Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Oktober bis 31. Dezember 2017

Politik

17. Oktober / 17. November 2017:
Xinhua: „Aufgeklärte chinesische Demokratie stellt Westen in den Schatten“
KP-Propagandachef warnt vor „universellen Werten“

Ein kurz vor dem Parteitag unter der genannten Überschrift erschienener englischsprachiger Beitrag der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua argumentierte, Chinas „institutionalisierte konsultative Demokratie“ sei gesünder denn je. Dieses System führe zu Stabilität und gesellschaftlicher Einheit, während die westlichen liberalen Demokratien mit ihrem endlosen Hickhack und häufigen Regierungswechseln Fortschritt verhinderten und zunehmend nur noch bestimmte Schichten und Interessengruppen verträten. China habe es „absolut nicht nötig, die versagenden parteipolitischen Systeme anderer Länder zu importieren“.
Am 17. November warnte der neuernannte Leiter der Propagandaabteilung der KP Chinas, Huang Kunming, in der Parteizeitung Renmin ribao davor, dass „einige westliche Länder“ ihre Position nutzen würden, um anderen eine ideologische Kultur mit dem Kern der sogenannten „universellen Werte“ zu verkaufen und sie dazu zu verleiten, die spirituelle Identität der eigenen Nation aufzugeben. Der Artikel hatte die Erziehung bezüglich der sozialistischen Kernwerte und deren Praktizierung zum Thema (AsiaNews 17.11.; cpc.people.com.cn 17.11.; Xinhua 17.10.).

18.–24. Oktober 2017:
19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas
Bei dem Parteitag konnte KP-Generalsekretär Xi Jinping seine Macht weiter zementieren. Unter anderem wurde der Begriff „Xi Jinping-Gedanken zum Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten für eine neue Ära“ (习近平新时代中国特色社会主义思想) in die Parteistatuten aufgenommen. Dies bedeute, dass jeder Versuch, Xi herauszufordern, nun als Widerstand gegen die Partei gelten werde, schrieb die South China Morning Post; sie merkte an, dass Xi der erste Politiker seit Mao sei, dessen Ideologie bereits zu Amtszeiten in der Parteisatzung festgeschrieben worden sei.
Parteitage der KP Chinas finden alle fünf Jahre statt, sie stellen die Weichen für die Politik der nächsten Jahre. Der Parteitag wählt die Mitglieder und Kandidaten des Zentralkomitees, dieses wiederum bestimmt das Politbüro, dessen 7-köpfiger Ständiger Ausschuss das höchste Parteiorgan ist. Am 18. Oktober hielt Xi Jinping vor den 2.287 Delegierten eine programmatische Rede, in der auch die Religionen erwähnt wurden (siehe Eintrag vom 18. Oktober 2017 in der Rubrik „Religionspolitik“) (AsiaNews 24.10.; HKSE 28.10.; South China Morning Post 18.,28.10.; Xinhua 18.,24.10.).

21. November 2017:
Bürgerrechtsanwalt Jiang Tianyong wird zu zwei Jahren Haft verurteilt
Das Mittlere Volksgericht in Changsha (Provinz Hunan) verurteilte den chinesischen Anwalt wegen Anstiftung zum Umsturz der Staatsgewalt. Im Urteilsspruch hieß es u.a., Jiang habe „lange unter dem Einfluss anti-chinesischer Kräfte gestanden“. Jiang hatte vorher ein Geständnis abgegeben, das Beobachter als erzwungen bewerteten. Jiang Tianyong, der protestantischer Christ ist, verteidigte Angeklagte in politisch heiklen Fällen, darunter den christlichen Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng und den blinden Dissidenten Chen Guangcheng sowie Mitglieder von Falun Gong, Tibeter, Petitionskläger und HIV/AIDS-Opfer. 2008 wurde die Erneuerung seiner Anwaltslizenz verweigert. Er wurde mehrfach festgenommen, zuletzt im November 2016. Im August 2016 hatte Jiang den UN-Sonderberichterstatter zu extremer Armut und Menschenrechten, Philip Alston, getroffen und drei Wochen vor seiner Festnahme den damaligen deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel (AsiaNews 21.11.; The Guardian 6.12.2016; Kyodo 21.11.; FAZ 22.08.; Zeit online 21.11.).

Ende November 2017:
Massenräumungen von Wanderarbeiter-Unterkünften in Beijing
Medien berichteten Ende letzten Jahres von einem härteren Umgang der chinesischen Regierung mit chinesischen Wanderarbeitern, die in einfachen, „illegalen“ Unterkünften in den Städten wohnen. Laut Süddeutscher Zeitung sind 35% der chinesischen arbeitenden Bevölkerung Wanderarbeiter und halten mit ihren niedrigen Löhnen die chinesische Wirtschaft am Laufen. Sie kommen zum überwiegenden Teil vom Land, sie haben daher keine städtische  Wohnsitzregistrierung (hukou) und somit nicht die gleichen Rechte wie Stadtbürger.
Ende November 2017 begann man in Beijing mit der Zwangsräumung von Wanderarbeiterunterkünften. Ein Beispiel ist Feijia (Nordost-Peking), wo, offiziell wegen Brandschutzmängeln, innerhalb kürzester Zeit und ohne echte Vorwarnung ganze Siedlungen abgerissen wurden, so die South China Morning Post. Die Bewohner wurden so bei Minusgraden obdachlos.
BBC Monitoring berichtet, es sei eine „40-tägige Razzia“ gewesen, die sich offiziell auf das Kontrollieren und Entfernen von unsicheren Gebäuden richtete, da am 18. November 19 Bewohner einer Wanderarbeiterunterkunft in Daxing, Beijing, bei einem Brand ums Leben kamen. Gegen diese Darstellung spricht, so die Süddeutsche, dass gleich nach dem Abriss im Osten Beijings z.B. LKWs mit jungen Bäumen zum Einpflanzen auf den Ladeflächen vorfuhren.
Die Kritik der Internetnutzer wurde besonders laut, als öffentlich wurde, dass die Wanderarbeiter von der Beijinger Stadtregierung als diduan ren­kou, von der Süddeutschen mit „Abschaum der Gesellschaft übersetzt, bezeichnet wurden. Auch der Immobilien-Tycoon Ren Zhiqiang, Mitglied der Beijinger Politischen Konsultativkonferenz, übte Kritik. Dies bewirkte, dass Cai Qi, der Parteichef von Beijing, die Geschwindigkeit der Räumung geringfügig verlangsamte, die Menschen waren aber weiterhin auf der Straße (BBC Monitoring 17.12.2017; MERICS Ende November 2017; South China Morning Post 17.12.2017; Süddeutsche Zeitung 2.12.2017).

Religionspolitik

18. Oktober 2017:
Xi Jinpings Bericht auf dem 19. Parteitag wiederholt bekannte Positionen zu den Religionen – darunter Forderung nach deren Sinisierung
In seiner dreieinhalbstündigen Rede machte Xi Jinping auch die Religionen betreffende Anmerkungen, die eine Bestätigung früherer Aussagen darstellen. Das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) verbreitete über seinen neuen WeChat Account eine Zusammenfassung der Religionsaussagen von Xis Parteitagsrede in vier Punkten: 1. Sozialistische Demokratie und Regierung nach dem Gesetz sollen entwickelt und dabei u.a. die Nationalitäten- und Religionsarbeit „innovativ“ vorangetrieben werden; 2. in allen wichtigen Bereichen von Politik und Gesellschaft, unter denen auch Religion aufgezählt wird, sollen theoretische Analyse und politische Anleitung stattfinden; 3. „die grundlegenden Leitlinien der Religionsarbeit der Partei sind vollständig umzusetzen, es ist an der Orientierung der Religionen Chinas auf Sinisierung hin festzuhalten und es ist aktiv auf eine Anpassung der Religionen an die sozialistische Gesellschaft hinzuwirken“ [es handelt sich um Teilsätze aus der Religionsrede Xi Jinpings von April 2016]; 4. alle Arten von infiltrativ-subversiven, terroristischen, spalterischen und religiös extremistischen Aktivitäten sind zu verhindern und niederzuschlagen (BRA-WeChat-Account Weiyan zongjiao 微言宗教 nach chinacatholic.cn 20.10., chinaislam.net.cn 19.10. und fjnet.com 18.10.).

18. Oktober 2017:
Sieben führende Religionsvertreter unter den 74 Sondergästen bei der Eröffnung des Parteitags
Bei den sieben geladenen Religionsvertretern handelte es sich um die Vorsitzenden der offiziellen Vereinigungen der fünf anerkannten Religionen, wobei Protestanten und Katholiken (da sie jeweils zwei offizielle Leitungsgremien haben) durch je zwei Vorsitzende vertreten waren. Anschließend zitierte das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) in einer Meldung jeden der sieben mit Worten der Unterstützung für Generalsekretär Xi und die Ziele der Partei. Die Vereinigungen der Religionen auf nationaler und lokaler Ebene trafen sich, um kollektiv die Fernsehübertragung von Xis Rede zu verfolgen, was auf den einschlägigen Websites mit Fotos dokumentiert wurde.
Wie AsiaNews berichtete, wurde Wang Zuo’an, der Direktor des BRA, vom Parteitag nicht wieder ins Zentralkomitee gewählt, dem Nationalverer vorher angehört hatte. Die Gründe dafür sind unklar (AsiaNews 19.,26.10.; Hong Kong Sunday Examiner 28.10.; 4.11.; 2.12.; sara.gov.cn 19.10.).

