Chronik zu Religion und Kirche in China 22. November 2012 bis 28. Februar 2013

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de). 
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2012, Nr. 4, S. 216-221) reichte bis einschließlich 26. November 2012.


22. November 2012:
Schließung ländlicher Schulen wird bis auf weiteres eingestellt
Nach Aussage eines Vertreters des Bildungsministeriums wurde beschlossen, die Gestaltung des Schulsystems in ländlichen Gebieten neu zu überdenken. Bis zur Veröffentlichung neuer Pläne sind weitere Schließungen oder Zusammenlegungen ländlicher Schulen untersagt. Nachdem die Regierung 2002 darauf gedrängt hatte, ländliche Schulen neu zu ordnen oder zusammenzulegen, um die vorhandenen Mittel besser zu nutzen und gleichmäßiger zu verteilen, wurden zahlreiche Schulen in ländlichen Regionen geschlossen. Statistische Untersuchungen zeigen, dass zwischen 2000 und 2010 täglich durchschnittlich 63 Grundschulen und drei Mittelschulen in ländlichen Gebieten geschlossen wurden, so dass sich dort während dieses Zeitraumes die Anzahl der Grundschulen um 52% und die der Mittelschulen um 25% verringerte. Die Anzahl der Schüler in ländlichen Grundschulen nahm um mehr als 31,5 Millionen ab, die der Mittelstufenschüler verringerte sich um 16,4 Millionen. Viele der von den Schließungen betroffenen Schüler traten in Schulen von Städten oder Großstädten ein oder besuchten einfach keine Schule mehr. Überfüllte Klassen und lange Schulwegzeiten sind weitere negative Auswirkungen der zahlreichen Schulschließungen (Xinhua 22.11.2012).

Dezember 2012:
100 Festland-Studenten studieren in Taiwan katholische Theologie
Mehr als 100 chinesische Priesteramtskandidaten, Priester und Schwestern aus dem Festland China studieren an der Fu-Jen-Fakultät St. Robert Bellarmine in Taiwan, berichtete laut UCAN P. Gendron SJ, der Dekan der Fakultät. Die jetzt eigenständige Fakultät (vorher verbunden mit der Katholischen Fu-Jen-Universität) ist anerkannt von der vatikanischen Kongregation für das katholische Erziehungswesen, und ihre Studiengänge und Abschlüsse sind seit 2012 staatlich anerkannt vom taiwanesischen Erziehungsministerium. Davon profitieren auch Studentinnen und Studenten vom Festland China, die in Taiwan Theologie studieren. (Die Liste der Studien-Antragsteller aus China wird allerdings vom Innenministerium in Taiwan geprüft, während Anträge von Studenten anderer taiwanesischer Universitäten vom Erziehungsministerium behandelt werden.) P. Gendron SJ erwartet, dass die Einschreibung auch von Laien aus dem Festland China innerhalb von zwei Jahren ermöglicht werden kann. Dies würde das Projekt noch interessanter machen, da solche Programme in China kaum vorhanden sind und in Taiwan Theologie in Chinesisch studiert werden kann (UCAN 5.12.2012; Vatican Information Service 17.12.2012).

2. Dezember 2012 – 24. Februar 2013:
16 Tibeter zünden sich aus Protest an – Gesamtzahl der Selbstverbrennungen steigt auf 106
Von den 16 Menschen, die sich im genannten Zeitraum anzündeten, starben 13 oder 14 an ihren Verbrennungen. 4 der 16 Tibeter waren Mönche, unter den 16 war auch eine Frau. Drei von ihnen waren erst 17 Jahre, einer 18 Jahre alt. 7 der Selbstverbrennungen fanden im Autonomen Tibetischen Bezirk Gannan (Provinz Gansu) statt, 6 im Autonomen Bezirk Aba (tibet. Ngaba) der Tibeter und Qiang (Sichuan), dem bisherigen Schwerpunkt der Selbstverbrennungsproteste, und 3 in der Provinz Qinghai statt. Damit haben sich zwischen 16. März 2011 und 24. Februar 2013 insgesamt 106 Tibeterinnen und Tibeter aus Protest gegen die chinesische Herrschaft angezündet (Listen auf www.tibetoffice.ch und www.savetibet.org). 
Die staatlichen Behörden verhafteten in den letzten Monaten eine zunehmende Zahl von Menschen in Zusammenhang mit Selbstverbrennungen, darunter laut einer Xinhua-Meldung vom 7. Februar allein 70 im Bezirk Huangnan (Qinghai). Anfang Dezember wurde laut South China Morning Post eine Vorschrift erlassen, der zufolge jeder, der Selbstverbrennungen plant, organisiert, anstiftet oder anderen bei der Durchführung solcher hilft, vorsätzlichen Mordes angeklagt wird. Am 31. Januar wurden erstmals zwei Tibeter wegen Mordes durch Anstiftung zur Selbstverbrennung verurteilt, einer von ihnen (Lorang Konchok, ein Mönch des Klosters Kirti) zum Tod mit zweijährigem Aufschub. 
Die Regierung mobilisierte auch vermehrt inländische Buddhisten dazu, gegen Selbstverbrennungen Stellung zu beziehen – so auf einer Konferenz über die buddhistische Sicht des Lebens und die Selbstverbrennungen, die am 16. Januar von der Chinesischen buddhistischen Vereinigung in Chengdu organisiert wurde und an der hochrangige Mönche und Gelehrte des chinesischen, tibetischen und Theravada-Buddhismus teilnahmen (South China Morning Post 11.12.2012; The Guardian 31.01.2013; UCAN 8.02.2013; Xinhua 16.,31.01.; 7.02.2013; www.sara.gov.cn 17.01.2013).

3. Dezember 2012:
Richtlinien für Lehrer an Klöstern des tibetischen Buddhismus treten in Kraft
Die „Maßnahmen zur Bestimmung des Status und zur Ernennung von Lehrern für die buddhistischen Lehren an Klöstern und Tempeln des tibetischen Buddhismus“ Zangchuan fojiao simiao jingshi zige pingding he pinren banfa 藏传佛教寺庙经师资格评定和聘任办法 wurden am 25. November 2012 vom Vorstand der Chinesischen buddhistischen Vereinigung verabschiedet (Text unter www.sara.gov.cn, eine tibetischsprachige Version findet sich unter www.sara.gov.cn/zcfg/qgxzjttxgjgzd/18478.htm). 
Am 5. November 2012 hatte das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten bereits die für alle Religionen geltenden „Maßnahmen zur Anerkennung des Status, der Rangbezeichnungen und der Ernennung von Dozenten an religiösen Ausbildungsstätten“ erlassen (vgl. China heute 2012, Nr. 4, Chronik, 5. November 2012).

