Carsten Krause und Leo Maximilian Koenig
Inhalt
Teil 1 (erschienen in der letzten Ausgabe):
Einleitung
Shaolin: Ein Kloster voller Geschichte und Geschichten
Die diskursive Welt der Zweifel an Shi Yongxin
Phase 1: Der lange Weg zur Inauguration als Abt
Phase 2: Der zwielichtige Aufbau eines Imperiums
Teil 2:
Phase 3: Die inoffizielle Bedrohung von unten
Phase 4: Das offizielle Ende von oben und die mediale Rezeption
Ausblick
Phase 3: Die inoffizielle Bedrohung von unten
Eine grundlegende Veränderung in der Wahrnehmung von Yongxin trat ein, als am 26. Juli 2015 ein anonymer Autor mit dem Mönchsnamen „Shi Zhengyi“ 释正义 einen langen Online-Bericht veröffentlichte, der den Titel trug: „Wer wahrt die Kontrolle über diesen großen Tiger, Abt Shi Yongxin vom Shaolin-Kloster?“ (Shaolin si fangzhang Shi Yongxin zhe zhi da laohu shui lai jiandu? 少林寺方丈释永信这只大老虎谁来监督?). Das Original selbst ist im Internet nicht mehr auffindbar, jedoch wird über seine Veröffentlichung an vielen Stellen berichtet, siehe z.B. Chuanjiang 2015. Der mutmaßliche Mönch „Zhengyi“, wörtlich „Gerechtigkeit“, erhob Vorwürfe in einem nie dagewesenen Ausmaß, denen zufolge Yongxin Gelder veruntreut, intime Beziehungen unterhalten und unehelicheKinder gezeugt sowie all dies durch eine doppelte Haushaltsregistrierung zu verschleiern versucht haben soll. Auch kam der oben erwähnte Vorgang an die Öffentlichkeit, demzufolge Yongxin 1988 abgesetzt worden sei.1 Diese öffentliche Anklage unterfütterte „Zhengyi“ in insgesamt drei Wellen in einzigartiger Weise mit mutmaßlichem Insider-Wissen und sogar mit Fotos und Dokumenten, die u.a. auch polizeiliche Vernehmungsprotokolle (wegen einer sexuellen Affäre) beinhalteten.
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