23. November 2017:
Staatliches Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA) veröffentlicht Direktive gegen Kommerzialisierung von Buddhismus und Daoismus
Die in zehn Punkte gegliederte Direktive stellt eine Fortführung des Themas dar, das seit Jahren als Hauptpunkt auf der religionspolitischen Agenda zu Buddhismus und Daoismus steht. Das auf 3. November 2017 datierte Dokument trägt den Titel „Einige Ansichten zur weiteren Regulierung des Problems der Kommerzialisierung des Buddhismus und Daoismus“ (关于进一步治理佛教道教商业化问题的若干意见). U.a. heißt es dort, dass buddhistische und daoistische Stätten Non-Profit-Charakter haben müssen, sie dürfen nicht unter Vertrag genommen, in Aktiengesellschaften oder Joint Ventures umgewandelt werden. Stätten, die keine [staatlich registrierten] Stätten für religiöse Angelegenheiten sind, sowie „falsche“ Mönche und Nonnen dürfen nicht unter dem Namen von Buddhismus oder Daoismus religiöse Aktivitäten organisieren oder Spenden annehmen. Weitere Vorgaben betreffen Eintrittspreise für Tempel, große Statuen im Freien, Weihrauchopfer und Freilassung von Lebewesen. Religiöse Informationsdienste im Internet, die nicht von [registrierten] religiösen Organisationen, Stätten oder Ausbildungsstätten betrieben werden, dürfen keine religiösen Aktivitäten online organisieren, wie „Buddha-Verehrung im Netz“, Online-Weihrauchopfer oder Online-Spendensammlungen. Der Text ermahnt die lokalen Partei- und Regierungskader, sich streng an die Regeln zu halten, nicht unter dem Vorwand der Förderung von Wirtschaft, Tourismus oder Kultur ein „Religionsfieber“ anzufeuern oder korrupte Vorteilsnahme aus religiösen Aktivitäten zu ziehen. Das Dokument wurde vom BRA und 11 weiteren Partei- und Staatsbehörden unterzeichnet, darunter die Propagandaabteilung und die Einheitsfrontabteilung der KPCh sowie die Ministerien für öffentliche Sicherheit, für Finanzen, für Steuerangelegenheiten, für Tourismus und für Denkmalschutz. Viele Bestimmungen darin sind (nicht gekennzeichnete) Zitate aus den jüngst revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten,“ man kann sie also als ein erstes Folgedokument der revidierten Vorschriften betrachten, dem sicher weitere folgen werden. Außerdem gibt es ein Vorläuferdokument, die „Ansichten zur Behandlung von Problemen bei der Verwaltung buddhistischer und daoistischer Tempel und Klöster“ 关于处理涉及佛教寺庙、道教宫观管理有关问题的意见 von 2012 (Kommentar und Übersetzung in China heute 2012, Nr. 4, Informationen, Dokumentation und unter www.china-zentrum.de, Rubrik „Dokumente zu Religion und Politik“). Eine deutsche Übersetzung der neuen Direktive erscheint demnächst in China heute.

November / Dezember 2017:
„Geisterfilm“ Coco von Pixar wird von chinesischer Zensur zugelassen und fährt unerwarteten Erfolg in Chinas Kinos ein
Der Animationsfilm Coco – Lebendiger als das Leben! handelt von einem mexikanischen Jungen, der am „Tag der Toten“ im Jenseits nach seinem Ururgroßvater sucht, um seinen Traum zu verwirklichen, ein großer Musiker zu werden. Wie Rob Cain im Wirtschaftsmagazin Forbes schrieb, war schon die Zulassung des Films in China unerwartet, weil den geltenden Zensurvorschriften zufolge „Geister und Übernatürliches“ in Filmen nicht gezeigt werden dürfen. Da andere Pixar-Filme in China wenig erfolgreich waren, überraschten dann die hohen Zuschauerzahlen für Coco. Der „gemeinsame kulturelle Wert der Verehrung für die Vorfahren“ habe wesentlich zur Anziehungskraft des Films für die chinesischen Kinogänger beigetragen, die sich regelmäßig anders verhielten als vorhergesagt, so Cain (forbes.com 27.11.2017; 11.,16.,26.12.2017).
Siehe auch den Eintrag von Ende November 2017 in der Rubrik „Islam“.

2.–3. Dezember 2017 / 20. Januar 2018:
Internationale Konferenz zu Falun Gong in Wuhan / 2017 wurden laut Falun Gong 974 seiner Anhänger in China verurteilt
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, nahmen 30 Wissenschaftler aus China, den USA, Kanada, Australien, Italien, Kirgistan und Sri Lanka an einer „Internationalen Konferenz zu Kultproblemen“ teil, in der es offenbar hauptsächlich um Falun Gong ging. Im Bericht namentlich genannte [im Internet auf den Websites ihrer Universitäten auffindbare] Professoren erklärten dort u.a., dass Falun Gong-Anhänger medizinische Behandlung ablehnten, dass die Beschuldigung der Organentnahme von inhaftierten Anhängern in China nicht haltbar sei und dass verschiedene Wissenschaftler, die Kritisches über Falun Gong geschrieben hätten, von der Gruppe bedroht worden seien.
Falun Gong gab am 20. Januar 2018 auf seiner Website Minghui.org an, dass im Jahr 2017 insgesamt 974 seiner Anhänger von Gerichten in der VR China zu Gefängnisstrafen verurteilt worden seien, rund 320 von ihnen in den Provinzen Nordostchinas. Die Dauer der verhängten Haftstrafen habe bei den im Dezember Verurteilten bei durchschnittlich 3,3 Jahren gelegen; zusätzlich seien Geldstrafen verhängt worden.
Falun Gong ist in der VR China als „häretischer Kult“ definiert und verboten (Minghui.org 20.01.2018; Xinhua 3.12.2017).

14. Dezember 2017:
Gemeinsame Konferenz der offiziellen religiösen Organisationen sagt „Nein zu Kulten“
Die „Gemeinsame Konferenz der nationalen religiösen Organisationen“, ein unter der Ägide des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) formiertes Gremium, behandelte bei ihrem 4. Treffen die Frage, wie sich die Religionen künftig in den Kampf der Behörden gegen die [von der Regierung als solche definierten] häretischen Kulte (xiejiao 邪教) einbringen sollten. Wie BRA-Direktor Wang Zuo’an auf dem Treffen erklärte, „ist der Kampf gegen die Kulte schwer und der Weg lang“. Laut dem Bericht des BRA über das Treffen sollen die Religionen die Behörden u.a. bei der Prävention sowie bei der Umerziehung von Kultgeschädigten unterstützen. Am Ende verabschiedeten die Religionsvertreter einen entsprechenden Aufruf (BRA nach chinaislam.net.cn 15.12.2017).

Religionen allgemein

20. September / 13. Oktober 2017:
China ist Israels größte Touristenquelle – religiös motivierter Tourismus?
64.000 chinesische Touristen besuchten Israel zwischen Januar und Juli 2017, ein Anstieg von 66% gegenüber dem Vorjahr, sagte der israelische Tourismusminister Yariv Levin bei einem Chinabesuch. Levin habe dies neuerdings eingerichteten Direktflügen zwischen China und Israel zugeschrieben, meldete Xinhua am 20. September. Das in New York ansässige Online-Portal Jing Travel, das auf das Reisegeschäft mit Chinesen spezialisiert ist, berichtete am 13. Oktober, dass manche Reiseagenturen auch „religionsgeschichtliche“ Reiseziele im Programm haben sollen. Jing Travel verweist darauf, dass es für Chinesen billigere und visatechnisch bequemere Reiseländer als Israel gäbe, und hält es für möglich, dass es sich bei den Israeltouristen aus China um chinesische Christen handeln könnte, die aus religiösen Gründen nach Israel reisen.
Laut Jing Travel haben außerdem einige Länder, allen voran Indonesien, angekündigt, religiösen Tourismus für die Zielgruppe der chinesischen Muslime voranzutreiben. Halal-Tourismus sei ein weltweit populärer Trend, jedoch sei aufgrund der staatlichen Reisebeschränkungen für einen Teil der muslimischen Bevölkerung Chinas nicht zu erwarten, dass der chinesische halal-Tourismus jemals eine große Rolle spielen werde (jingtravel.com 13.10.; Xinhua 20.09.).
Siehe hierzu auch den Eintrag vom 21. November 2017 in der Rubrik „Sino-vatikanische Beziehungen“ zum Verbot von Vatikanbesuchen in Reiseprogrammen.

Daoismus

24. Oktober 2017:
Sitzung zur Überarbeitung des Lehr­materials für alle offiziellen daoistischen Akademien Chinas
Bisher hätten die 10 daoistischen Akademien des Landes kein einheitliches Lehrmaterial, sagte Zhang Fenglin, Generalsekretär der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV), laut einem Bericht auf deren Web­site. Die Erstellung von Lehrmaterial für alle daoistischen Akademien sei deshalb eine drängende und gewaltige Aufgabe für die CDV, sie sei auf der 9. Nationalversammlung der Vertreter des Daoismus beschlossen worden. Es fanden bereits mehrere Arbeitssitzungen statt, sieben Bände wurden bislang fertiggestellt. An der diesmaligen Sitzung nahmen Vertreter der CDV und des Verlags für Religionskultur (宗教文化出版社) des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten teil (taoist.org.cn 25.10.).

