Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Januar bis 31. März 2021

Religionspolitik

Dezember 2020 bis März 2021:
Religionen in der Corona-Pandemie
Ab Anfang Juni 2020 begann der monatelang dauernde Prozess der Wiederöffnung der religiösen Stätten nach dem landesweiten Lockdown (vgl. China heute 2020, Nr. 2-3, Informationen). Für die Wintermonate ist das Bild unvollständig. An Weihnachten wurden in verschiedenen Teilen Chinas unter Präventionsmaßnahmen katholische Gottesdienste abgehalten, wie Berichte des katholischen Portals Xinde zeigen; an anderen Orten, wie z.B. in Shijia­zhuang, mussten sie abgesagt werden. Laut einem Bericht der China Christian Daily über protestantische Weihnachtsgottesdienste in Beijing mussten die meisten Kirchen, darunter die Haidian-Kirche, die Gangwashi-Kirche und die Fengtai-Kirche, ihre Gottesdienste kurzfristig ins Internet verlegen. In dem Beitrag wird einer der wenigen unter sehr umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen stattfindenden Präsenz-Gottesdienste in Beijing beschrieben; in der Kirche war Fotografieren verboten und die Mobiltelefonsignale waren blockiert.
Anfang Januar gab es Corona-Ausbrüche in den Provinzen Hebei (siehe den Beitrag vom 7. Januar 2021 in der Rubrik „Katholische Kirche“), Heilongjiang und Jilin. Am 8. Januar 2021 wurden alle 155 religiösen Stätten in Beijing geschlossen. Ein Rundschreiben des Staatsrats vom 18. Januar wies alle Provinzen an, aufgrund steigender Infektionen die Prävention zu verstärken und u.a. auf dem Land „kollektive Aktivitäten in religiösen Stätten vorübergehend einzustellen und illegale religiöse Aktivitäten gemäß dem Gesetz zu stoppen“. Die Zentralregierung rief die Bevölkerung im Vorfeld des Chinesischen Neujahrsfests (12. Februar) dazu auf, auf Reisen möglichst zu verzichten. Einer Bekanntmachung der Chinesischen buddhistischen Vereinigung vom 27. Januar ist zu entnehmen, dass zwar kollektive religiöse Aktivitäten in Tempeln eingestellt, aber Tempelbesuche in kontrollierter Weise weiter möglich sein sollten. Am 16. März 2021 meldete Xinde, dass „nach Sichuan und Zhejiang nun auch Beijing, Shanghai, Chongqing, Jiangxi, Xi’an in Shaanxi, Baotou und Chifeng in der Inneren Mongolei ihre Stätten für religiöse Aktivitäten nacheinander wieder geöffnet haben oder demnächst öffnen werden“ (AsiaNews 8.,9.01.2021; chinabuddhism.com 28.01.2021; chinachristiandaily.com 28.12.2020/4.01.2021; gov.cn 18.01.2021; NZZ 4.02.2021; scmp.com 8.01.2021; xinde.org 16.03.2021).

4. Dezember 2020:
ChinaAid: Grundschullehrer im Wen­zhouer Bezirk Longwan mussten eine Verpflichtung unterzeichnen, nicht an eine Religion zu glauben
Wie die in den USA ansässige Organisation ChinaAid meldete, wurden Lehrer von Grundschulen im Bezirk Longwan in der Stadt Wenzhou (Zhejiang) aufgefordert, eine „Verpflichtung für Lehrpersonal, nicht an eine Religion zu glauben“ (教师不信教承诺书) zu unterzeichnen. Eine örtliche Quelle berichtete, dass an ihrer Schule das Lehrpersonal am 30. November in einer Versammlung ein Formular ausfüllen musste, von dem ChinaAid ein Foto zeigte. Das Formular enthält Felder für Angaben zur Person und eine zu unterzeichnende Erklärung von 4 Punkten. Punkt 1 verpflichtet dazu, „fest in der marxistischen Auffassung von Religion zu stehen, atheistische Erziehung und Bildung zu stärken, nicht an Religion zu glauben, an keinerlei religiösen Aktivitäten teilzunehmen und an keinem Ort Religion zu predigen und zu verbreiten“. Der/die Unterzeichnende verpflichtet sich außerdem, sich nicht an „Kulten“ wie Falungong zu beteiligen, keinen „feudalen Aberglauben“ zu betreiben und sich stattdessen für den Sozialismus und den „Auftrag, für Partei und Staat Menschen heranzuziehen“, einzusetzen. Lehrer, die der KP angehören, mussten der Quelle zufolge das Formular „Verpflichtung für Parteimitglieder, nicht an eine Religion zu glauben“ ausfüllen. Laut ChinaAid sind 10% der Bevölkerung von Wenzhou Christen (Asia­News 10.12.2020; chinaaid.net 4.12.2020).
Schon früher wurde gemeldet, dass sich an einigen Orten Schüler und ihre Eltern schriftlich verpflichten mussten, nicht an religiösen Aktivitäten teilzunehmen (vgl. China heute 2018, Nr. 3, Chronik, Religionspolitik, 2. September 2018; 2020, Nr. 2-3, Chronik, Religionspolitik, 12. Juni 2020). Seit einigen Jahren gibt es zudem aus einer zunehmenden Zahl von Orten in China Berichte, dass Minderjährige keine Gottesdienste besuchen und nicht am Religionsunterricht teilnehmen dürfen.

4. Januar / 21. Februar 2021:
Zentrales Dokument Nr. 1“ zur Revitalisierung des ländlichen Raums fordert verstärktes Vorgehen gegen „illegale religiöse Aktivitäten auf dem Land“
Das erste politische Dokument des Jahres 2021 – das „Zentrale Dokument Nr. 1“ des Zentralkomitees der KP Chinas und des Staatsrats – behandelt, wie schon die entsprechenden Dokumente der Vorjahre, Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum. In Abschnitt 25, „Stärkung des Aufbaus einer geistigen Zivilisation“, findet sich ein Satz zum Thema Religion, mit ausschließlich negativen Konnotationen; er lautet: „Mit vermehrter Kraft illegale religiöse Aktivitäten und ausländische Infiltrationsaktivitäten auf dem Land bekämpfen, gemäß dem Gesetz der Einmischung in ländliche öffentliche Angelegenheiten mittels Religion Einhalt gebieten.“ Der gleiche Satz stand bereits im Dokument Nr. 1 von 2018 (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Chronik, Religionspolitik, 4. Februar 2018). In erster Linie geht es in Abschnitt 25 um die Vertiefung der ideologischen Erziehung. Unter anderem sollen in den Dörfern Propagandaaktivitäten mit dem Motto „Auf die Partei hören, die Güte der Partei fühlen, mit der Partei gehen“ durchgeführt werden – diese Parole ist im Vorfeld des 100. Gründungstags der KP Chinas im Juli 2021 omnipräsent. Der chinesischen bäuerlichen Zivilisation sollen neue zeitgenössische Inhalte verliehen, ländliche Sitten und Gebräuche transformiert und vereinfacht werden. Durch Praktiken wie Punktesammelsysteme, „Moralbewertungsgremien“ (daode pingyihui 道德评议会) oder „Rot-Weiß-Räte“ (hongbai lishihui 红白理事会) [die Farben stehen für Hochzeit und Trauer] sollen schlechte Sitten wie hohe Brautpreise, üppige Begräbnisse, Verschwendung und „feudaler Aberglaube“ reguliert und gute, einfache Sitten gefördert werden (Dokument unter www.sara.gov.cn/ywdt/351548.jhtml, datiert 4.01., veröffentlicht 21.02.2021; rfa.org 25.02.2021).

5. Januar 2021:
„Vorschriften der Kommunistischen Partei Chinas für die Einheitsfrontarbeit“ veröffentlicht – Parteimitglieder dürfen nicht an eine Religion glauben
Es handelt sich um eine überarbeitete Version der 2015 zum probeweisen Gebrauch veröffentlichten Erstfassung. Das parteiinterne Dokument enthält ein Kapitel über „Religionsarbeit“, also den Umgang der Partei mit den Religionen. Neben bekannten Prinzipien der chinesischen Religionspolitik beinhaltet das Kapitel (wie schon die Fassung von 2015) den Grundsatz: „Mitglieder der Kommunistischen Partei sollen sich mit den religiös gläubigen Massen zusammenschließen, aber sie dürfen nicht an eine Religion glauben.“ Eine Übersetzung des Kapitels über die Religionsarbeit der 中国共产党统一战线工作条例 findet sich in der Dokumentation.

7. Februar 2021:
Wang Yang empfängt Verantwort­liche der offiziellen Organisationen der Religionen
Bei dem Treffen anlässlich des bevorstehenden Frühlingsfests sagte der Vorsitzende der Politischen Konsultativkonferenz zu den versammelten Religionsführern unter anderem: „Die Feier des 100-jährigen Bestehens der Kommunistischen Partei Chinas sollte Anlass sein, die schöne Tradition der Einheit, Zusammenarbeit und Harmonie zwischen den religiösen Kreisen unseres Landes und der Kommunistischen Partei Chinas fortzuführen, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas entschlossen zu unterstützen und die ‚fünf Identifikationen‘ kontinuierlich zu fördern“ (people.com.cn 8.02.2021).
Aus vielen Berichten geht hervor, dass die Religionen (zusammen mit allen anderen Sektoren der Gesellschaft) aufgerufen sind, die Partei anlässlich ihres Geburtstags zu feiern und Loyalitätserweise zu erbringen; vgl. hierzu die Einträge vom 8. März 2021 in der Rubrik „Buddhismus“ und vom 16. Februar 2021 in der Rubrik „Katholische Kirche“.
Die KPCh wurde im Juli 1921 in Shanghai gegründet.

9. Februar 2021:
„Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Amtsträger“ verabschiedet
Am 9. Februar veröffentlichte das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) „Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Amtsträger“ (im Folgenden kurz: „Maßnahmen“), die am 1. Mai 2021 in Kraft treten werden. Bisher gab es keine solch umfassende Rechtsnorm für die staatliche Verwaltung dieses Aspekts des religiösen Lebens. Die neuen „Maßnahmen“ wurden am 18. November 2020 zunächst als Entwurf für die Einholung öffentlicher Meinungen veröffentlicht (siehe China heute 2020, Nr. 4, Chronik, Religionspolitik, 18. November 2020, mit einem ersten Überblick über den Inhalt). Eine Übersetzung des sehr restriktiven Dokuments erscheint in einer der nächsten Ausgaben von China heute. Die Bestimmungen der „Maßnahmen“, dass religiöse Amtsträger „am Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung der Religionen“ festhalten müssen (§ 3) und dass „katholische Bischöfe von der [seitens Rom nicht anerkannten] Chinesischen katholischen Bischofskonferenz approbiert und geweiht“ werden (§ 16), bezeichnete Massimo Introvigne von Bitter Winter als „Schlag ins Gesicht des Vatikans“. Anthony Lam, ein Hongkonger Experte für die katholische Kirche in China, sagte jedoch der South China Morning Post, dass das sino-vatikanische Abkommen, das dem Papst das letzte Wort bei den Bischofsernennungen gebe, nicht berührt würde. Im Kontext der Problematik, dass katholische Kleriker im Untergrund von den Behörden an vielen Orten unter Druck gesetzt werden, gegen ihr Gewissen Erklärungen zur Unterstützung des Prinzips der Unabhängigkeit zu unterzeichnen, ist eine Änderung in der Endfassung der „Maßnahmen“ gegenüber dem Entwurf vom 18. November zu beachten: § 13 enthält die Bestimmung, dass die nationalen religiösen Organisationen die Voraussetzungen für die Anerkennung der religiösen Amtsträger der eigenen Religion festlegen; in der Endfassung wurde an dieser Stelle eingefügt, „die Voraussetzungen für die Anerkennung müssen die in § 3 dieser Maßnahmen festgelegten Bestimmungen enthalten“ – also auch das Festhalten am Prinzip der Unabhängigkeit (Text der „Maßnahmen“ unter www.sara.gov.cn/ywdt/351324.jhtml; englische Übersetzung und Kommentar unter https://bitterwinter.org/enter-the-administrative-measures-for-religious-clergy; scmp.org 19.02.). Siehe auch den Beitrag in den Informationen.

Daoismus

27.–28. November 2020:
10. Nationalversammlung der Vertreter der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV)
Die 352 daoistischen Delegierten und 48 Gäste trafen sich in Jurong (Jiangsu) am Mao­shan-Gebirge. Die Versammlung wählte turnusgemäß eine neue Führungsriege der CDV: einen 204-köpfigen Vorstand und einen Ständigen Vorstand mit 92 Mitgliedern. Der daoistische Priester Li Guangfu (geb. 1955), der auch Präsident der Daoistischen Vereinigung vom Wudangshan ist, wurde als Präsident der CDV wiedergewählt. Ihm stehen künftig 18 Vizepräsidenten zur Seite. Li Hanying wurde Generalsekretär. Die Satzung der CDV und weitere Dokumente wurden revidiert, 7 neue Regelungen wurden verabschiedet, darunter „Verhaltensnormen für daoistische religiöse Amtsträger“. Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Direktor des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, hob in seiner Rede bei der Nationalversammlung u.a. hervor, dass die CDV in den letzten Jahren die Ordinationszeremonien der Quanzhen-Schule „wiederhergestellt“ und die Liturgie der Registerverleihung (Ordination) der Zhengyi-Schule „weiter normiert“ habe. Als gravierende Probleme nannte er eine unzureichende innere Motivation zur Sinisierung des Daoismus (sic!), mangelnde Disziplin in manchen Klöstern, Leidenschaft für Wahrsagerei und Fengshui sowie generell eine niedrige „Qualität“ des Klerus. Für die Zukunft forderte Wang die Daoisten auf, den „patriotischen Geist“ zu fördern, u.a. anlässlich der Hundertjahrfeier der Gründung der KP Chinas; eine klare Grenze zwischen „normalen religiösen Aktivitäten“ und „feudalem Aberglauben“ zu ziehen und entschlossenen Widerstand gegen alle „illegalen und gesetzwidrigen Aktivitäten, die den Daoismus benutzen“, zu leisten. Er rief den Daoismus auf, bei der Interpretation seiner Lehren und Regeln „mit der Zeit zu gehen“. Der „Stil“ des Daoismus sei zu korrigieren, die „Gebote zum Meister zu machen“ (yi jie wei shi 以戒为师). Die traditionellen daoistischen Gebote und Regeln (jielü 戒律) müssten geordnet, vereinfacht und vereinheitlicht werden, so Wang. Das System für den Ausschluss aus dem daoistischen Klerus müsse verbessert und ein webbasiertes Nachschlagesystem für ausgeschlossene Personen eingerichtet werden, damit, „wer an einem Ort gegen die Gebote (jie 戒) verstoßen hat, überall in die Schranken gewiesen wird“ (sara.gov.cn 15.12.; taoist.org.cn 18.12.; zytzb.gov.cn 30.11.).
Die Nationalversammlungen sind die höchsten offiziellen Gremien der fünf anerkannten Religionen, sie tagen turnusmäßig alle fünf Jahre. Die 9. Nationalversammlung der Daoisten fand vom 26.–29. Juni 2015 in Beijing statt; vgl. China heute 2015, Nr. 3, Chronik, 26.-29. Juni 2015.

