Beschenkt und dankbar gingen die Teilnehmenden der dritten interreligiösen Konsultation am 8. Mai auseinander. Die Veranstaltung wurde von allen Seiten als großer Erfolg gewertet, die Absicht, das Format weiterzuführen, klar ausgesprochen. Unter der Federführung von Dr. Eckhard Zemmrich, Evangelische Mission Weltweit (EMW), und Oberkirchenrätin Ute Hedrich, Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), war die Tagung vorbereitet und die Einladung an die chinesische Seite ausgesprochen worden. Die Dachverbände der protestantischen Kirche in China, Chinesischer Christenrat und Patriotische Drei-Selbst-Bewegung (CCC/TSPM), waren von den ersten Beratungen an eng in Konzeption und Absprachen zum inhaltlichen Ablauf einbezogen.
Vorgeschichte
Das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten unterstützte die Idee einer ersten interreligiösen Konsultation in Hamburg und Berlin, die 2016 zustande kam. Den Anlass dazu gab die Beobachtung, dass deutsche Kirchen Angebote für muslimische Geflüchtete machten, und die Frage, wie gut das Miteinander verschiedener Religionen in Deutschland funktioniert, sowie ein Gespräch im Jahr 2015 zwischen dem damaligen Asienreferenten der EMW und einer Beamtin der chinesischen Religionsbehörde in Beijing. Bei der ersten Konsultation umfasste die chinesische Delegation 21 Teilnehmende, sechs Repräsentanten des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, fünf von CCC/TSPM, drei Katholiken, fünf Muslime und zwei Religionswissenschaftler. Nach den guten Erfahrungen der ersten Konsultation fand 2018 eine Gegeneinladung von CCC/TSPM nach Shanghai statt, der eine Gruppe von 16 Personen folgte, darunter neben EKD- und EMW-Repräsentanten eine Reihe von Religionswissenschaftlern sowie der Direktor des China-Zentrums, zwei deutsche Muslime und eine Angehörige des Auswärtigen Amts. Die zweite Konsultation wurde unter das Motto „Verschiedene Religionen – gemeinsame Zukunft“ gestellt. Eine für 2020 in Deutschland geplante dritte Konsultation wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Dass die Reihe in diesem Jahr fortgeführt werden konnte, ist nach Personalwechseln, religionspolitischen Veränderungen in China, kritischerem China-Bild in Deutschland und allgemein knapper werdenden Mitteln ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung, die einem freundschaftlichen Austausch und der Fortführung offizieller Beziehungen im religiösen Bereich zwischen beiden Ländern gegeben wird. Finanziell haben sich neben EKD und EMW dankenswerterweise die Deutsche Bischofskonferenz und die Nordkirche mit eingebracht: personell waren u.a. das China-Zentrum und die China InfoStelle involviert. In der Delegation waren fünf Vertreter und Vertreterinnen von CCC/TSPM, ein Repräsentant der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, ein stellvertretener Präsident der Chinesischen buddhistischen Vereinigung, ein Vertreter der Chinesischen islamischen Vereinigung, ein Religionswissenschaftler und ein für religionspolitische Themen zuständiger Kader der Einheitsfrontabteilung. Zwei weitere Teilnehmende waren eine evangelische Architektin und ein evangelischer Scherenschnittkünstler. Gefühlt bis zum letzten Tag blieb unsicher, ob alle 12 chinesischen Teilnehmenden ihre Visa noch rechtzeitig erhalten würden. Umso größer war die Freude, dass es am Ende geklappt hat.
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