Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Oktober bis 31. Dezember 2013

Anfang Oktober 2013:
Untergrundpriester in Baoding (Provinz Hebei) verhaftet
Zwei Untergrundpriester der Diözese Baoding wurden Anfang Oktober verhaftet. Nach Aussagen von AsiaNews wirft man ihnen vor, Katechismuskurse für Erwachsene in der Stadt Qinyuan nahe Baoding organisiert zu haben. Priester Tian Dalong und ein weiterer Priester, beide in den Vierzigern, wurden festgenommen und befinden sich seither in Polizeigewahrsam in Baoding, einem Gebiet mit einer der höchsten Zahlen von Untergrundkatholiken in China. Vier Laien, die den Priestern bei ihren pastoralen Aktivitäten halfen, mussten eine Geldstrafe von jeweils 4.000 Yuan bezahlen. Nach AsiaNews sollen sich mindestens 10 Priester in einer ähnlichen Situation befinden, einige von ihnen seien zu mehreren Jahren Arbeitslager verurteilt worden (AsiaNews 19.11).

6. Oktober 2013:
LA Times berichtet über Plan einer Wiederherstellung der Alten Synagoge von Harbin
Im Februar d.J. beschloss die Regierung der Stadt Harbin, die 1909 erbaute ehemalige Alte Synagoge wiederherzustellen, die dieses Jahr zum Nationalen Kulturerbe erklärt wurde. Von außen ist die Synagoge, die 450 Menschen fasste, noch als solche zu erkennen, das Innere ist nach jahrelanger Verwendung als Krankenhaus und später Jugendherberge völlig verändert. Die Wiederherstellung ist schwierig, da Baupläne fehlen. Wie die Synagoge nach der Renovierung genutzt werden soll, gibt der Bericht nicht an. Die Neue Synagoge von Harbin aus dem Jahr 1921 wurde 2004 renoviert und dient nun als Museum zum jüdischen Leben in Harbin (Los Angeles Times 6.10.; kehilalinks.jewishgen.org/harbin/Harbin_Synagogue_Restoration_Project.pdf).
In der nordostchinesischen Stadt lebten 1931 rund 13.000 Juden, die v.a. durch den Eisenbahnbau oder nach der Revolution in Russland 1917 als Flüchtlinge nach Harbin gekommen waren. Sie verließen China nach 1949.

6. Oktober 2013:
Wenzhou öffnet Kirchen für Taifun­opfer
Zwei Kirchen in Wenzhou (Provinz Zhejiang) öffneten ihre Räumlichkeiten, um Hunderten von Menschen Zuflucht zu gewähren, die vor dem Taifun Fitow – der an Chinas Ostküste wütete – flüchteten. Es handelte sich vor allem um Migranten, die in den Kirchen mit Essen und Decken versorgt wurden und bis zum nächsten Morgen blieben. Die Gemeindemitglieder nutzten die Gelegenheit, um den Migranten das Gemeindeleben vorzustellen und ein Video über das Leben Jesu zu zeigen.
Während der Taifunsaison leisten die Kirchen in den betroffenen Gebieten häufig den Opfern erste Hilfe. Auf Bitten der Lokalregierungen nehmen sie regelmäßig Wanderarbeiter und Bewohner von Evakuierungszonen auf (AsiaNews 10.10.).

11. Oktober 2013:
Falungong verweist auf anhaltende Verfolgungszahlen
Trotz der Schließung einiger Arbeitslager halte die Entführung und Folter von Falungong-Anhängern in China an, meldete das in den USA ansässige Falun Dafa Information Center. In letzter Zeit würde die Mehrheit der Falungong-Anhänger jedoch nicht mehr in Arbeitslagern, sondern in „Gehirnwäschezentren“ und Gefängnissen festgehalten. Der Trend zu den Gehirnwäschezentren sei gefährlich, da diese noch weniger gesetzlich geregelt seien als die Arbeitslager und offiziell gar nicht existierten. Im ersten Halbjahr 2013 starben nach einem Bericht der ebenfalls zu Falun Dafa gehörenden Website Minghui 43 Falungong-Anhänger an den Folgen von Folter, 2.101 Anhänger wurden entführt/verhaftet, 14 zu Arbeitslager verurteilt, 445 vor Gericht gestellt bzw. zu Gefängnisstrafen verurteilt, 186 wurden in Gehirnwäschezentren gebracht. Im gleichen Zeitraum seien Falungong-Anhänger aus vielen Arbeitslagern entlassen worden, was Minghui jedoch als bloße Strategie zur Verminderung der Kritik am System der Arbeitslager bezeichnete. Seit Beginn der Verfolgung von Falungong im Jahr 1999 wurden dem Bericht zufolge rund 11.500 Anhänger zu Gefängnisstrafen und 25.400 zu Arbeitslager verurteilt (Falun Dafa Information Center 11.10.; 19.11.; Minghui.org 22.07.).

14. Oktober 2013:
Christen und Buddhisten protestieren in Taipei gemeinsam gegen Abtreibung
Über 1.000 Christen und Buddhisten riefen während der Demonstration Parolen wie „Abtreibung ist Mord“ und beteten vor dem Präsidentenamt in Taipei. Sie überreichten zudem eine Petition an die Regierung, in der sie die gesetzliche Einführung einer verpflichtenden Beratung und einer siebentägigen Bedenkzeit vor einer Abtreibung forderten. Die Demonstration war Teil der US-amerikanischen „Stand for Life“-Kampagne (UCAN 15.10.).

