Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Januar bis 31. März 2018

Politik

11. März 2018:
Nationaler Volkskongress verabschiedet Verfassungsänderungen, darunter die Aufhebung der Beschränkung der Amtszeit des Staatspräsidenten
Die Beschränkung der Amtszeit des chinesischen Staatspräsidenten auf zwei Amtsperioden von je fünf Jahren wurde aus der Verfassung gestrichen. Dies würde eine unbegrenzt wiederholbare Verlängerung der Regentschaft Xi Jinpings, der sich am Beginn seiner 2. Amtszeit als Präsident befindet, ermöglichen. Das de facto noch wichtigere Amt des KP-Generalsekretärs ist zeitlich nicht begrenzt. Laut BBC lenkten die chinesischsprachigen Staatsmedien die Aufmerksamkeit aber nicht auf diese spezielle Änderung der Verfassung, sondern stellten das gesamte umfangreiche Änderungspaket in den Vordergrund. Zu den weiteren wichtigen Änderungen gehört die Einrichtung einer „Nationalen Aufsichtskommission“ (国家监督委员会), ein Organ, das verschiedene staatliche Antikorruptionsbehörden mit der Zentralen Kommission für Disziplin-Inspektion (ZKDI) der Partei zusammenfasst; anders als die ZKDI kontrolliert sie nicht nur Parteimitglieder, sondern alle staatlichen Angestellten und steht über dem Obersten Gerichtshof und der Obersten Staatsanwaltschaft. Außerdem wurde das „Xi Jinping-Denken zum Sozialismus chinesischer Prägung im neuen Zeitalter“ (习近平新时代中国特色社会主义思想) in die Leitlinien in der Präambel der Verfassung aufgenommen.
Kommentatoren betrachteten die Aufhebung der Amtszeitbegrenzung des Präsidenten als Ende des Prinzips der „kollektiven Führung“, das von Deng Xiaoping nach dem Ende der Kulturrevolution eingeführt worden war, um eine absolute Machtkonzentration wie zu Maos Zeit künftig zu verhindern (BBC Monitoring 12.03.2018; South China Morning Post 12.03.2018; Xinhua 25.02.; 11.03.2018 u.a.).

21. März 2018:
Kommunistische Partei Chinas veröffentlicht „Plan zur Vertiefung der Reform der Organe von Partei und Staat“, der die Trennung zwischen Partei und Staat weiter verwischt
Im Rahmen des sehr weitreichenden Umbaus wurde u.a. eine Reihe bedeutender staatlicher Behörden Parteiorganen unterstellt. So wurden das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten, die Staatliche Kommission für ethnische Angelegenheiten und das Büro für Überseechinesenangelegenheiten des Staatsrats der Abteilung für Einheitsfrontarbeit der KP Chinas eingegliedert oder unterstellt. Diese und zahlreiche weitere Verschiebungen im Apparat der Partei- und Regierungsorgane werden als Stärkung des Primats der Partei über den Staat und als Umkehrung der von Deng Xiaoping errichteten Strukturen mit einer stärkeren Trennung von Partei und Regierung gesehen. Auch „Massenorganisationen“ – zu denen die offiziellen religiösen Vereinigungen gehören – sind laut Xinhua Teil des Reformplans, dazu gab es aber keine weiteren Angaben (AsiaNews 7.05.; Global Times 21.03.; gov.cn 24.03.; Merics China Update 6/2018; UCAN 27.03.; Xinhua 21.03.).
Siehe die Einträge vom 21. März 2018 und vom 1. April 2018 in der Rubrik „Religionspolitik“.

Religionspolitik

8. Januar 2018:
Versammlung der Religionsbüro­direktoren des ganzen Landes – Wang Zuo’an kündigt für 2018 den Erlass von Bestimmungen für religiöse Informationsdienste im Internet an
Auf der Konferenz in Beijing blickte man auf die Religionsarbeit des Jahres 2017 zurück und besprach die Pläne für 2018. Wie die Global Times berichtete, kündigte Wang Zuo’an, der Direktor des nationalen Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten, an, dass im laufenden Jahr Bestimmungen für religiöse Informationsdienste im Internet erlassen werden sollen. Auch andere Bestimmungen zur Verwaltung religiöser Organisationen, Stätten und Aktivitäten würden im Jahr 2018 neu festgelegt oder revidiert. Überarbeitet werden sollen ferner die seit 1999 geltenden „Maßnahmen für die Anstellung und den Einsatz ausländischer Experten an religiösen Ausbildungsstätten“. Außerdem müssten die lokalen Regierungen ihre jeweiligen lokalen Vorschriften für religiöse Angelegenheiten der ab 1. Februar 2018 geltenden revidierten Fassung der nationalen „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ anpassen, sagte Wang (Global Times 9.01.2018; sara.gov.cn 8.01.2018).

2.–3. Dezember 2017 / 20. Januar 2018:
Internationale Konferenz zu Falun Gong in Wuhan / 2017 wurden laut Falun Gong 974 seiner Anhänger in China verurteilt
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, nahmen 30 Wissenschaftler aus China, den USA, Kanada, Australien, Italien, Kirgistan und Sri Lanka an einer „Internationalen Konferenz zu Kultproblemen“ teil, in der es offenbar hauptsächlich um Falun Gong ging. Im Bericht namentlich genannte [im Internet auf den Websites ihrer Universitäten auffindbare] Professoren erklärten dort u.a., dass Falun Gong-Anhänger medizinische Behandlung ablehnten, dass die Beschuldigung der Organentnahme von inhaftierten Anhängern in China nicht haltbar sei und dass verschiedene Wissenschaftler, die Kritisches über Falun Gong geschrieben hätten, von der Gruppe bedroht worden seien. Falun Gong gab am 20. Januar 2018 auf seiner Website Minghui.org an, dass im Jahr 2017 insgesamt 974 seiner Anhänger von Gerichten in der VR China zu Gefängnisstrafen verurteilt worden seien, rund 320 von ihnen in den Provinzen Nordostchinas. Die Dauer der verhängten Haftstrafen habe bei den im Dezember Verurteilten bei durchschnittlich 3,3 Jahren gelegen; zusätzlich seien Geldstrafen verhängt worden. Falun Gong ist in der VR China als „häretischer Kult“ definiert und verboten (Minghui.org 20.01.2018; Xinhua 3.12.2017).

29. Januar 2018:
Staatliche Verfügung gegen Stripperinnen auf Beerdigungen
Stripperinnen sind seit 2015 im Fadenkreuz der chinesischen Ordnungshüter, die sich um das soziale Gefüge Chinas sorgen, welches durch unsittliche Aktionen auf Beerdigungen gefährdet zu sein scheint. Beschränkten sich 2015 die Bemühungen der Regierung noch auf die Provinzen Jiangsu und Hebei (siehe China heute 2015, Chronik, 23. April 2015), kündigte das chinesische Kulturministerium nun am 29. Januar eine neue Kampagne gegen Striptease bei Beerdigungen, aber auch Hochzeiten und Tempelfesten in den Provinzen Henan und Anhui, Jiangsu und Hebei an. Es verdammte solche obszönen Aktivitäten zur Attraktion von mehr Beerdigungsbesuchern, und somit mehr Ehrerbietung für den Verstorbenen, als unzivilisiert und versprach, mehr gegen solche Bräuche zu tun. Es gehe auch darum, die Bevölkerung daran zu erinnern, dass Pornographie und öffentliche Erotik in China illegal sind. Eine Hotline wurde extra eingerichtet, damit Bürger sich melden können, falls sie obszöne Aktivitäten entdecken.
Diese Events zeigen allerdings, so die Global Times, dass es ein Problem des kulturellen Mangels unter der Landbevölkerung gebe. Viele Internetnutzer kritisierten ebenfalls auf Plattformen wie Weibo die „Verdorbenheit der Landbevölkerung“. Mehr müsse zur kulturellen Förderung der Landbevölkerung getan werden, so das Kulturministerium. Die Regierung hat, so Global Times, 20 Mrd. Yuan für 600.000 „Landbibliotheken“ bereitgestellt. Es bleibt abzuwarten, ob sich daraus positive Resultate ergeben werden und die „Kultur“ durch Bücher wiederhergestellt werden kann (Global Times 20.02.2018; mcprc.gov.cn 29.01.2018).

1. Februar 2018:
Revidierte Fassung der „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ tritt in Kraft – sich weiter verschärfende staatliche Kontrolle des religiösen Lebens wird erwartet
Die revidierte Fassung zielt u.a. darauf ab, religiöse Freiräume in legalen Grauzonen außerhalb des staatlichen Kontrollrahmens zu schließen, aber auch die Aktivitäten registrierter religiöser Gruppen und Stätten stärker zu überwachen; sie gibt den Behörden konkretere Handhabe, gegen Verstöße vorzugehen. Sie wird außerdem weitere Detailbestimmungen nach sich ziehen, beispielsweise zu Religion im Internet. Einige Vorfälle der letzten Zeit wurden von Beobachtern bereits als Folge der neuen Vorschriften gesehen, wie die regional ausgesprochenen Verbote von Religionskursen für Kinder über Chinesisch Neujahr. Siehe Übersetzung der revidierten Fassung und Kommentar in China heute 2017, Nr. 3, S. 140-143, 160-172 sowie die Einträge von Januar 2018 in der Rubrik „Islam“ und von ab Februar 2018 in der Rubrik „Christentum“.

