Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli bis 30. September 2014

1. Juli 2014:
Demonstration in Hongkong
Am 17. Jahrestag der Übergabe Hongkongs an die VR China gingen eine halbe Million Menschen auf die Straßen, um für mehr Demokratie zu protestieren. Es kam zu mehreren Festnahmen. Siehe den Beitrag in den Informationen dieser Nummer.

1.–4. Juli 2014:
Offizieller Panchen Lama besucht Tibet
Diese Besuche seien ein „jährliches Ereignis“ geworden, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Den 1990 geborenen offiziellen 11. Panchen Lama, der von der Regierung eingesetzten wurde, bezeichnete Xinhua als „einen der zwei am meisten verehrten Lebenden Buddhas des tibetischen Buddhismus“. Er ist auch Vizevorsitzender der Chinesischen buddhistischen Vereinigung sowie Mitglied im Ständigen Ausschuss der nationalen Politischen Konsultativkonferenz (PKK). Bei seinem Tibetbesuch vollzog er u.a. Rituale in den Klöstern Jokhang und Sera, zudem traf er Mitglieder der regionalen PKK (Xinhua 4.07.).
Ein vom Dalai Lama als Reinkarnation des 10. Panchen Lama bestätigter Junge verschwand 1995 im Alter von 6 Jahren.

3. Juli 2014:
Papst ernennt erstmals chinesisch­stämmigen Malaysier zum Erzbischof von Kuala Lumpur
Nach seiner Ernennung betonte der 1964 geborene Priester Julian Leow Beng Kim gegenüber den Medien die Wichtigkeit des Dialogs mit anderen Religionen. Wie die meisten der 985.000 Katholiken Malaysias waren die Erzbischöfe von Kuala Lumpur bisher indischer Abstammung. Rund ein Viertel aller Malaysier sind chinesischer Herkunft. Priester Leow hat auch einige Zeit in Taiwan Mandarin gelernt (Vatican Insider 3.07.).

3.–14. Juli 2014:
Zahl der Teilnehmer aus Tibet an der Kalachakra-Initiation in Indien stark gesunken
Aufgrund strengerer Restriktionen seitens der chinesischen Behörden seien in diesem Jahr nur etwa 150 Tibeter aus der VR China unter den 150.000 Buddhisten aus aller Welt gewesen, die an der Kalachakra-Initiation durch den Dalai Lama in Ladakh teilnahmen, meldete UCAN. Wie Human Rights Watch in einem am 1. April veröffentlichten Bericht feststellte, hat China seit 2012 an der Grenze zwischen Nepal und der VR China (d.h. dem Autonomen Gebiet Tibet) wiederholt Tibetern die Wiedereinreise verweigert. Damit wolle es offenbar Tibeter davon abzuhalten, nach Indien zu pilgern, um an Großereignissen mit dem Dalai Lama teilzunehmen. 2012 seien von rund 7.000 Tibetern aus der VR China, die zur Kalachakra-Initiation nach Indien gereist waren, bei ihrer Rückkehr nach Tibet erstmals Hunderte festgenommen und verhört worden (Human Rights Watch, Under China’s Shadow. Mistreatment of Tibetans in Nepal, 1.04., S. 37f.; New York Times 7.04.2012; UCAN 16.07.).
Siehe auch den Eintrag vom 19. September 2014.

4. Juli / 9. September 2014:
Pastor Zhang Shaojie (Nanle) wird zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt – weitere Urteile gegen Gemeindemitglieder
Pastor Zhang wurde wegen Betrug und Störung der öffentlichen Ordnung durch Versammlung von Menschenmassen verurteilt. Die ungewöhnlich hohe Haftstrafe bezeichnete Bob Fu von der Organisation ChinaAid als härtestes Urteil gegen einen Pastor seit der Kulturrevolution. Zwei weitere Mitglieder seiner Gemeinde, Zhang Cuijuan und Zhao Junling, wurden am 9. September 2014 ebenfalls wegen Störung der öffentlichen Ordnung durch Versammlung von Menschenmassen zu eineinhalb Jahren bzw. einem Jahr Gefängnis verurteilt. Pastor Zhangs Gemeinde gehört der offiziellen protestantischen Kirche an. Zhang Shaojie war ChinaAid zufolge auch Vorsitzender der örtlichen protestantischen Drei-Selbst-Kirche von Nanle in der Provinz Henan und Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des Kreises Nanle. Er und über 20 andere Mitglieder der Gemeinde wurden am 16. und 17. November 2013 festgenommen. Bei der Auseinandersetzung mit den Behörden soll es um ein Grundstück gegangen sein (AFP 4.07.; AP 4.07.; UCAN 18.09.; www.chinaaid.org 4.,21.08.; 12.09.; vgl. Eintrag vom 16./17. November 2013).

7. Juli 2014:
Shanghaier Bischof Ma Daqin ist zwei Jahre nach seiner Weihe weiter in seiner Freiheit eingeschränkt und darf sein Amt nicht ausüben
Weihbischof Ma steht unter einer Art Hausarrest, seit er nach seiner Weihe zum Bischof in der Kathedrale von Shanghai am 7. Juli 2012 öffentlich seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung erklärte. Bischof Ma habe dem Heiligen Vater mitteilen lassen, er solle sich nicht aus Sorge, dass es ihm (Ma) schaden könne, davon abhalten lassen, die Wahrheit zu sagen – schrieb der emeritierte Hongkonger Bischof Kardinal Zen am 6. Juli in seinem Blog (AsiaNews 7.10.).

10. Juli 2014:
Familienplanungsbehörde: 29 Provinzen haben Ein-Kind-Politik gelockert
Wie Yang Wenzhuang, ein Vertreter der Nationalen Kommission für Gesundheit und Familienplanung, bei einer Pressekonferenz erklärte, haben 29 Provinzen Chinas – alle bis auf die Autonomen Gebiete Tibet und Xinjiang – inzwischen die neue Geburtenplanungspolitik umgesetzt. Sie sieht vor, dass Paare, von denen ein Partner ein Einzelkind ist, zwei Kinder bekommen dürfen. Dies hatte der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses im Dezember 2014 beschlossen. Bis dahin mussten dazu beide Partner Einzelkinder sein. Das Grundprinzip der Familienplanung habe sich damit aber nicht geändert, da China immer noch das bevölkerungsreichste Land der Erde sei, sagte Yang (Xinhua 10.07.).

14.–18. Juli 2014:
Offizielle katholische Gremien tagen zu theologischen Seminaren, approbieren 88 Dozenten
Die Kommission für Berufungen und die Arbeitsgruppe für die Approbation von Dozenten der Patriotischen Vereinigung und der offiziellen Bischofskonferenz sowie die Verantwortlichen der katholischen theologischen Seminare tagten in Jilin. Zwei Beamte des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) nahmen ebenfalls an der Sitzung teil. Die Versammlung approbierte die Qualifikation von 88 Dozenten der „landesweit 8 Seminare“ [von den 10 offiziellen katholischen Seminaren sind die von Shanghai und Taiyuan derzeit nach Konflikten mit den Behörden geschlossen]. Pro Seminar wurden also durchschnittlich 11 Dozenten approbiert. Außerdem wurden „Maßnahmen für die Beantragung der Qualifikation zur Verleihung akademischer Grade an katholischen philosophisch-theologischen Seminaren (zur probeweisen Durchführung)“ 天主教神哲学院申请学位授予资格办法(试行) verabschiedet. Sechs weitere Dokumente zu den Dozenten und den akademischen Graden der Seminare waren bereits am 18. Dezember 2013 auf der Website der offiziellen katholischen Leitungsgremien veröffentlicht worden (www.chinacatholic.cn 18.12.2013; 12.08.2014). Damit erfüllten die katholischen Gremien die Vorgaben zweier Dokumente des BRA, die am 1. Januar 2013 in Kraft traten, nämlich die „Maßnahmen zur Anerkennung des Status, der Rangbezeichnungen und der Ernennung von Dozenten an religiösen Ausbildungsstätten“ sowie die „Maßnahmen zur Verleihung akademischer Grade an religiösen Ausbildungsstätten“. Auch die anderen offiziellen Religionsorganisationen geben entsprechende Bestimmungen heraus, z.B. die protestantischen Leitungsgremien am 26. Mai 2014.

