunkt bildete der Besuch des Grabes von Matteo Ricci auf dem Shala-Friedhof in Beijing (Sunday Examiner 18.07.; The Tablet 10.07.).

5. Juli 2010:
Brief von Kardinal Ivan Dias an die Bischöfe und Priester in Festlandchina
Bezugnehmend auf das kurz zuvor beendete Priesterjahr nahm Kardinal Dias, Präfekt der päpstlichen Kongregation für die Evangelisierung der Völker, in seinem auf den 5. Juli datierten, aber erst am 29. Juli publizierten Brief die Rolle des Priesters als Ausgangspunkt seiner Ausführungen. Er schrieb u.a., ein Priester habe die wichtige Aufgabe, „Operator der Einheit innerhalb der Kirche“ zu sein. Dias sprach anerkennend von „schon vollendeten oder noch andauernden“ Bemühungen der chinesischen Priester und Bischöfe um die Einheit und versicherte sie, dass der Papst sie und alle ihnen Anvertrauten segne und „Euch drängt, ohne Furcht auf dem Weg der Heiligkeit, Einheit und Gemeinschaft weiterzugehen, wie es die Generationen vor Euch getan haben“ (Fides 29.07.2010).

6. Juli 2010:
Priester und Schwester in Ningxia ermordet
Der 55-jährige Priester Joseph Zhang Shulai, Generalvikar der Untergrunddiözese von Ningxia, und die 32-jährige Schwester Maria Wei Yanhua wurden am 6. Juli von Zhang Weiping, einem früheren Seminaristen, in ihrer Arbeitsstätte, dem Aixin-Altenheim in Wuda, Wuhai, erstochen. Schwester Wei aus der Inneren Mongolei war Leiterin des Altenheimes, in dem 60 alte Menschen untergebracht sind. Priester Zhang stammte aus der Diözese Xianxian, war jedoch seit 20 Jahren in der Inneren Mongolei tätig. 1.000 Gläubige nahmen am Requiem für die beiden Ermordeten teil. Priester Wang Zeyi, der der Messe vorstand, rief zu Vergebung und Gebet für den Mörder auf. Die Untergrundkirche von Wuda wird von Bischof Joseph Ma Zhongmu von Ningxia geleitet. Die offizielle Kirche von Wuhai untersteht der Diözese Bameng. Ihr offizieller Bischof, Matthias Du Jiang, nahm nicht an dem Begräbnis teil, legte jedoch vor der Beerdigung in der Kirche von Wuda Blumen nieder und überbrachte der Gemeinde seine Beileidsgrüße. Nach Ansicht von Untergrundpriestern hat das tragische Unglück die Einheit zwischen Mitgliedern des Untergrundes und der offiziellen Kirche gestärkt (Asianews 6.,12.07.).

7. Juli 2010:
Bischof Julius Jia Zhiguo von Zhengding nach 15 Monaten aus Haft entlassen
Nach seiner Freilassung betonte Bischof Jia gegenüber Gemeindemitgliedern, dass er nicht der Patriotischen Vereinigung beigetreten sei. Der Untergrundbischof war in der Vergangenheit schon öfter für einige Monate in Haft gehalten worden. Die jüngste Haft sahen Quellen von Asianews (8.07.) als Versuch, die vom Vatikan angestrebte Versöhnung der Kirche in Hebei zu unterminieren, da Bischof Jia begonnen habe, mit dem offiziellen Bischof von Shijiazhuang, Jiang Taoran, zusammenzuarbeiten. Kardinal Ivan Dias, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, äußerte am 13. Juli in einer von Fides veröffentlichten Botschaft an Bischof Jia seine Freude darüber, dass dieser „an seinen [Bischofs-] Sitz zurückgekehrt“ sei.