17. Oktober 2013:
„Global Slavery Index“: 2,8 bis 3,1 Mio. Menschen in China leben in Sklaverei
China kam damit auf Rang 84 der 162 von der privaten australischen Walk Free Foundation überprüften Länder. Für Indien mit einer fast gleichen Bevölkerungszahl schätzte der Index 13,3–14,7 Mio. Menschen in Sklaverei (Rang 4). Das Ranking berücksichtigt neben der Zahl der versklavten Menschen das Vorkommen von Kinderehe und grenzüberschreitendem Menschenhandel. Für China nennt der Bericht vor allem Sklaverei durch Zwangsarbeit (auch in Zusammenhang mit der Arbeitsmigration, u.a. unethischen Arbeitsvermittlungsagenturen) sowie durch Menschenhandel zum Zweck der Zwangsverheiratung. Weltweit leben dem Index zufolge rund 30 Mio. Menschen in Sklaverei. Für Deutschland wird die Zahl auf 10.000–11.000 geschätzt (Rang 136). Nach Erkenntnissen der Forscher ist nicht Armut, sondern Korruption der Hauptfaktor für die Verbreitung von Sklaverei (www.globalslaveryindex.org; Reuters 17.10.).

20. Oktober 2013:
Chinesische NGO Huiling erhält internationalen Preis
Die von Teresa Meng Weina gegründete NGO Huiling wurde mit dem Internationalen Preis Vittorio Colombo ausgezeichnet. Diese Organisation begann schon 1985 damit, Schulen für geistig behinderte Kinder zu eröffnen. Sie leistete damit Pionierarbeit und hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Sozialsystems und auf die lokalen Behörden. Inzwischen betreibt Hui­ling mehr als 100 Zentren in 13 Großstädten Chinas. Regierungsautoritäten sehen Huiling als Modell für den chinesischen sozialen Dienst und für andere NGOs an. Teresa Meng Weina, heute Präsidentin von Huiling, will die Arbeit dieser NGO weiter verbessern und in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Bedürfnisse von geistig behinderten Menschen verstärken (Fides 31.10.). Jan Kwee

21. Oktober 2013:
South China Morning Post: Indischer Christ in Hongkong findet keinen Begräbnisplatz für seine Frau
Der Inder, dessen Familie seit 30 Jahren in Hongkong lebt, wurde aufgrund der ethnischen bzw. religiösen Zugehörigkeit seiner Frau von vielen Friedhöfen abgewiesen: Auf dem Hindu-Friedhof, wo viele Inder ihre letzte Ruhestätte finden, dürfen keine Christen beerdigt werden. Die Kirche der Familie gehört nicht der Union chinesischer Kirchen an, der protestantische Friedhöfe in der Stadt unterstehen. Die „Chinese Permanent Cemeteries“ nehmen nur ethnische Chinesen auf. Die Familie hatte auch kein Glück bei der Verlosung von Begräbnisplätzen der staatlichen Friedhöfe. Die Frau verstarb bereits im April. Wie der Bericht erklärte, sind Friedhöfe in Hongkong von der Antidiskriminierungsverordnung ausgenommen und können Bewerber aufgrund ihrer Rasse oder Religion abweisen (South China Morning Post 21.10.).

22. Oktober 2013:
Staatsrat veröffentlicht Weißbuch „Entwicklung und Fortschritt Tibets“ mit Angaben zu Religion
Der umfangreiche Text enthält auch zwei Absätze über „Respektierung und Schutz der Freiheit des religiösen Glaubens“. Diese werde durch die Zentralregierung und die Regierung des Autonomen Gebiets voll respektiert. In Tibet koexistierten „tibetischer Buddhismus, Bon Islam, Katholizismus und einige andere Religionen“, die Mehrheit der Bevölkerung hänge dem tibetischen Buddhismus an. Es gibt laut Weißbuch in Tibet 1.787 religiöse Versammlungsstätten, über 46.000 Mönche und Nonnen in Klöstern und 358 Lebende Buddhas. Das System der Reinkarnation Lebender Buddhas [für das der Staatsrat 2007 eigene Regelungen erlassen hat] werde vom Staat respektiert. „Bisher wurden über 40 inkarnierte Lebende Buddhas durch traditionelle religiöse Rituale und historische Konventionen bestätigt“, schreibt das Weißbuch – wobei nicht klar ist, auf welchen Zeitraum (seit 2007?) sich die Aussage bezieht. Der Staat stärke die Verwaltung religiöser Aktivitäten in Übereinstimmung mit dem Gesetz, verbiete die Einmischung von Religion in Verwaltung, Justiz und Bildung und den Gebrauch von Religion für illegale Aktivitäten. Die Schlußbemerkung des Dokuments enthält eine Kritik am Dalai Lama (Text unter www.chinadaily.com.cn/china/2013-10/22/content_17050578.htm).

