Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli bis 30. September 2013

Juli 2013:
Points East berichtet über erste formale Konversion von Nachkommen Kaifenger Juden zum Judentum in Israel
Die Gruppe von sieben chinesischen Männern kam 2009 mit Hilfe der Organisation Shavei Israel nach Israel. Sie sind – wie der Bericht schreibt - Nachkommen von Familien der jüdischen Gemeinde von Kaifeng. Nach zweijährigem Studium des Judentums in Efrat und einer Prüfung vollzogen sechs der jungen Chinesen im Februar 2013 die Konversion, der siebte schon früher. Einer von ihnen, so der Bericht, möchte weiterstudieren und Rabbiner werden, um Nachkommen von Kaifenger Juden ihr Erbe näherbringen zu können, ein weiterer möchte ein koscheres China-Restaurant in Israel eröffnen. Bereits 2006 brachte Shavei Israel eine Gruppe junger Frauen aus Kaifeng nach Israel, die den Konversionsprozess innerhalb eines Jahres abschlossen, heißt es in dem Bericht.
Die Organisation Shavei Israel hat zum Ziel, „verlorene Juden“ aus der ganzen Welt zum Judentum zurückzuführen, wenn nötig mit Hilfe von Einwanderung nach Israel. Sie unterhält Konversions- und Ausbildungszentren in verschiedenen Ländern. Die jüdische Gemeinde von Kaifeng entstand in der frühen Song-Zeit (960−1126) und ging später durch Assimilation in ihrem chinesischen Umfeld auf; vom chinesischen Staat werden die Kaifenger Juden nicht als Religion oder ethnische Minderheit anerkannt (Points East Juli 2013, S. 6.; Points East übernahm den Bericht von der Website www.shavei.org).

1. Juli 2013:
Gesetz verpflichtet zur Kindespietät
Die Neufassung eines Gesetzes zum „Schutz der Rechte und Interessen älterer Menschen“, die am 1. Juli 2013 in Kraft trat, verpflichtet u.a. Familienmitglieder, die weit entfernt von ihren älteren Verwandten leben, diese häufig zu besuchen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Dieser Paragraph wurde im Internet wie in Nachrichtendiensten breit diskutiert und es wurde kritisiert, dass eine große Arbeitsbelastung und wenig Urlaubstage es vielen nicht erlauben, sich regelmäßig um weit entfernt lebende betagte Eltern zu kümmern. Gleichzeitig sei der Paragraph Ausdruck dafür, dass traditionelle Werte wie die Kindespietät nicht mehr selbstverständlich seien und es eine zunehmende Zahl an vernachlässigten und allein lebenden Menschen gebe. Das Gesetz garantiert allerdings auch eine Grundversorgung für Lebensunterhalt und medizinische Behandlung. Laut Statistiken sind in der VR China bereits 200 Millionen Menschen älter als 60 Jahre, von denen nach einer neueren Erhebung fast ein Drittel in Armut leben. 33 Millionen von ihnen sind in unterschiedlichem Grad behindert. Man geht davon aus, dass sich der Anteil der alten Menschen 2030 auf mehr als 30% der Bevölkerung verdoppelt haben wird. Aufgrund der Einkindpolitik kommen auf ein Ehepaar zwischen 30 und 40 Jahren vier Elternteile und häufig noch Großeltern (Global Times 7.07.; taz 3.07.; New York Times 7.07.; The Telegraph 1.07.; Xinhua 28.12.2012).

8. Juli 2013:
Global Times: Chinesische Universitäten alarmiert durch Anstieg von Missionierung auf dem Campus
Die parteinahe Zeitung berichtete, dass marxistische Wissenschaftler, die Untersuchungen zum religiösen Verhalten von Studierenden durchführten, vor einem schnellen Anstieg des Christentums und vor als Kulturstudien verbrämten Bekehrungsversuchen an Universitäten in ganz China warnten. So sagte Xi Wuyi, Marxismusforscherin der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, 60% der von ihr befragten Studierenden hätten angegeben, angesprochen worden zu sein, ob sie mehr über das Christentum wissen wollten. Besonders besorgniserregend fänden die marxistischen Wissenschaftler, dass ausländische Organisationen Missionierungsmaßnahmen förderten, die sie als religions- oder kulturwissenschaftliche Studien deklarierten, schrieb die Global Times. Namentlich erwähnt wird die in den USA ansässige John Templeton Foun­dation. Die Wissenschaftler kritisierten ferner, dass einige in Universitätsverlagen erschienene Bücher und einige Dissertationen unzulässigerweise theologischer und nicht religionswissenschaftlicher Natur seien. Sie verwiesen auf das Verbot religiöser Aktivitäten außerhalb zugelassener religiöser Stätten und insbesondere an Schulen und Universitäten. Der Artikel erwähnt eine Bekanntmachung der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2011, in der vor Campus-Missionierung und ausländischer Infiltration an Hochschulen mittels Religion gewarnt wird. Den Text eines solchen internen Dokuments hatte die in den USA ansässige Organisation China Aid am 18. Dezember 2012 veröffentlicht; seine Existenz wurde hiermit von der Global Times bestätigt. Obwohl die Sorgen der marxistischen Wissenschaftler anerkannt worden seien – schließt der Artikel etwas kryptisch – „scheinen die religiösen Aktivitäten von Studenten an autorisierten Kirchen bislang nicht betroffen zu sein“ (www.globaltimes.cn/content/794610.shtml#.Ukm1HfPwDcs; vgl. Eintrag vom 18. Dezember 2012).

9. Juli 2013:
Innere Mongolei: Ethnischer Mongole wird zum Priester geweiht
In der Kirche von Meidiliang in Chengchuan, Banner Etuoke in der Inneren Mongolei, wurde der Mongole Urnud Dubuxin Amur (Du Buxing) zum Priester geweiht. An der feierlichen Zeremonie nahmen die Bischöfe Ma Zhongmu (der einzige ethnische mongolische Bischof), Du Jiang von Bameng und Li Jing von Ningxia sowie 36 Priester, 20 Schwestern, 18 Seminaristen und mehr als 500 Gläubige aus verschiedenen Diözesen teil. Das lokale Fernsehen übertrug die Weihe live (www.chinacatholic.org 12.07.).

14.–18. Juli 2013:
Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) vergibt erste Top-Level-Domains in nichtlateinischen Schriften − Antrag des Vatikans liegt vor
Die ICANN, die die Vergabe von Namen und Adressen im Internet koordiniert, vergab auf ihrer Tagung in Durban erstmals zwei russische, eine arabische und eine chinesische Domain-Endung (der letzte Teil einer URL hinter dem Punkt, z.B. .org, .net, .de). Die genehmigte chinesische Domain-Endung lautet .游戏 (youxi, „Spiel"). Insgesamt loste die ICANN im Dezember 2012 die Reihenfolge für die Bearbeitung von rund 2.000 Anträgen auf neue Top-Level-Domains aus, wobei der Antrag des Päpstlichen Rats für die Kommunikationsmittel auf die chinesische Endung .天主教 (tianzhujiao, „katholisch") den ersten Platz erreichte. Über den aktuellen Stand dieses Antrags fand sich allerdings keine Nachricht (Süddeutsche Zeitung 19.07.; www.icann.org 23.03.).

