Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. April bis 30. Juni 2014

3. April 2014:
Xinhua: Buddhistischer Tempel in Hangzhou bildet Anti-Terror-Einheit
Aus 20 Mönchen des Lingyin-Tempels und über 20 Sicherheitsbediensteten wurde die Einheit zusammengestellt, die mit Schilden, Pfefferspray und Schlagstöcken ausgerüstet ist und von der örtlichen Polizei trainiert wird. Der Tempel wird täglich von 10.000 Touristen und Gläubigen besucht. Es sei die erste solche Einheit in einem buddhistischen Tempel, meldete Xinhua (3.04.)

24. und 25. April 2014:
Behörden in Wenzhou (Zhejiang) demontieren Kreuzweg und Haus eines Katholiken im Untergrund
Die Figuren und Tafeln des auf einem Hügel im Freien gelegenen Kreuzwegs wurden am 25. April abtransportiert bzw. eingemauert, die restlichen religiösen Symbole der Anlage zerstört. Das am 24. April abgerissene Haus eines Laien diente den Behörden zufolge als religiöser Treffpunkt im Untergrund (UCAN 30.04.). Siehe hierzu den Beitrag in den Informationen und den Eintrag vom 28. April.

28. April 2014:
Die protestantische Sanjiang-Kirche in Zhejiang wird von den Behörden zerstört
Vorausgegangen war ein Monat von Verhandlungen der Kirchengemeinde mit den Behörden; zeitweise bewachten bis zu 3.000 Gläubige die Kirche. Der Abriss der Kirche, die bei den Behörden registriert war, fand im Rahmen der dreijährigen (2013−2015) Operation „Drei Umgestaltungen, ein Abriss“ in der Provinz Zhe­jiang statt. Seit April 2014 (und teilweise schon in den Monaten davor) wurden in Zhejiang zahlreiche „gesetzwidrige“ religiöse Gebäude und Gebäudeteile abgerissen und viele Kreuze von den Dächern und Türmen christlicher Kirchen entfernt. Gremien und Vertreter auch der offiziellen Kirchen sahen sich zu Stellungnahmen veranlasst. Zu den Einzelheiten siehe die Informationen und die Dokumentation dieser Nummer.

30.April 2014:
Bekanntmachung des Ministeriums für Zivilverwaltung und des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten zur Regulierung der Aufnahme von Waisen- und Findelkindern durch religiöse Kreise
Durch das neue Regelwerk wird die Aufnahme von Waisen- und Findelkindern durch religiöse Organisationen reguliert. Dies bezieht sich nicht nur auf die räumliche Unterbringung, die im Hinblick auf Brandschutz- und Hygienebestimmungen den nationalen Standards entsprechen muss. Auch Beaufsichtigung, Pflege, Erziehung und Ausbildung sollen gewährleistet und die Rechte und Interessen der Kinder berücksichtigt werden. Die Zusammenarbeit von Ämtern und Waisenhäusern soll verbessert und intensiviert werden, und für die Waisen- und Findelkinder wird von staatlicher Seite der grundlegende Lebensunterhalt gemäß den lokalen Standards bereitgestellt. Die neuen Regelungen beziehen sich allerdings nur auf Heime, die von religiösen Organisationen, die staatlich anerkannt und registriert sind, geführt werden. Während die sozialen Aktivitäten für Waisen- und Findelkinder solcher Organisationen legalisiert und gefördert werden, hat sich die Situation der von der inoffiziellen Kirche geführten Heime gravierend verschlechtert, denn da die inoffizielle Kirche nicht zu den gesetzlich registrierten religiösen Gemeinschaften gehört, dürfen durch sie oder die von ihr geschaffenen Organisationen keine Heime für Waisen- und Findelkinder geführt werden, woraus folgt, dass diese Heime geschlossen werden müssen. Eine weitere Regelung besagt, dass die von religiösen Organisationen aufgenommenen Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, deren religiösen Glauben anzunehmen. Auch diese Bestimmung und deren interpretationsbedürftige Formulierung sind problematisch (www.mca.gov.cn/article/zwgk/fvfg/shflhshsw/201405/20140500631165.shtml; China Daily online 6.05.; Xinhua 5.05.).
Eine Übersetzung dieser Bekanntmachungen befindet sich in der Dokumentation dieser Nummer. Jan Kwee