22. Oktober 2013:
UN Prüfung zur Menschenrechtslage in China
Am 22. Oktober fand das Universelle periodische Überprüfungsverfahren zur Situation der Menschenrechte in China seitens des UN-Menschenrechtsrates in Genf statt. Der Rat überprüft alle vier Jahre seine UN-Mitgliedsstaaten, die Ergebnisse der Überprüfung haben jedoch keine bindende Kraft. Einige Stunden vor der Sitzung hatten tibetische Aktivisten vor dem Tagungsgebäude gegen die chinesische Tibet-Politik protestestiert. Während der Sitzung meldeten sich viele Delegationen westlicher Länder mit kritischen Stimmen zu Wort. Der deutsche Botschafter Hanns Schumacher drängte China dazu, Meinungs- und Redefreiheit zu sichern – eingeschlossen das Internet – und Reformen beim Strafrechtssystem voranzutreiben (insbesondere die Abschaffung der Umerziehung durch Arbeit). Außerdem forderte er China dazu auf, weiter die Zahl von Verbrechen zu reduzieren, die die Todesstrafe nach sich ziehen, die Anzahl der Todesurteile und Hinrichtungen zu veröffentlichen und eine öffentliche Debatte zuzulassen hinsichtlich eines Moratoriums und der möglichen Abschaffung der Todesstrafe. Es gab aber auch Länder, die eine positive Bilanz zogen, so verschiedene afrikanische Länder, die seit Jahren von China signifikant unterstützt werden. In seiner Stellungnahme verteidigte China seine Menschenrechtslage und wies u.a. auf die Verbesserungen bei sozialen und wirtschaftlichen Rechten hin. Wie UN-Inspektoren berichteten, hatte China bei der letzten Prüfung Empfehlungen akzeptiert, die Zivilgesellschaft zu stärken und so die Menschenrechte zu schützen – dies in einem Bericht von Reuters.
Im Vorfeld der Überprüfung hatte sich die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Diözese Hongkong zum ersten Mal mit einer Eingabe an den UN-Menschenrechtsrat gewandt, u.a. mit der Aufforderung, Fragen der Religionsfreiheit – insbesondere im katholischen Bereich – zu überprüfen (siehe die Dokumentation dieser Nummer) (BBC News China 22.10.; Reuters 16.10; 22.10.; The Epoch Times 24.10.; vgl. auch Einträge vom 12. November).

24. Oktober 2013:
Widersprüchliche Signale: Shanghaier Weihbischof erscheint bei Trauergottesdienst, während Shanghaier Seminarist durch Bischof von Haimen zum Priester geweiht wird
Ma Daqin, der bei seiner Weihe zum Weihbischof im Juli 2012 seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung erklärte und seither von den Behörden weitgehend in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt wird, seines Amtes enthoben wurde und nicht öffentlich auftreten darf, erschien am 24. Oktober beim Trauergottesdienst für Shen Baoyi. Shen war Mas Vorgänger als Chefredakteur des diözesanen Guangqi-Verlags gewesen.
UCAN schrieb in diesem Zusammenhang, Mas seit 14 Monaten anhaltende Beschränkung auf das Sheshan-Seminar scheine in den letzten Monaten gelockert worden zu sein. Im Juli habe Ma in Begleitung von Regierungsbeamten die revolutionäre Gedenkstätte Jinggangshan besucht; dies sei eine symbolische Geste gewesen, um gegenüber den Behörden Reue zu zeigen, schrieb die Agentur unter Berufung auf eine anonyme Quelle.
Ebenfalls am 24. Oktober weihte Bischof Shen Bin von Haimen in Haimen den Shanghaier Xie Huimin zum Priester, am Vortag hatte er ihn zum Diakon geweiht. Wie AsiaNews berichtete, hatten Leser chinesischer katholischer Websites Mas Freilassung gefordert, damit er selbst die Weihe vornehmen könne (AsiaNews 25.10.; UCAN 31.10.).
Am 8. Oktober veröffentlichte Bischof Ma eine Reflexion zur Enzyklika Lumen Fidei von Papst Franziskus auf seinem Blog, die kurz darauf vom Blog verschwand. Seither konnte Bischof Ma keinen neuen Blogeintrag publizieren, er veröffentlicht aber weiter täglich eine kurze Schriftreflexion auf seinem Weibo-Account.

26.–27. Oktober 2013:
Konferenz der NGOs, die sich um Waisenkinder kümmern
An einer von der katholischen Organisation Jinde Charities und der protestantischen Amity Foundation in Beijing organisierten Konferenz, bei der es um das Großziehen von verwaisten Kindern durch NGOs ging, nahmen insgesamt 47 NGOs aus ganz China teil, die sich um solche Kinder kümmern und z.B. Waisenhäuser leiten. Die diesbezügliche Politik der chinesischen Regierung, die nach einem Unglück Anfang 2013 eine verschärfte Aufsicht über private Waisenhäuser vorsieht, wurde von einem Vertreter des Ministeriums für Zivilverwaltung vorgestellt. Weitere Redner waren Professoren, Spezialisten aus dem In- und Ausland, darunter auch Schwester Wang Qingfen, die Verantwortliche von Liming Family, sowie Vertreter von NGOs der 5 Religionen. Zur Liming Family gehören u.a. Waisenheime, Rehabilitionszentren und Vorbereitungsgruppen für die Erwerbsfähigkeit von behinderten Jugendlichen (www.chinacatholic.org 5.09.; 7.11.). Jan Kwee

27. Oktober 2013:
Tianjin: Konvertiten auf Pilgerreise
Eine Gruppe von 40 Gläubigen, die kürzlich vom protestantischen zum katholischen Glauben konvertierten, begaben sich auf Pilgerschaft zur Gemeinde Yixingfu in der Diözese Tianjin. Sie gehören zur Kathedralgemeide von Tianjin. Die Gruppe wurde von einem Evangelisierungsteam der Xikai-Kathedrale sowie einigen anderen Gemeindemitgliedern begleitet. In seiner Predigt ging Ortspfarrer Yuan von Yixingfu u.a. auf die Struktur der kirchlichen Hierarchie und das Wesen der Kirche ein. Die Konvertiten hatten zudem Gelegenheit, das Gemeindeleben und verschiedene pastorale Aktivitäten kennenzulernen (Fides 6.11).

