

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de).
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2025, Nr. 2, S. 85-94) reichte bis einschließlich 11. Juli 2025.
4. August 2025:
Business Standard: China schränkt Reisen von Beamten weiter ein
Nach dem Bericht des Business Standard vom 4. August werden die Kontakte von Regierungsangestellten zu Ausländern immer stärker kontrolliert. Es werden als Beispiele Kindergärtnerinnen, Ärzte, Auftragnehmer der Regierung und Angestellte staatlicher Unternehmen genannt, die aufgefordert wurden, ihre Pässe abzugeben. In einigen Städten müssten Rentner zwei Jahre warten, bevor sie ihren Pass zurückerhalten. In vielen Städten bedürften Reisen von Angestellten im öffentlichen Dienst ins Ausland – selbst Privatreisen – eine Genehmigung. Und in den meisten Provinzen seien Personen, die im Ausland studiert haben, nun von bestimmten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Die Behörden würden verschiedene Gründe dafür anführen, darunter den Schutz der nationalen Sicherheit, die Bekämpfung von Korruption und Kosteneinsparungen. Der Umfang der Beschränkungen habe sich jedoch rasch ausgeweitet und erfasse nun auch Mitarbeiter, die nach eigenen Angaben keinen Zugang zu sensiblen Informationen oder staatlichen Geldern hätten. Die New York Times hat nach dem Bericht mit öffentlichen Angestellten gesprochen – darunter einem Musiklehrer an einer Grundschule, einer Krankenschwester und einem Professor für Literatur –, die die Beschränkungen bestätigt hätten. Reisebeschränkungen für bestimmte Staatsbedienstete sind allerdings nichts Neues. Seit 2003, so der Bericht, müssten hochrangige Beamte oder Personen, die mit Staatsgeheimnissen zu tun haben, Auslandsreisen im Voraus beantragen. Ihre Namen würden den Grenzbeamten mitgeteilt, um unbefugte Ausreisen zu verhindern. Unter Xi Jinping seien die Kontrollen jedoch auf weitaus niedrigere Ebenen ausgeweitet worden. Vollzeitbeamte in sechs Fischerdörfern in der Nähe der Stadt Zhoushan in der Küstenprovinz Zhejiang zum Beispiel wurden aufgefordert, ihre Dokumente abzugeben, wie aus einer Mitteilung der lokalen Regierung hervorgehe. In einer Stadt in der Provinz Jiangxi forderte eine Gesundheitsbehörde ihre Mitarbeiter auf, alle Auslandsreisen seit 2018 zu melden. Eine Krankenschwester in einem Krankenhaus in Zhejiang habe gesagt, sie benötige vier Genehmigungsstufen, um ins Ausland reisen zu dürfen (Business Standard 04.08.2025). kf
5. August 2025:
Chinesische Regierung führt ab Herbst kostenlose öffentliche Vorschulbildung ein – weitere Maßnahme zur Erhöhung der Geburtenrate
Angesichts der demografischen Krise versucht Chinas Regierung weiterhin, die Geburtenrate anzukurbeln. Chinas Bevölkerung ist seit drei Jahren in Folge rückläufig. Demografische Modelle der Vereinten Nationen sagen voraus, dass Chinas Bevölkerung von heute rund 1,4 Mrd. auf 800 Mio. im Jahr 2100 sinken könnte. Im vergangenen Jahr gab es in China nur 9,54 Mio. Geburten, halb so viele wie 2016, als Beijing nach mehr als drei Jahrzehnten seine Ein-Kind-Politik beendete. Die Bevölkerung ging im vergangenen Jahr um 1,39 Mio. zurück, und China verlor 2023 seinen Platz als bevölkerungsreichstes Land der Welt an Indien. Die Heiratsraten sind ebenfalls auf einem Rekordtief, und viele junge Paare schieben aufgrund der hohen Kosten für die Kindererziehung und aus Karrieregründen die Geburt von Kindern auf. Chinas schrumpfende Bevölkerung altert zudem rapide, was Sorgen um die Zukunft des Rentensystems des Landes auslöst. Im Jahr 2024 gab es fast 310 Mio. Menschen im Alter von 60 Jahren und älter.
Am 5. August gab der Staatsrat bei einer Pressekonferenz bekannt, dass „ab dem Herbstsemester 2025 die Kinderbetreuungs- und Ausbildungsgebühren für Kinder, die im Jahr vor der Einschulung einen öffentlichen Kindergarten besuchen, erlassen werden“, zitiert AFP. Die Finanzierung der neuen Maßnahme würde zwischen den zentralen und lokalen Behörden aufgeteilt. Kinder, die anerkannte private Kindergärten besuchen, hätten ebenfalls Anspruch auf Gebührenermäßigungen. Die Ankündigung erfolgt eine Woche, nachdem das Land erklärt hatte, Eltern für jedes Kind unter drei Jahren einen Betrag in Höhe von umgerechnet 500 Dollar pro Jahr zu gewähren (AFP nach UCAN 06.08.2025). kf
28. August 2025:
Amnesty International beklagt Menschenrechtslage in Xinjiang drei Jahre nach Veröffentlichung des UN-Berichts
„Drei Jahre, nachdem der UN-Bericht [von Michelle Bachelet] zu dem Schluss gekommen ist, dass China für schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang verantwortlich war, ist es beschämend, dass die internationale Gemeinschaft es versäumt hat zu handeln“, erklärte Sarah Brooks, China-Direktorin von Amnesty, in dem Statement. „Leben wurden zerstört, Familien getrennt und Gemeinschaften auseinandergerissen durch die anhaltende Grausamkeit der chinesischen Behörden. Heute suchen die Familien von Inhaftierten weiter nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit für alle, die im uigurischen Gebiet leiden.“ Das Statement verweist auf eine Dokumentation von 126 Einzelschicksalen Inhaftierter und Verschwundener, die Amnesty 2021 anlegte (https://xinjiang.amnesty.org/#cases). Zwischen Januar und August 2025 versuchte die Organisation, Updates zu erhalten. Demnach wurden mindestens 12 der 126 inzwischen freigelassen. Familienmitglieder von 68 Inhaftierten bestätigten, dass die Situation ihrer Angehörigen unverändert sei; sie seien entweder immer noch der Freiheit beraubt, oder die Familien hätten keine weiteren Nachrichten über sie erhalten können. In 37 Fällen konnten die Angehörigen nicht mehr kontaktiert werden (www.amnesty.org 28.08.). kwt
16. September 2025:
„Online-Verhaltensregeln für religiöse Amtsträger“ veröffentlicht
Das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten erließ das neue Dokument am 7. September, veröffentlichte es jedoch erst am 16. September auf seiner Website. Der chinesische Titel lautet 宗教教职人员网络行为规范. Die „Online-Verhaltensregeln“ knüpfen an die seit 2022 geltenden „Maßnahmen für die Verwaltung religiöser Informationsdienste im Internet“ an (siehe Kommentar und Übersetzung in China heute 2022, Nr. 2, S. Informationen, Dokumentation), enthalten jedoch darüber hinaus noch weitere, sehr einschränkende Bestimmungen. Diese sind oft sehr vage formuliert und lassen einen weiten Interpretationsspielraum zu, dazu benutzen sie teilweise abwertende Begriffe. So dürfen religiöse Amtsträger nicht sich selbst hypen und nicht mit religiösen Themen um Aufmerksamkeit oder Netzverkehr werben (§ 6). Sie dürfen sich nicht über das Internet [gemeint sind hier stets alle Arten von Online-Medien] mit ausländischen Kräften zusammentun und ausländische religiöse Infiltrationsaktivitäten nicht unterstützen oder sich daran beteiligen (§ 8). Sie dürfen das Internet nicht benutzen, um Minderjährigen religiöse Gedanken einzuflößen, sie zum Glauben an eine Religion zu verleiten oder die Teilnahme Minderjähriger an religiösen Fortbildungen wie Sommerlagern zu organisieren, oder organisieren oder erzwingen, dass Minderjährige an religiösen Aktivitäten teilnehmen (§10). Sie dürfen nicht über das Internet missionieren und nicht online religiöse Aktivitäten organisieren oder daran teilnehmen (§13). Sie dürfen im Internet nicht um Spenden für den Bau religiöser Stätten oder die Durchführung religiöser Aktivitäten werben (§ 14). Sie dürfen im Internet keine als interne Materialien [neibu ziliao 内部资料] klassifizierten religiösen Publikationen verkaufen oder versenden (§ 15) – dazu ist anzumerken, dass die Religionsgemeinschaften religiöse Publikationen grundsätzlich nur als interne Materialien herausgeben dürfen. Die Verhaltensregeln gelten auch für [chinesische] religiöse Amtsträger, die ausländische Plattformen benutzen, und religiöse Amsträger aus Hongkong, Macau, Taiwan oder dem Ausland, die innerhalb Festlandchinas das Internet benutzen (§18).
Es ist davon auszugehen, dass diese Verhaltensregeln das Potential haben, den religiösen Amtsträgern aller Religionen ihre Aufgaben deutlich zu erschweren (Text unter www.sara.gov.cn/static/content/xxgk/gfxwj/2025-09-16/1417173278783471616.html; englische Übersetzung unter www.chinalawtranslate.com/en/clergy-code-of-conduct-online).