1. Februar 2018:
Religionsbüro erlässt Durchführungsbestimmungen für die in den „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ vorgesehenen Genehmigungsverfahren – fünf von elf betreffen Kontakte mit dem Ausland
Die ab sofort geltenden Bestimmungen wurden am 2. Februar auf der Web­site des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) veröffentlicht. Sie nennen Details für die Antragsverfahren zur Genehmigung bestimmter religiöser Vorhaben, wie notwendige Voraussetzungen, vorzulegende Unterlagen, Ablauf und Fristen. Das Dokument legt die Genehmigungsverfahren für folgende Vorhaben fest: religiöse Ausbildung und Fortbildung; Bau großer religiöser Statuen; Umbauten oder Neubauten innerhalb religiöser Stätten; großangelegte religiöse Aktivitäten; Herausgabe und Vertrieb interner religiöser Publikationen; Gründung, Veränderung und Aufhebung religiöser Organisationen. Fünf weitere der insgesamt elf Genehmigungsverfahren betreffen auslandsbezogene Vorhaben, und zwar: Annahme von Spenden von Organisationen und Personen aus dem Ausland; Anstellung ausländischer Experten an religiösen Ausbildungsstätten; Einfuhr religiöser Gebrauchsartikel durch Ausländer. Dazu kommen Genehmigungsverfahren für „Austausch von ausländischen Organisationen anderer als der fünf in China vertretenen Religionen und deren Mitgliedern mit Regierungsbehörden und religiösen Kreisen Chinas“ (dies beträfe beispielsweise orthodoxe Christen, Juden, Mormonen und Bahai’i) und „Einladung ausländischer religiöser Amtsträger, die unter anderem Status eingereist sind, zur Schriftauslegung und Predigt“. Die neuen Bestimmungen lösen ein Vorläuferdokument aus dem Jahr 2006 ab (Text der 宗教事务部分行政许可项目实施办法 unter www.sara.gov.cn/xwfb/xwjj20170905093618359691/577024.htm).

4. Februar 2018:
„Zentrales Dokument Nr. 1“ kündigt Niederschlagung „illegaler religiöser Aktivitäten“ im ländlichen Raum an
Das erste politische Dokument jedes Jahres wird jeweils vom Zentralkomitee der KP Chinas und vom Staatsrat herausgegeben und traditionell als Hinweis auf den Schwerpunkt der aktuellen Politik gesehen. Das „Zentrale Dokument Nr. 1“ von 2018 behandelt, wie schon die Dokumente der Vorjahre, Ziele und Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum. Dabei wurden diesmal auch religionspolitische Maßnahmen genannt. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete unter der Überschrift „Zentrales Dokument Nr. 1 sagt ‚Nein‘ zu illegalen religiösen Aktivitäten auf dem Land“, das Dokument mache die klare Vorgabe, „gemäß dem Gesetz mit vermehrter Kraft illegale religiöse Aktivitäten und ausländische Infiltrationsaktivitäten auf dem Land bekämpfen, gemäß dem Gesetz der Einmischung in ländliche öffentliche Angelegenheiten mittels Religion Einhalt gebieten und damit fortfahren, das chaotische Bauen von Tempeln und ausschweifende Errichten religiöser Statuen auf dem Land zu regulieren“ (Global Times 5.02.2018; Xinhua 4.01.2018).
Dies bezieht sich einerseits offensichtlich auf traditionelle chinesische Religionsformen, zum anderen dürften auch nicht-registrierte christliche und muslimische Gruppen gemeint sein.

21. März 2018:
Staatliches Büro für religiöse Angelegenheiten wird in die Einheitsfrontabteilung eingegliedert, Partei übernimmt direkte Kontrolle über Religionen
In der Doppelstruktur von Partei- und Staatsorganen war das 1951 (unter anderem Namen) gegründete und 1979 nach der Kulturrevolution wiedergegründete Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten 国家宗教事务局 (BRA, engl. State Administration for Religious Affairs, SARA) unter dem Staatsrat für die konkrete Durchführung der Religionspolitik und Beaufsichtigung der religiösen Organisationen zuständig, während seitens der Partei die Abteilung für Einheitsfrontarbeit des Zentralkomitees die politische Aufsicht über die Religionsarbeit hatte. Im Zuge der Umstrukturierung der Organe von Partei und Staat (s.o.) wurde nun – wie das Zentralkomitee der KP Chinas am 21. März bekanntgab und der Staatsrat am 24. März bestätigte – das BRA als eigenständige Regierungsbehörde aufgehoben und in die Einheitsfrontabteilung (EFA) der Partei eingegliedert, seine Aufgaben wurden von der EFA übernommen; die EFA wird nach außen das staatliche „Schild“, d.h. den Namen des BRA, weiter verwenden. Das heißt also, dass die spezifischen religiösen Angelegenheiten und Organisationen künftig ausschließlich durch die Partei und nicht mehr durch den Staat verwaltet werden, auch wenn neben dem Namen möglicherweise Personal und Strukturen teilweise ebenfalls vom BRA in die EFA übernommen werden. Laut AsiaNews vermuten einige Beobachter, dass das BRA zum ausführenden Arm der EFA werden könnte. Dies erscheint denkbar angesichts der Tatsache, dass in dem „Plan zur Vertiefung der Reform der Organe von Partei und Staat“ unter der Auflistung der künftigen Aufgaben der EFA die bisherigen konkreten Aufgaben des BRA, wie Formulierung von Rechtsnormen oder Beaufsichtigung der religiösen Organisationen, fehlen. Es bleibt auch abzuwarten, wie sich die Umstrukturierung der Organe auf lokaler Ebene auswirkt. Dort hatte der Klerus an der Basis in der Praxis mit Vertretern beider Behörden zu tun.
Stimmen aus den chinesischen Kirchen und Kommentatoren werteten die Einverleibung des staatlichen BRA in die EFA als Signal für eine stärkere Parteikontrolle über die Religionen (AsiaNews 3.04.; 7.05.; chinasource.org 2.04.; gov.cn 24.03.; Xinhua 21.03.).
Siehe hierzu den Beitrag in den Informationen und den Wortlaut der Beschlüsse zur Umstrukturierung des BRA in der Dokumentation.

Buddhismus

Anfang März 2018:
17. Karmapa Lama Ogyen Trinley Dorje spricht in Videobotschaft über innere Konflikte mit seiner religiösen und politischen Rolle
Der inzwischen 32-jährige beklagte in seiner „Sonderbotschaft“ seine lückenhafte Ausbildung sowohl in Tibet als auch in Indien und dass er anders als frühere Karmapas von den wichtigsten Lehrern seiner Tradition getrennt gewesen sei. Er sprach über die großen Hoffnungen, die in ihn gesetzt würden und die er nicht erfüllen könne. „Viele denken, es ist unglaublich [großartig] für mich, der Karmapa zu sein, aber für mich ist das nicht so. Selbst wenn ich der Karmapa bin, muss ich mich wirklich sehr anstrengen.“ Er habe viel aufgeben müssen und nichts sei einfach gewesen. „Wenn die, die um mich herum sind, nicht an mich glauben, dann hat es keinen Sinn, so zu tun als ob und weiterzumachen. Aus diesem Grund bin ich deprimiert gewesen.“ Ogyen Trinley Dorje erwähnte auch das Misstrauen der indischen Regierung, die ihn zeitweise verdächtigte, ein chinesischer Spion zu sein. Dann äußerte er den Wunsch nach einer Überwindung der Spaltung in der Karma Kagyu-Linie (es gibt eine zweite konkurrierende Reinkarnation des 16. Karmapa, den in Indien aufgewachsenen Karmapa Trinley Thaye Dorje); dafür müssten aber beide Seiten offen sein. Er betonte, dass er weder die Fähigkeiten noch den Wunsch habe, ein politischer Führer zu sein und dass dies auch nicht der traditionellen Rolle des Karmapa entspreche (teilweise war von Ogyen Trinley Dorje erwartet worden, er könne den Dalai Lama als geistig-politischen Führer der Tibeter im Exil ablösen). Am Ende seiner Rede rief er die Karma Kagyu-Gemeinschaft zu gemeinsamen Anstrengungen auf: „Ein einziger Pfeiler kann nicht ein ganzes Gebäude halten.“
Die halbstündige Videobotschaft wurde erstmals am 9. März vor Tausenden Anhängern am Ende des Kagyu Monlam, einer Gebetszeremonie in Bodh Gaya in Indien, gezeigt. Sie hat laut Buddhistdoor Glob­al zu Unruhe unter tibetischen Buddhisten geführt, wobei einige sie als Anzeichen eines möglichen Rücktritts interpretierten. Der Karmapa ist das Oberhaupt der Karma Kagyu, einer der vier Schulen des tibetischen Buddhismus. Karmapa Ogyen Dorje wurde zunächst unter chinesischer Kontrolle in Tibet ausgebildet, im Jahr 2000 floh er nach Indien. Seit 6 Monaten hält er sich in den USA auf (www.buddhistdoor.net/news/the-karmapa-reveals-his-struggles-with-leadership-and-division-in-video-address – mit Link zum Video; trycicle.org 12.03.2018).

Daoismus

21. Januar 2018:
Xinhua: Wiederentdeckung des Großen Shang­qing-Tempels bestätigt
Der große daoistische Shangqing-Tempel wurde in der Song Dynastie (960–1279) erbaut und war bis zu seiner Zerstörung durch ein Feuer 1930 durchgängig in Benutzung gewesen. Wie Xinhua berichtete, konnten Archäologen nun nach einer vierjährigen Ausgrabungszeit den genauen Standort des einst größten daoistischen Tempels Chinas bestätigen. Der Tempel befindet sich am Fuß des Longhu-Berges (Provinz Jiangxi), auf dem der Überlieferung nach der Gründer der daoistischen Zhengyi-Sekte, Zhang Daoling (34–156), lebte und Daoismus praktizierte. Der wiederentdeckte Tempel war ihm gewidmet. Überreste des Tempels wurden 2014 von Arbeitern entdeckt, die in dem Gebiet des Longhu-Berges mit Arbeiten in einem [touristischen] „Landschaftsgebiet“ beschäftigt waren. Laut ­National Geographic mussten die Archäologen ein Gebiet von über 176.500 m² durchkämmen, um die Tempelanlage (etwas mehr als 4.600 m²) exakt zu lokalisieren. Heute ist von dem einst monumentalen Bauwerk nur noch das Steinfundament übrig geblieben. Die Ausgrabungsstätte ist reich an archäologischen Fundstücken, anhand derer die Forscher immer besser das kulturelle Klima verstehen können, in dem dieser Tempel entstand und existierte (National Geographic 26.01.2018; Xinhua 21.01.2018).