6. Mai 2014:
Erstes Blaubuch zur nationalen Sicherheit warnt vor Infiltration durch Religion
Religiöse Infiltration bedrohe die Identität des sozialistischen Glaubens, stellt das Blaubuch mit dem englischen Titel Annual Report on China’s National Security Studies (2014) fest. Es wurde vom Zentrum für internationale Strategie und Sicherheitsstudien der University of International Relations kompiliert und erschien im Verlag der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. Die religiöse Infiltration Chinas durch feindliche westliche Kräfte nehme immer vielfältigere Formen und größeren Umfang an, sie sei agitatorisch und trügerisch, heißt es in dem Blaubuch (hier dargestellt nach einem Bericht der Beijinger Zeitung Xinjingbao). Die ausländischen religiösen Infiltrationskräfte hätten ihre Fühler schon in alle Bereiche der chinesischen Gesellschaft ausgestreckt. Als Beispiel führt der Bericht an, dass alle Terroranschläge in China 2013 von religiösen Extremisten verübt worden seien. „Die religiöse Infiltration stellt eine äußerst große Bedrohung für die ideologische Sicherheit des heutigen Chinas und eine schwerwiegende Gefährdung der nationalen Sicherheit Chinas dar“, heißt es in dem Blaubuch (nach epaper.bjnews.com.cn/html/2014-05/07/content_510389.htm?div=-1&news; vgl. People’s Daily Online 8.05.; UCAN 7.05.; ).
Zur Frage der religiösen Infiltration von Hochschulen siehe auch die Dokumentation dieser Nummer.

8. Mai 2014:
Offizielle Bischofswahl in der Diözese Chengdu, Provinz Sichuan
In zwei Wahlrunden wurde der 1963 geborene Priester Tang Yuange mit 39 gegen 8 Stimmen von einem Wahlgremium aus 21 Priestern, 3 Diakonen sowie 23 Schwestern, Seminaristen und Laien zum Bischofskandidaten gewählt. Anwesend waren Bischof Luo Xuebin von Yibin und Bischof Chen Gong’ao von Nanchong, die beiden von Rom anerkannten Bischöfe Sichuans, sowie Regierungsvertreter. Die Approbation durch die staatlich sanktionierte offizielle Bischofskonferenz steht noch aus. Es sei unklar, ob der Vatikan einer Bischofsweihe von Tang zustimmen werde, schrieb UCAN. Die Nachrichtenagentur wies darauf hin, dass diese erste Bischofswahl in der offiziellen Kirche seit Amtsantritt von Papst Franziskus ein Prüfstein für die Beziehungen zwischen Beijing und dem Vatikan sein werde. Der Bischofssitz von Chengdu ist seit 1998 vakant. 2011 war bereits Priester Li Zhigang zum Bischofskandidaten gewählt worden, er starb jedoch kurz darauf (UCAN 9.05.; www.sctzj.com 9.05.).

15. Mai 2014:
Xinhua: Symposium in Urumqi ruft chinesische Muslime zu Widerstand gegen religiösen Extremismus und Terrorismus auf
Das Symposium in Urumqi wurde von der Chinesischen islamischen Vereinigung veranstaltet. Wang Zuo’an, der Direktor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, erklärte dort, religiöser Extremismus habe nichts mit dem Islam zu tun, sondern sei eine „bösartige Verdrehung und Geiselnahme der Religion“. Terrorismus sei weder ein ethnisches Problem noch das Problem einer bestimmten Religion, sondern ein Feind der menschlichen Zivilisation.
In den letzten Monaten gab es eine Reihe von Anschlägen, für die die chinesischen Behörden uigurische Separatisten verantwortlich machten. Bei dem schwersten Anschlag auf einen Markt in Urumqi am 22. Mai kamen 43 Menschen, darunter 4 Angreifer, ums Leben, über 90 wurden verletzt (New York Times 23.05.; Xinhua 16.05.)

18.−19. Mai 2014:
Katholiken aus Südkorea übergeben nordkoreanischen Katholiken in Shen­yang (China) Einladung zur Papstmesse
Südkorea lädt katholische Gläubige aus Nordkorea zur Messe mit Papst Franziskus am 18. August in Seoul ein, wie ein Vertreter der Koreanischen Bischofskonferenz mitteilte. Diese Einladung sprachen südkoreanischen Katholiken bei einem Treffen mit nordkoreanischen Katholiken in Shenyang aus − berichtete die vatikanische Nachrichtenagentur Fides. Papst Franziskus wird Südkorea vom 14.−18. August besuchen.
Laut Vatican Insider spekulieren „informierte Beobachter“, der Papst könnte auf der Reise nach Korea einen Zwischenstopp in Beijing einlegen (Fides 26.05.; Vatican Insider 13.06.).

