

Hier informiert Sie das China-Zentrum zur Situation der Religionen und der christlichen Kirchen in China.
4. August 2025:
Business Standard: China schränkt Reisen von Beamten weiter ein
Nach dem Bericht des Business Standard vom 4. August werden die Kontakte von Regierungsangestellten zu Ausländern immer stärker kontrolliert. Es werden als Beispiele Kindergärtnerinnen, Ärzte, Auftragnehmer der Regierung und Angestellte staatlicher Unternehmen genannt, die aufgefordert wurden, ihre Pässe abzugeben. In einigen Städten müssten Rentner zwei Jahre warten, bevor sie ihren Pass zurückerhalten. In vielen Städten bedürften Reisen von Angestellten im öffentlichen Dienst ins Ausland – selbst Privatreisen – eine Genehmigung. Und in den meisten Provinzen seien Personen, die im Ausland studiert haben, nun von bestimmten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Die Behörden würden verschiedene Gründe dafür anführen, darunter den Schutz der nationalen Sicherheit, die Bekämpfung von Korruption und Kosteneinsparungen. Der Umfang der Beschränkungen habe sich jedoch rasch ausgeweitet und erfasse nun auch Mitarbeiter, die nach eigenen Angaben keinen Zugang zu sensiblen Informationen oder staatlichen Geldern hätten. Die New York Times hat nach dem Bericht mit öffentlichen Angestellten gesprochen – darunter einem Musiklehrer an einer Grundschule, einer Krankenschwester und einem Professor für Literatur –, die die Beschränkungen bestätigt hätten. Reisebeschränkungen für bestimmte Staatsbedienstete sind allerdings nichts Neues. Seit 2003, so der Bericht, müssten hochrangige Beamte oder Personen, die mit Staatsgeheimnissen zu tun haben, Auslandsreisen im Voraus beantragen. Ihre Namen würden den Grenzbeamten mitgeteilt, um unbefugte Ausreisen zu verhindern. Unter Xi Jinping seien die Kontrollen jedoch auf weitaus niedrigere Ebenen ausgeweitet worden. Vollzeitbeamte in sechs Fischerdörfern in der Nähe der Stadt Zhoushan in der Küstenprovinz Zhejiang zum Beispiel wurden aufgefordert, ihre Dokumente abzugeben, wie aus einer Mitteilung der lokalen Regierung hervorgehe. In einer Stadt in der Provinz Jiangxi forderte eine Gesundheitsbehörde ihre Mitarbeiter auf, alle Auslandsreisen seit 2018 zu melden. Eine Krankenschwester in einem Krankenhaus in Zhejiang habe gesagt, sie benötige vier Genehmigungsstufen, um ins Ausland reisen zu dürfen (Business Standard 04.08.2025). kf
5. August 2025:
Chinesische Regierung führt ab Herbst kostenlose öffentliche Vorschulbildung ein – weitere Maßnahme zur Erhöhung der Geburtenrate
Angesichts der demografischen Krise versucht Chinas Regierung weiterhin, die Geburtenrate anzukurbeln. Chinas Bevölkerung ist seit drei Jahren in Folge rückläufig. Demografische Modelle der Vereinten Nationen sagen voraus, dass Chinas Bevölkerung von heute rund 1,4 Mrd. auf 800 Mio. im Jahr 2100 sinken könnte. Im vergangenen Jahr gab es in China nur 9,54 Mio. Geburten, halb so viele wie 2016, als Beijing nach mehr als drei Jahrzehnten seine Ein-Kind-Politik beendete. Die Bevölkerung ging im vergangenen Jahr um 1,39 Mio. zurück, und China verlor 2023 seinen Platz als bevölkerungsreichstes Land der Welt an Indien. Die Heiratsraten sind ebenfalls auf einem Rekordtief, und viele junge Paare schieben aufgrund der hohen Kosten für die Kindererziehung und aus Karrieregründen die Geburt von Kindern auf. Chinas schrumpfende Bevölkerung altert zudem rapide, was Sorgen um die Zukunft des Rentensystems des Landes auslöst. Im Jahr 2024 gab es fast 310 Mio. Menschen im Alter von 60 Jahren und älter.
Am 5. August gab der Staatsrat bei einer Pressekonferenz bekannt, dass „ab dem Herbstsemester 2025 die Kinderbetreuungs- und Ausbildungsgebühren für Kinder, die im Jahr vor der Einschulung einen öffentlichen Kindergarten besuchen, erlassen werden“, zitiert AFP. Die Finanzierung der neuen Maßnahme würde zwischen den zentralen und lokalen Behörden aufgeteilt. Kinder, die anerkannte private Kindergärten besuchen, hätten ebenfalls Anspruch auf Gebührenermäßigungen. Die Ankündigung erfolgt eine Woche, nachdem das Land erklärt hatte, Eltern für jedes Kind unter drei Jahren einen Betrag in Höhe von umgerechnet 500 Dollar pro Jahr zu gewähren (AFP nach UCAN 06.08.2025). kf
28. August 2025:
Amnesty International beklagt Menschenrechtslage in Xinjiang drei Jahre nach Veröffentlichung des UN-Berichts
„Drei Jahre, nachdem der UN-Bericht [von Michelle Bachelet] zu dem Schluss gekommen ist, dass China für schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang verantwortlich war, ist es beschämend, dass die internationale Gemeinschaft es versäumt hat zu handeln“, erklärte Sarah Brooks, China-Direktorin von Amnesty, in dem Statement. „Leben wurden zerstört, Familien getrennt und Gemeinschaften auseinandergerissen durch die anhaltende Grausamkeit der chinesischen Behörden. Heute suchen die Familien von Inhaftierten weiter nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit für alle, die im uigurischen Gebiet leiden.“ Das Statement verweist auf eine Dokumentation von 126 Einzelschicksalen Inhaftierter und Verschwundener, die Amnesty 2021 anlegte (https://xinjiang.amnesty.org/#cases). Zwischen Januar und August 2025 versuchte die Organisation, Updates zu erhalten. Demnach wurden mindestens 12 der 126 inzwischen freigelassen. Familienmitglieder von 68 Inhaftierten bestätigten, dass die Situation ihrer Angehörigen unverändert sei; sie seien entweder immer noch der Freiheit beraubt, oder die Familien hätten keine weiteren Nachrichten über sie erhalten können. In 37 Fällen konnten die Angehörigen nicht mehr kontaktiert werden (www.amnesty.org 28.08.). kwt
16. September 2025:
„Online-Verhaltensregeln für religiöse Amtsträger“ veröffentlicht
Das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten erließ das neue Dokument am 7. September, veröffentlichte es jedoch erst am 16. September auf seiner Website. Der chinesische Titel lautet 宗教教职人员网络行为规范. Die „Online-Verhaltensregeln“ knüpfen an die seit 2022 geltenden „Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Informationsdienste im Internet“ an (siehe Kommentar und Übersetzung in China heute 2022, Nr. 2, S. Informationen, Dokumentation), enthalten jedoch darüber hinaus noch weitere, sehr einschränkende Bestimmungen. Diese sind oft sehr vage formuliert und lassen einen weiten Interpretationsspielraum zu, dazu benutzen sie teilweise abwertende Begriffe. So dürfen religiöse Amtsträger nicht sich selbst hypen und nicht mit religiösen Themen um Aufmerksamkeit oder Netzverkehr werben (§ 6). Sie dürfen sich nicht über das Internet [gemeint sind hier stets alle Arten von Online-Medien] mit ausländischen Kräften zusammentun und ausländische religiöse Infiltrationsaktivitäten nicht unterstützen oder sich daran beteiligen (§ 8). Sie dürfen das Internet nicht benutzen, um Minderjährigen religiöse Gedanken einzuflößen, sie zum Glauben an eine Religion zu verleiten oder die Teilnahme Minderjähriger an religiösen Fortbildungen wie Sommerlagern zu organisieren, oder organisieren oder erzwingen, dass Minderjährige an religiösen Aktivitäten teilnehmen (§10). Sie dürfen nicht über das Internet missionieren und nicht online religiöse Aktivitäten organisieren oder daran teilnehmen (§13). Sie dürfen im Internet nicht um Spenden für den Bau religiöser Stätten oder die Durchführung religiöser Aktivitäten werben (§ 14). Sie dürfen im Internet keine als interne Materialien [neibu ziliao 内部资料] klassifizierten religiösen Publikationen verkaufen oder versenden (§ 15) – dazu ist anzumerken, dass die Religionsgemeinschaften religiöse Publikationen grundsätzlich nur als interne Materialien herausgeben dürfen. Die Verhaltensregeln gelten auch für [chinesische] religiöse Amtsträger, die ausländische Plattformen benutzen, und religiöse Amsträger aus Hongkong, Macau, Taiwan oder dem Ausland, die innerhalb Festlandchinas das Internet benutzen (§18).