Islam

Januar 2018:
Behörden im stark muslimisch geprägten Linxia verbieten Teilnahme von Kindern am Religionsunterricht in den Neujahrsferien
Wie Reuters am 17. Februar berichtete, verboten im Januar Beamte der lokalen Erziehungsbehörden im Kreis Guanghe im Autonomen Bezirk Linxia der Hui-Nationalität (Provinz Gansu), dass Kinder während der mehrwöchigen Ferien zu Chinesisch Neujahr an religiöser Erziehung teilnehmen. Ähnliche Maßnahmen seien aus der Stadt Linxia im gleichnamigen Bezirk gemeldet worden, so Reuters. In einer früheren Meldung hieß es sogar, dass Kindern das Betreten religiöser Stätten verboten worden sei. Die Bezirksregierung von Linxia antwortete auf Nachfragen von Reuters u.a., dass die chinesische Verfassung die Trennung von Religion und Erziehung vorschreibe. Es war unklar, ob das Verbot auch nach den Ferien weiter gelten werde. Das Informationsbüro des Staatsrats erklärte gegenüber Reuters, dass China die Rechte der Bürger auf Religionsfreiheit unter dem Gesetz garantiere, Kinder eingeschlossen; China gehe jedoch gegen illegale Aktivitäten im Namen von Religion vor. Li Haiyang, ein Imam aus Henan, sagte zu Reuters, solche Verbote seien früher schon mündlich ausgesprochen, aber oft ignoriert worden; diesmal scheine es jedoch den Behörden mit der Umsetzung ernst zu sein.Die Hui-Muslime hatten bisher ein eher entspanntes Verhältnis zu den Behörden; nun gebe es die Befürchtung, dass die Regierung ähnliche Maßnahmen einsetzen wolle wie gegen die uigurischen Muslime in Xinjiang, so Reuters. Im Bezirk Linxia leben viele chinesischsprachige Hui-Muslime, in der Stadt Linxia, die auch als „chinesisches Mekka“ bezeichnet wird, liegt ihr Bevölkerungsanteil bei über 50%. Die Global Times meldete unter Berufung auf die lokale KP-Website chinalxn.net, dass am 19. Januar 2018 die KP-Mitglieder im Parteikomitee des Bezirks Linxia eine Verpflichtung unterzeichnet hätten, keinen religiösen Glauben zu hegen. Bereits im November hatte Global Times den Islam in Ningxia als Hindernis für die Armutsbekämpfung beschrieben (Global Times 23.01.2018; Reuters 17.01.; 17.02.2018; vgl. China heute 2017, Chronik, Islam, 8. November 2017).Zu ähnlichen Verbote für christliche Kinder siehe den Eintrag von ab Februar 2018 in der Rubrik „Christentum“.

Frühjahr 2018:
Sinisierung in Ningxia: Vorgehen gegen arabisch-muslimische Architekturelemente

Im Autonomen Gebiet Ningxia gehört rund ein Drittel der Bevölkerung der chinesischsprachigen muslimischen Hui-Nationalität an. Nachdem Global Times bereits im September über das Vorgehen der Behörden gegen „pan-halal-Tendenzen“, u.a. durch Entfernung chinesisch-arabischer Beschilderungen, in Ningxia berichtet hatte, häuften sich in den letzten Monaten Berichte über Entfernung arabischer Stilelemente insbesondere von säkularen Gebäuden, aber teilweise auch von Moscheen in dem autonomen Gebiet. Wenn man heute von der Hauptstadt Yinchuan nach Süden fahre, sei „der Straßenrand nun übersät mit zwiebelförmigen Kuppeln, grün, golden und weiß, frisch entfernt von Marktgebäuden, Hotels und Parks“, heißt es in einem Bericht der South China Morning Post (SCMP) vom 14. Mai. Laut SCMP war viel arabischer Dekor erst in den letzten zehn Jahren angebracht worden, als die Regierung von Ningxia mit der Hui-Kultur Touristen anlocken wollte. Die vielen neuen Moscheebauten im „arabischen“ Stil führte der Bericht nicht zuletzt darauf zurück, dass die meisten alten, im Stil chinesischer Tempel gebauten Moscheen in der Kulturrevolution zerstört worden seien. Neubauten im orientalischen Stil aus Beton seien billiger und geräumiger, sie würden von manchen Muslimen auch als „echter“ angesehen. Imame und regierungsnahe Quellen in Ningxia sagten der SCMP, dass Moscheeneubauten im arabischen Stil künftig nicht mehr erlaubt würden.
Die U.S.-basierte Organisation China Aid brachte am 20. Februar das Foto eines Parteidokuments der Großgemeinde Dazhanchang, der einen achtpunktigen Maßnahmenplan des Kreises Zhongning in Ningxia für religiöse Stätten enthielt. Darin heißt es u.a., „arabische und saudische Gebäude sind zu entfernen, sinisierte Moscheen sind durchzuführen“ und „Minarette im arabischen Stil sind bis Ende März abzureißen“. In Yinchuan wurde laut SCMP wegen Lärmverschmutzung auch der Ruf des Muezzin verboten. Die Maßnahmen lösten bei den Hui in Ningxia die Sorge aus, dass in ihrer Region ähnlich repressive Maßnahmen zum Einsatz kommen könnten wie in Xinjiang (chinaaid.org 20.02.; SCMP 14.05.; UCAN 27.03.).
Im April 2017 war auf einer Konferenz über Moscheebaustile in Xi’an das Problem der „Arabisierung“ im Moscheebau kritisiert worden (vgl. China heute 2017, Nr. 2, Chronik, Islam, 6-7. April 2017).

29. Januar 2018:
Global Times berichtet kritisch über Ferienkurse für „zurückgelassene“ muslimische Kinder in Yunnan mit Verweis auf Trennung von Erziehung und Religion
Moscheen in Yunnan unterrichten in den Winterferien muslimische Kinder und Jugendliche, die von ihren auswärts arbeitenden Eltern „zurückgelassen“ worden seien, in Arabisch, Koran und islamischer Kultur, berichtete die Global Times; dies habe ein Angestellter der Islamischen Vereinigung von Yunnan gegenüber der Zeitung bestätigt. Sodann zitiert der Bericht Xiong Kunxin von der Minzu University of China mit den Worten, dies sei „unpassend“, denn die Weltsicht von Teenagern sei noch nicht festgelegt und es sei deshalb „gefährlich, ihr Gehirn mit Religion zu waschen“. Global Times verwies auf die Bestimmung in Artikel 36 der Verfassung, „Niemand darf eine Religion dazu benutzen, Aktivitäten durchzuführen, die [...] das Erziehungssystem des Staates beeinträchtigen“, sowie auf eine gleichlautende Passage im Erziehungsgesetz (Global Times 20.01.2018).

10. März 2018:
Vorsitzender der Chinesischen islamischen Vereinigung fordert, Sorgen der Gesellschaft vor übermäßiger Anwendung des halal-Gedankens nicht zu ignorieren
Laut einem Bericht der Global Times sagte Yang Faming, der Vorsitzende der CIV, der Islam habe in China Sorgen hervorgerufen, die nicht ignoriert werden sollten, wie chinesische Moscheen, die in auffälliger Weise ausländische Architektur imitierten, oder eine übermäßige Anwendung des halal-Gedankens in manchen Regionen. Er sprach von einem Eingriff der Religion „ins säkulare Leben der Menschen, wobei manche Menschen die Religion mehr beachten als die Landesgesetze und sich nur als Gläubige bezeichnen und nicht als Bürger“. Yang machte diese Anmerkungen bei der Sitzung der Chinesischen politischen Konsultativkonferenz in Beijing, wie Global Times berichtete. Die Zeitung zitierte auch Shen Guiping vom Zentralen Institut für Sozialismus mit den Worten, eine Überbetonung religiöser Lebensweisen führe dazu, dass Religion sich auf andere soziale Bereiche ausdehne und zur Separierung einer Gruppe vom Rest der Gesellschaft führe, was dann ein „öffentliches Problem“ sei.
Global Times hat schon mehrfach berichtet, dass es in der chinesischen Internet-Öffentlichkeit ein Missbehagen über eine als übermäßig empfundene Ausbreitung des halal-Gedankens gebe. Andererseits, so Lanya Feng in einem Beitrag in The McGill International Review, halten manche nichtmuslimische Verbraucher in China halal-Lebensmittel für sicherer; der halal-Lebensmittelsektor erhalte dadurch einen Wettbewerbsvorteil und die an der Lebensmittelherstellung rituell beteiligten Imame eine gewisse wirtschaftliche und politische Macht (Global Times 11.03.2018; mironline.ca 25.02.2018; vgl. China heute 2017, Chronik, Islam 14. September 2017).

