Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.


Chronik zu Religion und Kirche in China 1. Juli - 30. September 2025

Buddhismus

27. Juni – ca. 4. Juli 2025:
Offizieller Panchen Lama besucht Lhasa
Nach Berichten der Parteizeitung Xizang ribao (Tibet Daily) empfing ihn am 30. Juni der Parteichef des Autonomen Gebiets Tibet, Wang Junzheng. Am 1. Juli besuchte der Panchen den Jokhang-Tempel. Am 3. Juli leitete er eine Versammlung der Präsidenten des Tibet-Zweigs der Chinesischen buddhistischen Vereinigung. Dort vermittelte er den „Geist der wichtigen Rede“, die Xi Jinping beim Empfang für ihn am 6. Juni (s.o.) gehalten hatte. Bei dem Treffen wurde auch der „Abriss des Fünfjahres-Arbeitsplans für das systematische Vorantreiben der Sinisierung des tibetischen Buddhismus des Tibet-Zweigs der Chinesischen buddhistischen Vereinigung (2025–2029)“ (中国佛教协会西藏分会关于系统推进藏传佛教中国化五年工作规划纲要 [2025–2029年]) besprochen. Am Folgetag gab es ein Symposium zur Umsetzung des besagten Fünfjahres-Arbeitsplans. Der Panchen betonte dort u.a. die Notwendigkeit, den tibetischen Buddhismus bei der Anpassung an die sozialistische Gesellschaft anzuleiten. Obwohl der Geburtstag des Dalai Lama nicht erwähnt wurde, „war jedem klar, dass die KP Chinas seine [des offiziellen Panchen] Aktivitäten auf diesen Tag ausgerichtet hatte [, um] die Aufmerksamkeit der Tibeter von den wichtigeren Ereignissen um den Dalai Lama in Dharamsala abzulenken“ – hieß es in einem Kommentar in Bitter Winter (Bitter Winter 10.07.; Xizang ribao [2 Meldungen] nach www.xizang.gov.cn 03.07. und www.xztzb.cn 05.07.). kwt

2. Juli 2025:
Dalai Lama veröffentlicht „Erklärung zur Fortführung der Institution des Dalai Lama“
Die schriftliche Erklärung und ein Video, in dem der Dalai Lama diese verliest, wurden am 2. Juli – kurz vor seinem 90. Geburtstag am 6. Juli – von seinem Büro veröffentlicht. Sie ist auf den 21. Mai 2025 datiert. Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso hatte bereits vor rund 14 Jahren, am 24. September 2011, eine ausführliche Erklärung zur Frage seiner Reinkarnation herausgegeben (deutsche Übersetzung in China heute 2012, Nr. 1, Dokumentation). Am Ende jenes Dokuments stellte er fest, dass er im Alter von etwa 90 Jahren sich beraten und noch einmal überprüfen werde, „ob die Institution des Dalai Lama fortbestehen soll oder nicht“. Diese bislang offene Frage wird nun mit Ja beantwortet. Er schreibt: „Obwohl ich keine öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema geführt habe, haben mir in den letzten 14 Jahren Oberhäupter der spirituellen Traditionen Tibets, Mitglieder des tibetischen Exilparlaments, Teilnehmende einer tibetischen Sonderkonferenz, Mitglieder der tibetischen Zentralverwaltung, Nichtregierungsorganisationen, Buddhisten aus der Himalaya-Region, der Mongolei, den buddhistischen Republiken der Russischen Föderation und Buddhisten in Asien, einschließlich Festlandchina, aus verschiedenen Gründen geschrieben und mich eindringlich gebeten, die Institution des Dalai Lama fortzuführen. Insbesondere habe ich über verschiedene Kanäle Botschaften von Tibeterinnen und Tibetern in Tibet erhalten, die denselben Appell äußern. In Übereinstimmung mit all diesen Bitten bekräftige ich, dass die Institution des Dalai Lama fortbestehen wird.“ Weiter schreibt er: „Das Verfahren zur Anerkennung eines zukünftigen Dalai Lama wurde in der Erklärung vom 24. September 2011 klar festgelegt. Darin heißt es, dass die Verantwortung dafür ausschließlich bei den Mitgliedern des Gaden Phodrang Trust, dem Büro Seiner Heiligkeit des Dalai Lama (Office of His Holiness the Dalai Lama), liegt. Sie sollten sich mit den verschiedenen Oberhäuptern der tibetisch-buddhistischen Traditionen und den zuverlässigen, durch einen Eid verbundenen Dharma-Beschützern beraten, die untrennbar mit der Linie der Dalai Lamas verbunden sind. Sie sollten die Verfahren zur Suche und Anerkennung entsprechend der bisherigen Tradition durchführen. Ich bekräftige hiermit, dass der Gaden Phodrang Trust die alleinige Befugnis hat, die zukünftige Reinkarnation anzuerkennen; niemand sonst hat die Befugnis, sich in diese Angelegenheit einzumischen“ (zitiert aus der deutschen Übersetzung der Erklärung auf der Website des Dalai Lama unter de.dalailama.com/news/erklärung-zur-fortführung-der-institution-des-dalai-lama). kwt