30. November – 3. Dezember 2017:
Offizielle Verleihung der Register an 277 ausländische Adepten des Zhengyi-Daoismus
Die Verleihung der Register fand in der Himmelsmeister-Residenz am Berg Longhu in der Provinz Jiangxi statt – so der Bericht auf der Website der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV). Das dreitägige Ritual wurde von Zhang Jintao, dem Vorsteher der Himmelsmeister-Residenz, geleitet, der auch einer der Vizevorsitzenden der CDV ist. Wie es in dem Bericht heißt, war die Zeremonie vom Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten genehmigt worden. Die 277 ausländischen Zhengyi-Daoisten kamen demnach aus den USA, Singapur, Thailand, Kanada, den Philippinen, Vietnam und Australien sowie aus Taiwan und Hongkong; 251 von ihnen erhielten die ersten Register, die anderen erlangten höhere Grade. Es war die 28. offizielle Register-Verleihung an ausländische Daoisten seit 1991, so der Bericht (taoist.org.cn 6.12.).
Lu 箓-Register enthalten Namen von Gottheiten, Geistern und Dämonen, die einem Adepten des Daoismus übergeben werden, damit dieser über die Götter verfügen kann. Priester der Zhengyi-Tradition des Daoismus heiraten und leben in ihren Familien.

Buddhismus

21. Oktober 2017:
Einheitsfrontvertreter: Der tibetische Buddhismus ist „eine Religion mit chinesischen Besonderheiten“
Zhang Yijiong, stellvertretender Leiter der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, sagte in einer Pressekonferenz am Rande des 19. Parteitags, in der er auch die Sinisierung der Religionen thematisierte, auf Fragen von Journalisten (hier nach The Diplomat): „Der tibetische Buddhismus, in unserem alten China entstanden, ist eine Religion mit chinesischen Besonderheiten. Es stimmt zwar, dass der tibetische Buddhismus bei seiner Herausbildung Einflüsse von anderen benachbarten buddhistischen Ländern erhalten hat, aber er passte sich der lokalen Realität an und bildete seine eigenen einzigartigen Lehren und Rituale, was ein Muster von Sinisierung an sich darstellt. ... Dass wir den tibetischen Buddhismus aktiv in die Richtung auf Sinisierung hin anleiten, tun wir in der Hoffnung, dass der tibetische Buddhismus weiter die Nahrung der exzellenten chinesischen Kultur aufnehmen wird.“ Laut Reuters sagte Zhang: „Es ist eine chinesische Religion. Sie kam nicht von außen“ (The Diplomat 24.10.; Reuters 21.10.; South China Morning Post 21.10.; Xinhua 21.10.).

26. November 2017:
63-jähriger tibetischer Mönch verbrennt sich aus Protest
Wie die International Campaign for Tibet (ICT) berichtete, setzte sich Tenga, laut ICT ein geachteter Mönch in den Sechzigern, im Autonomen tibetischen Bezirk Kardzi (chin. Ganzi) in der Provinz Sichuan in Brand, wobei er nach Freiheit für Tibet gerufen haben soll. Er starb an den Folgen. Es war die fünfte Selbstverbrennung von Tibetern in der VR China im Jahr 2017 und die 151. seit März 2011. Siehe www.savetibet.org/resources/fact-sheets/self-immolations-by-tibetans/

12. Dezember 2017:
Tausende Pilger bei Gebetsversammlungen zum Fest Ganden Ngachoe in tibetischen Klöstern
Wie die International Campaign for Tibet berichtete, versammelten sich Tausende von Tibetern in verschiedenen Klöstern in den tibetischen Gebieten der VR China, so am Jokhang-Tempel in Lhasa, im Kloster Rongwo in Rebkong (chin. Tongren, Qinghai), im Kloster Labrang (Gansu) sowie in Dartsedo (chin. Kangding) und Kardze (chin. Ganzi) in Sichuan, um das Fest Ganden Ngachoe zu begehen, an dem des Todes von Tsongkapa gedacht wird, der im 14. Jh. die Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus begründete. Das heutige Oberhaupt der Gelug-Schule ist der Dalai Lama. Dem Bericht zufolge wurden die Treffen eng von bewaffneter Polizei in großer Zahl überwacht, aber nicht verhindert. Radio Free Asia merkte an, dass öffentliche Versammlungen an tibetischen Klöstern in der VR China in den letzten Jahren stark an Größe zugenommen hätten; die Tibeter wollten sich damit ihrer nationalen und kulturellen Identität versichern, so der Sender (Radio Free Asia 12.12.2017; savetibet.org 18.12.2017).

Volksreligion

13. Oktober 2017:
Sixth Tone berichtet über Bedrohung der traditionellen Musikgruppen durch Auftrittsverbot bei Beerdigungen im Kreis Pingyi, Shandong
Musikensembles mit traditionellen chinesischen Blas- und Schlaginstrumenten spielen in dörflichen Regionen bei Beerdigungen und Hochzeiten. Wie die Website Sixth Tone (sie gehört zur Shanghai United Media Group) berichtete, erließ die Regierung des Kreises Pingyi Richtlinien zur Vereinfachung von Begräbnissen, die u.a. Auftritte der traditionellen Blas- und Schlagmusikgruppen untersagen; bei einer Dorfbeerdigung im Juni 2017 wurden die Instrumente einer solchen Band beschlagnahmt. Gleichzeitig, so Sixth Tone, hat die Kreisregierung paradoxerweise Maßnahmen zur Erhaltung der Tradition eines dieser Instrumente, der suona 唢呐 (Langhals­oboe), in die Wege geleitet, die seit 2008 den Status eines immateriellen nationalen Kulturerbes hat. Bereits am 3. November 2016 hatten 21 chinesische Professoren (darunter Mo Zhongjian, bekannt auch als Vertreter der These vom „religionsökologischen Gleichgewicht“) im Online-Portal The Paper einen Aufruf zur Erhaltung traditioneller Beerdigungsbräuche veröffentlicht. Darin beklagten sie, dass „einige Lokalregierungen seit diesem Jahr“ (d.h. 2016) im Namen einer Begräbnisreform „zwangsweise die seit 3.000 Jahren in der chinesischen Zivilisation tradierten Begräbnisrituale abschaffen“ würden, darunter die Blas- und Schlagmusik. Die traditionellen Musikgruppen sind aber nicht nur durch Regierungsmaßnahmen bedroht, sondern haben laut Sixth Tone vor allem durch neue Trends an Popularität verloren (sixthtone.com 13.10.; thepaper.cn 3.11.2016).
Zu den traditionellen Blas- und Schlagmusikensembles in der katholischen Kirche vgl. Ma Li „,Wenn es uns gefällt, gefällt es auch Gott‘. Kirchenmusik im heutigen China zwischen europäischer und chinesischer Tradition“, in: China heute 2012, Nr. 3, Themen.

Islam

16. Oktober / 16. November 2017:Radio Free Asia berichtet über scharfes Vorgehen gegen „wilde“ Imame und Razzien in kasachischen Haushalten in XinjiangDer in Washington ansässige Sender Radio Free Asia berichtete am 16. Oktober, dass die Behörden im Autonomen Gebiet Xinjiang eine Aktion gegen „wilde“ Imame gestartet hätten, die sich weigerten, der Parteilinie zu folgen; diese würden eingesperrt und einer „Gehirnwäsche“ unterzogen. Zuvor habe laut einer anonymen Quelle Xinjiangs Parteisekretär Chen Quanguo am 29. September in einer Rede Behördenmitarbeiter angewiesen, alle Haft- und Umerziehungszentren, darunter auch die zur Umerziehung „wilder“ Imame eingerichteten, streng im Auge zu behalten, um Zwischenfälle im Vorfeld des Parteitags zu verhindern. Zwischen 25. Oktober und 1. November 2017 sollen 30.000 kasachische Haushalte im Kreis Tekes im Kasachischen Autonomen Bezirk Yili nach Koranen, Gebetsteppichen, in Kasachstan gekaufter Kleidung und Paketsendungen aus Kasachstan durchsucht worden sein; diese Artikel seien konfisziert worden, schrieb RFA unter Berufung auf lokale Quellen (RFA 16.10.; 16.11.). Über die Konfiszierung vor 2012 veröffentlichter Korane in einigen Gemeinden Xinjiangs und die Einrichtung von Umerziehungslagern in dem Autonomen Gebiet war schon früher im Jahr 2017 berichtet worden; vgl. China heute 2017, Nr. 2, Chronik, Islam, April/Mai/Juni 2017, Nr. 3, Chronik, Islam, 12. Juni 2017.

8. November 2017:
Artikel in Global Times beschreibt Islam als Hindernis für Armutsbekämpfung in Linxia
Dem Bericht zufolge ist der Autonome Bezirk Linxia der Hui-Nationalität im Süden der Provinz Gansu – wegen seiner vielen Moscheen auch als „chinesisches Mekka“ bezeichnet – der zweitärmste in China und eines von Chinas „Hauptschlachtfeldern im Kampf gegen die Armut“. Der Artikel lässt mehrere Stimmen zu Wort kommen, die beklagen, dass die (überwiegend muslimische) Bevölkerung zu viel Geld für den Moscheebau und religiöse Aktivitäten ausgebe, während beispielsweise viele Kinder sich den Schulbesuch nicht leisten könnten. „Wenn eine Religion überentwickelt ist, hat das Auswirkungen auf die weitere säkulare Gesellschaft“, sagte Xiong Kunxin von der Minzu University of China zur Global Times, „wir sollten [Religion] persönlich halten und sie sollte sich nicht in normale gesellschaftliche Aktivitäten einmischen.“ Mei Xinyu von der Chinese Academy of International Trade and Eco­nomic Cooperation äußerte gegenüber Global Times, ethnische und religiöse Identitäten in der Region sollten abgeschwächt werden, um wirtschaftliches Wachstum zu fördern (globaltimes.cn 8.11.).