Christentum

ab Februar 2018:
Provinz Henan: Verbot von christlichen Neujahrsspruchbändern und zunehmender Druck auf Christen
Wie UCAN unter Berufung auf Aussagen verschiedener in der Provinz arbeitender katholischer Priester meldete, wurde an mehreren Orten in Henan in Gebieten der Diözese Xinxiang und in Puyang katholische und evangelische Haushalte aufgefordert, traditionelle Neujahrsspruchbänder von den Haustüren zu entfernen, die christlich Inhalte hatten. Die Anordnung sei teils schriftlich, teils mündlich erfolgt, nach einem Bericht hinderte der Dorfkader die Gläubigen persönlich am Ankleben der Spruchbänder. Ein Priester namens Paul aus der Diözese Luoyang berichtete UCAN, ihm sei gesagt worden, dass kleine Versammlungspunkte ohne amtliches Registrierungszertifikat geschlossen würden und Priester, die keinen Ausweis für religiöse Amtsträger hätten, künftig keine religiösen Rituale mehr durchführen dürften. Ein Priester der Diözese Anyang sagte UCAN, seine Diözese habe eine Benachrichtigung erhalten, dass keine Fortbildungskurse für Gläubige mehr erlaubt würden und solche für Kinder absolut verboten seien. Er war der Ansicht, dass diese Maßnahmen sich in erster Linie gegen die schnell wachsenden protestantischen Gemeinden richteten und die Katholiken mitbetroffen seien.
Die in den USA ansässige Organisation China Aid berichtete ebenfalls von zunehmendem Druck auf Christen in Henan. Seit Anfang Februar hätten lokale Sicherheits- und Religionsbehörden Hauskirchenmitglieder mit Geldstrafen bedroht. In Nanyang seien alle religiösen Versammlungen in privaten Wohnungen explizit verboten worden; Teilnehmern oder Gastgebern von Treffen außerhalb registrierter religiöser Stätten werde eine Geldstrafe von 30.000 Yuan angedroht. Die Organisation brachte den zunehmenden Druck mit dem Inkrafttreten der revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ in Verbindung ­(chinaaid.org 3.,7.03.2018; china.ucanews.com 21.02.2018).

Protestantismus

9. Januar 2018:
Protestantische Megakirche von Behörden zerstört
In der Stadt Linfen in der Provinz Shanxi sprengten die chinesischen Behörden – trotz intensiver Proteste der Gläubigen – die Golden-Lampstand-Kirche. Mit Baggern und Presslufthammern wurde das riesige Gebäude anschließend in Schutt gelegt. Gemäß China Aid stand die Gemeinde bereits seit dem Bau 2009 unter staatlichem Druck, immer wieder wurden Kirchenführer inhaftiert. Die staatliche Global Times sprach davon, dass die Kirche „geheim gebaut“ worden sei und dabei Bauvorschriften missachtet habe. Sie sei im Zuge einer städtischen Kampagne „zur Entfernung illegaler Gebäude“ abgerissen worden. Acht Mitglieder der Kirche seien 2009 wegen „illegaler Besitznahme von Ackerland“ und „Behinderung der Verkehrsordnung“ verhaftet worden. Vielfach wurde die Furcht bekundet, dass diese und andere Maßnahmen im Zusammenhang stehen könnten mit den überarbeiteten Vorschriften für religiöse Angelegenheiten, die am 1. Februar 2018 in Kraft traten (America Magazine 25.01.2018; The Guardian 11.01.2018; UCAN 11.01.2018).

7.–16. Januar 2018:
Weltkirchenrat zu Besuch in China
Zum Auftakt der Feierlichkeiten seines 70-jährigen Bestehens besuchten Vertreter des Weltkirchenrates (World Council of Churches, WCC) die Volksrepublik China, um die Beziehungen zwischen WCC und CCC (Chinese Christian Council, Chinesischer Christenrat) zu verstärken. Neben dem Generalsekretär Olav Fykse Tveit und zwei weiteren Delegationsteilnehmern war auch Asienpräsident Sang Chang bei dem Besuch dabei. Bei Stationen in Shanghai, Nanjing und Beijing traf die Gruppe des WCC mit Repräsentanten der Drei-Selbst-Bewegung und des Christenrates zusammen, ebenso mit Dozentenschaft und Studierenden verschiedener Lehreinrichtungen sowie mit Funktionären der staatlichen Religionsbehörde.
Seit seiner Teilnahme an der Vollversammlung des WCC 1991 in Canberra ist der Chinesische Christenrat vollwertiges Mitglied des Rates. Nach einem historischen ersten Besuch durch Führungspersonen des WCC in China im November 2016 setzt dieser Aufenthalt ein Zeichen, die Bedeutung der Christen in China für die Weltgemeinschaft hervorzuheben. Generalsekretär Tveit betonte die besondere Relevanz der chinesischen Kirchen für das christliche Zeugnis und seine zukünftige Entwicklung in der globalen Ökumene (oikoumene.org 12.01.2018).
Isabel Hess-Friemann

21. Februar 2018:
Tod von Billy Graham – Reaktionen in China
Der Tod des amerikanischen Evangelisten Billy Graham im Alter von 99 Jahren wurde in der Volksrepublik mit großer Anteilnahme aufgenommen. Billy Graham besuchte das Land in den Jahren 1988 und 1994. Seine Frau, Ruth Bell Graham, war als Tochter eines Missionars in China geboren worden und verbrachte ihre Jugendzeit dort. Gao Feng, Präsident des Chinesischen Christenrates, und Fu Xianwei, Generalsekretär der Drei-Selbst-Bewegung, veröffentlichten einen Kondolenzbrief, in dem sie Billy Graham als lieben Freund der chinesischen Kirche und als einen der einflussreichsten christlichen Führer der Welt bezeichneten. Vertreter der nationalen chinesischen Religionsbehörde nahmen als Gäste an den Bestattungs-Feierlichkeiten teil (www.ccctspm.org/newsinfo/10174 [Text Kondolenzbrief]; chinachristiandaily.com 23.02.2018).
Isabel Hess-Friemann

8.–13. März 2018:
Chinesischer Christenrat nimmt an der Weltmissionskonferenz in Arusha, Tansania, teil
Eine sechsköpfige Delegation unter der Leitung von Lin Manhong, der stellvertretenden Generalsekretärin des Chinesischen Christenrates, beteiligte sich an der Weltmissionskonferenz in Arusha, Tansania. Das Motto, unter dem sich die insgesamt 1.024 Delegierten in Foren und Workshops austauschten, war „Vom Geist bewegt – Zu verwandelnder Nachfolge berufen“. Es war die 13. Konferenz dieser Art, die der WCC (World Council of Churches) seit dem Auftakt der ökumenischen Bewegung 1910 in Edinburgh organisierte. Auf einem Podium mit Vertretern asiatischer Kirchen betonte Pfarrerin Lin die Notwendigkeit, Verkündigung in den jeweiligen Kontext einzubetten, um sie als prophetisches Leitmotiv wirksam werden zu lassen (ccctspm.org 12.03.2018).
Isabel Hess-Friemann

Ende März bis Juni 2018:
China Aid: Meldungen über Regierungsmaßnahmen gegen protestantische Gemeinden in Henan
Wie die in den USA ansässige Organisation China Aid unter Berufung auf Christen vor Ort berichtete, gehen die Behörden in Henan seit 1. Februar gegen Hauskirchen vor, bis 19. März 2018 seien 100 Hauskirchen in der Stadt Nanyang geschlossen worden. Am 26. Mai meldete China Aid, dass an Hauskirchen in Henan und Anhui Formulare zur Registrierung als religiöse Stätten verteilt würden. Anfang Juni berichtete die Organisation, dass die Kreisregierung von Ningling die Abnahme aller Kirchenkreuze angeordnet habe. Die Zerstörung christlicher Dekorationen, wie Fliesen mit der Aufschrift „Emanuel“ an der Außenseite von Häusern, wurde gemeldet, ein Christ schrieb, auch in den Häusern würden Beamte nun christliche Bilder abreißen, so das im Schlafzimmer seiner Mutter. Im Kreis Lushan versammelte die Religionsbehörde 700 Prediger der registrierten „Drei-Selbst-Kirchen“ und forderte sie auf, die „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ zu studieren, den Prozentsatz der Kirchen mit gehisster Nationalflagge von 95% auf 100% zu erhöhen und den Kirchbesuch von Kindern unter 18 Jahren zu verbieten, so China Aid Mitte April; auch hätten die lokalen Religionsbehörden in den Dörfern spezielle Teams mit der Überwachung der religiösen Aktivitäten beauftragt und die Dorfkader seien nun verantwortlich für die Verwaltung derselben. Sonntagsschulen in den offiziellen Kirchen seien von den Behörden eingestellt worden, so ein weiterer Zeuge. Es wurde laut China Aid auch von Fällen berichtet, dass Behörden unter Androhung von Konsequenzen Christen zur Aufgabe ihres Glaubens zu bewegen versuchten, wie z.B. dass Sozialhilfe für die Sicherung des Existenzminimums oder Rente gestrichen, Kinder nicht mehr in die Schule gelassen, Beamte aus ihrer Stelle entlassen oder Familienbetriebe beeinträchtigt würden (chinaaid.org 26.03.; 10.,11.,18.,30.04.; 26.05.; 3.06.).

27./28. März 2018:
„Abriss des Fünfjahresarbeitsplans zum Vorantreiben der Sinisierung des protestantischen Christentums in China (2018–2022)“ wird veröffentlicht
Das umfangreiche, vom Nationalen Komitee der Drei-Selbst-Bewegung der protestantischen Kirchen in China und vom Chinesischen Christenrat unterzeichnete Dokument ist auf Dezember 2017 datiert. Am 27./28. März hielten diese zwei protestantischen Leitungsgremien in Nanjing eine Startzeremonie für den „Fünfjahresarbeitsplan“ ab. Anwesend waren auch Vertreter des Staatlichen Religionsbüros und der Einheitsfrontabteilung der KPCh.
Von der internationalen Berichtserstattung über den Fünfjahresarbeitsplan wurden besonders die Passagen beachtet, die sich auf die Bibel beziehen. So findet sich in Kapitel 2 unter den „Hauptaufgaben“: „Aus der Bibel die Inhalte hervorgraben, die mit den sozialistischen Kernwerten in Einklang stehen, und mit vereinten Kräften einen leicht verständlichen Reader erstellen [...]“, sowie: „Es müssen bewusst Bibelwissenschaftler herangebildet werden, um eine solide Basis dafür zu legen, dass eine Neuübersetzung der Bibel oder die Kompilierung [neuer] Bibelkommentare in Angriff genommen werden kann.“ Als Aufgabe für das Jahr 2019 sieht der Plan u.a. vor, das Jubiläum 100 Jahre Union Version der chinesischen Bibel „mit einer Sinisierung der Bibelexegese [zu] verbinden. Die Kompilierung eines von chinesischen Christen geschriebenen Bibelkommentars in Angriff nehmen, um dem Vorantreiben der Sinisierung des Christentums eine theologische Stütze zu bieten.“ Die Rolle von christlicher Musik und Kunst wird ebenfalls hervorgehoben. Der Fünfjahresarbeitsplan enthält auch rein politische Vorhaben, z.B. für 2021 die Feier des 100. Gründungstags der KP Chinas (Text des 推进我国基督教中国化五年工作规划纲要 [2018–2022] unter www.ccctspm.org/newsinfo/10284, englische Übersetzung unter www.ucanews.com/news/protestant-five-year-plan-for-chinese-christianity/82107).