2. Juli 2025:
China weist die Erklärung des Dalai Lama zurück
Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, sagte bei ihrer Pressekonferenz am 2. Juli: „Die Reinkarnation des Dalai Lama muss im chinesischen Inland erfolgen, mit Ziehung aus der goldenen Urne und Billigung durch die Zentralregierung, nach geltendem Recht und Gesetz.“ Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua (Editor „huaxia“) veröffentlichte einen langen Beitrag von Li Decheng, Forscher am China Tibetology Research Center in Beijing, mit dem Titel „Reincarnation of Living Buddhas never decided by reincarnated individuals“. Der Beitrag argumentiert mit vielen Beispielen, dass es in der Geschichte des tibetischen Buddhismus, einschließlich der Reinkarnationen der Dalai Lamas, nie einen Präzedenzfall gegeben habe, bei dem die reinkarnierte Person allein über die Angelegenheit entschieden habe, und endet mit den Worten, „jeder Versuch, die Reinkarnation Lebender Buddhas zu politisieren, wird sich letztlich als vergeblich erweisen“ (Mao Ning zitiert nach heute journal 02.07., www.zdf.de/play/magazine/heute-journal-104/heute-journal-vom-2-juli-2025-100, letzter Abruf 21.07.; siehe auch The Guardian 02.07., Press Trust of India 02.07. u.a., nicht im offiziellen Transkript der Pressekonferenz enthalten; english.news.cn/20250702/8bf3519902104a58bebc1d128c5b0afa/c.html). kwt

3. Juli 2025:
Chinesische buddhistische Vereinigung weist die Erklärung des Dalai Lama zurück
Der offizielle Dachverband der Buddhisten in China schreibt in seiner Gegenerklärung: „Beginnend mit dem 5. Dalai Lama wurden alle nachfolgenden Dalai Lamas von der Zentralregierung ernannt, woraus sich der religiöse Status und die historische Legitimität des Titels des Dalai Lama ergeben. Die Zentralregierung hat das Recht, die endgültige Entscheidung über die Reinkarnation zu treffen, die in keiner Weise dem individuellen Ermessen des 14. Dalai Lama unterliegt. Im Laufe des historischen Prozesses der Suche nach den spirituellen Nachfolgern der Dalai Lamas wurde eine vollständige Reihe von traditionellen religiösen Ritualen und historischen Konventionen entwickelt. Seit der Einführung der Losziehungszeremonie aus der goldenen Urne muss für die Reinkarnation des Dalai Lama das Verfahren der „Losziehung aus der goldenen Urne“ eingehalten werden, wobei der ausgewählte Kandidat von der chinesischen Zentralregierung genehmigt werden muss. Dieses Verfahren ist die einzige Möglichkeit für den Kandidaten, öffentliche Glaubwürdigkeit und religiöse Autorität zu erlangen. Darüber hinaus hat das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten Maßnahmen zur Verwaltung der Reinkarnation Lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus erlassen, die alle Reinkarnationsverfahren für lebende Buddhas, einschließlich des Dalai Lama, streng regeln“ (Xinhua, Editor huaxia, 03.07.; english.news.cn/20250703/d0dbf7768765409fbaf313c83970fd5e/c.html).
Diese Erklärung erschien nicht auf der (chinesischsprachigen) Website der Chinesischen buddhistischen Vereinigung. kwt