In der nächsten Ausgabe von China heute bringen wir eine Übersetzung der „Online-Verhaltensregeln“. kwt
20. September 2025:
Weißbuch „CPC Guidelines for Governing Xinjiang in the New Era: Practice and Achievements“ mit Aussagen über Religion
Das Weißbuch wurde am 20. September vom Informationsbüro des Staatsrats veröffentlicht. Unter dem Kapitel „Vertiefter Aufbau der Gemeinschaft des chinesischen Volkes“ findet sich ein längerer Abschnitt über Religion. Dort heißt es: „In Xinjiang haben immer viele Religionen koexistiert. Heute gibt es dort vor allem den Buddhismus, den Daoismus, den Islam, den Katholizismus und den Protestantismus. Xinjiang setzt die Politik der Partei der Freiheit des religiösen Glaubens vollständig, korrekt und umfassend um, es respektiert den religiösen Glauben der Massen, verwaltet die religiösen Angelegenheiten nach dem Gesetz, hält am Prinzip der Unabhängigkeit und Selbstverwaltung der Religionen fest und leitet sie an zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft. Es hält an der Ausrichtung der Religionen unseres Landes auf Sinisierung [im Englischen übersetzt mit „conform to China’s realities“] fest und verstärkt die ideologisch-politische Anleitung der religiösen Kreise [...].“ Während die Bedeutung des Islam in Xinjiang in dieser und anderen Passagen des Weißbuchs stark relativiert und er nur als eine von vielen Religionen der Region dargestellt wird, ist im Kapitel über Stabilität und Sicherheit explizit (allerdings nur in der englischen Version) von der Wachsamkeit gegenüber der Verbreitung von „Pan-Turkismus“ und „Pan-Islamismus“ die Rede. Generell heißt es in dem Weißbuch, die Religionen würden bei der Ent-Extremisierung und beim bewussten Widerstand gegen die Infiltration durch extremistische Ideologien unterstützt (chin. und engl. Version auf der Website des Informationsbüros unter der Rubrik 白皮书 [Weißbücher], www.scio.gov.cn/zfbps). kwt
23./24. September 2025:
Präsident Xi Jinping besucht Xinjiang anlässlich des 70. Gründungstags des Autonomen Gebiets, Rede mit Aussagen zu Religion
Am Nachmittag des 23. September empfing Xi Jinping in Urumqi Vertreter verschiedener Ethnien und Sektoren, darunter „patriotische Persönlichkeiten aus den religiösen Kreisen und Religionsarbeits-Kader von der Basis“ – hieß es in einem Bericht auf dem WeChat-Konto des Nationalen Religionsbüros. Dem gleichen Bericht zufolge betonte Xi Jinping bei der Entgegennahme des Arbeitsberichts von Xinjiangs Partei und Regierung am 24. September, dass es unerlässlich sei, die allgemeine gesellschaftliche Stabilität in Xinjiang zu gewährleisten. „Wir müssen ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein der chinesischen Nation schmieden, [...] die Sinisierung der Religionen in China fördern, [...] die Menschen mittels Kultur verändern [以文化人] und die Kader und Massen aller Ethnien dazu anleiten, eine korrekte Sichtweise auf die Nation, die Geschichte, die Ethnizität, die Kultur und die Religion zu entwickeln“, sagte Xi. Es war der 4. Besuch des Präsidenten in Xinjiang. Wie schon bei seinem Tibetbesuch im August (siehe Eintrag vom 14. August 2025 in der Rubrik „Buddhismus“) wurde Xi von Wang Huning, dem Vorsitzenden des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz, und Cai Qi, dem Direktor des Generalbüros des ZK, begleitet (http://en.cppcc.gov.cn 25.09.; Weiyan zongjiao nach https://chinabuddhism.com.cn 27.09.). kwt
29. September 2025:
„Wichtige Rede“ Xi Jinpings auf der 22. Studiensitzung des Politbüros über die Sinisierung der Religionen – „Freiheit des religiösen Glaubens“ erwähnt er nicht
Wie Xinhua berichtete, beschäftigte sich das Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas mit dem „systematischen Vorantreiben der Sinisierung der Religionen unseres Landes“. Es ist die dritte programmatische Rede Xi Jinpings zur Religionspolitik, nach zwei Reden auf den Nationalen Konferenzen zur Religionsarbeit von 2016 und 2021. In seiner ersten Religionsrede von 2016 hat Xi Jinping die „Ausrichtung der Religionen auf Sinisierung“, die er erstmals 2015 erwähnte, als zentrales Konzept seiner Religionspolitik bestätigt. Der gravierendste Unterschied der aktuellen Rede zu den Äußerungen von 2016 und 2021 scheint zu sein, dass der Begriff der „Freiheit des religiösen Glaubens“ (宗教信仰自由) nicht mehr erwähnt wird. 2016 hatte Xi Jinping die Freiheit des religiösen Glaubens noch als eine „grundlegende Leitlinie der Religionsarbeit der Partei“ bezeichnet. Zwar liegt die aktuelle Rede wie üblich nur in der Zusammenfassung von Xinhua vor, doch es ist nicht wahrscheinlich, dass ein so wichtiger Begriff nur zufällig weggelassen wurde. Es dürfte sich zumindest um eine bewusste Verschiebung von Prioritäten handeln.
Zwei wichtige Konzepte sind weiterhin die „Identifikation“ (认同) der Religionen sowohl mit der Kultur Chinas als auch mit der Nation, der Kommunistischen Partei Chinas und dem Sozialismus chinesischer Prägung sowie die eigeninitiative „Selbstumwandlung“ (自我变革) der Religionen, indem sie in die religiösen Lehren und Vorschriften, ins Verwaltungssystem, in Riten und Bräuche und ihre Verhaltenskodizes chinesische Besonderheiten einbringen und sie an die „Erfordernisse des Zeitalters“ anpassen (Rede unter www.gov.cn/yaowen/liebiao/202509/content_7042829.htm). Für Details siehe den Beitrag in den Informationen. kwt
25. September 2025:
Global Times (GT) veröffentlicht „Investigativbericht“ über die „vielfältige Infiltration durch die illegale religiöse Organisation Yiguandao“
In der letzten Zeit hätten viele Vorfälle um die Yiguandao die Aufmerksamkeit der Gesellschaft erregt, schreibt die englischsprachige GT, die der KP Chinas nahesteht. So habe die Polizei in Anqiu, Shandong, kürzlich ein Aufleben der Yiguandao niedergeschlagen. Dort habe die Organisation binnen zwei Jahren über 600 Mitglieder rekrutiert, darunter 30 Minderjährige; ein Grundschullehrer sei beteiligt gewesen. In einem anderen Fall [von 2022] hätten Yiguandao-Mitglieder in der Provinz Guangdong einen Kindergarten als Sektentreffpunkt benutzt. GT habe herausgefunden, dass die Sekte in Taiwan stark gewachsen sei und Verbindungen zu Parteien und Politikern habe, sie habe sich dort „einen Platz im politischen Ökosystem gesichert“ und werde „als Instrument für die Unterwanderung im Ausland genutzt, um bestimmte politische Ziele zu verfolgen“. Der Religionswissenschaftler Yan Kejia von der Shanghaier Akademie der Sozialwissenschaften erklärte gegenüber der GT, dass Yiguandao derzeit zwar nicht offiziell als Kult [xiejiao] gelistet sei, ihre Aktivitäten jedoch kultähnliche Züge aufweisen würden. Die jüngsten Maßnahmen gegen Yiguandao auf dem chinesischen Festland seien rechtzeitig und notwendig gewesen, so Yan laut GT.
Es gab in letzter Zeit mehrfach Medienberichte in Taiwan über in Festlandchina festgenommene taiwanische Mitglieder von Yiguandao (siehe China heute 2025, Nr. 1, Chronik, Religion allgemein, 13. Dezember 2024). Yiguandao (I Kuan-Tao 一贯道), wörtlich „Weg der alles durchdringenden Einheit“, ist eine religiöse Bewegung, die 1930 in Shandong aus älteren Wurzeln entstand. In Festlandchina wurde sie nach 1949 unterdrückt. In Taiwan ist sie seit 1987 erlaubt und hat zahlreiche Anhänger. Sie wird inzwischen als eine globale religiöse Bewegung mit möglicherweise Millionen Anhängern gesehen. Ein Faktor ihrer dynamischen Ausbreitung soll darin bestehen, dass Praktizierende ihren Glauben u.a. durch die Bekehrung anderer zu bestätigen suchen (www.globaltimes.cn/page/202509/1344485.shtml; www.chinafxj.cn/n2759/n2760/c941189/content.html [Artikel des Chinesischen Anti-Kult-Netzwerks, auf den sich GT bezieht]; https://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A85889/attachment/ATT-0/ [Studie von Nikolas Broy über Yiguandao und Globalisierung]). kwt
5.–6. August 2025:
Erfahrungsaustausch über die Internationalen Daoismus-Foren
Der Erfahrungsaustausch wurde von der Chinesischen daoistischen Vereinigung (CDV), dem offiziellen Dachverband des Daoismus, organisiert und fand in der Stadt Jurong in der Provinz Jiangxi statt. Unter den Teilnehmenden waren neben Zuständigen der Zentralen Abteilung für Einheitsfrontarbeit und der Führungsriege der CDV auch Vertreter von Religionsbehörden und Daoistischen Vereinigungen früherer Austragungsorte sowie der Bewerberorte für das 6. Internationale Daoismus-Forum. Auch Vertreter von Kulturmedien waren geladen. Meister Li Guangfu 李光富, Vorsitzender der CDV, äußerte vier Erwartungen für künftige Foren: In Antwort auf Xi Jinpings „globale Initiativen“ soll die Rolle des Daoismus beim Austausch der Weltkulturen gefördert werden; der Weltföderation des Daoismus soll als Plattform für vertiefte internationale Zusammenarbeit dienen und „der Daoismus in die Welt gehen“; für den internationalen Austausch und die Verbreitung des Daoismus soll qualifiziertes Personal vorbereitet werden; Form und Inhalt des Forums sollen erneuert werden. Laut Konferenzbericht erkundeten die Teilnehmer, wie das Niveau künftiger Internationaler Daoismus-Foren (国际道教论坛) angehoben werden könnte. Sie diskutierten über eine Stärkung der thematischen Gestaltung, Verbesserung der inhaltlichen Qualität, Erneuerung der Form, Steigerung der Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit sowie kontinuierliche Ausweitung des internationalen Einflusses des Forums.