Katholizismus

27. Januar 2018:
Bischof Shao Zhumin von Wenzhou kehrt nach 7 Monaten erzwungenen Verschwindens und Hausarrests in seine Diözese zurück
Der von Rom, aber nicht von der Regierung anerkannte Untergrund-Bischof von Wenzhou war am 18. Mai 2017 von Behördenvertretern „mitgenommen“ worden. Sein Aufenthalt war zunächst lange nicht bekannt; im September hatte er sich dann aus einem Beijinger Krankenhaus gemeldet, wo er am Ohr operiert wurde; danach stand er in Xining in der Provinz Qinghai unter Hausarrest und wurde erst am 3. Januar freigelassen. Während seiner Haft habe man vergeblich Druck auf ihn ausgeübt, der Patriotischen Vereinigung beizutreten; Anfang Dezember sei er aufgefordert worden, ein Dokument mit vier Bedingungen für seine öffentliche Anerkennung als Bischof zu unterzeichnen, darunter Unterstützung für das Prinzip einer autonomen und unabhängigen Kirche, die Selbstwahl und -weihe von Bischöfen und die Konzelebration mit einem illegitimen Bischof; diesen Forderungen habe er jedoch nicht zugestimmt, so AsiaNews und ähnlich UCAN. Im Juni 2017 hatten sich nacheinander der deutsche Botschafter in Beijing und der Vatikan in öffentlichen Statements für Bischof Shaos Freilassung eingesetzt, am 18. Dezember startete die Diözese Wenzhou eine Gebetskampagne für den Bischof.
Am 29. Dezember 2017 wurde laut UCAN der Untergrundpriester Lu Danhua aus der kleinen Diözese Lishui, die von der Diözese Wenzhou verwaltetet wird, von Beamten des lokalen Religionsbüro verschleppt; nach mehr als einer Woche war sein Verbleib immer noch unbekannt, einer Quelle zufolge war er zur Umerziehung nach Wenzhou gebracht worden (AsiaNews 19.12.2017; 31.01.2018; UCAN 10.01.2018; vgl. China heute 2017, Chronik, Katholische Kirche, 6. April und 18. Mai 2017, Chronik, Sino-vatikanische Beziehung, 26./27. Juni 2017; Chronik, Katholizismus, 11. September 2017).

Anfang Februar 2018:
Berichte, dass an Kirchen in einigen Gegenden Schilder „Zutritt für Minderjährige verboten“ aufgehängt werden
Wie UCAN auf Berufung auf einen einheimischen Priester berichtete, haben die Behörden katholische Untergrundgemeinden in einigen Gegenden der Provinz Hebei aufgefordert, Schilder „Zutritt für Minderjährige verboten“ an ihren Kirchen und Gebetsstätten aufzuhängen, und gedroht, sie andernfalls die Kirchen nicht mehr benutzen zu lassen. Auch aus der Provinz Henan wurde das Aufhängen solcher Verbotsschilder an Kirchen gemeldet. Priester Thomas aus Henan berichtete UCAN, nach Chinesisch Neujahr hätten ihn Behördenvertreter aufgesucht und u.a. erklärt, dass Parteimitglieder und Minderjährige Kirchen nicht betreten dürften. Ein katholischer Laie aus Zentralchina namens Peter sagte zu UCAN, er habe solche Schilder schon an katholischen Kirchen in Xin­jiang gesehen (dort dürfen Minderjährige generell keine Moschee betreten); lokale Rechtsvorschriften, die Minderjährigen verbieten, religiöse Stätten zu betreten, entbehrten jeder Rechtsgrundlage und seien verfassungswidrig, da die Verfassung die Glaubensfreiheit der Bürger garantiere. Das Gesetz zum Schutz Minderjähriger lege außerdem fest, dass Kinder und Jugendliche nicht aufgrund ihres religiösen Glaubens diskriminiert werden dürften, sagte Peter (china.ucanews.com 8.02.2018; UCAN 8.02.2018).

Anfang Februar 2018:
Berichte über Verbote katholischer Jugendlager in Shanxi und der Inneren Mongolei
Nach Angaben von AsiaNews haben mehrere Priester in Shanxi, der Inneren Mongolei und anderen Teilen Chinas Anfang Februar die Warnung erhalten, dass sie künftig keine Jugendlager mehr abhalten dürften; einige Pfarreien hätten einen entsprechenden Brief vom Religionsbüro erhalten. Da Chinesisch Neujahr (16. Februar) kurz bevorstand und viele Gemeinden die Neujahrsferien wie auch die Sommerferien benutzen, um Kinder und Jugendliche zur Katechese zu versammeln, sei diese Anordnung umso drängender gewesen. AsiaNews führte sie auf die ab 1. Februar geltenden revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ zurück. Berichte über lokale Verbote christlicher Erziehung gab es bereits im August 2017 (AsiaNews 3.02.2018; vgl. China heute 2017, Chronik, Christentum, 29. August 2017).
Nach einer Erhebung des „China Religion Survey“ der Renmin University in Beijing zur Situation der registrierten religiösen Stätten, die 2016 veröffentlicht wurde, boten 32,2% der befragten katholischen und 16,3% der protestantischen Stätten im Jahr 2013 Sommerlager für Jugendliche an; bei den anderen 3 Religionen lag der Prozentsatz unter 5% (vgl. China heute 2017, Themen, S. 26).

5. Februar 2018:
Faith Institute for Cultural Studies (FICS) veröffentlicht erstmals Taufstatistik für das gesamte Jahr
Der Erhebung zufolge, die das FICS zusammen mit der Chinesischen katholischen Forschungsstelle der offiziellen katholischen Leitungsgremien durchführte, wurden in den katholischen Gemeinden Festlandchinas im Jahr 2017 insgesamt 48.556 Menschen getauft; die Zahlen seien jedoch unvollständig. Taufen in den Gemeinden im Untergrund wurden vermutlich höchstens teilweise erfasst (Xinde 5.02.2018; zu Details siehe die Statistik in den Themen dieser Ausgabe von China heute).

8. Februar 2018:
Religionsbüro besucht katholische Gremien
Vorsitzender der offiziellen Bischofskonferenz kündigt für 2018 eine Konferenz zu „60 Jahre Selbstwahl und -weihe von Bischöfen“ an

Direktor Wang Zuo’an und andere Vertreter des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten (BRA) überbrachten den führenden Vertretern der (offiziellen) Chinesischen Bischofskonferenz und der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, die am Sitz dieser Gremien in Beijing residieren, Glückwünsche zum Neujahrsfest. Laut dem Bericht auf der Website der Gremien sagte (der von Rom nicht anerkannte) Bischof Ma Yinglin, Patriotische Vereinigung und Bischofskonferenz planten für das Jahr 2018 eine Konferenz zur Erinnerung an 60 Jahre Selbstwahl und -weihe von Bischöfen. Man wolle außerdem, mit der Durchführung des Fünfjahresplans zur Sinisierung der katholischen Kirche als zentrales Thema und der Umsetzung der „drei Systeme zur demokratischen Verwaltung der Kirche“ als Ziel, die Arbeit der beiden Gremien auf eine neue Stufe heben (AsiaNews 10.02.2018; chinacatholic.cn 8.02.2018).
Vor 60 Jahren, am 13. April 1958, wurden auf Betreiben der chinesischen Regierung erstmals zwei chinesische Priester, die späteren Bischöfe Dong Guangqing (Hankou) und Yuan Wenhua (Wuchuan), von der 1957 gegründeten Patriotischen Vereinigung zu Bischöfen gewählt und ohne päpstliches Mandat geweiht. Vorher hatte der Vatikan die Bitte der Patriotischen Vereinigung um Anerkennung der von ihr gewählten Kandidaten zurückgewiesen. Bei den „drei Systemen zur demokratischen Verwaltung der Kirche“ handelt es sich um drei umstrittene Statuten der offiziellen katholischen Gremien aus dem Jahr 2003; es sind Statuten für die Gemeinsame Versammlung der beiden Gremien (中国天主教爱国会、中国天主教主教团主席联席会议制度), für die Verwaltung der Diözesen (中国天主教教区管理制度) sowie für die Arbeit der Patriotischen Vereinigung (中国天主教爱国会工作条例), online unter www.chinacatholic.cn/html/category/14050346-1.htm.

