Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.


Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Oktober - 31. Dezember 2024

Varia

25. Dezember 2024:
Pressekonferenz von Chinas Nationaler Gesundheitskommission: Helpline bei psychischen Belastungen eingerichtet
Bei der Pressekonferenz ging es darum, die Bemühungen des Landes im Bereich der psychischen Gesundheit zu veranschaulichen (https://m.thepaper.cn/baijiahao_29759590). Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation, so ein Bericht in AsiaNews, leiden derzeit etwa 54 Millionen Chinesen an Depressionen und 41 Millionen an Angststörungen. Diese Krankheiten seien zwar vor allem in der städtischen Bevölkerung verbreitet, doch auch die Landbevölkerung sei aufgrund eines zunehmend hektischen Lebensstils und der Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise stark davon betroffen. „Ein auf der Website World Population Review veröffentlichter Bericht zeigt beispielsweise, dass die Suizidrate bei Landbewohnern fünfmal höher ist als bei Stadtbewohnern und dass im Gegensatz zu westlichen Ländern vor allem Frauen betroffen sind“, so AsiaNews. Die Gründe für Suizid, der 2024 die fünfthäufigste Todesursache in China gewesen sei, sind auf die mangelnde Gesundheitsversorgung, das Stigma im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, Armut und das niedrige Bildungsniveau in ländlichen Gebieten zurückzuführen, so der Bericht von AsiaNews. Die Nationale Gesundheitskommission habe in jüngster Zeit daran gearbeitet, die psychiatrische Versorgung zu verbessern, Präventionsmaßnahmen zu fördern und Bildungsaktivitäten zu unterstützen, die darauf abzielen, die Öffentlichkeit, einschließlich junger Menschen, für diese Probleme zu sensibilisieren. So wurde z.B. 2019 ein Plan mit dem Namen „Health China Action (2019–2030)“ entworfen und 2021 ein Nationales Zentrum für Prävention und Behandlung von Gesundheit und psychischer Hygiene eingerichtet. Auch soll die Präsenz von Zentren für psychische Gesundheit in Krankenhäusern in Großstädten und Landkreisen erhöht werden. Auf der Pressekonferenz am 25. Dezember wurde eine gebührenfreie Hotline (12356) angekündigt, die für alle Personen verfügbar ist, die fachkundige Beratung oder einfach nur Informationen wünschen. Auf 100.000 Menschen kommen derzeit weniger als vier Psychiater. Auf der Pressekonferenz sagte Prof. Xie Bin, dass trotz Bemühungen seitens der Regierung viele chinesische Bürger immer noch „ein geringes Bewusstsein für psychische Gesundheit und häufige psychische Störungen haben und nur wenig über Therapien und Prävention wissen“. Derzeit erhalten nur 9,5 Prozent der an Depressionen Erkrankten medizinische Behandlung. Das Thema mentale Krankheiten bzw. psychische Störungen galt in China lange Zeit als tabu, behaftet mit vielen Vorurteilen. Viele Menschen hätten Angst, dass ihr Ruf geschädigt wird und sie in ihrer Gemeinschaft isoliert werden, so der Bericht in AsiaNews (AsiaNews 10.01.2025; https://worldpopulationreview.com/country-rankings/suicide-rate-by-country; www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666560323000592). kf

Religion allgemein

13. Dezember 2024:
Taiwans Kommission für Festlandangelegenheiten fordert Freilassung inhaftierter taiwanischer Anhänger der Yiguandao
Wie die Taipei Times berichtete, bestätigte das chinesische Büro für Taiwanangelegenheiten am 13. Dezember, dass drei Taiwaner von der Polizei in Guangdong wegen „Organisieren und Praktizieren als Mitglieder eines Kults, der die Rechtsdurchsetzung untergräbt“ verhaftet worden seien. Die taiwanische Kommission für Festlandangelegenheiten forderte daraufhin ihre Freilassung. Nach Angaben der taiwanischen Boulevardzeitung Mirror soll es in Guangdong Mitte Oktober 2024 einen „religiösen Zwischenfall“ mit 200 Personen gegeben haben, bei dem ein Zusammenhang mit der Religionsgemeinschaft Yiguandao 一貫道 (I-kuan Tao) vermutet werde. Die betroffenen Personen seien am Versammlungsort festgenommen worden, die meisten Einheimische sowie drei Taiwaner. Am 9. März 2025 berichtete die Taipei Times, dass die drei Yiguandao-Anhänger weiterhin im Gefängnis seien. Sie meldete auch, dass zwei taiwanische Mitglieder der Vereinigungskirche (gegründet von dem Koreaner Sun Myung Moon) in China festgenommen worden seien, offenbar von der Polizei in Xiamen wegen Missionierens.
Bereits Ende 2023 hatte die Taipei Times einen namentlich nicht genannten Beamten zitiert, der Religionsvertretern aus Taiwan riet, bei Reisen nach Festlandchina vorsichtig zu sein. Die KP Chinas habe Yiguandao zunächst heftig verfolgt, später aber zunehmend toleriert und nicht als „Kult“ etikettiert. Unter den taiwanischen Geschäftsleuten in China seien auch Anhänger von Yiguandao. Beijing habe Yiguandao-Aktivitäten toleriert, solange sie vorher angemeldet waren und keine Chinesen daran teilnahmen; Letzteres sei die rote Linie für Beijing, so der Beamte in Taipei Times (Bitter Winter 16.12.2024; Taipei Times 26.12.2023; 14.12.2024; 09.03.2025; www.mirrormedia.mg 04.12.2024). kwt

Religionspolitik

1. November 2024:
Neue Bestimmungen für Lehrer und akademische Grade religiöser Ausbildungsstätten erlassen
Das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) erließ am 1. November „Maßnahmen für die Anerkennung der Qualifikation und die Feststellung der Funktionsbezeichnungen von Lehrern religiöser Ausbildungsstätten“ (宗教院校教师资格认定和职称评审办法) und „Maßnahmen für die Verleihung akademischer Grade religiöser Ausbildungsstätten“ (宗教院校学衔授予办法) (Verordnungen des NBRA Nr. 20 und 21). Die beiden Dokumente ersetzen die seit Januar 2013 geltenden entsprechenden Maßnahmen zur probeweisen Durchführung (deutsche Übersetzungen auf www.china-zentrum.de unter „Dokumente zu Religion und Politik“). Die neuen „Maßnahmen“ sind von der Anzahl der Paragraphen etwas kürzer als die alten. Ein inhaltlicher Vergleich der alten und neuen Fassungen steht noch aus. Religiöse Ausbildungsstätten dienen der Ausbildung religiöser Amtsträger:innen. Der chinesische Text der neuen Maßnahmen findet sich unter: www.sara.gov.cn/static/content/ywdt/qtyw/2024-11-01/1306305934724694016.html. kwt

19. November 2024:
Gipfel-Forum „Am Meer über das Dao sprechen“ 2024 in Shanghai zum Thema „Sinisierung des Systems der Religionsverwaltung“
Die sehr groß angelegte Konferenz wurde unter Anleitung des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten (NBRA) von der Shanghaier Einheitsfrontabteilung der Partei und der Shanghaier Religionsbehörde organisiert. Die meisten Teilnehmenden kamen aus Shanghai. Während des Hauptforums am Vormittag mit 250 Teilnehmern sprach u.a. Prof. Xu Yihua von der Fudan-Universität; junge Shanghaier religiöse Amtsträger aus den fünf Religionen tauschten sich über Maßnahmen zur Standardisierung der Religionsverwaltung an der Basis aus. Am Nachmittag fanden parallel Unterforen der fünf Religionen Shanghais statt. Das buddhistische Unterforum hatte 250 Teilnehmer, das protestantische 130, am katholischen nahmen fast 200 Priester und Schwestern teil. Für das daoistische und islamische Unterforum nennt der Bericht des NBRA keine Zahlen. Auf dem katholischen Unterforum enthüllten He Jian von der Shanghaier Religionsbehörde und der Shanghaier Bischof Shen Bin ein Schild für das neugegründete „Guangqi-Forschungszentrum für die Sinisierung des Katholizismus Shanghais“ (上海天主教中国化光启研究中心). Es soll die Verschmelzung von Katholizismus und traditioneller chinesischer Kultur erforschen, den interkulturellen Dialog fördern und eine akademische Plattform für die Sinisierung des chinesischen Katholizismus aufbauen, u.a. durch die Einrichtung eines Ressourcenzentrums und eines E-Book-Zentrums. „Am Meer über das Dao sprechen“ (海上论道) wurde 2020 von der Shanghaier Einheitsfrontabteilung und der Shanghaier Religionsbehörde als „Marke für die Religionsarbeit“ begründet (Weiyan zongjiao 21.11., https://mp.weixin.qq.com/s/1Plxn6L_aRRMIRxVpbUbbw). kwt