19.–21. November 2017:
3. Nationale Konferenz über „Der Islam und die chinesische Kultur“ in Beijing
Während der Tagung wurden die folgenden sieben Aspekte der „Sinisierung des Islam“ behandelt: 1. Islam und traditionelle chinesische Kultur; 2. Tradition und Erneuerung der [chinesisch-islamischen] „Bücherhallenerziehung“ (jingtang jiaoyu 经堂教育); 3. Islam und chinesische Gesellschaft; 4. die „islamischen Konfuzianer“ (huiru 回儒) und ihre chinesischsprachigen Übersetzungen und Schriften; 5. die chinesischen Muslime und die Bewegung für Neue Kultur [1917–1921]; 6. Theorie und Praxis der religiösen Indigenisierung; 7. religiöse Indigenisierung aus internationaler Sicht. Die Konferenz wurde vom Institut für Weltreligionen (IWR) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sowie der Chinesischen Vereinigung für Religionswissenschaft organisiert. IWR-Direktor Zhuo Xinping, der Vorsitzende der Chinesischen islamischen Vereinigung, Ahong (Imam) Yang Faming, und ein Vertreter des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten eröffneten sie (iwr.cass.cn 22.11.2017).

29. November 2017:
Teilnehmer des „Ersten Fortbildungskurses für mittelalte und junge patriotische Religionspersönlichkeiten aus Xinjiang“ besuchen buddhistisches Longquan-Kloster in Beijing
Das Zentralinstitut für Sozialismus, das den bereits drei Monate laufenden Kurs für die Imame aus Xinjiang organisierte, veröffentlichte einen Bericht über den „interreligiösen Gedankenaustausch“ bei einem Besuch der Kursteilnehmer im Longquan-Kloster im Beijinger Universitätsbezirk Haidian. Das Kloster wird vom Vorsitzenden der Chinesischen buddhistischen Vereinigung, Xuecheng, geleitet und ist für das soziale Engagement seiner vielen Freiwilligen und die intensive Nutzung sozialer Medien bekannt. Die Besucher aus Xinjiang zeigten sich laut Bericht beeindruckt vom Bildungsniveau der Mönche, vielfach mit Uniabschluss oder Promotion („Wir haben bei uns viel zu wenige solche Talente ...“) sowie der großen Klosterbibliothek mit Werken aus allen Fachbereichen und 5.000 externen Besuchern pro Woche („Wir lesen nur den Koran ...“). Bei dem Besuch hätten die Kursteilnehmer einen Buddhismus erlebt, der sowohl die Tradition bewahre als auch durch eine zeitgemäße Interpretation der Lehre des Buddhismus dessen Anpassung an die sozialistische Gesellschaft sichere, sie hätten alle versichert, diese Erfahrung auf den Aufbau der Moscheen in ihrer Heimat zu übertragen – so der Bericht des Zentralinstituts.
Xinhua zufolge gehörten die rund 70 Kursteilnehmer der uigurischen, kasachischen und kirgisischen Ethnie an. Kursinhalte seien die chinesische Sprache und die Kultur der chinesischen Nation (neben Konfuzianismus und Daoismus auch Scherenschnitt u.a.) sowie der 19. Parteitag gewesen, wodurch, wie Xinhua bemerkte, kulturelle, nationale und politische Identität gestiftet worden sei (Bericht des Zentralinstituts für Sozialismus hier nach fjnet.com 6.12.; Xinhua 4.12.).
Das Zentralinstitut für Sozialismus schult auch Personal anderer Religionen, vom 31. August bis 8. September 2017 beispielsweise katholische Ordensfrauen (chinacatholic.cn 14.09.).

Ende November 2017:
Gericht in Nordostchina verurteilt Mann, der im Internet anti-islamische Inhalte verbreitete, wegen „Anstiftung zu ethnischem Hass“
Der Han-Chinese Li Zhidong wurde vom Volksbezirksgericht Heping in Shenyang, Provinz Liaoning, wegen Anstiftung zu ethnischem Hass zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, wie die unter dem Dach der Parteizeitung Renmin ribao erscheinende Global Times am 19. Dezember 2017 berichtete. Li habe zwischen 2009 und 2016 eine Website und Online-Chatgruppen gegründet und dort Beiträge gepostet, die Muslime angriffen und den Islam und den Propheten Mohammed beleidigten, so die Global Times; Hui-Muslime in Gansu hätten sich in einer Petition an die Regierung darüber beschwert. Von der Zeitung zitierte Experten nannten das Urteil eine „Lektion“ und sagten, Islamophobie dürfe in China nicht toleriert werden.
Seit einiger Zeit häufen sich Berichte über eine anti-islamische Stimmung im chinesischen Internet (siehe auch China heute 2017, Chronik, Islam, 11./12. März 2017). Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass im Januar der Film „Secret Superstar“ des indischen Produzenten Aamir Khan in den chinesischen Kinos zum Kassenschlager wurde. Der Film handelt von einem muslimischen Mädchen, das sich trotz der ablehnenden Haltung ihres Vaters seinen Traum erfüllt, eine berühmte Sängerin zu werden, indem sie verschleiert auf Youtube auftritt (quartzy.qz.com 30.01.2018).

11. Dezember 2017:
Global Times berichtet über Anordnung, unautorisierte halal-Logos von Restaurants in Urumqi zu entfernen
Restaurants in Urumqi seien aufgefordert worden, unautorisierte halal-Kennzeichnungen auf ihren Schildern zu entfernen oder zu verhüllen, meldete die Zeitung unter Berufung auf lokale Behördenmitarbeiter. Als autorisiert gelten der gleichen Quelle zufolge nur von der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV) ausgestellte halal-Kennzeichnungen mit einer Seriennummer (Global Times 11.12.2017).

Protestantismus

November 2017:
Berichte über Festnahmen bei in­offiziellen kirchlichen Versammlungen in Guangdong
Wie Radio Free Asia (RFA) berichtete, wurden am 19. November in der Großgemeinde Shaping der kreisfreien Stadt He­shan, die zur bezirksfreien Stadt Jiangmen in Guang­dong gehört, mindestens zehn Gemeindemitglieder wegen Verdachts auf „illegale Versammlung“ vorübergehend festgenommen, die sich in einem Restaurant zum Singen von Hymnen versammelt hatten. Sie seien verwarnt worden, sich nie wieder informell zu treffen. Die Festgenommenen seien Mitglieder der mit der Drei-Selbst-Bewegung affiliierten Shaping-Kirche gewesen und hätten sich aus Unzufriedenheit mit deren Angebot außerhalb der Kirche versammelt, so RFA. Nach Angaben von China Aid nahmen ebenfalls in Jiangmen Polizisten und Religionsbeamte am 5. November 13 Teilnehmer eines Sonntagsgottesdiensts in einer kleinen Hauskirche (Qingcaodi-Kirche) wegen Abhalten eines Gottesdiensts in einer nicht zugelassenen Stätte fest und brachten sie zum Verhör in die Polizeistation; christliche Materialien wurden konfisziert. Die Frau, die den Raum für das Treffen zur Verfügung gestellt hatte, wurde China Aid zufolge rund zwei Wochen in Administrativhaft genommen. (chinaaid.org 17.11.; 2.12.; RFA 23.11.).

10. November 2017:
China Aid: 34 Christen in Yunnan wegen falschen „Kult“-Anklagen vor Gericht
Nach Angaben der in den USA ansässigen Organisation China Aid sollen 2016 Hunderte von Christen in der Provinz Yunnan fälschlich der Zugehörigkeit zu den „Three Grades of Servants“ beschuldigt und festgenommen worden sein. Die „Three Grades of Servants“ sind eine in Heilongjiang entstandene religiöse Gruppe mit christlichem Hintergrund, die von den Behörden als „böser Kult“ eingestuft und verboten ist. Mindestens 34 der Festgenommenen seien immer noch in Haft und würden demnächst vor Gericht gestellt, schrieb China Aid am 10. November 2017. Viele der angeklagten Christen hätten noch nie von den „Three Grades of Servants“ gehört, so China Aid am 26. Oktober. Die Organisation berichtete auch vom Prozess gegen sechs der angeklagten Christen vor dem Kreisgericht von Yun in Lincang, Yunnan, am 29. November, bei dem als Beweis für Kultaktivitäten der Besitz von Bibeln und christlichen Klassikern wie John Bunyans Pilgrim’s Progress und Calvins Unterricht in der christlichen Religion angeführt worden sei. Laut China Aid hatte die Abteilung für öffentliche Sicherheit der Provinz Yunnan 2016 eine Sonderkommission zur Ermittlung gegen „Three Grades of Servants“ eingerichtet. Drei der Verhafteten, Li Shudong, Li Meihua und Peng Zhenghua, seien bereits im Juli u.a. wegen Mitgliedschaft bei den „Three Grades of Servants“, Rekrutieren von Kultmitgliedern und Unterminierung der Rechtsdurchsetzung durch einen Kult jeweils zu vier Jahren Gefängnis und 5.000 Yuan Strafgeld verurteilt worden (chinaaid.org 8.09.; 26.10.; 10.11.; 1.12.).