Es ist davon auszugehen, dass diese Verhaltensregeln das Potential haben, den religiösen Amtsträgern aller Religionen ihre Aufgaben deutlich zu erschweren (Text unter www.sara.gov.cn/static/content/xxgk/gfxwj/2025-09-16/1417173278783471616.html; englische Übersetzung unter www.chinalawtranslate.com/en/clergy-code-of-conduct-online).
In der nächsten Ausgabe von China heute bringen wir eine Übersetzung der „Online-Verhaltensregeln“. kwt
20. September 2025:
Weißbuch „CPC Guidelines for Governing Xinjiang in the New Era: Practice and Achievements“ mit Aussagen über Religion
Das Weißbuch wurde am 20. September vom Informationsbüro des Staatsrats veröffentlicht. Unter dem Kapitel „Vertiefter Aufbau der Gemeinschaft des chinesischen Volkes“ findet sich ein längerer Abschnitt über Religion. Dort heißt es: „In Xinjiang haben immer viele Religionen koexistiert. Heute gibt es dort vor allem den Buddhismus, den Daoismus, den Islam, den Katholizismus und den Protestantismus. Xinjiang setzt die Politik der Partei der Freiheit des religiösen Glaubens vollständig, korrekt und umfassend um, es respektiert den religiösen Glauben der Massen, verwaltet die religiösen Angelegenheiten nach dem Gesetz, hält am Prinzip der Unabhängigkeit und Selbstverwaltung der Religionen fest und leitet sie an zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft. Es hält an der Ausrichtung der Religionen unseres Landes auf Sinisierung [im Englischen übersetzt mit „conform to China’s realities“] fest und verstärkt die ideologisch-politische Anleitung der religiösen Kreise [...].“ Während die Bedeutung des Islam in Xinjiang in dieser und anderen Passagen des Weißbuchs stark relativiert und er nur als eine von vielen Religionen der Region dargestellt wird, ist im Kapitel über Stabilität und Sicherheit explizit (allerdings nur in der englischen Version) von der Wachsamkeit gegenüber der Verbreitung von „Pan-Turkismus“ und „Pan-Islamismus“ die Rede. Generell heißt es in dem Weißbuch, die Religionen würden bei der Ent-Extremisierung und beim bewussten Widerstand gegen die Infiltration durch extremistische Ideologien unterstützt (chin. und engl. Version auf der Website des Informationsbüros unter der Rubrik 白皮书 [Weißbücher], www.scio.gov.cn/zfbps). kwt
23./24. September 2025:
Präsident Xi Jinping besucht Xinjiang anlässlich des 70. Gründungstags des Autonomen Gebiets, Rede mit Aussagen zu Religion
Am Nachmittag des 23. September empfing Xi Jinping in Urumqi Vertreter verschiedener Ethnien und Sektoren, darunter „patriotische Persönlichkeiten aus den religiösen Kreisen und Religionsarbeits-Kader von der Basis“ – hieß es in einem Bericht auf dem WeChat-Konto des Nationalen Religionsbüros. Dem gleichen Bericht zufolge betonte Xi Jinping bei der Entgegennahme des Arbeitsberichts von Xinjiangs Partei und Regierung am 24. September, dass es unerlässlich sei, die allgemeine gesellschaftliche Stabilität in Xinjiang zu gewährleisten. „Wir müssen ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein der chinesischen Nation schmieden, [...] die Sinisierung der Religionen in China fördern, [...] die Menschen mittels Kultur verändern [以文化人] und die Kader und Massen aller Ethnien dazu anleiten, eine korrekte Sichtweise auf die Nation, die Geschichte, die Ethnizität, die Kultur und die Religion zu entwickeln“, sagte Xi. Es war der 4. Besuch des Präsidenten in Xinjiang. Wie schon bei seinem Tibetbesuch im August (siehe Eintrag vom 14. August 2025 in der Rubrik „Buddhismus“) wurde Xi von Wang Huning, dem Vorsitzenden des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz, und Cai Qi, dem Direktor des Generalbüros des ZK, begleitet (http://en.cppcc.gov.cn 25.09.; Weiyan zongjiao nach https://chinabuddhism.com.cn 27.09.). kwt
29. September 2025:
„Wichtige Rede“ Xi Jinpings auf der 22. Studiensitzung des Politbüros über die Sinisierung der Religionen – „Freiheit des religiösen Glaubens“ erwähnt er nicht
Wie Xinhua berichtete, beschäftigte sich das Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas mit dem „systematischen Vorantreiben der Sinisierung der Religionen unseres Landes“. Es ist die dritte programmatische Rede Xi Jinpings zur Religionspolitik, nach zwei Reden auf den Nationalen Konferenzen zur Religionsarbeit von 2016 und 2021. In seiner ersten Religionsrede von 2016 hat Xi Jinping die „Ausrichtung der Religionen auf Sinisierung“, die er erstmals 2015 erwähnte, als zentrales Konzept seiner Religionspolitik bestätigt. Der gravierendste Unterschied der aktuellen Rede zu den Äußerungen von 2016 und 2021 scheint zu sein, dass der Begriff der „Freiheit des religiösen Glaubens“ (宗教信仰自由) nicht mehr erwähnt wird. 2016 hatte Xi Jinping die Freiheit des religiösen Glaubens noch als eine „grundlegende Leitlinie der Religionsarbeit der Partei“ bezeichnet. Zwar liegt die aktuelle Rede wie üblich nur in der Zusammenfassung von Xinhua vor, doch es ist nicht wahrscheinlich, dass ein so wichtiger Begriff nur zufällig weggelassen wurde. Es dürfte sich zumindest um eine bewusste Verschiebung von Prioritäten handeln.
Zwei wichtige Konzepte sind weiterhin die „Identifikation“ (认同) der Religionen sowohl mit der Kultur Chinas als auch mit der Nation, der Kommunistischen Partei Chinas und dem Sozialismus chinesischer Prägung sowie die eigeninitiative „Selbstumwandlung“ (自我变革) der Religionen, indem sie in die religiösen Lehren und Vorschriften, ins Verwaltungssystem, in Riten und Bräuche und ihre Verhaltenskodizes chinesische Besonderheiten einbringen und sie an die „Erfordernisse des Zeitalters“ anpassen (Rede unter www.gov.cn/yaowen/liebiao/202509/content_7042829.htm). Für Details siehe den Beitrag in den Informationen. kwt
25. September 2025:
Global Times (GT) veröffentlicht „Investigativbericht“ über die „vielfältige Infiltration durch die illegale religiöse Organisation Yiguandao“
In der letzten Zeit hätten viele Vorfälle um die Yiguandao die Aufmerksamkeit der Gesellschaft erregt, schreibt die englischsprachige GT, die der KP Chinas nahesteht. So habe die Polizei in Anqiu, Shandong, kürzlich ein Aufleben der Yiguandao niedergeschlagen. Dort habe die Organisation binnen zwei Jahren über 600 Mitglieder rekrutiert, darunter 30 Minderjährige; ein Grundschullehrer sei beteiligt gewesen. In einem anderen Fall [von 2022] hätten Yiguandao-Mitglieder in der Provinz Guangdong einen Kindergarten als Sektentreffpunkt benutzt. GT habe herausgefunden, dass die Sekte in Taiwan stark gewachsen sei und Verbindungen zu Parteien und Politikern habe, sie habe sich dort „einen Platz im politischen Ökosystem gesichert“ und werde „als Instrument für die Unterwanderung im Ausland genutzt, um bestimmte politische Ziele zu verfolgen“. Der Religionswissenschaftler Yan Kejia von der Shanghaier Akademie der Sozialwissenschaften erklärte gegenüber der GT, dass Yiguandao derzeit zwar nicht offiziell als Kult [xiejiao] gelistet sei, ihre Aktivitäten jedoch kultähnliche Züge aufweisen würden. Die jüngsten Maßnahmen gegen Yiguandao auf dem chinesischen Festland seien rechtzeitig und notwendig gewesen, so Yan laut GT.