17. Juli 2014:
Bombendrohung gegen die Kathedrale von Guangzhou
Nachdem bei der Guangzhouer Polizei eine Bombendrohung gegen die Kathedrale und zwei weitere Orte eingegangen war, wurde die Kirche durchsucht, eine Bombe wurde jedoch nicht gefunden. Der Zeitung Nanfang dushibao zufolge wurde noch am 17. Juli ein 35-jähriger gefasst, der gestand, die Drohanrufe unter Alkoholeinfluss getätigt zu haben. Die Sicherheitslage in der südchinesischen Stadt war zu dem Zeitpunkt angespannt, weil zwei Tage zuvor, am 15. Juli, bei einem Brandanschlag auf einen Linienbus zwei Menschen getötet und über 30 verletzt worden waren (Nanfang dushibao 19.07.; UCAN chin. 17.07.).

21. Juli / 14. August 2014:
Kreuz der Salvation Church (Wenzhou) wird demontiert, nachdem zuvor bei Zusammenstoß mindestens 50 Gläubige verletzt wurden
Am 21. Juli stießen nach unterschiedlichen Angaben 500–600 uniformierte Polizisten und Demontagearbeiter mit 300 Gläubigen zusammen, die die Salvation Church bewachten, um eine Demontage des Turmkreuzes durch die Behörden zu verhindern. Dies berichteten u.a. die in den USA ansässige Organisation ChinaAid und die Hongkonger South China Morning Post. Dabei verletzten mit Schilden und Metallschlagstöcken bewaffnete Polizisten und anderes Personal zwischen 50 und 100 Gläubige, einige davon schwer. Ein 78-jähriger erlitt einen Schädelbruch. Am 2. August wurde Huang Yizi, ein Pastor der Gemeinde, festgenommen und laut Haftbescheid vom 28. August der Störung der Gesellschaftsordnung durch Versammlung von Menschenmassen beschuldigt. Am 14. August gelang es den Behörden schließlich, das Kreuz abzureißen. Die protestantische Salvation Church (Jiu’entang) in Shuitou in dem der Stadt Wenzhou unterstehenden Kreis Pingyang (Provinz Zhejiang) gehört zu der offiziellen, von der Regierung zugelassenen Kirche. In der Provinz Zhejiang, besonders auf dem Gebiet der Stadt Wenzhou, wurden im Rahmen der Operation „Drei Umgestaltungen, ein Abriss“ der Provinzregierung Zhejiang seit Anfang 2014 eine Reihe „gesetzwidriger“ religiöser Gebäude und Gebäudeteile abgerissen und zahlreiche Kreuze von den Dächern und Türmen christlicher Kirchen zwangsentfernt (New York Times 28.07.; Sinosphere Blogs New York Timer 24.07.; 14.08.; South China Morning Post 22.07.; The Telegraph 26.08.; www.chinaaid.org 25.07.; 13.,19.08.; 9.09.).
Siehe auch den Eintrag vom 30. / 31. Juli 2014 und Beitrag in den Informationen dieser Nummer.

24. Juli 2014:
Papst drückt gegenüber dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz Taiwans sein Mitgefühl für die Opfer des Flugzeugunglücks in Magong aus
Kardinalstaatssekretär Parolin schickte im Namen des Papstes ein entsprechendes Telegramm an den Erzbischof von Taipei, Hung Shan-chuan. Bei einer Notlandung auf dem Flughafen Magong auf den Penghu-Inseln starben am 23. Juli 48 Menschen.

28. Juli / 21. September 2014:
Viele Tote bei blutigen Vorfällen in Xin­jiang
Nach Angaben von Xinhua wurden bei einem Anschlag im Kreis Shache (Yarkant), Regierungsbezirk Kashgar 37 Zivilisten getötet und 94 verletzt; die Polizei habe 59 Terroristen erschossen und 215 weitere verhaftet. Rebiya Kadeer, die Vorsitzende des Uigurischen Weltkongresses im Exil, sprach hingegen gegenüber Radio Free Asia von einem „Massaker“, bei dem chinesische Sicherheitskräfte mindestens 2.000 Uiguren getötet hätten; Auslöser sei ein Protestmarsch von Uiguren auf eine Polizeistation gewesen, u.a. wegen Erschießens einer Familie durch die Polizei in einem Disput über das Tragen von Kopftüchern.
Am 21. September starben nach Angaben von Xinhua „40 Aufrührer“ bei Anschlägen im Kreis Luntai (Bügür) im Mongolischen Autonomen Bezirk Bayingolin in Xinjiang, indem sie sich selbst in die Luft sprengten oder von der Polizei erschossen wurden; sechs Zivilisten, zwei Polizisten und zwei Hilfspolizisten seien ebenfalls getötet und 54 Zivilisten verletzt worden. Der Anführer der Angreifer sei ein von religiösem Extremismus beeinflusster Mann namens Memet Turson gewesen, der von der Polizei erschossen worden sei.
Am 12. September wurden in Kunming drei Männer mit uigurisch klingenden Namen wegen Leitung einer terroristischen Vereinigung und Mord zum Tod und ein vierter zu lebenslanger Haft verurteilt, sie waren laut Xinhua an dem Terrorangriff am Bahnhof von Kunming beteiligt, bei dem am 1. März 2014 31 Zivilisten mit Messern getötet und 141 verletzt wurden. Am 23. August wurden acht „Terroristen“ mit uigurischen Namen hingerichtet, darunter drei Personen, die wegen der Planung eines Anschlags auf dem Tian’anmen-Platz am 28. Oktober 2013, bei dem drei Menschen starben, verurteilt worden waren.
Henryk Szadziewski vom in den USA ansässigen Uighur Human Rights Project sagte, Beijing habe „legitime Sicherheitsanliegen“, doch er befürchte, dass durch das harte Vorgehen die Bürgerrechte der Uiguren weiter ausgehöhlt würden (Radio Free Asia 5.08.; The Telegraph 20.07.; Xinhua 2.,23.08.; 12.,21.,25.09.; www.chinadaily.com.cn 25.09.).

28. Juli 2014:
Brand zerstört 142 Jahre alte Kathedrale von Ningbo (Provinz Zhejiang)
Elf Löschzüge versuchten den Brand in den frühen Morgenstunden zu löschen. Von der Kirche blieben jedoch nur die Außenwände und der Glockenturm stehen. Niemand wurde verletzt. Die Brandursache war zunächst noch unklar. Die 1872 von französischen Missionaren erbaute Kirche wurde in späteren Jahren von der Kommunistischen Partei als Revolutionsbasis benutzt und 1980 an die Kirche zurückgegeben. Sie ist als Denkmal auf nationaler Ebene eingestuft. Wie UCAN berichtete, war die Kirche in Ningbo auch von der Kreuzabrisskampagne in Zhejiang betroffen. Mindestens zwei Kirchen in der Stadt seien angewiesen worden, ihre Kreuze zu demontieren. Ein Zusammenhang mit dem Brand der Kathedrale sei aber unwahrscheinlich (UCAN 28.07.).

28. Juli – 1. August 2014:
Staatliches Religionsbüro führt Studienkurs für junge und mittelaltrige katholische Repräsentanten durch, der mit allgemeiner Konzelebration endet
Wie UCAN von Teilnehmern erfuhr, waren fast alle offiziellen Bischöfe anwesend. Laut BRA-Website war es der „hochrangigste Kurs katholischer Persönlichkeiten“ seit Jahren. Ein Bischof berichtete UCAN, zu Beginn des Kurses hätten 15–16 Bischöfe zu den Kadern gesagt, die Liturgie dürfe nicht politisiert werden und sie würden [angesichts der Anwesenheit illegitimer und exkommunizierter Bischöfe] nicht konzelebrieren. Schließlich hätten aber alle an der Eucharistiefeier am letzten Tag in der Südkirche teilnehmen müssen, 6–7 Bischöfe hätten allerdings [bei der Wandlung] nicht die Hand ausgestreckt und nicht die Kommunion empfangen. Der gleiche Bischof äußerte, es sei kein Problem, dass die Behörden ihre Teilnahme an dem Kurs forderten, aber erzwungene Konzelebration sei eine Respektlosigkeit gegenüber Kirche und Tradition und eine Politisierung von Glauben und Liturgie. Ein Priester hingegen berichtete UCAN, dass sein Bischof in der Konzelebration keinen Fehler gesehen habe (UCAN chin. 11.08.; www.sara.gov.cn 1.08.).