14. November 2017:
South China Morning Post (SCMP): Armutsbekämpfung in Jiangxi – Christen werden aufgefordert, Kreuze durch Xi Jinping-Poster zu ersetzen
In der Großgemeinde Huangjinbu im Kreis Yugan, Provinz Jiangxi, wurde laut SCMP am Wochenende (11./12. November) in einem lokalen sozialen Medienkanal berichtet, dass Kader arme christliche Familien besucht hätten, um die Armutsbekämpfungspolitik der Partei zu verbreiten und ihnen bei der Lösung ihrer materiellen Probleme zu helfen. Die Beamten hätten „das harte Eis in ihren Herzen zum Schmelzen gebracht“ und sie „vom Glauben an Religion zum Glauben an die Partei transformiert“. Daraufhin hätten über 600 Dorfbewohner „freiwillig“ auf die religiösen Texte und Bilder in ihren Häusern verzichtet und sie durch 453 Xi-Portraits ersetzt. Diese Meldung, so die SCMP, sei am Montag verschwunden, die Kampagne sei aber von Dorfbewohnern und lokalen Kadern bestätigt worden. Der für die Armutsbekämpfung in Huangjinbu zuständige Kader Qi Yan sagte der SCMP, dass die Kampagne in dem Kreis seit März laufe. Manche Haushalte seien durch Krankheit verarmt und glaubten, dass Jesus sie heilen könne, so Qi; durch die Arbeit der Kader würden sie erkennen, dass sie sich „nicht länger auf Jesus, sondern auf die Hilfe der Partei verlassen“ sollten. Laut Qi hat die Regierung von Huangjinbu bisher 1.000 Xi-Portraits verteilt; ein Drittel der Familien in der Großgemeinde sind Christen. Die SCMP wies darauf hin, dass die KP unter Xi die Ausmerzung von Armut bis 2020 zur politischen Priorität erhoben hat. 11% der Bevölkerung des Kreises Yugan leben unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, 10% sind Christen (SCMP 14.11.).
Zum Thema Armut und Religion(spolitik) siehe auch den Eintrag vom 8. November 20017 in der Rubrik „Islam“.

15.–17. November 2017:
Internationale Konferenz zu Bibel und Sinisierung des Christentums
Die Konferenz wurde von der Shanghaier Akademie der Sozialwissenschaften (SASS) veranstaltet. Unter den 18 ausländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren eine Reihe Vertreter der United Bible Society, außerdem u.a. Prof. Robert Banks vom Australian Center for Christianity and Culture, Dr. James Harding, Direktor des St. Paul’s Theo­logi­cal College in Malaysia, und Prof. em. John Samuel Mbiti aus Bern. Neben zehn Mitarbeitenden der SASS und zwei Simultan-Übersetzern waren auf chinesischer Seite insgesamt zwanzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter Angehörige protestantischer theologischer Seminare in Shanghai, Jiangsu und Shandong, sowie Gu Mengfei, Direktor der Forschungsabteilung von Chinesischem Christenrat und Drei-Selbst-Bewegung (vgl. ccctspm.org 7.12.).
Isabel Hess-Friemann

8. Dezember 2017:
Sechs Christen in Yunnan aufgrund von Kult-Anklagen zu Gefängnis­strafen verurteilt
Nach Angaben von China Aid wurden in der Provinz Yunnan sechs Christen vom Volksgericht des Kreises Yun zu Gefängnisstrafen zwischen vier und 13 Jahren verurteilt wegen Zugehörigkeit zu den ­„Three Grades of Servants“, der Organisation geheimer Treffen sowie des Aufbaus einer Geheimorganisation. Die „Three ­Grades of Servants“ sind eine in Heilongjiang entstandene religiöse Gruppe mit christlichem Hintergrund, die von den Behörden als „häretischer Kult“ eingestuft und verboten ist. Die sechs Christen bestreiten laut China Aid, dieser Gruppe anzugehören, und haben Revision gegen das Urteil eingelegt. China Aid zufolge wurden in der Provinz Yunnan 2016 bei einer Kampagne gegen die „Three Grades of Servants“ auch Dutzende von Christen verhaftet, die mit der Gruppe nichts zu tun hatten (chinaaid.org 14.02.2018; Radio Free Asia 18.01.2018).

29. Dezember 2017:
Nationalversammlung des chinesischen YMCA/YWCA
Bei der Nationalversammlung der chinesischen YMCA- und YWCA-Verbände in Beijing wurde Wu Jianrong erneut zum Generalsekretär des YMCA ernannt, He Xiaoqing wurde Generalsekretärin des YWCA. Die Versammlung fand unter dem Motto statt: „Mit konzentrierter Kraft der Gesellschaft dienen, inmitten der Realisierung des großartigen ‚chinesischen Traums‘ ein neues Zeugnis ablegen“. Die Verbände von YMCA und YWCA allerorten im Lande wurden ermuntert, die Prinzipien des 19. Parteitages zu studieren und in ihrem Geist zu handeln (sara.gov.cn 29.12.2017).
Isabel Hess-Friemann

Katholische Kirche

14. Oktober 2017:
Ignatius-Studiengruppe der Tauben in Wenzhou feiert 10-jähriges Bestehen
An der Feier der Studiengruppe in Wen­zhou, die in neuen Räumlichkeiten an der Kathedrale von Wenzhou stattfand, nahmen 60 Gehörlose teil. Zusätzlich kamen 45 Taube aus Hangzhou. Die Wenzhouer Gruppe wurde am letzten Sonntag im September 2007, dem Tag der Tauben, gegründet und wird von Priester Lin Yi geleitet. Heute hat die Studiengruppe 50 Mitglieder. Es geht u.a. um ein tieferes Glaubensverständnis und Werke der Nächstenliebe (Xinde 29.10.).

17. November 2017:
Bischof Lukas Ly von Fengxiang verstorben
Bischof Lukas Ly (Li Jingfeng), Bischof von Fengxiang in der Provinz Shaanxi und eine der bekanntesten Persönlichkeiten innerhalb der chinesischen Kirche, starb am Morgen des 17. November 2017 im Alter von 96 Jahren. Bischof Ly wurde am 15. Januar 1921 in Tongyuanfang, Kreis Gaoling (Shaanxi), geboren und 1947 zum Priester geweiht. Über zwanzig Jahre verbrachte er in Arbeitslagern. 1980 wurde er im Geheimen zum Weihbischof der Diözese Fengxiang geweiht. 1983 trat er das Amt des Bischofs von Fengxiang an. Bis 2004 gehörte Fengxiang zu den wenigen Diözesen Chinas, in denen es nur eine Kirche „im Untergrund“ gab, wenn auch weithin sichtbar. 2004 entschied Bischof Ly nach vielen Gesprächen mit den Religionsbehörden, sich von der Regierung als offizieller Bischof anerkennen zu lassen. Dies gelang ihm, ohne in die Patriotische Vereinigung eintreten zu müssen. Bischof Ly legte stets großen Wert darauf, in völliger Einheit mit dem Papst zu stehen. Er hat mehr als 70 Priester geweiht und bei der Organisation des Baus von über 50 Kirchen geholfen. Sein Priesterseminar, in dem Seminaristen unterschiedlicher Diözesen studierten, musste aufgrund eines Mangels an Seminaristen vor einigen Jahren geschlossen werden.
Der Bischof wurde am 25. November in der St. Josefs-Kathedrale von Fengxiang beigesetzt. Mit ihm geht einer der letzten chinesischen Bischöfe der „alten Garde“ (siehe Nachruf in den Informationen).

7. Dezember 2017:
Untergrundbischof Matthias Yu Chengxin von Hanzhong verstorben
Der knapp 90-jährige Bischof Yu, Koadjutorbischof emeritus von Hanzhong in der Provinz Shaanxi, wurde am 12. Dezember bestattet. Der Begräbnisfeier stand der offizielle Bischof von Hanzhong, Luis Yu Runshen, vor.
Bischof Yu wurde am 28. Februar 1928 in eine katholische Familie geboren. Er war der jüngere Bruder von Bischof Bartholomäus Yu Chengti, ebenfalls Bischof von Han­zhong. Alle drei Bischöfe Yu waren von Rom anerkannt, jedoch nur Luis Yu hat auch die Anerkennung der chinesischen Regierung. 1950 trat Matthias Yu ins Kleine Seminar von Hanzhong ein und studierte ab 1956 im regionalen Priesterseminar von Kaifeng, das allerdings bereits zwei Jahre später geschlossen wurde. Während der Kulturrevolution stand Matthias Yu zunächst unter Hausarrest und verbrachte anschließend längere Zeit im Arbeitslager. 1981 wurde er im Untergrund zum Priester geweiht und war als Spiritual und Lateinlehrer am Untergrundseminar von Hanzhong tätig. Er galt als fröhlicher Mensch, der mit dem Fahrrad zu den Dörfern fuhr, um die Sakramente zu spenden. Am 12. Dezember 1989 wurde er im Geheimen zum Koadjutorbischof von Hanzhong geweiht, nachdem sein Bruder Bartholomäus, der damalige Untergrundbischof von Hanzhong, im November nach der versuchten Gründung einer Bischofskonferenz im Untergrund verhaftet worden war. 2005 kam es zu einer Versöhnung zwischen der offiziellen und Untergrundseite der Diözese, nachdem der offizielle Bischof Luis Yu kurz vor dem Tod von Johannes Paul II. 2005 ebenfalls die päpstliche Anerkennung erhielt. Bis zu seinem Tod 2009 war Bartholomäus der Ordinarius der Diözese, danach übernahm Luis die Leitung.
Bischof Matthias Yu selbst hat nie das bischöfliche Amt ausgeübt. Bereits 2007 war er durch einen Schlaganfall stark eingeschränkt, auch wollte er – so AsiaNews laut einer maßgeblichen Quelle – nach dem Tod seines Bruders nicht die Einheit in der Diözese gefährden. In einer Erklärung, die von allen Priestern von Hanzhong unterschrieben war und bei der Begräbnisfeier verlesen wurde, heißt es: „Er hat nie sein bischöfliches Amt ausgeübt und nie jemandem erlaubt, ihn Bischof zu nennen, auch zeigte er sich nie mit seinen bischöflichen Insignien, weder im Privaten noch in der Öffentlichkeit. Er hat sich immer als Priester betrachtet und so der Kirche stets gedient“ (Zitat aus AsiaNews) (Asia News 13.12.2017; Fides 30.01.2018; UCAN 14.12.2017).