Es gab in letzter Zeit mehrfach Medienberichte in Taiwan über in Festlandchina festgenommene taiwanische Mitglieder von Yiguandao (siehe China heute 2025, Nr. 1, Chronik, Religion allgemein, 13. Dezember 2024). Yiguandao (I Kuan-Tao 一贯道), wörtlich „Weg der alles durchdringenden Einheit“, ist eine religiöse Bewegung, die 1930 in Shandong aus älteren Wurzeln entstand. In Festlandchina wurde sie nach 1949 unterdrückt. In Taiwan ist sie seit 1987 erlaubt und hat zahlreiche Anhänger. Sie wird inzwischen als eine globale religiöse Bewegung mit möglicherweise Millionen Anhängern gesehen. Ein Faktor ihrer dynamischen Ausbreitung soll darin bestehen, dass Praktizierende ihren Glauben u.a. durch die Bekehrung anderer zu bestätigen suchen (www.globaltimes.cn/page/202509/1344485.shtml; www.chinafxj.cn/n2759/n2760/c941189/content.html [Artikel des Chinesischen Anti-Kult-Netzwerks, auf den sich GT bezieht]; https://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A85889/attachment/ATT-0/ [Studie von Nikolas Broy über Yiguandao und Globalisierung]). kwt
5.–6. August 2025:
Erfahrungsaustausch über die Internationalen Daoismus-Foren
Der Erfahrungsaustausch wurde von der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV), dem offiziellen Dachverband des Daoismus, organisiert und fand in der Stadt Jurong in der Provinz Jiangxi statt. Unter den Teilnehmenden waren neben Zuständigen der Zentralen Abteilung für Einheitsfrontarbeit und der Führungsriege der CDV auch Vertreter von Religionsbehörden und Daoistischen Vereinigungen früherer Austragungsorte sowie der Bewerberorte für das 6. Internationale Daoismus-Forum. Auch Vertreter von Kulturmedien waren geladen. Meister Li Guangfu 李光富, Vorsitzender der CDV, äußerte vier Erwartungen für künftige Foren: In Antwort auf Xi Jinpings „globale Initiativen“ soll die Rolle des Daoismus beim Austausch der Weltkulturen gefördert werden; der Weltföderation des Daoismus soll als Plattform für vertiefte internationale Zusammenarbeit dienen und „der Daoismus in die Welt gehen“; für den internationalen Austausch und die Verbreitung des Daoismus soll qualifiziertes Personal vorbereitet werden; Form und Inhalt des Forums sollen erneuert werden. Laut Konferenzbericht erkundeten die Teilnehmer, wie das Niveau künftiger Internationaler Daoismus-Foren (国际道教论坛) angehoben werden könnte. Sie diskutierten über eine Stärkung der thematischen Gestaltung, Verbesserung der inhaltlichen Qualität, Erneuerung der Form, Steigerung der Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit sowie kontinuierliche Ausweitung des internationalen Einflusses des Forums.
Es wird nicht mitgeteilt, ob es einen Anlass für diesen Austausch gab. Das 5. Internationale Daoismus-Forum fand im September 2023 in Jiangsu statt. Während des Forums wurde die Weltföderation des Daoismus (World Federation of Daoism, 世界道教联合会) gegründet, sie hat ihren Sitz in Beijing am Sitz der CDV. Ihr gehören als Gründungsmitglieder 52 daoistische Organisationen aus 20 Staaten und Gebieten an. Manche ausländische Daoisten sehen die Weltföderation allerdings kritisch (www.taoist.org.cn 11.08.; China heute 2023, Nr. 3, Informationen; siehe auch Karine Martin, Monastic Daoism Transformed. The Fate of the Thunder Drum Lineage, Three Pines Press 2025, bes. S. 133-134). kwt
27. Juni – ca. 4. Juli 2025:
Offizieller Panchen Lama besucht Lhasa
Nach Berichten der Parteizeitung Xizang ribao (Tibet Daily) empfing ihn am 30. Juni der Parteichef des Autonomen Gebiets Tibet, Wang Junzheng. Am 1. Juli besuchte der Panchen den Jokhang-Tempel. Am 3. Juli leitete er eine Versammlung der Präsidenten des Tibet-Zweigs der Chinesischen buddhistischen Vereinigung. Dort vermittelte er den „Geist der wichtigen Rede“, die Xi Jinping beim Empfang für ihn am 6. Juni (s.o.) gehalten hatte. Bei dem Treffen wurde auch der „Abriss des Fünfjahres-Arbeitsplans für das systematische Vorantreiben der Sinisierung des tibetischen Buddhismus des Tibet-Zweigs der Chinesischen buddhistischen Vereinigung (2025–2029)“ (中国佛教协会西藏分会关于系统推进藏传佛教中国化五年工作规划纲要 [2025–2029年]) besprochen. Am Folgetag gab es ein Symposium zur Umsetzung des besagten Fünfjahres-Arbeitsplans. Der Panchen betonte dort u.a. die Notwendigkeit, den tibetischen Buddhismus bei der Anpassung an die sozialistische Gesellschaft anzuleiten. Obwohl der Geburtstag des Dalai Lama nicht erwähnt wurde, „war jedem klar, dass die KP Chinas seine [des offiziellen Panchen] Aktivitäten auf diesen Tag ausgerichtet hatte [, um] die Aufmerksamkeit der Tibeter von den wichtigeren Ereignissen um den Dalai Lama in Dharamsala abzulenken“ – hieß es in einem Kommentar in Bitter Winter (Bitter Winter 10.07.; Xizang ribao [2 Meldungen] nach www.xizang.gov.cn 03.07. und www.xztzb.cn 05.07.). kwt
2. Juli 2025:
Dalai Lama veröffentlicht „Erklärung zur Fortführung der Institution des Dalai Lama“
Die schriftliche Erklärung und ein Video, in dem der Dalai Lama diese verliest, wurden am 2. Juli – kurz vor seinem 90. Geburtstag am 6. Juli – von seinem Büro veröffentlicht. Sie ist auf den 21. Mai 2025 datiert. Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso hatte bereits vor rund 14 Jahren, am 24. September 2011, eine ausführliche Erklärung zur Frage seiner Reinkarnation herausgegeben (deutsche Übersetzung in China heute 2012, Nr. 1, Dokumentation). Am Ende jenes Dokuments stellte er fest, dass er im Alter von etwa 90 Jahren sich beraten und noch einmal überprüfen werde, „ob die Institution des Dalai Lama fortbestehen soll oder nicht“. Diese bislang offene Frage wird nun mit Ja beantwortet. Er schreibt: „Obwohl ich keine öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema geführt habe, haben mir in den letzten 14 Jahren Oberhäupter der spirituellen Traditionen Tibets, Mitglieder des tibetischen Exilparlaments, Teilnehmende einer tibetischen Sonderkonferenz, Mitglieder der tibetischen Zentralverwaltung, Nichtregierungsorganisationen, Buddhisten aus der Himalaya-Region, der Mongolei, den buddhistischen Republiken der Russischen Föderation und Buddhisten in Asien, einschließlich Festlandchina, aus verschiedenen Gründen geschrieben und mich eindringlich gebeten, die Institution des Dalai Lama fortzuführen. Insbesondere habe ich über verschiedene Kanäle Botschaften von Tibeterinnen und Tibetern in Tibet erhalten, die denselben Appell äußern. In Übereinstimmung mit all diesen Bitten bekräftige ich, dass die Institution des Dalai Lama fortbestehen wird.“ Weiter schreibt er: „Das Verfahren zur Anerkennung eines zukünftigen Dalai Lama wurde in der Erklärung vom 24. September 2011 klar festgelegt. Darin heißt es, dass die Verantwortung dafür ausschließlich bei den Mitgliedern des Gaden Phodrang Trust, dem Büro Seiner Heiligkeit des Dalai Lama (Office of His Holiness the Dalai Lama), liegt. Sie sollten sich mit den verschiedenen Oberhäuptern der tibetisch-buddhistischen Traditionen und den zuverlässigen, durch einen Eid verbundenen Dharma-Beschützern beraten, die untrennbar mit der Linie der Dalai Lamas verbunden sind. Sie sollten die Verfahren zur Suche und Anerkennung entsprechend der bisherigen Tradition durchführen. Ich bekräftige hiermit, dass der Gaden Phodrang Trust die alleinige Befugnis hat, die zukünftige Reinkarnation anzuerkennen; niemand sonst hat die Befugnis, sich in diese Angelegenheit einzumischen“ (zitiert aus der deutschen Übersetzung der Erklärung auf der Website des Dalai Lama unter de.dalailama.com/news/erklärung-zur-fortführung-der-institution-des-dalai-lama). kwt