6. Dezember 2012:
300 Jahre russisch-orthodoxe Kirche in China
Die russisch-orthodoxe Kirche hat in Hongkong mehrere Veranstaltungen zum Gedenken an den 300. Jahrestag seit deren offizieller Gründung in China abgehalten. Damals hatte Kaiser Kangxi (1654–1722) ein Dekret erlassen, in dem die Gründung der Russisch-Geistlichen Mission in Peking bestätigt wurde. Neben verschiedenen Gottesdiensten gab es am 6. Dezember eine Tagung, bei der Fragen der orthodoxen Kirche im heutigen China diskutiert wurden. Die orthodoxe Kirche ist in China noch nicht offiziell anerkannt, in vier Kirchen dürfen jedoch offiziell Gottesdienste abgehalten werden. Die Zahl der Gläubigen beträgt ca. 15.000–20.000 (UCAN 7.12.2012).

11.–16. Dezember 2012:
Föderation der Asiatischen Bischofs­konferenzen (FABC) tagt erstmals in kommunistischem Land, Botschaft zu China
Bei der 10. Vollversammlung der FABC in Xuan Loc, Vietnam, äußerte der Hongkonger Bischof Kardinal John Tong in einer Predigt die Hoffnung, dass die FABC sich eines Tages auch auf chinesischem Boden versammeln könne. Er bat die Versammlung, für die Lösung der Probleme zwischen China und dem Vatikan zu beten. In der Abschlussbotschaft der Vollversammlung heißt es: „Wir bringen unsere Gemeinschaft und Solidarität mit und Ermutigung für die katholische Kirche in China zum Ausdruck. Wir haben die Anwesenheit ihrer Vertreter bei der Versammlung vermisst und hoffen zutiefst, dass sich eines Tages unser Kreis durch ihre aktive Teilnahme in der FABC erweitern wird“ (Vatican Insider 17.12.2012; www.fabc.org).

12. Dezember 2012:
Offizielle katholische Leitungsgremien widerrufen Ernennung des Shanghaier Bischofs Ma Daqin
Am Ende einer Sitzung des Ständigen gemeinsamen Ausschusses der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung und der Chinesischen katholischen Bischofskonferenz am 11./12. Dezember, an der auch Vertreter der Einheitsfront der KP Chinas und des Staatlichen Religionsbüros teilnahmen, wurde der Beschluss der Gremien bekanntgegeben, Ma Daqin die Ernennung zum „Koadjutorbischof“ zu entziehen [von Rom wurde er zum Weihbischof ernannt] und ihn von allen Ämtern in der Patriotischen Vereinigung auszuschließen. Eine entsprechende schriftliche Erklärung des Sprechers beider Gremien wurde am 14. Dezember veröffentlicht (siehe Wortlaut in der Dokumentation dieser Nummer). Bereits am 10. Dezember berichtete UCAN, dass Ma von der Diözese Shanghai auch für zwei Jahre vom Priesteramt suspendiert und als Dekan von Pudong und Pfarrer von Tangmuqiao abgesetzt worden sei.
Die Aberkennung von Weihbischof Mas Bischofsernennung löste bei vielen Katholiken in China, die sich u.a. in Internetforen äußerten, Empörung aus. Erzbischof Savio Hon, Sekretär der päpstlichen Kongregation für die Evangelisierung der Völker, wies in einer Erklärung am 13. Dezember darauf hin, dass Bischofskonferenzen in der katholischen Kirche (wobei die Chinesische Bischofskonferenz nicht einmal vom Heiligen Stuhl als solche anerkannt sei) nicht die Vollmacht hätten, Bischöfe zu ernennen oder ihnen das Mandat zu entziehen, Mgr. Ma bleibe also als Weihbischof von Shanghai im Amt (siehe Wortlaut in der Dokumentation).
Ma Daqin war am 7. Juli 2012 mit Zustimmung des Papstes und der chinesischen Behörden zum Bischof geweiht worden und hatte in seiner Dankrede öffentlich den Austritt aus der Patriotischen Vereinigung erklärt. Bischof Ma durfte sein Amt nicht antreten und darf sich seither nur sehr eingeschränkt bewegen. Seine Weihe werde von der chinesischen Regierung als einer der schwersten Zwischenfälle in der katholischen Kirche Chinas innerhalb der letzten 30 Jahre angesehen, schrieb UCAN (AsiaNews 21.12.2012; Fides 13.12.2012; UCAN 10.,12.,28.12.2012; Vatican Insider 11.,12.,13.12.2012; www.catholicchurchinchina.cn 14.12.2012).

12. Dezember 2012:
Offizielle katholische Leitungsgremien beschließen Revisionsentwurf der Vorschriften für Bischofsweihen
In der Sitzung des Ständigen gemeinsamen Ausschusses der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung und der Chinesischen katholischen Bischofskonferenz am 11./12. Dezember (s.o.) wurde den offiziellen Berichten zufolge auch der Entwurf einer Revision der „Bestimmungen der Bischofskonferenz der chinesischen katholischen Kirche über die Wahl und Weihe von Bischöfen“ von 1993 verabschiedet. Der Inhalt des Dokuments wurde nicht bekanntgemacht (www.chinacatholic.cn 14.12.2012; www.sara.gov.cn 14.12.2012; deutsche Übersetzung der Bestimmungen von 1993 in: China heute 1993, Nr. 4-5, S. 114).