30. Juli 2014:
Imam der Id Kah-Moschee in Kashgar wird ermordet
Der 74-jährige Imam Jume Tahir, Leiter der Id Kah-Moschee in Kashgar in Xinjiang, der größten Moschee Chinas, war einer der Vizevorsitzenden der Chinesischen islamischen Vereinigung und Abgeordneter des Nationalen Volkskongresses. Xinhua zufolge erstachen drei Männer den Imam nach dem Morgengebet vor der Moschee, zwei von ihnen wurden von der Polizei nach der Tat erschossen. Am 28. September wurden laut Xinhua der 19-jährige Nurmemet Abidilimit wegen Mordes an dem Imam und der 18-jährige Gheni Hasan als Anführer der von „religiösem Extremismus beeinflussten“ Gruppe, die ihre Mitglieder „dazu ausbildete, patriotische religiöse Figuren zu ermorden“, zum Tod verurteilt. Die Chinesische islamische Vereinigung beklagte in einer Erklärung vom 31. Juli die Ermordung des großen Mullah, der immer das Land und die Religion geliebt, den wahren Geist des Islam, die Einheit der Ethnien in Xinjiang und die religiöse Harmonie vertreten habe. Sie rief alle Muslime auf, sich Extremismus und Gewalt zu widersetzen und für die große Renaissance der chinesischen Nation zu kämpfen.
Laut New York Times war Imam Jume Tahir unter Uiguren sehr umstritten. Er sei ein verlässlicher Befürworter der Regierungsbeschränkungen bezüglich sogenannter ungesetzlicher religiöser Praktiken gewesen, wie des Moscheebesuchs von Jugendlichen, Untergrund-Madrasas, Schleier bei Frauen und langer Bärte bei Männern, und als solcher oft in den staatlichen Medien zitiert worden (New York Times 29.09.; UCAN 29.09.; Xinhua 31.07.; 1.,2.08.; 28.09.; www.chinaislam.net.cn 1.08.).

30. / 31. Juli 2014:
Hirtenbrief des Bischofs und Appell des Priesterkollegiums der Diözese Wen­zhou (Provinz Zhejiang) zu den Kreuz­abrissen
Der 88-jährige Bischof Zhu Weifang wendete sich am 30. Juli in einem Hirtenbrief an die Katholiken der Diözese. Darin entschuldigt er sich für sein langes Schweigen zu den Kreuzabrissen. Er sei schockiert über die aktuelle Kampagne mit ihren kulturrevolutionsartigen Maßnahmen. Er hoffe auf ein klarstellendes Wort der Regierung und die Beendigung der Abrisse. Die Priester und Gläubigen ruft er dazu auf, auf die Kraft des Gebets zu vertrauen und mutig zum Glauben zu stehen. Auf den 31. Juli datiert ist ein Appell des Priesterkollegiums der Diözese Wenzhou, die Kampagne der gewaltsamen Kreuzdemontagen zu beenden. Der offene Brief zeigt deutlich die Empörung der Priester über die Vorgänge, die weder auf das Gesetz noch auf die religiösen Gefühle der Gläubigen Rücksicht nähmen und nahezu einer Neuauflage der Kulturrevolution gleichkämen. Beide Texte (Wortlaut siehe Dokumentation) erschienen am 1. August auf der offiziellen Website der Diözese www.tzjwzjq.com, die daraufhin am 2. August geschlossen wurde. Der von Papst und Regierung anerkannte Ortsbischof Zhu Weifang leitet den offiziellen Teil der Diözese. Der inoffizielle Teil der Diözese steht unter der Leitung des Koadjutorbischofs Shao Zhumin. Nach Angaben von UCAN waren im Zeitraum von Januar bis 31. Juli 2014 mindestens 229 Kirchen von Kreuzabrissen oder Gebäudeabrissen in Zhejiang betroffen, darunter 25 katholische, und zwar 14 im offiziellen Teil der Diözese Wenzhou und 11 im Untergrund (AsiaNews 4.08.; UCAN 4.08.; UCAN chin. 4.08.).
Siehe auch den Eintrag vom 21. Juli / 14. August 2014 und den Beitrag in den Informationen.

3. August 2014:
Erdbeben im Kreis Ludian, Provinz Yunnan – Religionen helfen

Nach dem Erdbeben der Stärke 6,1 im Kreis Ludian, Stadt Zhaotong, waren 617 Tote, 112 Vermisste und über 3.000 Verletzte zu beklagen, rund 12.000 Häuser wurden zerstört. Wie seit Jahren, besonders seit dem schweren Erdbeben von Wenchuan im Jahr 2008, beteiligten sich auch diesmal die Religionen intensiv an den Hilfsmaßnahmen. Über offizielle Hilfsaktionen berichteten auch staatliche Medien. In Yunnan riefen nach Angaben des Religionsbüros der Provinz die religiösen Organisationen, Kultstätten und Gläubige zu Hilfe auf, sammelten Spenden, beteten für die Opfer und spendeten Trost. Zudem beschloss man, die (vom Staatlichen Religionsbüro 2012 eingeführte) jährliche „Wohltätigkeitswoche der Religionen“ in Yunnan dieses Jahr vorzuverlegen, um sofort helfen zu können. Die nationalen religiösen Organisationen aller Religionen riefen zu Gebet und Spenden auf. Medien berichteten über konkrete Beispiele: Eine Gruppe von Mönchen des buddhistischen Shaolin-Klosters in Henan hielt in einem Dorf des Kata­strophengebiets ein Ritual für die Verstorbenen und eine Dharma-Versammlung für die Lebenden ab und behandelte darüber hinaus Verletzte kostenlos. Die Islamische Vereinigung der Provinz Hebei, die von einem Mangel an halal-Lebensmitteln im Erdbebengebiet gehört hatte, aktivierte muslimische Lebensmittelproduzenten. Eine Firma aus Hebei schickte 1.000 Packungen halal-Kekse im Wert von 120.000 Yuan. Buddhistische Kreise in Hunan spendeten über das chinesische Rote Kreuz 500.000 Yuan und hielten 103 Dharma-Versammlungen für die Erdbebenopfer ab. Die protestantische Amity Foundation erhielt nach eigenen Angaben u.a. Hilfsgelder der Regierung von Hongkong in Höhe von 5 Mio. Yuan und der Parteizelle Nr. 11 des Jiangsu-Zweiges der Bank of Communications in Höhe von 6.050 Yuan, was als Vertrauensbeweis zu werten sein dürfte. Die größte katholische Hilfsorganisation, Jinde Charities, verteilte vom 6. bis 14. August im Katastrophengebiet Hilfsgüter im Wert von 640.000 Yuan, sie war auch nach Ende September noch dort aktiv. Caritas Deutschland unterstützte die Hilfsaktionen von Jinde mit 390.000 Yuan. Sowohl Amity als auch Jinde haben übrigens seit einiger Zeit auf ihren Internet-Portalen gut aufgemachte online-Spenden-Funktionen. Ein Beitrag der Zeitschrift Zhongguo minzu bao (China Ethnic News) betonte die Besonderheit religiöser Nothilfe: Anders als andere Hilfsorganisationen könnten religiöse Gruppen den Katastrophenopfern auch spirituellen Trost spenden (Xinhua 7.,14.08.; new.jinde.org 10.10.; new.jinde.org/Special/spe/7.html; www.amity.org.cn 22.,27.08.; www.mzb.com.cn 26.08.; www.sara.gov.cn 11.,29.08.).

5.–6. August 2014:
Konferenz zu „60 Jahre Drei-Selbst Bewegung“ und „Sinisierung des Christentums“ tagt − laut Medien 23–40 Mio. protestantische Christen in China
Die chinesische Kirche müsse weiter die Sinisierung des Christentums erkunden, damit es in der chinesischen Kultur, Nation und Gesellschaft Wurzeln fasse, sagte Ältester Fu Xianwei, Vorsitzender der Drei-Selbst-Bewegung, bei der Eröffnung der Konferenz vor 180 Teilnehmern in Shanghai. Für die weitere Sinisierung des Christentums brauche die Kirche die Anleitung und Unterstützung der Religionsbehörden von Partei und Regierung sowie Austausch mit den akademischen Kreisen und der Weltkirche, so Fu. Bei der Eröffnung sprachen auch Liu Yuanlong als Vizevorsitzender der Katholischen Patriotischen Vereinigung (über die Sinisierungserfahrung der katholischen Kirche), Prof. Zhuo Xinping, Leiter des Instituts für Weltreligionen der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, Erzbischof Paul Kwong von der anglikanischen Kirche Hongkongs, der emeritierte anglikanische Bischof von Singapur John Chew sowie Wang Zuo’an, der Direktor des Büros für religiöse Angelegenheiten. Die Notwendigkeit, den „Aufbau des theologischen Denkens“ weiter voranzutreiben, wurde in den Reden immer wieder betont; ihm galt auch ein Panel der Konferenz. Am Vorabend der Konferenz fand in der ehemaligen anglikanischen Dreifaltigkeits-Kathedrale ein Festgottesdienst statt.
Mehrere staatliche Medien (China Daily, Global Times, Renmin ribao) gaben unter Verweis auf einen Konsens unter Konferenzteilnehmern die Zahl der Protestanten in China heute mit schätzungsweise 23 bis 40 Mio. an, das seien 1,7% bis 2,9% der chinesischen Bevölkerung. Seit 2010 wird die Zahl der Protestanten, basierend auf einer Erhebung der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, meist mit 23 Mio. angegeben. Es ist jedoch neu, dass offizielle Medien einhellig die Zahl 40 Mio. nennen (AFP 7.08.; AsiaNews 7.08.; Global Times 7.08.; www.ccctspm.org 5.,7.08.).
Die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung der chinesischen protestantischen Kirche wurde 1954 offiziell gegründet. Zusammen mit dem 1980 gegründeten Chinesischen Christenrat bildet sie die staatlich sanktionierten Leitungsgremien des Protestantismus in China. Die Drei-Selbst-Prinzipien – [vom Ausland unabhängige] Selbst-Leitung, Selbst-Erhaltung und Selbst-Missionierung der Kirche – wurden jedoch schon im 19. Jh. formuliert.