21. / 24. Mai 2014
Papst Franziskus ruft zum Gebet für die Katholiken in China auf
Am 21. Mai sagte der Papst − unter Vewendung von Worten seines Vorgängers − am Ende der Generalaudienz auf dem Petersplatz: „Am 24. Mai feiern wir den liturgischen Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria Hilfe der Christen, die sich im Marienheiligtum von Sheshan in Shanghai großer Verehrung erfreut. Ich bitte alle Gläubigen um ihr Gebet, damit unter dem Schutz der Mater Auxiliatrix die Katholiken in China weiter glauben, hoffen und lieben und, unter allen Umständen, Sauerteig für ein harmonisches Zusammenleben aller Bürger sein können“ (www.vatican.va 21.05.). Der Gebetstag für die chinesische Kirche wurde in China selbst und weltweit begangen.

26. Mai 2014:
Nationale protestantische Leitungsgremien geben sieben Bestimmungen für die theologischen Seminare heraus
Die sieben „zum probeweisen Gebrauch“ veröffentlichen Bestimmungen betreffen Dozenten und Studienabschlüsse an theologischen Seminaren. Der Chinesische Christenrat und die Nationale Drei-Selbst-Bewegung entsprachen damit den Vorgaben zweier Dokumente des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, die am 1. Januar 2013 in Kraft traten, nämlich den „Maßnahmen zur Anerkennung des Status, der Rangbezeichnungen und der Ernennung von Dozenten an religiösen Ausbildungsstätten“ sowie den „Maßnahmen zur Verleihung akademischer Grade an religiösen Ausbildungsstätten“ (www.ccctspm.org/news/ccctspm/2014/526/14526770.html; vgl. Eintrag vom 5. November 2012).

28. Mai 2014:
Frau in MacDonalds-Filiale in Shandong wird von Personen erschlagen, die als Mitglieder der „Kirche vom Allmächtigen Gott“ identifiziert werden
Wie chinesische staatliche Medien berichteten, erschlugen sechs Personen in dem Restaurant in der Stadt Zhaoyuan brutal eine 37-jährige Frau, als diese sich weigerte, ihnen ihre Telefonnummer zu geben. Der Angriff habe begonnen, nachdem eine Frau aus der Gruppe die 37-jährige als bösen Geist bezeichnet habe. Im chinesischen Fernsehen wurden dazu Ausschnitte von einer anscheinend mit einem Handy gedrehten Videoaufnahme des Vorfalls gezeigt. Die örtliche Polizei erklärte am 31. Mai, dass die sechs Personen, darunter ein Vater und seine drei Kinder (zwei davon Erwachsene), Anhänger der „häretischen Sekte“ vom Allmächtigen Gott seien. Die Hongkonger Zeitung South China Morning Post, die mit einem Verwandten des Opfers und Zeugen des Vorfalls gesprochen hatte, berichtete, dass die Familie des Opfers am 3. Juni vor dem Restaurant der Toten gedachte und Opfergaben aus Papier verbrannte.
In einem offenen Brief vom 6. Juni verurteilten die Leitungsgremien der offiziellen protestantischen Kirche das „wahnsinnige Verbrechen“ und riefen die Christen zu Wachsamkeit gegenüber der „häretischen Organisation“ auf. Die Parteizeitung People’s Daily sprach von einer „typischen Kulttötung“. Derzeit operierten schätzungsweise 14 Kultorganisationen in China, so die Zeitung. Nach dem Mord begannen alle Medien, Lokalbehörden und Schulen vor den Gefahren böser Kulte zu warnen, hieß es in der New York Times (17.06.; Nanfang zhoumo 5.06.; People’s Daily Online 5.06.; South China Morning Post 4.06.; Xinhua 31.05.; www.ccctspm.org/news/ccctspm/2014/66/1466769.html).
Die in den 1990er Jahren gegründete „Kirche des allmächtigen Gottes“ (auch „Lehre vom Östlichen Blitz“) verkündet den Allmächtigen Gott oder Zweiten Christus, eine Wiedergeburt Christi in Gestalt einer chinesischen Frau, dessen Antithese Satan oder der „große rote Drache“ ist, den die Sekte mit der KP Chinas identifiziert. Sie wirbt seit Jahren vor allem in christlichen Gemeinden Gläubige ab.