10. Juli 2010:
5. katholische Bischofsweihe in China in diesem Jahr
Die Weihe des 75-jährigen Anton Xu Zhiwei zum Bischof von Taizhou (Provinz Zhe­jiang) fand mit päpstlicher und behördlicher Genehmigung statt. Hauptkonsekrator war Bischof Li Mingshu von Qingdao, anwesend waren ferner die Bischöfe Zhao Fengchang von Liaocheng (Shandong), Xu Honggen von Suzhou und Han Yingjing von Sanyuan. Wie auch bei den folgenden Bischofsweihen (s.u. 15. Juli, 16. und 21. September) waren alle beteiligten Bischöfe von Rom und von Beijing anerkannt. Die 6.000 Gläubige zählende Diözese war seit 1962 ohne Bischof; Xu war seit 1999 Diözesanadministrator. Das Presseamt des Heiligen Stuhls gab den Vollzug der Weihe in einer Verlautbarung bekannt (vgl. Vatican Information Service 14.07.; Asianews 10.07. Zu den Bischofsweihen siehe auch den Beitrag in den Informationen.)

15. Juli 2010:
Johann Baptist Yang Xiaoting wird zum Bischof von Yan’an geweiht
Der 1964 geborene Yang Xiaoting war ursprünglich Priester der Diözese Zhouzhi. Zwischen 1993 und 2002 studierte er in Italien und den USA; 1999 promovierte er an der päpstlichen Universität Urbaniana in Rom. Die Weihe, geleitet von Bischof Yu Runchen von Hanzhong, erfolgte mit päpstlicher und behördlicher Zustimmung. An der Zeremonie nahmen zudem die Bischöfe Dang Mingyan von Xi’an, Han Jide von Pingliang, Huo Cheng von Fenyang, Li Jing von Ningxia, Tong Changping von Weinan, Han Yingjin von Sanyuan und der emeritierte Bischof von Sanyuan, Zong Huaide, teil. Bischof Yang ist auch Vizerektor des Regionalen Priesterseminars in Xi’an. Die Diözese Yan’an (Yulin) liegt in der Provinz Shaanxi (Asianews 15.07.; UCAN 15.07.).

1. August 2010:
Shaolin-Tempel als Weltkulturerbe anerkannt
Der in der Provinz Henan gelegene bekannte buddhistische Shaolin-Tempel wurde am 1. August in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Die UNESCO bekundete, der historische architektonische Komplex stehe für große ästhetische Schönheit und profundes kulturelles Erbe. Der Komplex besteht aus 11 teilweise 2.000 Jahre alten Gebäuden (China Daily 2.08).

7. August 2010:
Francis An Shuxin wird offiziell als Ortsbischof von Baoding eingeführt
Der frühere Weihbischof im Untergrund war 2006 nach 10-jähriger Haft freigelassen worden. Seine damalige Entscheidung, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, ist in der in der Provinz Hebei gelegenen, stark vom Untergrund geprägten Diözese äußerst umstritten. Seine Installation habe die Spaltung in der Diözese weiter verstärkt, hieß es in den Kommentaren. Die Installationsmesse sei kurzfristig von der Regierung angesetzt worden, wurden örtliche Quellen zitiert. Bischof An habe gezögert, weil er sich noch als Koadjutor des seit 13 Jahren inhaftierten Untergrundbischofs Su Zhimin verstehe. Vor der Messe wurde die Ernennung der (von Rom nicht anerkannten) Bischofskonferenz und der Patriotischen Vereinigung verlesen. Außer Bischof An zelebrierten der emeritierte und der Ortsbischof von Tangshan, Liu Jinghe und Fang Jianping (Asianews 7.08.; UCAN 9.08.)

8. August 2010:
Bischof von Taizhong (Taiwan) kritisiert öffentlich Pläne für den Bau einer Chemiefabrik
In einem ungewöhnlichen Schritt bekundete Bischof Martin Su Yaowen von Taizhong öffentlich seine Unterstützung für eine Umweltkampagne gegen den Bau Dutzender von Industrieanlagen und eines Industrieparks im Küstengebiet von Zhanghua, einem Gebiet, das für seine Biodiversität bekannt ist. Den Appell startete der Bischof während der Segnung der Kampagne im nahegelegenen Fischerhafen von Wanggong. „Wir sind nicht gegen wirtschaftliche Entwicklung oder Geschäfte, aber wir fordern einen Plan, der auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist“, so der Bischof. „Ich ermutige Priester und Laien, sich an den sozialen Aktionen zu beteiligen.“ Vor der Segnung hatte sich eine Gruppe von Katholiken an die Kreisregierung gewandt mit der Bitte, das entsprechende Gebiet zu einem Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung zu erklären (UCAN 11.08).