Daoismus

29.–30. Oktober 2024:
Zweite Veranstaltungsreihe zur Kultur des Stadtgott-Glaubens in China und Südostasien
Die Veranstaltungsreihe fand in Suzhou statt. Hauptorganisator war die Chinesische daoistische Vereinigung (CDV). Neben Vertretern der CDV und der Religionsbehörden nahmen Leiter daoistischer Gemeinschaften aus Singapur, Malaysia, Indonesien, Thailand, Laos, Kambodscha sowie aus Taiwan, Hongkong und Macau an der Begegnung teil. Li Fuguang, Präsident der CDV, sagte bei der Eröffnung, die Stadtgott-Kultur sei ein wichtiger Ausdruck östlicher Weisheit, eine Brücke für den Kulturaustausch zwischen China und den südostasiatischen Staaten und die geistige Heimat vieler Auslandschinesen. David Herman Jaya, Vorsitzender der Sanjiao Temples Association of Indonesia, gab der Hoffnung Ausdruck, dass durch diese Veranstaltungen daoistische Gläubige in Südostasien die Stadtgott-Kultur besser verstehen lernten. Bei der Abschlusszeremonie wurde ein „Aufruf zur Kultur des Stadtgott-Glaubens“ verabschiedet, der u.a. dafür plädiert, die Förderung des Guten und die Bestrafung des Bösen als Werte des Stadtgott-Glaubens mehr zur Geltung zu bringen. Der Stadtgott-Tempel von Suzhou und der daoistische Tow Boo Kong Temple (北海斗母宫) in Butterworth, Penang (Malaysia), unterzeichneten ein Tempelfreundschaftsabkommen (www.taoist.org.cn 30.10.).
Die erste Konferenz über die Kultur des Stadtgott-Glaubens in China und Südostasien fand am 20./21. Juli 2021 als Online-Veranstaltung statt, siehe China heute 2021, Nr. 3, Chronik, Daoismus, 20.-21. Juli 2021. kwt

1.–8. November 2024:
Verleihung der ersten Register (2024) an 368 inländische Priester und Priesterinnen des Zhengyi-Daoismus
„Mit Genehmigung des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten“ fand in der Himmelsmeister-Residenz am Longhushan in der Provinz Jiangxi die achttägige Zeremonie der Ordination durch Verleihung der ersten Register (初授箓) statt. 368 Daoisten aus 20 Provinzen nahmen daran teil und legten am 2. November zunächst schriftliche Prüfungen ab. Der Bericht auf der Website der Chinesischen daoistischen Vereinigung, der Hauptorganisatorin des Ereignisses, erwähnt auch die Anwesenheit von Vertretern der lokalen Einheitsfrontabteilung der Partei und der Religionsbehörde von Jiangxi, die Glückwünsche und Ermahnungen vorbrachten (www.taoist.org.cn 04.,08.11.). kwt

13.–17. November 2024:
Ordination von 396 ausländischen Priestern und Priesterinnen des Zhengyi-Daoismus
Auch diese Ordination durch Verleihung der Register fand in der Himmelsmeister-Residenz statt. Die 396 Daoisten kamen aus Singapur, Malaysia, Thailand, Vietnam, Philippinen, Kambodscha, USA, Kanada, England, Frankreich, Belarus, Dänemark, Australien sowie aus Taiwan, Hongkong und Macau. Am 28. Oktober hatte der Vorstand der Chinesischen daoistischen Vereinigung „Bestimmungen zur Ordination ausländischer daoistischer Priester der Zhengyi-Tradition durch Verleihung der Register (Revisionsentwurf)“ (关于国外正一派道士授箓的规定 [修订稿]) verabschiedet (www.taoist.org.cn 29.10.; 15.,17.11.). kwt

Buddhismus

8. November 2024:
International Campaign for Tibet (ICT) berichtet über Schließung einer weiteren Klosterschule
Laut ICT handelt es sich um die Taktsang Lhamo Klosterschule im Kreis Dzöge (chin. Ru’ergai) im Autonomen Bezirk Ngaba der Tibeter und Qiang, Provinz Sichuan. Dort waren über 500 minderjährige Mönche eingeschrieben, die ICT zufolge „in den letzten Monaten“ von den Behörden zwangsweise von der tibetischen buddhistischen Klosterschule in staatliche Schulen versetzt wurden. Nach Informationen von Radio Free Asia würden sie in den staatlichen Schulen ausschließlich auf Chinesisch unterrichtet und dürften ihre Eltern nicht sehen. Zwei junge Mönche der Taktsang Lhamo Klosterschule, die sich diesem Transfer widersetzten, seien am 2. Oktober zur „politischen Umerziehung“ festgenommen und nach ihrer Freilassung am 6. Oktober zwangsweise in eine staatliche Internatsschule eingewiesen worden, so ICT. Laut ICT wird die staatliche Politik, minderjährige Mönche aus den tibetischen buddhistischen Klöstern zu entfernen und in staatliche Schulen zu schicken, in vielen Teilen Tibets schon länger strikt umgesetzt, die Taktsang Lhamo Klosterschule habe aber bis vor kurzem noch weitgehend normal arbeiten können (www.rfa.org 24.,31.10.; www.savetibet.org 08.11.).
Nach § 34 der „Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Ausbildungsstätten“ von 2021 müssen Studierende solcher Stätten „im Allgemeinen das 18. Lebensjahr vollendet und mindestens die Unterstufe einer regulären Mittelschule abgeschlossen haben“. kwt

23. November 2024:
Konferenz „Chinesische buddhistische Architektur aus der Perspektive des humanistischen Buddhismus“ in Tianjin
Hauptveranstalter der Konferenz war die Chinesische buddhistische Vereinigung (CBV). Bei der Konferenz – so ein Bericht auf der Website der CBV – bestand Einigkeit darüber, dass die buddhistische Architektur ein wichtiger Bestandteil der vorzüglichen traditionellen Architekturkultur Chinas und ein typisches Beispiel für die Sinisierung des Buddhismus sei. Über 20 Experten beteiligten sich an dem Austausch, hier einige Beispiele: Liu Jun, Leiter des Aufsichtsrats der Buddhistischen Vereinigung von Beijing, wertete den Lama-Tempel in Beijing als „Fallbeispiel der Sinisierung buddhistischer Architektur“, da er den Stil tibetischer buddhistischer Bauten geschickt mit Formen der chinesischen Palastarchitektur verschmelze. Dharma-Meister Shenkai, Professor an der Philosophischen Abteilung der Qinghua University, sprach über das Kloster als „sozialen Raum“ mit vielen Funktionen: „Raum des Heiligen“ (Ort der Verbreitung des Dharma, der Erfüllung spiritueller Bedürfnisse der Bevölkerung), „Raum des Lebens“ (Wohnort der Mönche, Ort der Wohltätigkeit) usw. Er schlug vor, Klöster als „Beziehungsorte“ zu erforschen. Qing Meng, Leiter der Bildungsabteilung der CBV, erläuterte: Im neuen Zeitalter forderten Partei und Regierung von religiöser Architektur vor allem Identifikation mit der Politik, Integration in die Kultur und Anpassung an die Gesellschaft; bei der Sinisierung buddhistischer Bauten sei u.a. auf ein ausgewogenes Verhältnis von „feierlich“ und „sparsam“ zu achten. Dharma-Meister Mingyue, Abt des Doushuai-Tempels in Baoding, erklärte, die weitgehend abgeschlossene Urbanisierung Chinas werde auch zu Veränderungen in der Klosterarchitektur führen; es sei nicht mehr realistisch, traditionelle Klosteranlagen mit einer Abfolge von Höfen zu bauen. Er sprach sich außerdem für die Nutzung von Baumaterialien wie Stahl, Beton und Glas sowie den Einsatz moderner Klang- und Lichttechnologien im Tempelbau aus (www.chinabuddhism.com.cn 25.,27.11.). kwt