Es wird nicht mitgeteilt, ob es einen Anlass für diesen Austausch gab. Das 5. Internationale Daoismus-Forum fand im September 2023 in Jiangsu statt. Während des Forums wurde die Weltföderation des Daoismus (World Federation of Daoism, 世界道教联合会) gegründet, sie hat ihren Sitz in Beijing am Sitz der CDV. Ihr gehören als Gründungsmitglieder 52 daoistische Organisationen aus 20 Staaten und Gebieten an. Manche ausländische Daoisten sehen die Weltföderation allerdings kritisch (www.taoist.org.cn 11.08.; China heute 2023, Nr. 3, Informationen; siehe auch Karine Martin, Monastic Daoism Transformed. The Fate of the Thunder Drum Lineage, Three Pines Press 2025, bes. S. 133-134). kwt
22. Juli 2025:
Tibetische Exilregierung meldet die Zerstörung von über 300 Stupas und zwei buddhistischen Statuen im Autonomen Bezirk Karze der Tibeter in Sichuan
Ende Mai oder im Juni 2025 hätten die chinesischen Behörden in der Nähe des Janggang-Klosters im Kreis Drakgo (chin. Luhuo) im Bezirk Karze (chin. Ganzi) hunderte mittelgroßer Stupas des tibetischen Buddhismus und drei große Stupas dem Erdboden gleichgemacht, außerdem eine neu errichtete Statue von Khenpo Jigme Phuntsok, dem verstorbenen Gründerabt des Buddhistischen Instituts Serthar, sowie eine weitere buddhistische Statue – meldete die tibetische Zentralverwaltung (im Exil) in Dharamsala auf ihrer Website. Sie bezeichnete es als „schweren Angriff auf das tibetische religiöse Erbe“. Vor Ort sei eine Informationssperre verhängt worden; die Weitergabe von Informationen über die Zerstörungen an die Außenwelt führe zur Festnahme wegen „Verrat von Staatsgeheimnissen“. Eine Quelle berichtete der Zentralverwaltung, das Vorgehen der Behörden habe sich verschärft, nachdem das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten am 1. Dezember 2024 die Verordnung Nr. 22 verabschiedet hatte [dabei handelt es sich um die „Maßnahmen für die Verwaltung von Klöstern des tibetischen Buddhismus“ (藏传佛教寺庙管理办法), sie traten am 1. Januar 2025 in Kraft]. (https://tibet.net 22.07.). kwt
27. / 28. Juli 2025:
Shi Yongxin, Abt des Shaolin-Klosters in Henan, wird unter behördliche Untersuchung gestellt und laisiert
Am 27. Juli 2025 gab die Verwaltung des Shaolin-Klosters (laut Xinhua) bekannt: „Der Abt des Shaolin-Klosters, Shi Yongxin 永信, steht unter Verdacht, Straftaten begangen zu haben, indem er Projektgelder und Klostervermögen veruntreut hat. Außerdem hat er schwerwiegend gegen die buddhistischen Ordensregeln verstoßen, indem er über einen längeren Zeitraum unzulässige Beziehungen zu mehreren Frauen unterhielt und uneheliche Kinder zeugte. Derzeit wird gegen ihn eine gemeinsame Untersuchung mehrerer Behörden durchgeführt.“ Am 28. Juli bestätigte die Chinesische buddhistische Vereinigung dies in einer Erklärung und fügte an: „Die Handlungen von Shi Yongxin sind äußerst verwerflich, schaden dem Ruf des Buddhismus erheblich und beeinträchtigen das Ansehen von Mönchen und Nonnen. Die Chinesische buddhistische Vereinigung unterstützt und befürwortet nachdrücklich die Entscheidung, Shi Yongxin nach dem Gesetz zu behandeln. [...] Gemäß den einschlägigen Bestimmungen stimmen wir der Aufhebung des Ordinationszertifikats von Shi Yongxin (weltlicher Name: Liu Yingcheng [刘应成]) zu.“ Bereits am 29. Juli verlautbarte die Klosterverwaltung, dass Dharma-Meister Yinle 印乐 neuer Abt des Shaolin-Klosters wird. Er ist 1966 geboren und war seit 2005 Abt des Baima-Klosters in Luoyang, ebenfalls Provinz Henan.
Dem 1965 geborenen Yongxin wurde schon seit vielen Jahren die Kommerzialisierung seines Klosters, ein Hang zum Materiellen und ein nicht den Ordensregeln entsprechender Lebenswandel vorgeworfen. Einige Beobachter vermuten jedoch, dass sein Sturz zum jetzigen Zeitpunkt auch mit einem offenbar nicht autorisierten Treffen mit Papst Franziskus am 1. Februar 2025 zusammenhängen könnte (vgl. China heute 2025, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, 1. Februar 2025) (Erklärung des Shaolin-Klosters vom 27.07. nach Xinhua: www.news.cn/politics/20250727/6779a38fba894dc886234b5bb65ced33/c.html; Erklärung der CBV vom 28.07.: www.chinabuddhism.com.cn/web/details/76444; https://world.chinadaily.com.cn 29.07.). Für Details siehe den Beitrag in den Informationen. kwt
14. August 2025:
Tibetischer Zweig der Chinesischen buddhistischen Vereinigung hält Veranstaltung zum 60. Gründungstag des Autonomen Gebiets Tibet – 2. Tibetbesuch von Präsident Xi Jinping
Die Festrede hielt Tudeng Kezhu, Vizepräsident der Politischen Konsultativkonferenz des Autonomen Gebiets, Vizevorsitzender des Ständigen Ausschusses des Tibetischen Zweigs der CBV und Rektor der Akademie für tibetischen Buddhismus. Er erzählte von der „glorreichen Geschichte, den großartigen Erfolgen und den wertvollen Erfahrungen“ in den 60 Jahren seit der Gründung und rief dazu auf, „auf die Partei zu hören, der Partei zu danken und mit der Partei zu gehen“.
Am 21. August fand die Hauptfeier des Jahrestags, laut chinesischen Medien mit 200.000 Teilnehmern, in Lhasa vor dem Potala-Palast statt. Präsident Xi Jinping kam zu der Feier nach Tibet, begleitet von einer hochrangigen Delegation mit Wang Huning, dem Vorsitzenden des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz, und Cai Qi, dem Direktor des Generalbüros des ZK (https://savetibet.org 20.08.; Xinhua 21.08.; Xizang ribao nach https://chinabuddhism.com.cn 15.08.). kwt
18. August 2025:
Hochrangiger Mönch des Tsang-Klosters in Qinghai nimmt sich nach Druck der Behörden auf seine Klostergemeinschaft das Leben – Maßnahmen gegen minderjährige Mönche
Das Tsang-Kloster liegt im Autonomen Bezirk Hainan (tibet. Tsolho) der Tibeter in der Provinz Qinghai. Die International Campaign for Tibet (ICT) berichtete über den Fall von Shersang Gyatso, einem 52-jährigen hochrangigen Führer des Klosters: ICT zufolge erhöhten die Behörden ab etwa 1. Juli 2025 im Vorfeld des 80. Geburtstags des Dalai Lama (6. Juli) Sicherheitsmaßnahmen im Tsang-Kloster. Mönche, die sich nicht im Kloster befanden, wurden zur Rückkehr aufgefordert; ein junger Mönch, der sich wegen einer ärztlichen Behandlung in der Stadt Xining befand, soll am 2. Juli wegen einer angeblichen Geldüberweisung nach Indien festgenommen worden sein. Die Behörden durchsuchten die Schlafräume des Klosters und fanden Fotos des Dalai Lama. Vom 1. bis etwa 20. Juli mussten die Mönche täglich an politisch-ideologischen Treffen teilnehmen. Danach durften sie das Kloster verlassen. Als die Mönche am 9. August zurückkehrten, um wie üblich am Sommer-Retreat teilzunehmen, durften diejenigen unter 18 Jahren das Kloster nicht wieder betreten. Quellen hätten berichtet – so ICT weiter –, „dass diese Umstände [Shersang] Gyatso unter erheblichen Stress und Druck setzten, und sie betrachten seinen Suizid als Protest gegen die repressiven Maßnahmen gegen das Kloster und seine Mönche“.
ICT zufolge weisen die Behörden minderjährige Mönche systematisch aus den tibetischen Klöstern aus. Sie listet folgende Beispiele von Ausweisungen auf: Juli 2024, 500 junge Mönche aus dem Kloster Taktsang Lhamo Kirti im Bezirk Dzoge; Oktober 2021, 80 junge Mönche aus den Klöstern Jakyung und Ditsa im Bezirk Bayan; Juli 2018, 200 junge Mönche aus dem Kloster Dza Sershul in Dzachuka; März 2015, 300 junge Mönche aus Klöstern im Bezirk Shiqu. Im Juni 2024 wurden laut ICT 140 junge Mönche von der Klosterschule Muge in staatlich kontrollierte Internate in Muge, Ngaba, gezwungen (https://savetibet.org 27.08.). kwt
6. September 2025:
Konferenz zum Thema „Bodhisattva-Pfad [菩萨道] und humanistischer Buddhismus“ am Emeishan
Die Chinesische buddhistische Vereinigung veranstaltete sie als Jahreskonferenz 2025 zum Aufbau des Denkens des humanistischen Buddhismus. Zongxing, einer der Vizevorsitzenden der CBV, sagte bei der Eröffnung, die über 2.000-jährige Geschichte des Buddhismus in China sei eine Geschichte der Sinisierung. Die Verschmelzung von Buddhismus und chinesischer Zivilisation kristallisiere sich im Bodhisattva-Glauben und Bodhisattva-Geist. In der neuen historischen Periode sollten die buddhistischen Kreise des Landes weiter den humanistischen Buddhismus praktizieren und den Mahayana-Bodhisattva-Geist in die Entwicklung des Sangha, die Glaubenspraxis, die Anleitung der Laien, die kulturelle Weitergabe, die Wohltätigkeit und den Umweltschutz einfließen lassen. Dies werde die Anpassung des Buddhismus an die sozialistische Gesellschaft fördern und dazu beitragen, das Ideal eines „Reinen Landes auf Erden” zu verwirklichen.