11. August 2010:
Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften veröffentlicht Annual Report on China’s Religions (2010)
Der Band enthält Aufsätze von Forschern des direkt dem Staatsrat unterstehenden „Think Tank“ zu aktuellen Entwicklungen in den Religionen 2009. Neben den fünf staatlich anerkannten großen Religionen werden auch der Konfuzianismus („Forms of Existence of Confucianism in Folk Culture“) und die traditionelle chinesische Volksreligiosität mit eigenen Beiträgen bedacht. Ein Spezialbeitrag behandelt den Aufbau von Verwaltungsmechanismen für Tempel des tibetischen Buddhismus. Besonders beachtet wurden in den englischsprachigen Medien die Ergebnisse einer großangelegten Erhebung zum protestantischen Christentum, die auf über 200.000 beantworteten Fragebogen basiert. Im Beitrag zur katholischen Kirche stellte Wang Meixiu u.a. kritische Fragen zu deren offiziellen Leitungsgremien: Das System von Nationalversammlung und gemeinsamer Versammlung von Patriotischer Vereinigung und Bischofskonferenz gebe es nirgends sonst in der katholischen Weltkirche. Man müsse daher überlegen, wie die katholische Kirche Chinas, die heute anerkanntermaßen Teil der Universalkirche sei, einerseits ihre chinesischen Charakteristika bewahren könne, andererseits aber auch ihre katholischen Charakteristika, die sie mit der Weltkirche teile. Wang Meixiu kritisierte auch die Verquickung der Rollen von Bischofskonferenz und Patriotischer Vereinigung.
Der Jahresbericht zu Chinas Religionen erschien 2010 zum 3. Mal: Jin Zen 金泽 – Qiu Yonghui 邱永辉 (Hrsg.), Zongjiao lanpishuZhongguo zongjiao baogao (2010) 宗教蓝皮书 – 中国宗教报告(2010) Blue Book of Religions – Annual Report on China’s Religions (2010), Beijing: Shehui kexueyuan chubanshe 2010 (s.a. Asianews 27.09.; China Daily 12.08.; South China Morning Post 12.09.; UCAN 13.08.; 14.09.).

11. August 2010:
Büro für religiöse Angelegenheiten gibt Verfahren für den Erlass von Verwaltungsvorschriften und die Be­handlung von Verwaltungswider­sprüchen bekannt
Die „Bestimmungen für das Erlassverfahren von Verwaltungsvorschriften und normativen Dokumenten des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten“ (Guojia zongjiao shiwuju guizhang he guifanxing wenjian zhiding chengxu guiding 国家宗教事务局规章和规范性文件制定程序规定) legen Einzelheiten für den Prozess der Festlegung religionspolitischer Vorschriften fest. Grundlegend ist, dass das Religionsbüro „nach den praktischen Erfordernissen der Religionsarbeit“ eine entsprechende Fünfjahresplanung und Jahrespläne festlegt; nicht in der Planung vorgesehene Vorschriften können nur unter besonderen Umständen ins Erlassverfahren aufgenommen werden (Art. 4). Die „Bestimmungen des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten für das Verfahren der Behandlung von Verwaltungswiderspruchsfällen“ (Guojia zongjiao shiwuju banli xingzheng fuyi anjian chengxu guiding 国家宗教事务局办理行政复议案件程序规定) legen das Widerspruchsverfahren gegen Verwaltungsbescheide beim Religionsbüro fest. Beide Dokumente traten am Tag ihrer Bekanntgabe in Kraft (Wortlaut unter www.sara.gov.cn).