28. Oktober 2013:
5 Tote bei Anschlag dreier Uiguren auf dem Tian’anmen-Platz – Bekenner­video der „Turkestan Islamic Party“
Ein mit Benzinkanistern gefüllter Jeep raste am 28. Oktober auf einen Brückenpfeiler unmittelbar vor dem Tor des Himmlischen Friedens und ging in Flammen auf. Dabei starben die Insassen des Jeeps – ein Uigure mit seiner Mutter und seiner Ehefrau – und zwei Touristen, 40 Menschen, darunter vier ausländische Touristen, wurden verletzt. Die Behörden verhafteten fünf Uiguren in Beijing. Am 22. November stellte laut Reuters die in den USA ansässige SITE Intelligence Group, die terroristische Foren überwacht, ein Video online, in dem sich die Turkestan Islamic Party (TIP) zu dem Anschlag bekannte und weitere Angriffe u.a. auf die Große Halle des Volkes androhte. Der chinesische Regierungssprecher Qin Gang identifizierte am 25. November TIP mit dem East Turkestan Islamic Movement (ETIM). Die chinesischen Behörden hatten ETIM schon vorher als Urheber des Anschlags bezeichnet, während nicht-chinesische Medien u.a. uigurische Wissenschaftler in Beijing zitiert hatten, die dies bezweifelten. ETIM wurde 2002 von den USA als Terrorgruppe gelistet. Nach Polizeiangaben habe es 2012 in Xinjiang 190 gewaltsame und terroristische Vorfälle gegeben, deutlich mehr als im Jahr zuvor, schrieb Xinhua (China Daily 26.11.; Global Times 26.11.; Kyodo 1.,3.11.; Reuters 23.11.; South China Morning Post 1.,3.11.; Die Welt 29.10.; 17.11.; Xinhua 30.,31.10.; 4.,29.11.).
Zu gewaltsamen Vorfällen in Xinjiang 2013 siehe Einträge vom 13. April, 26. und 28. Juni 2013.

28. Oktober 2013:
Bischof Peter Liu Guandong (Diözese Yixian) stirbt im Alter von 94 Jahren
Bischof Liu wurde 1919 im Kreis Qing­yuan, Provinz Hebei, geboren und 1945 zum Priester geweiht. Er verbrachte fast 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis und Arbeitslager. 1982 wurde er im Geheimen zum Koadjutorbischof von Yixian (Provinz Hebei) geweiht, 1986 wurde er dort Ortsbischof. Nachdem Bischof Liu 1989 die Gründung einer Bischofskonferenz im Untergrund organisiert hatte, wurde er zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. 1994 erlitt der Bischof einen Schlaganfall und zog sich von allen Aufgaben zurück, er wurde jedoch in seinem Heimatort Weigezhuang unter Hausarrest gestellt, von wo er 1997 entkam. Die verbleibenden Jahre hielt er sich versteckt (siehe Nachruf in den Informationen).

31. Oktober 2013:
Kardinal Joseph Zen von Hongkong wird mit Preisen geehrt
Bei einer Zeremonie in Vancouver, Kanada, wurde dem Kardinal der diesjährige John Diefenbaker Defender of Human Rights and Freedom Award verliehen. Kardinal Zen wurde damit nach Aussagen des kanadischen Außenministers John Baird, der den Preis überreichte, für sein unerschütterliches Eintreten für Menschenrechte, Demokratie und Religionsfreiheit – in Hongkong wie auch Richtung Festlandchina − geehrt.
Bereits am 23. Oktober hatte Kardinal Zen von der protestantischen Theologischen Fakultät (Divinity School) der Chinese University of Hong Kong in Anerkennung seiner jahrzehntelangen pastoralen Sorge für Hongkongs Gefängnisinsassen den Lifetime Companionship Award erhalten. Seit Beginn der 1960er Jahre besucht der Kardinal regelmäßig Gefangene in verschiedenen Haftanstalten, seit seiner Emeritierung im Jahre 2009 zweimal monatlich. Im September hatte Zen Papst Franziskus eingeladen, sich an einer Aktion zum Verteilen von Mondkuchen an alle Gefängnisinsassen in Hongkong zu beteiligen (Hong Kong Sunday Examiner 2.,9.11.; UCAN 23.10; vgl. auch Eintrag vom 19. September 2013).

7. November 2013:
Letzte Gruppe chinesischer Mekka-Pilger kehrt von Hadsch nach China zurück − weniger Pilger als in den Vorjahren
Insgesamt 11.800 muslimische Pilger aus ganz China nahmen nach Angaben des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) am diesjährigen Hadsch teil. Das BRA habe die für die Organisation der Pilgerfahrt notwendige Koordination zwischen den verschiedenen Behörden übernommen und zusammen mit der Chinesischen islamischen Vereinigung ein Team aus mehreren hundert Führern, Ärzten, Köchen und Freiwilligen zur Versorgung der Pilger aufgestellt (www.sara.gov.cn 7.11.).
Die Zahl der Hadschis aus der VR China ist damit gegenüber den Vorjahren deutlich zurückgegangen: nach offiziellen Angaben waren es 2012 13.800, 2011 13.700 und 2010 13.000 Pilger. Erlaubt ist nur die Teilnahme an der offiziellen, vom BRA organisierten Wallfahrt.