2. Juli 2025:
China weist die Erklärung des Dalai Lama zurück
Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, sagte bei ihrer Pressekonferenz am 2. Juli: „Die Reinkarnation des Dalai Lama muss im chinesischen Inland erfolgen, mit Ziehung aus der goldenen Urne und Billigung durch die Zentralregierung, nach geltendem Recht und Gesetz.“ Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua (Editor „huaxia“) veröffentlichte einen langen Beitrag von Li Decheng, Forscher am China Tibetology Research Center in Beijing, mit dem Titel „Reincarnation of Living Buddhas never decided by reincarnated individuals“. Der Beitrag argumentiert mit vielen Beispielen, dass es in der Geschichte des tibetischen Buddhismus, einschließlich der Reinkarnationen der Dalai Lamas, nie einen Präzedenzfall gegeben habe, bei dem die reinkarnierte Person allein über die Angelegenheit entschieden habe, und endet mit den Worten, „jeder Versuch, die Reinkarnation Lebender Buddhas zu politisieren, wird sich letztlich als vergeblich erweisen“ (Mao Ning zitiert nach heute journal 02.07., www.zdf.de/play/magazine/heute-journal-104/heute-journal-vom-2-juli-2025-100, letzter Abruf 21.07.; siehe auch The Guardian 02.07., Press Trust of India 02.07. u.a., nicht im offiziellen Transkript der Pressekonferenz enthalten; english.news.cn/20250702/8bf3519902104a58bebc1d128c5b0afa/c.html). kwt
3. Juli 2025:
Chinesische buddhistische Vereinigung weist die Erklärung des Dalai Lama zurück
Der offizielle Dachverband der Buddhisten in China schreibt in seiner Gegenerklärung: „Beginnend mit dem 5. Dalai Lama wurden alle nachfolgenden Dalai Lamas von der Zentralregierung ernannt, woraus sich der religiöse Status und die historische Legitimität des Titels des Dalai Lama ergeben. Die Zentralregierung hat das Recht, die endgültige Entscheidung über die Reinkarnation zu treffen, die in keiner Weise dem individuellen Ermessen des 14. Dalai Lama unterliegt. Im Laufe des historischen Prozesses der Suche nach den spirituellen Nachfolgern der Dalai Lamas wurde eine vollständige Reihe von traditionellen religiösen Ritualen und historischen Konventionen entwickelt. Seit der Einführung der Losziehungszeremonie aus der goldenen Urne muss für die Reinkarnation des Dalai Lama das Verfahren der „Losziehung aus der goldenen Urne“ eingehalten werden, wobei der ausgewählte Kandidat von der chinesischen Zentralregierung genehmigt werden muss. Dieses Verfahren ist die einzige Möglichkeit für den Kandidaten, öffentliche Glaubwürdigkeit und religiöse Autorität zu erlangen. Darüber hinaus hat das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten Maßnahmen zur Verwaltung der Reinkarnation Lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus erlassen, die alle Reinkarnationsverfahren für lebende Buddhas, einschließlich des Dalai Lama, streng regeln“ (Xinhua, Editor huaxia, 03.07.; english.news.cn/20250703/d0dbf7768765409fbaf313c83970fd5e/c.html).
Diese Erklärung erschien nicht auf der (chinesischsprachigen) Website der Chinesischen buddhistischen Vereinigung. kwt
22. Juli 2025:
Tibetische Exilregierung meldet die Zerstörung von über 300 Stupas und zwei buddhistischen Statuen im Autonomen Bezirk Karze der Tibeter in Sichuan
Ende Mai oder im Juni 2025 hätten die chinesischen Behörden in der Nähe des Janggang-Klosters im Kreis Drakgo (chin. Luhuo) im Bezirk Karze (chin. Ganzi) hunderte mittelgroßer Stupas des tibetischen Buddhismus und drei große Stupas dem Erdboden gleichgemacht, außerdem eine neu errichtete Statue von Khenpo Jigme Phuntsok, dem verstorbenen Gründerabt des Buddhistischen Instituts Serthar, sowie eine weitere buddhistische Statue – meldete die tibetische Zentralverwaltung (im Exil) in Dharamsala auf ihrer Website. Sie bezeichnete es als „schweren Angriff auf das tibetische religiöse Erbe“. Vor Ort sei eine Informationssperre verhängt worden; die Weitergabe von Informationen über die Zerstörungen an die Außenwelt führe zur Festnahme wegen „Verrat von Staatsgeheimnissen“. Eine Quelle berichtete der Zentralverwaltung, das Vorgehen der Behörden habe sich verschärft, nachdem das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten am 1. Dezember 2024 die Verordnung Nr. 22 verabschiedet hatte [dabei handelt es sich um die „Maßnahmen für die Verwaltung von Klöstern des tibetischen Buddhismus“ (藏传佛教寺庙管理办法), sie traten am 1. Januar 2025 in Kraft]. (https://tibet.net 22.07.). kwt
27. / 28. Juli 2025:
Shi Yongxin, Abt des Shaolin-Klosters in Henan, wird unter behördliche Untersuchung gestellt und laisiert
Am 27. Juli 2025 gab die Verwaltung des Shaolin-Klosters (laut Xinhua) bekannt: „Der Abt des Shaolin-Klosters, Shi Yongxin 永信, steht unter Verdacht, Straftaten begangen zu haben, indem er Projektgelder und Klostervermögen veruntreut hat. Außerdem hat er schwerwiegend gegen die buddhistischen Ordensregeln verstoßen, indem er über einen längeren Zeitraum unzulässige Beziehungen zu mehreren Frauen unterhielt und uneheliche Kinder zeugte. Derzeit wird gegen ihn eine gemeinsame Untersuchung mehrerer Behörden durchgeführt.“ Am 28. Juli bestätigte die Chinesische buddhistische Vereinigung dies in einer Erklärung und fügte an: „Die Handlungen von Shi Yongxin sind äußerst verwerflich, schaden dem Ruf des Buddhismus erheblich und beeinträchtigen das Ansehen von Mönchen und Nonnen. Die Chinesische buddhistische Vereinigung unterstützt und befürwortet nachdrücklich die Entscheidung, Shi Yongxin nach dem Gesetz zu behandeln. [...] Gemäß den einschlägigen Bestimmungen stimmen wir der Aufhebung des Ordinationszertifikats von Shi Yongxin (weltlicher Name: Liu Yingcheng [刘应成]) zu.“ Bereits am 29. Juli verlautbarte die Klosterverwaltung, dass Dharma-Meister Yinle 印乐 neuer Abt des Shaolin-Klosters wird. Er ist 1966 geboren und war seit 2005 Abt des Baima-Klosters in Luoyang, ebenfalls Provinz Henan.
Dem 1965 geborenen Yongxin wurde schon seit vielen Jahren die Kommerzialisierung seines Klosters, ein Hang zum Materiellen und ein nicht den Ordensregeln entsprechender Lebenswandel vorgeworfen. Einige Beobachter vermuten jedoch, dass sein Sturz zum jetzigen Zeitpunkt auch mit einem offenbar nicht autorisierten Treffen mit Papst Franziskus am 1. Februar 2025 zusammenhängen könnte (vgl. China heute 2025, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, 1. Februar 2025) (Erklärung des Shaolin-Klosters vom 27.07. nach Xinhua: www.news.cn/politics/20250727/6779a38fba894dc886234b5bb65ced33/c.html; Erklärung der CBV vom 28.07.: www.chinabuddhism.com.cn/web/details/76444; https://world.chinadaily.com.cn 29.07.). Für Details siehe den Beitrag in den Informationen. kwt
14. August 2025:
Tibetischer Zweig der Chinesischen buddhistischen Vereinigung hält Veranstaltung zum 60. Gründungstag des Autonomen Gebiets Tibet – 2. Tibetbesuch von Präsident Xi Jinping
Die Festrede hielt Tudeng Kezhu, Vizepräsident der Politischen Konsultativkonferenz des Autonomen Gebiets, Vizevorsitzender des Ständigen Ausschusses des Tibetischen Zweigs der CBV und Rektor der Akademie für tibetischen Buddhismus. Er erzählte von der „glorreichen Geschichte, den großartigen Erfolgen und den wertvollen Erfahrungen“ in den 60 Jahren seit der Gründung und rief dazu auf, „auf die Partei zu hören, der Partei zu danken und mit der Partei zu gehen“.