16. Dezember 2017:
Kathedrale von Shanghai nach Restaurierung ohne Bischof Ma Daqin wiedereröffnet
Nach zweijährigen Renovierungsarbeiten wurde die 112 Jahre alte neogotische St. Ignatius-Kathedrale von Shanghai im Stadtbezirk Xujiahui am 16. Dezember mit einer feierlichen Messe wiedereröffnet. Der Messe stand Priester Wu Jianlin, Kanzler der Diözese Shanghai, vor, begleitet von 50 chinesischen und ausländischen Priestern aus Shanghai und anderen Diözesen. 2.000 Gläubige nahmen an der Messe teil.
Nicht anwesend war Bischof Thaddäus Ma Daqin, der seit 2012 unter Hausarrest im Sheshan-Seminar steht, sich aber seit Längerem wieder freier bewegen darf. Es war spekuliert worden, dass die Messfeier in der Kathedrale mit ihm als Hauptzelebrant hätte als Zeichen gedeutet werden können, dass er seinen bischöflichen Dienst wieder aufnehmen dürfe. Dies war nicht der Fall, der Bischof postete vielmehr am Vormittag ein Bild auf Wechat mit den Worten: „Ich bin hier im Sheshan-Seminar.“
Im Juni 2016 hatte ein offener Brief von Bischof Ma, in dem er seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung bei seiner Bischofsweihe am 7. Juli 2012 bereute, für Irritationen gesorgt. Drei Monate später wurde er wieder in die Vereinigung aufgenommen und mit zwei Posten ausgestattet. An Ostern 2017 konzelebrierte Bischof Ma in der Diözese Mindong mit dem illegitimen Bischof Zhan Silu, dem er die Handauflegung bei seiner eigenen Bischofsweihe verweigert hatte. All dies wurde als Versöhnungszeichen seitens Bischof Ma gegenüber den Behörden gedeutet, verbunden mit der Hoffnung, dass er bald sein Bischofsamt ausüben dürfe. Dies scheint allerdings verfrüht.
Die Kathedrale von Shanghai wurde 1905 erbaut und ist seit 2013 vom Staatsrat als Kulturerbe anerkannt. Wasserschäden und bauliche Mängel hatten größere Renovierungsarbeiten erfordert (AsiaNews 18.12.2017; UCAN 21.12.2017).

27. Dezember 2017:
Proteste bei Zerstörung der einzigen katholischen Kirche in Zhifang
In Zhifang, einem kleinen Ort in der Nähe von Xi’an, Shaanxi, wurde kurz nach Weihnachten die einzige katholische Kirche des Ortes durch die Behörden abgerissen, so berichtete UCAN. Während des Abrisses protestierten einige katholische Gläubige vor dem Rathaus, da sich niemand dem Kirchengelände nähern durfte. Priester Shan Ren aus dieser Gemeinde berichtete AsiaNews, dass die Kirche 1999 gebaut wurde, als immer mehr Menschen aus den höher gelegenen Gebieten in das Tal von Laoyu zogen. Mit der Zeit entwickelte sich diese Region wirtschaftlich und Priester Shan glaubt, dass nicht baurechtliche Gründe, sondern wirtschaftliche Interessen hinter dem Abriss stecken. Laut Quellen aus der Gemeinde wurde die Kirche vor 20 Jahren legal, nach Einholung aller erforderlichen Genehmigungen, gebaut. Das Grundstück, so berichtet AsiaNews, wurde durchgehend von der katholischen Gemeinde für pastorale Zwecke genutzt.
Die Behörden hatten nur eine Woche vor dem Abrisstermin die Gemeinde von ihren Plänen in Kenntnis gesetzt. Als Begründung wurde die illegale Inanspruchnahme des Grundstückes angegeben. UCAN bezieht sich auf Informationen von einem WeChat-Nutzer, der bestätigt, was Priester Shan bei AsiaNews berichtete: durch die Ausweisung dieses vormaligen Gemeindegebiets als [touristisches] „Landschaftsgebiet“ und die geplante Weiterentwicklung (eine Autobahn wurde bereits in der Nähe fertiggestellt) stieg der Wert des Grundstückes um ein Vielfaches (AsiaNews 28.,29.12.2017; UCAN 5.01.2018).

Sino-vatikanische Beziehungen

17. Oktober 2017:
Seligsprechungsprozess für Kardinal Celso Costantini, den ersten apostolischen Delegaten für China, eröffnet
An seinem 59. Todestag, dem 17. Oktober dieses Jahres, wurde in der Kathedrale der Diözese Concordia-Pordenone die erste Phase des Seligsprechungsverfahrens für Kardinal Celso Costantini (1876–1958) feierlich eröffnet. Kardinal Costantini, aus der Diözese Concordia-Pordenone stammend, wurde 1922 von Papst Pius XI. als erster apostolischer Delegat für China ernannt und hatte diese Position bis 1933 inne. Von 1935 bis zum Jahr seiner Ernennung als Kardinal 1953 war er Sekretär von Propaganda Fide (der heutigen Kongregation für die Evangelisierung der Völker) im Vatikan. Costantini setzte sich sehr für eine Inkulturierung der Kirche in China ein. Er berief 1924 das erste Chinesische Nationalkonzil in Shanghai ein, engagierte sich für die Ausbildung einheimischer Priester und bereitete die Weihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe vor, die am 28. Oktober 1926 im Petersdom in Rom geweiht wurden. In seiner Zeit als Sekretär von Propaganda Fide engagierte er sich für den Aufbau der einheimischen kirchlichen Hierarchie in China 1946 und unterstützte die Übersetzung des Messbuchs ins Chinesische. Costantini, selbst Künstler, war auch ein großer Förderer der christlichen Kunst in China. Im Jahr 1927 gründete er den Männerorden Congregatio Discipu­lorum Domini. Der Kardinal starb am 17. Oktober 1968 in Rom (catholicnewsagency.com 10.08.; Fides 6.10.2016; 13.10.; UCAN 31.08.; 17.10.).

21. / 24. Oktober 2017:
Direktor des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) äußert sich zu sino-vatikanischen Beziehungen – „Aussichten gut“, aber Probleme nicht in kurzer Zeit zu lösen
Am Rande des 19. Parteikongress sprach BRA-Direktor Wang Zuo’an zweimal mit dem Sender Commercial Radio Hong Kong. Im ersten Interview sagte Wang, Papst Franziskus habe mehrmals seinen Wunsch geäußert, China zu besuchen, was seine positive Einstellung zeige, und er habe mehrfach seinen Respekt für die Führung in Beijing und das chinesische Volk bekundet. Beijing bemühe sich aufrichtig um die Verbesserung der beidseitigen Beziehungen; dabei nannte Wang Chinas übliche Bedingungen – Abbruch der Beziehungen zu Taiwan und Nichteinmischung in Chinas innere, auch religiöse, Angelegenheiten. Im zweiten Interview bestätigte Wang, dass die Kommunikationskanäle zwischen China und dem Vatikan ungehindert funktionierten. Manche Probleme seien jedoch nicht einfach und nicht in kurzer Zeit zu lösen, es brauche Aufrichtigkeit und reale Taten von beiden Seiten. Wang lehnte konkrete Angaben zur Methode der Bischofsernennungen ab. Er sagte, ein Papstbesuch in China sei nicht geplant, aber die Aussichten für die sino-vatikanischen Beziehungen seien gut. – In taiwanischen Medien lösten Wangs Äußerungen Besorgnis hinsichtlich der diplomatischen Beziehungen Taiwans zum Vatikan aus (nach tw.appledaily.com 21.,24.10.; AsiaNews 21.,26.10.).

Anfang November 2017:
Früherer Vatikansprecher Lombardi in La Civiltà Cattolica über den Weg zu einer „vollständig chinesischen und vollständig katholischen Kirche“
P. Federico Lombardi SJ, jetzt Präsident der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung, veröffentlichte den Beitrag in der Nr. 4017 der Zeitschrift La Civiltà Cattolica, deren Artikel vor der Publikation vom Staatssekretariat des Vatikans genehmigt werden. Vatican Insider brachte eine Zusammenfassung des im Netz nicht frei zugänglichen Artikels. Lombardi schreibt demnach u.a., dass Papst Franziskus, als Nichteuropäer und Jesuit, in den Augen der chinesischen Führung einige Vorzüge gegenüber seinen Vorgängern genieße und seine Empathie etc. ein neues Klima zwischen beiden Seiten geschaffen habe. Lombardi betont aber auch die „klare Kontinuität“ zwischen Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI.
Letzterer habe in seinem Brief an die chinesische Kirche 2007 auf dem Weg zur Einheit der chinesischen Kirche Barmherzigkeit und Versöhnung angemahnt. Die katholische Kirche in China sei in der chinesischen Realität geboren und arbeite in dieser, schrieb Lombardi; wenn sie für China da sein und ihm das Evangelium anbieten wolle, müsse sie ganz chinesisch sein, gleichzeitig aber auch ganz katholisch, d.h. ungetrennt von der Universalkirche und der Inspiration aus den Wurzeln der gemeinsamen Glaubens­tradition. Dafür die Voraussetzungen zu schaffen sei der Sinn des sino-vatikanischen Dialogs, so Lombardi. Er schrieb auch, dass Papst Franziskus zu „gesundem Realismus“ einlade – ein Begriff, den auch schon Kardinalstaatssekretär Parolin auf die Gespräche mit China angewandt hatte (Vatican Insider 2.11.).
Lombardis Artikel ist mindestens der dritte in einer Serie von Beiträgen in La Civiltà Cattolica, die den Dialog des Heiligen Stuhls mit China positiv flankieren – nach Beiträgen von Joseph You Guo Jiang SJ Ende Mai und Joseph Shih SJ Ende Oktober 2017; vgl. China heute 2017, Nr. 2, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 27. Juni 2017, Nr. 3, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, Anfang Oktober 2017.