13. Dezember 2012:
Wuhan: Provinzregierung wechselt nach Kontroverse die Leitung der Diözese aus
Priester Shen Guo’an, Interims-Leiter der Diözese, und Priester Shu Zigeng, Generalsekretär der Patriotischen Vereinigung und der Kommission für kirchliche Angelegenheiten auf Provinzebene, wurden aus ihren Ämtern entlassen und durch ein 5-köpfiges Verwaltungskomitee unter Leitung von Priester Cui Qingqi, der laut UCAN als regierungsnah gilt, ersetzt. Schwester Wu Lin, eine der Vizevorsitzenden der Patriotischen Vereinigung auf nationaler Ebene, wurde ebenfalls in das neue Komitee ernannt. Gleichzeitig wurde der Diözesanrat aufgelöst. Diese Umbesetzung der Kirchenleitung gaben Beamte des Religionsbüros der Provinz bei einem Treffen bekannt, zu dem 15 Priester und einige Schwestern der Diözese laut UCAN-Quellen eskortiert worden waren. Zuvor war am 29. November bei einem an gemeinsame Exerzitien anschließenden Treffen, an dem 19 der 23 Priester der Diözese teilnahmen, die Umbesetzung der Pfarreien in der Diözese beschlossen und am 30. November 2012 von Diözesanleiter Shen Guo’an öffentlich bekanntgegeben worden – trotz Einspruchs der Behörden, die einigen Priestern gegenüber das Treffen als illegal erklärt haben sollen. Als die Diözese am 8. Dezember dennoch die geplanten Versetzungen einleitete, entließen die Provinzbehörden noch am gleichen Tag Shen aus seinem Amt.
Das Holy Spirit Study Centre der Diözese Hongkong fragte in einer Stellungnahme, warum die Behörden sich entgegen der Verfassung in normale religiöse Angelegenheiten wie ein Treffen der Priester oder die Besetzung von Ämtern in der Diözese einmischten (AsiaNews 21.12.2012; UCAN 21.12.2012; www.hsstudyc.org.hk 20.12.2012; vgl. China heute 2011, Nr. 2, Chronik, 3. Juni 2011).

16. Dezember 2012:
Bischof Johannes Chen Shizhong von Yibin (Provinz Sichuan) stirbt
Bischof Chen Shizhong wurde 1917 in eine katholische Familie geboren. Er trat 1927 ins Kleine Seminar und 1938 ins Priesterseminar ein. 1947 wurde er zum Priester geweiht. In den 1950er Jahren und während der Kulturrevolution verbrachte er mehrere Jahre im Gefängnis. 1981 wurde er rehabilitiert und kehrte nach Yibin zurück, wo er 1985 zum Bischof geweiht wurde. Nachträglich erhielt er die Anerkennung seitens des Heiligen Stuhls. Bischof Chen war am Aufbau des Regionalseminars in Chengdu beteiligt, das er ab 1988 leitete. Aus Gesundheitsgründen kehrte er bereits ein Jahr später in die Diözese Yibin zurück. Ein besonderes Anliegen war Bischof Chen die Ausbildung von Priestern und Ordensschwestern. Während seines 27-jähriges Episkopats weihte er mehr als 40 Priester in den fünf Diözesen der Provinz Sichuan. Sein Nachfolger ist Koadjutorbischof Luo Xuegang (geb. 1964), der 2011 mit päpstlicher und staatlicher Zustimmung von Bischof Chen geweiht wurde.
Die Diözese Yibin hat 9 Priester, 7 Schwestern, einen Seminaristen und 40.000 Katholiken (AsiaNews 17.12.2012; Fides 8.01.2013).

17. Dezember 2012:
Taipei: Belgische Missionare und Ordensfrauen werden ausgezeichnet
Taipeis Bürgermeister Hau Lung-bin (Hao Longbin) verlieh sechs Missionaren und zwei Ordensfrauen aus Belgien eine Auszeichnung für ihre jahrzehntelangen humanitären Dienste in Taiwan. Zu den Geehrten gehören die Patres der Kongregation des Unbefleckten Herzens Mariens (CICM, Scheutfelder Missionare) Frans de Ridder, Marcel Goffart, Antoine Mäs und Willy Ollevier sowie die Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens (ICM) Hilda Van Hoolst und Maria Cläys. Besondere Erwähnung fand ihr Einsatz für bedürftige Familien, Obdachlose und an Demenz Erkrankte. In seiner Ansprache hob Hau ihre beispielhafte Selbstlosigkeit als Vorbild für die Öffentlichkeit hervor. Willi Boehi

18. Dezember 2012:
China Aid veröffentlicht internes Parteidokument zur Bekämpfung von ausländischer Infiltration chinesischer Hochschulen mittels Religion und „Campusmissionierung“
Die Organisation China Aid (USA) erhielt das von ihr als echt eingestufte Dokument nach eigenen Angaben von Quellen auf höchster Parteiebene. Das auf 15. Mai 2011 datierte Dokument warnt davor, dass ausländische Kräfte zunehmend Religion, insbesondere das Christentum, zur Infiltration der Hochschulen benutzen und Campusmissionierung betreiben. Es fordert zu Gegenmaßnahmen auf, u.a. durch verstärkte ideologische und politische Erziehung der Studenten, verstärkte Überprüfung des Hintergrunds ausländischen Personals durch einladende Institutionen, chinesische Botschaften und Konsulate sowie durch Schließung illegal errichteter religiöser Versammlungsstätten oder Treffpunkte innerhalb oder in der Nähe von Hochschulen. Das 15-seitige Dokument trägt den Titel „Ansichten über ein effektives Vorgehen bei der Abwehr der Infiltration ausländischer [Kräfte] an Hochschulen mittels Religion und der Verhütung von Campus-Missionierung“ (Guanyu zuohao diyi jiangwai liyong zongjiao dui gaoxiao jinxing shentou he fangfan xiaoyuan chuanjiao gongzuo de yijian 关于做好抵御境外利用宗教对高校进行渗透和防范校园传教工作的意见). Es wurde von der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas, dem Bildungsministerium, Außenministerium, Ministerium für öffentliche Sicherheit, Ministerium für Staatssicherheit und dem Staatlichen Büro für religiöse Angelegenheiten verfasst und von den Büros des Zentralkomitees der KP Chinas und des Staatsrats der VR China als Dokument Nr. 18 (2011) verbreitet, was laut China Aid ein Zeichen der hohen Bedeutung ist, die man ihm zumaß. Adressaten waren Partei-, Regierungs- und Armeeorgane auf Provinzebene und darüber (www.chinaaid.org 18.12.2012).

21. Dezember 2012:
In Taiwan werden sechs zum Tode Verurteilte hingerichtet
Die Hinrichtungen der sechs Häftlinge wurden von der Europäischen Union und Amnesty International kritisiert. Justizminister Tseng Yung-fu (Zeng Yongfu) berief sich u.a. darauf, dass laut Umfragen fast 80% der taiwanesischen Bevölkerung gegen die Abschaffung der Todesstrafe seien. Ein seit 2005 bestehendes Moratorium hinsichtlich der Vollstreckung von Todesurteilen endete am 30. April 2010 mit der Hinrichtung von vier Männern. Fünf weitere Hinrichtungen erfolgten 2011. 55 weitere Todesurteile sind verhängt, aber noch nicht vollstreckt. Die Presbyterianische Kirche Taiwans sowie die Regionale katholische Bischofskonferenz in Taiwan verabschiedeten im April 2010 Appelle zur Abschaffung der Todesstrafe (Central News Agency 22.,23.12.2012; vgl. China heute 2010, Nr. 2, S. 85f. sowie die Informationen dieser Nummer).

