Katharina Wenzel-Teuber
Vier Bischofsweihen: Erster Auftritt einer neuen Generation
Erstmals in diesem Jahr wurden im Sommer/Frühherbst wieder Priester der festlandchinesischen Kirche zu Bischöfen geweiht: Joseph Chang Yanfeng 常彦峰 (geb. 1984) am 22. Juli 2026 zum Bischof von Chifeng, Franz Xaver Duan Yongkun 段永昆 (geb. 1980) am 29. Juli zum Koadjutorbischof von Bameng, Paul Liu Honggang 刘红刚 (geb. 1970) am 31. August zum Bischof von Datong und Andreas Ding Yang 丁杨 (geb. 1981) am 8. September zum (Erz-)Bischof von Chongqing.
Wie seit einigen Jahren üblich, gaben am Tag der Weihe die staatlich sanktionierten chinesischen katholischen Leitungsgremien (Patriotische Vereinigung und Bischofskonferenz) auf ihrer Website und der Heilige Stuhl im Bolletino seines Presseamts getrennt Details zu den Weihen bekannt: Dabei nannten die Leitungsgremien den Tag der Wahl des Kandidaten nach dem offiziellen chinesischen Verfahren. Das Bolletino gab das Datum der Ernennung durch Papst Leo XIV. an, welches jeweils rund drei Monate nach dem Datum der Wahl lag (für Details siehe die „Chronik“).
Auffällig an den jüngsten Weihen ist sicher das Alter der Kandidaten: Gleich drei der vier neuen Bischöfe sind in den 1980er Jahren geboren. Bischöfe aus dieser Dekade hat es in China bisher nicht gegeben. Der ganz überwiegende Teil der heute amtierenden chinesischen Bischöfe kam in den 1960er Jahren zur Welt. Es sind die Jahrgänge, die nach der Kulturrevolution (1966–1976) zahlreich in die Seminare eintraten und später nach und nach die Generation der alten, vor 1949 ausgebildeten Bischöfe ablösten. Sie waren zum Zeitpunkt ihrer Bischofsweihe teilweise sogar noch jünger, einzelne hatten noch nicht einmal das kirchenrechtlich vorgeschriebene Alter von 35 erreicht; sie sind aber inzwischen in die Jahre gekommen. Von den (Ende 2025) 80 auch behördlich anerkannten Bischöfen Chinas sind, soweit der Autorin bekannt, nur fünf nach 1970 geboren, der jüngste von ihnen im Jahr 1975. Mit den drei Neuen beginnt also tatsächlich der Sprung in eine ganz andere Generation, mit anderen Erfahrungen. Sie wuchsen in der Zeit der Reform- und Öffnungspolitik auf, einer Zeit zunehmenden Wohlstands, und kennen die Kulturrevolution nur noch aus Erzählungen. Es ist außerdem die Generation der Einzelkinder, auch wenn die Ein-Kind-Politik von Katholiken auf dem Land oft nicht befolgt wurde. Es bleibt abzuwarten, ob kommende Bischofsweihen diesem Alterstrend folgen. Die Autorin erinnert sich aber, dass schon vor drei Jahren ein damals 55-jähriger chinesischer Bischof mit höherer Position in den offiziellen Leitungsgremien im Gespräch erklärte, dass sie [die Bischöfe] ja alle schon sechzig würden und man eine junge Generation qualifizieren müsse. [mehr…]