14.–15. August 2010:
Konferenz über „demokratische Verwaltung der Klöster des tibetischen Buddhismus“
Größere Anstrengungen zur Umsetzung der „demokratischen Verwaltung“ in Klöstern des tibetischen Buddhismus forderte Du Qinglin, der Direktor der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, laut Xinhua während der Konferenz in Shigatse. Kompetente tibetische buddhistische Mönche und Nonnen, die politisch zuverlässig, außerordentlich gebildet und weithin geachtet sind, sollten durch „demokratische Konsultation“ in die Verwaltungskomitees der Klöster gewählt werden, sagte Du. Der offizielle Panchen schickte der Konferenz einen „Glückwunschbrief“.
Der exiltibetischen Nachrichtenagentur Phayul zufolge sind seit März 2008 über 17 Fälle von Selbstmorden und Selbstmordversuchen unter Mönchen und Nonnen bekannt geworden. Sie werden auf den verstärkten Druck und die politische Indoktrination in den Klöstern zurückgeführt, bei der die Mönche auch gezwungen werden, gegen den Dalai Lama gerichtete Dokumente zu unterzeichnen (Phayul 17.08.; Xinhua 15.08.).

15. August 2010:
Fünf Tibeter in Xining getauft
Am Fest Maria Himmelfahrt wurden in Xining, Provinz Qinghai, fünf Tibeter in die katholische Kirche aufgenommen. Die fünf Neugetauften, zwischen 20 und 50 Jahre alt, stammen aus demselben Clan und waren seit Kindheit buddhistischen Glaubens. Durch die Einheirat einer Katholikin kamen einige Clanmitglieder mit dem Christentum in Berührung. Priester Joseph Li Dongsheng, der die Taufe spendete, sagte in einem UCAN Interview: „Ich selbst dachte nie daran, ethnische Tibeter bekehren zu wollen, da sie sehr tief im Buddhismus verwurzelt sind.“ Zur Diözese Xining gehören nur 4.000 Katholiken, an der Tauffeier nahmen 700 Gläubige teil (Agenzia Fides 30.8.; UCAN 24.08.).

15. August 2010:
Armut in Taiwan auf Rekordhöhe
Die Zahl der taiwanesischen Haushalte, die in Armut leben, stieg bis Juni auf die Rekordhöhe von 108.000, wie AFP am 15. August unter Berufung auf Zahlen des Innenministeriums berichtete. Die Zahl war innerhalb eines Quartals um 10.000 Haushalte gestiegen. In Taibei gilt eine erwachsene Einzelperson mit einem Monatseinkommen von 14.614 NT-Dollar (entspricht 457 US-Dollar) als arm, außerhalb Taibeis ist diese Zahl etwas geringer. Das Innenministerium beklagte eine Vergrößerung der Einkommenskluft zwischen Arm und Reich trotz der enormen wirtschaftlichen Erholung in den letzen Monaten (AFP 15.08.).

20. August 2010:
Buddhistische Wohlfahrtsorganisation aus Taiwan eröffnet Zweigstelle in Suzhou
Die einflussreiche Tzu Chi Foundation (Ciji jijinhui), die 1966 von der Nonne Zhengyan in Taiwan gegründet wurde und sich bereits seit 1991 in Festlandchina engagiert, eröffnete ihre Niederlassung in Suzhou (Provinz Jiangsu) mit Zustimmung der chinesischen Zentralregierung. Es ist laut Xinhua (20.08.) „die erste landesweite Stiftung auf dem chinesischen Festland, die von einer gemeinnützigen Organisation außerhalb des Festlands betrieben wird“.