28. November 2024:
Chinesische buddhistische Akademie veranstaltet Konferenz zur Gründung der neuen Zeitschrift Fayuan 法源 (Quelle des Dharma)
Unter Beibehaltung der korrekten politischen Ausrichtung solle die neue Zeitschrift der wissenschaftlichen buddhistischen Forschung, dem buddhistischen Kulturaustausch und der Fortbildung buddhistischer Talente dienen, hieß es auf der Konferenz. Die Zeitschrift solle von hoher inhaltlicher, editorischer und drucktechnischer Qualität sein und durch Theorieforschungsergebnisse von hohem Niveau führend und einflussreich werden. Bei der Konferenz in Beijing sprach auch Chen Ruifeng, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Leiter des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten. Fayuan ist eine öffentlich vertriebene chinesischsprachige Quartalsschrift. Die erste Nummer erschien bereits im September – heißt es in dem Bericht (www.chinabuddhism.com.cn 29.11.).
Die Chinesische buddhistische Akademie hat ihren Sitz im Fayuan-Tempel im Beijinger Stadtbezirk Xuanwu. kwt

4. Dezember 2024:
Buddhazahn-Reliquie aus Beijing kommt für 73 Tage nach Thailand – zwischenstaatliche Vereinbarung
Am 29. Oktober bestätigte der chinesische Außenamtsprecher Lin Jian, dass China zugestimmt habe, auf Einladung der thailändischen Regierung und zur Feier des 72. Geburtstags des Königs von Thailand sowie des 50-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen China und Thailand, die heilige Zahnreliquie des Buddha aus dem Lingguang-Tempel in Beijing für 73 Tage nach Bangkok zu übertragen. Die Reliquie sei seit Gründung der VR China bereits sechsmal ins Ausland ausgeliehen worden, so Lin Jian. Am 3. Dezember unterzeichneten Chen Ruifeng, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas und Leiter des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, und Chousak Sirinil, Minister des Premierministerbüros Thailands und Leiter des Nationalen Büros für Buddhismus, eine Vereinbarung beider Staaten über die Entsendung der Reliquie. Am 4. Dezember landete die Reliquie am Militärflughafen von Don Mueang. Dort führten thailändische und chinesische Mönche eine Rezitationszeremonie durch; anwesend waren auch Chen Ruifeng und Chousak Sirinil, Thailands stellvertretender Premierminister Suriya Jungrungreangkit und der chinesische Botschafter. Anschließend wurde die Reliquie in Prozession zum Sanam Luang in Bangkok gebracht, wo sie unter Leitung von Thailands Premierminister Paetongtarn Shinawatra in einem Pavillon aufgestellt wurde. Bis zum 14. Februar kann sie dort täglich von 7.00 bis 20.00 Uhr von den Gläubigen verehrt werden (www.fmprc.gov.cn/eng/xw/fyrbt/lxjzh/202410/t20241029_11517636.html; Bangkok Post 05.12.; The Nation [Thailand] 05.12.; Thai.News 05.12.; Zhongguo xinwenwang nach www.chinabuddhism.com.cn 03.12.). kwt

Ende 2024 / Anfang 2025:
Erneut werden rund tausend Mönche und Nonnen aus der Akademie Larung Gar ausgewiesen
Tibet Watch berichtete, dass ab Ende November 2024 rund tausend Mönche und Nonnen aus der tibetisch-buddhistischen Akademie Larung Gar ausgewiesen worden sein sollen. Sie liegt im Kreis Sertar im Autonomen tibetischen Bezirk Kardze, Provinz Sichuan. Über 400 Personen an Militär- und anderem Personal seien in den letzten Monaten (anderen Quellen zufolge am 20. Dezember 2024) in Larung Gar stationiert worden, um dort die staatlich vorgeschriebene Begrenzung auf maximal 5.000 Mönche und Nonnen in Larung Gar durchzusetzen sowie Wohnquartiere abzureißen. Die Begrenzung auf 5.000 Personen sei in einer Regierungsdirektive von 2016 festgelegt worden. Daraufhin kam es zur Vertreibung von über 4.500 Mönchen und Nonnen und der Zerstörung ihrer Wohnungen in den Jahren 2016 und 2017. Die jüngst ausgewiesenen Mönche und Nonnen seien solche, die nach den Massenausweisungen von 2016/2017 zum Studium gekommen seien, so eine Quelle von Tibet Watch.
Nach einer Meldung der Central Tibetan Administration in Dharamsala, die sich auf lokale Quellen beruft, sollen ab 2025 strengere Vorschriften in Larung Gar gelten. Danach werde die maximale Aufenthaltsdauer auf 15 Jahre begrenzt, alle Mönche und Nonnen müssten sich registrieren, und chinesische Studierende würden aufgefordert, die Akademie zu verlassen (https://tibet.net [Central Tibetan Administration] 27.12.2024; https://tibetwatch.org 11.02.2025; www.buddhistdoor.net. 14.02.2025 u.a.).
An der 1980 gegründeten Akademie sollen vor 2016 rund 10.000 Anhänger des tibetischen Buddhismus, darunter viele Han-Chinesen, gelebt und studiert haben. In einem Bericht vom 20. Januar 2022 sah die International Campaign for Tibet die Massenausweisungen in einer Reihe von Maßnahmen chinesischer Behörden, den Einfluss des tibetischen Buddhismus in Han-chinesischen buddhistischen Kreisen einzudämmen; vgl. China heute 2022, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, 20 Januar 2022. Zu Larung Gar siehe auch ebd. 2016, Nr. 3, Chronik, Sommer/Herbst 2016; 2017, Nr. 3, Chronik, Buddhismus, 20. August 2017; 2020, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, 2. Januar 2020. kwt

Islam

29. Oktober 2024:
Neue Teilübersetzung des Koran: Chinesische islamische Vereinigung (CIV) hält Kolloquium zu ihrem Erscheinen
Der Titel der neuen Publikation lautet Gulanjing jiexuan jianzhu (Zhongwen ban) 古兰经节选简注 (中文版) (Ausgewählte Verse des Koran mit kurzem Kommentar [chinesische Ausgabe]). Aus Anlass des Erscheinens dieser Ausgabe hielt die CIV am 29. Oktober ein Kolloquium. Die Ausgewählten Verse seien ein wichtiges Ergebnis der Sinisierung des Islam, ihre Verbreitung werde die Sinisierung weiter vertiefen, hieß es auf dem Kolloquium. Die neue Publikation solle zum Lehrwerk für die Koraninstitute bestimmt werden. Imame seien fortzubilden, damit sie den Inhalt der neuen Ausgabe korrekt begreifen. Der Herausgeber wird in dem von der Einheitsfrontabteilung der KP Chinas veröffentlichten Kolloquiumsbericht nicht genannt. Chen Ruifeng, Vizeminister der Einheitsfrontabteilung und Leiter des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten, nahm an dem Kolloquium teil.
Am 27. November veranstaltete die Islamische Vereinigung der Stadt Jinan (Shandong) eine Fortbildung für 80 Imame zu der neuen Teilübersetzung des Koran. Es wurde vorgeschlagen, eine Sammlung von Predigten zu der neuen Übersetzung zu kompilieren. Die Imame würden angeleitet, die neue Übersetzung zu nutzen, um die islamischen Konzepte des Friedens, des Mittelwegs und der Toleranz in das tägliche Leben der Muslime zu integrieren.
Voice of America (VOA) berichtete, dass unter islamischen Wissenschaftlern im Ausland die Befürchtung bestehe, die Partei wolle mit der neuen Teilübersetzung Kerninhalte und Glaubensauslegung des Islam im Namen der Inkulturation verändern. Ein von VOA interviewter Mitarbeiter der CIV erklärte, der Plan einer Neuübersetzung des Koran, der unter mehreren Generationen von Führern nicht umgesetzt werden konnte, werde nun unter Xi Jinping mit großer Entschlossenheit vorangetrieben und realisiert. Die Übersetzung des vollständigen Textes des Koran werde derzeit noch korrigiert und solle bald gedruckt werden. An der Arbeit beteiligt seien von der CIV anerkannte Islamexperten sowie Leiter der Arabischabteilungen großer chinesischer Universitäten – sagte der CIV-Mitarbeiter. VOA berichtete außerdem (ohne Angabe einer Quelle), im Autonomen Gebiet Ningxia der Hui habe die Regierung begonnen, alte Koranausgaben zu konfiszieren und revidierte Ausgaben zu verteilen (Tongzhan xinyu nach www.sara.gov.cn 29.10.; www.chinaislam.net.cn 02.12.; www.voachinese.com 14.11.). kwt