15.–25. Juli 2013:
Sommerkurs über katholische Soziallehre in Belgien
An dem vom Chinese College Leuven – einem Institut der Verbiest Foundation – organisierten Kurs nahmen 53 chinesische Priester, Schwestern und Laien teil, die in verschiedenen europäischen Ländern sowie den USA studieren. Als Dozenten fungierten 16 Priester und Schwestern, die Katholische Sozialethik und Spiritualität am Canon Triest Institute in Belgien studiert haben. Der Kurs sollte die Absolventen auf ihre zukünftige Lehrtätigkeit in China vorbereiten. Inhaltlich orientierte sich der Kurs am Sozialkompendium der katholischen Kirche (Verbiest Update Nr. 24, Juli 2013).

20. Juli 2013:
18-jähriger tibetischer Mönch stirbt durch Selbstverbrennung
Der Mönch Kunchok Sonam verbrannte sich außerhalb seines Klosters im Kreis Zoege im Autonomen tibetischen Bezirk Ngaba (chin. Aba) in der Provinz Sichuan. Fast ein Drittel der 120 oder 121 Selbstverbrennungen von Tibetern aus Protest gegen die chinesische Herrschaft seit 2011 fanden bislang im Bezirk Ngaba statt (unterschiedliche Zählung bei www.savetibet.org und der Website der tibetischen Exilregierung www.tibet.net). Insgesamt ging die Zahl der Selbstverbrennungen in tibetischen Gebieten jedoch zurück. In Kathmandu verbrannte sich am 6. August 2013 ein 38-jähriger tibetischer Mönch, es war die dritte Selbstverbrennung eines Exiltibeters in Nepal seit 2011. Seit Anfang 2013 haben Gerichte mehrfach Tibeter in Zusammenhang mit Selbstverbrennungen (Beschuldigung der Anstiftung etc.) wegen Mordes verurteilt, so verurteilte ein Gericht in Xining am 12. Juli 2013 den Mönch Tsultrim Kalsang wegen Mordes zu 10 Jahren Gefängnis (www.savetibet.org; www.tchrd.org 18.07.; www.tibet.net).

20. Juli 2013:
Erster „Bürgervorschlag" für ein Religionsgesetz wird auf einer Konferenz in Beijing vorgestellt
Der Entwurf wurde von einem Team um Prof. Liu Peng am nichtstaatlichen Pu Shi Institute for Social Sciences in Beijing erarbeitet. Er sieht u.a. eine freiwillige Registrierung religiöser Organisationen als juristische Personen vor. Die Konferenz „Religion und Rechtsstaatlichkeit" wurde von dem People’s Congress and Parliament Study Center am Institut für Rechtswissenschaften der Beijing-Universität, dem Institut für Rechtswissenschaften der Beijinger Fremdsprachenuniversität und dem Pu Shi Institute veranstaltet (Jidu shibao 15.08.). Siehe den Bericht in den Informationen dieser Nummer).

23. Juli 2013:
YOUCAT erscheint auf Chinesisch
Beim Kuangchi-Verlag in Taipei erschien im Juli die chinesische Übersetzung des Jugend-Katechismus YOUCAT, der zuerst beim Weltjugendtag in Madrid 2011 verteilt wurde. Nach der Langzeichenversion ist auf Festlandchina auch eine Kurzzeichenversion geplant. Die 304 Seiten starke chinesische Übersetzung, die auch das Vorwort von Papst Benedikt XVI. enthält, findet laut Pressemeldung von AsiaNews regen Zuspruch unter katholischen Jugendlichen in Taiwan, Hongkong und Macau (AsiaNews 2.08.).

23.–28. Juli 2013:
Chinesische Jugendliche beim Weltjugendtag in Rio
Am diesjährigen katholischen Weltjugendtag in Brasilien nahmen u.a. in einer speziell zusammengestellten Gruppe 16 Vertreter aus 10 Diözesen von Festlandchina teil. Die Delegation setzte sich aus Jugendlichen der offiziellen wie der Untergrundkirche zusammen, die sich selbst oder über Empfehlung eines Bischofs oder einer Jugendgruppe über eine Website angemeldet hatten. Aus Hongkong war eine Gruppe von 29 Jugendlichen nach Rio gereist, die sich sechs Monate lang auf das Ereignis vorbereitet hatten. Mehr als 300 Jugendliche versammelten sich am 7. Juli zu deren Aussendungsgottesdienst mit Kardinal John Tong in der Kathedrale. Während des Weltjugendtages gab es in Hongkong zudem mehrere Gottesdienste für daheimgebliebene Jugendliche und ein Jugendcamp (Hong Kong Sunday Examiner 20.07.; UCAN 17.07).

24. Juli 2013:
Statement der Diözese Hongkong fordert freie Wahlen bis 2017
Die katholische Diözese Hongkong hat am 24. Juli ein Statement erlassen, in dem sie freie, allgemeine Wahlen bis 2017 fordert und darauf verweist, dass ziviler Ungehorsam in bestimmtem Umfang gerechtfertigt sei, solange er friedlich und gewaltlos stattfinde.
Die Regierungen in Beijing und Hongkong sind beunruhigt über „Occupy Central", eine Protestbewegung in Anlehung an die „Occupy Wall Street"-Bewegung von 2011. Occupy Central wurde u.a. von einem Professor und einem protestantischen Pastor begründet und plant, mit einer Reihe von friedlichen Protesten und Akten zivilen Ungehorsams im Juli kommenden Jahres den Finanzdistrikt im Zentrum von Hongkong lahmzulegen. In einem Interview mit Reuters zeigte sich Kardinal Zen beunruhigt über eine mögliche Infiltration von pro-China Demonstranten und mögliche Gewaltausbrüche, die als Vorwand dienen könnten, „alles niederzuschlagen".
Beim Jahrestag der Übergabe am 1. Juli an die VR China hatten sich nach Angaben der Organisatoren 430.000 Menschen in Hongkong zum pro-demokatischen Protestmarsch versammelt. 450 Gläubige hielten im Victoria Park einen ökumenischen Gebetsgottesdienst ab (Hong Kong Sunday Examiner 6.,27.07.; South China Morning Post 2.07.; UCAN 8.07.; Vatican Insider 27.08.).

30. Juli 2013:
Parteizeitung bezeichnet umstrittenen Qigong-Großmeister als „geistiges Opium mancher Kader"
Der 61-jährige Wang Lin baute seit den 1990er Jahren als Qigong-Meister und Heiler ein Netzwerk von Kontakten auf, zu denen hochrangige Kader, Geschäftsleute und andere Prominenz, darunter der im Juli d.J. wegen Korruption verurteilte ehemalige Eisenbahnminister Liu Zhijun, gehören sollen. Er gelangte dadurch offenbar zu großem Reichtum. Wie u.a. die New York Times berichtete, kam es im Juli 2013 zu einer Welle von Anklagen gegen Wang in chinesischen Websites und Medien, er wurde des Schwindels, der Steuerhinterziehung und der Verbindung mit Kriminellen und korrupten Kadern beschuldigt. Wang Lin floh nach Hongkong, für das er eine ständige Aufenthaltserlaubnis besitzt. Am 30. Juli griff ein Leitartikel der Parteizeitung Renmin ribao Wang an und bezeichnete ihn als Spiegel der unersättlichen Habgier und des hässlichen Geistes mancher Beamter. Sie seien willensschwach, unzuverlässig in der Arbeit und würden aus schlechtem Gewissen eine Stütze in „feudalem Aberglauben" suchen. Diese „nicht an Marx und Engels, sondern an Geister und Götter glaubenden" Beamten müssten zu einem jähen Erwachen gebracht werden, forderte der Leitartikel. Die New York Times sah die Angriffe auf Wang in Zusammenhang mit der von Präsident Xi Jinping gestarteten „Massenlinien"-Kampagne zur ideologischen Ausrichtung der Partei (siehe Eintrag vom 18. Juni 2013) (New York Times 30.07.; Renmin ribao 30.07.; South China Morning Post 28.07.).