20.–25. August 2010:
Kim Jong-il besucht katholische Kirche in China
Bei seinem China-Besuch vom 20.–25. August hat der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-il der Herz-Jesu-Kathedrale von Jilin in der Mandschurei einen kurzen Besuch abgestattet. Spekulationen, dieser Besuch enthalte eine versteckte Botschaft für eine größere Freiheit der Kirche und anderer Religionen in Nordkorea, wurden von südkoreanischer Seite dementiert. Wie Peter Park Chang-ho, Sekretär des Wiedervereinigungskomitees Korea der Erzdiözese Seoul, mitteilte, sei der Kirchenbesuch Teil einer persönlichen „Wallfahrt“ Kims gewesen. Sein Vater habe während des Zweiten Sino-Japanischen Krieges (1937–1945) einmal die Kirche besucht. Der Kathedralpfarrer Nicholas Liu Wenhui begleitete Kim bei der fünfminütigen Besichtigung.
Kim hatte während seiner China-Reise verschiedene Orte besucht, in denen sich sein Vater und Vorgänger Kim Il-sung aufgehalten hatte (UCAN 1.09.).

21. August 2010:
Papst spendet 30.000 US-Dollar für Flutopfer in China
Die Spende wurde nach mehreren Flutkatastrophen vom Päpstlichen Rat Cor Unum der Hilfsorganisation Jinde Charities in Shijiazhuang am 21. August zur Verfügung gestellt. In einer Erklärung von Cor Unum heißt es, die Hilfe solle allen Menschen in Not ohne irgendwelche Unterscheidung zukommen. Der Papst sei in tiefer Trauer ob der vielen Opfer der verheerenden Flugkatastrophen in China, besonders in der Provinz Gansu. Er bete für die Verstorbenen, ihre Verwandten und alle Überlebenden, die unter schmerzlichen Folgen zu leiden hätten. Eine von Regenfällen ausgelöste Schlammlawine im Kreis Zhouqu in der nordwestchinesischen Provinz Gansu, in dem vor allem Tibeter leben, hatte ca. 1.300 Menschenleben gefordert. Unter den Opfern waren auch mehrere Katholiken. Bei einer anderen Schlammlawine im Kreis Gongshan in der Provinz Yunnan am 18. August waren ebenfalls Todesopfer zu beklagen (UCAN 1.09.)

28. August 2010:
Emeritierter Untergrundbischof von Fuzhou stirbt
Der 1919 geborene Bischof Johannes Yang Shudao wurde 1947 zum Priester geweiht. 1955 wurde er wegen seiner Weigerung, den Papst zu kritisieren und der staatlich sanktionierten unabhängigen Kirche beizutreten, zu lebenslanger Haft verurteilt und 1981 nach 26 Jahren freigelassen. Er wurde 1987 insgeheim zum Bischof geweiht und 1988 nochmals für 3 Jahre inhaftiert, wurde danach noch mehrfach verhaftet und überwacht. Die Diözese Fuzhou (Provinz Fujian) hat ca. 250.000 Katholiken, mit 81 Untergrundpriestern und 27 offiziellen Priestern. Die Gemeinschaft im Untergrund ist zudem in zwei Gruppen gespalten (UCAN 30.08.).

30. August 2010:
Mormonen künden „Regularisierung“ ihres Status in China an
Dies sei bei mehreren Treffen der Leitung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage mit chinesischen Regierungsvertretern – zuletzt am 24. August d.J. in Salt Lake City – vereinbart worden, hieß es in einer Meldung der Religionsgemeinschaft (Standard-Examiner 30.08. – siehe Beitrag in den Informationen).

11. September 2010:
Beginn der Renovierung des Klosters Sera in Lhasa
China werde für das Vorhaben 46 Mio. Yuan aufwenden, meldete Xinhua am 12. September. Die chinesische Regierung habe seit den 1980er Jahren über 1,3 Mrd. Yuan für den Erhalt von über 1.400 Klöstern in Tibet ausgegeben. Bei der Renovierung des 1419 gegründeten Klosters werde der ursprüngliche Stil erhalten, erklärte der Direktor des Komitees für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Regierung des Autonomen Gebiets Tibet, Losang Jigme. Sera ist eines der „drei großen Klöster“ des Gelug-Ordens des tibetischen Buddhismus.