12. November 2013:
Parteitag: ZK-Plenum verabschiedet Beschlüsse zur Abschaffung der Umerziehung durch Arbeit, Lockerung in der staatlichen Geburtenplanung
Das Zentralkomitee der KP Chinas verabschiedete am Ende seiner Vollversammlung vom 9.–12. November ein Kommuniqué mit Beschlüssen zu insgesamt 60 Themenbereichen. Unter Punkt 34 sieht es u.a. die Abschaffung des Systems der Umerziehung durch Arbeit vor sowie die schrittweise Reduzierung der Vergehen, auf die die Todesstrafe steht. Das 1957 zur Bestrafung von „leichteren Vergehen“ eingeführte System der „Umerziehung durch Arbeit“ (laodong jiaoyang 劳动教养) erlaubt eine Verurteilung zu bis zu vier Jahren Arbeitslager durch Polizeibeschluss ohne Gerichtsverfahren. In den Arbeitslagern werden bisher auch Bürgerrechtler, Falungong-Anhänger und andere religiös Verfolgte inhaftiert. Das System, das wegen fehlender Kontrollinstanzen besonders willkür- und missbrauchsanfällig ist, war zuletzt auch in den staatlichen Medien kritisch diskutiert worden. Abgeordnete hatten vor der letzten Versammlung des Nationalen Volkskongresses Anfang 2013 eine Reform des Systems gefordert (vgl. Eintrag vom 7. Januar – 3. März 2013).
Während an der staatlichen Geburtenplanungspolitik grundsätzlich festgehalten wird, sollen dem Kommuniqué zufolge künftig auch Familien, in denen nur einer der beiden Elternteile ein Einzelkind ist, zwei Kinder bekommen dürfen (Punkt 46). Bisher müssen beide Elternteile Einzelkinder sein; für Landbevölkerung und ethnische Minderheiten gelten besondere Regelungen.
Die konkrete Umsetzung der Parteibeschlüsse durch die Regierung steht noch aus (Die Welt 15.11.; news.xinhuanet.com/politics/2013-11/15/c_118164235.htm).

12. November 2013:
China in UN-Menschenrechtsrat gewählt
Ab kommendem Januar wird China erneut Mitglied im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen sein. U.a. zusammen mit Russland, Kuba, Saudi-Arabien, Vietnam und Algerien bekam China am 12. November genügend Stimmen, um in die Liste der 47 wechselnden Mitgliedsländer aufgenommen zu werden. Proteste von Menschenrechtlern blieben wirkungslos. Die Mitgliedszeit beträgt jeweils drei Jahre, eine anschließende Wiederwahl ist einmal möglich. Einige Staaten, darunter China, hatten nach sechs Jahren im Menschenrechtsrat dieses Jahr pausiert. Human Rights Watch hatte im Vorfeld festgestellt, dass China zu den Ländern gehört, die UN-Inspektoren in verschiedenen Anklagefällen seit Jahren nicht ins Land lassen (South China Morning Post 13.11; UN News Centre 12.11; www.zeit.de 12.11).

16./17. November 2013:
Pastor und über 20 Mitglieder einer offiziell registrierten protestantischen Gemeinde in Nanle (Henan) festgenommen
Wie die Organisation ChinaAid berichtete, wurde zuerst Pastor Zhang Shaojie am 16. November bei einem Treffen mit dem Leiter der Sicherheitsbehörde des Kreises Nanle in seiner Kirche festgenommen, später auch andere Gemeindemitglieder. Von der Kirche engagierte Rechtsanwälte seien daran gehindert worden, ihre Mandanten zu treffen. Über eine Woche nach der Festnahme sei in den meisten Fällen noch keine Anklage erhoben und die Familien nicht über den Aufenthaltsort der Festgenommenen informiert worden. Die Lokalregierung hatte laut ChinaAid vor einigen Jahren alle Hauskirchen im Kreis Nanle (Stadt Puyang, Provinz Henan) gezwungen, sich bei der Drei-Selbst-Bewegung zu registrieren, und Pastor Zhang Shaojie genötigt, Vorsitzender der örtlichen Drei-Selbst-Kirche und Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des Kreises zu werden. Gemeindemitglieder hätten die Vermutung geäußert, dass die Regierung Pastor Zhang nun als Drei-Selbst-Vorsitzenden absetzen wolle, da er sich häufig für soziale Randgruppen eingesetzt habe. In einem Hilferuf der Kirche vom 27. November, den ChinaAid veröffentlichte, gab diese zudem an, die Probleme hätten begonnen, nachdem Gemeindemitglieder nach Beijing gefahren seien, um Petitionen wegen Vorfällen bezüglich des Immobilieneigentums der Kirche vorzubringen. Die Kirche soll im Kreis Nanle 40 Versammlungsstätten haben (AsiaNews 21.11.; UCAN 25.11.; www.chinaaid.org 17.,19.,22.,27.,30.11.).