August 2013:
Berüchtigtes Tilanqiao-Gefängnis in Shanghai wird verlegt
Nach 110 Jahren soll das im Shanghaier Geschäftszentrum Hongkou gelegene Gefängnis vor die Stadttore von Shanghai verlegt werden. Das bestehende Gebäude soll in Geschäfts- und Bürogebäude umgewandelt werden. In dem ehemaligen britischen Kolonialgefängnis – das einst weltweit größte, „Alcatraz des Orients" genannte Gefängnis – waren auch viele prominente chinesische Katholiken inhaftiert, unter ihnen 200 Mitglieder des Klerus. So wurde z.B. Kardinal Ignatius Gong Pinmei dort 25 Jahre lang gefangen gehalten, bis er 1986 freigelassen wurde. Auch Bischof Aloysius Jin Luxian SJ war von 1960 bis 1962 dort in Haft (UCAN 2.08.; german.china.org.cn 12.07.).

August 2013:
Diözese Fenyang gründet erste Familienberatungsstelle
Mit Unterstützung von Bischof Huo Cheng wurde in der Diözese Fenyang, Provinz Shanxi, ein Zentrum speziell für Familiendienste gegründet. Es zählt sicherlich zu den ersten dieser Art innerhalb der chinesischen Kirche. Das Shangzhi xinling jiaoyu zhongxin 上智心灵教育中心 (Sophia – „Sapience Intelligence Educational Center") steht Hilfesuchenden aus der ganzen Gesellschaft offen. Es bietet Einzelberatung, Fortbildung in Gruppen, Ehevorbereitung, Hilfen zum „persönlichen Wachstum" für Ehepaare, Hilfe bei der Eltern-Kind-Kommunikation, beim Krisenmanagement, bei Internetsucht, Krebs usw. Zudem bietet es Telefonseelsorge für Menschen in Notlagen an. Geleitet wird das Zentrum vom Diözesanpriester Yang Weijie, der staatlich geprüfter psychologischer Berater und Lektor für Jugenderziehung beim Roten Kreuz ist. Er hat in verschiedenen Provinzen bereits einschlägige Kurse gegeben (www.chinacatholic.org 8.08.).

1. August 2013:
In Shenzhen tritt ein „Gesetz für gute Menschen" in Kraft
Die Sonderwirtschaftszone Shenzhen in Südchina verabschiedete „Bestimmungen zum Schutz der Rechte von Helfern", die jenen Rechtsschutz bieten, die Menschen in Not zu Hilfe kommen. In China kommt es häufig zu unterlassener Hilfeleistung, da man nicht davor gefeit ist, auf Schadensersatz verklagt zu werden, falls die Hilfe missglückt, oder aufgrund der Annahme, dass nur der Schuldige hilft. In den letzten Jahren war es immer wieder zu hitzigen Debatten um dieses Thema gekommen. Insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Fall eines zweijährigen Mädchens, das im Oktober 2011 in der südchinesischen Stadt Foshan überfahren wurde. Eine Überwachungskamera hielt mindestens 18 Passanten fest, die an dem schwer verletzten Kind vorbeigingen. Eine ältere Frau eilte schließlich zu Hilfe, das Mädchen starb jedoch acht Tage später an seinen Verletzungen. U.a. befreit das neue Gesetz die Hefter von Haftungspflicht, es werden Strafen eingeführt für die fälschliche Beschuldigung von Helfern sowie Kompensationszahlungen seitens der Regierung, falls ein Helfer verletzt wird oder gar stirbt. Wenn das Gesetz effektiv umgesetzt werde, könnte es Vorbildfunktion für ein nationales Gesetz haben, schrieb die South China Morning Post (4.08.; www.stimmen-aus-china.de 7.08.).

1. August 2013:
Ningxia: Neue Bestimmungen für religiöse Aktivitäten, die u.a. Teilnahme schulpflichtiger Kinder an religiösen Kursen verbieten, treten in Kraft
Die Regierung von Ningxia, wo sehr viele muslimische Hui leben, erließ am 3. Juni 2013 „Einige Bestimmungen zu den religiösen Angelegenheiten im Autonomen Gebiet Ningxia der Hui-Nationalität" (宁夏回族自治区宗教事务若干规定), die Anfang August in Kraft traten. Offiziellen Meldungen zufolge sehen die Bestimmungen unter anderem ein „System der Eintragung in die [staatlichen] Akten" (also eine Art Registrierung) für Provinzgrenzen überschreitende religiöse Aktivitäten vor – sowohl für Gruppen und Einzelpersonen, die von außerhalb nach Ningxia kommen, um religiöse Aktivitäten durchzuführen, wie auch für Gruppen aus Ningxia, die zur Teilnahme an religiösen Aktivitäten das Autonome Gebiet verlassen. Im Fall der einreisenden Gruppen und Einzelpersonen soll damit illegale Missionierung gestoppt werden. Akteneintragungspflichtig sind auch „Schrift-Klassen" (jingwenban 经文班 – gemeint ist vermutlich v.a. Koranunterricht) und andere religiöse Kurse. Die Aufnahme in solche Kurse von Kindern und Jugendlichen, die die 9-jährige Schulpflicht nicht abgeschlossen haben, ist verboten.
Zwar sieht das chinesische Gesetz eine Trennung von Erziehung und Religion vor, die „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten" enthalten jedoch kein Verbot religiöser Kurse für Kinder, die in vielen Gegenden z.B. in der katholischen Kirche sehr üblich sind. Die staatlichen Rechtsvorschriften sehen außerdem die Pflicht zur behördlichen Akteneintragung bisher nicht für Einzelaktivitäten, sondern nur für Grunddaten (anerkannte religiöse Amtsträger und Ämterbesetzungen, Statuten etc.) vor (Bericht auf der Website der Regierung von Ningxia, www.nx.gov.cn/zwxx/zw/zwdt/83333.htm; vgl. auch www.guancha.cn/society/2013_07_31_162575.shtml mit Wortlaut des Dokuments).

4. und 31. August 2013:
ChinaAid: Polizei geht gegen protestantische Hauskirchenvertreter in Xinjiang vor
Die in den USA ansässige Organisation ChinaAid, die Hauskirchen in China unterstützt, berichtete von einem erhöhten Druck auf nicht behördlich registrierte protestantische Hauskirchen in den Sommermonaten in Xinjiang. ChinaAid zufolge löste in Urumqi die Polizei am 6. Juni und am 4. August 2013 jeweils Gottesdienste auf, die von Pastor Tan Wen geleitet wurden; Pastor Tan wurde im Juni zu 10 Tagen Administrativhaft und 500 Yuan Strafe, im August zu 15 Tagen Administrativhaft verurteilt. Am 23. Juni brach die Polizei ebenfalls in Urumqi ein Hauskirchentreffen auf; eine Teilnehmerin namens Liu Xia wurde zu 5 Tagen Haft verurteilt. Bei allen drei Vorfällen hätten die Polizisten, die die Razzien durchführten, sich nicht mit Ausweisen identifiziert. Im Kreis Shaya in Xinjiang wurden ChinaAid zufolge am 31. August vier Hauskirchenangehörige festgenommen, weil sie Sommerkurse für Schulkinder in den Ferien organisiert hatten. Sie wurden zu je 15 Tagen Haft und 1.000 Yuan Strafe verurteilt. Die Polizei und die Schulen belegten auch die Eltern der teilnehmenden Kinder mit Geldstrafen – berichtete ChinaAid (www.chinaaid.org 22.07.; 5.08.; 4.,18.09.; South China Morning Post 24.07.).