11.–23. November 2024:
COP29: Austausch zwischen Generalsekretär des Muslim Council of Elders und Abt des Shaolin-Klosters über globalen Wandel
Am Rande der 29. Weltklimakonferenz, die vom 11. bis 23. November in Aserbaidschans Hauptstadt Baku stattfand, trafen sich der Generalsekretär des Muslim Council of Elders, Richter Mohamed Abdelsalam, und der „CEO“ (Abt) des buddhistischen Shaolin-Klosters in der chinesischen Provinz Henan, Shi Yongxin. Der Muslim Council of Elders ist ein internationales Gremium einflussreicher Islamgelehrter mit Sitz in Abu Dhabi, das von Ahmed al-Tayyib, Großimam der Al-Azhar-Moschee in Kairo, geleitet wird. Laut dem Bericht auf der Website des Muslim Council of Elders sprachen Richter Abdelsalam und Abt Yongxin über die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen religiöser Führer zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Abt Yongxin habe das historische „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“ gepriesen, das Großimam Ahmed al-Tayyib und Papst Franziskus 2019 in Abu Dhabi unterzeichneten, so der Bericht. Er habe auch die auf der COP28 in Dubai ins Leben gerufene Initiative „Faith Pavilion“ gelobt und als praktischen Schritt zur Einbeziehung religiöser Führer in die Bemühungen um den Klimawandel bezeichnet. Im Faith Pavilion der COP29 fanden dem Bericht zufolge 40 Diskussionssitzungen statt, an denen 97 Organisationen teilnahmen, die 11 Religionen repräsentieren (www.muslim-elders.com 17.11.; KNA 04.11.2022 nach www.domradio.de). kwt

9. Dezember 2024:
Neue Version der offiziellen Website der Chinesischen islamischen Vereinigung geht an den Start
In Nanning hielt die Chinesische islamische Vereinigung (CIV) am 9. Dezember eine Zeremonie zur Inbetriebnahme der neuen Version ihrer Website ab. Ma Zhongping, Generalsekretär der CIV, sagte, dass der Aufbau der neuen Medien der CIV weiterhin von Xi Jinpings Gedanken des Sozialismus mit chinesischen Merkmalen in der neuen Ära geleitet werde. Wie es in dem Bericht auf der Website der CIV heißt, haben ihre Medien eine doppelte Struktur: eine chinesischsprachige und eine uigurischsprachige Website, sowie ein chinesischsprachiges und ein uigurischsprachiges offizielles WeChat-Konto (www.chinaislam.net.cn 10.12.2024).
Die neue Website hat noch den Button, der zur uigurischen Seite führt, doch scheint es dort keine neuen Inhalte zu geben; auf der neuen chinesischen Seite führt der Button zum Wechseln in die uigurische Sprache oben rechts zu einer Fehlermeldung. Ob die uigurische Seite der CIV jetzt eine neue Adresse hat, konnte nicht geprüft werden.
Ein Vergleich mit der alten Website, die sich derzeit noch unter w.chinaislam.net.cn aufrufen lässt, zeigt, dass das Design der Startseite geändert wurde: Das runde grüne Logo und der Schattenriss einer „orientalischen“ Moschee mit Kuppel und Minarett sind  verschwunden, der uigurische Schriftzug wurde durch „China Islamic Association“ ersetzt. Die Sinisierung hat also auch das Webdesign der CIV erfasst. Das Logo erscheint auch nicht mehr als Lesezeichen-Icon. Das grüne Logo war im September 2011 nach längeren Vorbereitungen auf der 9. Nationalversammlung der Vertreter des chinesischen Islam beschlossen worden (vgl. China heute 2011, Nr. 3, Chronik, 13.-15. September 2011).
kwt

Protestantische Kirchen

3. November 2024:
Maßnahmen gegen unregistrierte Gemeinden
Am 3. November wurden an verschiedenen Orten im Land gleichzeitig Sonntagsversammlungen protestantischer Gruppierungen durch Polizeikräfte beendet. Eine Hauskirche in Nanjing wurde nach einem Augenzeugenbericht von mehr als 50 Personen, bestehend aus Sicherheitsbeamten verschiedener Einheiten inklusive der Religionsbehörde, gestürmt. Beim Eintreten in den Saal wurde gerufen: „Nicht bewegen, Handys wegstecken, Reden ist untersagt.“ Acht Personen seien festgenommen worden, darunter Kirchenälteste und der Pastor. Alle anderen Anwesenden wurden fotografiert und mussten ihre Personalien angeben. Unter Hinweis auf die Illegalität der nicht-registrierten religiösen Versammlung und die Verhängung schwererer Bestrafung im Wiederholungsfall wurden die Festgenommenen am Folgetag freigelassen.
Am selben Tag kam es in Changsha ebenfalls zu Polizeiaktionen gegen nicht registrierte Gemeinden. Vor allem die Kirche des Gnadenlichtes (长沙恩光教会) war davon betroffen, eine Gemeinschaft, die bis zu ihrem offiziellen Verbot 2008 mit mehr als 1.000 Mitgliedern als größte Hauskirche in Hunan galt. Die Gemeinde reagierte auf das Verbot mit einer Aufteilung in kleinere Gruppen, die sich getrennt voneinander treffen. Am 3. November wurde eine ca. 300 Teilnehmer umfassende Gottesdienstveranstaltung in einem gemieteten Hotelsaal durch Beamte aufgelöst; Personalien wurden festgestellt, einige Handys konfisziert. Obwohl in dem Fall keine Festnahmen durchgeführt wurden, haben die Gemeindeleitenden Sorge um ihre Sicherheit und wendeten sich mit der Bitte um Unterstützung und Gebete an andere Hauskirchen und Menschenrechtsorganisationen (Bitter Winter 13.11.; www.chinaaid.net/2024/11/blog-post_39.html). Isabel Friemann, China InfoStelle

19., 26. und 30. November 2024:
Grundsteinlegungen für Rekonstruktionen von Kircheneigentum
Die 1989 für ein Neubauprojekt abgerissene Huanggang-Kirche in Chaozhou, Provinz Guangdong, wird nach langem Provisorium rekonstruiert. Der feierliche erste Spatenstich ereignete sich unter großer Beteiligung am 19. November. Pastor Guo Yun, Präsident des Christenrates der Provinz Guangdong, betonte den Symbolwert des Kirchenbaus für die Integration der wachsenden christlichen Gemeinschaft in die Region. Die Huanggang-Kirche wurde vor über 150 Jahren gegründet. Ihr traditioneller Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung solle fortgeführt werden, ebenso möge sie zum Ruf der Gegend als Heimat für Auslandschinesen und Ort des internationalen Austausches beitragen.
Am 26. November fand im Bezirk Changxindian 长辛店 im Westen von Beijing eine Grundsteinlegungszeremonie für die Rekonstruktion von protestantischem Kircheneigentum statt. Über 100 Personen nahmen an dem feierlichen Akt teil. Pfarrer Wu Weiqing, Vorsitzender der Beijinger Drei-Selbst-Organisation, dankte den lokalen Behörden für ihre Unterstützung bei der Realisierung des Projektes und gab eine Einführung in die Baupläne.
Wenige Tage später, am 30. November, wurde im gleichen Stil ein Grundstein für den Neuaufbau von Kircheneigentum der Jiangnan-Kirche (江南教会) in der Stadt Panzhihua 攀枝花 in der Provinz Sichuan gesetzt. 800 Personen aus der Umgebung und aus allen beteiligten gesellschaftlichen Gruppierungen, inklusive Architekten und Bauleute, kamen für das Ereignis zusammen. Der Präsident des Christenrates von Sichuan, Pastor Zhao Gang, legte in seiner Predigt die Verheißung auf den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem in Daniel 9,25 aus. Auf einem Gelände von 0,38 Hektar sollen 1.800 m² überbaut werden. Beim Design der Bauwerke sollen chinesische Kulturelemente innen und außen Berücksichtigung finden, ebenso ethnische Besonderheiten der Region (www.chinachristiandaily.com 02.12.; https://en.ccctspm.org 03.,04.12.). Isabel Friemann, China InfoStelle

