Ein unbekannter Architekt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – P.C. Chang (Zhang Pengchun) und sein Beitrag

Hans Ingvar Roth

Der chinesische Philosoph und Diplomat P.C. Chang (Zhang Pengchun 張彭春, 1892–1957, gebürtig aus Tianjin) wird vielfach als Renaissancemensch beschrieben. In seinem Berufsleben füllte er verschiedene Funktionen und Rollen aus; er war Wissenschaftler, akademischer Lehrer, Diplomat, Theaterdirektor und Dramatiker. Er gehörte der Generation von Mao Zedong und Chiang Kai-shek an und erlebte das Kaiserreich der Qing, die Republikzeit und die Volksrepublik China. In seiner Zeit als Student, Dozent und Forscher gehörte er verschiedenen kulturellen und beruflichen Kreisen an. So war er zum Beispiel Lehrer des berühmten Dramatikers Cao Yu 曹禺 (1910–1996) und ein Freund des herausragenden chinesischen Philosophen Hu Shih 胡適 (Hu Shi, 1891–1962). Er war maßgeblich an der Gründung der Tsinghua-Universität in Peking beteiligt, die heute zu den berühmtesten Universitäten in China zählt. 

Darüber hinaus war er an den amerikanischen und russischen Tourneen des Opernsängers Mei Lanfang 梅蘭芳 in den 1930ern beteiligt. Chang war außerdem Teil der 4.-Mai-Bewegung von 1919. Changs bester Freund, der Linguist Y.R. Chao (Zhao Yuanren 趙元任, 1892–1985), der mit demselben Stipendienprogramm wie Chang in die USA gekommen war, nämlich The Boxer Indemnity Fund, war Bertrand Russells offizieller Dolmetscher auf dessen Chinareise 1920/1921. 
Changs Fähigkeiten als Diplomat, Vermittler und Unterhändler waren mehreren seiner Kollegen bei den Vereinten Nationen zufolge bemerkenswert. Der kanadische Rechtsprofessor John Humphrey, der Sekretär der Menschenrechtskommission während des Entwurfsprozesses der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte [kurz: AEMR] war, beschrieb ihn als „Meister des Kompromisses“. Hernán Santa Cruz, der chilenische Delegierte bei denVereinten Nationen, nannte Chang ebenfalls eine der originellsten Personen, die bei den Vereinten Nationen arbeiteten (Roth 2018). Chang benutzte Metaphern und eine klare und konzise Sprache, um Pattsituationen aufzuheben. Sein umfassendes Wissen – er war bikulturell dergestalt, dass er sowohl in der westlichen als auch der östlichen Tradition belesen war – machte seine Versuche, festgefahrene Situationen zu lösen, oft erfolgreich.

Chang war von 1946 bis 1948 Stellvertretender Vorsitzender der Menschenrechtskommission, einer Kommission, welche die Aufgabe hatte, nach der Gründung der Vereinten Nationen 1945 ein neues, internationales Rechtedokument zu schaffen, nämlich die AEMR. Vorsitzende war Eleanor Roosevelt, mit der Chang eine sehr gute Arbeitsbeziehung verband. Zu Beginn der 1950er Jahre, nach seiner Arbeit an der AEMR, war Chang beteiligt am Menschenrechtspakt, der 1966 fertiggestellt und vorgestellt wurde.
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