30. Mai 2014:
Administrator der Diözese Yujiang wird von Behördenvertretern verschleppt
Der Priester Johannes Peng Weizhao wurde aus der Wohnung eines Priesters in Lin­chuan an einen unbekannten Ort „mitgenommen“ und war zwei Wochen später immer noch verschwunden, wie UCAN berichtete. Beamte des lokalen Religionsbüros von Linchuan gaben an, es handle sich um eine Aktion der Provinzregierung von Jiangxi. Der Grund für die Festnahme wurde nicht bekannt. Priester Peng, der zur nicht-registrierten katholischen Gemeinschaft im Untergrund gehört, wurde 2012 vom Heiligen Stuhl zum Apostolischen Administrator der Diözese Yujiang ernannt, nachdem der betagte Bischof Zeng Jingmu zurückgetreten war. In der Provinz Jiangxi hat die offizielle Kirche alle fünf Diözesen der Provinz (darunter Yujiang) 1985 zur Diözese Jiangxi zusammengelegt, während die Kirche im Untergrund weiter der vatikanischen Einteilung folgt. Laut AsiaNews kommentierte eine kirchliche Quelle aus China: „Sie versuchen, alle Kandidaten für das Bischofsamt in der Untergrundkirche zu eliminieren“ (AsiaNews 11.06.; UCAN 9.09.).

4. Juni 2014:
Hongkong: Rekordzahl bei Gedenkfeier für die Opfer vom Tian’anmen-Platz 1989
An der Hongkonger Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Massakers vom Tian’anmenplatz vor 25 Jahren nahmen laut Schätzung der veranstaltenden Hongkonger Allianz zur Unterstützung der Demokratiebewegung in China ca. 180.000 Personen (laut Polizei 99.500) teil. Vor der Rally trafen sich Christen zu einer Gebetsvigil, die die Kommission Justitia et Pax der katholischen Diözese Hongkong organisierte. Zu den Einzelheiten siehe die Informationen dieser Nummer. K. Feith

8. Juni 2014:
South China Morning Post: Beijing und Vatikan bereiten sich auf Wiederaufnahme von Gesprächen vor
Dies schrieb die Zeitung unter Berufung auf eine dem Heiligen Stuhl nahestehende Person, die sagte, der Vatikan warte nun auf eine Bestätigung für Ort und Zeit der Gespräche durch Beijing. Es wären die ersten formalen Gespräche zwischen Beijing und dem Vatikan seit 2010, so die Zeitung. Sie zitierte Bischof Fang Xinyao, den Vorsitzenden der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, mit den Worten, jetzt sei eine ideale Zeit für die Aufnahme von Beziehungen mit dem Vatikan (South China Morning Post 8.06.).

10. Juni 2014:
Inspektor für Parteidisziplin wirft Chinesischer Akademie der Sozialwissenschaften (CASS) vor, von ausländischen Mächten infiltriert zu sein
Wie die South China Morning Post berichtete, wurde die Kritik von Zhang Yingwei geäußert, als er einen Besuch von Vertretern der Diziplinkontrollkommission der KP Chinas am 10. Juni bei der CASS anführte. Ein Bericht darüber erschien auf der Website der CASS, wurde aber bald wieder entfernt. Die CASS habe ideologische Probleme, sagte Zhang diesem Bericht zufolge bei dem Besuch. Sie benutze akademische Forschung als Deckmantel für andere Zwecke, verwende das Internet zur Verbreitung von Theorien, die fremden Mächten in die Hände spielten, und lasse unangebrachten ausländischen Einfluss auf sensitive Themen zu. Er sprach auch von „illegalen Absprachen“ zwischen Experten der CASS und ausländischen Interessen in sensitiven Zeiten und mahnte mehr politisches Bewusstsein bei den Wissenschaftlern an. Es werde für niemanden eine Ausnahme geben (South China Morning Post 15.06.).

10. Juni 2014:
Weißbuch des Staatsrats betont Kontrolle Beijings über Hongkong
Mit einem vom Informationsbüro des Staatsrats herausgegebenen „Weißbuch“ wurde Hongkong daran erinnert, dass es der Kontrolle Beijings unterliegt. „Die Zentralregierung übt uneingeschränkte Verwaltungsbefugnisse gegenüber allen Verwaltungseinheiten einschließlich der Sonderverwaltungszone Hongkong aus. ... Die Sonderverwaltungszone verfügt nur über so viel Macht, wie sie von der Zentralregierung übertragen bekommt“, heißt es in dem Weißbuch. Es stieß in Hongkong vielfach auf Kritik und beflügelte nach Meinung von Kommentatoren die Teilnahme am inoffiziellen Referendum zur Wahl des Hongkonger Chief Executive vom 20.−29. Juni (s.u.). Deutscher Text des Weißbuchs „Die Umsetzung der Richtlinie ‚Ein Land, zwei Systeme‘ in der Sonderverwaltungszone Hongkong“ unter german.china.org.cn/pressconference/2014-06/19/content_32710755.htm.