An der Konferenz nahmen 70 Personen teil, darunter Universitätsprofessoren und Dharma-Meister. Der „humanistische Buddhismus“ (人间佛教), ursprünglich eine aus der Republikzeit stammende Reformidee, dient als zentraler Begriff für die Umsetzung der religionspolitischen Forderung nach Sinisierung des Buddhismus (https://chinabuddhism.com.cn 08.09.). kwt
4., 7., 27. August 2025:
Maßnahmen zur Verbreitung der neuen kommentierten Teilausgabe des Koran
Die Ausgewählten Verse des Koran mit kurzem Kommentar (chinesische Ausgabe) (Gulanjing jiexuan jianzhu [Zhongwen ban] 古兰经节选简注 [中文版]) erschienen am 29. Oktober 2024 als „wichtiges Ergebnis der Sinisierung des Islam“ (siehe China heute 2024, Nr. 4, Chronik, Islam, 29. Oktober 2024). Fast ein Jahr später wurde auf der Website der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV) weiter über Maßnahmen für deren Verbreitung in den Moscheegemeinden berichtet. Am 7. August hielt die Islamische Vereinigung des Autonomen Gebiets Ningxia in der Tongxin-Großmoschee eine „Schenkungs- und Promotion-Zeremonie“ für die Neuausgabe ab. Dabei erhielten die Islamischen Vereinigungen von fünf Städten insgesamt über 1.000 Bände. Damit solle sichergestellt werden, dass die leitenden Geistlichen aller wichtigen religiösen Stätten [Moscheen] einen Band erhalten und so, „vom Punkt in die Fläche“, die Verwendung der neuen Übersetzung stabil vorangetrieben werde, hieß es in dem Bericht.
Am 4. August organisierte die Islamische Vereinigung der Provinz Heilongjiang eine Fortbildung zur Sinisierung des Islam und guten Anwendung der Ausgewählten Verse für 120 Personen, darunter amtierende Imame und Moscheeverwaltungsleiter. Es referierte u.a. Ma Weiwei, Leiter des Büros für Koranexegese der CIV. Er gab Hilfestellungen zum Lesen der neuen Ausgabe und ihrem Einsatz beim Verfassen guter neuer Predigten.
In Jilin hielt die Islamische Vereinigung der Provinz am 27. August ebenfalls eine Veranstaltung zur Verbreitung der neuen Koranausgabe ab. Leiter Islamischer Vereinigungen aus den verschiedenen Städten und Bezirken berichteten über die Förderung, das Studium und die Anwendung der Ausgewählten Verse in ihrem Bereich. Die Teilnehmer lobten sie als „Ergebnis hochwertiger Koranübersetzung und -exegese im neuen Zeitalter“. Man werde die Kommentare gründlich studieren, ihr Wesen erfassen und die islamischen Prinzipien des Patriotismus, der Güte, des Friedens, des Mittelwegs und der Einheit fördern und diese in die tägliche Koranexegese und Predigt integrieren – hieß es in dem Bericht auf der Website der CIV (www.chinaislam.net.cn 06.,15.08.; 01.09.). kwt
Juni 2025:
Magistertitel von der Nationalen Kommission für theologische Ausbildung aberkannt
Ein Studierender des Nanjing Union Theological Seminary, dessen Arbeit über die südkoreanische Yoido Full Gospel Church durch ein Team von theologischen Betreuern angenommen und mit dem Grad des Magisters bewertet wurde, hat in diesem Jahr von der Kommission für theologische Ausbildung der nationalen Dachorganisation Chinesischer Christenrat (CCC) keine Magisterurkunde erhalten. Der Vorgang ist bisher einmalig im akademischen Prüfungssystem der offiziellen evangelischen Kirche. Bei Dozenten und Studierenden der theologischen Seminare wird die Entscheidung als Einschränkung der freien Themenwahl bei theologischen Arbeiten empfunden.
Die bereits seit Januar 2013 geltenden und im November 2024 überarbeiteten „Maßnahmen für die Verleihung akademischer Grade religiöser Ausbildungsstätten“ (Übersetzung siehe China heute 2015, Nr. 2, Dokumentation) sehen vor, dass Urkunden zur Verleihung akademischer Grade von den nationalen Organisationen gedruckt und von den Kommissionen für Ausbildung der nationalen religiösen Organisationen ausgestellt werden. Isabel Friemann, China InfoStelle
28./29. Juni 2025:
Christliche Jugendgruppe in Shenyang unter dem Vorwurf der Häresie
Am 28. und 29. Juni wurden in Shenyang, Provinz Liaoning, fünf leitende Persönlichkeiten eines Zusammenschlusses von nicht-registrierten christlichen Jugendgruppen, der sich Settle Youth Fellowship (赛特尔青年团契) nennt, verhaftet. Obwohl die Gruppierung seit über 10 Jahren aktiv ist und offiziell nicht als häretisch eingeordnet wird, erfolgten die Festnahmen unter Berufung auf Artikel 300 des chinesischen Strafgesetzbuches, das die Ausübung und Verbreitung abergläubischer oder kultischer Handlungen xiejiao 邪教 als Vorwand für die Unterwanderung des Staates verfolgt. Beobachter aus dem juristischen Bereich und der Menschenrechtsszene verzeichnen generell eine Zunahme der Anklagen gegen chinesische Hauskirchen, die mit xiejiao begründet werden, und sehen darin eine Erweiterung der Möglichkeiten zur Verfolgung und Unterdrückung. Das Settle Youth Fellowship bemüht sich besonders um Evangelisierung von Studierenden und Universitätsabsolventen. Gemeinschaft und Bindung wird u.a. über kleine Bibelgruppen geboten.
Nach Protesten von Angehörigen und Berichten über Misshandlungen der Inhaftierten in sozialen Medien, darunter Schlaf- und Nahrungsentzug, stundenlanges Knien, Schläge und die Androhung von Gewalt gegen Kinder und ältere Verwandte in den Familien, kamen vier Personen auf Kaution frei. Nur Pastor Qu, bekannter unter dem Namen Mingdao, verblieb bis auf weiteres in Haft. Am 26. September wurde Gemeindemitglied Wang Xiangchao ein zweites Mal unter derselben Anklage in Haft genommen (Bitter Winter 25.07.; 07.10.; China Aid 02.08.; Facebook 维权网 04.10.).
Isabel Friemann, China InfoStelle
22. Juli 2025:
Rekordurteil: 15 Jahre Haft für Yang Rongli von der Golden Lampstand Church
Am 22. Juli wurde das Urteil gegen Predigerin Yang Rongli 杨荣丽, Jahrgang 1958, aus Linfen, Shanxi, bekannt. Mit dem Maß von 15 Jahren Haft und 500.000 RMB (über 60.000 €) Geldstrafe ist es das höchste bisher bekannt gewordene Urteil gegen eine in der Hauskirche tätige Person. Ihr Mann, Pastor Wang Xiaoguang 王晓光, wurde ebenfalls zu einer außergewöhnlich langen Haft von 9 Jahren und 7 Monaten sowie einer Geldstrafe von 300.000 RMB verurteilt. Die Anwälte des Ehepaares haben gegen beide Urteile Berufung eingelegt.
Wie in der letzten Ausgabe von China heute (2025, Nr. 2, Chronik, Protestantische Kirchen, 20. Juni 2025) berichtet, ergingen bereits im Juni Haftstrafen von bis zu neun Jahren gegen eine Reihe von Mitgliedern der anhängerstarken Golden Lampstand Church (金灯堂). Seit mehr als 20 Jahren versuchen die Behörden, Größe und Einfluss der Gemeinde einzudämmen. Nachdem wiederholte Aufforderungen zur Registrierung der Gemeinde im Dachverband von TSPM/CCC ignoriert wurden, kam es seit 2004 häufig zu Unterbrechungen von Strom- und Wasserversorgung in Versammlungsorten der Kirche. 2009 feierte Golden Lampstand die Fertigstellung eines der größten kirchlichen Gebäude in China. Am 13. September desselben Jahres stürmten 500 Polizeibeamte den Standort der Kirche und der dazugehörigen Evangeliums-Schuhfabrik (福音鞋广); über 100 Gläubige wurden dabei geschlagen und erlitten Verletzungen. In der Folge verbüßte Frau Yang zwischen 2009 und 2016 sieben Jahre Haft wegen „illegaler religiöser Aktivitäten wie unautorisierter Besetzung landwirtschaftlicher Flächen“ und „Versammlung einer Menschenmenge zur Störung der öffentlichen Ordnung“. Herr Wang verbrachte damals drei Jahre im Gefängnis.
Wang Xiaoguang ist evangelischer Christ in der 5. Generation. Sein Großvater leitete das von Hudson Taylor gegründete Hongdong Bibelseminar in Shanxi. 1992 entschied er sich zusammen mit seiner Frau, die Kirche unter staatlicher Aufsicht zu verlassen und die Linfen Golden Lampstand Hauskirche zu gründen. Wang Xiaoguang ist Autor einer Reihe christlich-theologischer Bücher, darunter Shijia shenxue 十架神学 (Theologie des Kreuzes), ein Versuch, den Kreuzweg der Hauskirchen zu einer Kreuzestheologie zu erheben. Die Golden Lampstand Church entwickelte sich trotz Verfolgung zum Zentrum eines Netzwerkes von Hauskirchengemeinden mit mehreren zehntausend Mitgliedern. In einem Brief an ihren Sohn schrieb Yang Rongli über die Urteilsverkündung: „Gott hat mir große Ehre erwiesen“ (Bitter Winter 28.07.; Facebook 维权网 26.07.; www.churchinchains.ie/prisoner-profiles/wang-xiaoguang/).