6. August 2014:
Papst kondoliert Erdbebenopfern in Yun­nan – Staatssekretär des Vatikans zu Dialog mit China
Papst Franziskus sagte am Ende der Generalaudienz: „Ich möchte den Menschen in Chinas Provinz Yunnan, wo das Erdbeben vom Sonntag viele Opfer gefordert und beträchtlichen Schaden angerichtet hat, meine Nähe zum Ausdruck bringen. Ich bete für die Verstorbenen und ihre Familien, für die Verletzten und für die vielen, die ihr Heim verloren haben. Möge der Herr ihnen in dieser Prüfung Trost, Hoffnung und Solidarität geben.“
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erklärte in einem Interview mit der Zeitschrift Famiglia Cristiana: „Die katholische Kirche in China ist lebendig und aktiv. Sie sucht dem Evangelium treu zu sein und geht [ihren Weg] durch Einschränkungen und Schwierigkeiten. Der Heilige Stuhl befürwortet einen respektvollen und konstruktiven Dialog mit den zivilen Autoritäten, um eine Lösung für die Probleme zu finden, die die volle Ausübung des Glaubens der Katholiken einschränken, und das Klima einer echten Religionsfreiheit zu gewährleisten“ (w2.vatican.va 6.08.; www.famigliacristiana.it 7.08.).

7. August 2014:
Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng wird in sehr schlechtem Gesundheitszustand aus der Haft entlassen
Gao Zhisheng sei durch die dreijährige Haft „völlig zerstört“, sagte sein internationaler Anwalt Jared Gensher eine Woche nach Gaos Entlassung der BBC. Er sei emotionslos, spreche praktisch unverständlich und habe Zähne durch Mangel­ernährung verloren. Nach der Entlassung aus dem Shaya-Gefängnis im Bezirk Aksu, Xinjiang, lebt Gao Zhisheng bei der Schwester seiner Frau in Urumqi. Am 9. September sagte seine in die USA geflohene Frau Geng He in einer Presseerklärung, ihr Mann werde seit seiner Freilassung jeden Vormittag und jeden Nachmittag je zwei bis drei Stunden von Polizeibeamten „besucht“.
Gao Zhisheng hatte sich als Anwalt für die Rechte von Menschen in politisch heiklen Fällen eingesetzt, beispielsweise verteidigte er Falungong-Anhänger und klagte gegen Behörden wegen Zwang bei der Durchführung der Familienplanung. Zudem äußerte er sich regimekritisch. 2005 wurde seine Anwaltskanzlei geschlossen. Im Dezember 2006 wurde er wegen Anstiftung zur Subversion der Staatsmacht zu einer Strafe von drei Jahren Gefängnis verurteilt, die für einen Zeitraum von fünf Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Während er unter Bewährung stand, wurde er wiederholt verschleppt und er berichtete 2007, dass er in dieser Zeit gefoltert worden sei. Er verschwand im Januar 2009, tauchte im März 2010 für einen Monat auf und verschwand erneut. Im Dezember 2011 meldeten staatliche Medien, dass er wegen Verletzung der Bewährungsauflagen für drei Jahre im Gefängnis inhaftiert sei. Nach Verbüßung der Haftzeit wurde er nun freigelassen. Gao Zhisheng ist Christ (AFP 8.08.; BBC News 7.,15.08.; Christian Solidarity Worldwide 21.07.; www.chinaaid. 13.08.; chinachange.org 12.09.).

9. / 28. August 2014:
Zwei Priester der Diözese Baoding (Provinz Hebei) werden nach acht Jahren Haft freigelassen
Der 52-jährige frühere Generalvikar Lu Genjun und der Priester Liu Honggeng, die beide der inoffiziellen Gemeinschaft der Diözese Baoding angehören, wurden am 9. bzw. 28. August freigelassen. Wie UCAN und AsiaNews meldeten, war bei beiden die Freilassung nicht an Bedingungen (d.h. Registrierung als offizieller Klerus oder Eintritt in die Patriotische Vereinigung) geknüpft. Beide Priester waren 2006 verhaftet und ohne Urteil acht Jahre in Haft gehalten worden, weil sie sich weigerten, der Patriotischen Vereinigung beizutreten. Fr. Lu Genjun sagte zu UCAN, er wohne jetzt im Bischofshaus, sei aber den ganzen Tag in den Untergrundgemeinden unterwegs. Er werde sich nicht der offiziellen Kirche anschließen und nicht mit Bischof An und den Priestern im Obergrund konzelebrieren, damit in der Diözese Baoding nicht noch mehr Chaos entstehe. Bischof An Shuxin, der ursprünglich auch zur Gemeinschaft im Untergrund gehörte und Jahre im Gefängnis verbracht hatte, war nach seiner Freilassung 2009 überredet worden, sich der Patriotischen Vereinigung anzuschließen, was große Unruhe in der Diözese Baoding auslöste, in der die Untergrundkirche stark ist. Bischof An sagte zu UCAN, möglicherweise werde auch der Priester Ma Wuyong – in Haft seit 2004 – bald freigelassen (dies war jedoch bis Anfang Oktober noch nicht geschehen). Bezüglich Bischof Su Zhimin − in Haft seit 1997 − habe er keine Nachricht (AsiaNews 12.08.; UCAN chin. 5.09.; 13.10.).

10.–17. August 2014:
Asiatischer Jugendtag in Daejeoun, Südkorea – junge Katholiken aus Festlandchina nehmen trotz Ausreiseschwierigkeiten teil
„Asian Youth, wake up! The glory of the martyrs shines on you“ lautete das Motto des Asiatischen Jugendtags (AJT), an dem rund 6.000 asiatische Jugendliche teilnahmen. Papst Franziskus besuchte aus diesem Anlass vom 14. bis 18. August das Land und sprach am 16. August 124 koreanische Märtyrer selig, darunter den chinesischen Priester Zhou Wenmo (Ju Mun-Mo, 1752–1801). Im Vorfeld waren Priester und Laien besonders in den Provinzen Zhejiang, Shanxi, Liaoning, Heilongjiang und Hebei von den Behörden aufgefordert worden, in diesem Zeitraum nicht nach Korea zu fahren, schrieb UCAN. AsiaNews zufolge wurden Mitglieder einer Gruppe von fast 80 jungen Leuten, darunter Studenten des Nationalen Seminars, die zusammen von Beijing aus zum AJT reisen wollten, an der Ausreise gehindert und sogar vorübergehend festgenommen. Rund 120 Katholiken von Festlandchina waren laut AsiaNews beim AJT, rund 300 nahmen an der Abschlussmesse mit dem Papst teil. Ein Untergrundkatholik aus der Diözese Baoding wurde bei der Rückreise am Flughafen Tianjin vorübergehend festgehalten und mehrere Stunden verhört.
Auch über 100 Taiwaner und 100 Hongkonger Delegierte sowie Katholiken aus Macau nahmen am AJT teil (AsiaNews 13.,16.,17.08.; Hong Kong Sunday Examiner 16.08.; South China Morning Post 14.08.; UCAN chin. 8.,17.27.08.).