5. August 2013:
South China Morning Post berichtet über zunehmende „Belästigung" von Hongkonger Christen durch die festländische „Kirche des Allmächtigen Gottes"
Die Kirche sei vor etwa zehn Jahren durch Einwanderer vom Festland nach Hongkong gelangt und sei mit „Millionen von Dollars" auf ihre jetzige Größe in Hongkong von über 2.000 Anhängern gepuscht worden, wobei die Herkunft des Geldes unbekannt sei – sagte Kevin Yeung Tze-ching, Generalsekretär der Concern Group on Newly Emerged Religions, der South China Morning Post (SCMP). Er schätze, dass 200 Christen in Hongkong belästigt und mental verletzt worden seien. Die Kirche des Allmächtigen Gottes (quanneng shen jiaohui 全能神教会), die sich früher Lehre vom Östlichen Blitz nannte und nach eigenen Angaben auf dem Festland eine Million Anhänger hat, verkündet eine Wiedergeburt Christi in Gestalt einer chinesischen Frau und sieht die KP Chinas als Satan oder „großen roten Drachen" an. Nachgesagt werden ihr in Festlandchina aggressive Werbemethoden bis hin zu Kidnapping und Erpressung. Der Religionswissenschaftler Kung Lap-yan von der Chinese University of Hongkong erklärte jedoch gegenüber der SCMP, bis jetzt gebe es keine Beweise, dass die Kirche in Hongkong etwas Illegales getan habe; er ziehe es vor, sie als neue Religion zu bezeichnen. Seiner Meinung nach nennen die etablierten Kirchen die Gruppe einen bösen Kult, weil sie sie als Konkurrenz sehen.
Die Kirche des Allmächtigen Gottes betreibt laut SCMP an mehreren Stellen in Hongkong Stände und verteilt Broschüren auf der Straße. Inzwischen warnen Hongkonger „Mainstream"-Kirchen mit Vorträgen, Broschüren und über Facebook vor der Sekte. UCAN zufolge breitet sie sich auch in Macau und Taiwan aus. Ein Zusammenschluss protestantischer Kirchen in Macau distanzierte sich im Frühjahr in öffentlichen Anzeigen von der Gruppe (South China Morning Post 5.08.; UCAN 10.04.).
Zum Aufruf der Nationalversammlung der chinesischen Protestanten zum Widerstand gegen Häresien, besonders den Östlichen Blitz, siehe die Informationen dieser Nummer.

7. August 2013:
Untergrundpriester in Hebei verhaftet
Der 39-jährige Priester Song Wanjun aus der Diözese Xiwanzi im Norden der Provinz Hebei wurde am frühen Morgen des 7. August von 10 Polizeibeamten aus seinem Auto heraus verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Drei weitere Priester aus Hebei – Shi Weiqiang, Tian Jianmin und Yang Gang – wurden ebenfalls im August verhaftet. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Verhaftungen von Untergrundklerikern in der Provinz. Wie die Kommission Justitia et Pax der Diözese Hongkong bereits am 13. April 2011 berichtet hatte, haben seit 2006 fast 20 Geistliche in der Region Zhangjiakou (Nord-Hebei) illegale Inhaftierung, Misshandlungen und Zwangsunterricht erlitten. Die Kommission wies dabei auch auf mehrere Fälle von Folter hin (AsiaNews 10.08.; UCAN 3.09.; www.hkjp.org/statement.php?id=109).

16. August 2013:
Zehntausende bei der Beerdigung von Hauskirchenführer Samuel Lamb in Guangzhou
In Nachrufen wurde der am 3. August 2013 verstorbene Pastor als „einer der einflussreichsten Führer" (South China Morning Post) und eine der „spirituellen Säulen" (Jidu shibao) der Hauskirchen in Festlandchina bezeichnet. Samuel Lamb (Lin Xiangao 林献羔) wurde am 4. Oktober 1924 in Macau geboren. 1945 begann er in Guangzhou (Kanton, Südchina) zu predigen und gründete dort 1950 die – nach einer Straße in Guangzhou benannte – Damazhan-Kirche. Nach einer ersten Inhaftierung 1955–1957 wurde er 1958 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich weigerte, sich der Drei-Selbst-Bewegung anzuschließen. Nach seiner Freilassung 1978 gründete er die Kirche neu. Sie wurde Guangzhous größte Hauskirche mit zuletzt rund 5.000 Teilnehmern bei den wöchentlichen Hauptgottesdiensten. Nachdem sie zunächst zwanzig Jahre lang von den Behörden mit Razzien und Verhaftungen bedrängt wurde, konnte sie in den letzten Jahren weitgehend ohne staatliche Einmischung arbeiten. Zehntausende Trauernde nahmen an der Beerdigung teil, die wegen des erwarteten Andrangs einen Tag vorverlegt wurde und unter starker Polizeipräsenz stattfand. Auch Vertreter der offiziellen Kirche seien zu der Beerdigung gekommen, hieß es in dem Bericht der South China Morning Post (17.08.; The Economist 24.08.; Jidu shibao 16.08. nach chinesechurchvoices.com 29.08.).

19. August 2013:
Bischof Jin von Shanghai auf See bestattet
Auf Wunsch des am 27. April 2013 verstorbenen Bischofs Aloysius Jin Luxian SJ wurde seine Asche im Meer verstreut, und zwar im Hafen von Wusong am Zusammenfluss von Huangpu- und Yangtse-Fluss. Bischof Jin war der erste chinesische Kirchenmann, der eine Seebestattung gewünscht hatte. 100 Priester, Schwestern und Gläubige fanden sich an Bord des Bootes. Vorher fand in der Kapelle des Bischofshauses ein Gottesdienst statt. Der Hauptzelebrant Priester Wu Jianlin erklärte dabei die Entscheidung des Bischofs wie folgt: „Er wollte sich vollständig mit der Liebe Gottes vereinen, nach Herzenslust im Meer der Liebe Gottes baden." Im Anschluss an die Bestattung gab es eine Gedächtnismesse in der Kathedrale von Xujiahui, an der 200 Priester, Schwestern, Gläubige und Regierungsvertreter teilnahmen.
Anfang August starb im Alter von 97 Jahren auch der Priester Franz Xaver Yao Jingxin, einer der früheren Herausgeber des Guangqi-Verlages in Shanghai (Xinde 22.08; UCAN 19.08).