Volksglaube

21. Dezember 2020:
Maßnahmen der Provinz Guangdong für die Verwaltung der Registrierung und Nummerierung von Stätten für Volksglaubensaktivitäten werden erlassen
In der Volksrepublik China konnten lange nur Stätten der anerkannten „fünf Religionen“ einen legalen Status durch Registrierung beim Staat erlangen. Seit einiger Zeit erproben die Behörden Methoden, traditionelle volksreligiöse Praktiken offiziell zuzulassen und in die staatliche Verwaltung aufzunehmen. Als erstes erließ im Jahr 2009 die Provinz Hunan Verwaltungsmaßnahmen zur Registrierung volksreligiöser Stätten (vgl. China heute 2011, Nr. 2, Dokumentation, Themen). Die im Dezember erlassenen Maßnahmen der Provinz Guangdong (广东省民间信仰活动场所登记编号管理办法) definieren Volksglauben als „Phänomene des nicht institutionalisierten Glaubens, bei denen eine Vielzahl von Gottheiten verehrt wird, mit dem Hauptzweck, um Segen zu beten und Schaden abzuwenden, die eng mit Brauchtumsaktivitäten verbunden sind und spontan im Volk weitergegeben werden“. Konfuziustempel (wenmiao 文庙) und Ahnenhallen von Clans (zongzu citang 宗族祠堂) zählen nicht als Stätten für Volksglaubensaktivitäten im Sinn der Maßnahmen (§ 2). Volkglaubensstätten, die eine Grundstücksfläche von mindestens 500 qm oder eine Gebäudefläche von mindestens 300 qm haben oder jährlich eine Einzelaktivität mit mindestens 1.000 Teilnehmern abhalten, müssen registriert und nummeriert (dengji bianhao 登记编号) werden. Kleinere Stätten werden registriert und archiviert, sie erhalten keine Nummer; wie die größeren Stätten werden sie in das „Verwaltungssystem für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Provinz Guangdong“ eingespeist (§ 4). Das Dorf- oder Einwohnerkomitee des Ortes, an dem die Stätte sich befindet, organisiert, dass das demokratische Verwaltungsgremium der Stätte bei der Regierung auf Gemeindeebene einen Antrag unter Beifügung der notwendigen Unterlagen (u.a. Nachweis über Eigentums- oder Nutzungsrecht der Immobilie) stellt. Diese leitet ihn nach Überprüfung an die Regierung auf Kreis­ebene weiter, welche dann das entsprechende Registrierungszertifikat ausstellt (§ 5).
Durchführungsmaßnahmen der Stadt Ningbo (Provinz Zhejiang) vom 16. November 2020 zum gleichen Thema nennen als Ausschlusskriterien für die Registrierung als Stätte für Volksglaubensaktivitäten u.a.: „es wohnt dort ständig ein religiöser Amtsträger“ (sic!) und „es werden häretische (xiejiao 邪教), abergläubige und andere illegale Aktivitäten durchgeführt“ (Dokumente unter http://mzzjw.gd.gov.cn/gkmlpt/content/3/3155/post_3155269.html#617 und www.ningbo.gov.cn/art/2020/11/16/art_1229096003_983380.html).

Buddhismus

27. Dezember 2020:
Im „Tibet Policy and Support Act“ drohen die USA mit Sanktionen im Fall einer Einmischung des chinesischen Staates in die Nachfolge des Dalai Lama – China weist dies zurück
Am 27. Dezember unterzeichnete der damalige US-Präsident Donald Trump den Tibet Policy and Support Act. Das Gesetz fordert, dass die Nachfolge der tibetisch-buddhistischen Führer, einschließlich des Dalai Lama, allein den tibetischen Buddhisten überlassen werden solle. Chinesische Beamte, die sich in den Prozess der Auswahl tibetisch-buddhistischer Führer einmischen, sollen mit Sanktionen belegt werden, einschließlich der Verweigerung der Einreise in die USA. Schon die Verabschiedung des Gesetzentwurfs durch das US-Repräsentantenhaus am 28. Januar 2020 hatte Chinas Außenamtssprecherin Huang Chunyin als schwere Verletzung der Grundsätze internationaler Beziehungen und Einmischung in innere Angelegenheiten Chinas zurückgewiesen. In einem langen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur China News Service, das am 14. Januar d.J. veröffentlicht wurde, wies Zhu Weiqun, früherer Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, ebenfalls das Gesetz zurück und erläuterte noch einmal den offiziellen chinesischen Standpunkt zur Reinkarnation des Dalai Lama. Tibet und die Nachfolge des Dalai Lama seien eine innere Angelegenheit Chinas. Noch nie sei die Reinkarnation eines Dalai Lamas vom vorherigen persönlich entschieden worden; sie müsse ein bestimmtes Verfahren durchlaufen, dessen Kern die Anerkennung der obersten Autorität der chinesischen Zentralregierung in Angelegenheiten der Reinkarnation lebender Buddhas sei. Wenn die USA und der Dalai Lama nun behaupteten, dass nur der Dalai Lama selbst das Recht habe, seinen Nachfolger zu bestimmen, und der nächste „sogenannte Dalai“ auf solche Weise erzeugt würde, könne dies nur ein „falscher Dalai“ sein (AsiaNews 22.12.2020; chinanews.com 14.01.2021; fmprc.gov.cn 29.01.2020).
2007 hat die chinesische Regierung „Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation Lebender Buddhas“ erlassen. Der heute 85-jährige 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso hat 2011 in einer ausführlichen Erklärung zur Frage seiner Reinkarnation festgelegt, dass er im Alter von etwa 90 Jahren mit anderen hohen Lamas entscheiden werde, ob die Reinkarnation des Dalai Lama weitergehen solle, und falls ja, klare Anweisungen dafür hinterlassen werde. Kein von anderen, etwa den Machthabern der VR China, ausgewählter Kandidat solle anerkannt werden (Texte der Dokumente in China heute 2007, Nr. 6, Dokumentation, und 2012, Nr. 1, Dokumentation).

21. Januar 2021:
Human Rights Watch: 19-jähriger tibetischer Mönch stirbt nach Entlassung aus dem Polizeigewahrsam
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation war der Mönch Tenzin Nyima aus dem Kloster Dza Wonpo im tibetischen Bezirk Ganzi (Kardze) am 9. November 2019 wegen Beteiligung an einem kurzen Protest für die Unabhängigkeit Tibets verhaftet worden. Er sei im Mai 2020 entlassen, aber am 11. August erneut verhaftet worden, vermutlich, weil er Informationen über seine Haft online weitergegeben hatte. Im Oktober hätten die Gefängnisbehörden seine Familie aufgefordert, ihn wegen seines Gesundheitszustands aus dem Gefängnis abzuholen. Nach Angaben von Exiltibetern mit Kenntnis des Falls habe er schwere Verletzungen aufgewiesen, was sie auf Misshandlung in Haft zurückführten. Nach vergeblichen Versuchen medizinischer Behandlung starb Tenzin Nyima im Januar 2021. Der Prozess gegen ihn und sechs weitere in den Protest involvierte Tibeter (darunter vier Mönche des Klosters Wonpo) fand laut HRW am 10. und 12. November 2020 am Mittleren Volksgerichtshof von Sershul statt. Am 14. Dezember 2020 wurden die sechs anderen Tibeter zu Haftstrafen von einem bis fünf Jahren verurteilt (hrw.org 21.01.2021).

5. Februar 2021:
„Liste der Lebenden Buddhas des tibetischen Buddhismus in Sichuan“ mit 411 Namen veröffentlicht
Die Liste verzeichne 411 „von der Regierung anerkannte Lebende Buddhas“ in den tibetischen Bezirken der Provinz, davon 119 im Autonomen Bezirk Aba (tibet. Ngawa) der Tibeter und Qiang, 291 im Autonomen Bezirk Ganzi (Kardze) der Tibeter und 1 im Autonomen Kreis Muli der Tibeter, heißt es in der Pressemeldung, die u.a. auf der Website der Chinesischen buddhistischen Vereinigung erschien (chinabuddhism.com 5.02.2021). Sie wurde von der KP-Einheitsfrontabteilung, der Religionsbehörde und der Buddhistischen Vereinigung der Provinz Sichuan herausgegeben und kann unter www.sctyzx.gov.cn/sczcfjhfml/default.htm aufgerufen werden. Die Datenbank enthält den Namen des Lebenden Buddhas, die Schule des tibetischen Buddhismus und das Kloster, dem er angehört, sowie den Ort. Im Gegensatz zur Gesamtdatenbank für Lebende Buddhas des tibetischen Buddhismus in der Volksrepublik China auf sara.gov.cn ist sie ohne Registrierung des Nutzers zugänglich. Die Pressemeldung verweist darauf, dass der Fernsehsender CCTV erst kürzlich einige „falsche Lebende Buddhas“ entlarvt habe. Xinhua berichtete drei Tage vorher über den Fall eines Han-Chinesen in Shenzhen, der sich eine falsche tibetische Identität verschafft und als Lebender Buddha ausgegeben haben soll; er habe in Verdrehung religiöser Lehren feudale abergläubische Praktiken durchgeführt, sich bereichert und die Gesundheit von Menschen gefährdet (Xinhua 2.02.2021).

8. März 2021:
Buddhistische Vereinigung von Jingde­zhen veröffentlicht Aufruf zu Aktivitäten unter dem Motto „die Parteigeschichte studieren, die Güte der Partei fühlen, auf die Partei hören, mit der Partei gehen“
In Anbetracht des 100. Gründungstags der Partei im Jahr 2021 und in Antwort auf eine Rede Xi Jinpings vom 20. Februar, in der der KP-Generalsekretär zum Studium der Parteigeschichte ermahnte, forderte die Buddhistische Vereinigung von Jingdezhen (Provinz Jiangxi) – „unter Anleitung der Einheitsfrontabteilung des [Partei]komitees von Jingdezhen“, so der Aufruf – alle Buddhisten der Stadt auf, „die Parteigeschichte zu studieren, die Güte der Partei zu fühlen, auf die Partei zu hören, mit der Partei zu gehen“ (学党史, 感党恩, 听党话, 跟党走). In dem Aufruf heißt es u.a.: „In den letzten 100 Jahren hat unsere Partei die Volksmassen dazu geführt, aus einem leckgeschlagenen Boot aufzustehen, vom Rande des Zusammenbruchs Richtung Reichtum zu gehen [...], sie hat das Schicksal der chinesischen Nation vom Untergang zum Aufstieg, vom Leiden zum Ruhm gewendet. Ohne ein blühendes und starkes Land gäbe es keinen raschen Aufschwung der religiösen Sache. Wir sollten immer fest in der Liebe zu Land und Religion stehen, die Güte der Partei kennen, die Güte der Partei fühlen, die Güte der Partei preisen und die Partei aus tiefstem Herzen lieben und respektieren“ (Text des Aufrufs unter https://mp.weixin.qq.com/s/2qm1yHtAVRnxARoUon0mjg).
Bei allen offiziellen religiösen Organisationen finden sich Pläne, den 100. Gründungstag der Partei im Juli zu begehen.

Islam

8.–10. Dezember 2020:
Chinesische islamische Vereinigung (CIV) hält Sitzung zur Hadsch-Arbeit ab
Am 1. Dezember waren neue staatliche „Maßnahmen für die Verwaltung muslimischer Hadsch-Angelegenheiten“ in Kraft getreten (vorgestellt in China heute 2020, Nr. 4, Informationen). Islamische Vertreter aus verschiedenen Teilen Chinas studierten die neuen Bestimmungen und passten das System für die Hadsch-Arbeit an, heißt es in dem Bericht auf der Website der CIV. Sie berieten außerdem über Strafmaßnahmen gegen islamische Geistliche, die illegale Hadsch-Pilgerfahrten organisieren oder daran teilnehmen. Nach den staatlichen Bestimmungen ist nur der von der CIV zentral organisierte Hadsch legal. Man tauschte sich außerdem darüber aus, wie die Hadsch-Organisation unter dauerhafter Corona-Prävention verbessert werden könnte. Im Jahr 2020 ließ Saudi-Arabien wegen der Pandemie keine Ausländer zum Hadsch einreisen (chinaislam.net.cn 17.12.2020).

Judentum

12. Dezember 2020:
Weiter Druck auf chinesische Juden in Kaifeng
Nachdem im April 2016 Repressalien gegen die jüdische Gemeinde in der Stadt Kaifeng (Provinz Henan) bekannt geworden waren, berichtet The Telegraph am 12. Dezember 2020 von weiterem Druck auf die kleine Gemeinde. Er sieht dies u.a. im Zusammenhang mit Präsident Xi Jinpings anhaltenden Kampagnen gegen ausländischen Einfluss und offiziell nicht anerkannte Religionen, zu denen das Judentum gehört. Etwa 1.000 Personen in Kaifeng beanspruchen heute, jüdische Vorfahren zu haben, davon sollen etwa 100 praktizierende Juden sein. Die jüdische Gemeinde von Kaifeng entstand in der frühen Song-Zeit (960−1126) und ging später durch Assimilation in ihrem chinesischen Umfeld auf; vom chinesischen Staat werden die Kaifenger Juden nicht als Religion oder ethnische Minderheit anerkannt. „Das ist die Regierungspolitik“, so ein Nachfahre der Juden im Gespräch mit The Telegraph, „ihr Ziel ist es zu garantieren, dass es in der kommenden Generation keine jüdische Identität mehr gibt“. Der Staat möchte offensichtlich nicht, dass die jüdische Gemeinde in Kaifeng Beziehungen mit Juden im Ausland aufnimmt. Zahlenmäßig seien sie unbedeutend, könnten aber sehr viel Aufmerksamkeit unter der internationalen jüdischen Gemeinschaft auf sich ziehen, meint Noam Urbach von der Bar-Ilan University in Israel, der über Juden in Kaifeng geforscht hat. 2016 wurde in Kaifeng u.a. das jüdische Zentrum geschlossen, Schilder zur Erinnerung an die historische jüdische Gemeinde waren entfernt worden, jüdische Reisegruppen wurden nicht mehr in die Stadt gelassen und die Gemeindemitglieder von Sicherheitskräften überwacht. Die Juden praktizieren heute im Verborgenen, Treffen am Sabbat finden heimlich statt. Sie trauten sich auch nicht mehr, sich zu gemeinsamen Restaurantbesuchen zu treffen, so ein Gemeindemitglied. Da religiöse Materialien nicht käuflich zu erwerben sind, kaufen sie christliche Bibeln und lesen darin das Alte Testament. Die Unterdrückung sei allerdings keine Form von Anti-Semitismus, so Anson Laytner, Präsident des Sino-Judaic Institute (The Telegraph 12.12.2020; s. auch China heute 2016, Nr. 2; Chronik, 28. April 2016 sowie den Beitrag von Anson Laytner über den „Status der Kaifeng-Juden im Wandel“ in China heute 2015, Nr. 2, Themen).