14. und 18. August 2014:
Papst Franziskus schickt beim Überflug über China Grußtelegramme an Präsident Xi Jinping – Außenministeriumssprecherin reagiert
Franziskus war der erste Papst, der die Volksrepublik China überfliegen durfte. Nach vatikanischem Brauch schickte er beim Überflug auf dem Weg nach Korea am 14. August ein Telegramm mit dem Wortlaut: „Beim Eintritt in den chinesischen Luftraum sende ich Eurer Exzellenz und Ihren Mitbürgern die besten Wünsche und erflehe den göttlichen Segen des Friedens und Wohlergehens für die Nation.“ Ein fast wortgleiches Telegramm schickte er während des Rückflugs. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, sagte am 15. August gegenüber China Daily: „Wir haben die Äußerung von Papst Franziskus zur Kenntnis genommen. China ist hinsichtlich der Verbesserung der Beziehungen mit dem Vatikan immer aufrichtig gewesen und hat sich ständig aktiv darum bemüht. Wir wollen uns mit dem Vatikan weiter bemühen, einen konstruktiven Dialog zu führen und die Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen zu fördern.“ Am 19. August bestätigte sie die Bereitschaft Chinas zu einem konstruktiven Dialog, ferner erklärte sie, die chinesische katholische Kirche führe ihre Aktivitäten nach dem Prinzip der Unabhängigkeit durch (America Magazine 17.,22.09.; China Daily 19.08.; The China Post 15.08.; Global Times 14.,20.08.; UCAN 17.08.; Vatican Radio 15.08.; chinadaily.com.cn 15.08.).
Zu Hintergründen siehe den Beitrag in den Informationen.

15. August 2014:
Buddhistischer Panlong-Tempel schließt aus Protest gegen Kommerzialisierungspläne der Behörden
Der Panlong-Tempel im Kreis Jinning in der Provinz Yunnan schloss am frühen Morgen des 15. August seine Tore. Gleichzeitig informierte er Besucher mit einem Transparent, dass die Behörden den Tempel aufwerten, ihn kommerzialisieren und in ein Unternehmen umwandeln wollten. Dies störe die normale Ordnung des Klosters. Deshalb habe der Tempel beschlossen, für einige Tage zu schließen.
Der Tempel gehört zu den wichtigsten buddhistischen Stätten in Yunnan und zieht viele Besucher an. Wie aus chinesischen Medienberichten hervorging, kamen am 14. August Regierungsvertreter des Kreises und der Großgemeinde Jincheng unangemeldet zu einer Sitzung in den Tempel, um dort „Entwicklungsperspektiven des Tempels zu planen“. Ein Mönch berichtete der Zeitung Chuncheng wanbao, sie hätten allerlei „Kommerzialisierungsideen“ vorgebracht, unter anderem die Errichtung von 5 Ausstellungshallen und einer Multimedia-Stätte am Wanghai-Pavillon innerhalb des Tempelgeländes. Der Abt und die Mönche seien dagegen gewesen, da sie als Mönche kein kommerzialisiertes Leben führen könnten. Ein Vertreter der Großgemeinde dementierte gegenüber der Nachrichtenagentur Xinhua, die den Vorfall am 17. August aufgriff, dass die Regierung den Tempel zu einem kommerziellen Tempel ausbauen und die Eintrittspreise stark erhöhen wolle. Es sei lediglich darum gegangen, den Wanghai-Pavillon, von dem man eine weite Aussicht hat, „umzugestalten und aufzuwerten“. Die Kreisregierung gab am 17. September bekannt, dass der Tempel nicht zu einem kommerzialisierten Unternehmen entwickelt werden werde. Am gleichen Tag öffnete der Tempel wieder für Besucher.
Immer wieder haben touristisch interessante buddhistische und daoistische Klöster damit zu kämpfen, dass lokale Behörden im Verband mit Tourismusunternehmen versuchen, sie wirtschaftlich zu vermarkten (vgl. China heute 2012, Nr. 4, S. 208-212, 227-229; www.thepaper.cn 15.,17.08.; Xinhua 17.08.; yn.people.com.cn 17.08.).

16. August 2014:
Xinjiang ribao berichtet über Vorgehen gegen „illegale religiöse Aktivitäten“ in Urumqi
Reuters beschrieb den Inhalt des Berichts der staatlichen Zeitung Xinjiang ribao. Diesem Bericht zufolge wurden bei der nicht genau datierten Aktion in Xin­jiangs Hauptstadt 27 für „Untergrund“-Predigten genutzte Stätten geschlossen und 44 illegale Imame festgenommen. 24 Personen wurden wegen Predigen des Dschihad und neun wegen Propagierung von Terrorismus und religiösem Extremismus verhaftet. 82 Kinder wurden aus nicht zugelassenen islamischen Schulen „befreit“. 170.000 illegale Publikationen und audio-visuelles Material zur Propagierung von Terror sowie religiöse Kleidung (Gesichtsschleier für Frauen, mit Halbmond und Stern bedruckte Teile) wurden konfisziert (Reuters 16.08.).
Für die Zeit der Xinjiang-Spiele vom 4. bis 20. August war in der Stadt Karamay in öffentlichen Bussen das Tragen von Kopf- und Gesichtsverhüllungen (Hidschab, Niqab, Burka) und von Kleidungsstücken mit Halbmond und Stern verboten (Deutsche Welle 8.08.; Ming Pao 6.08.; UCAN 15.09.).

17. August 2014:
Papst äußert in Korea Hoffnung auf Dialog mit Ländern Asiens, zu denen der Heilige Stuhl noch keine vollen Beziehungen unterhält
Bei einer Begegnung mit den Bischöfen Asiens am 17. August sprach Papst Franziskus über das Thema Dialog und sagte: „In diesem Geist der Offenheit anderen gegenüber hoffe ich ernstlich, dass jene Länder eures Kontinents, mit denen der Heilige Stuhl noch keine vollständigen Beziehungen unterhält, nicht zögern, einen Dialog zum Wohl aller voranzutreiben. Ich beziehe mich nicht nur auf den politischen Dialog, sondern auf den brüderlichen Dialog.“ Er sagte außerdem: „‚Aber diese Christen kommen nicht als Eroberer, sie kommen nicht, um uns unsere Identität wegzunehmen [...]‘“ (AsiaNews 17.08.; UCAN 17.08.; w2.vatican.va 17.08.).
Siehe hierzu die Informationen und die Dokumentation dieser Nummer.

19. August 2014:
Ministerium für öffentliche Sicherheit meldet Verhaftung von fast 1.000 mutmaßlichen Mitgliedern des „illegalen Kults“ vom „Allmächtigen Gott“
Die im Juni gefassten Verdächtigen seien in mehr als 500 Fälle involviert. Unter ihnen seien fast hundert „Organisatoren auf hoher Ebene und führende Mitglieder“, heißt es laut Xinhua (19.08.) in der Erklärung des Ministeriums.
Die in den 1990er Jahren gegründete „Kirche des Allmächtigen Gottes“ (auch „Lehre vom Östlichen Blitz“) verkündet den Allmächtigen Gott oder Zweiten Christus, eine Wiedergeburt Christi in Gestalt einer chinesischen Frau, dessen Antithese Satan oder der „große rote Drache“ ist, den die Sekte mit der KP Chinas identifiziert.
Siehe auch den Eintrag vom 11. Oktober 2014.

20. August 2014:
Global Times: Regierungsbeamte in Kashgar (Xinjiang) wegen Verletzung der Disziplin durch Praktizieren von Religion bestraft
Wie die staatliche Zeitung berichtete, wurde am 19. August ein Beamter entlassen, weil er gegen die Regel verstoßen habe, dass Beamte keinen religiösen Glauben haben dürfen. Ein anderer wurde wegen illegaler Ernennung religiösen Personals verwarnt und von seinem Posten entfernt, ein weiterer wegen „zweideutiger“ Haltung zu Anti-Terrorismus-Kampagnen und Terroranschlägen. Global Times bestätigte auch, dass einige Lokalregierungen in Xinjiang während des Ramadan im Juli durch Bekanntmachungen auf ihren Websites Mitglieder der Partei sowie Beamte und Studierende aufgefordert hätten, nicht zu fasten und nicht an religiösen Aktivitäten teilzunehmen. Der Hauptgrund für solche Restriktionen sei die Parteidisziplin.
Über die Restriktionen hinsichtlich der Einhaltung des Ramadan in Xinjiang hatten zahlreiche internationale Medien berichtet (Global Times 20.08. u.a.).

24. August 2014:
The Globe and Mail: China weist immer mehr ausländische Missionare aus
Die Ausweisungen hätten seit Mai zugenommen, meldete die kanadische Zeitung unter Berufung auf den evangelischen Pastor Peter Jung von der Organisation Justice for North Korea. Unter den schätzungsweise fast 1.000 Ausgewiesenen seien Hunderte Südkoreaner, die unter Chinesen missioniert oder nordkoreanische christliche Flüchtlinge in China unterstützt hätten. Insgesamt gebe es in China 2.000–4.000 [protestantische] Missionare allein aus Südkorea, außerdem viele aus den USA (The Globe and Mail 24.08.). Nach den „Verwaltungsvorschriften für religiöse Aktivitäten von Ausländern auf dem Territorium der VR China“, § 8, dürfen Ausländer nicht unter chinesischen Bürgern Glaubensanhänger gewinnen.