24. November 2013:
Christkönigsfest: Gemeinden in China begehen Abschluss des „Jahrs des Glaubens“

Das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens, das am 11. Oktober 2012 begann, wurde in China in zahlreichen Diözesen und Gemeinden mit vielfältigen Initiativen begangen. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten lag auf der Glaubensverbreitung. Zum Abschluss des Jahres am Christkönigsfest fanden an vielen Orten noch einmal spezielle Veranstaltungen statt (siehe den Bericht in den Informationen).

1. Dezember 2013 und 4. Februar 2014:
Medien berichten über Bauboom riesiger Freiluft-Buddhas als Touristenattraktionen
Tourismusbehörden und Immobilienentwickler bauten um die Wette immer höhere Buddhastatuen, um den Erfolg des 1996 fertiggestellten, 88 Meter hohen Großen Buddhas von Lingshan nachzuahmen, der 2013 3,8 Mio. Besucher anzog und damit 1,2 Mrd. Yuan einbrachte, schrieb die South China Morning Post (SCMP). Der Wettbewerb im Buddhabaugeschäft ist hart. Führend ist nach der Angaben Guangzhouer Xin Zhoukan (New Weekly) die Nanjinger Firma Aerosun (Hangtian chenguang 航天晨光), sie plant für 2014 zehn solcher Bauprojekte in ganz China und hat schon Große Buddhas in vielen asiatischen Ländern und in den USA gebaut. Ihre bisher höchste Statue ist die 108 Meter hohe Guanyin von Sanya (Hainan). Während in Ländern wie Japan, Thailand oder Bhutan Buddhastatuen von Gläubigen aus religiösen Gründen mit Spendengeldern errichtet würden, gehe es in China vor allem um die Tourismuswirtschaft, stellte ein Vertreter der Firma fest. Immer wieder gibt es laut SCMP Spannungen zwischen den Entwicklern buddhistischer Touristenattraktionen und Mönchen oder Einheimischen bezüglich der Besitzverhältnisse. So hätten Mönche versucht, den [mit mehreren Sockeln] 208 Meter hohen Großen Buddha im Kreis Lushan (Henan), den ein Entwickler 2008 für 1,2 Mrd. Yuan fertiggestellt hatte, zu übernehmen und für freien Eintritt zugänglich zu machen. Die Zeitung berichtete auch über Klagen Einheimischer, dass der im 8. Jahrhundert gebaute, 71 Meter hohe Große Buddha von Leshan durch einen Themenpark mit 3.000 Kopien berühmter Buddhastatuen aus aller Welt schwer geschädigt worden sei (SCMP 4.02.2014; Xin zhoukan 新周刊 Nr. 408, 1.12.2013).

4. Dezember 2013 − 16. März 2014:
Sechs Tibeter verbrennen sich selbst aus Protest
Nach Angaben von tibet.net, der Website der tibetischen Exilregierung, starben alle sechs Männer. Es handelt sich um drei Mönche, einen ehemaligen Mönch und zwei Familienväter. Die Selbstverbrennungen ereigneten sich in tibetischen Gebieten von Sichuan (3), Qinghai (2) und Gansu (1). Mit ihnen stieg die Zahl der Tibeter, die sich innerhalb der VR China seit 2011 selbst verbrannten, auf insgesamt 127 oder 128 (unterschiedliche Zählung nach tibet.net. und www.savetibet.org).

4. Dezember 2013:
Center on Religion and Chinese Society (CRCS) kündigt „Spatial Study of Chi­nese Religions and Society (2014−2016)“ an
Das Projekt weitet bereits laufende Studien zum Christentum auf Buddhismus, Islam und Daoismus in Festlandchina aus. Unter anderem sollen Daten zu den Stätten dieser Religionen gesammelt, verifiziert und in einer Online-Datenbank öffentlich zugänglich gemacht werden, heißt es in einer Bekanntmachung. Generell will das Projekt die empirische Forschung zu den chinesischen Religionen fördern und die globale Kooperation in diesem Bereich entwickeln. Es wird vom CRCS an der Purdue University (West Lafayette, Indiana) und dem China Data Center an der University of Michigan durchgeführt. Die Kenntnis der religiösen Landschaft in China sei sehr begrenzt, da man bisher von den Daten abhängig sei, die die Regierung zur Verfügung stellt, sagte Yang Fenggang vom CRCS gegenüber den Imperial Valley News (14.01.2014; chinadatacenter.org/Announcement/AnnouncementContent.aspx?id=475).