26. August 2013:
Chinesische buddhistische Vereinigung (CBV) begeht 60-jähriges Bestehen
600 Personen kamen zu der Gedenkveranstaltung in der Großen Halle des Volkes, darunter hochrangiger Politiker. Yu Zhengsheng, der Vorsitzende der Politischen Konsultativkonferenz, beglückwünschte die Führer der CBV. Liu Yandong, KP-Politbüromitglied und Vizeministerpräsidentin, rief die CBV auf, ihre Rolle als Brücke zwischen Partei, Regierung und buddhistischen Gläubigen gut auszuüben sowie den „humanistischen Buddhismus", wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität zu fördern. Am 27. August führte die CBV aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens im Da’an-Tempel im Kreis Xianghe, Provinz Hebei, ein Segensgebet für den Weltfrieden und das Wohl von Staat und Volk durch. Es wurde von Meister Xuecheng, dem Vizevorsitzenden der CBV, unter Beteiligung von Vertretern der Han-chinesischen, der tibetischen und der Theravada-Tradition des Buddhismus geleitet.
In den 1950er Jahren veranlasste die kommunistische Führung Chinas die Gründung von Massenorganisationen der fünf großen Religionen. Die CBV wurde am 3. Juni 1953 gegründet (www.chinabuddhism.com.cn [offizielle Website der CBV] 26.,27.08.).

30. August 2013:
Chinesische islamische Vereinigung (CIV) begeht 60-jähriges Bestehen
Die Gedenkveranstaltung fand in der Großen Halle des Volkes unter Teilnahme hochrangiger Politiker statt, darunter Yu Zhengsheng, der Vorsitzende der Politischen Konsultativkonferenz, und Liu Yandong, KP-Politbüromitglied und Vizeministerpräsidentin. Liu rief die CIV auf, ihre Rolle als Brücke zwischen Partei, Regierung und Muslimen gut auszuüben sowie Patriotismus, Einheit unter den Ethnien und Stabilität zu fördern. Die CIV wurde am 11. Mai 1953 gegründet (Xinhua 30.08.; www.chinaislam.net.cn [offizielle Website der CIV]).

31. August 2013:
Papst Franziskus ernennt Erzbischof Parolin zum zweiten Mann im Vatikan
Erzbischof Pietro Parolin löst am 15. Oktober den 78-jährigen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone im Amt ab. Der 1955 in Norditalien geborene Parolin ist Vatikandiplomat und promovierter Kirchenrechtler. Ab 1992 arbeitete er im Staatssekretariat des Vatikan und war dort 2002–2009 Untersekretär der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten, was der Funktion eines stellvertretenden Außenministers entspricht. 2009 wurde er als Nuntius nach Venezuela versetzt. Seine Ernennung zum Staatssekretär des Vatikan wurde generell als Bestätigung des Willens von Papst Franziskus gesehen, die Kurie zu reformieren, und als Stärkung der Diplomatie.
In seiner Zeit als Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten war Pietro Parolin u.a. für Verhandlungen mit der kommunistischen Regierung von Vietnam zuständig, die 2009 zur Einrichtung einer hochrangigen bilateralen Kommission und 2011 zur Ernennung eines nicht im Land residierenden päpstlichen Repräsentanten für Vietnam führte. Auch die Beziehungen zu China fielen in sein Ressort. Der Vatican Insider schrieb, dass es 2005 nach dem Beginn des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. zu einer Wiederaufnahme direkter Kontakte mit China gekommen sei und dass Parolin zwischen 2007 und 2009 vatikanische Delegationen zu Gesprächen mit der chinesischen Seite geleitet habe, die dem Vernehmen nach in dieser Zeit Fortschritte machten, aber bald nach Parolins Versetzung 2009 zum Stillstand kamen. Nach Darstellung des Journalisten Robert Mickens in The Tablet erfolgte die Versetzung aufgrund der Kritik mancher, dass Parolin zu große Kompromisse mit Beijing eingehe. Unter seinem Nachfolger im Staatssekretariat, Mgr. Ettore Balestrero, sei der chinesischen Seite erklärt worden, dass der Papst ein bereits vorbereitetes Abkommen nicht unterzeichnen werde, schrieb Mickens. Ab 2010 verschlechterten die sino-vatikanischen Beziehungen sich drastisch. Viele Beobachter erwarten nun, dass es unter Staatssekretär Parolin gelingen werde, die Gespräche wiederaufzunehmen. Ein anonymer katholischer Kommentator aus Festlandchina, der in UCAN zu Wort kam, wies allerdings auch darauf hin, dass sich die vielen grundsätzlichen Probleme zwischen China und dem Vatikan, die sich in den letzten 50 Jahren angestaut hätten, nicht einfach durch die Neuernennung lösen werden (Radio Vatikan 31.08.; The Tablet 7.09.; UCAN 5.09.; Vatican Insider 30.,31.08.; 1.09.).

1. September 2013:
Rekordzahlen im „Kleinen Seminar“ in Xingtai
Das am 1. September begonnene Schuljahr konnte 30 neue Schüler verzeichnen – die größte Gruppe seit Jahren. In dem 1989 gegründeten Vorbereitungsseminar in der Diözese Xingtai, Provinz Hebei, werden damit derzeit insgesamt 70 Schüler bzw. „Kleine Seminaristen“ unterrichtet. Rektor Zhang Jican möchte im kommenden Schuljahr den Schwerpunkt auf die Sakramente der Eucharistie und Beichte legen. Insgesamt hat das Seminar seit seiner Gründung im Jahr 1989 rund 1.200 Schüler aufgenommen (Fides 5.09; Hong Kong Sunday Examiner 5.10).

1. und 7. September 2013:
Gebetstage für den Frieden auch in China begangen
Papst Franziskus hatte am 1. September für den 7. September zum weltweiten Gebet und Fasten für den Frieden in Syrien und weiteren Konfliktregionen aufgerufen, auch unter Anhängern nichtchristlicher Religionen und allen Menschen guten Willens. Bei der katholischen Zeitung Xinde wurde ein an die chinesischen Diözesen, Pfarreien, Konvente, Seminare, karitativen Werke und Gläubigen gericheter Appell einer Gruppe chinesischer Kleriker und Gläubiger abgedruckt, dem Aufruf des Papstes zum Friedensgebet zu folgen, u.a. mit Gottesdiensten, Fasten und persönlichem Gebet. Dem Aufruf des Papstes folgten chinesische Gläubige an zahlreichen Orten.
Offenbar zufällig hatten am 28. August die Patriotische Vereinigung und die Chinesische Bischofskonferenz in einem öffentlichen Schreiben für den 1. September ebenfalls zum Gebet für den Frieden in der Welt aufgerufen. Als Anlass nannten sie den 68. Jahrestag seit Ende des Zweiten Japanisch-Chinesischen (Antijapanischen) Krieges sowie des Zweiten Weltkrieges. Sie folgten damit einer Initiative der Kommission der chinesischen Religionen für den Weltfrieden, nach der die fünf offiziellen Religionen jeweils gemäß ihren eigenen Traditionen an den Jahrestagen in Tempeln und Kirchen für den Frieden beten sollten. Entsprechende Berichte sollten an das Büro von Patriotischer Vereinigung und Bischofskonferenz geschickt werden (www.chinacatholic.cn 29.08., www.chinacatholic.org 6.,8.,13.09.).