25. August 2014:
Tod von Bischof Johannes Wu Shizhen (Nanchang, Provinz Jiangxi)
Der Bischof verstarb im Alter von 93 Jahren. Er wurde am 19. Januar 1921 in Fuzhou, Kreis Linchuan, geboren und 1949 zum Priester geweiht. 1985 wurden die ursprünglich fünf Diözesen in der Provinz Jiangxi von offizieller Seite zur Diözese Jiangxi zusammengelegt. 1987 wurde Wu ohne päpstliches Mandat zum Koadjutor-Bischof von Jiangxi geweiht und trat 1990 die Nachfolge seines Vorgängers an. Laut Berichten hat Bischof Wu allerdings später die Anerkennung Roms als Bischof von Nanchang erhalten. Einer der größten Wünsche von Bischof Wu soll die Versöhnung zwischen offiziellen und Untergrundgemeinden gewesen sein. Bischof Wu lag zudem vor allem die Formation der Seminaristen und Ordensschwestern am Herzen. Der Bischof wurde am 30. August in der Kathedrale von Nanchang beigesetzt. (Fides 16.09; Hong Kong Sunday Examiner 27.09; UCAN 20.09.1990; 26.08; 18.09.)

30. August 2014:
Kardinal John Tong weiht drei neue Weihbischöfe für Hongkong
Bei den drei neuen Weihbischöfen handelt es sich um Michael Yeung Ming-cheung, Stephen Lee Bun Sang und Joseph Ha Chi-shing OFM. Alle drei sind in Hongkong aufgewachsen und gingen dort zur Schule. Obwohl sie mehrere Jahre zum Studium im Ausland verbrachten, haben sie dennoch die größte Zeit ihres priesterlichen Lebens in Hongkong verbracht. Alle haben langjährige Erfahrung in Leitungspositionen. Mitkonsekratoren bei der Weihe in der Hongkonger Kathedrale waren Kardinal Joseph Zen SDB und der Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker in Rom, Erzbischof Savio Hon Tai-fai SDB. Acht weitere Bischöfe und über 200 Priester sowie 2.000 Gläubige nahmen an der Weihe teil.
Am 11. Juli, dem Tag der Bekanntgabe der Namen der neuen Weihbischöfe, hatte Kardinal Tong mitgeteilt, dass Papst Franziskus seine Amtszeit als Bischof von Hongkong um weitere drei Jahre verlängert habe. Kardinal Tong vollendete am 31. Juli sein 75. Lebensjahr.
Siehe Bericht in den Informationen.

Ende August 2014:
Kreis in Xinjiang belohnt inter-ethnische Heirat – Thema auch in Tibet
Im Kreis Qiemo (Cherchen) trat Ende August – wie die South China Morning Post (2.09.) unter Berufung auf die Website der Lokalregierung berichtete – eine neue Regelung in Kraft. Danach erhalten Paare, bei denen beide Partner unterschiedlichen Nationalitäten angehören, 10.000 Yuan Belohnung, wenn sie ihre Ehe registriert haben, und weitere 10.000 Yuan jährlich, wenn ihre Familie „harmonisch“ bleibt, jedoch nicht mehr als 50.000 Yuan insgesamt. Ferner erhalten die Paare Vergünstigungen bei Gesundheitsversorgung und Ausbildung der Kinder. Rund 72% der Bewohner des Kreises sind Uiguren, rund 26% Han-Chinesen. Die Maßnahme soll der „Stabilisierung Xinjiangs“ und der „kulturellen Integration“ dienen, wie ein örtlicher Beamter der South China Morn­ing Post mitteilte. Die Zeitung berichtete außerdem, dass der Parteisekretär von Xinjiang, Zhang Chunxian, in der Parteizeitung Qiushi „gleiche Geburtenpolitik für alle ethnischen Gruppen“ in Xinjiang gefordert habe. Nach geltender Regelung dürfen Uiguren, wie alle ethnischen Minderheiten in China, mehr Kinder bekommen als Han-Chinesen.
Nach einem Bericht der Washington Post (16.08.) forderte auch der Parteisekretär des Autonomen Gebiets Tibet, Chen Quanguo, bei einem Treffen im Juni, die Regierung müsse „Mischehen aktiv fördern“.

9. / 10. / 20. September 2014:
Dalai Lama und chinesische Außenministeriumssprecherin zur Zukunft der „Dalai-Lama-Institution“
Unter der Überschrift „Der Dalai Lama will zwar keinen Nachfolger haben, aber noch lange leben“ brachte die Welt am Sonntag am 9. September ein Interview mit dem Dalai Lama, worin dieser äußerte, dass er sich vorstellen könne, keinen Nachfolger zu haben. Er sage manchmal im Scherz, dass nach fünf Jahrhunderten diese Tradition mit dem 14. Dalai Lama aufhören könne, der ziemlich beliebt sei. Am 10. September erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, mit Bezug auf dieses Interview, der Titel des Dalai Lama werde von der Zentralregierung verliehen. Die chinesische Regierung respektiere die Traditionen des tibetischen Buddhismus und das Buddha-Reinkarnationssystem. „Der Dalai Lama hat niedere politische Beweggründe und seine Worte stellen eine ernste Sabotage des Systems dar.“ Am 20. September dementierte der Dalai Lama gegenüber der Asahi Shimbun, dass er gesagt habe, er werde der letzte Dalai Lama sein; darüber müssten vielmehr die Tibeter entscheiden. Der Sekretär des Dalai, Lama Tenzin Taklha, sagte zu der Zeitung, der Dalai Lama sei sehr besorgt, dass die chinesische Regierung jemanden, den sie kontrollieren könne, als seinen Nachfolger bestimmen werde. Er denke über neue Möglichkeiten der Bestimmung seiner Reinkarnation nach, darunter die einer Wahl ähnlich wie bei den römisch-katholischen Päpsten (Asahi Shimbun 25.09.; Kyodo 10.09.; Welt am Sonntag 9.09.).
Der Dalai Lama hat am 24. September 2011 bereits eine ausführliche Erklärung zur Frage seiner Reinkarnation abgegeben, eine deutsche Übersetzung findet sich in China heute 2012, Nr. 1, S. 15-20.

13. September 2014:
Erster zweijähriger Oberkurs für katholische Laien an der Südkirche in Beijing feiert Abschluss
Die 73 Absolventinnen und Absolventen im Alter von 25–55 Jahren hatten zwei Jahre lang jeden Samstag an ganztägigem Unterricht in 18 Fächern teilgenommen, darunter Philosophie, Bibel, Glaubenslehre, Theologie, Kirchengeschichte, Spiritualität, Kirchenmusik und vergleichende Religionswissenschaft. Der Kurs hatte zum Ziel, Lehrer für Taufbewerberkurse und Evangelisierung heranzubilden und die „Glaubensqualität“ der Gläubigen zu verbessern. Nach der Abschlussfeier begann ein neuer Oberkurs mit 57 Teilnehmern, berichtete die in Shijiazhuang erscheinende katholische Zeitung Xinde (Faith, 25.09.).

15. September 2014:
Zwei katholische Kirchen in den Provinzen Hunan und Jiangxi werden zwangsabgerissen, Kirchenkreuz in Zhejiang demontiert
In drei verschiedenen Provinzen ereigneten sich am selben Tag Übergriffe auf Kirchengebäude aus dem Bereich der offiziellen katholischen Kirche. Zwei Kirchen in den Provinzen Hunan und Jiangxi wurden komplett abgerissen. Ein Priester, der vergeblich versuchte, die Arbeiter am Abriss der Kirche in der Stadt Dejin (Hunan) zu hindern, wurde von Regierungspersonal in Handschellen abgeführt. Nach Intervention von Bischof Qu Ailin wurde er am nächsten Tag freigelassen. Wie Bischof Qu UCAN berichtete, müssen alle Gebäude in der Nachbarschaft der Kirche der Stadtentwicklung weichen. Die Regierung habe ihre Zusage gebrochen, die alte Kirche erst dann abzureißen, wenn der an anderer Stelle entstehende Neubau benutzbar sei. In Jing­dezhen (Jiangxi) wurde die Marienkirche in der Nacht durch eine „Alt-Jingdezhen Investment GmbH“ dem Erdboden gleichgemacht. Vorher waren – wie UCAN aus bestätigten online-Berichten erfuhr – der zuständige Pfarrer mit einer Essenseinladung des lokalen Religionsbüros weggelockt und der Torwächter vorübergehend verschleppt worden. Beide Vorfälle waren offenbar durch die Stadtentwicklung bzw. Grundstücksspekulationen motiviert und damit etwas anders gelagert als die Vorfälle in Zhejiang. Dort wurde ebenfalls am 15. September das Kreuz von der katholischen Kirche in Jingtou (Cangnan, Wenzhou) demontiert. Die Pfarrei hatte sich zwei Monate lang gewehrt und sich schließlich mit den Behörden darauf geeinigt, dass sie nach dem Abriss des großen ein kleineres Kreuz anbringen dürfe (UCAN 19.09.; UCAN chin. 18.09.).

