Brückenbau für die globale Zukunft Erfahrungen in Shanghai durch neun Jahre

Annette Mehlhorn
1989 erlebte ich in Berlin den Mauerfall gemeinsam mit einem chinesischen Freund aus der Theaterszene. Unter dem Titel „Traum der Lotosblüte“ entwickelten wir damals eine Performance zu dem, was zeitgleich in Peking geschah. Viele Jahre später ermutigte mich dieser Freund, mich auf eine Stelle in Shanghai zu bewerben. So brach ich also im März 2013 zum „Look and See“-Trip nach Shanghai auf, um mich der dortigen Gemeinde vorzustellen. Im Herbst desselben Jahres trat ich dort meine Stelle an.
„Shanghai ist nicht China“ – wurde ich damals belehrt. In ihrer überwältigenden Fülle und Größe brachte die „Stadt der Zukunft“, wie sie mein katholischer Kollege zu nennen pflegte, mich zunächst an den Rand der Überforderung. Mit der Zeit lernte ich, die Vielfalt und den Reichtum der Metropole am Huangpu zu verstehen und mich in ihr zu orientieren. Dazu halfen vor allem geführte Spaziergänge durch einzelne Gassen und Winkel der Stadt. Sehr bald begann ich selbst, Menschen bei thematisch fokussierten Walks durch Geschichte und Gegenwart der Mega-City zu führen. Je länger ich in Shanghai lebte, umso öfter begann ich solche Spaziergänge mit den Worten „Ich habe in Jerusalem, Rom und Berlin gelebt, aber Shanghai übertrifft sie alle!“ Als „Chinas Tor zur Welt“ atmete die Stadt der Zukunft einen ganz besonderen freien Geist, verbunden mit der Bereitschaft zur Integration sehr unterschiedlicher kultureller Besonderheiten. Der Brückenbau zwischen Ost und West gehörte selbstverständlich dazu. Außer mir zog dieser freie Geist von Shanghai auch viele deutschsprachige Führungskräfte in den Bann, die zum Teil schon seit über 40 Jahren hier eine neue Heimat gefunden hatten.
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