15.–22. September 2010:
Direktor des Nationalen Religionsbüros besucht Religionen Taiwans
Wang Zuo’an leitete eine 15-köpfige festlandschinesische Religionsdelegation. Es sei der bisher am breitesten angelegte religiöse Austausch zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße gewesen, sagte Wang am 22. September zu Journalisten. Während man sich in der Vergangenheit auf den Austausch mit Buddhisten und Daoisten konzentriert habe, habe man diesmal auch katholische, protestantische und muslimische Führer Taiwans getroffen und Zentren der Volksreligiosität wie Mazu- und Guandi-Tempel besucht. Am 16. September traf Wang Zuo’an den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz auf Taiwan, Erzbischof Hong Shanchuan SVD von Taibei (mit dem er u.a. die Möglichkeit des Studiums festlandschinesischer Priester in Taiwan besprach), am 19. September Kardinal Shan Guoxi SJ (den er den Berichten zufolge zu einem Besuch nach Festlandchina einlud) und Erzbischof Liu Zhenzhong von Gao­xiong. Zudem eröffnete Wang am 16. September die erste festländisch-taiwanesische Ausstellung von Publikationen zum Thema Religion, die im Rahmen der 6. Cross Strait Book Fair über 2.500 Titel vorstellte (UCAN 20.,21.09.; news.xinhuanet.com/book/2010-09/16/c_12574244.htm; realtime.zaobao.com/2010/09/100922_20.shtml).

16. September 2010:
Paul Meng Ningyou wird zum Bischof-Koadjutor von Taiyuan geweiht
Ortsbischof Silvester Li Jiantang weihte den 1963 geborenen Meng, unterstützt von den Bischöfen Huo Cheng von Fenyang, Wang Jin von Yuci, Li Jing von Ningxia und Meng Qinglu von Hohhot. Die Weihe fand mit päpstlicher und behördlicher Genehmigung statt. Nach seiner Priesterweihe 1991 dozierte Meng viele Jahre am Nationalen Priesterseminar in Beijing. Zwischen 1999 und 2004 studierte er, entsandt vom Nationalen Seminar und der offiziellen chinesischen Bischofskonferenz, in Irland und Belgien. Seit 2006 war er Generalvikar und Pfarrer der Kathedrale in Taiyuan, der Hauptstadt der Provinz Shanxi (Asianews 16.09.; UCAN 16.09.).

16.–19. September 2010:
8th European Catholic China Colloquium in Freising
Über das Thema des Treffens, „Chinese in Europe – Trends and Catholic Perspectives“, das vom China-Zentrum in Sankt Augustin federführend vorbereitet wurde, tauschten sich Vertreter katholi­scher Initiativen und Organisationen in Europa aus, die mit chinesischen Partnern zusammenarbeiten. Auch Repräsentanten der protestantischen und orthodoxen Kirchen nahmen teil. Ein Drittel der 100 Teilnehmer aus 13 Ländern waren chinesische Katholiken, Priester und Schwestern, die in Europa studieren oder arbeiten. Ein Konferenzbericht erscheint in der nächsten Nummer von China heute.

21. September 2010:
Bischofsweihe in Yuncheng
Der 1963 geborene Peter Wu Junwei wurde mit Zustimmung des Papstes und der Behörden zum Bischof geweiht. In seiner Ansprache bei der Weihezeremonie dankte Bischof Wu Papst Benedikt XVI. für seine Ernennung und sagte, er sei entschlossen, dem Papst für immer treu zu sein. Die Weihe wurde von Bischof Huo Cheng von Fenyang geleitet, Bischof Li Shan von Beijing, Bischof-Koadjutor Meng Ningyou von Taiyuan sowie Bischof Yang Xiaoting von Yan’an konzelebrierten. Bischof Wu war ursprünglich Priester der Diözese Taiyuan und von 2001 bis 2009 Rektor des Montecorvino-Priesterseminars von Shanxi. Bereits im Mai 2009 wurde er vom Heiligen Stuhl als Bischofskandidat von Xinjiang/Yuncheng (Provinz Shanxi) approbiert. Im September 2009 wurde er in die Diözese Yuncheng versetzt und am 9. September zum Bischofskandidaten gewählt (Asianews 21.09.; HKSE 3.10.; UCAN 21.09.).