Am 21. August fand die Hauptfeier des Jahrestags, laut chinesischen Medien mit 200.000 Teilnehmern, in Lhasa vor dem Potala-Palast statt. Präsident Xi Jinping kam zu der Feier nach Tibet, begleitet von einer hochrangigen Delegation mit Wang Huning, dem Vorsitzenden des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz, und Cai Qi, dem Direktor des Generalbüros des ZK (https://savetibet.org 20.08.; Xinhua 21.08.; Xizang ribao nach https://chinabuddhism.com.cn 15.08.). kwt
18. August 2025:
Hochrangiger Mönch des Tsang-Klosters in Qinghai nimmt sich nach Druck der Behörden auf seine Klostergemeinschaft das Leben – Maßnahmen gegen minderjährige Mönche
Das Tsang-Kloster liegt im Autonomen Bezirk Hainan (tibet. Tsolho) der Tibeter in der Provinz Qinghai. Die International Campaign for Tibet (ICT) berichtete über den Fall von Shersang Gyatso, einem 52-jährigen hochrangigen Führer des Klosters: ICT zufolge erhöhten die Behörden ab etwa 1. Juli 2025 im Vorfeld des 80. Geburtstags des Dalai Lama (6. Juli) Sicherheitsmaßnahmen im Tsang-Kloster. Mönche, die sich nicht im Kloster befanden, wurden zur Rückkehr aufgefordert; ein junger Mönch, der sich wegen einer ärztlichen Behandlung in der Stadt Xining befand, soll am 2. Juli wegen einer angeblichen Geldüberweisung nach Indien festgenommen worden sein. Die Behörden durchsuchten die Schlafräume des Klosters und fanden Fotos des Dalai Lama. Vom 1. bis etwa 20. Juli mussten die Mönche täglich an politisch-ideologischen Treffen teilnehmen. Danach durften sie das Kloster verlassen. Als die Mönche am 9. August zurückkehrten, um wie üblich am Sommer-Retreat teilzunehmen, durften diejenigen unter 18 Jahren das Kloster nicht wieder betreten. Quellen hätten berichtet – so ICT weiter –, „dass diese Umstände [Shersang] Gyatso unter erheblichen Stress und Druck setzten, und sie betrachten seinen Suizid als Protest gegen die repressiven Maßnahmen gegen das Kloster und seine Mönche“.
ICT zufolge weisen die Behörden minderjährige Mönche systematisch aus den tibetischen Klöstern aus. Sie listet folgende Beispiele von Ausweisungen auf: Juli 2024, 500 junge Mönche aus dem Kloster Taktsang Lhamo Kirti im Bezirk Dzoge; Oktober 2021, 80 junge Mönche aus den Klöstern Jakyung und Ditsa im Bezirk Bayan; Juli 2018, 200 junge Mönche aus dem Kloster Dza Sershul in Dzachuka; März 2015, 300 junge Mönche aus Klöstern im Bezirk Shiqu. Im Juni 2024 wurden laut ICT 140 junge Mönche von der Klosterschule Muge in staatlich kontrollierte Internate in Muge, Ngaba, gezwungen (https://savetibet.org 27.08.). kwt
6. September 2025:
Konferenz zum Thema „Bodhisattva-Pfad [菩萨道] und humanistischer Buddhismus“ am Emeishan
Die Chinesische buddhistische Vereinigung veranstaltete sie als Jahreskonferenz 2025 zum Aufbau des Denkens des humanistischen Buddhismus. Zongxing, einer der Vizevorsitzenden der CBV, sagte bei der Eröffnung, die über 2.000-jährige Geschichte des Buddhismus in China sei eine Geschichte der Sinisierung. Die Verschmelzung von Buddhismus und chinesischer Zivilisation kristallisiere sich im Bodhisattva-Glauben und Bodhisattva-Geist. In der neuen historischen Periode sollten die buddhistischen Kreise des Landes weiter den humanistischen Buddhismus praktizieren und den Mahayana-Bodhisattva-Geist in die Entwicklung des Sangha, die Glaubenspraxis, die Anleitung der Laien, die kulturelle Weitergabe, die Wohltätigkeit und den Umweltschutz einfließen lassen. Dies werde die Anpassung des Buddhismus an die sozialistische Gesellschaft fördern und dazu beitragen, das Ideal eines „Reinen Landes auf Erden” zu verwirklichen.
An der Konferenz nahmen 70 Personen teil, darunter Universitätsprofessoren und Dharma-Meister. Der „humanistische Buddhismus“ (人间佛教), ursprünglich eine aus der Republikzeit stammende Reformidee, dient als zentraler Begriff für die Umsetzung der religionspolitischen Forderung nach Sinisierung des Buddhismus (https://chinabuddhism.com.cn 08.09.). kwt
4., 7., 27. August 2025:
Maßnahmen zur Verbreitung der neuen kommentierten Teilausgabe des Koran
Die Ausgewählten Verse des Koran mit kurzem Kommentar (chinesische Ausgabe) (Gulanjing jiexuan jianzhu [Zhongwen ban] 古兰经节选简注 [中文版]) erschienen am 29. Oktober 2024 als „wichtiges Ergebnis der Sinisierung des Islam“ (siehe China heute 2024, Nr. 4, Chronik, Islam, 29. Oktober 2024). Fast ein Jahr später wurde auf der Website der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV) weiter über Maßnahmen für deren Verbreitung in den Moscheegemeinden berichtet. Am 7. August hielt die Islamische Vereinigung des Autonomen Gebiets Ningxia in der Tongxin-Großmoschee eine „Schenkungs- und Promotion-Zeremonie“ für die Neuausgabe ab. Dabei erhielten die Islamischen Vereinigungen von fünf Städten insgesamt über 1.000 Bände. Damit solle sichergestellt werden, dass die leitenden Geistlichen aller wichtigen religiösen Stätten [Moscheen] einen Band erhalten und so, „vom Punkt in die Fläche“, die Verwendung der neuen Übersetzung stabil vorangetrieben werde, hieß es in dem Bericht.
Am 4. August organisierte die Islamische Vereinigung der Provinz Heilongjiang eine Fortbildung zur Sinisierung des Islam und guten Anwendung der Ausgewählten Verse für 120 Personen, darunter amtierende Imame und Moscheeverwaltungsleiter. Es referierte u.a. Ma Weiwei, Leiter des Büros für Koranexegese der CIV. Er gab Hilfestellungen zum Lesen der neuen Ausgabe und ihrem Einsatz beim Verfassen guter neuer Predigten.
In Jilin hielt die Islamische Vereinigung der Provinz am 27. August ebenfalls eine Veranstaltung zur Verbreitung der neuen Koranausgabe ab. Leiter Islamischer Vereinigungen aus den verschiedenen Städten und Bezirken berichteten über die Förderung, das Studium und die Anwendung der Ausgewählten Verse in ihrem Bereich. Die Teilnehmer lobten sie als „Ergebnis hochwertiger Koranübersetzung und -exegese im neuen Zeitalter“. Man werde die Kommentare gründlich studieren, ihr Wesen erfassen und die islamischen Prinzipien des Patriotismus, der Güte, des Friedens, des Mittelwegs und der Einheit fördern und diese in die tägliche Koranexegese und Predigt integrieren – hieß es in dem Bericht auf der Website der CIV (www.chinaislam.net.cn 06.,15.08.; 01.09.). kwt
Juni 2025:
Magistertitel von der Nationalen Kommission für theologische Ausbildung aberkannt
Ein Studierender des Nanjing Union Theological Seminary, dessen Arbeit über die südkoreanische Yoido Full Gospel Church durch ein Team von theologischen Betreuern angenommen und mit dem Grad des Magisters bewertet wurde, hat in diesem Jahr von der Kommission für theologische Ausbildung der nationalen Dachorganisation Chinesischer Christenrat (CCC) keine Magisterurkunde erhalten. Der Vorgang ist bisher einmalig im akademischen Prüfungssystem der offiziellen evangelischen Kirche. Bei Dozenten und Studierenden der theologischen Seminare wird die Entscheidung als Einschränkung der freien Themenwahl bei theologischen Arbeiten empfunden.