11. Dezember 2013:
Tod von Bischof Paul Liu Jinghe von Tangshan – Disput mit der Regierung über seinen Begräbnisort
Der emeritierte Bischof von Tangshan, Provinz Hebei, Paul Liu Jinghe, starb im Alter von fast 93 Jahren. Er war einer von drei Priestern, die das verheerende Erdbeben von Tangshan, bei dem im Juli 1976 240.000 Menschen starben, überlebt hatte.
Bischof Liu wurde am 26. Dezember 1920 geboren. Seine theologischen Studien abvolvierte er in Beijing. 1945 wurde er zum Priester geweiht, anschließend übernahm er pastorale Dienste in seiner Heimatdiözese. Zwischen 1940 und 1960 wurde Liu Jinghe dreimal inhaftiert, schließlich verbrachte er die Jahre 1970–1979 in einem Arbeitslager. Am 21. Dezember 1981 wurde er ohne päpstliches Mandat zum Bischof geweiht, am 8. Mai 2008 jedoch von Papst Benedikt XVI. anerkannt. 2010 wurde er aus Gesundheitsgründen emeritiert. Bischof Liu weigerte sich 2010, an einer illegitimen Bischofsweihe teilzunehmen.
Um das Begräbnis von Bischof Liu entbrannte zwischen den Regierungsbehörden und der Lokalkirche ein heftiger Streit. Bischof Liu hatte gefordert, auf dem Lulong-Friedhof begraben zu werden – dort wurde 1940 der erste Bischof der Diözese, der holländische Lazarist Ernst Geurts, bestattet. Der kirchliche Friedhof wurde in den 1950er Jahren zerstört und seither als Ackerland genutzt. 1993 konnte Bischof Liu mit Erlaubnis der Regierung die Gebeine von Geurts und den anderen Geistlichen in eine Ecke des Feldes umbetten; er forderte mehrfach die Rückgabe des Grundstücks.
Die Diözese Tangshan gab am 17. Dezember bekannt, dass Bischof Liu erst bestattet werde, wenn die Regierung das besagte Stück Land zurückgeben würde. Tags darauf wurden die Priester gezwungen, an einer Stitzung im Religionsbüro teilzunehmen. Die Website der Diözese wurde vorübergehend blockiert und die Handys aller Priester und Schwestern überwacht. Nach tagelangem Ringen kaufte die Regierung ein Stück Land im Dorf Beigang im Kreis Qianxi als Ersatz für den früheren Friedhof. Der Klerus zeigte sich mit der Lösung einverstanden und Bischof Liu wurde an Weihnachten dort bestattet.
Das Bistum Tangshan wird von Bischof Fang Jianping geleitet (AsiaNews 19.12.2013; Fides 19.12.2013; UCAN 18.,26.12.2013; www.chinacath.org/news/china/2013-12-19/25202.html).

15. Dezember 2013 bis 14. Februar 2014:
Nach offiziellen chinesischen Angaben sterben 47 Menschen bei vier Anschlägen in Xinjiang
Die gewaltsamen Auseinandersetzungen ereigneten sich in den Kreisen Shufu (15. Dezember, 16 Tote) und Shache/Yarkant (30. Dezember, 8 Tote), beide Regierungsbezirk Kashgar, sowie in den Kreisen Xinhe/Toksu (24. Januar, 12 Tote) und Wushi/Uqturpan (14. Februar, 11 Tote), beide Regierungsbezirk Aksu. Von den 47 Toten wurden in den Meldungen 45 als Angreifer und 2 als Polizisten identifiziert. Die Xinhua-Berichte, die für die drei letztgenannten Fälle vorliegen, sprachen von religiösem Extremismus und Terrorismus (Los Angeles Times 16.12.2013; South China Morning Post 30.12.2013; Xinhua 30.12.2013; 26.01.; 16.02.2014).

15. Dezember 2013:
Papst Franziskus unter den zehn „Schlüsselfiguren des Jahres 2013“
Während des fünfzehnten China International Press Forum in Hainan wurde Papst Franziskus in einer anonymen Abstimmung von 50 Medienvertretern aus ganz China an die dritte Stelle der zehn wichtigsten Personen des Jahres 2013 gewählt. Zu diesen zählten auch der Präsident des Iran Rohani, Präsident Putin, der ehemalige ägyptische Präsident Mursi und Nelson Mandela. Zum ersten Mal wurde eine religiöse Persönlichkeit in die Rangliste aufgenommen (Fides 7.01.2014; news.gmw.cn/2013-12/26/content_9928264.htm − Website der mitveranstaltenden staatlichen Guangming ribao).

17. Dezember 2013, 13. Februar 2014:
Meldungen zu neuen Formen der außergerichtlichen Inhaftierung
Behörden in China machten zunehmend Gebrauch von inoffiziellen sogenannten „schwarzen Gefängnissen“, Zwangsdrogenentzugszentren und „Gehirnwäschezentren“, die das System der „Umerziehung durch Arbeit“ ersetzten, meldete Amnesty International. Da diese Haftzentren keine rechtliche Grundlage hätten und die Behörden ihre Existenz leugneten, sei die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen noch größer als in den Arbeitslagern.
Die Xin jing bao (Beijing News) enthüllte am 13. Februar die Existenz von „Ermahnungszentren für unnormale Petitionssteller“ (fei zhengchang shangfang xunjie zhongxin 非正常上访训诫中心) in der Provinz Henan, die der „24-stündigen ununterbrochenen Ermahnung, Verwarnung und Erziehung“ dienten. Sie berief sich dabei u.a. auf Meldungen in sozialen online-Netzwerken. Am folgenden Tag meldete Xinhua, die Provinzregierung von Henan habe Teams entsandt, um die Vorwürfe zu prüfen. Falls solche Zentren gefunden würden, würden sie geschlossen und illegale Handlungen nach dem Gesetz bestraft (Amnesty International 17.12.2013; South China Morning Post 13.02.2014; Xinhua 14.02.2014; www.bjnews.com.cn 13.02.2014).