21. Dezember 2012:
„Weltuntergangstag“ – Sekte wirbt im Vorfeld mit Endzeitprophezeiung
Die „Kirche des allmächtigen Gottes“ quannengshen jiao(hui) 全能神 (auch „Lehre vom Östlichen Blitz“, dongfang shandian jiao 东方闪电教) trat Berichten zufolge in der Zeit vor dem angeblich vom Maya-Kalender festgelegten Weltuntergangstag verstärkt in ganz China mit Unheilsprophezeiungen auf. Xinhua meldete im Dezember 2012 Verhaftungen von Dutzenden Mitgliedern des Kultes wegen Verbreitung von Weltuntergangsgerüchten in Qinghai, der Inneren Mongolei, Jiangsu, Fujian, Sichuan, Shaanxi, Hubei, Henan und Beijing.
Die in den 1990er Jahren gegründete Sekte verkündet den Allmächtigen Gott oder Zweiten Christus, eine Wiedergeburt Christi in Gestalt einer chinesischen Frau, dessen Antithese Satan oder der „große rote Drache“ ist, den die Sekte mit der KP Chinas identifiziert. Sie wirbt seit Jahren vor allem in evangelischen und katholischen Gemeinden Gläubige ab. Chinesische katholische Websites, Zeitungen (z.B. Xinde mit einer Reihe von Beiträgen in der Ausgabe vom 6.12.2012) warnten vor der Gruppe und ihren Weltuntergangsprophezeiungen. Auch auf der Website der offiziellen protestantischen Leitungsgremien erschien am 10. Dezember 2012 eine Warnung vor einem Wiederauftreten des Östlichen Blitzes, „der häretischen Organisation, die die größte Bedrohung für die chinesische Kirche darstellt“, wie es auf der Seite heißt. Die South China Morning Post berichtete, dass die auf dem Festland verbotene Sekte sich zunehmend in Hongkong ausbreite und dort christliche Mainstream-Kirchen infiltriere (South China Morning Post 18.12.2012; UCAN 11.,20.12.2012; Xinhua 17.,20.,21.,22.12.2012; www.ccctspm.org 10.12.2012).

24. Dezember 2012:
Weihnachtsgottesdienste in ganz China
Wie in den vergangenen Jahren zogen auch dieses Jahr die Weihnachtsgottesdienste vor allem in den großen Städten wieder eine große Zahl von Menschen an, darunter auch viele Nichtgläubige. Viele Gemeinden nutzten die Gelegenheit zu Evangelisierungsaktionen. In Xi’an z.B. nahmen bei großer Kälte mehrere Tausend Gläubige an einer Freiluftmesse vor der Kathedrale teil. An einem Infostand konnten sich die Besucher mit Büchern und Informationsmaterialien ausstatten. Chormusik und Aufführungen bereicherten die verschiedenen Weihnachtsgottesdienste.
In der Pfarrei Shunqing in Nanchong (Provinz Sichuan) wurden vor Weihnachten 10.000 Evangelisierungsbroschüren verteilt. Nach der Christmette und am 25. Dezember gab es Programme u.a. für Nichtchristen mit Gesang, Katechese, Geschenken etc.
In Shijiazhuang lud das katholische Jinde Charities zum achten Mal zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung anlässlich des Weihnachtsfestes ein, die ein breites Presseecho fand und an der 400 Freiwillige und Wohltäter teilnahmen.
In der Kirche St. Peter in Shanghai fanden an Heiligabend nacheinander vier Hauptgottesdienste – davon drei mit Krippenspiel – statt: zunächst für die deutschsprachige Gemeinde (700 Gottesdiensteilnehmer), dann für die chinesischsprachige (1.000), die englischsprachige (700) und zuletzt für die koreanischsprachige Gemeinde (700). Dies sind nur einige Beispiele der Lebendigkeit und Kreativität chinesischer Gemeinden anlässlich des Weihnachtsfestes. Weihnachten ist in den letzten Jahren in China Anlass zu einem Fest des Konsums vor allem für junge Leute geworden mit an manchen Orten den höchsten Verkaufsraten im ganzen Jahr. Doch selbst die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua beschreibt in einem Artikel, wie manche junge Leute nach der „wahren Bedeutung des westlichen Festes“ suchen und sich taufen lassen (Hong Kong Sunday Examiner 9.02.2012; Xinde 10.01.; Xinhua 25.12.2012; www.sara.gov.cn 24.12.2012; www.xinde.org 26.,31.12.2012).

25. Dezember 2012:
Papst Benedikt XVI. beim Segen „Urbi et Orbi“ zu China
In seiner traditionellen Weihnachtsbotschaft beim Segen „Urbi et Orbi“ richtete Papst Benedikt XVI. seine Wünsche auch an das chinesische Volk und die neue Führung: „Der Friede sprosse auch im weiten asiatischen Kontinent hervor. Möge das Jesuskind die zahlreichen Völker, die in jenen Ländern wohnen – und in besonderer Weise jene, die an Christus glauben – mit Wohlwollen betrachten. Der König des Friedens richte ferner seinen Blick auf die neuen Führungspersönlichkeiten der Volksrepublik China, für die hohe Aufgabe, die sie erwartet. Es ist mein Wunsch, dass der Beitrag der Religionen – in der Achtung einer jeden gegenüber – so zur Geltung gebracht werde, dass diese beim Aufbau einer solidarischen Gesellschaft mitwirken können, zum Wohl jenes edlen Volkes und der ganzen Welt“ (www.vatican.va).

2. Januar 2013:
Islamische Gruppen fordern mehr Moscheen für Hongkong
Hongkong sollte mehr Moscheen und Gemeinschaftszentren für die anwachsende muslimische Bevölkerung bauen, forderte die Föderation der Muslimischen Vereinigung in Hongkong. Khan Muhammad Malik, Vorsitzender der Vereinigung, sagte auf einer Pressekonferenz am 2. Januar, dass die Zahl der Moscheen in der Stadt gleich geblieben sei, obwohl die islamische Bevölkerung in den vergangenen fünf Jahrzehnten um das Fünffache angestiegen sei. Auch betonte er, dass es zu wenig öffentliche Orte gebe, an denen sich die Muslime als Gemeinschaft versammeln könnten. In Hongkong gibt es fünf Moscheen, vier auf der Insel und eine in Tsim Sha Tsui. Malik wollte den Bau von neuen Moscheen vor allem in den New Territories, da dort viele Muslime leben. Er schätzte die Zahl der Muslime in Hongkong auf ca. 200.000. Die Regierung solle zudem Versammlungshallen für die islamische Bevölkerung einrichten, wo sie auch ihre Kinder unterrichten könne. Die Bevölkerung könne es sich finanziell nicht leisten, selbst Gebäude anzumieten (South China Morning Post 2.01.2013).