Die bereits seit Januar 2013 geltenden und im November 2024 überarbeiteten „Maßnahmen für die Verleihung akademischer Grade religiöser Ausbildungsstätten“ (Übersetzung siehe China heute 2015, Nr. 2, Dokumentation) sehen vor, dass Urkunden zur Verleihung akademischer Grade von den nationalen Organisationen gedruckt und von den Kommissionen für Ausbildung der nationalen religiösen Organisationen ausgestellt werden. Isabel Friemann, China InfoStelle
28./29. Juni 2025:
Christliche Jugendgruppe in Shenyang unter dem Vorwurf der Häresie
Am 28. und 29. Juni wurden in Shenyang, Provinz Liaoning, fünf leitende Persönlichkeiten eines Zusammenschlusses von nicht-registrierten christlichen Jugendgruppen, der sich Settle Youth Fellowship (赛特尔青年团契) nennt, verhaftet. Obwohl die Gruppierung seit über 10 Jahren aktiv ist und offiziell nicht als häretisch eingeordnet wird, erfolgten die Festnahmen unter Berufung auf Artikel 300 des chinesischen Strafgesetzbuches, das die Ausübung und Verbreitung abergläubischer oder kultischer Handlungen xiejiao 邪教 als Vorwand für die Unterwanderung des Staates verfolgt. Beobachter aus dem juristischen Bereich und der Menschenrechtsszene verzeichnen generell eine Zunahme der Anklagen gegen chinesische Hauskirchen, die mit xiejiao begründet werden, und sehen darin eine Erweiterung der Möglichkeiten zur Verfolgung und Unterdrückung. Das Settle Youth Fellowship bemüht sich besonders um Evangelisierung von Studierenden und Universitätsabsolventen. Gemeinschaft und Bindung wird u.a. über kleine Bibelgruppen geboten.
Nach Protesten von Angehörigen und Berichten über Misshandlungen der Inhaftierten in sozialen Medien, darunter Schlaf- und Nahrungsentzug, stundenlanges Knien, Schläge und die Androhung von Gewalt gegen Kinder und ältere Verwandte in den Familien, kamen vier Personen auf Kaution frei. Nur Pastor Qu, bekannter unter dem Namen Mingdao, verblieb bis auf weiteres in Haft. Am 26. September wurde Gemeindemitglied Wang Xiangchao ein zweites Mal unter derselben Anklage in Haft genommen (Bitter Winter 25.07.; 07.10.; China Aid 02.08.; Facebook 维权网 04.10.).
Isabel Friemann, China InfoStelle
4. Juli 2025:
Lehrkräfte des Nationalen Theologischen Seminars besuchen Konfuzius
Am 4. Juli nahmen 50 Lehrkräfte des Nationalen Theologischen Seminars in Nanjing (NJUTS) an einem Ausflug zur großen Konfuziusstatue und zum Konfuziusmuseum in Qufu, Provinz Shandong, teil. Dabei wurden sie von lokalen Beamten der Religionsbehörde begleitet und angeleitet. Auf diese Weise sollten sie als Leitungspersonen in der religiösen Welt die Wurzeln der großartigen traditionellen chinesischen Kultur und des in ihr enthaltenden patriotischen Geistes besser kennenlernen und verstehen (offizielles WeChat-Konto der Abteilung für ethnische und religiöse Angelegenheiten 民族宗教科 07.07.).
Isabel Friemann, China InfoStelle
22. Juli 2025:
Rekordurteil: 15 Jahre Haft für Yang Rongli von der Golden Lampstand Church
Am 22. Juli wurde das Urteil gegen Predigerin Yang Rongli 杨荣丽, Jahrgang 1958, aus Linfen, Shanxi, bekannt. Mit dem Maß von 15 Jahren Haft und 500.000 RMB (über 60.000 €) Geldstrafe ist es das höchste bisher bekannt gewordene Urteil gegen eine in der Hauskirche tätige Person. Ihr Mann, Pastor Wang Xiaoguang 王晓光, wurde ebenfalls zu einer außergewöhnlich langen Haft von 9 Jahren und 7 Monaten sowie einer Geldstrafe von 300.000 RMB verurteilt. Die Anwälte des Ehepaares haben gegen beide Urteile Berufung eingelegt.
Wie in der letzten Ausgabe von China heute (2025, Nr. 2, Chronik, Protestantische Kirchen, 20. Juni 2025) berichtet, ergingen bereits im Juni Haftstrafen von bis zu neun Jahren gegen eine Reihe von Mitgliedern der anhängerstarken Golden Lampstand Church (金灯堂). Seit mehr als 20 Jahren versuchen die Behörden, Größe und Einfluss der Gemeinde einzudämmen. Nachdem wiederholte Aufforderungen zur Registrierung der Gemeinde im Dachverband von TSPM/CCC ignoriert wurden, kam es seit 2004 häufig zu Unterbrechungen von Strom- und Wasserversorgung in Versammlungsorten der Kirche. 2009 feierte Golden Lampstand die Fertigstellung eines der größten kirchlichen Gebäude in China. Am 13. September desselben Jahres stürmten 500 Polizeibeamte den Standort der Kirche und der dazugehörigen Evangeliums-Schuhfabrik (福音鞋广); über 100 Gläubige wurden dabei geschlagen und erlitten Verletzungen. In der Folge verbüßte Frau Yang zwischen 2009 und 2016 sieben Jahre Haft wegen „illegaler religiöser Aktivitäten wie unautorisierter Besetzung landwirtschaftlicher Flächen“ und „Versammlung einer Menschenmenge zur Störung der öffentlichen Ordnung“. Herr Wang verbrachte damals drei Jahre im Gefängnis.
Wang Xiaoguang ist evangelischer Christ in der 5. Generation. Sein Großvater leitete das von Hudson Taylor gegründete Hongdong Bibelseminar in Shanxi. 1992 entschied er sich zusammen mit seiner Frau, die Kirche unter staatlicher Aufsicht zu verlassen und die Linfen Golden Lampstand Hauskirche zu gründen. Wang Xiaoguang ist Autor einer Reihe christlich-theologischer Bücher, darunter Shijia shenxue 十架神学 (Theologie des Kreuzes), ein Versuch, den Kreuzweg der Hauskirchen zu einer Kreuzestheologie zu erheben. Die Golden Lampstand Church entwickelte sich trotz Verfolgung zum Zentrum eines Netzwerkes von Hauskirchengemeinden mit mehreren zehntausend Mitgliedern. In einem Brief an ihren Sohn schrieb Yang Rongli über die Urteilsverkündung: „Gott hat mir große Ehre erwiesen“ (Bitter Winter 28.07.; Facebook 维权网 26.07.; www.churchinchains.ie/prisoner-profiles/wang-xiaoguang/).