21. Februar 2018:
Diözese Taiyuan eröffnet feierlich ein „Jahr der Jugend“
Die Diözese in der Provinz Shanxi hat ein „Jahr der Jugend“ ausgerufen, das am 21. Februar unter Teilnahme von 2.000 Jugendlichen mit dem Bischof, 60 Priestern, 28 Schwestern, 5 Diakonen und 24 Seminaristen in der Xiliulin-Kirche eröffnet wurde. Die Eröffnung stand unter dem Motto „Suchen“. Vor der Kirche schrieben die Jugendlichen ihre Wünsche auf und knüpften sie an ein Netz. In seiner Predigt wies Bischof Meng Ningyou auf die Weltbischofssynode im Oktober 2018 in Rom hin, die unter dem Motto „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ stehen wird. Der Priester Li Yonglong sagte bei der Eröffnungszeremonie, Ziel des Jugendjahres in Taiyuan sei es, die Kraft der Jugendlichen in der Diözese zusammenzuschließen, damit sie noch besser für den Glauben Zeugnis ablegen können. Eine Vertreterin der Jugend forderte die Diözese auf, ein Büro für Jugendseelsorge zu gründen. Zum Eröffnungsprogramm gehörte auch ein Umzug durch das Dorf mit Heiligenbildern und Reliquien – zwei der vertretenen Heiligen waren Wu Anbang und Zhao Quanxin, die beide aus Xiliulin stammten und während des Boxeraufstands getötet wurden. Nach den Worten des Generalsekretärs der Diözese, Priester Lü Xufeng, sollten die heiligen Märtyrer der Jugend Vorbild und Ermutigung sein. Als weitere Etappen des Jugendjahres sind eine Veranstaltung zur Förderung der geistlichen Berufe, eine über kirchliches Wissen, ein „Alleluja-Cup“-Gesangswettbewerb sowie eine Jugendwallfahrt geplant (chinacatholic.org 23.03.2018).

27. Februar und 8. März 2018:
Kreuze und religiöse Elemente von Kirchen in Xinjiang und Henan entfernt
Der erste Fall war eine Kirche in Yining, Xinjiang. Dort wurden am 27. Februar nicht nur die Kreuze vom Dach entfernt, sondern es wurden ebenfalls die Türmchen, die auf der Kirchenfront platziert waren, rückgebaut, und alle katholischen Elemente von der Fassade entfernt, sodass nur noch der Schriftzug „Katholische Kirche“ und die Abbildung einer Taube übrig blieben. Auf der Website von UCAN gibt es Bilder, die diese Vorgänge dokumentieren.
Die Entfernung der Kreuze und auch der Kreuzwege im Inneren passierte nicht nur in Yining, sondern auch in Manas und Hutubi in Xinjiang. UCAN spricht unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass diese Aktionen unter dem Stichwort der „Sinisierung“ der Religionen in China geschehen würden.
Der zweite Fall geschah in Shangqiu, He­nan. An der Kathedrale (Südkirche) von Shangqiu wurden am 8. März durch Verfügung des Straßenamtes und des Distrikt-Komitees auf dem Gelände 10 Kreuze von diversen Gebäuden abgenommen. Gläubige meldeten den Vorfall beim Volkskongress und der Politischen Konsultativkonferenz der Provinz. So wurde später die Installation drei kleinerer Kreuze wieder zugelassen. In Henan häufen sich neben diesem ersten Fall von Kreuzentfernung auch Berichte über andere „kirchenfeindlichen“ Aktionen (siehe die Einträge von ab Februar 2018 in der Rubrik „Christentum“ und Anfang Februar in dieser Rubrik).
In Wenzhou, Provinz Zhejiang, haben Gläubige auf drei Kirchen heimlich wieder rote Kreuze installiert, die sie danach durch Gebetswachen rund um die Uhr beschützten. „Es ist etwas fundamental falsch mit einer Kirche ohne Kreuz“, zitiert World Magazine einen Gläubigen aus diesen Gemeinden (Asia­News 02.03.2018; UCAN 1.,13.03.2018; World Magazine 29.01.2018).

19. März 2018:
Innere Mongolei: Untergrundpriester muss Gemeinde verlassen und als Bauer arbeiten
Untergrundpriester Ding Zhanmin, Pfarrer in Beishaliang in der Diözese Hohhot in der Inneren Mongolei, wurde – wie AsiaNews berichtete – am 19. März von Beamten des Religionsbüros des Bezirks Baotou gezwungen, seine Gemeinde zu verlassen, und nach Xilin Gol (ebenfalls Innere Mongolei) eskortiert, wo er als Bauer arbeiten soll. Vertreter der Einheitsfront hatten mittels Drohungen und Bestechungsgeldern wiederholt erfolglos versucht, Priester Ding zum Eintritt in die Patriotische Vereinigung zu bewegen. Die Gemeinde von Priester Ding sollte anschließend von der offiziellen Kirche übernommen werden. Nach Aussagen von Zeugen im Umfeld des Priesters – so AsiaNews – würden die Untergrundpriester dazu gedrängt, der Patriotischen Vereinigung beizutreten; dabei werde betont, dass „selbst der Heilige Stuhl Kompromisse eingegangen“ sei. AsiaNews führt aus: „Seit der sogenannte Dialog zwischen China und dem Heiligen Stuhl auf den Weg gebracht wurde, hat sich tatsächlich das Gerücht verbreitet, dass die Mitgliedschaft in der Patriotischen Vereinigung kein Problem mehr darstellt.“ Viele Priester der Untergrundkirche hätten den Heiligen Stuhl um Klärung gebeten, aber keine Antwort erhalten. Priester Ding war bereits einmal im Januar 2012 zusammen mit weiteren vier Priestern verhaftet worden (AsiaNews 26.03.).

25. März 2018:
Chinesische Katholiken spenden für Katastrophenhilfe
Nachdem am Palmsonntag 2017 bei dem ersten landesweiten Spendentag von den chinesischen Katholiken in 21 Diözesen insgesamt 157.000 Euro für die Katastrophenhilfe gespendet worden waren, wurde die von Jinde Charities unterstützte Aktion an diesem Palmsonntag, dem 25. März, erneut durchgeführt. Die im vergangenen Jahr gesammelten Gelder wurden von Jinde für Material, Gesundheitsfürsorge, psychologische Unterstützung und Wiederaufbau in den Regionen Hunan, Jilin, Guizhou und Hualien (Taiwan) eingesetzt (Fides 6.04.; vgl. China heute 2017, Nr. 1, Chronik, Katholische Kirche, 18. / 29. Marz 2017).

26. März 2018:
Bischof Vincent Guo Xijin von Mindong kurzzeitig von Behörden „weggebracht“
Am Montag der Karwoche wurde der „Untergrund“-Bischof mit seinem Sekretär nach einem Gespräch mit dem lokalen Religionsbüro zu Hause abgeholt, er konnte einen Tag später oder jedenfalls vor Ostern in die Diözese zurückkehren. Laut einer von UCAN zitierten lokalen Quelle wollten die Behörden verhindern, dass Bischof Guo mit der Priesterschaft der Diözese am Gründonnerstag die Chrisam-Messe feiert, weil dies seine Autorität als Bischof zum Ausdruck gebracht hätte. An Ostern 2017 war Bischof Guo zwanzig Tage lang verschleppt. Im Januar hatte es nicht offiziell bestätigte Meldungen gegeben, dass der Vatikan Bischof Guo gebeten habe, als Ortsbischof zurückzutreten, damit der kirchlich illegitime Bischof von Mindong, Zhan Silu, vom Papst anerkannt werden könne (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Informationen, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 22. Januar 2018) (AsiaNews 27.03.; nytimes.com 3.04.; UCAN 28.03.).

Sino-vatikanische Beziehungen

22. Januar 2018:
AsiaNews berichtet, dass der Vatikan die legitimen Bischöfe von Shantou und Mindong im „Untergrund“ gebeten habe, als Ortsbischöfe zurückzutreten, damit zwei illegitime Bischöfe kirchlich legalisiert und als Ortsbischöfe eingesetzt werden können
Bevor ein dem Vernehmen nach fast fertiges Abkommen über künftige Bischofsernennungen in China zwischen Vatikan und Beijing geschlossen werden kann, verhandeln beide Seiten, soweit bekannt, um eine Einigung über die künftige Rolle der 7 ohne Zustimmung des Papstes geweihten und deshalb aus kirchlicher Sicht illegitimen Bischöfe, deren Anerkennung Beijing fordert, und der 30 bis 40 von der Regierung nicht anerkannten Bischöfe im „Untergrund“. In zwei Fällen, Shantou und Mindong, sind die betreffenden Diözesen mit einem nur von Rom anerkannten Untergrundbischof und einem nur von der Regierung anerkannten offiziellen Bischof „doppelt“ besetzt (in einem dritten Fall, Qiqihar/Heilongjiang, gibt es Überschneidungen) – es kann aber nur einen Ortsbischof geben. Wie nun AsiaNews am 22. Januar unter Berufung auf lokale Quellen berichtete, wurde der 88-jährige Untergrundbischof Zhuang Jianjian von Shantou in der südchinesischen Provinz Guangdong vom 18. bis 22. Dezember 2017 von Regierungsbeamten nach Beijing eskortiert. Dort habe er am 21. Dezember zuerst drei Beamte des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten und dann eine Delegation des Heiligen Stuhls getroffen. Diese Delegation habe von Bischof Zhuang verlangt, als Ortsbischof zurückzutreten, damit der 1967 geborene Bischof Huang Bingzhang der legitime Bischof von Shantou werden könne. Huang wiederum wurde 2011 ohne päpstliche Genehmigung zum Bischof geweiht, woraufhin der Vatikan seine automatische Exkommunikation bekanntgab; er ist aus Regierungssicht der Ortsbischof von Shantou. Sodann habe – so AsiaNews weiter – die Vatikandelegation in der Diözese Mindong (Provinz Fujian) einen anderen päpstlich nicht anerkannten Bischof getroffen, den 57-jährigen Bischof Zhan Silu, der aus Regierungssicht Bischof von Mindong ist. Der vom Papst anerkannte 59-jährige Ortsbischof Guo Xijin, der dem in der Diözese Mindong die große Mehrheit bildenden „Untergrund“ angehört, sei gebeten worden, sich zum Weihbischof oder Koadjutorbischof von Bischof Zhan „herabzustufen“.
Bisher wurde diese Darstellung nicht offiziell vom Vatikan bestätigt; Kardinalstaatssekretär Parolin erwähnte im Interview (s.u.) nur allgemein den Fall, dass „jemand um ein kleines oder großes Opfer gebeten“ werden könnte. America Magazine zitierte eine anonyme vatikanische Quelle, die die Vorgänge im Wesentlichen bestätigte (s.u.). Bischof Zhuang bestätigte gegenüber UCAN das Treffen mit der Vatikandelegation in Beijing, ohne Einzelheiten zu nennen. Gegenüber Ian Johnson von der New York Times sagte Bischof Guo Xijin, indirekt den Vorgang bestätigend, wenn er ein verifizierbar echtes Dokument vom Vatikan erhalte, „dann müssen wir Roms Entscheidung gehorchen“ (siehe hierzu die Einträge vom 29. Januar 2018, 31. Januar 2018 sowie 1. und 2. Februar 2018 in dieser Rubrik). (America Magazine 2.02.2018; AsiaNews 22.01.2018; New York Times 1.02.2018; UCAN 26.01.; 1.02.2018; Vatican Insider 31.01.2018).