15. September 2014:
Katholisches Priesterseminar von Sichuan nimmt erstmals männliche Laien zum Studium auf
Aufgrund der abnehmenden Zahl von Priesterberufungen hat das Priesterseminar von Sichuan beschlossen, zum neuen Studienjahr ab dem 15. September männlichen Laien die Gelegenheit zum Theologiestudium zu geben. Darüber berichtete der Rektor des Seminars, Bischof Chen Gong’ao, der katholischen Nachrichtenagentur UCAN. Die Laien besuchen theologischen Unterricht zusammen mit den Seminaristen, zusätzlichen Unterricht in Fächern wie Verwaltungswissenschaften, Public Relations und Finanzbuchhaltung erhalten sie an Universitäten, mit denen das Seminar entsprechend Kontakt aufgenommen hat. Nach zwei für sie kostenfreien Studienjahren müssen die Laienstudenten entscheiden, ob sie weiter auf das Priesteramt studieren wollen oder das Studium beenden, um eine Aufgabe in der Kirche zu übernehmen oder anderswo zu arbeiten. In jedem Fall würden junge Leute für Dienste in der Kirche qualifiziert. Derzeit haben 12 Laien im Alter von 18 bis 23 Jahren mit dem Studium am Seminar begonnen (china.ucanews.com 13.10.).

16. September 2014:
Argentinische Zeitung berichtet von Brief des Papstes an Präsident Xi Jinping
Die argentinische online-Zeitung Infobae meldete, dass Papst Franziskus Präsident Xi Jinping in einem eigenhändig unterschriebenen Brief eingeladen habe, ihn in seinem Haus in Santa Marta zu besuchen, um gemeinsam über den Weltfrieden nachzusinnen, und seine Bereitschaft bekundet habe, „morgen“ nach China zu reisen. Der Brief wurde Infobae zufolge über argentinische Verbindungen an Präsident Xi Jinping weitergeleitet (www.infobae.com 16.09.). Die Existenz dieses Briefes wurde weder von vatikanischer noch von chinesischer Seite bestätigt.

19. September 2014:
Gemeinsame indisch-chinesische Erklärung sieht Förderung von Reisen mit religiösem Hintergrund vor
In der „Gemeinsamen Erklärung zum Aufbau einer engeren Partnerschaft für Entwicklung“ beider Staaten heißt es u.a., „China sagt zu, Indien bei der Entwicklung von Tourismusprodukten und -routen zu helfen, die sich auf den chinesischen Mönch Xuanzang aus dem 7. Jh. beziehen.“ Xuanzang brachte buddhistische heilige Schriften aus Indien nach China und übersetzte viele davon ins Chinesische. Die Erklärung stellt ferner fest, Indien danke dem chinesischen Außenministerium und der Regierung des Autonomen Gebiets Tibet für ihre Unterstützung beim Empfang indischer Pilger bei ihrer jährlichen Wallfahrt. Zur Förderung des religiösen Austauschs und um die Wallfahrt für indische Pilger zu erleichtern, habe China auf indische Bitten beschlossen, eine weitere Pilgerroute über den Nathu La-Pass zu öffnen. Die Gemeinsame Erklärung wurde am Ende des Staatsbesuchs von Präsident Xi Jinping in Indien veröffentlicht (Xinhua 18.,19.09.).
Zu Problemen bei Pilgerfahrten von Tibetern aus der VR China nach Indien siehe den Eintrag vom 3.–14. Juli 2014.

21. September 2014:
Bischof emeritus Lan Shi von Sanyuan gestorben
Der emeritierte Koadjutor-Bischof der Diözese Sanyuan, Provinz Shaanxi, verstarb im Alter von 89 Jahren. Er wurde 1925 in Tongyuan, Kreis Gaoling, geboren und 1954 zum Priester geweiht. 1965 wurde er verhaftet und verbrachte die Jahre bis 1979 in Arbeitslagern. Am 28. November 2000 wurde er mit Genehmigung des Heiligen Stuhls zum Koadjutorbischof von Sanyuan geweiht. 2003–2008 wirkte er als Bischof der Diözese. Seit 2010 ist Bischof Han Yingjin für die Diözese zuständig. In der Diözese lebt auch der emeritierte Bischof Zong Huaide. Bischof Lan bemühte sich insbesondere um die Jugend, auch komponierte er verschiedene liturgische Gesänge. Die Beerdigung fand am 24. September in der Pfarrei Xiushidu statt (Fides 8.10.; www.gcatholic.org).

21. September 2014:
Bericht: Spenden in China stiegen 2013 wieder an
Nachdem Spenden an chinesische Wohlfahrtsorganisationen aufgrund von Skandalen um Hilfsorganisationen, besonders das chinesische Rote Kreuz, 2011 und 2012 zurückgegangen waren, stiegen sie 2013 gegenüber dem Vorjahr um rund 21% auf 98,9 Mrd. Yuan an. Diese Zahlen gab das dem Ministerium für Zivilverwaltung unterstehende Chinesische Informationszentrum für Wohlfahrt und Spenden bekannt. 70% der Spenden kamen von Körperschaften, vor allem privaten Firmen und ausländischen Unternehmen. Neue Trends sind laut Bericht das Spenden von Aktien und online-Spenden (Xinhua 21.09.).

22. / 28. September 2014:
Beginn der Protestaktionen in Hongkong
Am 22. September riefen die Hongkonger Studentenförderation und die Schülergruppe „Scholarism“ zu einem mehrtätigen Hochschul- und am 26. September Schulboykott auf. Tausende von Studenten und Schülern gingen auf die Straßen, um für echte freie Wahlen des Verwaltungschefs von Hongkong im Jahre 2017 und mehr Demokratie zu demonstrieren. Ende August hatte der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses in Beijing festgelegt, dass die Hongkonger bei der Abstimmung zwischen Kandidaten wählen müssen, die vorher festgelegt sind. Dies empfinden viele Hongkonger als Betrug. Am 28. September begann die Occupy Central-Bewegung mit ihren gewaltfreien Protesten und schloss sich den demonstrierenden Studenten an. Daraus entwickelten sich Proteste, die seit mehreren Wochen anhalten. Immer wieder kam es zu gewaltsamen Übergriffen seitens der Polizei und zwangsweisen Räumungen von Straßen und Protestlagern. Gespräche zwischen den Protestierenden und der Hongkonger Regierung wurden verschoben.
Die katholische Diözese von Hongkong unterstützt weitgehend die Anliegen der Demonstranten, rief aber angesichts immer wieder drohender Eskalationen wiederholt zu Besonnenheit und Rückzug auf.
Siehe Informationen und Dokumentation dieser Nummer sowie Eintrag vom 15. Oktober 2014.

23. September 2014:
Amnesty International veröffentlicht Bericht „China’s Trade in Tools of Torture and Repression“
China spielt der Studie zufolge eine zunehmend starke Rolle auf dem Weltmarkt für Polizeiausrüstung. Die Studie wurde von Amnesty International zusammen mit der britischen Omega Research Foundation erstellt. Über 130 chinesische Firmen produzieren und vertreiben demnach potentiell gefährliche Polizeiausrüstungsgegenstände, wie Elektroschock-Stöcke, Schlagstöcke mit Metalldornen, Fußfesseln mit schweren Gewichten oder Zwangsstühle. Diese würden auch in Länder Afrikas und Asiens verkauft, die für ständige Menschenrechtsverletzungen bekannt seien. Die meisten der Firmen seien staatlich. Aber auch im Inland sei Folter von Häftlingen durch Elektroschock, mechanische Haltevorrichtungen etc. verbreitet (Amnesty International 23.09.).