11. Juni 2014:
Absichtserklärung zur Errichtung eines Zentrums für orthodoxe Kultur an der Fremdsprachenuniversität Shanghai
Die Absichtserklärung wurde in Shanghai von Prof. Cao Deming, dem Rektor der Universität, und Archimandrit Tikhon (Shevkunov) vom Rat für Kultur des Moskauer Patriarchats unterzeichnet. Zu den künftigen Aufgaben des Zentrums gehört u.a. die Veröffentlichung eines chinesisch-russischen Bibelwörterbuchs und eines Wörterbuchs orthodoxer Begriffe (pravolslavie.ru 16.06.).

Mitte Juni 2014:
Nationaler Sicherheitsrat soll Überprüfung aller NGOs mit ausländischem Hintergrund angeordnet haben
Laut einer Bekanntmachung der Regierung der Stadt Yuncheng (Provinz Shanxi), die Mitte Juni auf einem lokalen Nachrichtenportal erschienen sein soll, hat der Nationale Sicherheitsrat eine Überprüfung der ausländischen NGOs und ihrer Beziehungen zu chinesischen Partnern angeordnet, die von Mai bis Ende Juli 2014 dauern und die „Verwaltungsstandards weiter stärken“ soll. Wie AFP mit Bezug auf andere chinesische Nachrichtenportale berichtete, wurde der Link zu der Originalmeldung bald darauf gekappt, es kursierten aber Screenshots. Es gab keine Bestätigung von offizieller Seite für eine solche Aktion. Der neu eingerichtete Nationale Sicherheitsrat wird von Präsident Xi Jinping geleitet und tagte zum ersten Mal am 16. April 2014 (AFP 20.06.; UCAN 7.05.).

18. Juni 2014:
UCAN: Bischof Ma Daqin (Shanghai) bleibt auch nach zwei Jahren im Hausarrest
Bischof Ma müsse seine „Reue und Reflexion“ fortsetzen, sagten Regierungsbeamte zu Priestern und Schwestern der Diözese Shanghai, die im Juni an einem „Studienkurs“ teilnahmen. Dies bedeute, dass Bischof Ma nicht herauskomme, um die Leitung der Diözese zu übernehmen, sagte ein Kursteilnehmer zu UCAN. Bischof Ma ist in de facto-Hausarrest, seit er unmittelbar nach seiner Bischofsweihe am 7. Juli 2012 seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung erklärte.
Im März hatte Reuters unter Berufung auf eine dem Heiligen Stuhl nahestehende Quelle berichtet, die chinesische Regierung habe privat signalisiert, dass sie Ma zum Ortsbischof von Shanghai ernennen und zwei langjährig inhaftierte Bischöfe freilassen könne. Liu Bainian, der einflussreiche Ehrenvorsitzende der Patriotischen Vereinigung, sagte hingegen zu Reuters, Ma habe [mit seiner Austrittserklärung] die Bischöfe getäuscht und die Regierung wie auch die Öffentlichkeit betrogen, wie könne er dann die Verantwortung für eine so große Diözese übernehmen? Er habe klar unter dem Einfluss von Ausländern gestanden (Reuters 31.03.; UCAN 18.06.).

20.−29. Juni 2014:
780.000 Hongkonger beteiligen sich am inoffiziellen Referendum zur Wahl des Chief Executive
Damit nahmen fast 10% der Hongkonger Bevölkerung, deutlich mehr als erwartet, an der von der pro-demokratischen Gruppe „Occupy Central“ organisierten Umfrage teil. Sie konnten zwischen drei verschiedenen Möglichkeiten einer Nominierung der Kandidaten für das Amt des Chief Executive durch das Volk entscheiden. Für 2017 steht die erste Direktwahl des Chief Executive an, viele Hongkonger befürchten jedoch, dass die Nominierung der Kandidaten von Beijing bestimmt wird. Beijing bezeichnete das Referendum, das keine rechtlich bindende Wirkung hat, als „illegale Farce“.
Die Teilnahme an der Umfrage war online sowie in 15 Wahllokalen möglich, von denen drei in katholischen Pfarreien und eine beim evangelischen Hongkonger Christenrat eingerichtet wurden. Der 82-jährige emeritierte Hongkonger Kardinal Joseph Zen hatte ab 7. Juni mit einem siebentägigen Fußmarsch um das Hongkonger Territorium, auf dem er von bis zu 200 Menschen begleitet wurde, für die Teilnahme am Referendum geworben. Der Hongkonger Bischof Kardinal John Tong erklärte am 2. Juli gegenüber KNA: „Nach der Lehre der katholischen Kirche ist die Demokratie ein hohes Gut, das wir als Kirche verteidigen müssen“ (AsiaNews 9.06.; Hong Kong Sunday Examiner 28.06.; KNA 3.07.; South China Morning Post 22.,23.,24.06.; UCAN 13.,30.06.; Xinhua 20.,24.06.).