Protestantismus

26. November 2020:
Erstmals Doktorprüfungen am Nationalen Theologischen Seminar in Nanjing
Am 26. November bestanden Frau Wang Jiawei und Herr Luo Chengzan ihre Disputationen am Nationalen Theologischen Seminar in Nanjing. Damit sind sie die ersten Personen, denen ein Doktortitel im Rahmen des innerkirchlichen Prüfungssystems von Christenrat und Drei-Selbst-Bewegung verliehen wird. Ihr Promotionskurs begann 2016. Von staatlichen Universitäten wird der Abschluss nicht anerkannt. Frau Wangs Arbeit über die Christologie bei Kathryn Tanner wurde vom Leiter der Baptist University Hong Kong, Prof. Joshua Cho, mitbetreut; die Arbeit von Herrn Luo über Athanasius von Alexandria war u.a. von Prof. Miikka Ruokanen begleitet. Die externen Fachbetreuer haben den Status von Gastdozenten am Nanjinger Seminar.
Am 20. Dezember legten He Wenbo, Dong Yanhui und Chen Kuangrong ihre Prüfungen zur Erlangung des „Doctor of Ministry“ ab. Das den kirchlichen Dienst begleitende Promotionsstudium begann für alle drei im Jahr 2017. Herr He verfasste eine Studie über „Druck und Bewältigungsstrategien von Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleitern im Jangtse-Delta“, Herr Dong beschäftigte sich mit „Altersvorsorge für Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter“, Frau Chen mit „Konflikte und Kommunikation von Gemeindeleiterpaaren mittleren Alters“. Bei beiden Prüfungen ergänzten externe Fachleute wie Prof. Zhuo Xinping von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften oder der Leiter des Theologischen Seminars in Fujian, Dr. Yue Qinghua, das Prüfungskomittee aus Professorinnen und Professoren des Nanjinger Seminars (Microblog 今日金陵生活 2.,26.12.2020; njuts.cn).
Isabel Friemann, China Infostelle

Katholische Kirche

22. Dezember 2020:
Peter Liu Genzhu wird mit Zustimmung der Regierung und des Papstes zum Bischof von Hongdong (Shanxi) geweiht – vierte Bischofsweihe seit dem sino-vatikanischem Abkommen von 2018
Die Weihe des 54-jährigen wurde von (Erz-)Bischof Meng Ningyou von Tai­yuan geleitet, es konzelebrierten die Bischöfe Wu Junwei von Yuncheng, Ding Lingbin von Changzhi und Ma Cunguo von Shuozhou (alle Provinz Shanxi). UCAN zufolge war in dem Ernennungsschreiben der offiziellen Chinesischen katholischen Bischofskonferenz, das während der Zeremonie verlesen wurde, die päpstliche Ernennung des Kandidaten erwähnt. Bischof Liu war am 10. Juni 2020 nach dem offiziellen chinesischen Verfahren zum Bischofskandidaten gewählt worden; seine päpstliche Ernennung wurde laut UCAN im November 2020 bestätigt. Tatsächlich war er aber schon seit vielen Jahren der Bischofskandidat Roms, wie auch AsiaNews schrieb. Einen Monat zuvor, am 23. November, war Chen Tianhao zum Bischof von Qingdao in der Provinz Shandong gewählt worden (vgl. China heute 2020, Nr. 4, S. 194-195). Eine vatikanische Quelle äußerte gegenüber UCAN, dass beide Weihen „eine authentische Frucht des Abkommens“ seien.
Bischof Liu Genzhu ist am 12. Juni 1966 geboren. Er studierte am Priesterseminar von Xi’an und wurde 1991 zum Priester geweiht. Seit 2010 war er Generalvikar der Diözese Hongdong/Linfen, die seit 2006 keinen Bischof mehr hatte. Die Diözese zählt rund 40.000 Gläubige (AsiaNews 22.12.2020; chinacatholic.cn 22.12.2020; UCAN 23.12.2020).

30. Dezember 2020:
Untergrundbischof Han Jingtao von Siping (Jilin) verstirbt
Bischof Andreas Han verstarb im Alter von 99 Jahren. Er wurde am 26. Juli 1921 im Dorf Shanwanzi im Kreis Weichang, Provinz Hebei, in eine katholische Familie geboren. Die ersten Schuljahre besuchte er eine Schule unter Leitung kanadischer Missionare aus Quebec. 1934 trat er ins Kleine Seminar in der Diözese Siping ein, 1940 ins Priesterseminar in Changchun. Am 14. Dezember 1947 wurde er zum Priester geweiht. Mit Unterstützung seines Bischofs gründete Priester Han eine Schwesternkongregation und entwickelte die Arbeit der Legio Mariens in der Diözese Siping. 1953 wurde er verhaftet und verbrachte insgesamt 27 Jahre im Gefängnis und in Arbeitslagern. Anfang der 1980er Jahre wurde er zunächst als Englischlehrer an der Changchun Normal University angestellt und kurz danach als Associate Professor an der Northeast Normal Univer­sity. An der Universität unterrichtete er auch Latein und Griechisch. 1982 wurde er vom Papst zum Bischof von Siping ernannt, aber erst 1986 im Geheimen geweiht. Von Gläubigen wurde Bischof Han als „Gigant der Kultur und des Glaubens“ bezeichnet. Seit 1997 stand Bischof Han wieder unter ständiger Überwachung und auch die Schwesternkongregation war mit Konventsschließungen und geheimen Wiedereröffnungen konfrontiert.
Zu Beginn der 1980er Jahre vereinigte die Regierung alle Kirchendistrikte in der Provinz Jilin zu einer einzigen Diözese, der Diözese Jilin. Aus Sicht des Vatikans existiert die Diözese Siping weiter, sie umfasst Teile der Provinzen Jilin, Innere Mongolei und Liaoning. Die Diözese zählt heute etwa 30.000 Katholiken, darunter ca. 20.000 im Untergrund und 10.000 in der offiziellen Kirche, sowie 20 Priester und um die 100 Ordensschwestern (AsiaNews 31.12.2020: 5.01.2020; Fides 23.02.2021; http://blog.sina.com.cn/s/blog_500cf6040102yo9r.html).

5. Januar 2021:
Tod von Bischof Zong Huaide von San­yuan
Im Alter von 100 Jahren verstarb am 5. Januar der emeritierte Bischof der Diözese Sanyuan, Provinz Shaanxi. Bischof Zong wurde am 16. Juni 1920 in eine arme katholische Familie geboren und am 5. Juni 1949 zum Priester geweiht. Die Jahre 1965–1980 verbrachte er im Gefängnis und in Arbeitslagern. 1983 wurde Zong Huaide Apostolischer Administrator der Diözese, am 9. August 1987 wurde er zum Bischof von San­yuan geweiht. Zunächst war er von den Behörden nicht als Bischof anerkannt, durfte seit Anfang der 1990er Jahre jedoch offen arbeiten. Damit war er einer der ersten Untergrundbischöfe, die offiziell anerkannt wurden. Bis zuletzt stand Bischof Zong in hohem Ansehen sowohl bei den Untergrundkatholiken wie auch den Katholiken in der offiziellen Kirche. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung innerhalb der katholischen Kirche Chinas. Am 23. Dezember 1997 wurde Bischof Zong von Papst Johannes Paul II. in persönlicher Audienz empfangen. 2003 wurde er emeritiert. Sein Nachfolger ist Bischof Han Yingjin, der 2010 geweiht wurde. Die Beerdigung von Bischof Zong fand am 11. Januar statt. Mit Bischof Zong geht in China einer der letzten großen Kirchenführer der alten Generation (siehe den Nachruf in den Informationen dieser Nummer).

7. Januar 2021:
Patriotische Vereinigung und Diözese Shijiazhuang weisen in einer Erklärung Gerüchte zurück, dass die katholische Kirche schuld am Corona-Ausbruch in Hebei sei
In der Provinz Hebei – die von allen Provinzen Chinas den höchsten Bevölkerungsanteil an Katholiken hat – kam es Anfang Januar zu einem größeren Corona-Ausbruch; die Provinzhauptstadt Shijiazhuang und die Stadt Xingtai wurden komplett abgeriegelt. In den sozialen Medien verbreiteten sich Gerüchte, die Katholiken die Schuld an dem Ausbruch gaben. Am 7. Januar veröffentlichten Patriotische Vereinigung und Diözese Shijiazhuang deshalb eine Erklärung, in der sie schrieben, einzelne WeChat-Konten und Mikroblogs würden bewusst fabrizierte Gerüchte verbreiten. Ein im Internet verbreitetes Gerücht behaupte, dass Xiaoguozhuang in Gaocheng [dem Bezirk, aus dem die erste Patientin des Ausbruchs stammte] ein katholisches Dorf sei, in dem vor 20 Tagen religiöse Aktivitäten stattgefunden hätten, an denen „viele europäische und amerikanische Priester“ teilgenommen hätten, ohne Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, „jetzt seht, diese Missionare haben das europäische Virus gebracht“ usw. Die Erklärung erwidert dazu, dass Xiaoguozhuang kein katholisches Dorf sei, dass es bisher unter den Infizierten in Shijiazhuang nur einen einzigen Katholiken gebe und dass nach Angaben des zuständigen katholischen Pfarrers seit dem letzten Winter keine ausländischen Besucher mehr in der Gegend gewesen seien. Gegen die Verursacher der Gerüchte sei Anzeige erstattet worden.
Laut Jidu shibao (Christian Times) berichtete der nationale Fernsehsender CCTV am 9. Januar, dass die Provinz Hebei, die Stadt Shijiazhuang und die Stadt Xingtai in Pressekonferenzen zur Epidemie erklärt hätten, es gebe keine Belege dafür, dass der Ausbruch mit religiösen Aktivitäten zusammenhänge. Alle religiösen Stätten seien vorübergehend geschlossen worden.
Die Einheitsfrontabteilung der Stadt Xingtai rief am 9. Januar in einer Bekanntmachung die Bevölkerung dazu auf, alle trotz der angeordneten Schließung geöffneten religiösen Stätten sowie „illegale“ religiöse Treffen in Treffpunkten und Haushalten gegen Belohnung zu melden.
Die China heute-Redaktion hat Leserkommentare gesehen, die am 9. Januar auf dem WeChat-Kanal der Renmin ribao unter einem Bericht zur genannten Pressekonferenz der Provinz Hebei gepostet wurden, darunter „Religion geht gar nicht“, „In einigen Gegenden gibt es in jedem Dorf eine Kirche, das ist erschreckend, da sollte man was machen“ und „Es ist an der Zeit, religiöse Kulte im Untergrund und Islam in den Griff zu bekommen, oder es wird noch etwas Schlimmes passieren.“ Christian Soli­darity Worldwide schätzte, über 1.000 solcher Kommentare seien tagelang sichtbar gewesen, ohne von der Zensur gelöscht zu werden (AsiaNews 8.,9.,20.01.2021; csw.org.uk 19.02.2021; licas.news 11.01.2021; scmp.com 8.01.2021; UCAN 13.01.2021; www.christiantimes.cn/news/33947/天主教就石家庄疫情相关谣言发表严重声明).

9. Januar 2021:
Über 50 Katechumenen werden in der Pfarrei Huangzhong in Wenzhou (Zhe­jiang) getauft
Die Täuflinge – auf dem Foto sind Erwachsene zu sehen – hatten vorher eine fünfmonatige Taufvorbereitung absolviert, heißt es in dem Bericht auf der Website der katholischen Zeitung Xinde (Faith). Der Pfarrer der Gemeinde assistiert von 4 weiteren Priestern nahm die Taufen vor. Am ersten Weihnachtsfeiertag waren bereits in der Kathedrale von Wen­zhou 18 Menschen getauft worden. An Weihnachten fanden auch andernorts Taufen statt, beispielsweise 11 in der Kathedrale von Jinan (Provinz Shandong). Ob in den katholischen Gemeinden Festlandchinas im Jahr 2020, in dem die Kirchen pandemiebedingt monatelang geschlossen blieben, weniger Menschen getauft wurden als sonst, ist unbekannt, da Xinde keine Taufstatistik für 2020 veröffentlichte (xinde.org 28.12.2020; 14.01.2021).

16. Februar 2021:
„Arbeitsplan 2021“ der offiziellen katholischen Leitungsgremien vom Nationalen Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) verbreitet
Der Text wurde auf Weixin zongjiao, dem WeChat-Kanal des NBRA, verbreitet mit dem Hinweis, dass er in der Januarausgabe der NBRA-Zeitschrift Zhongguo zongjiao erschienen sei und „im Original“ von „Eine [patriotische] Vereinigung und eine [Bischofs-]Konferenz“ stamme – auf deren Website er sich jedoch nicht findet. Es werden konkrete Vorhaben in 8 Tätigkeitsbereichen genannt. Unter Punkt 1 („ideologischer Aufbau“) findet sich der Plan einer Konferenz der katholischen Kreise zur Feier des 100. Gründungstags der Kommunistischen Partei Chinas. Es sollen „bewegende Geschichten ausgegraben werden, wie die chinesischen katholischen Kreise die Rote Armee unterstützten“, und ein Buch mit dem Titel Katholische Kirchen am Weg des Langen Marsches soll herausgegeben werden. „Fortbildungskurse in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Sozialismus“ für Mitarbeiter der patriotischen Gremien auf Provinz­ebene, Laienführer etc. sollen fortgesetzt werden. In nicht näher genannten „Schwerpunktregionen“ soll die Wahl und Weihe von Bischöfen „aktiv und zuverlässig“ vorangetrieben werden (Punkt 3). Punkt 4 „Aufbau des theologischen Denkens“ sieht die Durchführung des „7. Forums für sinisierte Theologie“ vor, in dem es um die Sinisierung von Liturgie, Kunst und Musik gehen soll. Ferner ist geplant, von Architektur-Experten eine Reihe von Kirchenbauvorlagen entwerfen zu lassen, die den Anforderungen der Sinisierung entsprechen und lokalen Kirchen als Referenz angeboten werden können. Punkt 7 „Austausch mit dem Ausland“ sieht vor, „die Arbeit in auswärtigen Angelegenheiten zu normieren, strenge Disziplin in auswärtigen Angelegenheiten zu halten und das System für auswärtige Angelegenheiten zu revidieren und zu vervollkommnen“ (Weixin zongjiao 16.02.2021 unter https://mp.weixin.qq.com/s/EuUKoOOyTKfLy6hLO4OzSQ).
Für weitere Details siehe den Bericht in den Informationen.

19. Februar 2021:
AsiaNews: Herz-Jesu-Kirche von Yining in Xinjiang vom Abriss bedroht

AsiaNews berichtete, dass die Gläubigen die Kirche ab 19. Februar ausräumen mussten, da die Behörden ihren Abriss angeordnet hatten. Es finden sich keine Berichte darüber, ob der Abriss schließlich stattfand. Die Behörden hätten ihn angeordnet, obwohl die Kirche über alle nötigen Genehmigungen des Religionsbüros verfüge, und keine Gründe dafür angegeben; vermutet werde, dass das Land für Bauvorhaben genutzt werden solle. 2018 waren bereits christliche Reliefs, zwei Statuen und das Kreuz der Kirche demontiert worden (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Chronik, Katholizismus, 27. Februar und 8. März 2018). Im Kasachischen Autonomen Bezirk Yili, dessen Hauptstadt Yining ist, leben laut AsiaNews 2.000 Katholiken, teilweise Nachfahren von Verbannten aus der Zeit des Qing-Reichs. Der Nachrichtenagentur zufolge wurden in den letzten Jahren mindestens vier weitere katholische Kirchen in Xin­jiang zerstört: je eine in Hami und Kuitun sowie zwei Kirchen in Tacheng. Die Kirchen hätten die nötigen Genehmigungen gehabt und keine Entschädigung erhalten (AsiaNews 19.02.2021).