10. November 2017:
Hongkong: Kardinal Zen übt scharfe Kritik an vatikanischer Chinadiplomatie
In einem Gedenkgottesdienst für den vor zwei Jahren unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommenen Priester Wei Heping in der Kirche St. Jude in Hongkong bat Kardinal Joseph Zen, emeritierter Bischof von Hongkong, Gott, dass er den Heiligen Stuhl vom Rand des Abgrunds rette und [dieser] die treue Kirche nicht verrate. Er habe über Umwege erfahren, dass es bei den Verhandlungen „einen üblen“ Plan gebe, loyale Bischöfe um ihren Rücktritt zu bitten, damit sie für illegitime Bischöfe Platz machten; das sei schockierend. Dialog sei notwendig, aber man dürfe nicht zu optimistisch sein im Umgang mit dem kommunistischen Regime und es müsse eine rote Linie in den Verhandlungen geben (AsiaNews 11.11.; UCAN 21.11.).

10. November 2017:
„Untergrund“-Bischof Joseph Han Zhihai von Lanzhou wird offiziell als Ortsbischof installiert
Die Installationsmesse in der Kathedrale von Lanzhou in der nordwestlichen Provinz Gansu wurde von Bischof Yang Xiaoting von Yulin (Shaanxi) geleitet, einem der Vizevorsitzenden der offiziellen Chinesischen (von Rom nicht anerkannten) Bischofskonferenz. Konzelebranten waren Bischof Han Jide von Pingliang und Diözesanadministrator Zhao Jianzhang von Tian­shui (beide Provinz Gansu). Yang Xiao­ting und Han Jide sind als Bischöfe sowohl vom Papst als auch vom Staat anerkannt. Präsent waren ferner Kader aus den lokalen Behörden für religiöse Angelegenheiten und für Einheitsfrontarbeit. Während der Zeremonie wurde nach Informationen von AsiaNews das Approbationsschreiben der offiziellen Bischofskonferenz verlesen.
Laut UCAN hatte ein Teil der Priester und Gläubigen in Lanzhou Zweifel an der (kirchenrechtlichen) Gültigkeit der Zeremonie. Von den 38 Priestern der Diözese Lanzhou nahmen 12 (darunter im Ausland studierende Priester) nicht an der Installation teil, und nur zwei der drei Schwesternkongregationen in der Diözese sandten Vertreterinnen. Auch zeigte sich ein Priester gegenüber UCAN besorgt, dass die Diözese sich spalten könnte, falls Bischof Han in Zukunft der Regierung zu eng folgen sollte. Priester Paul aus Lanzhou teilte UCAN mit, Bischof Han habe selbst gesagt, dass er Rom über die bevorstehende Installation informiert und dass Rom sich darüber erfreut gezeigt habe; die Anerkennung des Bischofs durch die Regierung wird nach Meinung des Priesters gut für die Diözese sein. Wie AsiaNews berichtete, hatten Religionsbeamte im Vorfeld gegenüber Priestern und Schwestern von Lanzhou die Installation als Ergebnis der Verhandlungen mit dem Vatikan bezeichnet; im Oktober 2017 hat laut AsiaNews eine Gesprächsrunde stattgefunden. Am Tag nach seiner Installation besuchte Bischof Han Zhihai mit fast 80 Priestern und Schwestern aus Gansu die revolutionäre Gedenkstätte Jinggang­shan in Jiangxi.
Bischof Han Zhihai, geboren 1966, wurde 2003 im Geheimen zum Bischof von Lanzhou geweiht. Im gleichen Jahr rief er in einem offenen Brief zur Einheit in der chinesischen Kirche auf (deutsch in China heute 2003, Nr. 6, S. 214-215). Laut AsiaNews hat er bereits vor mindestens zehn Jahren Kontakt mit Liu Bainian, dem damaligen Vorsitzenden der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, aufgenommen und später zugelassen, dass seine beiden Generalvikare der patriotischen Vereinigung beitraten, obwohl er selbst bisher kein Mitglied sei (AsiaNews 10.11.; china.ucanews.com 10.11.; UCAN 15.11.). Zweimal gab er Vatican Insider ein Interview – deutsch in China heute 2015, Nr. 2, Dokumentation, und in der Dokumentation dieser Nummer.

16. November 2017:
Offizielle Installation des insgeheim geweihten Bischofkoadjutors Joseph Sun Jigen von Handan
Bischof Sun Jigen, geboren 1967, gehört dem offiziellen Teil der Diözese Handan in der Provinz Hebei an (im Untergrund besteht die alte Diözese Yongnian fort) und hatte als Bischofskandidat sowohl das päpstliche Mandat als im Prinzip auch das Einverständnis der chinesischen Behörden, ließ sich aber am 21. Juli 2011 vorzeitig heimlich weihen, um die Teilnahme des illegitimen Bischofs Guo Jincai an der Weihe zu verhindern, auf die die Regierung bestanden hatte. Deshalb war Sun bisher von der Regierung nicht als Bischof anerkannt. Bei der offiziellen Installationsmesse von Bischof Sun Jigen am 16. November konzelebrierten die vom Papst und von der Regierung anerkannten Bischöfe Feng Xinmao von Jingxian und Koadjutor An Shuxun von Baoding (beide Provinz Hebei); vor der Messe wurde das Approbationsschreiben der offiziellen Bischofskonferenz verlesen. Da die Regierung zuletzt Bischof Guo Jincai, der nicht von Rom anerkannt ist, als Konzelebranten vorgesehen hatte, nahmen laut UCAN nur 55 Priester der Diözese, 20 Schwestern und 60 Laien an der Zeremonie teil; 42 Priester (darunter drei derzeit im Ausland studierende) blieben fern. Bischof Guo konnte jedoch schließlich nicht kommen, da seine Mutter kurz vorher verstorben war, so dass nur von Rom anerkannte Bischöfe bei der Installation präsent waren. Sie fand in einer kleinen ländlichen Kirche im Kreis Shexian statt.
Anthony Lam vom Holy Spirit Study Centre der Diözese Hongkong bezeichnete die öffentliche Anerkennung der Bischöfe Han Zhihai und Sun Jigen als „gute Sache“ und normales Vorgehen, sie sei eigentlich schon längst fällig gewesen. Wie Handans Generalvikar Li Anping zu UCAN sagte, kann Bischof Sun nun öffentlich vieles tun, was vorher nicht möglich war – d.h. beispielsweise firmen, Priester weihen oder die Chrisammesse halten. Handan ist eine lebendige Diözese mit rund 150.000 Gläubigen (AsiaNews 16.11.; china.ucanews.com 16.11.).

21. November 2017:
„Diplomatie der Kunst“: China und der Vatikan kündigen „korrespondierende Ausstellungen“ an
Bei einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz im Presseamt des Heiligen Stuhls wurden zwei Ausstellungen angekündigt, die ab Frühjahr 2018 in den Vatikanischen Museen und im Palastmuseum in Beijing stattfinden. Für die Vatikanischen Museen sprach deren Direktorin Barbara Jatta, für die chinesische Seite Zhu Jiancheng, Generalsekretär des China Culture Investment Fund (laut Zhu eine 2011 von Regierungsbehörden gegründete Nichtregierungsorganisation), und der Künstler Zhang Yan, der Papst Franziskus mehrere Kunstwerke geschenkt hat. Jatta sprach von der Neuheit einer Ausstellungszusammenarbeit zwischen Vatikanischen Museen und chinesischen Kultureinrichtungen und der universalen Sprache der Schönheit. Laut Zhu werden die simultanen Ausstellungen „ein neues Kapitel im Kulturaustausch zwischen dem chinesischen Volk und dem Vatikan eröffnen“ und sich günstig auf die Normalisierung der sino-vatikanischen diplomatischen Beziehungen auswirken. Wie AsiaNews schrieb, sollen 40 Exponate aus den Vatikanischen Museen, darunter 38 antike chinesische Kunstwerke, in der Verbotenen Stadt gezeigt werden; im Gegenzug werden 40 Exponate aus China die Ausstellung in den Vatikanischen Museen bestücken, die den Titel „Schönheit vereint uns“ tragen wird. Die chinesische Global Times schrieb, dass der „Berichten zufolge“ in Vorbereitung stehende Kunstaustausch von Experten als Anzeichen dafür gesehen werde, dass beide Seiten sich ernsthaft bewegen, um die Beziehungen zu verbessern (AsiaNews 21.11.; Bulletin des Presseamts des Heiligen Stuhls 21.11.; Global Times 22.11.; Ufficio Stampa Musei Vaticani, Comunicato Stampa).