Isabel Friemann, China InfoStelle
5. September 2025:
Pastor Zhao Huaiguo verstorben
Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Pastor Zhao Huaiguo 赵怀国, Gründer der nicht registrierten Bethel-Gemeinde 伯利恒教会, am 5. September im Kreis Cili, Provinz Hunan, fand in chinesischen und englischen sozialen Medien große Beachtung. Ein Grund dafür ist das relativ junge Alter von Pastor Zhao, der nicht einmal Mitte Fünfzig wurde, und die Vermutung, dass jahrelange Überwachung und Drangsalierung durch Behörden seinen Tod mitverschuldet haben könnten. Ein weiterer Grund sind die gegen ihn getroffenen Maßnahmen in den vergangenen Jahren. Die 2007 von Zhao gegründete Bethel-Gemeinde wurde im März 2019 von 50 Staatsangestellten verschiedener Behörden gestürmt, verwüstet und geschlossen; eine Reihe von Besitztümern wurde konfisziert. Ein Jahr später erging das Urteil einer Haftstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten gegen Zhao Huaiguo, begründet mit „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“, welche er bis September 2021 unter offensichtlich harten Bedingungen ableistete. Zu den Vorwürfen gegen ihn gehörte die illegale Konsultation ausländischer Medien mithilfe von VPN sowie die Verbreitung satirischer Gedichte über den Umgang der chinesischen Regierung mit der Covid 19-Pandemie. Zu den fortgesetzten Einschüchterungen und Maßnahmen gegen Pastor Zhao zählt der Einbruch von 10 Personen in seine Wohnung im November 2024, begleitet von einer Zwangsdurchsuchung. Im Anschluss wurden er und seine Frau 10 Tage lang in Polizeigewahrsam festgehalten, weil sie an illegalen online-Kursen teilgenommen hätten. Pastor Zhao wird in Hauskirchenkreisen als Beispiel für einen glaubensstarken, mutigen und überzeugten Christen herausgestellt; sein Tod wird betrauert (Bitter Winter 08.09.; Facebook 维权网 06.09.).
Isabel Friemann, China InfoStelle
6. September 2025:
Untergrundbischof Placidus Pei Ronggui 裴榮貴 von Luoyang gestorben
Der 1933 geborene Trappist, ursprünglich aus der Provinz Hebei stammend, starb am 6. September. Pei Ronggui wurde erst 1981 nach der Kulturrevolution im Alter von 48 Jahren zum Priester geweiht. Nach 1989 wurde er mehrfach inhaftiert und verbrachte insgesamt vier Jahre in Gefängnissen, nachdem „er sich geweigert hatte, bestimmtem Organisationen der offiziellen katholischen Kirche China beizutreten“, so AsiaNews. Vor der kommunistischen Machtübernahme gab es in Hebei zwei Trappistenklöster: die 1883 von französischen Mönchen aus Sept-Fons gegründete Abtei Unsere Liebe Frau vom Trost in Yangjiaping (heute Zhangjiakou) und das später in Zhengding errichtete Priorat Unsere Liebe Frau von der Freude. Die Abtei zählte über 100 Mönche, wurde aber 1947 von kommunistischen Milizen zerstört. 33 Märtyrer waren zu beklagen. Das Priorat konnte 1951 auf der Insel Lantau in Hongkong wiedererrichtet werden.
2003 wurde Pei mit Zustimmung des Heiligen Stuhls von Bischof Peter Li Hongye in Luoyang zu dessen Koadjutor für die Untergrunddiözese Luoyang in der Nachbarprovinz Henan geweiht. Nach dem Tod von Bischof Li 2011 wurde Bischof Pei emeritiert und kehrte in sein Heimatdorf Youtong in Hebei zurück. Sein Zimmer hatte er in eine Kapelle verwandelt, so dass er weiterhin seine priesterlichen Dienste ausüben konnte. 2016 traf ihn Reuters im Zusammenhang mit einer Geschichte über die Untergrundgemeinschaften in China. Damals, so AsiaNews, gab es schon Gerüchte über ein mögliches sino-vatikanisches Abkommen über Bischofsernennungen. „Es kann keine unabhängige (katholische) Kirche (in China) geben, denn das widerspricht den Prinzipien der katholischen Kirche“, erklärte Pei gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie (die chinesische Regierung) müssen sich ändern; wenn sie sich nicht ändern, kann der Papst nicht mit ihnen übereinkommen.“ Die Beerdigung fand am 9. September statt, offensichtlich unter strenger behördlicher Überwachung, wie eine chinesische Quelle angab (AsiaNews 08.09.; www.erbe-und-auftrag.org/fix/doc/EuA_3_2014_Schroeder_332-334.pdf; Reuters 25.12.2016; siehe auch Matteo Nicolini-Zani, Christian Monks on Chinese Soil: A History of Monastic Missions to China, Cistercian Publications 2016). kf
10. September 2025:
Wang Zhengui wird zum Bischof der neu errichteten Diözese Zhangjiakou in Nord-Hebei geweiht – mit Approbation von Papst Leo XIV. im Rahmen des vorläufigen Abkommens, erste Bischofsweihe in dessen Amtszeit
Wie die chinesischen katholischen Leitungsgremien meldeten, fand die Weihe in der Bischofskirche in der Stadt Zhangjiakou statt. Hauptweihender war Bischof Li Shan von Beijing, der Vorsitzende der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung. Konzelebranten waren die Hebeier Bischöfe Guo Jincai (Chengde), Feng Xinmao (Hengshui), Li Liangui (Cangzhou), Sun Jigen (Handan) und An Shuxin (Baoding). Priester Yang Yu, Generalsekretär der (von Rom nicht anerkannten) Chinesischen Bischofskonferenz, verlas deren Approbationsschreiben.
Am Tag der Bischofsweihe gab das Presseamt des Heiligen Stuhls in seinem Bulletin bekannt, dass Papst Leo XIV. am 8. Juli 2025 in dem Wunsch, die Seelsorge der Herde des Herrn zu fördern und ihrem geistlichen Wohl besser zu dienen, beschlossen hat, die 1946 errichteten Diözesen Xuanhua und Xiwanzi aufzuheben und zugleich die Diözese Zhangjiakou neu zu errichten als Suffraganbistum von Beijing, mit Bischofssitz in der Kathedrale von Zhangjiakou. Die Grenzen der neuen Diözese entsprechen denen der bezirksfreien Stadt Zhangjiakou mit einer Bevölkerung von rund 4 Mio. Einwohnern, sie hat dem Bulletin zufolge etwa 85.000 Katholiken und 89 Priester. Ebenfalls am 8. Juli – so das Bulletin weiter– ernannte der Papst Wang Zhengui zum Bischof von Zhangjiakou, „indem er seine Kandidatur im Rahmen des vorläufigen Abkommens [...] approbierte“. Der neue Bischof Wang Zhengui 王振贵 wurde am 19. November 1962 in Zhangjiaokou geboren, er absolvierte das Priesterseminar von Hebei und wurde 1990 zum Priester geweiht (dem Bulletin zufolge für die Diözese Xianxian/Cangzhou). 1996 wurde er Leiter der Diözese Zhangjiakou, ab 2007 übernahm er auch Positionen in den offiziellen katholischen Gremien der Provinz. Am 28. März 2025, also noch zu Lebzeiten von Papst Franziskus, wurde er nach dem offiziellen chinesischen Verfahren zum Bischofskandidaten gewählt (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0099-1.htm; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/10/0629/01111.html).
Zu den Untergrundbischöfen der aufgelösten Diözesen Xuanhua und Xiwanzi siehe die folgenden Einträge. kwt
12. September 2025:
Diözese Zhangjiakou hält Installationszeremonie für Weihbischof Ma Yan’en und Emeritierungszeremonie für Bischof Cui Tai
Die im Zuge der Errichtung der Diözese Zhangjiakou vom Papst aufgehobenen Diözesen waren bisher stark vom katholischen Untergrund geprägt, mit jeweils eigenen, vom Staat nicht anerkannten Bischöfen: Bischof Ma Yan’en 马彦恩 von Xiwanzi und Bischof Cui Tai 崔太 von Xuanhua. Diese wurden zwei Tage nach der Weihe des neuen Bischofs von Zhangjiakou öffentlich als Weihbischof installiert bzw. emeritiert. Nach der Meldung der offiziellen chinesischen katholischen Gremien fanden die Zeremonien in beiden Fällen „mit Zustimmung der Katholischen Kommission für kirchliche Angelegenheiten der Provinz Hebei und Approbation der Chinesischen Bischofskonferenz“ statt, wobei Priester Yang Yu für beide Bischöfe Approbationsschreiben der Chinesischen Bischofskonferenz verlas. Während der entsprechenden Zeremonien versprachen beide (den offiziellen Berichten zufolge, die sich nicht überprüfen lassen) im Amtseid bzw. einer Rede, am „Prinzip der Unabhängigkeit und Selbstverwaltung der Kirche“ festzuhalten – eben jenem Prinzip, dessentwegen sie aus Gewissensgründen bislang im katholischen Untergrund arbeiteten.
Am 12. September gab das Presseamt des Heiligen Stuhls bekannt: „Heute [...] hat die zivile Anerkennung und Inauguration von S.E. Msgr. Josef Ma Yan’en, dem ehemaligen Bischof von Xiwanzi, stattgefunden“, den der Heilige Vater, „im Rahmen der Anwendung“ des vorläufigen Abkommens, am 4. September 2025 „zum Weihbischof von Zhangjiakou“ ernannt hat. Dem Presseamt zufolge wurde Bischof Ma Yan’en am 15. Januar 1960 in Baoding geboren. Er wurde 1985 für die Apostolische Präfektur Yixian in Hebei zum Priester geweiht, wo er das Amt des Generalvikars innehatte. Er wurde 2010 zum Bischof geweiht und am 30. Januar 2013 zum Bischof von Xiwanzi ernannt, das er am 28. März 2013 in kanonischen Besitz nahm.