Isabel Friemann, China InfoStelle
5. September 2025:
Pastor Zhao Huaiguo verstorben
Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Pastor Zhao Huaiguo 赵怀国, Gründer der nicht registrierten Bethel-Gemeinde 伯利恒教会, am 5. September im Kreis Cili, Provinz Hunan, fand in chinesischen und englischen sozialen Medien große Beachtung. Ein Grund dafür ist das relativ junge Alter von Pastor Zhao, der nicht einmal Mitte Fünfzig wurde, und die Vermutung, dass jahrelange Überwachung und Drangsalierung durch Behörden seinen Tod mitverschuldet haben könnten. Ein weiterer Grund sind die gegen ihn getroffenen Maßnahmen in den vergangenen Jahren. Die 2007 von Zhao gegründete Bethel-Gemeinde wurde im März 2019 von 50 Staatsangestellten verschiedener Behörden gestürmt, verwüstet und geschlossen; eine Reihe von Besitztümern wurde konfisziert. Ein Jahr später erging das Urteil einer Haftstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten gegen Zhao Huaiguo, begründet mit „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“, welche er bis September 2021 unter offensichtlich harten Bedingungen ableistete. Zu den Vorwürfen gegen ihn gehörte die illegale Konsultation ausländischer Medien mithilfe von VPN sowie die Verbreitung satirischer Gedichte über den Umgang der chinesischen Regierung mit der Covid 19-Pandemie. Zu den fortgesetzten Einschüchterungen und Maßnahmen gegen Pastor Zhao zählt der Einbruch von 10 Personen in seine Wohnung im November 2024, begleitet von einer Zwangsdurchsuchung. Im Anschluss wurden er und seine Frau 10 Tage lang in Polizeigewahrsam festgehalten, weil sie an illegalen online-Kursen teilgenommen hätten. Pastor Zhao wird in Hauskirchenkreisen als Beispiel für einen glaubensstarken, mutigen und überzeugten Christen herausgestellt; sein Tod wird betrauert (Bitter Winter 08.09.; Facebook 维权网 06.09.).
Isabel Friemann, China InfoStelle
11. Juli 2025:
AsiaNews meldet, dass der frühere offizielle Administrator der Diözese Wenzhou bereits im November verhaftet wurde – der Prozess wurde vertagt
In der Diözese Wenzhou ist nicht nur die Gemeinschaft im Untergrund unter Druck. Wie AsiaNews unter Berufung auf verschiedene Quellen vor Ort berichtete, wurde bereits im November 2024 der offizielle Administrator der Diözese Wenzhou, der Priester Ma Xianshi 麻显士, verhaftet. Er war auch stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Kommission für kirchliche Angelegenheiten der Provinz Zhejiang. AsiaNews zufolge soll Ma Xianshi angeklagt sein, das Gesangbuch Tianlu miaoyin 天路妙音 (Himmlische Melodien) „in anderen Gebieten öffentlich verkauft“ zu haben (在异地公开销售). [Möglicherweise ist gemeint, dass der Verkauf außerhalb der Diözese Wenzhou stattfand oder dass auch in andere Provinzen verkauft wurde.] Mit ihm angeklagt ist der Wenzhouer katholische Geschäftsmann Zhuang Qiantuan 庄千团, über dessen Firma in der Handelsstadt Yiwu in Zhejiang die Gesangbücher verkauft wurden. Laut AsiaNews trägt Priester Ma Xianshi als gesetzlicher Vertreter der Diözese die rechtliche Verantwortung. Das Gesangbuch Tianlu miaoyin wird – so AsiaNews weiter –in mehreren Provinzen in den katholischen Gemeinden verwendet. Es wurde ursprünglich von Priestern und Seminaristen im Sheshan-Seminar zusammengestellt und im Jahr 2001 erstmals vom katholischen Verlag Xinde (Faith Press) publiziert. Ab 2005 wurde es von der Amity-Druckerei in Nanjing gedruckt. Das Copyright liegt bei der Diözese Wenzhou. Der Fall habe ursprünglich am 1. Juli vor einem Gericht in Yiwu verhandelt werden sollen, sei aber kurzfristig vertagt worden, nachdem mehr als 300 Katholiken aus Wenzhou darum gebeten hatten, dem Prozess beizuwohnen. In den sechs Monaten Haft sei Priester Ma Xianshi und dem Laien Zhuang Qiantuan kein Besuch erlaubt worden, außer von ihren Anwälten. Kein offizieller Priester wage es, ihn öffentlich zu verteidigen. Die Behörden würden die Konten des Bistums genau prüfen, hätten aber bislang keine schwerwiegenden finanziellen Probleme gefunden. Manche sagten, dass die Regierung Priester Ma systematisch zu diskreditieren versuche und sogar behaupte, er habe heimlich 200 Mio. Yuan auf seinem Privatkonto, was viele Priester nicht glauben. Einigen Quellen zufolge gehen die Behörden deshalb so hart gegen Priester Ma Xianshi vor, weil er sich gegen die Einsetzung eines „Regierungsbischofs“ in der Diözese gestemmt und während einer Pilgerreise ohne Erlaubnis Vatikanbeamte getroffen habe (AsiaNews 11.07., englisch und chinesisch). kwt
6. September 2025:
Untergrundbischof Placidus Pei Ronggui 裴榮貴 von Luoyang gestorben
Der 1933 geborene Trappist, ursprünglich aus der Provinz Hebei stammend, starb am 6. September. Pei Ronggui wurde erst 1981 nach der Kulturrevolution im Alter von 48 Jahren zum Priester geweiht. Nach 1989 wurde er mehrfach inhaftiert und verbrachte insgesamt vier Jahre in Gefängnissen, nachdem „er sich geweigert hatte, bestimmtem Organisationen der offiziellen katholischen Kirche China beizutreten“, so AsiaNews. Vor der kommunistischen Machtübernahme gab es in Hebei zwei Trappistenklöster: die 1883 von französischen Mönchen aus Sept-Fons gegründete Abtei Unsere Liebe Frau vom Trost in Yangjiaping (heute Zhangjiakou) und das später in Zhengding errichtete Priorat Unsere Liebe Frau von der Freude. Die Abtei zählte über 100 Mönche, wurde aber 1947 von kommunistischen Milizen zerstört. 33 Märtyrer waren zu beklagen. Das Priorat konnte 1951 auf der Insel Lantau in Hongkong wiedererrichtet werden.
2003 wurde Pei mit Zustimmung des Heiligen Stuhls von Bischof Peter Li Hongye in Luoyang zu dessen Koadjutor für die Untergrunddiözese Luoyang in der Nachbarprovinz Henan geweiht. Nach dem Tod von Bischof Li 2011 wurde Bischof Pei emeritiert und kehrte in sein Heimatdorf Youtong in Hebei zurück. Sein Zimmer hatte er in eine Kapelle verwandelt, so dass er weiterhin seine priesterlichen Dienste ausüben konnte. 2016 traf ihn Reuters im Zusammenhang mit einer Geschichte über die Untergrundgemeinschaften in China. Damals, so AsiaNews, gab es schon Gerüchte über ein mögliches sino-vatikanisches Abkommen über Bischofsernennungen. „Es kann keine unabhängige (katholische) Kirche (in China) geben, denn das widerspricht den Prinzipien der katholischen Kirche“, erklärte Pei gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie (die chinesische Regierung) müssen sich ändern; wenn sie sich nicht ändern, kann der Papst nicht mit ihnen übereinkommen.“ Die Beerdigung fand am 9. September statt, offensichtlich unter strenger behördlicher Überwachung, wie eine chinesische Quelle angab (AsiaNews 08.09.; www.erbe-und-auftrag.org/fix/doc/EuA_3_2014_Schroeder_332-334.pdf; Reuters 25.12.2016; siehe auch Matteo Nicolini-Zani, Christian Monks on Chinese Soil: A History of Monastic Missions to China, Cistercian Publications 2016). kf
10. September 2025:
Wang Zhengui wird zum Bischof der neu errichteten Diözese Zhangjiakou in Nord-Hebei geweiht – mit Approbation von Papst Leo XIV. im Rahmen des vorläufigen Abkommens, erste Bischofsweihe in dessen Amtszeit
Wie die chinesischen katholischen Leitungsgremien meldeten, fand die Weihe in der Bischofskirche in der Stadt Zhangjiakou statt. Hauptweihender war Bischof Li Shan von Beijing, der Vorsitzende der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung. Konzelebranten waren die Hebeier Bischöfe Guo Jincai (Chengde), Feng Xinmao (Hengshui), Li Liangui (Cangzhou), Sun Jigen (Handan) und An Shuxin (Baoding). Priester Yang Yu, Generalsekretär der (von Rom nicht anerkannten) Chinesischen Bischofskonferenz, verlas deren Approbationsschreiben.