21. November 2017:
Radio Free Asia berichtet über Anweisung an chinesische Reiseagenturen, Besuche im Vatikan aus dem Programm zu nehmen
Wie Radio Free Asia (RFA) meldete, bestätigten verschiedene chinesische Reiseveranstalter dem Sender, am 16. November eine Direktive erhalten zu haben, in der es hieß, „Reiseagenturen werden aufgefordert, alle Touren abzusagen, die den Vatikan oder den Petersdom im Programm haben“; Agenturen, die in ihrem Werbematerial diese Ziele anzeigen, würden mit Strafen von bis zu 300.000 Yuan (rund 39.000 Euro) belegt. Ein Reiseveranstalter habe gesagt, die Anweisung komme vom Staatlichen Tourismusbüro; ein Mitarbeiter der Zweigstelle des Staatlichen Tourismusbüros in Guangdong erklärte RFA, die Direktive komme von der Zentralregierung und es handle sich um ein diplomatisches Problem. Außenministeriumssprecher Lu Kang gab jedoch laut UCAN auf einer Pressekonferenz am 23. November an, von einem solchen Verbot nichts zu wissen.
Der Strom chinesischer Touristen zum Vatikan sei so angewachsen, dass katholische und evangelische Gruppen auf dem Petersplatz Flugblätter mit Informationen zum christlichen Glauben sowie Kontaktdaten ihrer Gemeinden verteilten, kommentierte AsiaNews und spekulierte, das Verbot könnte darauf abzielen, die Evangelisierung von Touristen zu verhindern. Anthony Lam vom Holy Spirit Study Centre der Diözese Hongkong äußerte die Vermutung, das Verbot könnte mit den revidierten Vorschriften für religiöse Angelegenheiten und deren sehr weit gefassten Bestimmungen zusammenhängen und demnächst möglicherwiese auch noch andere heilige Stätten betreffen. UCAN wies aber auch darauf hin, dass Chinesen weiterhin Reisen nach Italien buchen und selbständig den Vatikan besuchen können (AsiaNews 22.11.; jingtravel.com 22.11.; RFA 21.11.; UCAN 4.12.).

26. November – 2. Dezember 2017:
Papst Franziskus besucht Myanmar und Bangladesch – er spricht auf dem Rückflug auch über den Dialog mit China
Bei der Staats- und Pastoralreise mit ihren schwierigen Fragen spielte China keine direkte Rolle. Die parteinahe chinesische Global Times erwähnte die Reise des Papstes; in einen Kommentar mit dem Titel „Pope should avoid complicating Rohingya crisis on visit“ vom 28. November sprach sie von einem „religiösen Drahtseilakt“.
Beim Pressegespräch auf dem Rückflug von Bangladesch erwähnte Papst Franziskus, dass Chinesen [aus Festlandchina?] an den [Papst]Messen [in Myanmar] teilgenommen hätten. Er sagte außerdem, eine Chinareise sei nicht in Vorbereitung, es würde ihn aber freuen [China zu besuchen], das sei kein Geheimnis. Die Verhandlungen mit China seien kulturell auf einem hohen Niveau, erklärte der Papst mit Verweis auf die geplanten simultanen Ausstellungen in den Vatikanischen Museen und der Verbotenen Stadt (vgl. den Eintrag vom 21. November 2017 in dieser Rubrik) sowie auf Professoren, Priester, die an den staatlichen chinesischen Universität lehrten. Es gebe auch den politischen Dialog, so Papst Franziskus, vor allem, was die chinesische Kirche betreffe, „mit dieser Geschichte der Patriotischen Kirche und der Untergrundkirche, wo man Schritt für Schritt sehr feinfühlig vorgehen muss“. Er glaube, dass in diesen Tagen in Peking eine Sitzung der Gemischten Kommission beginne. „Und dies mit aller Geduld. Aber die Türen des Herzens stehen offen“ (Global Times 28.11.; w2.vatican.va – siehe den Wortlaut der chinabezogenen Passage des Pressegesprächs in der Dokumentation dieser Nummer).

Weihnachten 2017:
Vatikan unterstützt Nothilfearbeit von Jinde Charities
Kurz vor Weihnachten hat das vatikanische Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, „mit dem Plazet des Papstes“, so Vatican Insider, 100.000 USD für die Finanzierung von Projekten für die Bevölkerung in armen Bergregionen der Provinzen Hebei und Guizhou unterstützt. Die Summe ging an die katholische Jinde Charities in Shijiazhuang, die die Projekte als eine ihrer Hauptinitiativen 2017 unterstützte.
Am 3. Juni 2017 organisierte Jinde Charities ein Benefizkonzert in der Kathedrale in Bejing, an dem auch Vertreter der Einheitsfront sowie des Staatlichen Religionsbüros teilnahmen (Vatican Insider 13.02.2017).

Hongkong

31. Oktober 2017:
Tian’anmen-Massaker soll aus Hong­konger Geschichtslehrplan gestrichen werden
Die Hongkonger Regierung wird voraussichtlich das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 sowie die Arbeiter-Revolten von 1967 in Hongkong aus dem revidierten Geschichtslehrplan für die unteren Mittelschüler streichen und stattdessen mehr Stunden den chinesischen Dynastien widmen. Experten sehen dies als beunruhigende Erosion der politischen Unabhängigkeit an, so UCAN. Es bleibe den Lehrern und Schulen nunmehr überlassen, ob sie weiterhin diese beiden Themen behandeln wollten. Der überarbeitete Lehrplan vom 31. Oktober steht einer zweiten Runde öffentlicher Konsultation offen; es wird erwartet, dass er 2020 in Kraft tritt. Chief-Executive Carrie Lam hatte chinesische Geschichte als Pflichtfach für die unteren Mittelschüler eingeführt. Die chinesische Regierung übt bereits seit längerer Zeit Druck auf Hongkongs Erziehungsbüro aus, den Patriotismus unter den Schülern zu stärken. Das Programm der „nationalen Erziehung“, das auf eine stärkere Identifizierung mit dem Festland abzielt, wurde immer wieder als „Gehirnwäsche“ kritisiert (UCAN 2.11.).

Taiwan

12. November 2017:
Neue „interreligiösen Partei“ auf Taiwan eröffnet Zentralbüro in Taipei
Am 12. November hat eine neue politische Partei, die am 16. Mai 2017 von verschiedenen religiösen Gemeinschaften auf Taiwan gegründet wurde, in der Hauptstadt Taipei ein Zentralbüro eröffnet. Weitere Büros sollen an anderen Orten Taiwans folgen. Die „Interfaith Union Party“ (宗華教信聯盟) setzt sich aus Vertretern verschiedener Religionen zusammen, so dem Buddhismus, Daoismus, Yiguandao, katholischer Kirche, protestantischer Kirche, Vereinigungskirche, Lijiao (理教) und Tiandijiao (天帝教) – und möchte bei der nächsten Regierungswahl 2020 drei Sitze im Parlament gewinnen. Vorsitzender ist Dr. Chu Wuxian. Grund für die Parteigründung sei, so Chu, dass die gegenwärtige Regierung „die wahre Bedeutung der religiösen Freiheit und der pluralistischen Entwicklung von Religion“ nicht verstehe. Die katholische Vertreterin Catherine Chang sagte, zwei wichtige Ziele der Partei seien die Verbesserung der sozialen Wohlfahrt und der Schutz religiöser Freiheiten. Das Zusammenspiel der Religionen könne auch der Förderung besserer Beziehungen Taiwans mit der Volksrepublik China dienen. Priester Otfried Chan, Generalsekretär der taiwanischen Bischofskonferenz, berichtete gegenüber UCAN, dass die Religionen so bei brennenden sozialen Fragen mit einer Stimme sprechen könnten. Der Partei geht es insbesondere auch um Fragen der Religionsgesetzgebung (china.ucanews.com nach chinacatholic.org 3.12; cna.com.tw 12.11.; familyfedihq.org 16.11.; UCAN 24.11.).

7. Dezember 2017:
Taiwanischer Christenrat zu Besuch bei Papst Franziskus
In einer Ansprache während einer Audienz im Vatikan ermutigte Papst Franziskus eine Delegation des National Council of ­Churches of Taiwan, sich für eine größere Einheit und tätige Nächstenliebe (Caritas) unter den Christen einzusetzen sowie Ausbildungsprogramme für junge Leute zu fördern. Er verwies auf seine jüngste Asienreise und sagte, er habe „die Vitalität und den Unternehmergeist kennengelernt, die die Völker Asiens charakterisieren, gleichzeitig jedoch auch das leidende Gesicht einer Menschheit, die allzu oft materiellen Wohlstands und gesellschaftlicher Wohlfahrt beraubt ist“. Die katholische Kirche habe sich seit Einrichtung des National Council of Churches of Taiwan im Jahre 1991 durch die chinesische regionale Bischofskonferenz für die Förderung der Einheit unter den Christgläubigen eingesetzt. Die Jugend sollte, so der Papst weiter, in der Kunst des Dialogs fortgebildet werden, damit sie „Protagonisten einer so notwendigen Kultur von Harmonie und Versöhnung“ würden. Dies würde auf einem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft helfen, der sich so fruchtbar für die „ökumenische Reise“ erwiesen habe (AsiaNews 7.12.2017).


Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith
Gregor Weimar
Mit Beiträgen von
Willi Boehi und Isabel Hess-Friemann

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2017.

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