7. Januar 2013:
Zweijährige Schließung des Montecorvino-Priesterseminars in Taiyuan wird bekanntgegeben
Der Beschluss fiel am 6. Januar während eines vom Religionsbüro der Provinzregierung einberufenen Treffens, an dem die Leiter der acht Diözesen der Provinz teilnahmen. Dies berichtete UCAN unter Berufung auf örtliche Quellen. Bischof Huo Cheng, Vorsitzender des gleichzeitig aufgelösten Seminarvorstands, gab den Beschluss am 7. Januar bekannt. Während der zweijährigen Schließung soll das Seminar reorganisiert werden. Koadjutorbischof Meng Ningyou von Taiyuan wurde mit der Aufsicht über die Reformmaßnahmen beauftragt. Das Staatliche Büro für religiöse Angelegenheiten werde das Seminar evaluieren und die Wiederaufnahme von Studenten erlauben, falls das Seminar dann den vorgeschriebenen Standards hinsichtlich Lehrpersonal, Finanzen, Bibliothek etc. entspreche, hieß es bei UCAN.
Seit 2011 gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Seminarvorstand und den staatlichen Behörden über die Besetzung des Rektorenpostens (vgl. China heute 2011, Nr. 3, Chronik, September 2011), die Zahl der Seminaristen fiel in dieser Zeit von 70 auf 28 Anfang 2013. Die Seminaristen kehrten nun zunächst in ihre Diözesen zurück. Die Kurse des auf dem Seminargelände bestehenden Ausbildungszentrums für Ordensschwestern werden aber weitergeführt (UCAN 11.01.2013).

7. Januar – 3. März 2013:
Geplante Änderungen am System der Arbeitslager zur Umerziehung
Einem Bericht von Xinhua zufolge haben im Vorfeld des Nationalen Volkskongresses einige Abgeordnete eine Reform der umstrittenen Arbeitslager befürwortet, in denen Menschen durch die Polizei ohne Gerichtsverfahren zu bis zu vier Jahren „Umerziehung“ verurteilt werden können. Sie argumentieren, dass das System der Arbeitslager eine Schande für das Image Chinas sei und dringend einer Reform bedürfe, da es den Prinzipien der Regierung durch das Recht und der Gerechtigkeit, welche das Land verfolge, widerspreche. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass dieses System gegen verschiedene Gesetze wie das Gesetzgebungsgesetz und das Verwaltungsstrafgesetz verstoße und auch mit der Konvention der Menschenrechte, die von China unterzeichnet wurde, nicht zu vereinbaren sei. Das 1957 verabschiedete Gesetz zur Umerziehung ist laut Xinhua als außergerichtliche Bestrafung anfällig für den Missbrauch durch die Polizei, erschwert es, in der Bevölkerung ein Rechtsbewusstsein zu entwickeln und behindert Chinas Bemühungen um eine Regierung durch das Gesetz. Das System der Arbeitslager mache der Bevölkerung Angst, denn es werde weder kontrolliert noch von höherer Stelle überwacht.
Laut AsiaNews hat die Regierung seit Dezember 2012 damit begonnen, Gefangene aus den Arbeitslagern vorzeitig zu entlassen, die dann für die Dauer ihrer restlichen Strafe unter Hausarrest stehen. Dies treffe auch auf einige pro-demokratische Dissidenten zu, jedoch nicht auf katholische Bischöfe und Priester, die wegen ihrer Loyalität zum Hl. Stuhl zur Umerziehung in Arbeitslagern festgehalten werden.
Nach Angaben des Büros für Umerziehung im Justizministerium gab es 2008 in China 350 Arbeitslager, in denen 160.000 Personen festgehalten wurden. Wegen unterschiedlicher offizieller Verlautbarungen ist bis jetzt unklar, ob das System der Umerziehung in Arbeitslagern reformiert, abgeschafft oder durch ein anderes System der administrativen Internierung ersetzt werden wird (AsiaNews 15.02.2013; Human Rights Watch 8.01.2013; South China Morning Post 8.01.2013; The Guardian 7.01.2013; UCAN 8.01.2013; Xinhua 3.03.2013).

11.–13. Januar 2013:
Ökumenisches Jugendtreffen in Hongkong
30 junge Christen verschiedener Denominationen kamen im Vorfeld der Gebetswoche für die Einheit der Christen zu den von der Katholischen Diözesanen Jugendkommission organisierten Einkehrtagen zusammen. Für viele war es das erste Mal, dass sie in ungezwungener Atmosphäre mit Christen anderer Konfessionen beten und Erfahrungen austauschen konnten. Die Jugendlichen besuchten ein Gefängnis und ein Missionshaus, machten einen Ausflug zum ältesten katholischen Kloster und einer 110 Jahre alten anglikanischen Schule, um so besser den historischen Beitrag des Christentums für die Gesellschaft zu verstehen (UCAN 16.01.2013).

13. Januar 2013:
Staatliches Büro für religiöse Angelegenheiten veröffentlicht Arbeitspläne für 2013
Neu ist darin die Ankündigung, dass die Frage des Status religiöser Versammlungs- und Ausbildungsstätten als juristische Personen (faren 法人) untersucht werden soll mit dem Ziel, entsprechende Rechtsvorschriften zu formulieren. Die Daoistische Vereinigung soll angeleitet werden, Bestimmungen für die Anerkennung „verstreut [also nicht in Klöstern] lebender daoistischer Mönche“ (sanju daoshi 散居道士) festzulegen – eine offenbar relativ schwer zu regulierende Gruppe im Bereich der religiösen Amtsträger, der ansonsten bereits weitgehend durch Bestimmungen geregelt ist. Die schon vor einem Jahr angekündigte Datenbank zu religiösen Versammlungsstätten, Amtsträgern, Gemeinschaften und Ausbildungsstätten wird weiter aufgebaut, sie soll später online zugänglich sein. „Tibet- und Xinjiang-Arbeit“ führt die Liste der Arbeitsschwerpunkte 2013 an. Ferner sollen bei den Buddhisten und Daoisten Tempel und Klöster auf Unregelmäßigkeiten überprüft werden, bei den Muslimen weiterhin Probleme bezüglich des Hadsch untersucht und geregelt werden. Bei den Katholiken sollen die Wahl und Weihe von Bischöfen vorangetrieben und patriotische Kräfte herangebildet werden. Bei den Protestanten sollen „die Erfolge in der angemessenen Behandlung privater Versammlungsstätten konsolidiert“ werden. Bei allen Religionen wird auch der behördlich angeleitete „geistige und kulturelle Aufbau“ fortgesetzt. Im katholischen Bereich wird hier u.a. der „Aufbau inkulturierten theologischen Denkens“ angestrebt, parallel zum (bereits 1998 initiierten) „Aufbau theologischen Denkens“ im Protestantismus, dessen Ergebnisse weiter verbreitet werden sollen. Im Bereich des internationalen religiösen Austauschs wird in den Arbeitsplänen v.a. der islamische Kulturaustausch mit der Türkei erwähnt. Zu Chinabesuchen werden 2013 die „Religionsminister“ der Malediven, Bruneis, Indonesiens und der Türkei erwartet, ferner der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill. Zwei protestantische Foren stehen auf dem Programm, ein chinesisch-amerikanisches und eines mit protestantischen Kreisen Taiwans.
Bei den meisten der hier in Auswahl vorgestellten Punkten handelt es sich um die Fortführung bereits bestehender Policies (www.sara.gov.cn 18.01.2013).