25. Juni 2014:
Interfax: Älteste orthodoxe Kirche Chinas in Wuhan könnte chinesisch-russisches Kulturzentrum werden
Bereits im Februar 2014 war auf einer gemeinsamen Sitzung der Arbeitsgruppe für Kooperation zwischen dem Föderationskreis Wolga und der Region Ober- und Mittel-Yangtse die gemeinsame Restaurierung der 1893 erbauten St. Alexander Nevsky-Kathedrale beschlossen worden. Sie wurde nach den 1950er Jahren enteignet und als Lagerhaus benutzt, seit 1998 steht sie unter Denkmalschutz. Auf einem weiteren Treffen im Wolga-Yangtse-Format sagte Wolgas Vertreter Mikhail Babich, die Kirche könne nach der Renovierung sowohl als Kirchenmuseum als auch als ein der Geschichte der regionalen russisch-chinesischen Beziehungen gewidmeter Ort dienen (Interfax 25.06.).

26. Juni 2014:
25 Anhänger der „Kirche des Allmächtigen Gottes“ in Ningxia zu Gefängnisstrafen verurteilt
Die Sektenmitglieder wurden der Verbreitung von Material der „Kirche des Allmächtigen Gottes“ in der Öffentlichkeit, der Störung der gesellschaftlichen Ordnung und der Unterminierung von Gesetzen und Rechtsbestimmungen angeklagt und vom Volksgerichtshof des Kreises Xiji zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und acht Jahren verurteilt (Xinhua 27.06.). Vgl. auch den Eintrag vom 28. Mai 2014.

29. Juni 2014:
Nationales Seminar: Graduierungsfeier fällt aus, nachdem Absolventen Konzelebration mit illegitimem Bischof verweigern
Die Graduierungsfeier für die Absolven­ten der 2. Master-Klasse und die Bachelor-Verleihung für die Absolventen der 11. Fortbildungsklasse am Nationalen katholischen theologischen Seminar in Beijing sollte am 29. Juni stattfinden. Wie die katholische Nachrichtenagentur UCAN berichtete, protestierten die Studenten, als das Seminar bekanntgab, dass bei der Gelegenheit alle Dozenten und Studenten an einer Eucharistiefeier mit Bischof Ma Yinglin konzelebrieren bzw. teilnehmen sollten. Bischof Ma Yinglin, Vorsitzender der offiziellen Bischofskonferenz und seit 2010 Rektor des Nationalen Seminars, wurde 2006 ohne päpstliches Mandat geweiht. Auch den Vorschlag des Seminars, dass stattdessen Bischof Fang Xingyao, der Vorsitzende der Patriotischen Vereinigung, die Messe halten sollte, lehnten sie ab, da dieser an vielen illegitimen Weihen teilgenommen habe. Daraufhin wurde die Graduierungsfeier abgesagt und die Absolventen kehrten ohne Zeugnisse in ihre Heimatdiözesen zurück. Der geschäftsführende Vizerektor des Seminars, der Priester Li Shuxing, sagte zu UCAN, die Zeugnisse würden nachgeschickt. (UCAN 17.07.; UCAN chin. 16.07.).
Einer Meldung des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) zufolge statteten die Absolventen am 25. Juni unter Leitung von Bischof Ma Yinglin dem BRA einen „patriotischen Besuch“ ab. Dabei ermahnte sie BRA-Vizedirektor Zhang Lebin u.a., als geistliches Personal deutlich Eigenschaften der chinesischen Kultur aufzuweisen, auf dass die chinesische katholische Kirche in der chinesischen Erde tiefe Wurzeln fasse (www.sara.gov.cn 26.06.).

Katharina Wenzel-Teuber

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2014.

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