Protestantische Kirchen

4. Juli 2025:
Lehrkräfte des Nationalen Theologischen Seminars besuchen Konfuzius
Am 4. Juli nahmen 50 Lehrkräfte des Nationalen Theologischen Seminars in Nanjing (NJUTS) an einem Ausflug zur großen Konfuziusstatue und zum Konfuziusmuseum in Qufu, Provinz Shandong, teil. Dabei wurden sie von lokalen Beamten der Religionsbehörde begleitet und angeleitet. Auf diese Weise sollten sie als Leitungspersonen in der religiösen Welt die Wurzeln der großartigen traditionellen chinesischen Kultur und des in ihr enthaltenden patriotischen Geistes besser kennenlernen und verstehen (offizielles WeChat-Konto der Abteilung für ethnische und religiöse Angelegenheiten 民族宗教科 07.07.).
Isabel Friemann, China InfoStelle

Katholische Kirche

11. Juli 2025:
AsiaNews meldet, dass der frühere offizielle Administrator der Diözese Wenzhou bereits im November verhaftet wurde – der Prozess wurde vertagt
In der Diözese Wenzhou ist nicht nur die Gemeinschaft im Untergrund unter Druck. Wie AsiaNews unter Berufung auf verschiedene Quellen vor Ort berichtete, wurde bereits im November 2024 der offizielle Administrator der Diözese Wenzhou, der Priester Ma Xianshi 麻显士, verhaftet. Er war auch stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Kommission für kirchliche Angelegenheiten der Provinz Zhejiang. AsiaNews zufolge soll Ma Xianshi angeklagt sein, das Gesangbuch Tianlu miaoyin 天路妙音 (Himmlische Melodien) „in anderen Gebieten öffentlich verkauft“ zu haben (在异地公开销售). [Möglicherweise ist gemeint, dass der Verkauf außerhalb der Diözese Wenzhou stattfand oder dass auch in andere Provinzen verkauft wurde.] Mit ihm angeklagt ist der Wenzhouer katholische Geschäftsmann Zhuang Qiantuan 庄千团, über dessen Firma in der Handelsstadt Yiwu in Zhejiang die Gesangbücher verkauft wurden. Laut AsiaNews trägt Priester Ma Xianshi als gesetzlicher Vertreter der Diözese die rechtliche Verantwortung. Das Gesangbuch Tianlu miaoyin wird – so AsiaNews weiter –in mehreren Provinzen in den katholischen Gemeinden verwendet. Es wurde ursprünglich von Priestern und Seminaristen im Sheshan-Seminar zusammengestellt und im Jahr 2001 erstmals vom katholischen Verlag Xinde (Faith Press) publiziert. Ab 2005 wurde es von der Amity-Druckerei in Nanjing gedruckt. Das Copyright liegt bei der Diözese Wenzhou. Der Fall habe ursprünglich am 1. Juli vor einem Gericht in Yiwu verhandelt werden sollen, sei aber kurzfristig vertagt worden, nachdem mehr als 300 Katholiken aus Wenzhou darum gebeten hatten, dem Prozess beizuwohnen. In den sechs Monaten Haft sei Priester Ma Xianshi und dem Laien Zhuang Qiantuan kein Besuch erlaubt worden, außer von ihren Anwälten. Kein offizieller Priester wage es, ihn öffentlich zu verteidigen. Die Behörden würden die Konten des Bistums genau prüfen, hätten aber bislang keine schwerwiegenden finanziellen Probleme gefunden. Manche sagten, dass die Regierung Priester Ma systematisch zu diskreditieren versuche und sogar behaupte, er habe heimlich 200 Mio. Yuan auf seinem Privatkonto, was viele Priester nicht glauben. Einigen Quellen zufolge gehen die Behörden deshalb so hart gegen Priester Ma Xianshi vor, weil er sich gegen die Einsetzung eines „Regierungsbischofs“ in der Diözese gestemmt und während einer Pilgerreise ohne Erlaubnis Vatikanbeamte getroffen habe (AsiaNews 11.07., englisch und chinesisch). kwt

