China heute 228 Chronik zu Religion und Kirche in China 12. September bis 29. November 2025

Die „Chronik zu Religion und Kirche in China“ erscheint seit Anfang 2010 regelmäßig in den Informationen von China heute. Da manche Nachrichten (der Redaktion) erst später bekannt werden, kann es zu Überschneidungen zwischen den Chroniken kommen, wobei jeweils in der vorangegangenen Nummer bereits erwähnte Ereignisse nicht noch einmal aufgeführt werden. Alle Chroniken finden sich auch online auf der Website des China-Zentrums (www.china-zentrum.de).
Der Berichtszeitraum der letzten Chronik (2025, Nr. 3, S. 145-154) reichte bis einschließlich 29. September 2025.

Religionspolitik

29. September 2025:
Konferenz „Die konfuzianische Kultur und die Sinisierung der Religionen“ tagt in Tai’an, Provinz Shandong
Der Bericht in den staatlichen Medien erwähnt nicht, wer der Veranstalter der Konferenz war, führt aber zahlreiche hochrangige Parteivertreter aus Shandong namentlich als Teilnehmer auf. Insgesamt nahmen rund 180 Experten, Forscher und Religionsvertreter an dem Treffen teil. Der Konfuzianismus habe über mehr als zwei Jahrtausende hinweg seine Position als Hauptströmung der traditionellen chinesischen Kultur behauptet, hieß es in dem Bericht. Aus dem Ausland stammende Religionen wie Buddhismus und Islam hätten sich im Laufe ihrer Lokalisierung kontinuierlich mit dem Denken, der Ethik und den rituellen Normen des Konfuzianismus verflochten. Aus praktischer Logik erfordere die Durchdringung der Religionen Chinas mit dem Wesen der chinesischen Kultur, die Stärken der konfuzianischen Kultur umfassend zu nutzen. Die konfuzianische Lehre von der „Harmonisierung aller Nationen“ und der „Wertschätzung der Harmonie“ biete der heutigen Welt chinesische Weisheit für das harmonische Zusammenleben der Religionen und Zivilisationen. In Expertenrunden wurden beispielhafte Erfahrungen von Lokalisierung analysiert und drängende Fragen in der aktuellen Sinisierung der Religionen diskutiert, wobei „in Bereichen wie der Auslegung der Lehren nach innovativen Ansätzen gesucht“ wurde.
Ein dem Bericht beigefügtes Foto zeigt eine „hochrangige Dialogrunde“, an der als Vertreter der Wissenschaft Zhang Zhigang (Shandong University) und Zhuo Xinping (Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften) – beide „Väter“ der Sinisierung des Christentums – sowie Hong Xiuping (Nanjing University), Sun Yiping (Nanjing University) und Yang Chaoming (Shandong University), und als Religionsvertreter Ma Zhongping (Generalsekretär der Chinesischen islamischen Vereinigung) und Tan Lizhu (Generalsekretär der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung) teilnahmen (Zhongxinwang 28.09., hier nach www.chinaislam.net.cn/web/news/b/content_5936.shtml). kwt