Ebenfalls am 12. September erschien eine Erklärung des Direktors des Presseamts des Heiligen Stuhls, in der es hieß: „Wir haben mit Genugtuung erfahren, dass heute, anlässlich der Amtsübernahme S.E. Msgr. Joseph Ma Yan’en als Weihbischof von Zhangjiakou, sein Bischofsamt auch für zivile Zwecke anerkannt wurde. Gleichermaßen wurde auch die Bischofswürde von S.E. Msgr. Cui Tai, Emeritus von Xuanhua, ebenfalls zivil anerkannt. Diese Ereignisse, Frucht des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Behörden, stellen einen bedeutenden Schritt auf dem Weg der Gemeinschaft der neuen Diözese dar.“
Damit sind die beiden Untergrundbischöfe nun auch staatlich anerkannt, aber ihrer bisherigen Ämter als leitende Diözesanbischöfe enthoben. Laut AsiaNews wurde der heute 75-jährige Bischof Cui Tai 2013 zum Koadjutorbischof von Bischof Zhao Duomo geweiht, der 2018 verstarb. Während Bischof Ma Yan’en vor seiner offiziellen Installation der Öffentlichkeit kaum bekannt war, war Bischof Cui Tai häufiger in westlichen Kirchenmedien, denn er war wegen seiner Weigerung, der Patriotischen Vereinigung beizutreten, seit 1993 immer wieder und seit 2007 die meiste Zeit in Haft (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0117-1.htm; www.chinacatholic.cn/ccic/report/2509/0118-1.htm; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/12/0635/01121.html; https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2025/09/12/0635/01123.html; AsiaNews 23.06.2020; 08.05.2023; 10.09.2025). kwt
24. September 2024:
Bistum Zhangjiakou: Bischof Wang Zhengui, Weihbischof Ma Yan’en und Bischof emeritus Cui Tai konzelebrieren
Die Messe fand in der Heimatpfarrei von Bischof Wang in Qujiazhuang statt, wie Xinde meldete (auf der Website der offiziellen katholischen Leitungsgremien wurde darüber nicht berichtet). Bischof Wang war der Hauptzelebrant, die beiden anderen Bischöfe konzelebrierten. 31 Priester der Diözese (von 89) sowie einige Schwestern und über tausend Gläubige nahmen teil. Bischof Wang betonte in seiner Predigt, die Weihe eines neuen Bischofs sei eine Gnade und ein Geschenk Gottes an die Kirche von Zhangjiakou, sie werde eine positive Rolle für die Einheit (heyi gongrong) der Diözese spielen. Nach der Messe sprachen Weihbischof Ma und Bischof emeritus Cui. Dem Xinde-Bericht zufolge betonten sie, die Zusammenlegung der beiden Diözesen sei der „Wille Gottes“ und eine „Erfordernis des Zeitalters“, es sei auch der Weg, den die Diözese(n) um einer gesunden Entwicklung willen gehen müssten. „Als Weihbischof und Bischof emeritus und als Priester können [wir] die Tatsache der Zusammenlegung der Diözesen nur mit einer Haltung des Gehorsams annehmen, Vorurteile ablegen, uns aufrichtig zusammenschließen und einträchtig zusammenarbeiten, um die Diözese bald wieder in ein normales Gleis zu bringen.“ Sie versprachen, „aktiv mit Bischof Wang Zhengui zusammenzuarbeiten“, um gemeinsam ein gutes Kapitel für die Zukunft der Diözese zu schreiben. Nach der Messe – so Xinde – begrüßten die Gläubigen herzlich die drei Bischöfe und baten um ihren Segen.
AsiaNews hatte am 12. September, am Tag der offiziellen Installation bzw. Emeritierung der beiden Untergrundbischöfe, kommentiert, Beijing benutze Bischof Cui Tais Gehorsam gegenüber dem Willen des Heiligen Stuhls, um zu zeigen, dass es die Schlacht in diesem Teil von Hebei gewonnen habe. Angesichts dieses Narrativs würden einige aus den Untergrundgemeinschaften ihn und Msgr. Ma Yan’en heftig angreifen und Bilder verbreiten, in denen sie als Schildkröten dargestellt würden, und würden sie beschuldigen, keinen Mut zu haben, so AsiaNews. Es ist anzunehmen, dass die gemeinsame Messe am 24. September auch eine Reaktion auf solche Kritik war (https://xinde.org/show/57289; AsiaNews 12.09.). kwt
Siehe auch die Einträge zu den Ereignissen in Zhangjiakou vom 10., 12. und 24. September 2025 in der Rubrik „Katholische Kirche“.
18. September 2025:
Papst Leo XIV. äußert sich im Interview mit der Journalistin Elise Ann Allen von Crux erstmals zu seiner künftigen Chinapolitik
Auf die Frage, ob er schon wisse, was sein eigener Ansatz im Umgang mit China sein werde, sagte Papst Leo: „Nein. Ich würde sagen, dass ich kurzfristig [in the short term] die Politik fortsetzen werde, die der Heilige Stuhl nun seit einigen Jahren verfolgt, und zwar unter mehreren Vorgängern. Ich erhebe in keiner Weise den Anspruch, weiser oder erfahrener zu sein als alle, die vor mir gekommen sind. Ich bin auch im fortgesetzten Dialog mit einigen Menschen, Chinesen, auf beiden Seiten einiger der Probleme, die es gibt. Ich versuche, ein klareres Verständnis davon zu bekommen, wie die Kirche die Mission der Kirche fortsetzen kann, indem sie sowohl die Kultur als auch politische Fragen berücksichtigt, die offensichtlich eine große Bedeutung haben, aber auch eine bedeutende Gruppe von chinesischen Katholiken berücksichtigt, die viele Jahre lang unter einer Art Unterdrückung oder Schwierigkeit, ihren Glauben frei zu leben, gelebt haben, und ohne mich auf eine Seite zu stellen.“ Die Journalistin hatte von der „Ostpolitik“ von „Papst Franziskus und vielen seiner Vorgänger“ gesprochen; darauf bezogen sagte der Papst: „Die Ostpolitik, die Entscheidungen, die getroffen wurden, um realistisch zu sagen, ‚das ist das, was wir derzeit tun können, um uns in Richtung Zukunft zu bewegen‘, ich ziehe das sicherlich in Erwägung, zusammen mit anderen Erfahrungen, die ich früher im Umgang mit chinesischen Menschen gemacht habe, in der Regierung, aber auch mit religiösen Führern und Laien. Es ist eine schwierige Situation. Langfristig [in the long term] möchte ich nicht behaupten, dass ich dies tun oder nicht tun werde, aber nach zwei Monaten habe ich schon angefangen, auf verschiedenen Ebenen Gespräche zu diesem Thema zu führen.“ Die Zitate stammen aus einem zweiteiligen Interview von Allen mit Papst Leo, das in ihrer neuen Papstbiographie León XIV: ciudadano del mundo, misionero del siglo XXI enthalten ist. Sie soll im Januar 2026 bei Penguin Peru erscheinen (https://cruxnow.com/vatican/2025/09/pope-leo-speaks-to-cruxs-elise-ann-allen-about-gaza-china-and-the-u-s). kwt
14. Juli 2025:
Kardinal Stephen Chow SJ besucht Hongkonger Katholiken in Großbritannien
Wie die Hongkonger Diözesanzeitung Sunday Examiner berichtete, machte Kardinal Chow am 14. Juli in Manchester einen Pastoralbesuch, um die dortige wachsende chinesischsprachige katholische Gemeinschaft zu unterstützen und zu ermutigen. An dem Treffen nahmen auch Gläubige aus dem gesamten Nordwesten Englands und anderen Teilen Großbritanniens teil. Der Kardinal feierte zusammen mit Bischof John Arnold von der Diözese Salford eine Dankmesse in der Patrick’s Church in Collyhurst. Bischof Arnold hatte 2023 Hongkong besucht, um Möglichkeiten der pastoralen Zusammenarbeit angesichts der wachsenden Zahl von Hongkonger Emigranten in Großbritannien zu erkunden. Mit Kardinal Chow konzelebrierte u.a. Father Philip Sumner, Pfarrer der „Greater Manchester Chinese Catholic Community“. Kardinal Chow hörte auch Beichte und traf Mitglieder der chinesischsprachigen Gemeinde von Manchester wie auch von weiteren chinesischen Gemeinden in Liverpool, Warrington und Schottland. An dem Treffen nahmen zudem Vertreter der Hong Kong Catholic Migrants Pastoral Coordination Group, die im Juli vergangenen Jahres gegründet wurde, teil. Die von der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales eingerichtete Gruppe dient der Unterstützung der wachsenden Zahl Hongkonger Katholiken in Großbritannien (siehe China heute 2024, Nr. 3, Chronik, Hongkong, 1. Juli 2024). An die Messe schloss sich ein Abendessen mit geselligem Zusammensein an. Laut dem Sunday Examiner ist die chinesische katholische Gemeinde in Manchester in den letzten drei Jahren erheblich gewachsen – von nur 35 Personen auf mehr als 250, die regelmäßig jeden zweiten Sonntag die Messe besuchen. Der 73-jährige Pfarrer Sumner, der sich die Messtexte auf Kantonesisch selbst beigebracht hat, hofft auf einen kantonesisch-sprechenden Priester für die Gemeinde. Im November 2023 hatte Kardinal Chow den in Hongkong tätigen Pater Bruno Lepeu MEP für sechs Monate nach England entsandt, um die pastoralen Bedürfnisse der in Manchester und Umgebung ansässigen Katholiken aus Hongkong zu erkunden. Der jetzige Besuch von Kardinal Chow diente als „Zeichen der Solidarität der Diözese Hongkong mit den Hongkonger Katholiken im Ausland“, so der Sunday Examiner (Sunday Examiner 18.07.). kf
25. August 2025:
Hongkong: Caritas Bianchi College of Careers wird in katholische Saint Francis University integriert
Die Saint Francis University (SFU) gab am 25. August bekannt, dass der Hong Kong Council for Accreditation of Academic and Vocational Qualifications die Integration des Caritas Bianchi College of Careers (CBCC) als akademische Einrichtung unter ihrem Dach offiziell genehmigt hat. Mit der neuen Regelung erhält das CBCC denselben akademischen Status wie andere Fakultäten der SFU. Wie der katholische Sunday Examiner in Hongkong berichtete, werden im Rahmen der überarbeiteten Struktur die bestehenden Fachbereiche des CBCC in die Fakultäten der SFU integriert: die Fachbereiche Betriebswirtschaft und Hotelmanagement werden Teil der Rita Tong Liu School of Business and Hospitality Management; der Fachbereich Gesundheitswissenschaften wird Teil der S.K. Yee School of Health Sciences; der Fachbereich Sozialwissenschaften wird Teil der Felizberta Lo Padilla Tong School of Social Sciences. Das CBCC wird weiterhin seine Abteilung für Design und seine Abteilung für Allgemeinbildung (General Education) betreiben. Absolventen des CBCC erhalten nun Diplome und Abschlüsse, die von der SFU ausgestellt werden, „wodurch die Kontinuität der Qualifikationen gewährleistet und gleichzeitig die Angleichung an den breiteren akademischen Rahmen der Universität sichergestellt wird“, so der Sunday Examiner.