30. November 2024:
Gemeinsames Statement gegen Vorwurf des Betrugs – Leiter der Linfen Covenant Church in Shanxi ohne Urteil seit zweieinhalb Jahren in Haft
Weiterhin ohne Gerichtsurteil in Haft sind die im August 2022 festgenommenen Gemeindeleiter der Linfen Covenant Church, Pastor Li Jie und Prediger Han Xiaodong (vgl. China heute 2022, Nr. 3, Chronik, Protestantische Kirchen, 19. August 2022, und Nr. 4, Chronik, Protestantische Kirchen, November 2022). Dasselbe gilt für den Gläubigen Wang Qiang, der im November 2022 in Haft kam, nachdem er sich geweigert hatte, gegen die bereits Festgenommenen auszusagen. Am 30. November 2024 unterzeichneten einige Pastoren anderer nichtregistrierter Gemeinden zusammen mit Anwälten und Verwandten der Inhaftierten ein gemeinsames Statement, um sich gegen den Vorwurf des Betruges zu wehren, der von den lokalen Behörden als Grund für die Maßnahmen angegeben wird. Unter Berufung auf Artikel 36 der chinesischen Verfassung fordert das Statement die religiösen Freiheitsrechte ein, insbesondere die sofortige Freilassung von Li Jie, Han Xiaodong und Wang Qiang und die Zurücknahme aller Anklagen wegen „Betrug“ gegen Mitarbeitende von Hauskirchen im ganzen Land. Freiwillige Spenden basierten auf biblischen Vorbildern und seien vollkommen vernünftig und legal. Der gesamte Text des Statements und die Namen der Unterzeichnenden sind in diesem Artikel von China Aid nachzulesen: chinaaid.org/news/joint-statement-by-chinese-house-church-pastors-christian-lawyers-and-family-members-opposing-the-fraud-charges-against-linfen-covenant-house-church-co-workers. Vorverhandlungen am 18. und 19. Februar wurden von Plakataktionen und Gebeten der Familie und von Gemeindemitgliedern vor dem Gericht in Yaodu begleitet. Am 1. März wurde Li Shanshan, die Frau von Pastor Li Jie, von ihrem Vermieter aufgefordert, aus der Wohnung auszuziehen. Zuvor hielten sich mehrfach Unbekannte vor der Wohnungstür auf (https://msguancha.com/a/lanmu4/2025/0301/24122.html).
Isabel Friemann, China InfoStelle

Katholische Kirche

Ende Oktober – Ende November 2024:
Vier Konferenzen zur Sinisierung des Katholizismus – in Qingdao, Shanghai, Suzhou und Beijing
Am 25./26. Oktober wurde in Qingdao ein Forum zur Sinisierung des Katholizismus in der Provinz Shandong abgehalten. Es wurde von den offiziellen katholischen Gremien Shandongs und der Forschungsgesellschaft für Ethnien und Religionen der Provinz organisiert. Unter den 80 Teilnehmenden waren die Bischöfe Fang Xingyao (Linyi) und Lü Peisen (Yanzhou). Ein zentrales Thema war der Prozess der Verwurzelung des Katholizismus in Shandong, der Heimat des Konfuzianismus, sowie die Vereinbarkeit vom konfuzianischen vornehmen Vorbild mit der katholischen Lehre.
Am 29. Oktober fand in Shanghai unter dem Motto „Shanghais Katholizismus spricht am Meer über das Dao“ ein Predigtaustausch zur Sinisierung des katholischen Verwaltungssystems statt. Veranstalter waren Shanghais drei katholische Gremien und die Diözese. Berichte von außerhalb Chinas lagen in ihrer Wahrnehmung dieser Veranstaltung weit auseinander, Überschriften reichten von „Shanghais katholischer Bischof Shen Bin verkündet sein Programm: Studiert Xi Jinping, nicht den Papst“ (Bitter Winter) bis zu „Shanghai: 230 Teilnehmer bei Seminar über Intensivierung der pastoralen Aktivitäten in der Diözese“ (Vatican News)!
Vom 6. bis 8. November fand in Suzhou das „5. Yushan-Forum“ zum systematischen Vorantreiben der Sinisierung des Katholizismus im Yangtse-Delta statt, veranstaltet von den offiziellen katholischen Gremien der Provinz Jiangsu. Bischof Shen Bin als Vertreter der nationalen katholischen Leitungsgremien erläuterte, dass auch Personen aus den katholischen Kreisen von Jiangsu, Shanghai, Zhejiang und Anhui sowie Wissenschaftler eingeladen worden seien; er hoffe, dass dies zu einem wunderbaren Funkenflug führen und ein neues Kapitel in der Liebe zum Land und zur Religion eröffnen werde. Am 5. Yushan-Forum nahmen auch die Bischöfe Xu Honggen (Suzhou), Lu Xinping (Nanjing), Jin Yangke (Ningbo) und Liu Xinhong (Anhui) teil.
Am 30. November fand unter dem Motto „Forum zum Dao des Himmels“ die 9. Konferenz zur Sinisierung des theologischen Denkens des Beijinger Katholizismus statt. Es wurden Vorträge zu historischen katholischen Persönlichkeiten gehalten, die Verdienste um die Sinisierung des Katholizismus erworben hätten, darunter Matteo Ricci, Vincent Lebbe, Celso Costantini, Ma Xiangbo, Ying Lianzhi und Fu Tieshan. Bischof Li Shan (Beijing) und sein Koadjutorbischof Zhen Xuebin nahmen an der Konferenz teil. Diese wurde von den Priestern Li Jiangang (Direktor des Beijinger katholischen theologischen Forschungsbüros – er schloss 2022 ein Promotionsstudium in Bochum ab) und Zhang Bo (Direktor des Büros des Diözesanseminars von Beijing) geleitet (www.xinde.org 30.10.; 06.,13.11.; 03.12.; Bitter Winter 19.11.; Vatican News 19.11.). kwt

November/Dezember 2024:
Chinas katholische Kirche bereitet sich auf das Heilige Jahr 2025 vor
Wie Xinde in mehreren Artikeln sowie Fides berichten, bereiten sich die katholischen Gemeinden in China auf das Heilige Jahr 2025 vor. So war die Verkündigungsbulle des Heiligen Jahres Spes non confundit Gegenstand einer Studientagung der Diözese Sanyuan am 28. November. Bischof Joseph Han Yingjin, der Bischof der Diözese, leitete die Tagung, bei der sich alle Priester und Diakone der Diözese gemeinsam mit dem Bischof mit der Bulle in chinesischer Sprache befassten. Ziel, so ein Bericht von Fides, sei es vor allem gewesen, in dem Text Anregungen für die Pastoralarbeit in den einzelnen Gemeinden zu finden. Die Teilnehmer der Tagung tauschten Ideen und Vorschläge für mögliche neue Initiativen wie Pilgerreisen und Bibelkurse aus, die im Heiligen Jahr auf den Weg gebracht werden sollten. „Nach der Rückkehr in ihre jeweiligen Pfarreien begannen die Priester und Diakone damit, die Bulle an die Mitglieder der Pfarrgemeinde zu verteilen und den einzelnen Familien den Inhalt zu erläutern, wobei sie darum baten, dass auch während des Heiligen Jahres die Freude des Evangeliums im täglichen Leben der Getauften zum Ausdruck kommen möge“, so Fides. Für das Heilige Jahr 2025 hat Papst Franziskus festgelegt, dass es mit der Öffnung der Heiligen Pforte in der Heiligen Nacht im Petersdom am 24. Dezember 2024 beginnt. Im Laufe des Jahres 2025 wird es sicherlich weitere zahlreiche Berichte aus der Kirche Chinas geben (Fides 30.11.; www.xinde.org 30.11.; 02.,04.12.) kf

