Josef Hesser SVD (1867–1920), der „Katechistenvater“

Karl Josef Rivinius SVD

Vorbemerkungen

Die Frage, Katechumenen zu gewinnen, ist eine sehr schwierige, die von den Missionstheoretikern kaum gelöst werden kann. Die Theorie wird da vollends versagen. Und doch ist die Lösung dieser Frage die natürliche Voraussetzung für jede Unterweisung. (Anton Volpert)

Als die Steyler Missionare 1882 unter der Leitung von Johann Baptist Anzer SVD (1851–1903) im von den Franziskanern übernommenen Gebiet in Shantung (in der heute gebräuchlichen Umschrift Hanyu Pinyin: Shandong) mit dem Werk der Glaubensverkündigung begannen, gab es im etwa tausend Einwohner zählenden Dorf Poli lediglich eine geschlossene Gruppe von 158 Christen; weitere christliche Familien und einzelne Christen lebten in bis zu fünf Stunden entfernten Siedlungen und Marktflecken. Zur effektiven und nachhaltigen Missionierung fehlten Altchristen, aus denen Katecheten, Katechetinnen und ein bodenständiger Klerus sich hätten rekrutieren lassen; die Franziskaner hatten diese Region missionarisch jahrzehntelang vernachlässigt.

Die Mehrzahl der Bevölkerung von Südshantung lebte auf dem Land und von der Landwirtschaft. Zumeist waren es arme und mittellose Bauern; eine Vielzahl von ihnen verdingte sich als Tagelöhner bei wohlhabenden Bauern. Ihr Leben war ein täglicher Kampf, nicht selten ein Ringen ums nackte Überleben. Die Menschen, denen die Religion lebenswichtig war, erwiesen in Notsituationen oder bei sonstigen Anliegen ihren Gottheiten kultische Verehrung, riefen sie um Hilfe an, brachten ihnen Opfer dar, verbrannten Papiergeld und Weihrauch oder veranstalteten Prozessionen, um z.B. den dringend benötigten Regen zu erflehen; ihre Frömmigkeit war von dieser existentiellen Erfahrung geprägt. Angesichts der Ohnmacht den Naturgewalten gegenüber baten sie die Gottheiten vertrauensvoll um Segen für ihrer Hände Arbeit und um Schutz vor Unheil, um Bewahrung vor Dürre oder Überschwemmung, die Ernteausfälle und Hungersnöte zur Folge hatten. 
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