14.–19. Januar 2013:
Seminar über „Priesterliche Charakter­reifung und klerikales Leben“ in Shijia­zhuang
Nach einem Bericht der katholischen Zeitung Xinde trafen sich 19 junge Priester aus verschiedenen Diözesen Chinas im Januar zu dem vom Faith Institute for Cultural Studies in Shijiazhuang (Hebei) veranstalteten kommunikativen Weiterbildungsseminar. In dem von Gesprächen und Vorträgen von Dr. Chen Tianzhi aus der Diözese Qingdao (der erste chinesische Priester, der in Pastoralpsychologie promoviert ist [University of Baltimore]) geprägten Seminar war man sich einig, dass es äußerst wichtig für heutige Priester ist, mit ihrer emotionalen und affektiven Seite umgehen zu können. Die Probleme reichen vom Umgang mit Sexualität über Internetsucht bis hin zu Erfahrungen, wie z.B. die Bewunderung von Katholikinnen für junge Priester leicht in einer Liebesbeziehung enden kann. Vier Aspekte sollen helfen, in diesem Lebensbereich zu reifen: 1. die Wahrnehmung, dass der eigentliche Schatz des priesterlichen Zölibats darin liegt, dass er ein wertvolles Geschenk ist, das Christus selbst seiner Kirche gegeben hat; 2. die Intensivierung der Christusbeziehung im innersten Herzen des Priesters angesichts einer säkularisierten Welt und ihrer Verführungen; 3. die Stärkung interpersonaler Kommunikationsfähigkeit; 4. die intellektuelle und reflektierende Beschäftigung mit der Umwelt und einem entsprechenden klugen Selbstschutz. So wird als priesterliches Ideal angestrebt, „echte Hirten ohne jede Falschheit“ zu werden (Xinde 21.01.2013).

18. Januar 2013:
Veröffentlichung der offiziellen Statistik zur Verteilung der Einkommen
Das Nationale Statistikbüro hat den Gini-Koeffizienten für China veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine Maßzahl, die Werte zwischen 0 und 1 annehmen kann und von Wirtschaftswissenschaftlern allgemein benutzt wird, um abzuschätzen, wie stark die Unterschiede bei der Einkommensverteilung in einem Staat sind. Je höher der Gini-Koeffizient ist, desto größer ist demnach die Ungleichheit bei den Einkommen.
Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros erreichte der Gini-Koeffizient in China im Jahr 2012 den Wert von 0,474 und lag damit über dem Warnniveau von 0,4, welches von den Vereinten Nationen festgelegt wurde und den Schwellenwert angibt, oberhalb dem es zu sozialer Unzufriedenheit kommt. Im Jahr 2000 betrug der Gini-Koeffizient 0,412. Nachdem er infolge der Wirtschaftskrise 2008 auf 0,491 angestiegen war, ist er seitdem von Jahr zu Jahr wieder etwas abgefallen, trotzdem zeigt er, dass die Einkommensunterschiede in China immer noch sehr groß sind. Es besteht ein dreifacher Unterschied zwischen ländlichen und städtischen Gebieten und ein vierfacher Unterschied zwischen Arbeitern in den profitabelsten Industriebereichen und Arbeitern in den am wenigsten lukrativen Industrien. Auch haben die Städter mit niedrigem Einkommen kaum vom Wirtschaftswachstum profitiert. Es wird vermutet, dass das seit 2009 zu beobachtende langsame Absinken des Gini-Koeffizienten nicht nur eine Folge der stärkeren staatlichen Unterstützung der Landbevölkerung sowie der Arbeiter im Niedriglohnbereich ist, sondern sich auch aus der zunehmenden Abwanderung von Landbewohnern in die Städte ergibt, wo die Löhne höher sind (Reuters 18.01.2013; Staff Reporter 21.1.2013; Xinhua 18.01.2013).

23. Januar 2013:
Papst Benedikt XVI. trifft erstmals Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams
Wie aus dem Vatikan verlautete, wurde bei dem 30-minütigen Gespräch die Hoffnung ausgedrückt, dass einige anhängige Situationen gelöst und die bestehende fruchtbare Kooperation gestärkt werden könne.
Im Jahr 2009 wurde eine hochrangige bilaterale vietnamesisch-vatikanische Kommission gegründet, die sich in den letzten Jahren dreimal getroffen hat. Vietnam und der Heilige Stuhl haben keine diplomatischen Beziehungen, aber verschiedene Vereinbarungen, u.a. wurde 2011 ein nicht-residierender Vertreter des Vatikans in Vietnam ernannt (UCAN 23.01.2013).

23. Januar 2013:
Studie belegt häusliche Gewalt in einem Viertel aller chinesischen Haushalte
Nach einer Umfrage des Allchinesischen Frauenverbandes leidet nahezu ein Viertel aller Frauen unter häuslicher Gewalt. 24,7% der Befragten wurden in der Ehe bereits zu unterschiedlichen Graden misshandelt oder geschlagen. Einige litten unter Freiheitsverlust entweder aufgrund finanzieller Kontrolle oder indem sie eine Art von Leben gegen ihren Willen führen müssten. Die Zahl der Frauen, die von ihren Ehemännern geschlagen wurden – insgesamt ca. 5,5% –, lag auf dem Land doppelt so hoch wie in den Städten. Trotzdem bekundeten 85,2% der Frauen, dass sie mit ihrem familiären Status zufrieden seien. Wie die am 23. Januar veröffentlichte Studie berichtet, haben sich die Gesundheit, Bildung und das Einkommen der Frauen in den letzten 10 Jahren erheblich verbessert. Ca. drei Viertel der Frauen seien in familiäre Entscheidungen eingebunden, wie z.B. den Kauf von Eigentum, das Tätigen von Investitionen oder die Aufnahme von Krediten (www.shanghaidaily.com 23.01.2013).