16. November 2024:
Veranstaltung „Spirituelle Reinigung“ für die Jugendgruppen der Diözese Beijing
16 Jugendgruppen aus verschiedenen Pfarreien nahmen an dem Treffen in der Kirche St. Josef im Beijinger Stadtteil Xibeiwang teil. Es wurde vom Zentrum für Jugendpastoral des Bistums organisiert und von den Novizinnen der diözesanen Josefsschwestern begleitet. Tod und Totengedenken standen im Zentrum des Tages. Koadjutorbischof Zhen Xuebin hielt eine Gedenkmesse. Er lud die jungen Katholiken ein, sich auf das kommende „Heilige Jahr der Hoffnung“ vorzubereiten. Danach zogen die jungen Leute in Prozession zum Friedhof von Xibeiwang, wo sie eine Gedenkzeremonie für die verstorbenen Missionare, Priester und Gläubigen hielten, mit Verbeugungen, Gaben von Blumen und Weihrauch und Versprengen von Weihwasser. In die Kirche zurückgekehrt, hörten sie einen Vortrag von Lehrer Zhang über die Wertschätzung des Lebens und die richtige Sicht von Sterben und Tod. Ziel der Veranstaltung sei gewesen, dass die jungen Katholiken eine christliche Auffassung vom Leben entwickeln, die Bedeutung der Gemeinschaft der Heiligen verstehen und den Tod aus der Perspektive der Auferstehung sehen. Den jungen Menschen sollte die Angst vor Friedhöfen und Beerdigungen genommen und sie dazu angeleitet werden, den Verstorbenen Respekt entgegenzubringen, das Leben zu schätzen, einander dankbar zu sein, sich um die Älteren zu kümmern und der Realität des Lebens mit einer besseren geistigen Einstellung zu begegnen, um dem Herrn, der Kirche und der Gesellschaft dienen zu können – heißt es in dem Bericht aus dem Bistum Beijing (www.xinde.org/show/55892 – mit Fotos). kwt

3. Dezember 2024:
Das Leben Jesu auf Chinesisch für Touristen in Europa
Unter der Ägide von P. Gianni Criveller PIME, dem Chefredakteur von AsiaNews, erschien kürzlich die chinesische Übersetzung des Buches von Severino Dianich, Gesù. Un racconto per chi non ne sa nulla… o ha dimenticato (Jesus. Eine Erzählung für diejenigen, die noch nichts darüber wissen – oder es vergessen haben). Die italienische Originalfassung erschien 2019 bei Edizioni San Paolo. Die in chinesischen Kurzzeichen abgefasste, 64 Seiten umfassende Schrift unter dem Titel „耶稣的故事. 写给尚未认识耶稣及想重新认识祂的人“ wurde u.a. bei der von AsiaNews veranstalteten Konferenz „Jugend und Glaube in Greater China“ am 3. Dezember im Missionszentrum von PIME Mailand vorgestellt. Es handelt sich um „eine neue Initiative, die von der PIME Foundation als Instrument der Erstevangelisierung für diejenigen gefördert wird, die sich an den Orten der christlichen Tradition in Italien und Europa aufhalten“, so AsiaNews am 2. Dezember. Der Theologe Severino Dianich ist ein Priester aus Pisa, einer der Begründer der Associazione Teologica Italiana. „Ich habe nie daran gedacht“, erläuterte P. Criveller zur Vorgeschichte der Übersetzung, „eine Synthese der christlichen Lehre anzubieten oder, wie im 19. Jahrhundert, einen Text, der ‚das Wesen des Christentums‘ vorschlägt. Vielmehr halte ich es für notwendig, von der Geschichte Jesu auszugehen. Dies tue ich auch in meinem Unterricht mit chinesischen Studenten an der Katholischen Universität Mailand. Ich bin überzeugt, dass das Christentum vor der Lehre und den Vorschriften die Begegnung mit Jesus und die Erfahrung der Freundschaft mit ihm ist.“ „Ich hatte mir überlegt, wie man den vielen Chinesen, die Kathedralen und Stätten der christlichen Tradition in Italien und Europa besuchen, etwas an die Hand geben könnte, das ihnen helfen würde, die tiefere Bedeutung des Ortes, den sie bewundern, zu verstehen, nämlich den christlichen Glauben“, so P. Criveller, der das Buch bereits bei mehreren Gelegenheiten vorgestellt hat (AsiaNews 02.12.; italienische und chinesische Ausgabe des Buches). kf

28./29. Dezember 2024:
Chinas Diözesen eröffnen feierlich das Heilige Jahr 2025
In der Bulle Spes non confundit zum Heiligen Jahr hatte Papst Franziskus verfügt, dass die Diözesanbischöfe am 29. Dezember 2024 in allen Kathedralen das Jubiläumsjahr eröffnen. Diesem Aufruf kamen auch die chinesischen Bistümer nach. Auf der katholischen Website Xinde (www.xinde.org) finden sich Bildberichte aus 25 Diözesen, mit denen diese die Eröffnung des Heiligen Jahres in ihren Kathedralen dokumentieren. An den meisten Orten fanden die Eröffnungen am 28. oder 29. Dezember statt, in einigen Diözesen ein paar Tage später. Mehr dazu in den Informationen. kwt

30. Dezember 2024:
Pater Guo Fude SVD, Chinas ältester Priester, stirbt in Shandong mit 104 Jahren
In seinem Leben „diente er mit ganzem Herzen allein dem Herrn. Er kümmere sich um die Gläubigen, war seiner Priesterberufung treu und hat unzählige Menschen der nachfolgenden Generationen beeinflusst“, schrieb die Diözese Yanzhou (Provinz Shandong) in ihrer Todesanzeige für P. Guo Fude 郭夫德. Das Requiem fand am 2. Januar in Daizhuang, Stadt Jining, statt. Guo Fude wurde am 1. Februar 1920 in Shandong geboren. Mit 13 Jahren trat er ins Kleine Seminar in Yanzhou ein und studierte ab 1941 im Priesterseminar in Daizhuang. Die Diözese Yanzhou war damals Missionsgebiet der Steyler Missionare (SVD). 1947 wurde er von Bischof Theodor Schu SVD zum Priester geweiht. 1948 trat er ins Noviziat der Steyler in Shanghai ein, das aber bald darauf wegen des Vorrückens der Roten Armee nach Manila verlegt wurde. Im September 1950 legte Guo dort die ersten Gelübde ab. Im Dezember 1950 kehrte er ins damals bereits kommunistische China zurück, in einer Zeit, in der das Leben für die Kirche dort schwierig wurde. Ab 1951 war er Pfarrer in Fushuijing in Xuzhou (damals Shandong), ab 1957 Kaplan in Daizhuang, Jining. Rund 25 Jahre seines Lebens verbrachte er im Gefängnis: Im Dezember 1959 wurde er unter der Anklage „subversiver Aktivitäten“ für achteinhalb Jahre inhaftiert. 1967 wurde er als „internationaler Spion“ zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt und erst 1979 entlassen. 1982 wurde er nochmals für fünf Jahre inhaftiert. „Wenn ich auf mein Leben zurückblicke“, zitiert ihn AsiaNews, „war das Gefängnis der Ort, an dem ich reflektieren, beten und spirituell wachsen konnte“. Von 1989 bis 1996 unterrichtete er am Heilig-Geist-Seminar in Jinan, danach war er noch bis 2012 in verschiedenen Gemeinden in Jining als Pfarrer tätig. Er starb wenige Wochen vor seinem 105. Geburtstag in der Pfarrei Daizhuang. R.i.P. (AsiaNews 03.01.2025; Todesanzeige der Diözese Yanzhou: https://xinde.org/show/56073; Lebenserinnerungen von P. Guo, aufgezeichnet am 13.10.2012: https://mp.weixin.qq.com/s/sW0vyEY5pPBm3Y9M5xLStg). kwt