2. September 2013:
Eingabe der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Hongkong: UNO soll Religionsfreiheit in China prüfen
Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Diözese Hongkong wendet sich zum ersten Mal mit einer Eingabe an den UN-Menschenrechtsrat in Genf im Vorfeld des für den 22. Oktober festgelegten Universellen Periodischen Überprüfungsverfahrens zur Situation der Menschenrechte in China. Darin fordert sie, dass sich China an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Internationale Konvention über zivile und politische Rechte mit den darin verbrieften Rechten auf Religionsfreiheit halten soll. U.a. heißt es in der Eingabe: „Die chinesischen Behörden haben Maßnahmen bezüglich Politik und Religion ergriffen, die gegen die Prinzipien und Praktiken des katholischen Glaubens sind und die ernsthaft die Menschenrechte verletzt haben. Dies hat unter den Katholiken auf Festlandchina zu einer Spaltung in die sogenannte ‚offizielle Kirche‘ und die ‚Untergrundkirche‘ geführt und Schmerz und Leid innerhalb der Kirche verursacht." Das Schreiben bringt viele Beispiele von Unterdrückung und Beeinträchtigungen für Klerus wie Laien, von mangelnder Versammlungsfreiheit und dem Zwang zum Beitritt regierungssanktionierter Organisationen über willkürliche Verhaftungen und Hausarrest bis hin zu unmenschlicher Behandlung wie Folter (Hong Kong Sunday Examiner 14.09.; Radio Vatikan 4.09.; UCAN 3.09).

6. September 2013:
Staatsrat verabschiedet Dokument über Beschleunigung der Entwicklung des Altenpflegesektors –
Schwerpunkt auf häuslicher Pflege

Da die Zahl der über 60-jährigen von 194 Mio. im Jahr 2012 auf 300 Mio. im Jahr 2025 ansteigen werde, die Versorgung mit Altenpflegediensten noch ungenügend und zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt sei, müsse die Entwicklung in diesem Sektor beschleunigt werden, stellt der Staatsrat fest. Eine Basis-Altenpflege für besonders bedürftige alte Menschen müsse gewährleistet werden. Dazu müsse stark in entsprechende Dienste an der Basis investiert und die Familien und Einzelnen bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung unterstützt werden. Ansonsten setzt das Dokument stark auf die Entwicklung der Marktressourcen: die „gesellschaftlichen Kräfte“ sollen Hauptträger des Altenpflegesektors werden und beim Aufbau von Altenpflegeeinrichtungen unterstützt werden. Dazu sollen gerechte Wettbewerbschancen geschaffen, bürokratische Hürden abgebaut, ausländische Investitionen ermutigt sowie Familien- und Kleinunternehmen zur Altenpflege gefördert werden. Bis 2020 soll ein umfassendes häusliches Altenpflegenetzwerk aufgebaut sein, in dem die Nachbarschaftsviertel (shequ) als Bindeglied fungieren. Die Zahl der Altenpflegebetten soll 35–40 pro 1.000 alte Menschen erreichen. Unter die wichtigen politischen Maßnahmen zählt das Dokument u.a. die Ausbildung von Fachpersonal und die Beteiligung von Wohltätigkeitseinrichtungen. Letztere sollen eine „wichtige Kraft“ beim Aufbau von Altenpflegeeinrichtungen, der Entwicklung von Altenpflegeprodukten und der Versorgung mit Altenpflegediensten sein. Das Dokument sieht auch den Aufbau von Freiwilligendiensten für alte Menschen vor. Freiwilligeneinsätze von Behördenkadern, Mitarbeitern von Firmen und Einheiten, Schülern und Studenten sollen angeregt und Selbsthilfeorganisationen alter Menschen unterstützt werden („Ansichten über die Beschleunigung der Entwicklung des Dienstleistungssektors für die Altenpflege“ 国务院关于加快发展养老服务业的若干意见, unter www.gov.cn/zwgk/2013-09/13/content_2487704.htm).
Bereits am 27. Juni 2013 erließ das Ministerium für Zivilverwaltung Maßnahmen für die Genehmigung der Errichtung sowie für die Verwaltung von Altenpflegeeinrichtungen.
Die Kirchen, aber auch andere religiöse Gruppen in China kümmern sich an vielen Orten bereits um alleinstehende alte Menschen, z.B. durch Hausbesuche von Freiwilligengruppen; vgl. z.B. Joseph Loftus, „‚Lerne erst laufen, bevor du lossprintest!‘ Die katholische Kirche und die Fürsorge für Chinas Senioren“, in: China heute 2012, Nr. 4, S. 236-241.

8.–11. September 2013:
9. Nationalversammlung der chinesischen Protestanten tagt in Beijing
Auf der Tagung dieser höchsten Versammlung des offiziellen chinesischen Protestantismus sagte Ältester Fu Xianwei in seinem Arbeitsbericht, dass sich die Zahl der protestantischen Christen in China auf 24 Mio. erhöht habe. Fu Xianwei wurde als Vorsitzender, Pastor Xu Xiaohong als Generalsekretär des Komitees der Drei-Selbst-Bewegung der chinesischen protestantischen Kirchen im Amt wiedergewählt. Im Amt bestätigt wurden auch Pastor Gao Feng als Vorsitzender und Pastor Kan Baoping als Geschäftsführer des Chinesischen Christenrats. Die 315 Delegierten verabschiedeten eine Resolution zum „Widerstand gegen Irrlehren und Härsien", die sich besonders gegen die Kirche des Allmächtigen Gottes (Östlicher Blitz) wendet, einen „Aufruf, positive Energie zu entfalten, um gemeinsam den ‚chinesischen Traum‘ zu vollenden" und einen „Brief an die Brüder und Schwestern im Herrn im ganzen Land". Sie revidierten außerdem die Statuten der Drei-Selbst-Bewegung und des Chinesischen Christenrats. Am 12. September wurden die Delegierten von Yu Zhengsheng, dem Vorsitzenden der Politischen Konsultativkonferenz, in der Großen Halle des Volkes empfangen (www.ccctspm.org/201309/; siehe Bericht in den Informationen dieser Nummer).

9.–10. September 2013:
Präsident des türkischen Religionsamts besucht erstmals Xinjiang
Je freier Menschen ihre Religion praktizieren können, desto leichter werde ein friedliches Zusammenleben, sagte Mehmet Görmez, Präsident des Amts für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet), türkischen Meldungen zufolge bei Treffen mit Wei Xinhui, dem Leiter des Religionsbüros des Autonomen Gebiets Xinjiang, und mit Nur Bekri, dem Gouverneur des Gebiets. Nur Bekri wiederum erklärte der staatlichen Xinjiang Daily zufolge, in Xinjiang werde die Politik der Gleichberechtigung, der Glaubensfreiheit und des Rechts auf Erziehung und Benutzung der eigenen Sprache und Schrift gewissenhaft durchgeführt; die staatliche Nationalitäten- und Religionspolitik werde von den Angehörigen aller Ethnien befürwortet. Görmez hielt auch einen öffentlichen Vortrag in der Id Kah-Moschee in Urumqi. Von Xinjiang reiste er nach Beijing weiter, wo er u.a. von der stellvertretenden Ministerpräsidentin Liu Yandong empfangen wurde (Anadolu Agency 9.09.; Xinhua 12.09.; www.diyanet.gov.tr 10.09.; www.malaysianur.com/turkeys-religious-affairs-in-urumqi/; www.sara.gov.cn 13.09.; www.xjdaily.com.cn 11.09.).
Die Türkei fühlt sich den turksprachigen Uiguren als Brudervolk verbunden und protestierte gegen die Niederschlagung der Unruhen in Urumqi im Juli 2009 (vgl. China heute 2009, Nr. 3, S. 143), hat sich seither aber intensiv an China angenähert.