Am Tag der Bischofsweihe gab das Presseamt des Heiligen Stuhls in seinem Bulletin bekannt, dass Papst Leo XIV. am 8. Juli 2025 in dem Wunsch, die Seelsorge der Herde des Herrn zu fördern und ihrem geistlichen Wohl besser zu dienen, beschlossen hat, die 1946 errichteten Diözesen Xuanhua und Xiwanzi aufzuheben und zugleich die Diözese Zhangjiakou neu zu errichten als Suffraganbistum von Beijing, mit Bischofssitz in der Kathedrale von Zhangjiakou. Die Grenzen der neuen Diözese entsprechen denen der bezirksfreien Stadt Zhangjiakou mit einer Bevölkerung von rund 4 Mio. Einwohnern, sie hat dem Bulletin zufolge etwa 85.000 Katholiken und 89 Priester. Ebenfalls am 8. Juli – so das Bulletin weiter– ernannte der Papst Wang Zhengui zum Bischof von Zhangjiakou, „indem er seine Kandidatur im Rahmen des vorläufigen Abkommens [...] approbierte“. Der neue Bischof Wang Zhengui 王振贵 wurde am 19. November 1962 in Zhangjiaokou geboren, er absolvierte das Priesterseminar von Hebei und wurde 1990 zum Priester geweiht (dem Bulletin zufolge für die Diözese Xianxian/Cangzhou). 1996 wurde er Leiter der Diözese Zhangjiakou, ab 2007 übernahm er auch Positionen in den offiziellen katholischen Gremien der Provinz. Am 28. März 2025, also noch zu Lebzeiten von Papst Franziskus, wurde er nach dem offiziellen chinesischen Verfahren zum Bischofskandidaten gewählt (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0099-1.htm; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/10/0629/01111.html).
Zu den Untergrundbischöfen der aufgelösten Diözesen Xuanhua und Xiwanzi siehe die folgenden Einträge. kwt
12. September 2025:
Diözese Zhangjiakou hält Installationszeremonie für Weihbischof Ma Yan’en und Emeritierungszeremonie für Bischof Cui Tai
Die im Zuge der Errichtung der Diözese Zhangjiakou vom Papst aufgehobenen Diözesen waren bisher stark vom katholischen Untergrund geprägt, mit jeweils eigenen, vom Staat nicht anerkannten Bischöfen: Bischof Ma Yan’en 马彦恩 von Xiwanzi und Bischof Cui Tai 崔太 von Xuanhua. Diese wurden zwei Tage nach der Weihe des neuen Bischofs von Zhangjiakou öffentlich als Weihbischof installiert bzw. emeritiert. Nach der Meldung der offiziellen chinesischen katholischen Gremien fanden die Zeremonien in beiden Fällen „mit Zustimmung der Katholischen Kommission für kirchliche Angelegenheiten der Provinz Hebei und Approbation der Chinesischen Bischofskonferenz“ statt, wobei Priester Yang Yu für beide Bischöfe Approbationsschreiben der Chinesischen Bischofskonferenz verlas. Während der entsprechenden Zeremonien versprachen beide (den offiziellen Berichten zufolge, die sich nicht überprüfen lassen) im Amtseid bzw. einer Rede, am „Prinzip der Unabhängigkeit und Selbstverwaltung der Kirche“ festzuhalten – eben jenem Prinzip, dessentwegen sie aus Gewissensgründen bislang im katholischen Untergrund arbeiteten.
Am 12. September gab das Presseamt des Heiligen Stuhls bekannt: „Heute [...] hat die zivile Anerkennung und Inauguration von S.E. Msgr. Josef Ma Yan’en, dem ehemaligen Bischof von Xiwanzi, stattgefunden“, den der Heilige Vater, „im Rahmen der Anwendung“ des vorläufigen Abkommens, am 4. September 2025 „zum Weihbischof von Zhangjiakou“ ernannt hat. Dem Presseamt zufolge wurde Bischof Ma Yan’en am 15. Januar 1960 in Baoding geboren. Er wurde 1985 für die Apostolische Präfektur Yixian in Hebei zum Priester geweiht, wo er das Amt des Generalvikars innehatte. Er wurde 2010 zum Bischof geweiht und am 30. Januar 2013 zum Bischof von Xiwanzi ernannt, das er am 28. März 2013 in kanonischen Besitz nahm.
Ebenfalls am 12. September erschien eine Erklärung des Direktors des Presseamts des Heiligen Stuhls, in der es hieß: „Wir haben mit Genugtuung erfahren, dass heute, anlässlich der Amtsübernahme S.E. Msgr. Joseph Ma Yan’en als Weihbischof von Zhangjiakou, sein Bischofsamt auch für zivile Zwecke anerkannt wurde. Gleichermaßen wurde auch die Bischofswürde von S.E. Msgr. Cui Tai, Emeritus von Xuanhua, ebenfalls zivil anerkannt. Diese Ereignisse, Frucht des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Behörden, stellen einen bedeutenden Schritt auf dem Weg der Gemeinschaft der neuen Diözese dar.“
Damit sind die beiden Untergrundbischöfe nun auch staatlich anerkannt, aber ihrer bisherigen Ämter als leitende Diözesanbischöfe enthoben. Laut AsiaNews wurde der heute 75-jährige Bischof Cui Tai 2013 zum Koadjutorbischof von Bischof Zhao Duomo geweiht, der 2018 verstarb. Während Bischof Ma Yan’en vor seiner offiziellen Installation der Öffentlichkeit kaum bekannt war, war Bischof Cui Tai häufiger in westlichen Kirchenmedien, denn er war wegen seiner Weigerung, der Patriotischen Vereinigung beizutreten, seit 1993 immer wieder und seit 2007 die meiste Zeit in Haft (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0117-1.htm; www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0118-1.htm; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/12/0635/01121.html; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/12/0635/01123.html; AsiaNews 23.06.2020; 08.05.2023; 10.09.2025). kwt
24. September 2024:
Bistum Zhangjiakou: Bischof Wang Zhengui, Weihbischof Ma Yan’en und Bischof emeritus Cui Tai konzelebrieren
Die Messe fand in der Heimatpfarrei von Bischof Wang in Qujiazhuang statt, wie Xinde meldete (auf der Website der offiziellen katholischen Leitungsgremien wurde darüber nicht berichtet). Bischof Wang war der Hauptzelebrant, die beiden anderen Bischöfe konzelebrierten. 31 Priester der Diözese (von 89) sowie einige Schwestern und über tausend Gläubige nahmen teil. Bischof Wang betonte in seiner Predigt, die Weihe eines neuen Bischofs sei eine Gnade und ein Geschenk Gottes an die Kirche von Zhangjiakou, sie werde eine positive Rolle für die Einheit (heyi gongrong) der Diözese spielen. Nach der Messe sprachen Weihbischof Ma und Bischof emeritus Cui. Dem Xinde-Bericht zufolge betonten sie, die Zusammenlegung der beiden Diözesen sei der „Wille Gottes“ und eine „Erfordernis des Zeitalters“, es sei auch der Weg, den die Diözese(n) um einer gesunden Entwicklung willen gehen müssten. „Als Weihbischof und Bischof emeritus und als Priester können [wir] die Tatsache der Zusammenlegung der Diözesen nur mit einer Haltung des Gehorsams annehmen, Vorurteile ablegen, uns aufrichtig zusammenschließen und einträchtig zusammenarbeiten, um die Diözese bald wieder in ein normales Gleis zu bringen.“ Sie versprachen, „aktiv mit Bischof Wang Zhengui zusammenzuarbeiten“, um gemeinsam ein gutes Kapitel für die Zukunft der Diözese zu schreiben. Nach der Messe – so Xinde – begrüßten die Gläubigen herzlich die drei Bischöfe und baten um ihren Segen.
AsiaNews hatte am 12. September, am Tag der offiziellen Installation bzw. Emeritierung der beiden Untergrundbischöfe, kommentiert, Beijing benutze Bischof Cui Tais Gehorsam gegenüber dem Willen des Heiligen Stuhls, um zu zeigen, dass es die Schlacht in diesem Teil von Hebei gewonnen habe. Angesichts dieses Narrativs würden einige aus den Untergrundgemeinschaften ihn und Msgr. Ma Yan’en heftig angreifen und Bilder verbreiten, in denen sie als Schildkröten dargestellt würden, und würden sie beschuldigen, keinen Mut zu haben, so AsiaNews. Es ist anzunehmen, dass die gemeinsame Messe am 24. September auch eine Reaktion auf solche Kritik war (https://xinde.org/show/57289; AsiaNews 12.09.). kwt
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