21. September 2010:
Schwere Unruhen wegen Karaoke- und Saunaclub in Muslimviertel von Linxia
Mehrere tausend Anwohner der muslimischen Hui-Minorität stürmten und demolierten das in der Nähe einer Moschee errichtete Clubhaus am Tag seiner Eröffnung, weil sie befürchteten, dass dort Prostitution angeboten wird. 10 Menschen wurden verletzt, mehrere hundert anwesende Polizisten griffen jedoch nicht ein. Wie das Hongkonger Information Centre for Human Rights and Democracy am 4. Oktober berichtete, wurden am Wochenende vom 2./3. Oktober über 30 lokale islamische Führer der Anstiftung der Unruhen beschuldigt und verhaftet. Das Clubhaus bietet Platz für 1.000 Kunden und wird von Verwandten eines hochrangigen Mitglieds der Bezirksverwaltung betrieben.
Im Autonomen Hui-Bezirk Linxia (Provinz Gansu) leben 600.000 Hui (SCMP 5.10.2010).

23. September 2010:
Bischof von Macau sagt Nein zu Müll­anlage neben der Kirche S. Lourenço
Bischof José Lai Hung-Seng von Macau wehrt sich gegen Regierungspläne, neben der Kirche S. Lourenço, die zum Weltkulturerbe gehört, ein Mülldepot zu bauen. Die ca. 1560 erbaute Kirche liegt im historischen Zentrum von Macau. Der Bischof wie auch der zuständige Gemeindepfarrer Domingos Un argumentieren dahingehend, dass das Depot die Kulturstätte gefährden würde. Hunderte von Unterschriften gegen das Projekt wurden bereits in der Gemeinde gesammelt. Das Depot soll im Abstand von nur einem Meter zur Kirchenwand entstehen, wobei der Großteil unterirdisch angelegt sein soll (Ecumenical News International 28.09.).

26. September 2010:
China veröffentlicht Weißbuch „Progress in China’s Human Rights in 2009“
Wie das letzte, 2005 erschienene Menschenrechts-Weißbuch umfasst es sieben Punkte: I. Die Rechte des Volkes auf Subsistenz und Entwicklung; II. Bürgerliche und politische Rechte; III. Garantie der Menschenrechte durch die Justiz; IV. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte; V. Gleiche Rechte und besonderer Schutz für ethnische Minoritäten; VI. Rechte und Interessen von Menschen mit Behinderungen; VII. Austausch und Kooperation mit anderen Ländern im Bereich der Menschenrechte. Das Thema Religionsfreiheit, dem im Weißbuch 2005 ein eigener Absatz gewidmet war, wird nicht erwähnt. Neu vertreten ist u.a. das Thema „Redefreiheit im Internet“ – dem Internet-Thema widmete China im Juni 2010 bereits ein eigenes Weißbuch. Das erste Weißbuch Chinas zu den Menschenrechten erschien 1991 (Xinhua 26.09.2010).

27. September 2010:
Neue protestantische Bibelübersetzung in Hongkong vorgestellt
Eine überarbeitete chinesische Bibelübersetzung, die Revised Chinese Union Version Bible, wurde in Hongkong der Öffentlichkeit präsentiert. An der Zeremonie nahmen neben Hongkonger auch festlandschinesische Kirchenvertreter sowie Vertreter der festlandschinesischen Religionsbehörden teil. Verantwortet von der Hong Kong Bible Society, beanspruchte die Überarbeitung der Übersetzung 27 Jahre und soll nun christlichen Chinesen auf der ganzen Welt einen Text bieten, der sie anspricht und zugleich auch wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit ist. In China sollen erste Exemplare der revidierten Übersetzung Ende des Jahres auf den Markt kommen (Katrin Fiedler / Ecumenical News International 5.10.).