10. September 2013:
Gedenktafel für Jesuitenpater Jacquinot in Berlin eingeweiht
Der französische Jesuitenpater Robert Emile Jacquinot de Besange (1878–1946) rettete 1937 während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937–1945) in Shanghai etwa 360.000 Zivilisten, darunter 80.000 Kindern, durch die Einrichtung einer Sicherheitszone – der „Shanghai Safe Zone“ – das Leben. Jacquinot kam 1913 als Missionar nach China, wo er u.a. an der von seinem Orden geleiteten Aurora-Universität als Professor für englische Sprache und Literatur arbeitete. Zu Beginn des Krieges konnte er die Kriegsparteien davon überzeugen, dass die Organisation einer Sicherheitszone sowie die Versorgung der Flüchtlinge von Vorteil für alle Seiten seien. Im Juni 1940 kehrte er im Auftrag seines Ordens nach Europa zurück; 1945 wurde er Leiter der „Vatikanischen Delegation in Berlin für die Hilfe der Flüchtlinge und Vertriebenen“. Dort starb er 1946 und wurde auf dem Friedhof Heiligensee bestattet. Sein Konzept der Sicherheitszonen wurde nach seinem Tode in die Protokolle und Kommentare zu den Genfer Konventionen von 1949 aufgenommen. Zur Ehrung der humanitären Verdienste von P. Jacquinot – der im Übrigen in den Shanghaier Jahren mit John Rabe, „dem guten Deutschen von Nanjing“, in Verbindung stand und diesem bei der Einrichtung einer Sicherheitszone in Nanjing half – wurde am 10. September an seiner letzten Ruhestätte eine Gedenktafel eingeweiht. Dies erfolgte auf Anregung von Jiang Yuchun, Direktor des neugegründeten „Jacquinot-Rabe Freundschaftsvereins“ (China) und International Communications Manager des „John Rabe Kommunikationszentrums“ (Heidelberg) (http://klauspegler.de/texte/frohnau-frohnau/robert-jacquinot-de-besange; www.berliner-partner.de 11.09.).

11. September 2013:
Umfrage in Asien: Ein Viertel aller Männer gibt Vergewaltigungen zu
Nahezu ein Viertel aller Männer, die in einer UN-Untersuchung zum Thema Gewalt gegen Frauen in einigen Teilen Asiens interviewt wurden, gab zu, wenigstens einmal eine Vergewaltigung verübt zu haben. Vergewaltigung kommt besonders häufig innerhalb von bestehenden Beziehungen vor. 10.000 Männer aus sechs Ländern nahmen an der Untersuchung teil. An erster Stelle rangierte die Bougainville Insel auf Papua-Neuguinea mit 62%. In China lag der Prozentsatz der Männer, die mindestens eine Vergewaltigung zugaben, bei 22,2% (BBC 11.09.).

13.–18. September 2013:
Türkische islamische Kulturausstellung in Yinchuan – Görmez kontrastiert Islam in China mit Europa
Mit Vorführungen islamischer Kalligraphie, Koranrezitationen, Tanz und einer Ausstellung wurde den Besuchern im Autonomen Gebiet Ningxia der Hui in Nordwestchina die islamische Kultur der Türkei nähergebracht. Die Kulturschau war Teil des offiziellen Türkei-Jahrs in China und wurde gemeinsam vom Amt für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet), dem chinesischen Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) und der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV) veranstaltet. Im offiziellen Chinajahr 2012 in der Türkei war chinesische islamische Kultur in Istanbul präsentiert worden (vgl. Eintrag vom 31. August – 6. September 2012).
Mehmet Görmez, der Präsident des Diyanet, sagte am 13. September vor dem Freitagsgebet zu Muslimen in Yinchuan, sie könnten stolz auf sich und ihre Vorfahren sein: „Während Muslime, die große Zivilisationen in Europa errichteten [...], aus ihren Ländern geworfen wurden“ und in Andalusien etc. keine Spur geblieben sei von denen, die „die Aufklärung nach Europa brachten“, „habt ihr in China es geschafft, eure Existenz zu erhalten“ und die Botschaft des Islam über 13 Jahrhunderte hinweg in Ningxia und ganz China zu bewahren. „Vertragt euch mit euren Nachbarn und allen Menschen in eurem Land. Verlasst nie den Weg des Friedens“, sagte Görmez. Er erwähnte auch, dass es seit zwei Jahren eine Kooperation zwischen Diyanet, BRA und CIV gebe, die u.a. die Übersetzung islamischer Werke aus dem Chinesischen ins Türkische und umgekehrt beinhalte (www.diyanet.gov.tr 13.09.; www.sara.gov.cn 15.,18.09.).

17. September 2013:
Chinesischer Behindertenverband: Viele Behinderte Chinas leben in Armut
Menschen mit Behinderungen gehören zu den Bedürftigsten Chinas, 15 Mio. Behinderte auf dem Land und über 2,6 Mio. in der Stadt leben unter der Armutsgrenze – so Zhang Haidi, Vorsitzende des Chinesischen Behindertenverbands, am 17. September beim Sechsten Nationalkongress des Verbands in Beijing. Überdies hätten etwa 2,8 Mio. Behinderte auf dem Land kein Zuhause oder müssten in baufälligen Häusern leben. Der Verband will sich dafür einsetzen, dass in den nächsten Jahren alle Menschen mit Behinderungen in Sozialprogramme aufgenommen werden und einen Mindestlohn erhalten. Auch sollen sie in den Genuss entsprechender Rehabilitationsmaßnahmen kommen. Gleichzeitig sprach die Vorsitzende von Fortschritten, die in den letzten fünf Jahren in diesen Bereichen bereits erzielt wurden. Der Behindertenverband wirbt zudem für ein besseres Standing der Behinderten in der chinesischen Gesellschaft (Xinhua 17.09).

18. September 2013:
Taiwan: Pressekonferenz religiöser Gruppen gegen gleichgeschlechtliche Ehe
In einer Pressekonferenz der „Taiwanischen Allianz religiöser Gruppen für die Liebe zur Familie“ äußerten verschiedene religiöse Gruppen ihren starken Protest gegen eine Legalisierung der Ehe zwischen Partnern des gleichen Geschlechts. An der Pressekonferenz beteiligten sich 60 Religionsvertreter, darunter Buddhisten, Protestanten, Katholiken, Daoisten, Anhänger der Tiandijiao, der Vereinigungskirche („Moon-Sekte“) und der Yiguandao.
Am 3. Oktober 2013 veröffentlichte die Taiwan Alliance to Promote Civil Partnership Rights (TAPCPR) drei Entwürfe für Revisionen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Sie sehen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit Adoptionsrecht, ein Partnerschaftsgesetz sowie die eingetragene Beziehung für mehr als zwei Personen vor. Der Gesetzesentwurf für die gleichgeschlechtliche Ehe passierte am 25. Oktober die erste Lesung im Legislativ-Yuan (Parlament). Während am 26. Oktober in Taipei mehrere Zehntausend Teilnehmer der Taiwan LGBT Pride Parade für gleiche Rechte für Homo-, Bi- und Transsexuelle demonstrierten, protestierten am 29. November Zehntausende gegen die gleichgeschlechtliche Ehe (Bericht Willi Boehi; Taipei Times 19.09.; asienspiegel.ch 2.12.; chinapost.com.tw 22.09.; 27.10.; focustaiwan.tw 30.11.; newtalk.tw 19.09.; tapcpr.wordpress.com).