Katholische Kirche

11. Juli 2025:
AsiaNews meldet, dass der frühere offizielle Administrator der Diözese Wenzhou bereits im November verhaftet wurde – der Prozess wurde vertagt
In der Diözese Wenzhou ist nicht nur die Gemeinschaft im Untergrund unter Druck. Wie AsiaNews unter Berufung auf verschiedene Quellen vor Ort berichtete, wurde bereits im November 2024 der offizielle Administrator der Diözese Wenzhou, der Priester Ma Xianshi 麻显士, verhaftet. Er war auch stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Kommission für kirchliche Angelegenheiten der Provinz Zhejiang. AsiaNews zufolge soll Ma Xianshi angeklagt sein, das Gesangbuch Tianlu miaoyin 天路妙音 (Himmlische Melodien) „in anderen Gebieten öffentlich verkauft“ zu haben (在异地公开销售). [Möglicherweise ist gemeint, dass der Verkauf außerhalb der Diözese Wenzhou stattfand oder dass auch in andere Provinzen verkauft wurde.] Mit ihm angeklagt ist der Wenzhouer katholische Geschäftsmann Zhuang Qiantuan 庄千团, über dessen Firma in der Handelsstadt Yiwu in Zhejiang die Gesangbücher verkauft wurden. Laut AsiaNews trägt Priester Ma Xianshi als gesetzlicher Vertreter der Diözese die rechtliche Verantwortung. Das Gesangbuch Tianlu miaoyin wird – so AsiaNews weiter –in mehreren Provinzen in den katholischen Gemeinden verwendet. Es wurde ursprünglich von Priestern und Seminaristen im Sheshan-Seminar zusammengestellt und im Jahr 2001 erstmals vom katholischen Verlag Xinde (Faith Press) publiziert. Ab 2005 wurde es von der Amity-Druckerei in Nanjing gedruckt. Das Copyright liegt bei der Diözese Wenzhou. Der Fall habe ursprünglich am 1. Juli vor einem Gericht in Yiwu verhandelt werden sollen, sei aber kurzfristig vertagt worden, nachdem mehr als 300 Katholiken aus Wenzhou darum gebeten hatten, dem Prozess beizuwohnen. In den sechs Monaten Haft sei Priester Ma Xianshi und dem Laien Zhuang Qiantuan kein Besuch erlaubt worden, außer von ihren Anwälten. Kein offizieller Priester wage es, ihn öffentlich zu verteidigen. Die Behörden würden die Konten des Bistums genau prüfen, hätten aber bislang keine schwerwiegenden finanziellen Probleme gefunden. Manche sagten, dass die Regierung Priester Ma systematisch zu diskreditieren versuche und sogar behaupte, er habe heimlich 200 Mio. Yuan auf seinem Privatkonto, was viele Priester nicht glauben. Einigen Quellen zufolge gehen die Behörden deshalb so hart gegen Priester Ma Xianshi vor, weil er sich gegen die Einsetzung eines „Regierungsbischofs“ in der Diözese gestemmt und während einer Pilgerreise ohne Erlaubnis Vatikanbeamte getroffen habe (AsiaNews 11.07., englisch und chinesisch). kwt

 

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