18. Oktober 2025:
Start der neuen Religionserziehungskampagne „Die Rechtsnormen studieren, die religiöse Disziplin wahren, Selbstkultivierung betonen, ein gutes Image aufbauen“ (学法规、守戒律、重修为、树形象)
Wie das Nationale Büro für religiöse Angelegenheiten (NBRA) berichtete, hielten „die religiösen Kreise“ in Beijing eine Auftaktveranstaltung zu der Erziehungskampagne mit dem genannten Motto. Noch-NBRA-Chef Chen Ruifeng hielt eine Rede, weitere Teilnehmende werden in dem Bericht nicht genannt. Auf der Sitzung sei man der Meinung gewesen, dass die Erziehungsaktivitäten wichtig seien für die Umsetzung der Religionspolitik der Partei und die umfassende und strikte Lenkung der Religionen. Man müsse hervorstechende Probleme im Zusammenhang mit religiösem Stil und der Moral innerhalb der religiösen Kreise lösen, unzulässige Praktiken korrigieren und ungeordnete Erscheinungen beseitigen, um ein gutes Image der Religionen Chinas aufzubauen, das durch Sparsamkeit, Vermeidung von Verschwendung und Einhaltung orthodoxer Überzeugungen und Praktiken gekennzeichnet ist, so der Bericht. Er enthält auch ein von allen nationalen Organisationen der 5 Religionen unterzeichneten „Aufruf zu Sparsamkeit und Vermeidung von Verschwendung, zu orthodoxem Glauben und Handeln“ (关于崇俭戒奢、正信正行的倡议). Er ist auf den 18. Oktober datiert und enthält 7 Gebote, darunter Verzicht auf Luxuskleidung und Luxusgüter, Teilnahme an Banketten, Konsum von teuren Speisen und hochwertigem Alkohol, aufwendige Wohnungen, Luxusautos, regelwidrige First- und Business-Class-Flüge und Luxushotels, sinnliche Vergnügungen mit Frauen und Streben nach unrechtmäßigem Gewinn. Der letzte Punkt lautet „Vermeide es, mit Geschäftsleuten Gefälligkeiten auszutauschen, dich mit Beamten zu verbünden oder mit zwielichtigen Elementen der Gesellschaft zu verkehren“ (NBRA nach www.taoist.org.cn/showInfoContent.do?id=10728&p=‘p‘).
Seither müssen Organe und Einrichtungen aller fünf Religionen auf allen Ebenen im ganzen Land unter dem Motto „Die Rechtsnormen studieren, die religiöse Disziplin wahren, Selbstkultivierung betonen, ein gutes Image aufbauen“ Erziehungsaktivitäten durchführen – zuletzt am 2. Dezember sogar die Josefsschwestern der Diözese Beijing (www.chinacatholic.cn 04.12.). kwt

23. Oktober, 26. November 2025 – 28. September 2025:
Wechsel in der Leitung des Nationalen Büros für religiöse Angelegenheiten (NBRA) – früherer NBRA-Direktor Ren Wuzhi stirbt mit 96 Jahren
Der Staatsrat ernannte am 23. Oktober Duan Yijun 段毅君 zum neuen Direktor des NBRA. Ende Oktober wird er in offiziellen Meldungen zusätzlich als ein stellvertretender Leiter (Vizeminister) der Einheitsfrontabteilung des Zentralkomitees der KP Chinas bezeichnet – seit 2018 ist das NBRA in die Einheitsfrontabteilung eingegliedert. Duan wurde 1967 geboren, er ist Han-Chinese. Zwischen den frühen 1990er Jahren und 2014 hatte er verschiedene Funktionen in Parteistrukturen des Autonomen Bezirks Kardze (Ganzi) der Tibeter in Sichuan inne, danach Ämter auf Provinzebene in Sichuan. 2021 wurde er in Sichuan Parteisekretär des Autonomen Bezirks Liangshan der Yi-Nationalität und 2023 Vizegouverneur der Provinz. Von Juli 2023 bis zu seiner Ernennung zum NBRA-Chef im Oktober 2025 war er einer der stellvertretenden Leiter der Nationalen Kommission für ethnische Angelegenheiten. Sein Vorgänger Chen Ruifeng 陈瑞峰, Leiter des NBRA von 2023 bis 2025, wurde Direktor der Nationalen Kommission für ethnische Angelegenheiten, er ist weiterhin ein Vizeleiter der Einheitsfrontabteilung.
Am 26. November wurde Qin He 秦禾 (geb. 1969) zu einem der stellvertretenden Leiter des NBRA ernannt. Qin war jahrzehntelang in der Provinz Gansu tätig, wo er Posten in der Einheitsfrontabteilung der Provinz und der Stadt Zhangye innehatte. Bereits am 11. September wurde Wang Zhigang 王志刚 zu einem der stellvertretenden Leiter des NBRA ernannt.
Am 28. September starb Ren Wuzhi 任务之 im Alter von 96 Jahren. Er leitete das NBRA von 1983 bis 1992 (Pengpai xinwen 23.10. [nach www.china.com.cn]; 26.11. [nach https://news.ifeng.com]; Renmin ribao 04.11.; Xinhua 23.10.; https://baike.baidu.com/item/段毅君/1744905). Zu Ren Wuzhi siehe auch China heute 1992, Nr. 6, S. 156. kwt