Sino-vatikanische Beziehungen

29. Januar 2021:
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Interview: „Ich respektiere jeden, der die Politik des Heiligen Stuhls gegenüber China kritisiert“
In einem am 29. Januar verbreiteten Interview mit dem französischen Sender KTO sprach der Kardinal auch über die Chinapolitik des Heiligen Stuhls, er sagte: „Ich würde zunächst einmal sagen, dass ich jeden zutiefst respektiere, der eine andere Meinung hat und der, sagen wir mal, die Politik des Heiligen Stuhls gegenüber China kritisiert. Und es ist ein Recht, das zu tun, denn es ist eine extrem komplexe und schwierige Situation. Es kann verschiedene Standpunkte geben. Wir haben uns für diesen Weg der ‚kleinen Schritte‘ entschieden – es ist wahr, dass schon vorher Arbeit getan wurde, aber es gab einen großen Anstoß von Papst Franziskus. Berücksichtigen Sie auch, dass dieses Abkommen nicht als ein Abkommen gedacht war und auch kein Abkommen sein konnte, das alle Probleme löst, mit denen die Kirche in China konfrontiert ist, sondern einfach ein kleiner Schritt, von dem aus man beginnen kann zu versuchen, die Situation der Kirche zu verbessern. Es wird also nicht behauptet, dass dies das ‚letzte Wort‘ ist.“ Parolin verglich das Abkommen mit einem kleinen Samen, „der, so hoffen wir, mit der Gnade Gottes und dem guten Willen eines jeden, wachsen und Frucht bringen kann. Das ist unsere Hoffnung. Und sie erfordert viel Geduld. Sehr viel Geduld“ (www.ktotv.com/article/entretien-exclusif-avec-le-cardinal-pietro-parolin-secretaire-detat-du-saint-siege, hier nach ncregister.com 30.01.2021).

8. Februar 2021:
Papst Franziskus äußert sich zu China in seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Korps
In seiner Ansprache vor den versammelten Botschafterinnen und Botschaftern sprach der Papst auch über im letzten Jahr geschlossene internationale Vereinbarungen; in diesem Zusammenhang sagte er: „Darüber hinaus haben der Heilige Stuhl und die Volksrepublik China am 22. Oktober vereinbart, die Gültigkeit des 2018 in Peking unterzeichneten vorläufigen Abkommens bezüglich der Ernennung von Bischöfen in China um weitere zwei Jahre zu verlängern. Es handelt sich um eine Übereinkunft, die im Wesentlichen pastoraler Natur ist. Der Heilige Stuhl hofft, dass der eingeschlagene Weg im Geiste des Respekts und gegenseitigen Vertrauens weitergeht und zur Lösung von Fragen gemeinsamen Interesses weiterhin beiträgt“ (www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2021/february/documents/papa-francesco_20210208_corpo-diplomatico.html; UCAN 11.02.2020).

Hongkong

4. Februar 2021:
Bereits Grundschüler sollen Unterricht zum Sicherheitsgesetz erhalten
Das Erziehungsbüro Hongkongs veröffentlichte am 4. Februar neue Richtlinien zur Umsetzung des am 30. Juni 2020 in Kraft getretenen nationalen Sicherheitsgesetzes an Primar- und Sekundarschulen. Es wird Teil des Lehrplans, geht aber weit darüber hinaus. Die Richtlinien umfassen alle Aspekte des Schulwesens, von der Verwaltung über die Unterrichtsinhalte bis zum Verhalten der Schüler, selbst außerhalb des Schulgeländes, so die South China Morning Post. Als Teil der Kampagne hat die Regierung einen Animationsfilm lanciert, in dem eine weise Eule den Kindern beibringt, was Patriotismus, Loyalität und ein striktes Einhalten der Gesetze bedeuten. In den Richtlinien heißt es u.a., dass die Lehrkräfte deutlich herausstellen sollen, dass „der Schutz der nationalen Sicherheit in der Verantwortung aller Bürger liegt und dass es diesbezüglich keinen Raum für Debatten oder Kompromisse gibt“. Ip Kin-yuen, Präsident der Lehrergewerkschaft, sagte laut Reuters, die Richtlinien würden bei den Lehrkräften Unsicherheit und Ängste verursachen und einen „restriktiven und oppressiven“ Unterrichtsstil aufoktroyieren, der der Entwicklung und dem selbstständigen Denken der Schülerinnen und Schüler entgegenstünde. Hongkongs Erziehungsminister Kevin Yeung betonte vor der Presse, die Lehrplanänderungen hätten das Ziel, eine nationale Identität hervorzubringen. Die Primarschülerinnen und -schüler sollten verinnerlichen, dass sie Bürger Hongkongs und gleichzeitig Chinesinnen und Chinesen seien. Für die Primarstufe wurden Hör- und Bilderbücher entwickelt und die Schülerinnen und Schüler müssen den Text der chinesischen Nationalhymne lernen „und verinnerlichen, wie sie sich respektvoll zu verhalten haben, wenn sie abgespielt wird“, so die Neue Zürcher Zeitung. „Im weiteren Verlauf der Primarschule sollen die jungen Hongkonger lernen, welche vier Vergehen eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen: Es geht um Subversion, umstürzlerische Aktivitäten, Terrorismus sowie Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften. In der Sekundarschule gibt es künftig neben dem 15-stündigen Lernmodul über die chinesische Verfassung und das Hong­konger Grundgesetz eine dreistündige Ergänzung zum Gesetz über nationale Sicherheit“ (Neue Zürcher Zeitung 8.02.2021, dort auch das Video; Reuters 5.02.2021; www.scmp.com/video/hong-kong/3121229/hong-kong-teach-new-national-security-law-classrooms 10.02.2021).

5. Februar 2021:
Chinesisch Neujahr: Führer der sechs Religionen schicken Grüße zum Jahr des Rindes
In ihrer jährlichen Neujahrsbotschaft hat das Kolloquium der sechs Religionsführer in Hongkong Grüße und Gebete an die Bewohner übermittelt. Bei den Unterzeichnern handelt es sich um Most Ven. Kuan Yun, Präsident der Hongkonger buddhistischen Vereinigung; Kardinal John Tong, Apostolischer Administrator der katholischen Diözese Hongkong; Dr. Tong Yun-Kai, Präsident der Konfuzius-Akademie; Ibrahim Sat Che-Sang, Vorsitzender der Chinesischen muslimischen kulturellen und brüderlichen Vereinigung; Rev. Dr. Eric So Shing-Yit, Vorsitzender des Hongkonger Christenrates: sowie Leung Tak-Wah, Vorsitzender der Hong­konger daoistischen Vereinigung. In ihrer Botschaft steht die Corona-Pandemie, die auch Hongkong betroffen hat, im Fokus. Am Ende des Briefes fassen sie ihre Wünsche wie folgt zusammen: „… dass die Epidemie bald vorübergeht und wir zum normalen Alltag zurückkehren können; dass unser Land immer wohlhabender und mächtiger wird und alle Menschen glücklich werden; und dass Hongkongs Gesellschaft soziale Harmonie, Wohlstand und Stabilität genießen kann“ (Sunday Examiner 5.02.2021).

28. Februar 2021 / 15. März 2021:
47 prodemokratische Aktivisten bleiben zunächst in Haft
47 Politiker und Aktivisten – die Führung der prodemokratischen Opposition in Hongkong – blieben nach viertägigen Anhörungen Anfang März zunächst weiterhin in Untersuchungshaft. Voraussichtlich am 31. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden. Vor dem Gerichtsgebäude in West Kowloon hatten sich viele Anhänger versammelt, unter ihnen auch Kardinal Josef Zen. Auch Diplomaten u.a. aus Großbritannien, den USA, Kanada, Deutschland und den Niederlanden baten vergeblich um Einlass in den Gerichtssaal. Die Angeklagten waren am 28. Februar unter dem Vorwurf von Verstößen gegen das nationale Sicherheitsgesetz festgenommen und nun angeklagt worden. Die Gruppe war erstmals im Januar festgenommen (damals 53 Personen) und wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Einige sitzen schon länger wegen anderer unterstellter Vergehen in Haft, so der prominente Oppositionelle Joshua Wong. Den demokratischen Politikerinnen und Politikern wird vorgeworfen, im Juli vergangenen Jahres „illegale“ Vorwahlen zu der wegen der Corona-Pandemie später abgesagten Parlamentswahl abgehalten zu haben. Bei diesen Vorwahlen wurden prodemokratische Kandidaten ausgewählt. Dies sei Staatsgefährdung gewesen. Etwa 600.000 Einwohner Hongkongs hatten sich an den Vorwahlen beteiligt. Das nationale Sicherheitsgesetz sieht je nach Tat bis zu lebenslange Haftstrafen vor. Inzwischen, so Stand 15. März 2021, wurden 11 der Angeklagten gegen Kaution wieder aus der Haft entlassen.
Weiter in Haft sitzt auch der bekannte Hongkonger Verleger und Demokratie-Aktivist Jimmy Lai, auch er angeklagt wegen Anschuldigungen im Rahmen des Sicherheitsgesetzes. Sein Prozess soll Mitte April beginnen.
Am 25. Februar hatte die Chinese University of Hong Kong angekündigt, dass sie ihre Beziehungen zur Student Union einstellen werde. Deren neue Vorsitzende seien „falscher“ Aussagen angeklagt, die die nationale Sicherheit bedrohten, so AsiaNews. Studierende, die zu „illegalem Verhalten“ anstacheln würden, würden vom Studium ausgeschlossen (AsiaNews 12.,26.02.; 1.,3.03.201; LICAS 15.03.2021; Der Spiegel 4.03.2021; Süddeutsche Zeitung 1.03.2021; Die Welt 17.02.2021).

11. März 2021:
Beijing verabschiedet Wahlrechts­reform und damit stärkere Kontrolle für Hongkong
Bei der Jahrestagung des Chinesischen Volkskongresses hat die chinesische Regierung eine Wahrrechtsreform für Hongkong verabschiedet, nach der zukünftig Beijing die politische Gesinnung aller Wahlkandidaten prüfen und kontrollieren will und die Distrikte zur Wahl des Hongkonger Legislativrates neu definieren möchte. Laut Außenminister Wang Yi am 7. März, so der Spiegel, seien die Veränderungen „Hongkongs Übergang vom Chaos zur Staatsführung“. Der Übergang sei „im vollen Interesse aller Parteien“, denn Hongkong zu lieben und Patriotismus seien exakt dasselbe. Hongkonger Medien – so die Zeit vom 11. März – hätten berichtet, dass das Komitee zur Wahl des Hongkonger Regierungschefs von bisher 1.200 auf 1.500 Mitglieder vergrößert werden solle. Das Wahlkomitee solle künftig auch darüber entscheiden, wer bei den Parlamentswahlen antreten darf, „womit Kandidaten indirekt auf die Zustimmung Pekings angewiesen wären“. Gemäß den Berichten solle der Hongkonger Legislativrat von 70 auf 90 Plätze vergrößert werden.
Dies ist ein weiterer Schritt, um die demokratienahen Kräfte an den Rand zu drängen (Spiegel 7.03.2021; Zeit 11.03.2021).

Taiwan

8. Februar 2021:
Papst Franziskus grüßt Taiwan zum Chinesischen Neujahr
Am Rande des diesjährigen Neujahrsempfangs für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps überbrachte Taiwans Botschafter beim Heiligen Stuhl, Matthew S.M. Lee, dem Papst Neujahrsgrüße im Namen der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen und des gesamtes taiwanischen Volkes. Nach einem Bericht von UCAN sagte Lee: „Der Papst war guter Dinge, er wünschte einen guten Beginn zum chinesischen Neujahr und versprach für Taiwan zu beten.“ Im Januar hatte Präsidentin Tsai an Papst Franziskus einen Brief geschickt als Antwort auf seine Botschaft zum 54. Weltfriedenstag am 1. Januar. In dem Brief erwähnt sie u.a., wie Taiwan, das nur wenig von der Corona-Pandemie betroffen ist, weltweite Solidarität bekundete und Dutzende Millionen medizinische Masken und Schutzkleidung nach Zentral- und Südamerika, Asien, in die EU wie auch in die USA versandte. Sie erinnert auch an die humanitären Bemühungen von Botschafter Matthew Lee, der am taiwanischen Nationalfeiertag im Oktober in Rom Essen und Decken an Obdachlose verteilte. Gleichzeitig bekundete sie ihren Unmut darüber, dass die 23 Mio. Taiwaner weiterhin von der Weltgesundheitsorganisation ausgeschlossen sind.
Die VR China verhindert seit Jahren, dass der Insel ein Beobachterstatus oder gar eine Mitgliedschaft in der WHO zugestanden wird (AsiaNews 15.01.2021; FAZ 19.4.2020; UCAN 11.02.2021; https://english.president.gov.tw/NEWS/6093; s. auch China heute 2020, Nr. 4, S. 194).

6./11. Februar 2021:
Taiwan: Sino-Burmesen protestieren gegen den Militärputsch in Myanmar
Rot bekleidet, der Farbe der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi, demonstrierten am 6. Februar in „Klein Burma“ in New Taipeis Zhonghe-Distrikt 300 Menschen gegen den Militärputsch in Myanmar am 1. Februar. Ko Ko Thu, 54,  der nach den vom Militär blutig niedergeschlagenen Protesten von 1988 nach Taiwan geflohen war und die Demonstration in Taipei mitorganisierte, bekannte gegenüber der Taipei Times vom 7. Februar: „Taiwan ist ein sehr demokratisches Land und ich hoffe, dass Myanmar – auch wenn ich schon tot sein sollte – genauso demokratisch sein wird.“
In „Klein Burma“ in der Nähe der Nanshijiao-Metrostation an der Huaxin-Straße – die Schilder in burmesischer Sprache an den Fassaden der Läden prägen dort die Atmosphäre – ließen sich in den letzten Jahrzehnten rund 40.000 Immigranten aus Burma, die meisten von ihnen ethnische Chinesen, nieder, berichtet Diplomat Brief vom 18. März 2017. Viele sind Nachfahren von Kuomintang-Angehörigen, die am Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 im Kampf gegen die kommunistischen Guerillas über die Grenze nach Burma (das heutige Myanmar) flohen und dort zunächst festsaßen, nachdem Chiang Kai-shek in Taiwan Zuflucht gesucht hatte. 1954, nachdem die Rückeroberung Chinas sich als aussichtslos erwiesen hatte, wurden schätzungsweise 7.000 Soldaten samt ihren Nachkommen nach Taiwan repatriiert. Andere sind in den letzten Jahren aufgrund von Repressionen und anti-chinesischen Ressentiments aus Myan­mar geflüchtet. Anfangs taten sich viele schwer, sich ans lokale Leben und die Sprachen zu gewöhnen, den taiwanesischen Dialekt und Mandarin. Inzwischen floriert der Handel zwischen den beiden Ländern und über 200 taiwanische Firmen operieren in Myanmar.
An den Protesten in Myanmar, die seit 1. Februar anhalten und gegen die das Militär mit immer größerer Gewalt vorgeht, nahmen auch Tausende Mitglieder der christlichen Minderheiten im buddhistischen Myanmar teil, darunter auch Priester und Ordensfrauen.  Auch der Erzbischof von Rangun, Kardinal Charles Bo, rief mehrfach zum gewaltfreien Protest gegen den Militärputsch auf.
Gemäß Schätzungen zählt die Bevölkerung von Myanmar ca. 54,5 Mio. Einwohner. Laut einer Zählung von 2014 teilen sich die Religionen wie folgt auf: Buddhismus 87,9%, Christentum 6,2%, Islam 4,3%, Hinduismus 0,5%, Volksglaube von Stämmen 0,8%, Andere 0,2% und ohne Religion 0,1%. Nach einer Meldung von UCAN vom 20. November 2020 nehmen die 750.000 Katholiken einen bescheidenen Platz ein.
Willi Boehi


Katharina Feith
Isabel Friemann, China InfoStelle
Katharina Wenzel-Teuber
mit einem Beitrag von Willi Boehi

Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Januar bis 31. März 2021

Religionspolitik

Dezember 2020 bis März 2021:
Religionen in der Corona-Pandemie
Ab Anfang Juni 2020 begann der monatelang dauernde Prozess der Wiederöffnung der religiösen Stätten nach dem landesweiten Lockdown (vgl. China heute 2020, Nr. 2-3, Informationen). Für die Wintermonate ist das Bild unvollständig. An Weihnachten wurden in verschiedenen Teilen Chinas unter Präventionsmaßnahmen katholische Gottesdienste abgehalten, wie Berichte des katholischen Portals Xinde zeigen; an anderen Orten, wie z.B. in Shijia­zhuang, mussten sie abgesagt werden. Laut einem Bericht der China Christian Daily über protestantische Weihnachtsgottesdienste in Beijing mussten die meisten Kirchen, darunter die Haidian-Kirche, die Gangwashi-Kirche und die Fengtai-Kirche, ihre Gottesdienste kurzfristig ins Internet verlegen. In dem Beitrag wird einer der wenigen unter sehr umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen stattfindenden Präsenz-Gottesdienste in Beijing beschrieben; in der Kirche war Fotografieren verboten und die Mobiltelefonsignale waren blockiert.
Anfang Januar gab es Corona-Ausbrüche in den Provinzen Hebei (siehe den Beitrag vom 7. Januar 2021 in der Rubrik „Katholische Kirche“), Heilongjiang und Jilin. Am 8. Januar 2021 wurden alle 155 religiösen Stätten in Beijing geschlossen. Ein Rundschreiben des Staatsrats vom 18. Januar wies alle Provinzen an, aufgrund steigender Infektionen die Prävention zu verstärken und u.a. auf dem Land „kollektive Aktivitäten in religiösen Stätten vorübergehend einzustellen und illegale religiöse Aktivitäten gemäß dem Gesetz zu stoppen“. Die Zentralregierung rief die Bevölkerung im Vorfeld des Chinesischen Neujahrsfests (12. Februar) dazu auf, auf Reisen möglichst zu verzichten. Einer Bekanntmachung der Chinesischen buddhistischen Vereinigung vom 27. Januar ist zu entnehmen, dass zwar kollektive religiöse Aktivitäten in Tempeln eingestellt, aber Tempelbesuche in kontrollierter Weise weiter möglich sein sollten. Am 16. März 2021 meldete Xinde, dass „nach Sichuan und Zhejiang nun auch Beijing, Shanghai, Chongqing, Jiangxi, Xi’an in Shaanxi, Baotou und Chifeng in der Inneren Mongolei ihre Stätten für religiöse Aktivitäten nacheinander wieder geöffnet haben oder demnächst öffnen werden“ (AsiaNews 8.,9.01.2021; chinabuddhism.com 28.01.2021; chinachristiandaily.com 28.12.2020/4.01.2021; gov.cn 18.01.2021; NZZ 4.02.2021; scmp.com 8.01.2021; xinde.org 16.03.2021).

4. Dezember 2020:
ChinaAid: Grundschullehrer im Wen­zhouer Bezirk Longwan mussten eine Verpflichtung unterzeichnen, nicht an eine Religion zu glauben
Wie die in den USA ansässige Organisation ChinaAid meldete, wurden Lehrer von Grundschulen im Bezirk Longwan in der Stadt Wenzhou (Zhejiang) aufgefordert, eine „Verpflichtung für Lehrpersonal, nicht an eine Religion zu glauben“ (教师不信教承诺书) zu unterzeichnen. Eine örtliche Quelle berichtete, dass an ihrer Schule das Lehrpersonal am 30. November in einer Versammlung ein Formular ausfüllen musste, von dem ChinaAid ein Foto zeigte. Das Formular enthält Felder für Angaben zur Person und eine zu unterzeichnende Erklärung von 4 Punkten. Punkt 1 verpflichtet dazu, „fest in der marxistischen Auffassung von Religion zu stehen, atheistische Erziehung und Bildung zu stärken, nicht an Religion zu glauben, an keinerlei religiösen Aktivitäten teilzunehmen und an keinem Ort Religion zu predigen und zu verbreiten“. Der/die Unterzeichnende verpflichtet sich außerdem, sich nicht an „Kulten“ wie Falungong zu beteiligen, keinen „feudalen Aberglauben“ zu betreiben und sich stattdessen für den Sozialismus und den „Auftrag, für Partei und Staat Menschen heranzuziehen“, einzusetzen. Lehrer, die der KP angehören, mussten der Quelle zufolge das Formular „Verpflichtung für Parteimitglieder, nicht an eine Religion zu glauben“ ausfüllen. Laut ChinaAid sind 10% der Bevölkerung von Wenzhou Christen (Asia­News 10.12.2020; chinaaid.net 4.12.2020).
Schon früher wurde gemeldet, dass sich an einigen Orten Schüler und ihre Eltern schriftlich verpflichten mussten, nicht an religiösen Aktivitäten teilzunehmen (vgl. China heute 2018, Nr. 3, Chronik, Religionspolitik, 2. September 2018; 2020, Nr. 2-3, Chronik, Religionspolitik, 12. Juni 2020). Seit einigen Jahren gibt es zudem aus einer zunehmenden Zahl von Orten in China Berichte, dass Minderjährige keine Gottesdienste besuchen und nicht am Religionsunterricht teilnehmen dürfen.

4. Januar / 21. Februar 2021:
Zentrales Dokument Nr. 1“ zur Revitalisierung des ländlichen Raums fordert verstärktes Vorgehen gegen „illegale religiöse Aktivitäten auf dem Land“
Das erste politische Dokument des Jahres 2021 – das „Zentrale Dokument Nr. 1“ des Zentralkomitees der KP Chinas und des Staatsrats – behandelt, wie schon die entsprechenden Dokumente der Vorjahre, Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum. In Abschnitt 25, „Stärkung des Aufbaus einer geistigen Zivilisation“, findet sich ein Satz zum Thema Religion, mit ausschließlich negativen Konnotationen; er lautet: „Mit vermehrter Kraft illegale religiöse Aktivitäten und ausländische Infiltrationsaktivitäten auf dem Land bekämpfen, gemäß dem Gesetz der Einmischung in ländliche öffentliche Angelegenheiten mittels Religion Einhalt gebieten.“ Der gleiche Satz stand bereits im Dokument Nr. 1 von 2018 (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Chronik, Religionspolitik, 4. Februar 2018). In erster Linie geht es in Abschnitt 25 um die Vertiefung der ideologischen Erziehung. Unter anderem sollen in den Dörfern Propagandaaktivitäten mit dem Motto „Auf die Partei hören, die Güte der Partei fühlen, mit der Partei gehen“ durchgeführt werden – diese Parole ist im Vorfeld des 100. Gründungstags der KP Chinas im Juli 2021 omnipräsent. Der chinesischen bäuerlichen Zivilisation sollen neue zeitgenössische Inhalte verliehen, ländliche Sitten und Gebräuche transformiert und vereinfacht werden. Durch Praktiken wie Punktesammelsysteme, „Moralbewertungsgremien“ (daode pingyihui 道德评议会) oder „Rot-Weiß-Räte“ (hongbai lishihui 红白理事会) [die Farben stehen für Hochzeit und Trauer] sollen schlechte Sitten wie hohe Brautpreise, üppige Begräbnisse, Verschwendung und „feudaler Aberglaube“ reguliert und gute, einfache Sitten gefördert werden (Dokument unter www.sara.gov.cn/ywdt/351548.jhtml, datiert 4.01., veröffentlicht 21.02.2021; rfa.org 25.02.2021).

5. Januar 2021:
„Vorschriften der Kommunistischen Partei Chinas für die Einheitsfrontarbeit“ veröffentlicht – Parteimitglieder dürfen nicht an eine Religion glauben
Es handelt sich um eine überarbeitete Version der 2015 zum probeweisen Gebrauch veröffentlichten Erstfassung. Das parteiinterne Dokument enthält ein Kapitel über „Religionsarbeit“, also den Umgang der Partei mit den Religionen. Neben bekannten Prinzipien der chinesischen Religionspolitik beinhaltet das Kapitel (wie schon die Fassung von 2015) den Grundsatz: „Mitglieder der Kommunistischen Partei sollen sich mit den religiös gläubigen Massen zusammenschließen, aber sie dürfen nicht an eine Religion glauben.“ Eine Übersetzung des Kapitels über die Religionsarbeit der 中国共产党统一战线工作条例 findet sich in der Dokumentation.

7. Februar 2021:
Wang Yang empfängt Verantwort­liche der offiziellen Organisationen der Religionen
Bei dem Treffen anlässlich des bevorstehenden Frühlingsfests sagte der Vorsitzende der Politischen Konsultativkonferenz zu den versammelten Religionsführern unter anderem: „Die Feier des 100-jährigen Bestehens der Kommunistischen Partei Chinas sollte Anlass sein, die schöne Tradition der Einheit, Zusammenarbeit und Harmonie zwischen den religiösen Kreisen unseres Landes und der Kommunistischen Partei Chinas fortzuführen, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas entschlossen zu unterstützen und die ‚fünf Identifikationen‘ kontinuierlich zu fördern“ (people.com.cn 8.02.2021).
Aus vielen Berichten geht hervor, dass die Religionen (zusammen mit allen anderen Sektoren der Gesellschaft) aufgerufen sind, die Partei anlässlich ihres Geburtstags zu feiern und Loyalitätserweise zu erbringen; vgl. hierzu die Einträge vom 8. März 2021 in der Rubrik „Buddhismus“ und vom 16. Februar 2021 in der Rubrik „Katholische Kirche“.
Die KPCh wurde im Juli 1921 in Shanghai gegründet.

9. Februar 2021:
„Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Amtsträger“ verabschiedet
Am 9. Februar veröffentlichte das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) „Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Amtsträger“ (im Folgenden kurz: „Maßnahmen“), die am 1. Mai 2021 in Kraft treten werden. Bisher gab es keine solch umfassende Rechtsnorm für die staatliche Verwaltung dieses Aspekts des religiösen Lebens. Die neuen „Maßnahmen“ wurden am 18. November 2020 zunächst als Entwurf für die Einholung öffentlicher Meinungen veröffentlicht (siehe China heute 2020, Nr. 4, Chronik, Religionspolitik, 18. November 2020, mit einem ersten Überblick über den Inhalt). Eine Übersetzung des sehr restriktiven Dokuments erscheint in einer der nächsten Ausgaben von China heute. Die Bestimmungen der „Maßnahmen“, dass religiöse Amtsträger „am Prinzip der Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung der Religionen“ festhalten müssen (§ 3) und dass „katholische Bischöfe von der [seitens Rom nicht anerkannten] Chinesischen katholischen Bischofskonferenz approbiert und geweiht“ werden (§ 16), bezeichnete Massimo Introvigne von Bitter Winter als „Schlag ins Gesicht des Vatikans“. Anthony Lam, ein Hongkonger Experte für die katholische Kirche in China, sagte jedoch der South China Morning Post, dass das sino-vatikanische Abkommen, das dem Papst das letzte Wort bei den Bischofsernennungen gebe, nicht berührt würde. Im Kontext der Problematik, dass katholische Kleriker im Untergrund von den Behörden an vielen Orten unter Druck gesetzt werden, gegen ihr Gewissen Erklärungen zur Unterstützung des Prinzips der Unabhängigkeit zu unterzeichnen, ist eine Änderung in der Endfassung der „Maßnahmen“ gegenüber dem Entwurf vom 18. November zu beachten: § 13 enthält die Bestimmung, dass die nationalen religiösen Organisationen die Voraussetzungen für die Anerkennung der religiösen Amtsträger der eigenen Religion festlegen; in der Endfassung wurde an dieser Stelle eingefügt, „die Voraussetzungen für die Anerkennung müssen die in § 3 dieser Maßnahmen festgelegten Bestimmungen enthalten“ – also auch das Festhalten am Prinzip der Unabhängigkeit (Text der „Maßnahmen“ unter www.sara.gov.cn/ywdt/351324.jhtml; englische Übersetzung und Kommentar unter https://bitterwinter.org/enter-the-administrative-measures-for-religious-clergy; scmp.org 19.02.). Siehe auch den Beitrag in den Informationen.

Daoismus

27.–28. November 2020:
10. Nationalversammlung der Vertreter der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV)
Die 352 daoistischen Delegierten und 48 Gäste trafen sich in Jurong (Jiangsu) am Mao­shan-Gebirge. Die Versammlung wählte turnusgemäß eine neue Führungsriege der CDV: einen 204-köpfigen Vorstand und einen Ständigen Vorstand mit 92 Mitgliedern. Der daoistische Priester Li Guangfu (geb. 1955), der auch Präsident der Daoistischen Vereinigung vom Wudangshan ist, wurde als Präsident der CDV wiedergewählt. Ihm stehen künftig 18 Vizepräsidenten zur Seite. Li Hanying wurde Generalsekretär. Die Satzung der CDV und weitere Dokumente wurden revidiert, 7 neue Regelungen wurden verabschiedet, darunter „Verhaltensnormen für daoistische religiöse Amtsträger“. Wang Zuo’an, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Direktor des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, hob in seiner Rede bei der Nationalversammlung u.a. hervor, dass die CDV in den letzten Jahren die Ordinationszeremonien der Quanzhen-Schule „wiederhergestellt“ und die Liturgie der Registerverleihung (Ordination) der Zhengyi-Schule „weiter normiert“ habe. Als gravierende Probleme nannte er eine unzureichende innere Motivation zur Sinisierung des Daoismus (sic!), mangelnde Disziplin in manchen Klöstern, Leidenschaft für Wahrsagerei und Fengshui sowie generell eine niedrige „Qualität“ des Klerus. Für die Zukunft forderte Wang die Daoisten auf, den „patriotischen Geist“ zu fördern, u.a. anlässlich der Hundertjahrfeier der Gründung der KP Chinas; eine klare Grenze zwischen „normalen religiösen Aktivitäten“ und „feudalem Aberglauben“ zu ziehen und entschlossenen Widerstand gegen alle „illegalen und gesetzwidrigen Aktivitäten, die den Daoismus benutzen“, zu leisten. Er rief den Daoismus auf, bei der Interpretation seiner Lehren und Regeln „mit der Zeit zu gehen“. Der „Stil“ des Daoismus sei zu korrigieren, die „Gebote zum Meister zu machen“ (yi jie wei shi 以戒为师). Die traditionellen daoistischen Gebote und Regeln (jielü 戒律) müssten geordnet, vereinfacht und vereinheitlicht werden, so Wang. Das System für den Ausschluss aus dem daoistischen Klerus müsse verbessert und ein webbasiertes Nachschlagesystem für ausgeschlossene Personen eingerichtet werden, damit, „wer an einem Ort gegen die Gebote (jie 戒) verstoßen hat, überall in die Schranken gewiesen wird“ (sara.gov.cn 15.12.; taoist.org.cn 18.12.; zytzb.gov.cn 30.11.).
Die Nationalversammlungen sind die höchsten offiziellen Gremien der fünf anerkannten Religionen, sie tagen turnusmäßig alle fünf Jahre. Die 9. Nationalversammlung der Daoisten fand vom 26.–29. Juni 2015 in Beijing statt; vgl. China heute 2015, Nr. 3, Chronik, 26.-29. Juni 2015.