24. Januar 2013:
Taiwanesische Aktivisten versuchen, Statue der Göttin Mazu auf den umstrittenen Diaoyutai-Inseln aufzustellen
Eine Statue der in Taiwan besonders verehrten Seefahrergöttin Mazu wollten Aktivisten auf einer der Diaoyutai-Inseln aufstellen, damit Mazu die in dieser Region tätigen taiwanesischen Seeleute und Fischer beschütze und so gleichzeitig der Anspruch Taiwans auf die Inseln bekräftigt werde. Die Aktivisten der in Taipei ansässigen Chinesischen Vereinigung zum Schutz der Diaoyutais sowie ein Reporter des Fernsehsenders Phönix fuhren in einem von Schiffen der taiwanesischen Küstenwache begleiteten Fischerboot zu der Inselgruppe. Sie wurden aber (nach japanischer Darstellung) vor Erreichen japanischer Hoheitsgewässer zum Umkehren gezwungen. Die de facto von Japan kontrollierten Diaoyutai (jap. Senkaku)-Inseln werden von Japan, China und Taiwan beansprucht. Seit September 2012 hat sich der Konflikt um die Inseln verschärft (Central News Agency 24.01.2013; Kyodo 24.01.2013).

Anfang Februar 2013:
Taiwan: Nationaler Kirchenrat gegen jegliche Form von Gewalt
Auf seiner 12. Vollversammlung sprach sich der National Council of Churches in Taiwan für den Schutz des Lebens gegen jede Form von Gewalt aus. Ökumene, die Förderung indigener Völker und der Bedürftigsten der Gesellschaft bleiben die Hauptziele des Kirchenrates. Der 1991 gegründete Nationale Kirchenrat Taiwans setzt sich aus 16 Kirchen und Organisationen zusammen, darunter auch die katholische Bischofskonferenz (Fides 13.02.2013; www.oikoumene.org).

4. Februar 2013:
China Aid veröffentlicht „2012 Annual Report. Chinese Government Per­secution of Christians & Churches in Mainland China, January – December 2012“, sieht Verschlechterung der Lage
Die in den USA ansässige Organisation China Aid, die sich für die Rechte der chinesischen Hauskirchen einsetzt, sprach in ihrem Bericht von 132 Fällen der Verfolgung von Christen durch Regierungsstellen im Jahr 2012, bei denen insgesamt 1.441 Personen (davon 236 Pastoren) festgenommen, 9 verurteilt und 37 physisch oder verbal misshandelt worden seien. Der Bericht macht keine Angaben über die Dauer der Festnahmen. Die weitaus meisten der aufgelisteten Fälle stammen aus dem Bereich der protestantischen Hauskirchen. China Aid stellte für die letzten sieben Jahre eine kontinuierliche Verschlechterung der Lage und einen Anstieg der Fallzahlen fest. Die Organisation sah für 2012 eine Häufung folgender behördlicher Maßnahmen gegen Hauskirchen: erzwungene Schließung, indem man Vermieter unter Druck setzte, Versammlungsräume versiegelte, von der Stromversorgung abschnitt etc. und so ein Funktionieren der Gemeinde unmöglich machte (ein Beispiel hierfür ist die Shouwang-Kirche in Beijing); Druck auf Gemeinden oder Hauskirchenführer, sich der offiziellen „Drei-Selbst-Kirche“ anzuschließen; Vorgehen gegen Kirchenleiter unter dem Vorwand des „Verdachts, einen Kult zu organisieren oder zu benutzen, um das Gesetz zu unterminieren“ (www.chinaaid.org 4.02.2013).

4. Februar 2013:
Bischof Johannes Baptist Liu Jingshan (Yinchuan) stirbt 99-jährig
In Yinchuan, der Hauptstadt der Autonomen Region Ningxia, starb Chinas ältester Bischof. Bischof Liu wurde am 24. Oktober 1913 in der Diözese Bameng, Innere Mongolei, geboren, trat 1929 ins Kleine Seminar ein und studierte von 1935 bis 1942 an den Priesterseminaren von Datong und Sui­yuan (Innere Mongolei). 1942 wurde er in Suiyuan zum Priester geweiht. 1951 wurde er verhaftet und musste die Jahre bis 1970 im Arbeitslager verbringen. 1983, damals bereits knapp 70 Jahre alt, begann er mit der Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten in Ningxia. In der gesamten, überwiegend von Muslimen bewohnten Region gab es damals nur zwei Priester. 1993 erfolgte seitens der offiziellen Kirche eine Umstrukturierung der Diözese Ningxia und Liu Jingshan wurde im Alter von fast 80 Jahren zum Bischof geweiht. 2007 weihte er Josef Li Jing, der in Sankt Augustin studiert hatte, zum Koadjutorbischof. 2009 ging Bischof Liu in den Ruhestand. Beide Bischöfe sind sowohl von Rom wie von der chinesischen Regierung anerkannt. Bischof Liu galt als freundlicher, liebenswürdiger Mensch, der jedoch strenge Maßstäbe an seine Priester und Seminaristen anlegte. Nach Aussagen von Bischof Li kondolierte Ningxias emeritierter 95-jähriger Untergrundbischof Josef Ma Zhongmu und zelebrierte ein Requiem für Bischof Liu.
Die Diözese Ningxia hat 15.000 Katholiken, 12 Priester und ca. 20 Ordensschwestern. Bischof Liu wurde am 8. Februar unter Teilnahme von fast 1.000 Gläubigen beigesetzt (UCAN 5.02.2013; www.xinde.org 5.02.2013).

6. Februar 2013:
Chinesischer Ministerpräsident sendet Grüße an die Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC)
Zum Beginn des 12. Gipfels der Staats- und Regierungschefs von Ländern der OIC in Kairo schickte Ministerpräsident Wen Jiabao eine Glückwunschadresse. Sowohl das chinesische Volk als auch die Völker der islamischen Staaten liebten Frieden und sehnten sich nach Entwicklung, schrieb Wen. Er versicherte die islamischen Staaten der Bereitschaft Chinas zur Zusammenarbeit. In der OIC sind 57 islamische und mehrheitlich oder teilweise muslimische Staaten zusammengeschlossen (Xinhua 6.02.2013).

