Menschliche Bildung bei der Ausbildung zum Priesteramt in Festlandchina

Fabio Favata PIME

Einführung
Neben der sinkenden Zahl an Berufungen für das Priesteramt in der katholischen Kirche und dem Rückgang der Zahl der Gläubigen, die die Sonntagsmesse besuchen, ist offenkundig eine grundlegende Frage, von welchem Format die Priester sind. Die Berichte und empirischen Studien über den Skandal des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch katholische Geistliche in westlichen Ländern (darunter: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse 2017; Dressing et al. 2021; French Independent Commission on Sexual Abuse in the Catholic Church, CIASE 2021) bestätigten das Vorhandensein ernster Probleme unter den Priestern und betonten die dringende Notwendigkeit einer radikalen Reform bei der Menschlichen Bildung (kurz MB, Human Formation) in der Ausbildung zum Priesteramt. In ähnlicher Weise wurden bei der 76. Generalversammlung der Italienischen Bischofskonferenz (Vitale 2022) neben der christlichen Erziehung der Jugend vier Bereiche als äußerst dringlich eingestuft: Weiterbildung der Priester, Ausbildung von Formatoren der Seminare, die Vorbereitung des neuen Dokuments bezüglich der Seminarausbildung (Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis) und der Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen. Frühere Studien zu Seminaristen und Priestern (z.B. Parappully 2006; FABC 2010; John Jay College of Criminal Justice & Catholic Church 2011; Rosamma – Thomas 2012; De Pieri 2015) verwiesen auf eine schwache Selbstidentität, geringe Selbstachtung, einen Mangel an Engagement, schwere depressive und ängstliche Charakterzüge, affektive und psychische Unreife inklusive psychische Abhängigkeiten (z.B. von Sex, Alkohol, Glücksspiel). 

Seminaristen und Priester sind Jugendliche und Männer, die in dieser Gesellschaft leben und die gleiche psychische Zerrissenheit teilen, die typisch ist für die Post-Moderne (Baumann 2007; Raush 2021). Jeder Seminarist und Priester bringt seinen psychischen Hintergrund und seine Persönlichkeit mit, die von seiner eigenen Herkunftsfamilie, den Kindheitserlebnissen und Umweltfaktoren (z.B. der kulturellen, sozialen und politischen Situation) beeinflusst werden. Daher ist es wichtig, wenn man die Seminarausbildung zum Priesteramt untersucht, die Komplexität des Themas zu berücksichtigen und zu respektieren. Meine Forschung als Doktorand am Institute of Psychology an der Pontifical Gregorian University (Rom, Italien) war Teil eines Projektes des Centre for Child Protection (CCP), das zum Ziel hatte, den Status quo der Programme für Menschliche Bildung an katholischen Seminaren in der ganzen Welt zu untersuchen, um sie zu verbessern und zur Prävention von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche beizutragen. Speziell meine Forschung wurde von 2019 bis 2023 durchgeführt und untersuchte den gegenwärtigen Stand der Menschlichen Bildung bei der priesterlichen Ausbildung in Festlandchina. In diesem Beitrag werde ich nur einige der wichtigsten Ergebnisse vorstellen und diskutieren, inklusive ihrer Grenzen und möglichen Implikationen für die Ausbildung an den Seminaren in der Zukunft.
[mehr…]

 

Ihre Spende

Damit das China-Zentrum auch weiterhin Begegnungen zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China fördern, sowie die Zeitschrift China heute und das e-Journal Religions & Christianity in Today's China publizieren kann, benötigen wir finanzielle Unterstützung.

Jetzt Spenden
Fördermitgliedschaft

Nach oben