Barbara Hoster
Im chinesischen Mondkalender hat das Pferd am 17. Februar 2026 die Schlange abgelöst. Das Pferd steht in diesem Jahr im Element Feuer. Es symbolisiert Stärke, Vitalität und heroischen Geist. Kein anderes Tier des Tierkreiszeichens ist in der chinesischen Kultur allgegenwärtiger als das Pferd – in Mythologie, Geschichte, Kunst und Literatur.
Archäologische Funde belegen, dass das Pferd schon in prähistorischer Zeit in China bekannt war. Das alte Zeichen für ma 馬 in der Siegelschrift lässt das stilisierte Bild eines Pferdes mit Mähne, Schweif und vier Beinen erkennen. Schon früh wird das Pferd mit der Sphäre des Überirdischen verknüpft. Der Zhou 周-zeitliche Orakelklassiker Yijing 易經 (Buch der Wandlungen, auch Zhou yi 周易, ca. 9. Jh. v.Chr.) ordnet das Pferd dem Himmel zu. Das sagenumwobene „Himmelspferd“ (tianma 天馬) soll aus dem „Fernen Westen“ stammen. Es wurde mit dem Mythos der aus dem Wasser geborenen „Drachenpferde“ (longma 龍馬) verknüpft, der in Turkestan verbreitet war, aber vermutlich persischen Ursprungs ist. Das Himmelspferd, ein geflügeltes, kraftvolles Pferd, meist im ungestümen Galopp dargestellt, wird seit der Han 漢-Zeit (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.) mit einer Pferderasse aus dem zentralasiatischen Fergana (im heutigen Usbekistan) verbunden. Da diesen edlen, langbeinigen Tieren angeblich bei großer Anstrengung blutiger Schweiß austrat, nannte man sie auch „blutschwitzende Pferde“ (hanxuema 汗血馬). Der nach Unsterblichkeit strebende Han-Kaiser Wudi 武帝 (2. Jh. v.Chr.) schickte Gesandte auf der Suche nach diesen Wunderpferden in den Westen, weil er glaubte, sie könnten ihn in den Himmel tragen.
Die Pferdezucht mit einheimischen Wildpferden ist in China seit dem Neolithikum nachweisbar. Als Ahnherr des gezähmten Wildpferdes gilt das Przewalski-Pferd (equus przewalskii), ein kleineres ponyartiges Pferd, das später mit anderen Pferderassen aus Zentralasien und denen verschiedener Reitervölker, der Mongolen, Tungusen und der mandschurischen Xi und Khitan, gekreuzt wurde. Als Kulturheroen und Erfinder der Pferdezucht und des Pferdewagens werden im klassischen chinesischen Schrifttum eine Gestalt namens Chengya 乘雅 („der des Fahrens Gewohnte“) oder auch ein gewisser Chengdu 乘杜 genannt. Der Pferdewagen, der den von Rindern gezogenen Wagen ablöste, wurde wahrscheinlich im zweiten vorchristlichen Jahrtausend von nomadischen Völkern der zentralasiatischen Steppe in den chinesischen Kulturraum eingeführt. Er spielte eine bedeutende Rolle im Militärwesen, diente er doch als Vehikel für die kommandierenden Offiziere im Kampf. Gleichzeitig galt er als Prestigeobjekt – je mächtiger ein Heerführer, desto größer die Anzahl seiner Streitwagen. Die enge Verbindung von Pferd und Militärwesen drückt sich auch in der Bezeichnung für den Kriegsminister, sima 司馬 („der für die Pferde Verantwortliche“), aus.
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