90 Jahre Zeitschrift Monumenta Serica in ihrem sinologischen Kontext

Hans van Ess

1. Asienwissenschaftliche und sinologische Zeitschriften vor Bestehen der Monumenta Serica

2025 feiert die Zeitschrift Monumenta Serica ihr 90-jähriges Bestehen, ein Alter, das schon länger währt, als es der Psalm 90,10 dem Menschen zubilligt. In den Gesprächen des Konfuzius (Lunyu 2.4) geht die Zählung sogar nur bis 70. Die Monumenta Serica sind älter als das, was sich die Altvorderen vorstellen konnten. In der sechzigsten Ausgabe der Monumenta Serica aus dem Jahr 2012 findet sich zu Anfang eine „Note of the Editor-in-chief on the Completion of the First Sexagenary Cycle of the Monumenta Serica“, verfasst von Pater Zbigniew Wesołowski, der damals die Herausgabe der Zeitschrift von Roman Malek (1951–2019) übernahm. Allerdings markierte die 60. Ausgabe nicht den 60. Jahrestag der Monumenta Serica. Heute hat die Zeitschrift die stolze Zahl von 72 Ausgaben erreicht. Zwischendurch gab es Zeiten, in denen die Monumenta Serica nicht erscheinen konnten oder in denen sich ihre Herausgabe verzögerte. 90 Jahre mit 72 Ausgaben aber sind für eine Zeitschrift ein wirklich stolzes Alter, besonders für sinologische Zeitschriften, denn vieles, was in der Sinologie hoffnungsvoll begann, war nach einigen Jahren schon wieder passé.

Obwohl die Kunde von China in Europa und auch die Beziehungen zwischen China und Europa bereits in das Mittelalter zurückreichen, gibt es das Fach Sinologie als universitäre Disziplin erst seit den Anfängen oder der Mitte des 19. Jh. Die Brüder Humboldt wirkten auf Friedrich Wilhelm III. von Preußen dahingehend ein, den Universalgelehrten Julius Klaproth (1783–1835) auf eine Professur für Orientalische Sprachen und Literatur an der Universität Bonn zu berufen, deren Inhalte Klaproth selbst definieren konnte und die natürlich weit mehr als den Gegenstand umfassten, der heute gemeinhin unter Sinologie verstanden wird. Klaproth nahm das Geld, ging aber nicht nach Bonn, sondern nach Paris, wo er bereits ab 1815 lebte und mit preußischem Gehalt 1821 die Societé asiatique gründete, die ab 1822 das Journal asiatique herausgab, das seit 1822 lückenlos erschienen ist. Das Journal asiatique war nie eine sinologische Zeitschrift, denn in der damaligen Zeit war das Feld der Orientalistik viel zu klein, als dass man es auf die Sinologie hätte reduzieren können. Hier erschienen aber immerhin immer wieder sinologische Artikel, auch wenn letztlich solche über andere Kulturen Asiens dominierten. Bald jedoch war die Sinologie im Journal asiatique nur noch eine Randerscheinung.
[mehr…]
 

Ihre Spende

Damit das China-Zentrum auch weiterhin Begegnungen zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China fördern, sowie die Zeitschrift China heute und das e-Journal Religions & Christianity in Today's China publizieren kann, benötigen wir finanzielle Unterstützung.

Jetzt Spenden
Fördermitgliedschaft

Nach oben