Daoismus

25. November 2025:
Vorstand der Weltföderation des Daoismus tagt am Wudangshan in Hubei
Zur zweiten Sitzung des ersten Vorstands der 2023 gegründeten Weltföderation des Daoismus (世界道教联合会) kamen daoistische Persönlichkeiten aus zwanzig Ländern und Gebieten. Li Guangfu 李光富, Vorstandsvorsitzender der Weltföderation und Präsident der Chinesischen daoistischen Vereinigung in Personalunion, hielt eine Ansprache. Die Sitzung war verbunden mit einer „International Exchange Series on Wudang Tai Chi Culture“. In einer Buchpräsentation wurde eine neue zweisprachige, englisch-chinesische Ausgabe des Daodejing vorgestellt (www.taoist.org.cn 25.11.). Zur Gründung der Weltföderation des Daoismus auf dem 5. internationalen Daoismus-Forum siehe China heute 2023, Nr. 3, Informationen. kwt

Buddhismus

25.–28. September 2025:
Chinesische buddhistische Delegation beim Dritten Internationalen Buddhistischen Forum in Kalmückien, Russland
Das Forum mit dem Titel „Die buddhistische Welt im neuen Millennium“ fand in Elista, der Hauptstadt der russischen Republik Kalmückien, statt. 400 Delegierte kamen aus 35 Ländern (die indische Nachrichtenagentur ANI sprach von 2.000 Teilnehmern). Bei der Eröffnung hielt unter anderem der oberste Lama der Kalmücken, Shajin Lama Tenzin Choydak, eine Rede. Ein Grußwort von Präsident Putin wurde verlesen. Die 6-köpfige Delegation der Chinesischen buddhistischen Vereinigung (CBV) wurde angeführt von Baliji 巴力吉, einem Vizepräsidenten der Buddhistischen Vereinigung der Inneren Mongolei. Baliji sprach laut Bericht auf der CBV-Website bei der Eröffnung, wobei er Chinas Politik der Freiheit des religiösen Glaubens und Errungenschaften des chinesischen Buddhismus erläuterte. Auf der ersten Plenarsitzung wurde laut ANI die Rolle des Buddhismus in der russischen Gesellschaft behandelt, wo er zur Bewahrung traditioneller, spiritueller und moralischer Werte beitrage; auch seien Möglichkeiten diskutiert worden, „die Beiträge buddhistischer Gemeinschaften zur Landesverteidigung während historischer und jüngerer Konflikte zu würdigen“.
Rund 53% der Bevölkerung Kalmückiens bezeichnen sich als Buddhisten. Es ist damit die einzige mehrheitlich buddhistische Region Europas, traditionell geprägt durch die Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Telo-Tulku Rinpoche, Shajin Lama ab 1992, spielte eine wichtige Rolle für den Wiederaufbau des Buddhismus in Kalmückien und Russland nach der sowjetischen Zeit; 2023 trat er von dem Amt zurück, nachdem er sich gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgesprochen hatte und deshalb zum feindlichen Agenten erklärt worden war. Tenzin Choydak ist sein Nachfolger.
Das Erste Internationale Buddhistische Forum fand im August 2023 in Ulan Ude in Burjatien statt, ebenfalls unter Beteiligung einer Delegation aus China (siehe China heute 2023, Nr. 3, Chronik, Buddhismus, 11./12. Juli 2023) (ANI 27.09.; AsiaNews 29.09.; Buddhistdoor Global 02.10.; https://chinabuddhism.com.cn 15.10.; https://nomadit.co.uk/conference/cess2023/paper/74213). kwt