Das CBCC wurde ursprünglich 1971 in Pokfulam als Bishop Bianchi College of Careers gegründet mit Ausbildungsprogrammen in den Bereichen Buchhaltung, Design, Tourismus und Hotelmanagement. 2001 führte das College duale Programme in Betriebswirtschaft und Hotelmanagement ein und fusionierte 2008 administrativ mit dem Caritas Francis Hsu College (einer Vorgängereinrichtung der SFU, damals bekannt als Caritas Institute of Higher Education) und trug damit zur Ebnung des Wegs für die Entwicklung einer katholischen Universität in Hongkong bei. Die SFU plant u.a. für das akademische Studienjahr 2026–2027 den neuen Studiengang Religion und Ethik (Sunday Examiner 28.08.). kf
1. September 2025:
Umstrukturierungen beim Holy Spirit Seminar der Diözese Hongkong
Im Jahr 2025 wird das 1970 gegründete diözesane Holy Spirit Seminary College einer umfassenden Umstrukturierung unterzogen. Im Holy Spirit Seminary College of Theology and Philosophy (HSSC) wurden drei neue Institute eingerichet: das Holy Spirit Institute of Theology (HSIT), das Holy Spirit Institute of Philosophy (HSIP) und das Holy Spirit Institute of Religious Sciences (HSIRS). Die neuen Institute übernehmen eigenständig die Verantwortung für alle akademischen Angelegenheiten ihrer je eigenen Programme, während das HSSC weiterhin Ressourcen und administrative Unterstützung für die neuen Institute bereitstellt. An den Instituten werden Priesteramtskandidaten, Ordensleute und Laien ausgebildet.
Mit Beginn des neuen akademischen Jahres am 1. September beendete das HSSC zudem seine akademische Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom. Die Abteilung für Theologie ist nunmehr an die Theologische Fakultät der Päpstlichen Universität Gregoriana angegliedert und bietet Studiengänge an, die mit einem Bachelor- oder Lizentiatsabschluss in Theologie der Gregoriana abschließen. Die Abteilung für Philosophie ist der Philosophischen Fakultät der Gregoriana angegliedert und erweitert ihr zweijähriges Diplomstudium der Philosophie zu einem dreijährigen Bachelorstudium. Das Institut für Religionswissenschaften ist mit der Theologischen Fakultät St. Robert Bellarmine an der Katholischen Fu-Jen-Universität in Taiwan verbunden und bietet ein Studium der Religionswissenschaften an, das mit dem Bachelor-Abschluss in Religionswissenschaften der Fu Jen abgeschlossen wird. In den letzten Jahren hatte das HSSC kontinuierlich Lehrplanreformen und institutionelle Erneuerungen vorangetrieben, „um den vielfältigen Anforderungen der Kirche und der Gesellschaft gerecht zu werden“, so Rev. Peter Choy, Direktor der Abteilung für Theologie, in der Hongkonger chinesischsprachigen Diözesanzeitung Kung Kao Po. Die Fakultät habe nicht nur die Zusammenarbeit mit der örtlichen Diözese verstärkt, sondern auch den internationalen akademischen Austausch aktiv ausgebaut (https://kkp.org.hk/past/detail/54622/; www.hsscol.org.hk/eng/aim.html). kf
2. September 2025:
Kardinal Chow von Hongkong trifft Papst Leo XIV.
Kardinal Stephen Chow SJ, Bischof von Hongkong, traf den Papst im Apostolischen Palast in Rom „zu einem intensiven Austausch über die Situation der Kirche in China“, so der Sunday Examiner, die Diözesanzeitschrift von Hongkong. „Ich konnte ihm meine Ansichten zum Leben der Kirche, insbesondere der Kirche in China und in Hongkong, mitteilen. Dies verhalf ihm zu einem vollständigeren Bild und einem besseren Verständnis des gegenwärtigen Stands der sino-vatikanischen Beziehungen“, berichtete Kardinal Chow. Der Kardinal habe beobachtet, wie Papst Leo stets eine Offenheit gezeigt habe, mehr über die Situation der Kirche in China zu erfahren, und empfänglich für unterschiedliche Ansichten sei. „Ich war dankbar“, so Kardinal Chow, „ihm Informationen aus verschiedenen Quellen zu vermitteln und so sein Verständnis von China zu bereichern. Der Heilige Vater ist allerdings nicht völlig uninformiert über die Kirche in China, da er bereits Erkenntnisse aus verschiedenen Quellen und durch das sino-vatikanische Abkommen gesammelt hat. Er hat auch schon selbst Erfahrungen in diesem Land gemacht, da er während seiner Zeit als Generaloberer des Augustinerordens einmal das Festland besucht hat.“ Der Kardinal sagte weiter: „Der Heilige Vater schätzte die Gelegenheit sehr, sich zu treffen und über diese Themen zu sprechen.“ Er fügte hinzu, dass der Papst beabsichtige, die von Papst Franziskus eingeschlagene Richtung im Umgang mit China fortzusetzen. „Er erkennt die Bedeutung des Dialogs zwischen der Kirche und den Behörden des Festlandes an und betrachtet eine respektvolle Kommunikation als Priorität bei der Bewältigung der Herausforderungen in den sino-vatikanischen Beziehungen“ (Sunday Examiner 03.09.; www.facebook.com/photo?fbid=1162382455919790&set=a.456593983165311). kf
8. September 2025:
Hongkong: Steyler Missionare feiern 150-jähriges Ordensjubiläum
Wie in vielen anderen Ländern feierten auch die Patres in Hongkong des von Arnold Janssen am 8. September 1875 in Steyl in den Niederlanden gegründeten internationalen Missionsordens (Societas Verbi Divini SVD) ihren 150. Gründungstag. Der Hongkong-Macau-Distrikt der China-Provinz der SVD versammelte sich am 7. September zu einer feierlichen Messe und einem anschließenden Fest in der Christ the King Chapel in Causeway Bay. Der Messe stand Kardinal Stephen Chow SJ, Bischof von Hongkong, vor. Mitzelebranten waren die Kardinäle John Tong und Joseph Zen; der Steyler Pater Johnson Dhos, Regionalsuperior von Hongkong und Macau; Msgr. José Luis Díaz-Mariblanca Sánchez, Leiter der Holy See Study Mission in Hongkong; Generalvikar Rev. Peter Choy Wai-man; und Rev. Joseph Yim Tak-lung, Geschäftsführer von Caritas Hongkong. An der Feier nahmen viele Steyler Patres und Diözesanpriester, Schwestern aus unterschiedlichen Kongregationen und zahlreiche Gläubige teil, so der Sunday Examiner. Kardinal Chow wiederholte die Worte von Papst Franziskus an das Generalkapitel der Steyler Missionare, wonach die Steyler Missionare „Experten der Inkulturation“ seien, eine Gabe, die es ihnen ermögliche, das Evangelium in verschiedenen Kulturen zu verkörpern. Die Steyler Missionare begannen Anfang der 1960er Jahre formell ihre Arbeit in Hongkong. 1970 wurde die katholische, überwiegend englischsprachige Sing Yin Secondary School gegründet, die bis heute von den Steyler Missionaren geleitet wird. Die Steyler arbeiten auch in verschiedenen Hongkonger Pfarreien und betreuen Gemeinschaften aus den Philippinen, Vietnam und Indonesien und sind in der Seelsorge für Seeleute tätig. „Unsere Geschichte in Hongkong ist eine Geschichte der Zusammenarbeit, Seite an Seite mit der lokalen Kirche“, so Rev. Dhos am Ende der Messe in seiner Dankesrede. Aus der Diözese Hongkong stammt ein Steyler Missionar, P. Robert Wong, der an der katholischen Fu-Jen-Universität in Taiwan arbeitet (Sunday Examiner 12.09.). kf
30. Juli 2025:
Erste Verhaftung unter Macaus nationalem Sicherheitsgesetz
Die Behörden der ehemaligen portugiesischen Kolonie haben am 30. Juli den 68-jährigen Au Kam San wegen angeblich geheimer Absprachen mit ausländischen Stellen gemäß § 13 des nationalen Sicherheitsgesetzes von Macau festgenommen. Nach Angaben der Polizei hat der ehemalige pro-demokratische Abgeordnete und Grundschullehrer seit 2022 einer anti-chinesischen Gruppe „eine große Menge falscher und aufrührerischer Informationen“ für öffentliche Ausstellungen im Internet und im Ausland zur Verfügung gestellt und „Hass“ gegen die Regierungen von Macau und Beijing geschürt. „Die Festnahme erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Repressionen in dem Gebiet“, so AsiaNews. Im Mai 2023 wurde das 2009 eingeführte lokale Sicherheitsgesetz ausgeweitet. Au Kam San wird auch vorgeworfen, Desinformationen an verschiedene Gruppen verbreitet zu haben, was nach Ansicht der Polizei die Wahlen 2024 beeinflusst und einige ausländische Staaten zu feindseligen Maßnahmen gegen Macau veranlasst habe. Die Polizei nannte die beteiligten Gruppen nicht namentlich. Wie AsiaNews berichtet, war Au Kam San einer der Gründer der New Macau Association, einer Organisation, „die jahrelang eine der wenigen pro-demokratischen Stimmen in der Stadt vertrat. Als eine Säule des kleinen Oppositionslagers widmete er sich in seiner politischen Karriere jahrelang Themen wie Sozialfürsorge, Korruption und Wahlreform, bevor er sich entschloss, 2021 nicht mehr zu kandidieren.“ Im Gegensatz zu Hongkong gab es in Macau, das seit 1999 unter chinesischer Herrschaft steht, bisher nur wenige Proteste. 2014 gingen 20.000 Menschen auf die Straße – mitorganisiert von Au Kam San –, um gegen Privilegien für pensionierte Regierungsbeamte zu protestieren. Zwölf Kandidaten für die Parlamentswahlen im September d.J. wurden wegen des Vorwurfs der Nichtunterstützung der Verfassung Macaus oder wegen Nichtablegung des Treueeids gegenüber der Stadt disqualifiziert. Am 2. August verurteilte die EU in einem Statement „die Festnahme des EU-Bürgers und ehemaligen Abgeordneten von Macau, Au Kam San“. Diese Entwicklung verstärke die bestehenden Bedenken angesichts der anhaltenden Aushöhlung des politischen Pluralismus und der Meinungsfreiheit in der Sonderverwaltungsregion Macau (AFP 01.08.; AsiaNews 01.08.; UCAN 01.08.; www.eeas.europa.eu/eeas/macao-statement-spokesperson-arrest-au-kam-san_en). kf
