„Fahrt in die Ferne“. Franz Xaver Biallas (1878–1936), Steyler China-Missionar, Sinologe und Gründer der Zeitschrift Monumenta Serica

Barbara Hoster

Franz Xaver Biallas war eine wichtige Persönlichkeit in der Steyler China-Mission der ersten Hälfte des 20. Jh. Mit der Gründung der chinawissenschaftlichen Zeitschrift Monumenta Serica, die 2025 ihr 90-jähriges Bestehen feiert, leistete er einen bleibenden Beitrag zur Erforschung der chinesischen Kultur. Dieser Artikel skizziert das Leben von P. Biallas und geht den Spuren nach, die er in der Geschichte der SVD und in der Sinologie hinterlassen hat.

Dieses bekannte Porträtfoto von Biallas wurde ca. 1933 in Peking aufgenommen. Zu der Zeit war Biallas bereits Mitte fünfzig und lehrte als Professor an der Katholischen Fu-Jen-Universität. Seine Kleidung, ein traditionelles chinesisches Gewand (changpao 長袍) in Kombination mit einem römischen Kragen, weist ihn als Gelehrten und Priester aus. Mit dem Kugelschreiber oder Füller, der an der schräg geschnittenen Kante seines Gewandes klemmt, und der Aktentasche unter dem Arm präsentiert Pater Biallas sich als ein durchaus selbstbewusster und tatkräftiger Mann in den besten Jahren. Er blickt ein wenig skeptisch, mit einem nur angedeuteten Lächeln in die Kamera. Die Aufnahme zeigt ihn in der persönlich und wissenschaftlich fruchtbarsten Phase seines Lebens – doch bis dahin war es ein langer und schwieriger Weg.

Franz Xaver Biallas wurde am 15. November 1878 in dem schlesischen Dorf Schwirz (heute Świerczów) in der Diözese Breslau geboren. Er war das zehnte von insgesamt zwölf Kindern einer katholischen Bauernfamilie. Schlesien war damals eine Provinz des Deutschen Reiches und hatte eine gemischte, deutsch- und polnischsprachige Bevölkerung. In der Familie Biallas wurde Deutsch gesprochen, das Polnische lernte der kleine Franz in seinem dörflichen Umfeld. Diese Zweisprachigkeit war sicherlich eine gute Grundlage für seine spätere fließende Beherrschung mehrerer Fremdsprachen. Franz wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde von seinen frommen Eltern im katholischen Glauben erzogen. In der Katholischen Volksschule in Schwirz, die er acht Jahre lang besuchte, kam Franz mit katholischen Zeitschriften in Berührung, die in populärer Form das abenteuerliche Leben der Missionare in fernen Ländern darstellten. Das entsprach ganz dem Zeitgeist. Im 19. Jh. herrschte in Europa und den USA eine große Begeisterung für die Verbreitung des Christentums unter den sogenannten Heiden. Im Zuge dieser Missionsbewegung wurden zahlreiche Orden und Missionsgesellschaften gegründet. Unter ihnen war auch die Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Societas Verbi Divini, kurz SVD), die 1875, also drei Jahre vor der Geburt von Franz Xaver Biallas, im niederländischen Steyl von dem Weltpriester Arnold Janssen ins Leben gerufen wurde.
[mehr…]
 

Ihre Spende

Damit das China-Zentrum auch weiterhin Begegnungen zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China fördern, sowie die Zeitschrift China heute und das e-Journal Religions & Christianity in Today's China publizieren kann, benötigen wir finanzielle Unterstützung.

Jetzt Spenden
Fördermitgliedschaft

Nach oben