9.–12. Oktober 2025:
Offizieller Panchen-Lama hält seine zweite Kalachakra-Initiation
Der von der chinesischen Regierung eingesetzte Panchen Lama Gyaltsen Norbu hielt dieses wichtige Ritual des tibetischen Buddhismus in seinem Stammkloster Tashi Lhunpo. Der Parteizeitung Xizang ribao zufolge verband der Panchen Lama dabei die Auslegung der Sutren mit eingehenden Erläuterungen zur Sinisierung des tibetischen Buddhismus und zur Anpassung der Religionen an die sozialistische Gesellschaft. Er habe eine „würdevolle Erscheinung“, großes buddhistisches Wissen und tiefe Gelehrsamkeit gezeigt, gepaart mit Patriotismus; dies habe bei den am Ritual beteiligten hohen Lamas und Lebenden Buddhas wie auch den einfachen Mönchen und Gläubigen frommen Glauben, Anerkennung und Lob ausgelöst, so die Zeitung.
Das exiltibetische Portal Phayul schrieb, dass Tausende von Tibetern, darunter hohe Lamas wie der 7. Gungthang Rinpoche und die Äbte der Klöster Sakya und Sera, zur Teilnahme an dem Ritual gezwungen worden seien. Chinesische Staatsmedien hätten berichtet, dass über 100 hohe Lamas und 5.000 Mönche aus wichtigen tibetischen Klöstern im Autonomen Gebiet Tibet, in Sichuan, Gansu, Qinghai und Yunnan an der Zeremonie teilgenommen hätten, schrieb Tibet Watch in einer Analyse. Damit wolle China dem staatlich eingesetzten Panchen Glaubwürdigkeit verleihen und „Lehrer-Schüler-Bindungen schmieden, die sich in Zukunft als nützlich erweisen könnten“, wenn China versuche, seinen eigenen 15. Dalai Lama einzusetzen. Tibet Watch zitiert eine tibetische monastische Quelle mit den Worten: „China stellt eine religiöse Falle. [...] Diese heiligen Unterweisungen schaffen im tibetischen Buddhismus unzerbrechliche Bindungen zwischen Meister und Schüler. Beijing erzwingt diese Zeremonie jetzt, damit die religiösen Führer Tibets, wenn [die chinesischen Behörden] den von ihnen ausgewählten Dalai Lama einsetzen, durch ihre eigenen spirituellen Verpflichtungen zum Schweigen verpflichtet sind.“
Die erste Kalachakra-Unterweisung des offiziellen Panchen fand im Juli 2016 statt, laut Xinhua nahmen täglich über 100.000 Gläubige daran teil. Im Januar 2017 verhängte die chinesische Regierung strenge Reisebeschränkungen, um Tibeter aus der VR China daran zu hindern, an der Kalachakra-Initiation des Dalai Lama teilzunehmen. Im September 2023 versuchten die Behörden, den riesigen Zustrom zur genehmigten Kalachakra-Unterweisung des 7. Gungthang Rinpoche im Autonomen Bezirk Gannan der Tibeter in der Provinz Gansu zu beschränken (siehe China heute 2016, Nr. 3, Chronik, 21.-24. Juli 2016; 2017, Nr. 1, Chronik, Buddhismus, Chronik, 3.-14. Januar 2017; 2023, Nr. 3, Chronik, Buddhismus, 10. September 2023) (Xizang ribao nach https://mw.xizang.gov.cn 14.10.; Phayul 14.10.; Tibet Watch 05.11.). kwt

