Kardinal Zen auf Kaution wieder freigelassen

Nach der Verhaftung des 90-jährigen Kardinal Joseph Zen und drei Aktivisten wurden diese von der nationalen Sicherheitspolizei einige Stunden später gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die vier Verhafteten waren Treuhänder des "612 Humanitarian Relief Fund", der Hongkonger Demonstranten bei der Zahlung ihrer Kosten für Rechtsberatung und medizinische Versorgung unterstützt hatte. Hui Po-keung, ein bekannter Kulturwissenschaftler, wurde am 10. Mai am Flughafen festgenommen, Anwältin Margaret Ng Ngoi-yee und die Aktivistin und Popsängerin Denise Ho Wan-see zusammen mit Kardinal Zen am 11. Mai. Ein weiterer Angeklagter und ehemaliger Gesetzgeber, Cyd Ho, wurde bereits in einem anderen Fall inhaftiert und bleibt Berichten zufolge im Gefängnis.

Der Fonds wurde im vergangenen Jahr aufgelöst, nachdem die nationale Sicherheitspolizei der Stadt die Herausgabe operativer Details, einschließlich Informationen über seine Spender und Begünstigten, verlangt hatte.

In einer Erklärung teilte die Hongkonger Polizei mit, dass die Abteilung für nationale Sicherheit am 10. und 11. Mai zwei Männer und zwei Frauen wegen "geheimen Absprachen mit ausländischen Kräften" verhaftet habe, die verdächtigt wurden, ausländische Sanktionen gegen die Verwaltung Hongkongs gefordert zu haben. Wie die Polizei mitteilte, wurden alle gegen Kaution freigelassen, ihre Pässe wurden jedoch im Rahmen des Gesetzes über die nationale Sicherheit beschlagnahmt.

Kardinal Zen wurde vor seiner Freilassung mehrere Stunden lang auf dem Polizeirevier Chai Wan in der Nähe seines kirchlichen Wohnsitzes verhört, wie Reuters berichtete. Er verließ die Polizeistation, ohne sich gegenüber den Medien zu äußern.

Bereits im Januar war Kardinal Zen von der pekingnahen Hongkonger Zeitung Ta Kung Po heftig attackiert worden. Der Artikel behauptete, der ehemalige katholische Bischof der Diözese Hongkong habe lange Zeit seinen Status als Geistlicher missbraucht, um sich für Aktivitäten gegen China und Hongkong zu engagieren und „in Hongkong Aufruhr zu stiften“. Kardinal Zen äußerte sich damals nicht dazu. Der Kardinal Zen ist seit langem als offener Befürworter von Demokratie und Menschenrechten und als scharfer Kritiker der zunehmend autoritären Herrschaft Chinas unter Präsident Xi Jinping bekannt.

Die Verhaftung von Kardinal Zen löste weltweite Empörung und Verurteilung aus. Der Vatikan äußerte sich unmittelbar nach der Verhaftung. Auf Nachfragen von Journalisten sagte Vatikansprecher Matteo Bruni, dass der Heilige Stuhl die Nachricht von der Verhaftung von Kardinal Zen mit Besorgnis zur Kenntnis genommen habe und die Entwicklung der Situation sehr genau verfolge.

Für die Kirche Hongkongs ist diese Verhaftung sicherlich eine Warnung Pekings. Im Zusammenhang mit den sino-vatikanischen Verhandlungen sahen nicht wenige Katholiken in China Kardinal Zen als die Stimme des Untergrunds. So dürfte diese Verhaftung auch Auswirkungen auf den weiteren Dialog des Vatikans mit China haben. Im Oktober dieses Jahres muss die vorläufige Vereinbarung evaluiert und eventuell verlängert werden.

Die Diözese Hongkong äußerste sich am 12. Mai mit einer schriftlichen „Reaktion der katholischen Diözese Hongkong auf den Vorfall von Cardinal Joseph Zen“ wie folgt: „Die katholische Diözese Hongkong ist äußerst besorgt über den Zustand und die Sicherheit von Kardinal Joseph Zen und wir beten besonders für ihn. Wir haben immer die Rechtsstaatlichkeit hochgehalten. Wir vertrauen darauf, dass wir in Hongkong auch in Zukunft die Religionsfreiheit gemäß dem Grundgesetz genießen werden. Wir fordern die Polizei und die Justizbehörden in Hongkong auf, den Fall von Kardinal Zen im Einklang mit der Gerechtigkeit und unter Berücksichtigung unserer konkreten menschlichen Situation zu behandeln. Als Christen sind wir der festen Überzeugung: ‚Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen‘ (Ps. 23,1)“.

China-Zentrum, 11./12. Mai 2022

Reuters 11.05.2022; Ta Kung Po 27.01.2022; The Standard 11.05.2022; UCANews 11.05.2022

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