Sino-vatikanische Beziehungen

9. November 2024:
Tagung „Das historische Erbe des Concilium Sinense 2024 und die Leitlinien der Beziehungen zwischen China und dem Vatikan“ in Beijing
Das Seminar im Gedenken an den 100. Jahrestag des Concilium Sinense 1924 in Shanghai wurde vom Institut für Studien zum Buddhismus und Religionstheorie der Renmin-Universität in Beijing organisiert. An der Veranstaltung nahmen Wissenschaftler und katholische Priester teil. Laut einem Bericht in Fides ging Priester Peter Zhao Jianmin, Direktor des Instituts für Katholizismus und Kultur in Beijing, in seinem Beitrag auf die Auswirkungen des Ersten Chinesischen Konzils auf die Gegenwart und Zukunft des Katholizismus in China ein. Prof. Leopold Leeb von der Renmin-Universität stellte die chinesischen Priester vor, die am Konzil von 1924 beteiligt waren, während Prof. Liu Zhiqing von der Anyang Normal University die Auswirkungen des Konzils von Shanghai 1924 auf die Förderung der Inkulturation des Katholizismus in China analysierte. Prof. Zhong Zhifeng, ein Mitglied des gastgebenden Instituts, der das Seminar organisiert hatte, erläuterte das „diplomatische Spiel hinter dem Konzil von Shanghai 1924“. In der abschließenden Diskussionsrunde hätten die Seminarteilnehmer verschiedene hochaktuelle Themen diskutiert, darunter „Bischofsernennungen, Einheit [der Kirche], Anpassungen der Diözesen, Hindernisse in den diplomatischen Beziehungen zwischen China und dem Vatikan und mögliche Schritte“ (Fides 18.11.).
Zum Concilium Sinense von 1924 siehe auch die Beiträge in China heute 2024, Nr. 2, Informationen. kf

15. November 2024:
Hochrangiges Symposium zu Matteo Ricci an der Universität Gregoriana in Rom
Das eintägige Symposium mit dem Titel „Matteo Ricci. Ein Erbe der Freundschaft, des Dialogs und des Friedens“ zu Person und Werk des Jesuitenmissionars wurde von der Gesellschaft Jesu, dem Historischen Archiv der Jesuiten und der Georgetown University mit der Gregoriana ausgerichtet. Der Vormittag wurde mit Begrüßungs- und Einführungsworten von Pater Mark Lewis SJ, Rektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, und Pater Federico Lombardi SJ, der sich im Büro des Generalpostulators der Gesellschaft Jesu für die Seligsprechung des Ehrwürdigen Matteo Ricci (Macerata 1552 – Peking 1610) einsetzt und die Tagung moderierte, eröffnet. „Die Arbeit des Jesuiten, vor allem bei der Inkulturation des Katholizismus auf chinesischem Boden, ist mit den aktuellen Ereignissen verknüpft, als Leuchtturm und Bezugspunkt für den Dialog, der seit sechs Jahren zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China geführt wird. Dies wurde mehrfach von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bekräftigt, der in einer langen und mit Beifall bedachten Rede einen Exkurs über die immer überzeugteren und häufigeren Gedanken und Worte der letzten drei Päpste zur Aktualität und Bedeutung der Figur des Matteo Ricci im Kontext des wachsenden Respekts und Interesses der Kirche für die verschiedenen Kulturen der Völker nachzeichnete“, so der Bericht in Vatican News. Ricci sei nicht so sehr eine Persönlichkeit der Vergangenheit, sondern eine „prophetische“ Gestalt, die die Hoffnung auf Begegnung im Heute und im Morgen nähre. Bei dem Symposium sprachen auch der Jesuitengeneral Arturo Sosa SJ und Kardinal Stephen Chow SJ von Hongkong. Kardinal Chow gab u.a. einen Überblick über die Geschichte der Kirche in China von 1949 bis heute. Die chinesische katholische Kirche sei heute mit einer neuen Realität konfrontiert, sagte der Bischof von Hongkong und sprach von einem laufenden „Prozess“, für den der „Dialog“ unerlässlich sei. Und „um einen Dialog zu führen, bedarf es der Empathie“: „Durch Empathie können wir zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis kommen.“ In der Hoffnung auf „eine wahrhaft chinesische Kirche“. Am Nachmittag vertieften verschiedene Wissenschaftler die Bedeutung von Matteo Ricci. Das Symposium wurde auch offiziell in einer Presseerklärung des Vatikans angekündigt (Sunday Examiner 22.11.; Vatican News 15.11.; www.vatican.va/content/salastampa/it/info/2024/11/08/cs-della-pontificia-universita-gregoriana--convegno-internaziona.html; www.jesuits.global/it/2024/11/19/matteo-ricci-un-eredita-di-amicizia-di-dialogo-e-di-pace). kf

4. Dezember 2024:
Generalaudienz des Papstes jetzt auch auf Chinesisch
„Nächste Woche beginnt, mit dem Advent, auch die chinesische Übersetzung hier öffentlich.“ Dies sagte Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 27. November auf dem Petersplatz. Bisher wurden, so Vatican News, bei Generalaudienzen jeweils die Schriftstelle, Kurz-Zusammenfassungen der Papst-Ansprache und Grüße auf Italienisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch vorgetragen. Vorgelesen werden die Texte in verschiedenen Sprachen von Mitarbeitenden entweder des vatikanischen Staatssekretariats oder von Vatican News / Radio Vatikan. Am 4. Dezember fand dann die Premiere statt. Zum ersten Mal wurde die Kurzfassung der Papst-Rede auch auf Chinesisch vorgetragen. „Mit großer Freude beginnen wir heute die Lektüre der Zusammenfassung der Katechese in chinesischer Sprache“, verkündete der Papst. Sie richte sich an die chinesischen Gläubigen, die über die Medien mit dem Vatikan verbunden seien. „Ich möchte daher meine herzlichen Grüße an die hier anwesenden chinesischsprachigen Personen und an diejenigen richten, die über die Medien mit uns verbunden sind. Für Sie alle und Ihre Familien bitte ich um Freude und Frieden. Gott segne Sie!“ Marta Zhao Nan, Leiterin der chinesischen Redaktion des Fidesdienstes, die dort seit 1998 arbeitet, las den Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Korinther, die Zusammenfassung der Katechese und die Grüße des Papstes auf Chinesisch vor.
Vatican News hat auch eine Internetseite in traditionellen wie in vereinfachten chinesischen Schriftzeichen sowie seit 1950 ein Audio-Programm auf Chinesisch. Außerdem gibt es seit 2009 eine chinesische Fassung der offiziellen Homepage des Heiligen Stuhls (vatican.va). (Fides 27.11., 04.12.; Vatican News 27.11., 04.12.; www.vatican.va/content/francesco/it/audiences/2024/documents/20241204-udienza-generale.html). kf

Hongkong

8. November 2024:
Treffen von hochrangigen Vertretern des Lutherischen Weltbundes mit Kardinal Chow
Mehr als 100 Personen nahmen an der Asia Church Leadership Conference (ACLC), die vom 7. bis 12. November in Hongkong stattfand, teil. Die Tagung, an der Führungspersonen von Kirchen in 14 Ländern aus ganz Asien teilnahmen, war vom Lutherischen Weltbund (LWB) organisiert und vom Lutherischen Bund Hongkong ausgerichtet worden. Die Teilnehmenden führten auch Gespräche mit dem anglikanischen Erzbischof von Hongkong Andrew Chan Au-ming sowie dem katholischen Bischof Kardinal Stephen Chow Sau-yan SJ. Kardinal Chow begrüßte die lutherischen Vertreter mit den Worten: „Wir sind Brüder und Schwestern. Sie sind mehr als Freunde für uns.“ Er würdigte die engen Beziehungen zur lutherischen Kirche und anderen christlichen Konfessionen. Generalvikar Priester Joseph Chan Wing-chiu, der auch Vorsitzender der Ökumenekommission der katholischen Diözese Hongkong ist, und Theresa Lumo Kung von der derselben Kommission stellten die jüngsten Entwicklungen in der Ökumene in Hongkong vor (Sunday Examiner 15.11; https://lutheranworld.org/de/news/asien-solidarisch-zusammenstehen-und-hoffnung-vermitteln). kf