23. September 2014:
Uigurischer Wirtschaftswissenschaftler Ilham Tohti wird wegen Separatismus zu lebenslanger Haft verurteilt
Ilham Tohti unterrichtete an der Minzu-Universität in Beijing, der nur zweitägige Prozess fand in Urumqi statt. In der Begründung des Gerichts hieß es Xinhua zufolge, Ilham Tohti habe durch die Web­site Uighur Online separatistisches Gedankengut verbreitet und ethnische Studenten zur Mitarbeit verführt und gezwungen. Durch die verbreiteten Artikel habe er die chinesische Minderheiten-, Religions-, Wirtschafts- und Familienpolitik angegriffen, durch Verdrehung der Ursachen von Unruhen ethnischen Hass geschürt und Uiguren zu Gewalt ermutigt. Er habe zudem mit Ausländern bei der Aufbauschung von Zwischenfällen kollaboriert mit dem Ziel, inländische Angelegenheiten zu internationalisieren.
Ilhams Anwalt Li Fangping sagte zur South China Morning Post, Ilham sei nur für das verurteilt worden, was er gesagt habe, und den Behörden sei es nicht gelungen darzulegen, mit welchen seiner Reden er angeblich die blutigen Unruhen in Urumqi vom 5. Juli 2009 ausgelöst haben soll. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo sprach vom härtesten Urteil für einen chinesischen Aktivisten seit Jahren. Die Europäische Union verurteilte am 23. September das Urteil gegen Ilham Tohti als völlig ungerechtfertigt und rief zu seiner sofortigen Freilassung auf. Ilham Tohti gilt als jemand, der zwar offen starke Kritik an der Regierungspolitik in Xinjiang geübt, sich aber deutlich gegen Separatismus ausgesprochen hat. Im Gespräch mit dem Journalisten Ian Johnson bezeichnete der regimekritische Schriftsteller Wang Lixiong Ilham Tohti als den einzigen Uiguren, der das Format zu einem zivilgesellschaftlichen Akteur habe und sich gleichzeitig als Zhongguo­ren (Chinese) bezeichne. Die einzige mögliche Schlussfolgerung sei, „dass sie keine moderaten Uiguren wollen. Denn wenn man moderate Uiguren hat, warum redet man dann nicht mit ihnen?“ (Kyodo 23.08.; South China Morning Post 23.,24.09.; Xinhua 18.,23.09.; www.nybooks.com/blogs/nyrblog/2014/sep/22/trial-ilham-tohti-they-dont-want-moderate-uighurs/; vgl. China heute 2009, Nr. 3, S. 141-145; Eintrag vom 28. Oktober 2013).

23. September 2014:
Hochrangige Beamte der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas besuchen Diözese Baoding, Katholiken fordern Freilassung von Bischof Su Zhimin
Zhao Xueyi, der Leiter des Zweiten Büros (für Nationalitäten- und Religionsarbeit) der Einheitsfrontabteilung des Zentralkomitees, sowie die Leiter der Einheitsfrontabteilungen der Provinz Hebei und der Stadt Baoding kamen zu einem Inspektionsbesuch zur Kathedrale von Baoding. Wie UCAN berichtete, trafen sie Bischof An Shuxin, der den offiziellen Teil der Diözese leitet, den kürzlich aus der Haft entlassenen Priester Lu Genjun u.a. Kirchenvertreter zu einem Gespräch. Dabei brachte Katholikenvertreter Su Tianyou im Namen aller Gläubigen die Forderung nach Freilassung des 1997 verhafteten und seither verschwundenen Ortsbischofs Su Zhimin vor und überreichte entsprechende Unterlagen. Su, ein Neffe des Bischofs, sprach von den Sorgen der Gläubigen um den alten Bischof sowie über dessen Bedeutung für die Verbesserung der sino-vatikanischen Beziehungen und die Einheit der Kirche in Baoding. Danach führten die Beamten ein „Geheimgespräch“ mit Bischof An. Lu Genjun sagte zu UCAN, die Beamten hätten gesagt, sie würden „überlegen“, ob der Bischof freigelassen werde; das Ergebnis und die Absicht ihres Besuchs seien unklar. Der heute 79-jährige Bischof Su Zhimin wurde 1997 verhaftet, weil er sich weigerte, der Patriotischen Vereinigung beizutreten. Seither ist sein Verbleib unbekannt; nur 2003 wurde er einmal kurz in einem Krankenhaus gesehen (UCAN chin. 13.10.). Siehe auch den Eintrag vom 4. / 28. August 2014.

23. September 2014:
Tod von Bischof Johann Baptist Wang Jin von Yuci
Der Bischof von Yuci in der Provinz Shanxi starb im Alter von 90 Jahren. Er wurde am 22. April 1924 in Taiyuan geboren und 1951 dort zum Priester geweiht. Die Jahre 1965–1985 verbrachte er im Gefängnis. 1999 wurde er mit Genehmigung des Heiligen Stuhls zum Bischof von Yuci geweiht. Dort kümmerte er sich besonders um priesterliche Berufungen. Das Requiem für Bischof Wang wurde am 7. Oktober in der Kathedrale von Yuci gefeiert (Fides 8.10.; www.chinacatholic.org 23.09.).

24. / 28. September 2014:
China begeht den 2565. Geburtstag von Konfuzius mit Zeremonien in Tempeln und einem Kongress in der Großen Halle des Volkes – 10 Jahre Konfuzius-Institute
Wie Chinas offizielle Medien berichteten, fanden in vielen Konfuziustempeln des Landes an Konfuzius’ Geburtstag am 28. September Zeremonien statt. 500 Menschen versammelten sich im Konfuziustempel von Beijing, darunter Konfuziusanhänger aus Russland und den USA sowie der 90-jährige Kong Deyong, Konfuzius-Nachkomme in der 77. Generation und Vorsitzender der Weltvereinigung der Konfuzius-Nachfahren. Zum Ritual gehörten Verbeugungen vor der Konfuziusstatue, ein traditioneller Tanz und die Opferung von Wein. Mittelschüler rezitierten aus den konfuzianischen Klassikern. Am 24. sprach Staatspräsident Xi Jinping auf der Eröffnung der Internationalen Konferenz zu Konfuzius’ 2565. Geburtstag und des 5. Kongresses der Internationalen konfuzianischen Vereinigung. Wenn ein Land nicht das eigene Denken und die eigene Kultur pflege, verliere es seine Seele und werde nicht bestehen, sagte Xi. Länder müssten ihre eigene Kultur hochschätzen und die der anderen respektieren. Am 27. September fand eine Feier zum zehnjährigen Bestehen der Konfuzius-Institute statt. Laut Xinhua betreibt China heute 465 Konfuzius-Institute in 123 Ländern und Regionen. Sie dienen der Verbreitung der chinesischen Sprache und Kultur (China Daily 29.09.; Xinhua 24.,27.09.).

27. September 2014:
Erster Chinese seit der Kulturrevolution wird zum Diakon der orthodoxen Kirche geweiht
Die Diakonatsweihe von Aleksander Yu Shi fand am Fest der Kreuzerhöhung in der Universitätskirche des hl. Apostels Johannes in Sankt Petersburg statt. Ein paar Tage später reiste der neue Diakon schon nach Harbin (Provinz Heilongjiang), wo er am 14. Oktober am Fest Mariä Schutz und Fürbitte (Pokrow) eine Andacht zur Gottesmutter leitete. Aleksander Yu Shi hat sein Theologiestudium in Sankt Petersburg absolviert. Am 13. Juli 2014 dankte Wang Zuo’an, der Direktor des chinesischen Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, bei seinem Besuch in Sankt Petersburg der Russisch-Orthodoxen Kirche und der Stadtverwaltung für die Unterstützung des chinesischen Seminaristen (zu den Hintergründen siehe den Beitrag in den Informationen dieser Nummer).
Siehe auch den Eintrag vom 9. Dezember 2014.

29. September 2014:
Kardinal John Tong richtet Appell an Hongkonger Regierung
Nach Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten richtete die Diözese von Hongkong einen von Kardinal John Tong unterzeichneten „Dringenden Appell“ an die Hongkonger Regierung. Darin rief er die Regierung auf, „die persönliche Sicherheit unserer Mitbürger zur obersten Priorität zu erheben und Zurückhaltung in der Anwendung von Gewalt zu üben in der Absicht, die Stimme der jüngeren Generation und Bürger aller Gesellschaftschichten zu hören“. Die Demonstrierenden bat er, Ruhe zu bewahren, und alle Christen um ein Gebet für Versöhnung unter den Konfliktparteien (Wortlaut siehe Dokumentation).

30. September 2014:
China begeht ersten „Tag der Märtyrer“
Während der Zeremonie legte Staatspräsident Xi Jinping Blumen am Denkmal der Helden des Volkes auf dem Tian’anmen-Platz nieder. Der im Vormonat vom Nationalen Volkskongress neu eingeführte nationale Gedenktag ehrt Menschen, die seit dem 1. Opiumkrieg „ihr Leben für Unabhängigkeit und Gedeihen des Landes und die Wohlfahrt des Volkes geopfert haben“. China habe schätzungsweise rund 20 Mio. Märtyrer (lieshi 烈士), nur 1,93 Mio. seien jedoch namentlich bekannt, schrieb Xinhua. Die Zahl der Märtyrer sei in den letzten Jahren jährlich um etwa 300 gestiegen (Xinhua 30.09.).

Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2014.

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