Katrin Fiedler
Fast zeitgleich sind in den letzten Monaten mehrere Texte zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) erschienen, die auch für chinesische Katholiken Relevanz entfalten können. Am 15. Mai 2026 wurde die erste Enzyklika von Papst Leo XIV, Magnifica Humanitas – Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, veröffentlicht. Zehn Tage später publizierte Xuexi shibao 学习时报 (Study Times) einen wissenschaftstheoretischen Aufsatz von Zhang Donggang 张东刚 mit dem Titel „Der Aufbau eines autonomen Wissenssystems für China im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.“ Es ist lange her, dass Xuexi shibao – deren Titelkalligraphie von Jiang Zemin stammt – reformorientierte Stimmen zu Wort kommen ließ. Heute werden hier programmatische Parteitexte lanciert. So verhält es sich auch mit Zhangs Artikel. Sowohl die prominente Platzierung auf S. 1 als auch die Tatsache, dass der Autor Parteisekretär der Renmin University ist, belegen seine Bedeutsamkeit. Am 12. Juni verbreitete das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) über seinen WeChat-Kanal einen Text zum Nutzen von KI für das „Religionsmanagement“, der bereits im Mai in der hauseigenen Zeitschrift Zhongguo zongjiao 中国宗教 erschienen war (vgl. die Meldung in China heute 2026, Nr. 2, S. 76). Im Juli wandte sich Präsident Xi Jinping im Rahmen der World AI Conference in Shanghai mit einer programmatischen Rede zur KI an die Weltöffentlichkeit.
Das parallele Erscheinen dieser Äußerungen illustriert zunächst, wie schnell sich die Entwicklungen rund um das Thema KI aktuell bewegen und damit politische Reaktionen herausfordern. Wie unterschiedlich diese ausfallen können – und wo es Gemeinsamkeiten gibt – zeigt eine vergleichende Lektüre. [mehr…]

