Christoph Hildebrandt-Ayasse
Christliche Kunst bildet von ihren Anfängen an einen wesentlichen Bestandteil des missionarischen Handelns der römisch-katholischen Kirche in China. Religiöse Bilder dienten sowohl in sakralen Räumen als auch in den Wohnungen der Getauften der christlichen Verkündigung und der privaten Andacht. Es waren zunächst europäische Missionare, die sich künstlerisch betätigten und „chinesische“ christliche Bilder schufen. „Europäische Priestermaler gestalteten so vollendet aus chinesischer Auffassung und Technik, dass man ihre Schöpfungen von denen chinesischer Meister kaum zu unterscheiden vermochte.“ In einem weiteren Schritt wurden chinesische Künstler angeleitet, europäische sakrale Kunst zu kopieren. Mit Beginn des 20. Jh. schließlich förderte die Kirche verstärkt chinesische Künstler. Traditionelle europäisch-kirchliche sakrale Kunst und Architektur blieben hier der Bezugsrahmen, dem meist lediglich ein „chinesisches Aussehen“ gegeben wurde. Die Gründung der Kunstakademie an der Katholischen Universität in Peking im Jahr 1930 gab schließlich der Weltkirche wesentliche Impulse zur „Schaffung einer selbständigen, bodenständig mit dem Missionsvolk verbundenen Kultur, [damit] das religiöse Thema zu neuem und einheimischem Ausdruck geformt“ werde.
Angesichts der langen Tradition und des reichen Schatzes katholischer Kunst in China stellt sich die Frage, welche Rolle künstlerisches Schaffen in der protestantischen Mission in China spielte. Dabei werden hier ungefähr die Jahre 1850 bis 1900 der deutschsprachigen protestantischen Mission in China beleuchtet. Sie nimmt damals ihren Ausgang in der britischen Kronkolonie Hongkong und wirkt von dort in die südlichen Provinzen Chinas hinein.
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