25., 29., 30. und 31. Januar, 2., 5. und 9. Februar sowie 11. März 2018:
Chinesische Global Times berichtet über die Entwicklungen in den sino-vatikanischen Beziehungen
Die englischsprachige Zeitung, die unter dem Dach der Parteizeitung Renmin ribao erscheint, aber manchmal etwas unabhängigere Standpunkte vertritt, berichtete detailliert über die Entwicklungen, stets bezugnehmend auf die Enthüllungen der außerchinesischen Medien. Ein Leitartikel am 5. Februar sagte, Papst Franziskus habe bezüglich der Bischofsernennungen „substantielle Zugeständnisse an China“ gemacht. Einige westliche Medien und „ein paar radikale religiöse Gruppen, die kein Recht haben, sich in Bischofsernennungen einzumischen“, seien unglücklich über die Versuche des Heiligen Stuhls, den Konflikt mit Beijing beizulegen. Das Abkommen, wenn unter Dach und Fach, werde „von gewaltigem Nutzen“ für die Katholiken sein. Früher oder später würden Beijing und der Vatikan diplomatische Beziehungen aufnehmen. Die chinesische Öffentlichkeit respektiere „generell jeden Papst“, und Papst Franziskus habe ein positives Image.

29. Januar 2018:
Kardinal Zen enthüllt, dass er dem Papst einen Brief von Bischof Zhuang übergeben und was der Papst ihm zu den Verhandlungen gesagt habe
In einem Beitrag auf seinem Blog schrieb der frühere Hongkonger Bischof Kardinal Joseph Zen – der schon lange vor zu großen Kompromissen des Vatikans gegenüber China warnt, diese aber nicht dem Papst selbst, sondern dessen Mitarbeitern zuschreibt –, dass er Papst Franziskus am 10. Januar am Ende der öffentlichen Audienz im Vatikan einen Brief von Bischof Zhuang mit Übersetzung und Begleitschreiben von ihm, Zen, überreicht habe. Am Abend des 12. Januar habe er daraufhin mit dem Papst über die Sorgen „seiner treuen Kinder in China“ sprechen können. Der Papst habe ihm gesagt: „Ja, ich habe ihnen (seinen Mitarbeitern im Heiligen Stuhl) gesagt, dass sie keinen zweiten Fall Mindszenty erzeugen sollen“. – József Mindszenty war Erzbischof von Esztergom-Budapest. Aufgrund seines Widerstandes gegen den Kommunismus war er mehrmals inhaftiert und lebte ab 1956 im Asyl in der US-Botschaft in Budapest, bis er ab 1971 auf Verlangen des Heiligen Stuhls ins Exil ging (siehe den Wortlaut von Kardinal Zens Blogbeitrag in der Dokumentation dieser Nummer).
Die Enthüllungen von AsiaNews und Kardinal Zen lösten in der Kirche in und außerhalb Chinas große Verwirrung, teilweise auch Unverständnis und Enttäuschung über den Vatikan aus; andere äußerten Zustimmung für den Dialogkurs des Vatikans (siehe zwei Beispiele in der Dokumentation).

30. Januar 2018:
Dementi des Vatikans zu „angeblichen Meinungsverschiedenheiten“ zwischen dem Papst und seinen Mitarbeitern in China-Fragen
Der Direktor des Presseamts, Greg Burke, erklärte, der Papst stehe in ständigem Kontakt mit seinen Mitarbeitern, insbesondere des Staatssekretariats, bezüglich der China-Fragen und werde detailliert informiert; es sei bedauerlich, dass Personen innerhalb der Kirche das Gegenteil behaupteten (siehe Wortlaut in der Dokumentation).

31. Januar 2018:
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin begründet im Interview, warum der Vatikan im Dialog mit China steht
Hauptziel ist die Erhaltung der Gemeinschaft

Als Leiter des Staatssekretariats ist Kardinal Parolin für die Verhandlungen mit China zuständig. Im Interview mit Vatican Insider sagte er, das Hauptziel des Dialogs mit China sei die Erhaltung der Gemeinschaft des Bischofs von Rom mit allen Bischöfen und Versöhnung zur Einheit in der Kirche Chinas. Es gehe darum, „realistische pastorale Lösungen zu finden, die es den Katholiken ermöglichen, ihren Glauben zu leben und das Werk der Evangelisierung im spezifischen chinesischen Kontext fortzusetzen“. Das Anliegen des Heiligen Stuhls sei, dass die Kirche in China „vollständig katholisch und gleichzeitig authentisch chinesisch“ sein könne. Es gebe noch viele Wunden, die nur mit dem Balsam der Barmherzigkeit geheilt werden könnten. Er versicherte, dass die Kirche „niemals die vergangenen und gegenwärtigen Prüfungen und Leiden der chinesischen Katholiken vergessen“ werde, bat aber darum, dass „niemand am Geist des Widerstandes festhält, um seinen Bruder zu verurteilen, oder die Vergangenheit als Vorwand nutzt, um neue Ressentiments und Abschottungen voranzutreiben“. Parolin versicherte auch, dass der Papst die Kontakte zu den chinesischen Behörden persönlich verfolge. „Alle seine Mitarbeiter handeln in Absprache mit ihm. Niemand ergreift private Initiativen“ (siehe den Wortlaut in der Dokumentation).

1. und 2. Februar 2018:
Ungenannte „hochrangige vatikanische Quelle(n)“ spezifiziert gegenüber Medien Vorgänge um die Bischöfe Zhuang und Guo
Abkommen über Bischofsernennungen sei fertig, aber nicht großartig

Eine ungenannt bleiben wollende „hochrangige vatikanische Quelle“ bestätigte gegenüber dem Vatikanexperten Gerard O’Connell von America Magazine den Bericht von AsiaNews vom 22. Januar im Prinzip und nannte weitere Details: Beijing habe seit Beginn der Verhandlungen verlangt, dass alle 7 illegitimen Bischöfe von Rom als Ortsbischöfe anerkannt werden. Die 5-köpfige Vatikandelegation im Dezember sei von Erzbischof Claudio Maria Celli geleitet worden. Celli habe Bischof Zhuang versichert, dass Beijing zugestimmt habe, ihn als Bischof emeritus anzuerkennen und ihn nicht zu zwingen, ein Dokument hinsichtlich der Unabhängigkeit der Kirche zu unterzeichnen. Bischof Zhuang habe weinend zugestimmt, dem Papst zu gehorchen, es sich aber nach seiner Heimkehr anscheinend anders überlegt. Bischof Guo habe beim Treffen mit der Delegation dem Vorschlag stark widersprochen, aber gesagt, er würde dem Papst gehorchen. Nach dem Gespräch mit den beiden Untergrundbischöfen könne nun beim nächsten Treffen irgendwann nach Chinesisch Neujahr dem chinesischen Verhandlungsteam das päpstliche Dekret für die Begnadigung und Legitimierung der 7 Bischöfe zur Weitergabe an [die Regierung in] Beijing übergeben und, in einem nächsten späteren Schritt, das Abkommen unterzeichnet werden. Die vatikanische Quelle sah aber eine Unterzeichnung nicht als gesichert an, da es auch in der VR China solche gebe, „die nicht wollen, dass das passiert“.
Am 1. Februar meldete Reuters ebenfalls unter Berufung auf eine hochrangige vatikanische Quelle, dass ein Abkommen über die Bischofsernennungen fertig sei und „in wenigen Monaten“ unterzeichnet werden könne. Es sei kein großartiges Abkommen, „aber wir wissen nicht, wie die Situation in 10 oder 20 Jahren sein wird. Sie könnte sogar schlechter sein.“ Danach „werden wir immer noch wie ein Vogel im Käfig sein, aber der Käfig wird größer sein“. Es werde weiter Leiden geben (America Magazine 2.02.2018; Reuters 1.02.2018).

2. Februar 2018:
Bischof Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, lobt die Chinesen als „diejenigen, die die katholische Soziallehre derzeit am besten verwirklichen“
In einem Interview mit Vatican Insider sagte der argentinische Kurienbischof, er habe bei seiner Chinareise ein außerordentliches Land angetroffen: Das Gemeinwohl stehe an oberster Stelle, es gebe keine Slums und keine Drogen, die Wirtschaft dominiere nicht die Politik wie in den USA. Beijing „verteidigt die Würde der Person“, so der Bischof. Einige Kommentatoren fanden, dass eine solche Idealisierung Chinas zu weit gehe; Bernardo Cervellera schrieb in AsiaNews, dies sei eine „ideologische Beteuerung, die die Kirche zur Zielscheibe des Spotts macht und der Welt schadet“. Laut UCAN kritisierten auch chinesische Katholiken die Äußerung des Bischofs.
Bereits im August 2017, als Bischof Sorondo sich zu einer Konferenz über Organspende und -transplantation in China aufhielt, hatte ihn die chinesische Global Times mit den Worten zitiert, China könne „ein Modell sein, das wir heute brauchen, um auf die Globalisierung zu antworten, ein Modell für die Würde und Freiheit des Menschen“ (AsiaNews 7.02.2018; UCAN 12.02.2018; Vatican Insider [spanische Ausgabe] 2.02.2018; vgl. China heute 2017, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 3./5. August 2017).