Volksglaube

21. Dezember 2020:
Maßnahmen der Provinz Guangdong für die Verwaltung der Registrierung und Nummerierung von Stätten für Volksglaubensaktivitäten werden erlassen
In der Volksrepublik China konnten lange nur Stätten der anerkannten „fünf Religionen“ einen legalen Status durch Registrierung beim Staat erlangen. Seit einiger Zeit erproben die Behörden Methoden, traditionelle volksreligiöse Praktiken offiziell zuzulassen und in die staatliche Verwaltung aufzunehmen. Als erstes erließ im Jahr 2009 die Provinz Hunan Verwaltungsmaßnahmen zur Registrierung volksreligiöser Stätten (vgl. China heute 2011, Nr. 2, Dokumentation, Themen). Die im Dezember erlassenen Maßnahmen der Provinz Guangdong (广东省民间信仰活动场所登记编号管理办法) definieren Volksglauben als „Phänomene des nicht institutionalisierten Glaubens, bei denen eine Vielzahl von Gottheiten verehrt wird, mit dem Hauptzweck, um Segen zu beten und Schaden abzuwenden, die eng mit Brauchtumsaktivitäten verbunden sind und spontan im Volk weitergegeben werden“. Konfuziustempel (wenmiao 文庙) und Ahnenhallen von Clans (zongzu citang 宗族祠堂) zählen nicht als Stätten für Volksglaubensaktivitäten im Sinn der Maßnahmen (§ 2). Volkglaubensstätten, die eine Grundstücksfläche von mindestens 500 qm oder eine Gebäudefläche von mindestens 300 qm haben oder jährlich eine Einzelaktivität mit mindestens 1.000 Teilnehmern abhalten, müssen registriert und nummeriert (dengji bianhao 登记编号) werden. Kleinere Stätten werden registriert und archiviert, sie erhalten keine Nummer; wie die größeren Stätten werden sie in das „Verwaltungssystem für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Provinz Guangdong“ eingespeist (§ 4). Das Dorf- oder Einwohnerkomitee des Ortes, an dem die Stätte sich befindet, organisiert, dass das demokratische Verwaltungsgremium der Stätte bei der Regierung auf Gemeindeebene einen Antrag unter Beifügung der notwendigen Unterlagen (u.a. Nachweis über Eigentums- oder Nutzungsrecht der Immobilie) stellt. Diese leitet ihn nach Überprüfung an die Regierung auf Kreis­ebene weiter, welche dann das entsprechende Registrierungszertifikat ausstellt (§ 5).
Durchführungsmaßnahmen der Stadt Ningbo (Provinz Zhejiang) vom 16. November 2020 zum gleichen Thema nennen als Ausschlusskriterien für die Registrierung als Stätte für Volksglaubensaktivitäten u.a.: „es wohnt dort ständig ein religiöser Amtsträger“ (sic!) und „es werden häretische (xiejiao 邪教), abergläubige und andere illegale Aktivitäten durchgeführt“ (Dokumente unter http://mzzjw.gd.gov.cn/gkmlpt/content/3/3155/post_3155269.html#617 und www.ningbo.gov.cn/art/2020/11/16/art_1229096003_983380.html).

Buddhismus

27. Dezember 2020:
Im „Tibet Policy and Support Act“ drohen die USA mit Sanktionen im Fall einer Einmischung des chinesischen Staates in die Nachfolge des Dalai Lama – China weist dies zurück
Am 27. Dezember unterzeichnete der damalige US-Präsident Donald Trump den Tibet Policy and Support Act. Das Gesetz fordert, dass die Nachfolge der tibetisch-buddhistischen Führer, einschließlich des Dalai Lama, allein den tibetischen Buddhisten überlassen werden solle. Chinesische Beamte, die sich in den Prozess der Auswahl tibetisch-buddhistischer Führer einmischen, sollen mit Sanktionen belegt werden, einschließlich der Verweigerung der Einreise in die USA. Schon die Verabschiedung des Gesetzentwurfs durch das US-Repräsentantenhaus am 28. Januar 2020 hatte Chinas Außenamtssprecherin Huang Chunyin als schwere Verletzung der Grundsätze internationaler Beziehungen und Einmischung in innere Angelegenheiten Chinas zurückgewiesen. In einem langen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur China News Service, das am 14. Januar d.J. veröffentlicht wurde, wies Zhu Weiqun, früherer Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, ebenfalls das Gesetz zurück und erläuterte noch einmal den offiziellen chinesischen Standpunkt zur Reinkarnation des Dalai Lama. Tibet und die Nachfolge des Dalai Lama seien eine innere Angelegenheit Chinas. Noch nie sei die Reinkarnation eines Dalai Lamas vom vorherigen persönlich entschieden worden; sie müsse ein bestimmtes Verfahren durchlaufen, dessen Kern die Anerkennung der obersten Autorität der chinesischen Zentralregierung in Angelegenheiten der Reinkarnation lebender Buddhas sei. Wenn die USA und der Dalai Lama nun behaupteten, dass nur der Dalai Lama selbst das Recht habe, seinen Nachfolger zu bestimmen, und der nächste „sogenannte Dalai“ auf solche Weise erzeugt würde, könne dies nur ein „falscher Dalai“ sein (AsiaNews 22.12.2020; chinanews.com 14.01.2021; fmprc.gov.cn 29.01.2020).
2007 hat die chinesische Regierung „Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation Lebender Buddhas“ erlassen. Der heute 85-jährige 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso hat 2011 in einer ausführlichen Erklärung zur Frage seiner Reinkarnation festgelegt, dass er im Alter von etwa 90 Jahren mit anderen hohen Lamas entscheiden werde, ob die Reinkarnation des Dalai Lama weitergehen solle, und falls ja, klare Anweisungen dafür hinterlassen werde. Kein von anderen, etwa den Machthabern der VR China, ausgewählter Kandidat solle anerkannt werden (Texte der Dokumente in China heute 2007, Nr. 6, Dokumentation, und 2012, Nr. 1, Dokumentation).

21. Januar 2021:
Human Rights Watch: 19-jähriger tibetischer Mönch stirbt nach Entlassung aus dem Polizeigewahrsam
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation war der Mönch Tenzin Nyima aus dem Kloster Dza Wonpo im tibetischen Bezirk Ganzi (Kardze) am 9. November 2019 wegen Beteiligung an einem kurzen Protest für die Unabhängigkeit Tibets verhaftet worden. Er sei im Mai 2020 entlassen, aber am 11. August erneut verhaftet worden, vermutlich, weil er Informationen über seine Haft online weitergegeben hatte. Im Oktober hätten die Gefängnisbehörden seine Familie aufgefordert, ihn wegen seines Gesundheitszustands aus dem Gefängnis abzuholen. Nach Angaben von Exiltibetern mit Kenntnis des Falls habe er schwere Verletzungen aufgewiesen, was sie auf Misshandlung in Haft zurückführten. Nach vergeblichen Versuchen medizinischer Behandlung starb Tenzin Nyima im Januar 2021. Der Prozess gegen ihn und sechs weitere in den Protest involvierte Tibeter (darunter vier Mönche des Klosters Wonpo) fand laut HRW am 10. und 12. November 2020 am Mittleren Volksgerichtshof von Sershul statt. Am 14. Dezember 2020 wurden die sechs anderen Tibeter zu Haftstrafen von einem bis fünf Jahren verurteilt (hrw.org 21.01.2021).

5. Februar 2021:
„Liste der Lebenden Buddhas des tibetischen Buddhismus in Sichuan“ mit 411 Namen veröffentlicht
Die Liste verzeichne 411 „von der Regierung anerkannte Lebende Buddhas“ in den tibetischen Bezirken der Provinz, davon 119 im Autonomen Bezirk Aba (tibet. Ngawa) der Tibeter und Qiang, 291 im Autonomen Bezirk Ganzi (Kardze) der Tibeter und 1 im Autonomen Kreis Muli der Tibeter, heißt es in der Pressemeldung, die u.a. auf der Website der Chinesischen buddhistischen Vereinigung erschien (chinabuddhism.com 5.02.2021). Sie wurde von der KP-Einheitsfrontabteilung, der Religionsbehörde und der Buddhistischen Vereinigung der Provinz Sichuan herausgegeben und kann unter www.sctyzx.gov.cn/sczcfjhfml/default.htm aufgerufen werden. Die Datenbank enthält den Namen des Lebenden Buddhas, die Schule des tibetischen Buddhismus und das Kloster, dem er angehört, sowie den Ort. Im Gegensatz zur Gesamtdatenbank für Lebende Buddhas des tibetischen Buddhismus in der Volksrepublik China auf sara.gov.cn ist sie ohne Registrierung des Nutzers zugänglich. Die Pressemeldung verweist darauf, dass der Fernsehsender CCTV erst kürzlich einige „falsche Lebende Buddhas“ entlarvt habe. Xinhua berichtete drei Tage vorher über den Fall eines Han-Chinesen in Shenzhen, der sich eine falsche tibetische Identität verschafft und als Lebender Buddha ausgegeben haben soll; er habe in Verdrehung religiöser Lehren feudale abergläubische Praktiken durchgeführt, sich bereichert und die Gesundheit von Menschen gefährdet (Xinhua 2.02.2021).

8. März 2021:
Buddhistische Vereinigung von Jingde­zhen veröffentlicht Aufruf zu Aktivitäten unter dem Motto „die Parteigeschichte studieren, die Güte der Partei fühlen, auf die Partei hören, mit der Partei gehen“
In Anbetracht des 100. Gründungstags der Partei im Jahr 2021 und in Antwort auf eine Rede Xi Jinpings vom 20. Februar, in der der KP-Generalsekretär zum Studium der Parteigeschichte ermahnte, forderte die Buddhistische Vereinigung von Jingdezhen (Provinz Jiangxi) – „unter Anleitung der Einheitsfrontabteilung des [Partei]komitees von Jingdezhen“, so der Aufruf – alle Buddhisten der Stadt auf, „die Parteigeschichte zu studieren, die Güte der Partei zu fühlen, auf die Partei zu hören, mit der Partei zu gehen“ (学党史, 感党恩, 听党话, 跟党走). In dem Aufruf heißt es u.a.: „In den letzten 100 Jahren hat unsere Partei die Volksmassen dazu geführt, aus einem leckgeschlagenen Boot aufzustehen, vom Rande des Zusammenbruchs Richtung Reichtum zu gehen [...], sie hat das Schicksal der chinesischen Nation vom Untergang zum Aufstieg, vom Leiden zum Ruhm gewendet. Ohne ein blühendes und starkes Land gäbe es keinen raschen Aufschwung der religiösen Sache. Wir sollten immer fest in der Liebe zu Land und Religion stehen, die Güte der Partei kennen, die Güte der Partei fühlen, die Güte der Partei preisen und die Partei aus tiefstem Herzen lieben und respektieren“ (Text des Aufrufs unter https://mp.weixin.qq.com/s/2qm1yHtAVRnxARoUon0mjg).
Bei allen offiziellen religiösen Organisationen finden sich Pläne, den 100. Gründungstag der Partei im Juli zu begehen.

Islam

8.–10. Dezember 2020:
Chinesische islamische Vereinigung (CIV) hält Sitzung zur Hadsch-Arbeit ab
Am 1. Dezember waren neue staatliche „Maßnahmen für die Verwaltung muslimischer Hadsch-Angelegenheiten“ in Kraft getreten (vorgestellt in China heute 2020, Nr. 4, Informationen). Islamische Vertreter aus verschiedenen Teilen Chinas studierten die neuen Bestimmungen und passten das System für die Hadsch-Arbeit an, heißt es in dem Bericht auf der Website der CIV. Sie berieten außerdem über Strafmaßnahmen gegen islamische Geistliche, die illegale Hadsch-Pilgerfahrten organisieren oder daran teilnehmen. Nach den staatlichen Bestimmungen ist nur der von der CIV zentral organisierte Hadsch legal. Man tauschte sich außerdem darüber aus, wie die Hadsch-Organisation unter dauerhafter Corona-Prävention verbessert werden könnte. Im Jahr 2020 ließ Saudi-Arabien wegen der Pandemie keine Ausländer zum Hadsch einreisen (chinaislam.net.cn 17.12.2020).

Judentum

12. Dezember 2020:
Weiter Druck auf chinesische Juden in Kaifeng
Nachdem im April 2016 Repressalien gegen die jüdische Gemeinde in der Stadt Kaifeng (Provinz Henan) bekannt geworden waren, berichtet The Telegraph am 12. Dezember 2020 von weiterem Druck auf die kleine Gemeinde. Er sieht dies u.a. im Zusammenhang mit Präsident Xi Jinpings anhaltenden Kampagnen gegen ausländischen Einfluss und offiziell nicht anerkannte Religionen, zu denen das Judentum gehört. Etwa 1.000 Personen in Kaifeng beanspruchen heute, jüdische Vorfahren zu haben, davon sollen etwa 100 praktizierende Juden sein. Die jüdische Gemeinde von Kaifeng entstand in der frühen Song-Zeit (960−1126) und ging später durch Assimilation in ihrem chinesischen Umfeld auf; vom chinesischen Staat werden die Kaifenger Juden nicht als Religion oder ethnische Minderheit anerkannt. „Das ist die Regierungspolitik“, so ein Nachfahre der Juden im Gespräch mit The Telegraph, „ihr Ziel ist es zu garantieren, dass es in der kommenden Generation keine jüdische Identität mehr gibt“. Der Staat möchte offensichtlich nicht, dass die jüdische Gemeinde in Kaifeng Beziehungen mit Juden im Ausland aufnimmt. Zahlenmäßig seien sie unbedeutend, könnten aber sehr viel Aufmerksamkeit unter der internationalen jüdischen Gemeinschaft auf sich ziehen, meint Noam Urbach von der Bar-Ilan University in Israel, der über Juden in Kaifeng geforscht hat. 2016 wurde in Kaifeng u.a. das jüdische Zentrum geschlossen, Schilder zur Erinnerung an die historische jüdische Gemeinde waren entfernt worden, jüdische Reisegruppen wurden nicht mehr in die Stadt gelassen und die Gemeindemitglieder von Sicherheitskräften überwacht. Die Juden praktizieren heute im Verborgenen, Treffen am Sabbat finden heimlich statt. Sie trauten sich auch nicht mehr, sich zu gemeinsamen Restaurantbesuchen zu treffen, so ein Gemeindemitglied. Da religiöse Materialien nicht käuflich zu erwerben sind, kaufen sie christliche Bibeln und lesen darin das Alte Testament. Die Unterdrückung sei allerdings keine Form von Anti-Semitismus, so Anson Laytner, Präsident des Sino-Judaic Institute (The Telegraph 12.12.2020; s. auch China heute 2016, Nr. 2; Chronik, 28. April 2016 sowie den Beitrag von Anson Laytner über den „Status der Kaifeng-Juden im Wandel“ in China heute 2015, Nr. 2, Themen).