1. November 2025:
Buddhistische „Freilassung“ Hunderter Katzen an Trinkwasserreservoir in Guangdong
Wie die Hongkonger Zeitung South China Morning Post (SCMP) berichtete (hier nach Buddhistdoor Global), ereignete sich der Vorfall am Yingzui-Reservoir in der Stadt Qingyuan in der südchinesischen Provinz Guangdong. Dem Bericht zufolge wurden 1.120 Katzen aus Käfigen freigelassen. Augenzeugen berichteten, sie seien verängstigt in alle Richtungen gesprungen, viele von ihnen direkt ins Wasser. Als Tierschützer am nächsten Tag kamen, um die Katzen zu retten, hätten sie viele Tiere zitternd, offensichtlich krank oder verwirrt vorgefunden, einige waren bereits aus Erschöpfung gestorben oder ertrunken. Beamte des lokalen Büros für öffentliche Sicherheit gaben der SCMP zufolge an, dass 10 Personen an der Freilassung beteiligt gewesen seien. Diese hätten in der Absicht, Segen zu bringen, 400 Katzen gekauft und zum Reservoir gebracht, sie hätten auch große Mengen von Katzenfutter dagelassen – so die Beamten laut SCMP. Der Vorfall löste viele kritische Reaktionen aus. „Das ist nicht Freilassung von Lebewesen. Das ist massenhafter Missbrauch von Tieren, der sich als Religion ausgibt“, zitiert die SCMP einen Kommentator.
Die ritualisierte Freilassung von Lebewesen basiert auf dem buddhistischen Konzept des Mitgefühls. Sie hat in China eine lange Tradition, es gibt aber auch Kritik wegen möglicher negativer Folgen für das Tierwohl und die Ökosysteme. Die Chinesische buddhistische Vereinigung verabschiedete am 30. Juni 2025 „Maßnahmen zur Normierung von Aktivitäten des Freilassens von Lebewesen“ (siehe deutsche Übersetzung mit Einleitung von Leo Maximilian Koenig in China heute 2025, Nr. 3, Dokumentation) (Buddhistdoor Global 28.11.; Dimsum Daily 03.11.). kwt

16. November 2025:
Volksstaatsanwaltschaft der Stadt Xinxiang (Henan) genehmigt Verhaftung des ehemaligen Abts Yongxin des Shaolin-Klosters
Chinesischen staatlichen Medien zufolge gab die Oberste Volksstaatsanwaltschaft dies am 16. November bekannt. Yongxin wird der „Veruntreuung, Unterschlagung von Geldern und Bestechung durch nichtstaatliche Funktionäre“ beschuldigt. Damit folgte auf die Einleitung einer Untersuchung gegen Yongxin durch mehrere Behörden, die das Shaolin-Kloster am 27. Juli 2025 bekanntgegeben hatte, nun auch die formelle Verhaftung des ehemaligen Abtes. Neben den genannten Straftaten werden ihm auch schwerwiegende Verstöße gegen die buddhistischen Ordensregeln vorgeworfen, konkret unzulässige Beziehungen zu Frauen. Die Chinesische buddhistische Vereinigung entzog ihm am 28. Juli seinen Mönchsstatus (China Daily 16.11.; Global Times 16.11.; vgl. China heute 2025, Nr. 3, S. Informationen, Chronik, Buddhismus, 27. / 28. Juli 2025).
Zu den Hintergründen siehe den Beitrag „Shaolin im diskursiven Wandel der Zeiten“ in den Themen dieser Nummer. kwt