27. September 2010:
Xinhua: Selbstmordrate unter älteren Menschen in China nimmt zu
Nach einem Rückgang der Selbstmordrate unter Frauen auf dem Lande ist die Rate unter älteren Menschen in den Städten in den letzten Jahren besorgniserregend angestiegen. Die Selbstmordrate der zwischen 70- und 74-jährigen in den Städten stieg von 13,39 je 100.000 in den 1990er Jahren auf 33,76 je 100.000 zwischen 2002–2008, berichtete der Soziologe Jing Jun von der Qinghua-Universität. Gründe dafür seien u.a. steigende Kosten für medizinische Versorgung sowie Verzweiflung bei älteren Menschen, die aus den abgerissenen alten Stadtvierteln in die Peripherie umgesiedelt wurden. Auch seien viele alte Menschen enttäuscht von ihren Kindern, wenn sich diese nicht in traditionell gewohnter Weise um sie kümmerten. Insgesamt ist die Selbstmordrate in China von 17,65 je 100.000 im Jahr 1987 auf 6,6 je 100.000 im Jahr 2008 gesunken (die weltweite Rate liegt bei 14,5 je 100.000). Ein Rückgang der Selbstmordrate unter Frauen auf dem Land kann auf die Massenmigration in die Städte zurückgeführt werden. Alleine 2009 sollen geschätzte 44 Mio. Frauen als Wanderarbeiterinnen in Chinas Küstenregionen gezogen sein. Allerdings gab es einen Anstieg bei sehr jungen MigrantInnen. „Verglichen mit Unfällen und Naturkatastrophen hat China wenig Erfahrung im Umgang mit sozialen Krisen wie ... Selbstmorden“, sagte Wang Lei, Professor für Psychologie an der Beijing-Universität. China brauche eine Politik zur Suizidvermeidung (Xinhua 27.09.).

27./28. September 2010:
1.000 Guanyin-Statuen reisen von Festlandchina nach Taiwan
Die 33 cm großen vergoldeten Repliken der 33 m hohen Statue der „Guanyin vom südlichen Meer“ (Nanhai Guanyin) von der Putuoshan-Insel, einem der heiligen buddhistischen Berge Chinas, wurden in einer feierlichen Zeremonie unter Begleitung von 326 Mönchen, Nonnen und buddhistischen Laien und über 1.200 Reisenden von der Stadt Zhoushan in der Provinz Zhejiang nach Jilong auf Taiwan verschifft, um 1.000 buddhistischen Klöstern in Taiwan geschenkt zu werden. Veranstalter des groß angelegten buddhistischen Austauschs waren die Taiwanesische Stiftung für Nanhai Guanyin-Kultur, die Buddhistische Vereinigung von Putuo­shan und verschiedene Guanyin-Tempel in Taiwan (english.cntv.cn 28.09.; fo.jxzx.com.cn 28.09.).

30. September 2010:
„Verwaltungsmaßnahmen für Klöster des tibetischen Buddhismus“ erlassen
Die vom Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) erlassenen Vorschriften (Zangchuan fojiao simiao guanli banfa 藏传佛教寺庙管理办法; Text unter www.sara.gov.cn) treten am 11. November 2010 in Kraft. Für alle Religionen gelten seit 2005 bereits die „Maßnahmen für die Genehmigung der Errichtung und die Registrierung reli­giö­ser Versammlungsstätten“, auf die sich die neuen Maßnahmen für tibetisch-buddhistische Klöster auch beziehen (vgl. China heute 2006, Nr. 4-5, S. 144-146). Der tibetische Buddhismus ist bis jetzt die einzige Religionsgemeinschaft, für deren religiöse Versammlungsstätten vom Religionsbüro auf zentraler Regierungsebene offiziell gesonderte Vorschriften erlassen wurden. 2007 erließ das BRA bereits „Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation Lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus“ (vgl. China heute 2007, Nr. 6, S. 220f.).

Katharina Feith
Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2010.

Aus: China heute 2010, Nr. 3, S. 153-157.

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