Protestantismus

26. November 2020:
Erstmals Doktorprüfungen am Nationalen Theologischen Seminar in Nanjing
Am 26. November bestanden Frau Wang Jiawei und Herr Luo Chengzan ihre Disputationen am Nationalen Theologischen Seminar in Nanjing. Damit sind sie die ersten Personen, denen ein Doktortitel im Rahmen des innerkirchlichen Prüfungssystems von Christenrat und Drei-Selbst-Bewegung verliehen wird. Ihr Promotionskurs begann 2016. Von staatlichen Universitäten wird der Abschluss nicht anerkannt. Frau Wangs Arbeit über die Christologie bei Kathryn Tanner wurde vom Leiter der Baptist University Hong Kong, Prof. Joshua Cho, mitbetreut; die Arbeit von Herrn Luo über Athanasius von Alexandria war u.a. von Prof. Miikka Ruokanen begleitet. Die externen Fachbetreuer haben den Status von Gastdozenten am Nanjinger Seminar.
Am 20. Dezember legten He Wenbo, Dong Yanhui und Chen Kuangrong ihre Prüfungen zur Erlangung des „Doctor of Ministry“ ab. Das den kirchlichen Dienst begleitende Promotionsstudium begann für alle drei im Jahr 2017. Herr He verfasste eine Studie über „Druck und Bewältigungsstrategien von Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleitern im Jangtse-Delta“, Herr Dong beschäftigte sich mit „Altersvorsorge für Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter“, Frau Chen mit „Konflikte und Kommunikation von Gemeindeleiterpaaren mittleren Alters“. Bei beiden Prüfungen ergänzten externe Fachleute wie Prof. Zhuo Xinping von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften oder der Leiter des Theologischen Seminars in Fujian, Dr. Yue Qinghua, das Prüfungskomittee aus Professorinnen und Professoren des Nanjinger Seminars (Microblog 今日金陵生活 2.,26.12.2020; njuts.cn).
Isabel Friemann, China Infostelle

Katholische Kirche

22. Dezember 2020:
Peter Liu Genzhu wird mit Zustimmung der Regierung und des Papstes zum Bischof von Hongdong (Shanxi) geweiht – vierte Bischofsweihe seit dem sino-vatikanischem Abkommen von 2018
Die Weihe des 54-jährigen wurde von (Erz-)Bischof Meng Ningyou von Tai­yuan geleitet, es konzelebrierten die Bischöfe Wu Junwei von Yuncheng, Ding Lingbin von Changzhi und Ma Cunguo von Shuozhou (alle Provinz Shanxi). UCAN zufolge war in dem Ernennungsschreiben der offiziellen Chinesischen katholischen Bischofskonferenz, das während der Zeremonie verlesen wurde, die päpstliche Ernennung des Kandidaten erwähnt. Bischof Liu war am 10. Juni 2020 nach dem offiziellen chinesischen Verfahren zum Bischofskandidaten gewählt worden; seine päpstliche Ernennung wurde laut UCAN im November 2020 bestätigt. Tatsächlich war er aber schon seit vielen Jahren der Bischofskandidat Roms, wie auch AsiaNews schrieb. Einen Monat zuvor, am 23. November, war Chen Tianhao zum Bischof von Qingdao in der Provinz Shandong gewählt worden (vgl. China heute 2020, Nr. 4, S. 194-195). Eine vatikanische Quelle äußerte gegenüber UCAN, dass beide Weihen „eine authentische Frucht des Abkommens“ seien.
Bischof Liu Genzhu ist am 12. Juni 1966 geboren. Er studierte am Priesterseminar von Xi’an und wurde 1991 zum Priester geweiht. Seit 2010 war er Generalvikar der Diözese Hongdong/Linfen, die seit 2006 keinen Bischof mehr hatte. Die Diözese zählt rund 40.000 Gläubige (AsiaNews 22.12.2020; chinacatholic.cn 22.12.2020; UCAN 23.12.2020).

30. Dezember 2020:
Untergrundbischof Han Jingtao von Siping (Jilin) verstirbt
Bischof Andreas Han verstarb im Alter von 99 Jahren. Er wurde am 26. Juli 1921 im Dorf Shanwanzi im Kreis Weichang, Provinz Hebei, in eine katholische Familie geboren. Die ersten Schuljahre besuchte er eine Schule unter Leitung kanadischer Missionare aus Quebec. 1934 trat er ins Kleine Seminar in der Diözese Siping ein, 1940 ins Priesterseminar in Changchun. Am 14. Dezember 1947 wurde er zum Priester geweiht. Mit Unterstützung seines Bischofs gründete Priester Han eine Schwesternkongregation und entwickelte die Arbeit der Legio Mariens in der Diözese Siping. 1953 wurde er verhaftet und verbrachte insgesamt 27 Jahre im Gefängnis und in Arbeitslagern. Anfang der 1980er Jahre wurde er zunächst als Englischlehrer an der Changchun Normal University angestellt und kurz danach als Associate Professor an der Northeast Normal Univer­sity. An der Universität unterrichtete er auch Latein und Griechisch. 1982 wurde er vom Papst zum Bischof von Siping ernannt, aber erst 1986 im Geheimen geweiht. Von Gläubigen wurde Bischof Han als „Gigant der Kultur und des Glaubens“ bezeichnet. Seit 1997 stand Bischof Han wieder unter ständiger Überwachung und auch die Schwesternkongregation war mit Konventsschließungen und geheimen Wiedereröffnungen konfrontiert.
Zu Beginn der 1980er Jahre vereinigte die Regierung alle Kirchendistrikte in der Provinz Jilin zu einer einzigen Diözese, der Diözese Jilin. Aus Sicht des Vatikans existiert die Diözese Siping weiter, sie umfasst Teile der Provinzen Jilin, Innere Mongolei und Liaoning. Die Diözese zählt heute etwa 30.000 Katholiken, darunter ca. 20.000 im Untergrund und 10.000 in der offiziellen Kirche, sowie 20 Priester und um die 100 Ordensschwestern (AsiaNews 31.12.2020: 5.01.2020; Fides 23.02.2021; http://blog.sina.com.cn/s/blog_500cf6040102yo9r.html).

5. Januar 2021:
Tod von Bischof Zong Huaide von San­yuan
Im Alter von 100 Jahren verstarb am 5. Januar der emeritierte Bischof der Diözese Sanyuan, Provinz Shaanxi. Bischof Zong wurde am 16. Juni 1920 in eine arme katholische Familie geboren und am 5. Juni 1949 zum Priester geweiht. Die Jahre 1965–1980 verbrachte er im Gefängnis und in Arbeitslagern. 1983 wurde Zong Huaide Apostolischer Administrator der Diözese, am 9. August 1987 wurde er zum Bischof von San­yuan geweiht. Zunächst war er von den Behörden nicht als Bischof anerkannt, durfte seit Anfang der 1990er Jahre jedoch offen arbeiten. Damit war er einer der ersten Untergrundbischöfe, die offiziell anerkannt wurden. Bis zuletzt stand Bischof Zong in hohem Ansehen sowohl bei den Untergrundkatholiken wie auch den Katholiken in der offiziellen Kirche. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung innerhalb der katholischen Kirche Chinas. Am 23. Dezember 1997 wurde Bischof Zong von Papst Johannes Paul II. in persönlicher Audienz empfangen. 2003 wurde er emeritiert. Sein Nachfolger ist Bischof Han Yingjin, der 2010 geweiht wurde. Die Beerdigung von Bischof Zong fand am 11. Januar statt. Mit Bischof Zong geht in China einer der letzten großen Kirchenführer der alten Generation (siehe den Nachruf in den Informationen dieser Nummer).

7. Januar 2021:
Patriotische Vereinigung und Diözese Shijiazhuang weisen in einer Erklärung Gerüchte zurück, dass die katholische Kirche schuld am Corona-Ausbruch in Hebei sei
In der Provinz Hebei – die von allen Provinzen Chinas den höchsten Bevölkerungsanteil an Katholiken hat – kam es Anfang Januar zu einem größeren Corona-Ausbruch; die Provinzhauptstadt Shijiazhuang und die Stadt Xingtai wurden komplett abgeriegelt. In den sozialen Medien verbreiteten sich Gerüchte, die Katholiken die Schuld an dem Ausbruch gaben. Am 7. Januar veröffentlichten Patriotische Vereinigung und Diözese Shijiazhuang deshalb eine Erklärung, in der sie schrieben, einzelne WeChat-Konten und Mikroblogs würden bewusst fabrizierte Gerüchte verbreiten. Ein im Internet verbreitetes Gerücht behaupte, dass Xiaoguozhuang in Gaocheng [dem Bezirk, aus dem die erste Patientin des Ausbruchs stammte] ein katholisches Dorf sei, in dem vor 20 Tagen religiöse Aktivitäten stattgefunden hätten, an denen „viele europäische und amerikanische Priester“ teilgenommen hätten, ohne Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, „jetzt seht, diese Missionare haben das europäische Virus gebracht“ usw. Die Erklärung erwidert dazu, dass Xiaoguozhuang kein katholisches Dorf sei, dass es bisher unter den Infizierten in Shijiazhuang nur einen einzigen Katholiken gebe und dass nach Angaben des zuständigen katholischen Pfarrers seit dem letzten Winter keine ausländischen Besucher mehr in der Gegend gewesen seien. Gegen die Verursacher der Gerüchte sei Anzeige erstattet worden.
Laut Jidu shibao (Christian Times) berichtete der nationale Fernsehsender CCTV am 9. Januar, dass die Provinz Hebei, die Stadt Shijiazhuang und die Stadt Xingtai in Pressekonferenzen zur Epidemie erklärt hätten, es gebe keine Belege dafür, dass der Ausbruch mit religiösen Aktivitäten zusammenhänge. Alle religiösen Stätten seien vorübergehend geschlossen worden.
Die Einheitsfrontabteilung der Stadt Xingtai rief am 9. Januar in einer Bekanntmachung die Bevölkerung dazu auf, alle trotz der angeordneten Schließung geöffneten religiösen Stätten sowie „illegale“ religiöse Treffen in Treffpunkten und Haushalten gegen Belohnung zu melden.
Die China heute-Redaktion hat Leserkommentare gesehen, die am 9. Januar auf dem WeChat-Kanal der Renmin ribao unter einem Bericht zur genannten Pressekonferenz der Provinz Hebei gepostet wurden, darunter „Religion geht gar nicht“, „In einigen Gegenden gibt es in jedem Dorf eine Kirche, das ist erschreckend, da sollte man was machen“ und „Es ist an der Zeit, religiöse Kulte im Untergrund und Islam in den Griff zu bekommen, oder es wird noch etwas Schlimmes passieren.“ Christian Soli­darity Worldwide schätzte, über 1.000 solcher Kommentare seien tagelang sichtbar gewesen, ohne von der Zensur gelöscht zu werden (AsiaNews 8.,9.,20.01.2021; csw.org.uk 19.02.2021; licas.news 11.01.2021; scmp.com 8.01.2021; UCAN 13.01.2021; www.christiantimes.cn/news/33947/天主教就石家庄疫情相关谣言发表严重声明).

9. Januar 2021:
Über 50 Katechumenen werden in der Pfarrei Huangzhong in Wenzhou (Zhe­jiang) getauft
Die Täuflinge – auf dem Foto sind Erwachsene zu sehen – hatten vorher eine fünfmonatige Taufvorbereitung absolviert, heißt es in dem Bericht auf der Website der katholischen Zeitung Xinde (Faith). Der Pfarrer der Gemeinde assistiert von 4 weiteren Priestern nahm die Taufen vor. Am ersten Weihnachtsfeiertag waren bereits in der Kathedrale von Wen­zhou 18 Menschen getauft worden. An Weihnachten fanden auch andernorts Taufen statt, beispielsweise 11 in der Kathedrale von Jinan (Provinz Shandong). Ob in den katholischen Gemeinden Festlandchinas im Jahr 2020, in dem die Kirchen pandemiebedingt monatelang geschlossen blieben, weniger Menschen getauft wurden als sonst, ist unbekannt, da Xinde keine Taufstatistik für 2020 veröffentlichte (xinde.org 28.12.2020; 14.01.2021).

16. Februar 2021:
„Arbeitsplan 2021“ der offiziellen katholischen Leitungsgremien vom Nationalen Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) verbreitet
Der Text wurde auf Weixin zongjiao, dem WeChat-Kanal des NBRA, verbreitet mit dem Hinweis, dass er in der Januarausgabe der NBRA-Zeitschrift Zhongguo zongjiao erschienen sei und „im Original“ von „Eine [patriotische] Vereinigung und eine [Bischofs-]Konferenz“ stamme – auf deren Website er sich jedoch nicht findet. Es werden konkrete Vorhaben in 8 Tätigkeitsbereichen genannt. Unter Punkt 1 („ideologischer Aufbau“) findet sich der Plan einer Konferenz der katholischen Kreise zur Feier des 100. Gründungstags der Kommunistischen Partei Chinas. Es sollen „bewegende Geschichten ausgegraben werden, wie die chinesischen katholischen Kreise die Rote Armee unterstützten“, und ein Buch mit dem Titel Katholische Kirchen am Weg des Langen Marsches soll herausgegeben werden. „Fortbildungskurse in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Sozialismus“ für Mitarbeiter der patriotischen Gremien auf Provinz­ebene, Laienführer etc. sollen fortgesetzt werden. In nicht näher genannten „Schwerpunktregionen“ soll die Wahl und Weihe von Bischöfen „aktiv und zuverlässig“ vorangetrieben werden (Punkt 3). Punkt 4 „Aufbau des theologischen Denkens“ sieht die Durchführung des „7. Forums für sinisierte Theologie“ vor, in dem es um die Sinisierung von Liturgie, Kunst und Musik gehen soll. Ferner ist geplant, von Architektur-Experten eine Reihe von Kirchenbauvorlagen entwerfen zu lassen, die den Anforderungen der Sinisierung entsprechen und lokalen Kirchen als Referenz angeboten werden können. Punkt 7 „Austausch mit dem Ausland“ sieht vor, „die Arbeit in auswärtigen Angelegenheiten zu normieren, strenge Disziplin in auswärtigen Angelegenheiten zu halten und das System für auswärtige Angelegenheiten zu revidieren und zu vervollkommnen“ (Weixin zongjiao 16.02.2021 unter https://mp.weixin.qq.com/s/EuUKoOOyTKfLy6hLO4OzSQ).
Für weitere Details siehe den Bericht in den Informationen.

19. Februar 2021:
AsiaNews: Herz-Jesu-Kirche von Yining in Xinjiang vom Abriss bedroht

AsiaNews berichtete, dass die Gläubigen die Kirche ab 19. Februar ausräumen mussten, da die Behörden ihren Abriss angeordnet hatten. Es finden sich keine Berichte darüber, ob der Abriss schließlich stattfand. Die Behörden hätten ihn angeordnet, obwohl die Kirche über alle nötigen Genehmigungen des Religionsbüros verfüge, und keine Gründe dafür angegeben; vermutet werde, dass das Land für Bauvorhaben genutzt werden solle. 2018 waren bereits christliche Reliefs, zwei Statuen und das Kreuz der Kirche demontiert worden (vgl. China heute 2018, Nr. 1, Chronik, Katholizismus, 27. Februar und 8. März 2018). Im Kasachischen Autonomen Bezirk Yili, dessen Hauptstadt Yining ist, leben laut AsiaNews 2.000 Katholiken, teilweise Nachfahren von Verbannten aus der Zeit des Qing-Reichs. Der Nachrichtenagentur zufolge wurden in den letzten Jahren mindestens vier weitere katholische Kirchen in Xin­jiang zerstört: je eine in Hami und Kuitun sowie zwei Kirchen in Tacheng. Die Kirchen hätten die nötigen Genehmigungen gehabt und keine Entschädigung erhalten (AsiaNews 19.02.2021).