19. November 2024:
Lange Haftstrafen bis zu zehn Jahren für 45 oppositionelle Ex-Politiker und Aktivisten
In Hongkong hat ein Gericht die Urteile gegen die Mitglieder der Gruppe „Hongkong 47“ gefällt. Sie wurden bereits vor mehr als drei Jahren angeklagt und erhielten jetzt langjährige Haftstrafen. Der Prozess lief bereits seit 2023 und war der bisher größte und wichtigste wegen angeblicher Verstöße gegen das 2020 eingeführte nationale Sicherheitsgesetz, so das Handelsblatt. Die Anklage lautete, illegale Vorwahlen vor den für 2020 geplanten Wahlen zum Legislativrat, dem regionalen Parlament Hongkongs, organisiert zu haben. „Bei den inoffiziellen Vorwahlen im Juli 2020, an denen letztlich 610.000 Wähler teilnahmen, sollten pro-demokratische Kandidaten gewählt werden, die dann bei der offiziellen Wahl antreten sollten“, erinnert das Handelsblatt. Damit hätten sich die Angeklagten der Staatsgefährdung schuldig gemacht und gegen das Sicherheitsgesetz verstoßen, habe es geheißen. „Die Regierung verschob die Parlamentswahlen, die den umstrittenen Vorwahlen hätten folgen sollen, dann jedoch wegen der Coronapandemie.“ Zu den bekannten Gesichtern gehören der ehemalige Studentenführer Joshua Wong; er wurde zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Juradozent Benny Tai erhielt eine zehnjährige Haftstrafe. Viele der Angeklagten hatten sich von Anfang an schuldig bekannt. Kardinal Zen gehörte zu den Zuschauern im Gerichtsraum. Im Mai waren in einem separaten Urteil zwei Aktivisten aus der Gruppe der 47 freigesprochen worden. Weiter ausstehend ist das Gerichtsurteil gegenüber Jimmy Lai, dem Begründer der regierungskritischen und seit Längerem geschlossenen Apple Daily. Zuspruch für die Urteile kam wie erwartet aus Beijing, weltweit wurde das Urteil jedoch mit großer Sorge aufgenommen (AsiaNews 19.11.; China.Table 20.11.; Handelsblatt 19.11.). kf

November/Dezember 2024:
Diözese Hongkong bereitet sich auf das Heilige Jahr 2025 vor
Die Diözese hat dafür eigens eine Website geschaltet mit Informationen zum Jubiläumsjahr wie auch zu Pilgerstätten in Hongkong. Des Weiteren sind die Jubiläumshymne und das Gebet für das Jubiläum 2025, Informationen über die Gewährung von Ablässen, das Jubiläumslogo und das Maskottchen aufgeführt u.v.m. Zudem enthält die Website Informationen zu den wichtigsten Aktivitäten im Rahmen des Jubiläums 2025 sowie zum 80-jährigen Bestehen der Diözese im Jahre 2026. Die feierliche Eröffnung in Hongkong findet am 29. Dezember in der Kathedrale statt. Eine Ölleuchte mit dem „Licht der Hoffnung“ wird in den kommenden zwei Jahren jeweils zwei Wochen lang von einer Pfarrei zur anderen wandern. In dieser Zeit werden jeweils Gebetstreffen und andere Aktivitäten in den einzelnen Pfarreien stattfinden, auch zusammen mit Schulen und der Gemeinschaft vor Ort. Anfang Mai 2025 wird es ein großes ökumenisches Jugendtreffen geben, Mitte Juni ein „Glaubenscamp“ für Kinder. In der ersten Julihälfte werden an zwei Orten die Reliquien von 100 Heiligen ausgestellt sein. In der zweiten Jahreshälfte wie auch 2026 gibt weitere religiöse Aktivitäten (Adresse der Jubiläums-Website: https://jubilee2025.catholic.org.hk/en; Sunday Examiner 29.11.). kf

Singapur

9. November 2024:
Singapur: Appell von Bischöfen zu „Frieden, Mitgefühl und Vergebung“ nach Messerattacke auf katholischen Priester
Die Katholische Bischofskonferenz von Malaysia, Singapur und Brunei hat zu Gebet und Heilung aufgerufen, nachdem Priester Christopher Lee während einer Messe in Singapur niedergestochen wurde. „Lasst uns gemeinsam unseren himmlischen Vater um eine rasche und vollständige Genesung von Pater Lee bitten sowie um den Trost und den Mut der Gläubigen, die von diesem traumatischen Ereignis betroffen sind“, sagte Erzbischof Julian Leow Beng Kim von Kuala Lumpur, Vorsitzender der Bischofskonferenz. Der 57-jährige Pfarrer der St. Josefs-Kirche in Upper Buki Timah in Singapur wurde während der Samstagabendmesse beim Austeilen der Kommunion niedergestochen. Er wurde in das Nationale Universitätskrankenhaus von Singapur gebracht, wo sein Zustand stabil sein sollte. Der mutmaßliche Angreifer, ein 37-jähriger Singapurer mit einer Vorgeschichte von Gewalt- und Drogendelikten, wurde von Gemeindemitgliedern überwältigt und von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die Behörden erklärten, dass der Vorfall offensichtlich nicht mit Terrorismus in Verbindung stehe. Kardinal William Goh, Erzbischof von Singapur, betonte in einer Erklärung vom 10. November, der Vorfall sei eine Mahnung an die Öffentlichkeit, wachsam zu bleiben und den erreichten Frieden und die Sicherheit zu schätzen (Licas 11.11.). kf

Macau

Mitte Dezember 2024:
Macau: Katholische Universität St. Joseph unterzeichnet Kooperationsvereinbarung mit Portugals Casa Pia zur Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen
Die Universität St. Joseph könnte bereits im kommenden Studienjahr Studierende von Portugals größter Bildungseinrichtung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, der Casa Pia de Lisboa, aufnehmen. Beide Einrichtungen haben Mitte Dezember 2024 ein Protokoll unterzeichnet, das die Entwicklung gemeinsamer akademischer, forschungsbezogener, technischer und kultureller Kooperationsprojekte vorsieht, so berichtet O’Clarim, die katholische Wochenzeitung von Macau, am 15. Januar. Die Vereinbarung, die in Lissabon von Álvaro Barbosa, Vizerektor für Internationalisierung und akademische Angelegenheiten der Universität, und der Präsidentin der Casa Pia, Fátima Matos, unterzeichnet wurde, sieht auch vor, dass beide Einrichtungen Lösungen fördern werden, „damit Casa-Pia-Studierende ihr akademisches Studium an der Universität St. Joseph in Macau durchführen können“, schreibt die Hochschule in einer Pressemitteilung. „Theoretisch erwarten wir“, so Barbosa gegenüber O’Clarim, „dass die ersten Studierenden nächstes Jahr [2025] nach Macau reisen. Wir sollten sie vor dem kommenden Studienjahr willkommen heißen. Die Zulassung erfolgt nach den normalen Verfahren der Universität St. Joseph in Bezug auf die akademischen Anforderungen. Der Unterschied besteht darin, dass die Studierenden, die nach Macau kommen, von Casa Pia empfohlen und sie daher bei einer Zulassung Stipendien bekommen werden […].“ Die Aussichten auf den Aufbau von Kooperationsbeziehungen zwischen den beiden Einrichtungen seien erstmals im Mai 2023 während eines Besuchs von Stephen Morgan, dem Rektor der Universität St. Joseph, in Lissabon angedeutet worden, erläutert der Bericht. Casa Pia de Lisboa ist eine öffentliche Einrichtung unter der Aufsicht des portugiesischen Ministeriums für Arbeit, Solidarität und soziale Sicherheit und die größte Bildungseinrichtung Portugals, die sich der Unterstützung von Jugendlichen widmet, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind oder keine elterliche Unterstützung haben. Derzeit bietet sie rund 3.000 Schülern Bildung, Ausbildung und Betreuung sowie 200 benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein Leben im Internat (O’Clarim 15.01.2025). kf


Katharina Feith (kf)
Isabel Friemann, China InfoStelle
Katharina Wenzel-Teuber (kwt)


Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2024.

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