Islam

7. November 2025:
Redaktionsversammlung mit Themenplanung bei der Verbandszeitschrift der Chinesischen islamischen Vereinigung (CIV)
Zhongguo musilin 中国穆斯林 ist das offizielle Organ der CIV. Die Redaktionsversammlung war hochrangig besetzt: Neben CIV-Präsident Yang Faming 杨发明, CIV-Generalsekretär Ma Zhongping 马中平 und dem Redaktionsteam nahmen Experten von der Peking University, der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, dem Zentralinstitut für Sozialismus, der Beijing Foreign Studies University, der Minzu University of China, des Beijing Institute of Technology, der Nanjing University of Science and Technology und des Chinesischen Koraninstituts daran teil. Anwesend waren außerdem leitende Redakteure der religionswissenschaftlichen Zeitschriften Shijie zongjiao yanjiu 世界宗教研究 und Shijie zongjiao wenhua 世界宗教文化 sowie der Zeitschrift des Nationalen Religionsbüros, Zhongguo zongjiao 中国宗教, ferner muslimische Persönlichkeiten aus Beijing. Yang Faming erläuterte in seiner Ansprache, Zhongguo musilin habe stets die ideologisch-politische Führung und Anleitung der islamischen Gemeinschaft zur Sinisierung und Anpassung des Islam an den Sozialismus gestärkt. Die Zeitschrift habe kontinuierlich eine Plattform für Koranstudien aufgebaut und die muslimischen Kreise zu rechtem Glauben und Handeln sowie zu Widerstand gegen Extremismus angeleitet. Sie habe die wissenschaftliche Forschung gefördert, insbesondere zur Sinisierung und zur Integration von Islam und Konfuzianismus. Sie habe sich zudem um den Aufbau eines modernen multidimensionalen Kommunikationssystems aus traditionellen und neuen Medien bemüht – so Yang Faming laut dem Bericht auf der Website der CIV. Die Teilnehmer machten wertvolle Vorschläge zur künftigen Gestaltung der Zeitschrift. Einhellig bestand die Meinung, dass sie weiter die Sinisierung des Islam fördern und positive Energie verbreiten solle (www.chinaislam.net.cn 07.11.). kwt

Protestantische Kirchen

9. bis 11. Oktober 2025:
Koordinierte Verhaftungen in den Zion-Hauskirchen
Zwischen dem 9. und 11. Oktober wurden knapp 30 leitende Personen des nicht registrierten Zion-Kirchennetzwerkes 锡安教会 in verschiedenen Provinzen festgenommen, darunter der Gründer Pastor Ezra Jin (Jin Mingri 金明日), Jahrgang 1966. Nachdem im Mai und Juni dieses Jahres bereits Razzien, Beschlagnahmungen und vorübergehende Sicherheitsverwahrungen gegen Zion-Kirchen parallel in unterschiedlichen Gegenden der Volksrepublik bekannt wurden (vgl. China heute 2025, Nr. 2, Chronik, Protestantische Kirchen, Mai / Juni 2025), handelt es sich bei der Verhaftungswelle im Oktober um die bisher größte bekanntgewordene Maßnahme gegen ein Hauskirchennetzwerk. Die Verhaftungen fanden an Flughäfen in Shanghai und Shenzhen statt sowie u.a. in Privatwohnungen in Beijing, Chengdu, Jiaxing (Zhejiang), Huangdao (Shandong) und Beihai (Guangxi). Anscheinend sind die Festgenommenen in zwei Gefängnisse der Stadt Beihai gebracht worden, wo am 30. Oktober noch 23 Personen in Haft saßen. Sie werden wegen „illegaler Nutzung von Informationsnetzwerken“ angeklagt.
Ezra Jin wurde als Angehöriger der koreanischen Minderheit in der Provinz Heilongjiang geboren. Wegen hervorragender Leistungen erhielt er einen Studienplatz im Fach Geophysik an der Peking University. Nach einem Erweckungserlebnis arbeitete er erst ehrenamtlich in den offiziellen Beijinger Kirchen Chongwenmen und Gangwashi, bevor er sich zu einem Theologiestudium am lokalen Yanjing-Seminar entschloss. 1999 erhielt Ezra Jin seine Ordination in der offiziellen Kirche. Pastor Jin vertiefte ab 2002 seine Studien am Fuller Seminary in den USA, kehrte 2007 als Doctor of Ministry mit Familie nach Beijing zurück und gründete dort die erste Zion-Kirche. Innerhalb von zehn Jahren entwickelte sie sich zu einer der größten und einflussreichsten nicht-registrierten Kirchen in China. Später wurde die Kirche gebannt (vgl. China heute 2018, Nr. 3, Chronik, Protestantismus, 9. September 2018). Ein Charakteristikum der Zion-Kirchen ist ihre Nutzung von hybriden Gottesdienstformen und der Ausstrahlung von Videos im Vorfeld aufgenommener Predigten, die zeitgleich an verschiedenen Orten zum Einsatz kommen. Als charismatischer Redner wurde Ezra Jin zu einem bekannten chinesischen Bildschirmprediger. Während der Corona-Pandemie strahlte die Zion-Kirche den ersten online-Gottesdienst aus. Die Teilnehmerschaft erreichte in der Hochphase angeblich bis zu 3.000 Personen.
Mitte September 2025 erließ das Nationale Büro für religöse Angelegenheiten neue „Verhaltensregeln für religiöse Amtsträger im Internet“ (deutsche Übersetzung in der Dokumentation), die das Durchführen von Gottesdiensten über soziale Medien und Internetplattformen verbieten und das Predigen nur über behördlich speziell lizensierte und überwachte Internet-Konten erlauben. Nach Definition der neuen Regeln ist die Arbeitsweise des Zion-Kirchennetzwerkes klar illegal. Es wird vermutet, dass das scharfe Vorgehen gegen Zion-Kirchen in diesem Zusammenhang interpretiert werden muss (AsiaNews 13.10.; Yaxue Cao, „A Home in God: The Story of Detained Pastor Jin Mingri and China’s City Churches“, https://chinachange.org 30.10. [Part One], 04.11. [Part Two]).
Isabel Friemann, China Infostelle