19. September 2013:
Papst Franziskus spendet Mondkuchen für Hongkonger Gefängnisinsassen
Die Antwort von Papst Franziskus auf eine Bitte um eine symbolische Spende für Mondkuchen für Gefängnisinsassen in Hongkong hat eine Welle von Bargeldspenden ausgelöst. Kardinal Joseph Zen von Hongkong, der sich seit mehreren Jahren für die Verteilung dieser traditionellen Speise zum chinesischen Mondfest – das in diesem Jahr auf den 19. September fiel – stark macht, hatte im August die Bitte ausgesprochen. Papst Franziskus hatte mit einer Grußkarte geantwortet: „Liebe Gläubige, ich beteilige mich gerne an der Spendenaktion für Mondkuchen für unsere Brüder und Schwestern in den Gefängnissen von Hongkong. Jesus wird uns an der Himmelstür wiedererkennen. Ein frohes Mondfest! Von Herzen segne ich euch, PP. Franziskus“ und selbst einen Betrag gespendet. Die etwa 15.000 Mondkuchen wurden an die Insassen in allen 23 Haftanstalten und Suchtzentren verteilt (UCAN 11.09.; Vatican Insider 18.09.).

25. September 2013:
Taiwans Innenminister eröffnet Programm „Temple Stay in Taiwan“
Innenminister Lee Hong-yuan (Li Hong­yuan) stellte bei einer Pressekonferenz im buddhistischen Ling Jiou Mountain Mon­astery in Gongliao, New Taipei City, den Plan vor, Tempel und religiöse Häuser ausländischen und einheimischen Touristen für einen Aufenthalt zu öffnen, um ihnen die vielfältige Kultur und Spiritualität der Insel zugänglich zu machen. Gleichzeitig soll der lokale Tourismus gefördert werden. Zu den ersten fünf vom Innenministerium ausgewählten und empfohlenen Ausflugszielen gehören mehrere buddhistische Klöster sowie das katholisches Kloster Berg der Seligpreisungen in Kaohsiung (Bericht Willi Boehi; Taipei Times 26.09.; www.moi.gov.tw 4.10.).
Aufenthalte in religiösen Häusern waren in Taiwan natürlich auch schon vorher möglich.

27. September 2013:
Berufungsverhandlung von Mitgliedern der „Rufer“ in Henan gegen Verurteilung wegen „Kult“-Aktivitäten – weiterer Fall in der Inneren Mongolei
30 Mitglieder der christlich inspirierten Gruppierung der „Rufer“ waren am 12. April 2012 im Kreis Ye, Stadt Pingding­shan in der Provinz Henan verhaftet und sieben von ihnen am 1. April 2013 vom Kreisgericht wegen „Benutzung einer Kultorganisation zur Untergrabung der Rechtsdurchsetzung“ zu Gefängnisstrafen zwischen drei und siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Ein Berufungsverfahren in Pingdingshan endete am 27. September 2013 zunächst ohne Ergebnis, weil die 14 Anwälte (13 von ihnen sollen laut Voice of America Christen sein), die die sieben vertraten, abends nicht in den Gerichtssaal zurückkehrten, um ein hastig durchgesetztes Urteil zu verhindern. Dies berichtete die in den USA ansässige Organisation ChinaAid.
In einem anderen Fall wurden am 25. Juli 2013 drei Mitglieder der Rufer im Stadtbezirk Yuquan, Stadt Hohhot in der Inneren Mongolei ebenfalls wegen Bildung und Benutzung einer Kultorganisation zur Untergrabung der Rechtsdurchsetzung zu acht und neun Jahren Gefängnis verurteilt. Sie waren bereits im Juli 2012 festgenommen worden. Wie ChinaAid am 8. Oktober 2013 meldete, wurden die drei bislang von der Lokalregierung daran gehindert, Berufung einzulegen.
Die „Rufer“ (huhanpai 呼喊派, „Shouter“) sind durch Abspaltung aus der 1922 von Watchman Nee in Fuzhou gegründeten, von Witness Lee in Taiwan und den USA fortgeführten „Lokalkirche“ (difang jiaohui 地方教会) entstanden. Sie sind seit 1983 in der VR China verboten und wurden 1995 zur Kultorganisation erklärt (South China Morning Post 7.07.; Voice of America 25.09.; www.chinaaid.org 27.04.; 7.,8.10.; www.cnfxj.org).

28. September, 11. November 2013:
Zwei Tibeter verbrennen sich aus Protest
Im ersten Fall handelte es sich um einen 40-jährigen Familienvater im Autonomen Bezirk Ngaba (chin. Aba) in Si­chuan, im zweiten um einen 20-jährigen Mönch im Kreis Pema in Qinghai. Beide starben. Zwischen 2011 und Ende November 2013 haben sich damit insgesamt 122 oder 123 Tibeter aus Protest gegen die chinesische Herrschaft selbst verbrannt, 104 oder 102 von ihnen starben an den Folgen (unterschiedliche Zählung bei www.savetibet.org und www.tibet.net). Die Zahl der Selbstverbrennungen ist jedoch seit Mai 2013 zurückgegangen.
Am 20. November sagte der Dalai Lama vor Parlamentariern in Tokyo, es sei schwierig für ihn, Tibeter von Protesten durch Selbstopferung abzubringen: „Ich kann sie nicht bitten, anders zu handeln, weil ich ihnen nichts anzubieten habe (I have nothing to offer them)“. Er rief die chinesischen Behörden auf, zu untersuchen, warum so viele Tibeter diesen Weg gewählt haben (Phayul 21.11.).

28. September 2013:
Hongkonger Regierung setzt erstmals Armutsgrenze – 1,3 Mio. Hongkonger sind arm
Die festgelegte Armutsgrenze liegt für einen Einpersonenhaushalt bei einem Einkommen von 3.600 HK$ (340 Euro) pro Monat, staatliche Sozialleistungen nicht eingerechnet. Danach leben 1,31 Mio. Hongkonger – 19,6% der Bevölkerung von 7 Mio. – unter der Armutsgrenze. Ein Drittel der Älteren und ein Fünftel der Kinder sind arm, über die Hälfte derer, die unter der Armutsgrenze leben, haben einen oder mehrere Vollzeitbeschäftigte im Haushalt. Die South China Morning Post merkte an, dass Hongkong mit 19,6% Armen im Vergleich mit Staaten wie Großbritannien, den USA, Frankreich und Korea, die die gleiche Berechnungsformel benutzen, relativ gut dastehe, nach Einrechnung der staatlichen Sozialleistungen aber nur die USA noch mehr Arme aufwiesen. Der Zeitung zufolge bemängeln Kritiker außerdem, dass es keine Zahlen zur Armut unter Behinderten und ethnischen Minderheiten gebe. Eine Studie der University of Bristol und der City University of Hongkong kam auf die höhere Zahl von 1,47 Mio. Armen und Benachteiligten in Hongkong (South China Morning Post 29.09.; 2.11.; Xinhua 28.09.).

Katharina Feith
Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben in der Chronik beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2013.

From: China heute 2013, No. 3, pp. 148-153, und Nr. 4, S. 207f.

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