Anfang März 2018:
Einzelne chinesische offizielle Bischöfe äußern sich zu sino-vatikanischen Beziehungen, befürworten Abkommen
In der Zeit der jährlichen Sitzungen der nationalen Politischen Konsultativkonferenz (PKK, ab 3. März) und des Nationalen Volkskongresses (NVK, ab 5. März) gaben chinesische Bischöfe gegenüber verschiedenen Medien Stellungnahmen ab, die UCAN und AsiaNews zusammenfassten. Demnach sagte Bischof Fang Jianping von Tangshan, NVK-Mitglied, er hoffe, dass die sino-vatikanischen Beziehungen 2018 ein gutes Resultat erzielen; eine kirchliche Legalisierung chinesischer Bischöfe werde die Entwicklung der chinesischen Kirche fördern. Der exkommunizierte Bischof Lei Shiyin von Leshan, PKK-Mitglied, erklärte, diplomatische Beziehungen zwischen China und dem Vatikan würden sich positiv auf Chinas internationalen Einfluss auswirken. Zhan Silu, illegitimer Bischof von Mindong (siehe Eintrag vom 22. Januar 2018 in dieser Rubrik), sagte, es sei ein Durchbruch in den Beziehungen erzielt worden und es gebe keine Hindernisse, solange „ jeder nur an das Wohl der Kirche um des Friedens willens“ denke. Auf die Frage, wie die Untergrundkirche künftig zu verwalten sei, sagte er, eine gemeinsame Verwaltung sei notwendig, Gläubige, Priester und Schwestern müssten sich zusammenschließen. Bischof Shen Bin von Haimen, PKK-Mitglied, äußerte, das Thema sei sensibel. Die genannten Bischöfe haben alle führende Positionen in den offiziellen katholischen Leitungsgremien inne, ihre gehäuften Wortmeldungen zu dem Thema waren sehr ungewöhnlich. Drei chinesische Bischöfe sind Abgeordnete des NVK (AsiaNews 13.03.2018; UCAN 12.03.2018).

12.–13. März 2018:
Vertreter Chinas nehmen an Konferenz gegen Organhandel im Vatikan teil
Wang Haibo, stellvertretender Leiter des China Organ Transplant Response System, das die amtliche Zuteilung von Organspenden in der VR China regelt, sagte laut AP am 14. März auf einer Pressekonferenz, dass China daran arbeite, den Untergrundhandel mit Organen zu verhindern, der an entlegenen, nicht-medizinischen Orten stattfinde und nicht leicht zu identifizieren sei; man versuche, ihm u.a. durch die Überwachung der Kommunikation zwischen potentiellen Käufern und Anbietern auf die Spur zu kommen. In den letzten 10 Jahren seien 220 Verhaftungen wegen illegalen Organhandels vorgenommen und 100 Opfer gerettet worden. Während der Konferenz waren die Medien nicht zugelassen.
Seit 1. Januar 2015 trat in China eine Regelung in Kraft, der zufolge für Transplantationen nur noch Organe von freiwilligen Spendern (statt wie vorher von exekutierten Strafgefangenen) verwendet werden dürfen; unabhängige Inspektionen weist es jedoch zurück (AP nach Washington Times 14.03.2018; Global Times 11.03.2018).
Am 7.–8. Februar 2017 hatten erstmals chinesische Vertreter an einer Konferenz zu Organhandel im Vatikan teilgenommen; im August 2017 nahm der Leiter der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Bischof Sorondo, an einer Konferenz über Organspende in Kunming teil (vgl. China heute 2017, Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 7.-8. Februar 2017; Chronik, Sino-vatikanische Beziehungen, 3./5. August 2017).

22.–23. März 2018:
Symposium „Christianity in the Chinese Society: Impact, Interaction and Inculturation“ an der Päpstlichen Gregoriana
Religionswissenschaftler aus staatlichen Akademien und Universitäten der Volksrepublik China, westliche Sinologen sowie Theologen der Päpstlichen Universität Gregoriana und des Holy Spirit Seminary in Hongkong hielten Vorträge. Bischof Yang Xiaoting von Yulin, ein Vizevorsitzender der offiziellen chinesischen Bischofskonferenz, thematisierte laut UCAN die Vorbildfunktion der katholischen Kirche in der chinesischen Gesellschaft durch ihre sozialen Dienste, dies sei eine wichtige Form der Adaption. Kardinal John Tong (Hongkong) sprach in seiner Willkommensrede über die Unverzichtbarkeit des Dialogs. Unter den Teilnehmern waren auch Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär des Heiligen Stuhls für die Beziehungen mit den Staaten (er hielt eine Rede), und Erzbischof Claudio Maria Celli, der Berichten zufolge zumindest die letzte Vatikandelegation nach Beijing geleitet haben soll. Mitveranstalter war laut Programm die Yuan Dao Study Society aus Hongkong, die in den letzten Jahren katholischerseits solche Konferenzen zwischen katholischen und chinesischen Wissenschaftlern und chinesischen Religionspolitikvertretern bereits in Hongkong und Beijing mitorganisiert hat. In dieser Zusammensetzung und an diesem Ort war das Symposium sicher etwas Neues. Es wurde, so America Magazine, „von Beobachtern als klares Zeichen der Verbesserung der sino-vatikanischen Beziehungen gesehen“ (America Magazine 28.03.; Hong Kong Sunday Examiner 14.04.; UCAN 28.04.; Vatican Insider 22.03.; Plakat und Programm der Konferenz).

Ende März:
Medien spekulieren über „Karwochen-Deal“ zwischen China und dem Vatikan
Die Spekulationen gingen zum einen auf einen Blogbeitrag von Kardinal Joseph Zen (Hongkong) zurück, der am 15. März geschrieben hatte, er werde erst aufgeben, wenn „die unglückliche Unterzeichnung passiert, was Gerüchten zufolge am 23. oder 27. März sein wird“. Auf der anderen Seite zitierte die chinesische parteinahe Global Times am 28. März Bischof Guo Jincai mit den Worten, ein Abkommen könnte schon Ende dieses Monats unterzeichnet werden, die Verhandlungen hätten das „Endstadium“ erreicht und der Zeitpunkt hänge von „technischen Fragen“ ab. Guo ist Generalsekretär der offiziellen chinesischen Bischofskonferenz und einer der sieben vom Papst nicht anerkannten Bischöfe. Global Times schrieb aber auch, dass Wang Meixiu von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften Guos Optimismus nicht teile, zum einen wegen Klärungsbedarf in der Frage der illegitimen Bischöfe, zum anderen da, so Wang, „rechtliche und politische Änderungen in China auch in die Überlegungen einbezogen werden müssen“. Die Zeitung verwies dabei auf die neuen „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ und die Übernahme der Aufgaben des Staatlichen Büros für religiöse Angelegenheiten durch die Einheitsfrontabteilung der Partei. Am 28. März sagte Lu Kang, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, China sei bereit, dem Vatikan auf halbem Weg entgegenzukommen, um einen konstruktiven Dialog zu fördern (CNN 1.04.; globaltimes.cn 28.03.; UCAN 21.03.; 4.04.).

29. März 2018:
Pressesprecher des Heiligen Stuhls dementiert, dass der Vatikan kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens mit Beijing steht
Vatican News meldete dies und schrieb: „In Antwort auf Fragen von Journalisten am [Grün-]Donnerstag sagte Greg Burke, es gebe kein ‚unmittelbar bevorstehendes‘ Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China. Er fügte hinzu, dass Papst Franziskus in ‚ständigem Kontakt‘ mit seinen Beratern über die Situation der Kirche in China bleibe und den Fortschritt verfolge, der im Dialog zwischen den beiden Seiten stattfindet“ (Vatican News 29.03.).

Taiwan

10. Februar 2018:
Gebetsperlen auf einer Smartphone-App
Der taiwanische Technologie-Konzern Acer möchte die alte buddhistische Gebets­praxis des Drehens von Gebetsperlen in den Händen in das 21. Jh. befördern, berichtet Anne Wisman von Buddhistdoor Global. Die Gebetsperlen, Mala genannt, werden seit Jahrhunderten zur Zählung der Rezitationen von bestimmten buddhistischen Gebeten benutzt. Eine höhere Anzahl von Gebeten wird mit dem Erlangen von mehr gutem Karma verbunden. Acer bewirbt diese smarten Mala damit, dass nun die Betenden nicht mehr durch das Zählen ihrer Gebetsdurchgänge abgelenkt würden und sich besser auf das eigentliche Gebet konzentrieren könnten. Es wird vermittelt, dass so die Qualität des Gebets durch innovative Nutzung von smarter Technik erhöht werden kann. Diese Fortschritte im Gebetsleben können dann, ganz im gegenwärtigen Trend der Nutzung von Smartphone Apps zur statistischen Observierung des Alltags, mit Hilfe einer mitgelieferten App von Acer dokumentiert werden. Diese Fortschritte werden dann als „Online-Verdienste“ vermerkt, so Taiwan News. Einige buddhistische Internetkommentatoren sehen diese Entwicklung allerdings skeptisch, da Acer offensichtliche kommerzielle Interessen verfolge, wenn es dieses Produkt unter taiwanischen buddhistischen Organisationen vermarkte (Buddhistdoor Global 13.02.2018; Taiwan News 10.02.2018).


Katharina Wenzel-Teuber
Katharina Feith
Isabel Hess-Friemann
Gregor Weimar

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2018.

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