Tragödie und Hoffnung auf Glück Geschichten aus den Mädchen-Tempeln

Piotr Adamek

Ein katholisches deutsches Mädchen wird auf der Insel Pulau Ubin östlich von Singapur verehrt. Ein „Zustrom“ meist chinesischer Pilger kommt regelmäßig zu seinem Tempel, der Berlin-Heiligtum (Bolin yuan 柏林苑), Lady-Datuk-Tempel (Nadu guniang miao 拿督姑娘庙) oder einfach Schrein des deutschen Mädchens (Deguo guniang miao 德国姑娘庙) genannt wird. Eine Barbiepuppe, die das deutsche Mädchen verkörpert, steht auf dem Altar inmitten von Gegenständen, die man mit einer jungen Frau assoziiert, wie Haarbürsten, Parfüm, Lippenstift oder Halsketten. Eine rosa Musicbox spielt niedliche Töne. Blumen und Räucherwerk werden geopfert. Und es wird gebetet. Nach der Legende lebte vor etwa 100 Jahren hier das Mädchen mit seiner Familie auf einer Kaffeeplantage. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden alle hiesigen Deutschen vom britischen Militär festgenommen. Nur ein etwa achtzehnjähriges junges Mädchen konnte in den Wald flüchten, hat sich aber bald verlaufen und ist von einem Felsen in den Tod gestürzt. Dort, wo ihre Leiche gefunden wurde, begann man Blumen und Räucherwerk darzubringen. Später wurde auf dem Hügel von chinesischen Arbeitern ein kleiner Tempel errichtet, in dem die Urne mit der Asche des Mädchens, ein katholisches Kreuz und ein Stein vom Fundort der Leiche aufbewahrt wurden. Es wird geglaubt, dass der Geist des Mädchens den Betenden Glück bringt. Auch wird berichtet, dass er respektloses Verhalten im Tempel bestraft, dass sein Schatten gesehen wird, dass man plötzlich Deutsch zu sprechen beginnt...
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