6. Juli 2025:
Papst Leo unterstützt Taifunopfer in Taiwan
Bei einem schweren Taifun am 6. Juli kamen in Taiwan zwei Menschen ums Leben, hunderte Personen wurden verletzt. Rund 3.500 Menschen mussten aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, insbesondere aus Bergregionen in der Nähe der Hafenstadt Kaohsiung in Südtaiwan. Es kam zu großen Schäden in den zentralen und südlichen Regionen der Insel. Wie Vatikansprecher Matteo Bruni vor Journalisten sagte, habe Papst Leo XIV. für die betroffenen Menschen gebetet und den Caritasdienst des Heiligen Stuhls angewiesen, der Bevölkerung konkrete Hilfe zu leisten (Deutsche Welle 07.07.; Vatican News chin. 16.07.). kf
18. September 2025:
Ausstellung eines katholischen taiwanischen Künstlers in Rom
Am 18. September wurde in der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom die Ausstellung „Gloria: Religiöse Werke der Hoffnung“ mit 30 Originalwerken von Hsieh Sheng-Min eröffnet. Die Kunstausstellung wurde von der Botschaft der Republik China (Taiwan) beim Heiligen Stuhl veranstaltet und wird nach der Eröffnung auch dort zu sehen sein. Sie steht im Zusammenhang mit dem „Europäischen Taiwan-Kulturjahr 2025“. Mit seinen farbenfrohen Bildern vereint der Künstler chinesische Kulturmotive mit biblischen Szenen. „Die Schönheit und die Kunst offenbaren die Seele eines Volkes“, sagte Kardinal Silvano Maria Tomasi, Päpstlicher Gesandter für den Malteserorden, bei der Ausstellungseröffnung. Der taiwanische Botschafter Anthony C.Y. Ho sprach von der Rolle der Kultur als verbindendem Element. „Als Katholik studiere ich die Bibel. Wenn ich auf Passagen in der Bibel stoße, die mich bewegen, versuche ich, davon inspirierte Kunstwerke zu schaffen“, sagte Hsieh in einem Interview mit CNA bei der Eröffnung. Der Professor für digitales Mediendesign an der Asia University in Taichung sagte weiter, seine Kunst stütze sich auf das, was er als „taiwanische biblische Ikonographie” bezeichne, ein Genre, das seiner Meinung nach veranschaulicht, wie das Christentum in verschiedenen kulturellen Traditionen Wurzeln schlagen kann. „Hsiehs Arbeit ist von der traditionellen Holzschnittkunst inspiriert“, so CNA. „Er beginnt mit Pinselkonturen, trägt die Farben nacheinander auf und setzt die Bilder dann digital zusammen und vergrößert sie.“ Er hoffe, dass die Betrachter in seiner Kunst den „Segen sehen, der von der Gnade Gottes kommt“ (Catholic News Agency CNA 23.09.; www.youtube.com/watch?v=pDQVqVUFlzg; https://taiwanheute.tw 23.06.). kf
20. August 2025:
Singapur: Religiöser Glaube gewinnt an Bedeutung
Eine am 20. August vom Institute of Policy Studies (IPS) veröffentliche Studie kam zu dem Ergebnis, dass Religion in Singapur für die persönliche Identität zunehmend von Bedeutung ist. Das 1988 gegründete IPS ist ein Think-Tank innerhalb der Lee Kuan Yew School of Public Policy an der National University of Singapore und möchte ein stärkeres Bewusstsein für politische Themen und gute Regierungsführung fördern. Zwischen April und August 2024 wurden von 4.000 Bürgern und Personen mit ständigem Wohnsitz über 18 Jahren in Singapur Daten erhoben. Die Befragten beantworteten ca. 350 Fragen zu Themen wie Ethnie, Religion und Sprache. Die Autoren der Studie verglichen die Ergebnisse mit früheren Umfragen aus den Jahren 2013 und 2018, um zu zeigen, wie sich die Einwohner Singapurs mit ihrer Religion identifizieren und diese ausüben. In der Zusammenfassung von Vatican News wird betont, dass mehr als drei Viertel der Befragten spirituelle Ideen als „einen der wichtigsten Aspekte ihres Lebens“ ansähen, dies sei nach Aussagen der Autoren der Studie ein „signifikanter Anstieg“ im Vergleich zu den beiden früheren Umfragen. Wichtigster Bestandteil der Identität der Bewohner von Singapur sei weiterhin ihre Nationalität, allerdings habe die Religion für die 80 Prozent der Bevölkerung, die sich einer Religion zuordnen, als Bestandteil ihrer Gesamtidentität an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig verlagere sich die Glaubensausübung zunehmend hin zu individuellen und digitalen Ausdrucksformen.
Weniger Menschen beteten täglich oder nahmen an religiösen Versammlungen teil, so der Bericht in seiner Abschlussanalyse, doch hätten die religiösen Praktiken nicht nachgelassen, sondern vielmehr andere Formen angenommen. Immer mehr Menschen greifen über die Medien auf Religion zu oder nutzen persönliche Praktiken wie Meditation oder die Lektüre spiritueller Texte. Dieser Trend wurde durch digitale Plattformen während der COVID-19-Pandemie noch beschleunigt. Angesichts der Vielfalt der religiösen Landschaft Singapurs sei es nicht überraschend, dass die Religiosität und die religiöse Praxis unterschiedlich ausgeprägt seien. Während Christen und Muslime seit jeher ein hohes Maß an religiöser Orientierung und Praxis zeigten, stellen die Experten auch bedeutende Veränderungen bei Buddhisten und Hindus fest, die zunehmend angegeben hätten, dass sie sich stärker mit ihrer Religion verbunden fühlten.
Singapur habe es geschafft, schreibt der Bericht, ein Gleichgewicht zwischen der Zulassung religiöser Praktiken im öffentlichen Raum und dem Säkularismus zu finden. Das stärkere Identitäts- und Gemeinschaftsgefühl unter den Angehörigen einer Religion könne vor allem in schwierigen Zeiten Trost und Unterstützung bieten, aber „es kann auch Auswirkungen auf die religiöse Harmonie haben, wenn diese wachsenden Bindungen auch zu mehr Rivalitäten um Raum und Einfluss zwischen den verschiedenen Religionsgruppen führen“. Es würden immer wieder Anpassungen erforderlich sein, um das empfindliche Gleichgewicht des sozialen Gefüges im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung zu bewahren. Online-Inhalte sollten „sorgfältig geprüft werden, insbesondere wenn der Großteil der Urheber solcher Inhalte im Ausland lebt und unterschiedliche Kontexte hat“. Im Extremfall könnte dies zu einer religiösen Radikalisierung führen (AsiaNews 27.08.; Vatican News 08.08.; die Studie ist abrufbar unter https://lkyspp.nus.edu.sg/docs/default-source/ips/ips-working-papers-65_religious-identity-and-practice-among-singaporeans.pdf). kf
8. September 2025:
Pastoralplan warnt vor Rückgang katholischer Glaubenspraxis sowie höherer Scheidungsrate in Singapur
Die Erzdiözese Singapur hat am 8. September, dem Fest Maria Geburt, einen 10-Jahres Pastoralplan für die Jahre 2025–2035 vorgestellt, der vor sinkenden Messbesucherzahlen und einer im Vergleich zu anderen Religionen höheren Scheidungsrate unter Katholiken warnt. Der Plan mit dem Titel „Communion in Mission“ legt die Prioritäten der katholischen Kirche für das nächste Jahrzehnt fest, nachdem mehr als 1.000 Geistliche, Ordensleute, Laien, Schulen und Pfarreien konsultiert worden waren. Wie Licas berichtet, belief sich die katholische Bevölkerung im Jahr 2020 auf ca. 395.000 Personen, sprich 6 Prozent der Einwohner Singapurs. Eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2016 ergab, dass 64,2 Prozent der Katholiken in Singapur weder in Umfragen noch im Gemeindeleben auftauchten. In einem Bericht aus dem Jahr 2023 wurde festgestellt, dass 41 Prozent der nicht praktizierenden Katholiken seit mehr als einem Jahrzehnt keine Messe mehr besucht hatten. Der Pastoralplan stellt einen starken Anstieg der Einwohner Singapurs im Alter von 15 bis 29 Jahren fest, die 2020 angaben, keiner Religion anzugehören. Beobachtungen in verschiedenen Pfarreien ergaben, dass bis zur Hälfte der jungen Katholiken nach ihrer Firmung nicht mehr zur Messe gehen. Ausländische Katholiken sorgen allerdings für einen Anstieg der Zahlen. Von 2021 bis 2023 wuchs der Anteil der Ausländer (non-residents) auf etwa 30 bis 36 Prozent der gesamten katholischen Bevölkerung. Der Plan weist Scheidung als weiteres Problem aus. Im Jahr 2020 waren 4,69 Prozent der Katholiken geschieden oder lebten getrennt – eine Quote, die höher als bei den meisten anderen Religionen in Singapur sei. Der Plan umfasst fünf Prioritäten: lebenslange Weiterbildung von Klerus und Laien für Evangelisierung und Mission; Aufbau von Glaubensgemeinschaften auf Pfarreiebene und darüber; Stärkung der Mitverantwortung von Klerus und Laien; Stärkung der Einheit in der Vielfalt auf allen Ebenen; Förderung der Synodalität als Weg der Kirche (Licas 12.09.; der gesamte Text des Pastoralplans sowie eine Zusammenfassung sind abrufbar unter www.catholic.sg/pastoralplan2025/). kf
Katharina Feith (kf)
Isabel Friemann, China InfoStelle
Katharina Wenzel-Teuber (kwt)
Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2025.