25. Dezember 2013:
Volle Weihnachtsgottesdienste in China
Auch zum diesjährigen Weihnachtsfest zog es wieder Tausende von Menschen in die christlichen Kirchen. In der Kathedrale von Beijing, der Südkirche, wurde der Gottesdienst über große Leinwände nach draußen übertragen. Weihnachten bot zudem Gelegenheit, bedürftige Menschen zu unterstützen. So organisierten viele Pfarreien Besuchsdienste zu armen Familien, alten Menschen und Kranken, in Altenheime und Waisenhäuser. Bei der von Jinde Charities in Shijiazhuang ausgerichteten neunten Weihnachtsspendengala am 14. Dezember kamen 500.000 Yuan (ca. 59.000 Euro) zusammen. Das Geld geht an Kinder armer Familien, Kinder mit Behinderungen sowie an AIDS erkrankte Kinder, um diese wieder in den Schulunterricht zu integrieren.
Inmitten des Weihnachts-Kommerzes, der in allen chinesischen Großstädten allgegenwärtig ist, gibt es nach einem Bericht der Global Times immer mehr christliche Hauskirchen, die auf den Straßen Passanten zu Gottesdiensten einladen. So würden viele Gottesdienste in den Großstädten in Privathäusern und Büros wie auch Geschäftshäusern abgehalten, zu denen Nichtchristen eingeladen würden. Offenes Missionieren auf den Straßen ziehe allerdings immer wieder die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich (Fides 20.12.2013; Global Times 19.12.2013; Hong Kong Sunday Examiner 4.01.2014; English.news.cn 26.12.2013).

28. Dezember 2013:
Ständiger Ausschuss des Nationalen Volkskongresses (NVK) beschließt Abschaffung der Arbeitslager
Der Ausschuss beschloss die Annullierung der Rechtsdokumente von 1957 und deren Ergänzungen von 1979, auf denen das System der Arbeitslager basierte. Der Beschluss trat mit dem Tag seiner Verkündigung in Kraft. Die vor Abschaffung der Umerziehung durch Arbeit verhängten Strafen blieben gültig, die Personen, die derzeit „Umerziehung durch Arbeit“ verbüßen, würden jedoch freigelassen und bräuchten die übrige Zeit nicht mehr zu verbüßen, heißt es in dem Beschluss (www.npc.gov.cn/npc/xinwen/2013-12/30/content_1821974.htm).
Die eigentliche politische Entscheidung zur Abschaffung des Systems der „Umerziehung durch Arbeit“ (laodong jiaoyang 劳动教养) war auf dem letzten Parteitag im November 2013 vom Zentralkomitee (ZK) der KP Chinas getroffen worden. Das System erlaubte eine Verurteilung von bis zu vier Jahren durch Polizeibeschluss ohne Gerichtsverfahren, betroffen waren u.a. auch religiös Verfolgte (vgl. Einträge vom 7. Januar – 3. März 2013 und 12. November 2013).

28. Dezember 2013:
Ständiger Ausschuss des NVK verabschiedet Beschluss zur Änderung der Familienpolitik
Diesem Beschluss zufolge darf ein Paar künftig zwei Kinder bekommen, wenn eines der beiden Elternteile ein Einzelkind ist. Nach der 1979 eingeführten Familienplanungspolitik durften Paare in den Städten bisher ein Kind bekommen, auf dem Land zwei, falls das erste ein Mädchen war. Ausnahmen gab es u.a. für Paare, bei denen beide Elternteile Einzelkinder waren. Nach Angaben staatlicher Medien wurden durch die Ein-Kind-Politik seit 1979 rund 400 Mio. Geburten verhindert. Während die Lockerung, von der schätzungsweise etwa 10 Mio. Paare betroffen seien, begrüßt werde, gebe es auch Kritik daran, dass der Staat an dem Grundsatz festhalte, selbst zu entscheiden, wie viele Kinder Familien haben sollten, schrieb die South China Morning Post. Der Ausschuss des NVK beauftragte die Provinzregierungen, ihre Bestimmungen zur Familienplanung entsprechend den lokalen demographischen Gegebenheiten an den Änderungsbeschluss anzupassen. Bis zum 25. Februar hatten dies die Regierungen von Beijing, Tianjin, Shanghai, Zhejiang, Jiangxi und Anhui getan. Die Änderung der Familienplanungspolitik war vom ZK der KP Chinas auf dem letzten Parteitag am 12. November 2013 beschlossen worden. Am 30. Dezember veröffentlichten das ZK und der Staatsrat gemeinsam eine politische Richtlinie mit dem Titel „Ansichten zur Wiederanpassung und Verbesserung der Geburtenplanungspolitik“ 关于调整完善生育政策的意见 (South China Morning Post 28.12.2013; Xinhua 28.,30.12.2013; 17.01.; 21.,25.02.2014). Siehe auch Einträge vom 7. Januar – 3. März 2013 und 12. November 2013.

28. Dezember 2013:
Neuer „Führer zur katholischen Kirche in China“
In Singapur ist die 8. Auflage des Guide to the Catholic Church erschienen. Der 642 Seiten umfassende zweisprachige (englisch-chinesische) Führer ist ein hilfreiches Nachschlagewerk für an der katholischen Kirche auf dem chinesischen Festland Interessierte und Besucher. Herausgeber ist das China Catholic Communication Center in Singapur, Autor des Guide to the Catholic Church in China 2014 P. Jean Charbonnier MEP. Die letzte Ausgabe erschien 2008. Das Buch enthält viele neue Angaben und Lagepläne sowie Fotos neuer Kirchen und Adressen von Websites (www.zhonglian.org).

Katharina Feith
Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2013.

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