Sino-vatikanische Beziehungen

29. Januar 2021:
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Interview: „Ich respektiere jeden, der die Politik des Heiligen Stuhls gegenüber China kritisiert“
In einem am 29. Januar verbreiteten Interview mit dem französischen Sender KTO sprach der Kardinal auch über die Chinapolitik des Heiligen Stuhls, er sagte: „Ich würde zunächst einmal sagen, dass ich jeden zutiefst respektiere, der eine andere Meinung hat und der, sagen wir mal, die Politik des Heiligen Stuhls gegenüber China kritisiert. Und es ist ein Recht, das zu tun, denn es ist eine extrem komplexe und schwierige Situation. Es kann verschiedene Standpunkte geben. Wir haben uns für diesen Weg der ‚kleinen Schritte‘ entschieden – es ist wahr, dass schon vorher Arbeit getan wurde, aber es gab einen großen Anstoß von Papst Franziskus. Berücksichtigen Sie auch, dass dieses Abkommen nicht als ein Abkommen gedacht war und auch kein Abkommen sein konnte, das alle Probleme löst, mit denen die Kirche in China konfrontiert ist, sondern einfach ein kleiner Schritt, von dem aus man beginnen kann zu versuchen, die Situation der Kirche zu verbessern. Es wird also nicht behauptet, dass dies das ‚letzte Wort‘ ist.“ Parolin verglich das Abkommen mit einem kleinen Samen, „der, so hoffen wir, mit der Gnade Gottes und dem guten Willen eines jeden, wachsen und Frucht bringen kann. Das ist unsere Hoffnung. Und sie erfordert viel Geduld. Sehr viel Geduld“ (www.ktotv.com/article/entretien-exclusif-avec-le-cardinal-pietro-parolin-secretaire-detat-du-saint-siege, hier nach ncregister.com 30.01.2021).

8. Februar 2021:
Papst Franziskus äußert sich zu China in seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Korps
In seiner Ansprache vor den versammelten Botschafterinnen und Botschaftern sprach der Papst auch über im letzten Jahr geschlossene internationale Vereinbarungen; in diesem Zusammenhang sagte er: „Darüber hinaus haben der Heilige Stuhl und die Volksrepublik China am 22. Oktober vereinbart, die Gültigkeit des 2018 in Peking unterzeichneten vorläufigen Abkommens bezüglich der Ernennung von Bischöfen in China um weitere zwei Jahre zu verlängern. Es handelt sich um eine Übereinkunft, die im Wesentlichen pastoraler Natur ist. Der Heilige Stuhl hofft, dass der eingeschlagene Weg im Geiste des Respekts und gegenseitigen Vertrauens weitergeht und zur Lösung von Fragen gemeinsamen Interesses weiterhin beiträgt“ (www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2021/february/documents/papa-francesco_20210208_corpo-diplomatico.html; UCAN 11.02.2020).

Hongkong

4. Februar 2021:
Bereits Grundschüler sollen Unterricht zum Sicherheitsgesetz erhalten
Das Erziehungsbüro Hongkongs veröffentlichte am 4. Februar neue Richtlinien zur Umsetzung des am 30. Juni 2020 in Kraft getretenen nationalen Sicherheitsgesetzes an Primar- und Sekundarschulen. Es wird Teil des Lehrplans, geht aber weit darüber hinaus. Die Richtlinien umfassen alle Aspekte des Schulwesens, von der Verwaltung über die Unterrichtsinhalte bis zum Verhalten der Schüler, selbst außerhalb des Schulgeländes, so die South China Morning Post. Als Teil der Kampagne hat die Regierung einen Animationsfilm lanciert, in dem eine weise Eule den Kindern beibringt, was Patriotismus, Loyalität und ein striktes Einhalten der Gesetze bedeuten. In den Richtlinien heißt es u.a., dass die Lehrkräfte deutlich herausstellen sollen, dass „der Schutz der nationalen Sicherheit in der Verantwortung aller Bürger liegt und dass es diesbezüglich keinen Raum für Debatten oder Kompromisse gibt“. Ip Kin-yuen, Präsident der Lehrergewerkschaft, sagte laut Reuters, die Richtlinien würden bei den Lehrkräften Unsicherheit und Ängste verursachen und einen „restriktiven und oppressiven“ Unterrichtsstil aufoktroyieren, der der Entwicklung und dem selbstständigen Denken der Schülerinnen und Schüler entgegenstünde. Hongkongs Erziehungsminister Kevin Yeung betonte vor der Presse, die Lehrplanänderungen hätten das Ziel, eine nationale Identität hervorzubringen. Die Primarschülerinnen und -schüler sollten verinnerlichen, dass sie Bürger Hongkongs und gleichzeitig Chinesinnen und Chinesen seien. Für die Primarstufe wurden Hör- und Bilderbücher entwickelt und die Schülerinnen und Schüler müssen den Text der chinesischen Nationalhymne lernen „und verinnerlichen, wie sie sich respektvoll zu verhalten haben, wenn sie abgespielt wird“, so die Neue Zürcher Zeitung. „Im weiteren Verlauf der Primarschule sollen die jungen Hongkonger lernen, welche vier Vergehen eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen: Es geht um Subversion, umstürzlerische Aktivitäten, Terrorismus sowie Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften. In der Sekundarschule gibt es künftig neben dem 15-stündigen Lernmodul über die chinesische Verfassung und das Hong­konger Grundgesetz eine dreistündige Ergänzung zum Gesetz über nationale Sicherheit“ (Neue Zürcher Zeitung 8.02.2021, dort auch das Video; Reuters 5.02.2021; www.scmp.com/video/hong-kong/3121229/hong-kong-teach-new-national-security-law-classrooms 10.02.2021).

5. Februar 2021:
Chinesisch Neujahr: Führer der sechs Religionen schicken Grüße zum Jahr des Rindes
In ihrer jährlichen Neujahrsbotschaft hat das Kolloquium der sechs Religionsführer in Hongkong Grüße und Gebete an die Bewohner übermittelt. Bei den Unterzeichnern handelt es sich um Most Ven. Kuan Yun, Präsident der Hongkonger buddhistischen Vereinigung; Kardinal John Tong, Apostolischer Administrator der katholischen Diözese Hongkong; Dr. Tong Yun-Kai, Präsident der Konfuzius-Akademie; Ibrahim Sat Che-Sang, Vorsitzender der Chinesischen muslimischen kulturellen und brüderlichen Vereinigung; Rev. Dr. Eric So Shing-Yit, Vorsitzender des Hongkonger Christenrates: sowie Leung Tak-Wah, Vorsitzender der Hong­konger daoistischen Vereinigung. In ihrer Botschaft steht die Corona-Pandemie, die auch Hongkong betroffen hat, im Fokus. Am Ende des Briefes fassen sie ihre Wünsche wie folgt zusammen: „… dass die Epidemie bald vorübergeht und wir zum normalen Alltag zurückkehren können; dass unser Land immer wohlhabender und mächtiger wird und alle Menschen glücklich werden; und dass Hongkongs Gesellschaft soziale Harmonie, Wohlstand und Stabilität genießen kann“ (Sunday Examiner 5.02.2021).

28. Februar 2021 / 15. März 2021:
47 prodemokratische Aktivisten bleiben zunächst in Haft
47 Politiker und Aktivisten – die Führung der prodemokratischen Opposition in Hongkong – blieben nach viertägigen Anhörungen Anfang März zunächst weiterhin in Untersuchungshaft. Voraussichtlich am 31. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden. Vor dem Gerichtsgebäude in West Kowloon hatten sich viele Anhänger versammelt, unter ihnen auch Kardinal Josef Zen. Auch Diplomaten u.a. aus Großbritannien, den USA, Kanada, Deutschland und den Niederlanden baten vergeblich um Einlass in den Gerichtssaal. Die Angeklagten waren am 28. Februar unter dem Vorwurf von Verstößen gegen das nationale Sicherheitsgesetz festgenommen und nun angeklagt worden. Die Gruppe war erstmals im Januar festgenommen (damals 53 Personen) und wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Einige sitzen schon länger wegen anderer unterstellter Vergehen in Haft, so der prominente Oppositionelle Joshua Wong. Den demokratischen Politikerinnen und Politikern wird vorgeworfen, im Juli vergangenen Jahres „illegale“ Vorwahlen zu der wegen der Corona-Pandemie später abgesagten Parlamentswahl abgehalten zu haben. Bei diesen Vorwahlen wurden prodemokratische Kandidaten ausgewählt. Dies sei Staatsgefährdung gewesen. Etwa 600.000 Einwohner Hongkongs hatten sich an den Vorwahlen beteiligt. Das nationale Sicherheitsgesetz sieht je nach Tat bis zu lebenslange Haftstrafen vor. Inzwischen, so Stand 15. März 2021, wurden 11 der Angeklagten gegen Kaution wieder aus der Haft entlassen.
Weiter in Haft sitzt auch der bekannte Hongkonger Verleger und Demokratie-Aktivist Jimmy Lai, auch er angeklagt wegen Anschuldigungen im Rahmen des Sicherheitsgesetzes. Sein Prozess soll Mitte April beginnen.
Am 25. Februar hatte die Chinese University of Hong Kong angekündigt, dass sie ihre Beziehungen zur Student Union einstellen werde. Deren neue Vorsitzende seien „falscher“ Aussagen angeklagt, die die nationale Sicherheit bedrohten, so AsiaNews. Studierende, die zu „illegalem Verhalten“ anstacheln würden, würden vom Studium ausgeschlossen (AsiaNews 12.,26.02.; 1.,3.03.201; LICAS 15.03.2021; Der Spiegel 4.03.2021; Süddeutsche Zeitung 1.03.2021; Die Welt 17.02.2021).

11. März 2021:
Beijing verabschiedet Wahlrechts­reform und damit stärkere Kontrolle für Hongkong
Bei der Jahrestagung des Chinesischen Volkskongresses hat die chinesische Regierung eine Wahrrechtsreform für Hongkong verabschiedet, nach der zukünftig Beijing die politische Gesinnung aller Wahlkandidaten prüfen und kontrollieren will und die Distrikte zur Wahl des Hongkonger Legislativrates neu definieren möchte. Laut Außenminister Wang Yi am 7. März, so der Spiegel, seien die Veränderungen „Hongkongs Übergang vom Chaos zur Staatsführung“. Der Übergang sei „im vollen Interesse aller Parteien“, denn Hongkong zu lieben und Patriotismus seien exakt dasselbe. Hongkonger Medien – so die Zeit vom 11. März – hätten berichtet, dass das Komitee zur Wahl des Hongkonger Regierungschefs von bisher 1.200 auf 1.500 Mitglieder vergrößert werden solle. Das Wahlkomitee solle künftig auch darüber entscheiden, wer bei den Parlamentswahlen antreten darf, „womit Kandidaten indirekt auf die Zustimmung Pekings angewiesen wären“. Gemäß den Berichten solle der Hongkonger Legislativrat von 70 auf 90 Plätze vergrößert werden.
Dies ist ein weiterer Schritt, um die demokratienahen Kräfte an den Rand zu drängen (Spiegel 7.03.2021; Zeit 11.03.2021).

Taiwan

8. Februar 2021:
Papst Franziskus grüßt Taiwan zum Chinesischen Neujahr
Am Rande des diesjährigen Neujahrsempfangs für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps überbrachte Taiwans Botschafter beim Heiligen Stuhl, Matthew S.M. Lee, dem Papst Neujahrsgrüße im Namen der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen und des gesamtes taiwanischen Volkes. Nach einem Bericht von UCAN sagte Lee: „Der Papst war guter Dinge, er wünschte einen guten Beginn zum chinesischen Neujahr und versprach für Taiwan zu beten.“ Im Januar hatte Präsidentin Tsai an Papst Franziskus einen Brief geschickt als Antwort auf seine Botschaft zum 54. Weltfriedenstag am 1. Januar. In dem Brief erwähnt sie u.a., wie Taiwan, das nur wenig von der Corona-Pandemie betroffen ist, weltweite Solidarität bekundete und Dutzende Millionen medizinische Masken und Schutzkleidung nach Zentral- und Südamerika, Asien, in die EU wie auch in die USA versandte. Sie erinnert auch an die humanitären Bemühungen von Botschafter Matthew Lee, der am taiwanischen Nationalfeiertag im Oktober in Rom Essen und Decken an Obdachlose verteilte. Gleichzeitig bekundete sie ihren Unmut darüber, dass die 23 Mio. Taiwaner weiterhin von der Weltgesundheitsorganisation ausgeschlossen sind.
Die VR China verhindert seit Jahren, dass der Insel ein Beobachterstatus oder gar eine Mitgliedschaft in der WHO zugestanden wird (AsiaNews 15.01.2021; FAZ 19.4.2020; UCAN 11.02.2021; https://english.president.gov.tw/NEWS/6093; s. auch China heute 2020, Nr. 4, S. 194).

6./11. Februar 2021:
Taiwan: Sino-Burmesen protestieren gegen den Militärputsch in Myanmar
Rot bekleidet, der Farbe der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi, demonstrierten am 6. Februar in „Klein Burma“ in New Taipeis Zhonghe-Distrikt 300 Menschen gegen den Militärputsch in Myanmar am 1. Februar. Ko Ko Thu, 54,  der nach den vom Militär blutig niedergeschlagenen Protesten von 1988 nach Taiwan geflohen war und die Demonstration in Taipei mitorganisierte, bekannte gegenüber der Taipei Times vom 7. Februar: „Taiwan ist ein sehr demokratisches Land und ich hoffe, dass Myanmar – auch wenn ich schon tot sein sollte – genauso demokratisch sein wird.“
In „Klein Burma“ in der Nähe der Nanshijiao-Metrostation an der Huaxin-Straße – die Schilder in burmesischer Sprache an den Fassaden der Läden prägen dort die Atmosphäre – ließen sich in den letzten Jahrzehnten rund 40.000 Immigranten aus Burma, die meisten von ihnen ethnische Chinesen, nieder, berichtet Diplomat Brief vom 18. März 2017. Viele sind Nachfahren von Kuomintang-Angehörigen, die am Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 im Kampf gegen die kommunistischen Guerillas über die Grenze nach Burma (das heutige Myanmar) flohen und dort zunächst festsaßen, nachdem Chiang Kai-shek in Taiwan Zuflucht gesucht hatte. 1954, nachdem die Rückeroberung Chinas sich als aussichtslos erwiesen hatte, wurden schätzungsweise 7.000 Soldaten samt ihren Nachkommen nach Taiwan repatriiert. Andere sind in den letzten Jahren aufgrund von Repressionen und anti-chinesischen Ressentiments aus Myan­mar geflüchtet. Anfangs taten sich viele schwer, sich ans lokale Leben und die Sprachen zu gewöhnen, den taiwanesischen Dialekt und Mandarin. Inzwischen floriert der Handel zwischen den beiden Ländern und über 200 taiwanische Firmen operieren in Myanmar.
An den Protesten in Myanmar, die seit 1. Februar anhalten und gegen die das Militär mit immer größerer Gewalt vorgeht, nahmen auch Tausende Mitglieder der christlichen Minderheiten im buddhistischen Myanmar teil, darunter auch Priester und Ordensfrauen.  Auch der Erzbischof von Rangun, Kardinal Charles Bo, rief mehrfach zum gewaltfreien Protest gegen den Militärputsch auf.
Gemäß Schätzungen zählt die Bevölkerung von Myanmar ca. 54,5 Mio. Einwohner. Laut einer Zählung von 2014 teilen sich die Religionen wie folgt auf: Buddhismus 87,9%, Christentum 6,2%, Islam 4,3%, Hinduismus 0,5%, Volksglaube von Stämmen 0,8%, Andere 0,2% und ohne Religion 0,1%. Nach einer Meldung von UCAN vom 20. November 2020 nehmen die 750.000 Katholiken einen bescheidenen Platz ein.
Willi Boehi


Katharina Feith
Isabel Friemann, China InfoStelle
Katharina Wenzel-Teuber
mit einem Beitrag von Willi Boehi

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