8. Februar 2013:
Tod von Bischof Josef Ma Xuesheng von Zhoucun (Provinz Shandong)
Bischof Ma Xuesheng verstarb im Alter von 89 Jahren. Er wurde am 16. September 1923 in Zouping (Shandong) geboren, wo er 1939 ins Kleine Seminar eintrat. Seine philosophischen und theologischen Studien absolvierte er in Hankou (Wuhan), Macau und Beijing. 1957 wurde er in Jinan zum Priester geweiht. Es folgten lange Jahre, in denen er gezwungen wurde, als Koch und in der Landwirtschaft zu arbeiten. 1988 wurde er zum Koadjutor-Bischof der Diözese Zhoucun geweiht, 1997 dort als Ortsbischof installiert. Bischof Ma war bekannt für seine Nähe zur Jugend. 2009 erkrankte Bischof Ma an einer Zerebralparese und konnte so auch nicht an der Weihe seines Koadjutorbischofs Joseph Yang Yongqiang (geb. 1970) am 15. November 2010 teilnehmen. Die Weihe von Bischof Yang erfolgte mit päpstlicher und behördlicher Zustimmung.
Die Diözese Zhoucun zählt rund 18.000 Gläubige. Es gibt 65 Kirchen, 20 Priester und eine kleine Gruppe von Ordensschwestern (China heute 2010, Nr. 4, Chronik, 15. November 2010Fides 22.02.2013; www.xinde.org 13.02.2013).

9. Februar 2013:
Hongkong: Neujahrsgrüße der sechs Religionsführer
In einem Neujahrsschreiben vom 9. Februar übermittelte das Kolloquium der sechs Religionsführer die besten Wünsche zum Jahr der Schlange. U.a. beteten sie für Harmonie in der Gesellschaft und eine stabile Lebensgrundlage für alle Bürger Hongkongs. Angesichts der Weltfinanzkrise riefen sie zu entsprechenden Maßnahmen in Regierung und Volk auf. Ein weiteres Thema der Botschaft war bessere Bildung auf der Grundlage der eigenen kulturellen Werte, die zu stabiler Regierung und Gesellschaft beitrage. Abschließend ermutigten die Religionsführer zu einer Reinigung von Herz und Seele und zur Fürsorge um den Nächsten.
Weltweit feierten etwa 1,5 Milliarden Menschen Chinesisch Neujahr. Nach dem Jahr des Drachen hat nunmehr das Jahr der Schlange begonnen (Hong Kong Sunday Examiner 9.02; Vatican In­sider 10.02.).

10. Februar 2013:
Papst Benedikt XVI. schickt Neujahrs­grüße an die Völker des Fernen Ostens
Nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz hat Papst Benedikt XVI. den „Völkern im Fernen Osten“ anlässlich des Chinesischen Neujahrsfestes Grüße übermittelt. Wörtlich sagte er: „Heute feiern verschiedene Völker des Fernen Ostens das Mondneujahr. Friede, Harmonie und Dank an den Himmel sind die universalen Werte, die bei dieser freudigen Gelegenheit gefeiert und von allen ersehnt werden, um die eigene Familie, die Gesellschaft, die Nation aufzubauen. Ich spreche den Wunsch aus, dass sich für jene Völker der Wunsch nach einem glücklichen und erfolgreichen Leben erfüllen möge. Einen besonderen Gruß richte ich an die Katholiken jener Länder, auf dass sie sich in diesem Jahr des Glaubens von der Weisheit Christi leiten lassen.“ (Vatican Insider 10.02.2013; www.vatican.va).

11. und 28. Februar 2013:
Papst Benedikt XVI. kündigt seinen Rücktritt an und verzichtet auf sein Amt
In kirchlichen und staatlichen Medien in Festlandchina war von der überraschenden Rücktritts­ankündigung des Papstes am 11. Februar und seinem Rückzug aus dem Amt am 28. Februar zu erfahren. Chinesische Katholiken reagierten erschrocken, aber auch mit Verständnis und Dankbarkeit für seine besondere Sorge um die chinesische Kirche. Hervorgehoben wurde dabei besonders sein Brief an die katholische Kirche in China von 2007. Der chinesische Außenministeriumssprecher sagte am 18. Februar, China hoffe, dass der Vatikan unter dem neuen Papst Flexibilität und Aufrichtigkeit bei der Schaffung von Voraussetzungen für die Verbesserung der sino-vatikanischen Beziehungen zeigen werde. Die offiziellen katholischen Leitungsgremien (Patriotische Vereinigung und Bischofskonferenz) forderten am 1. März in einer Erklärung die Gläubigen auf, für die Gesundheit des zurückgetretenen Papstes und die Wahl des neuen Papstes zu beten (siehe Beitrag in den Informationen).

16. Februar 2013:
6 Personen werden bei Vorgehen gegen „illegale“ Tempel am buddhistischen Berg Wutaishan festgenommen
Das „Buddhalandzentrum“ und der „Tempel des Gottes des Reichtums“, zwei nicht als religiöse Stätten registrierte Orte, hätten mit falschen Mönchen Touristen in betrügerischer Weise zu Geldspenden und dem Kauf kostspieligen Weihrauchs und Rituals verleitet, hieß es in Berichten staatlicher Medien. Beide Stätten wurden geschlossen, die Industrie- und Handelsbehörde entzog ihnen die Gewerbelizenz. Sechs am Buddhalandzentrum Beteiligte wurden festgenommen. Den Berichten zufolge starteten die örtlichen Behörden, nachdem Medien tags zuvor über die beiden Stätten berichtet hatten, am 15. Februar großangelegte Kontrollen. In deren Zuge wurden in den Siedlungen im Landschaftsgebiet Wutaishan sieben weitere Dorftempel und Vertriebsstellen für buddhistische Artikel, die illegal religiöse Aktivitäten abhielten, behördlich geschlossen, meldete Zhongguo xinwenwang. Der Agentur zufolge gibt es allein in der Großgemeinde Taihuai am Wutaishan 47 Tempel. Der Wutaishan ist einer der vier heiligen Berge des Buddhismus in China (Xinhua 17.02.2013; www.chinanews.com 17.02.2013; zu dem Thema vgl. auch China heute 2012, Nr. 4, S. 208-212227-229).


Katharina Feith
Jan Kwee
Martin Welling
Katharina Wenzel-Teuber

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