24.-28. Oktober 2025:
Sechste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung tagt in Ägypten
Vom 24.-28. Oktober trafen sich in Wadi El Natrun, Ägypten, 400 Teilnehmende zur Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), um 1.700 Jahre Konzil von Nicäa zu feiern und die Glaubensaussagen im Nizänischen Bekenntnis zu reflektieren und zu bestätigen. In einer Programmfolge mit Impulsreferaten, Workshops und Pilgerwanderung beschäftigten sich die Delegierten mit der Mission der dreieinigen Liebe Gottes und mit ihrer Implikation für das Zeugnis und den Dienst der Kirchen. Die chinesischen Kirchenverbände Chinesischer Christenrat und Patriotische Drei-Selbst-Bewegung wurden durch den akademischen Leiter des Nanjing Union Theological Seminary, Dr. Wen Ge, und die Dozentin für Systematische Theologie am Huadong Theological Seminary, Chen Qirui, vertreten (www.oikoumene.org/de/news 25.10.).
Isabel Friemann, China InfoStelle

19.–25. November 2025:
Exekutivausschuss des ÖRK tagt in Hangzhou
Vom 19.–25. November traf sich der 40-köpfige Exekutivausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in der Stadt Hangzhou. Es war das zweite Mal, dass sich das Gremium auf chinesischem Boden traf. Neben Arbeitsberichten und strategischen Überlegungen zum zukünftigen Umgang mit schrumpfenden Budgets stand u.a. das sogenannte Green Village Property Development Programme im Fokus der Gespräche. Auch das Anlegen einer digitalen Sammlung zu kirchlichem Leben und kirchlicher Arbeit als Internetarchiv beschäftigte die Teilnehmenden. Einen großen Anteil des Treffens nahmen Begegnungen mit chinesischen Gemeinden, theologischen Ausbildungsstätten wie dem Nanjing Union Theological Seminary und Eindrücke des Landes allgemein ein. Besonders beeindruckt hat den Ausschuss der Wandel hin zur Nutzung erneuerbarer Energien in der Volksrepublik. Für den Chinesischen Christenrat CCC und die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung TSPM sind Dr. Lin Manhong, Leiterin der Abteilung für Theologische Ausbildung, und Gu Jingqin, Leiterin der Abteilung für Überseekontakte, Mitglieder im Exekutivausschuss. Der Generalsekretär von TSPM, Pastor Xu Xiaohong, und der Präsident des CCC, Pastor Wu Wei, begrüßten die internationalen Gäste ebenso wie lokale politische und religionspolitische Führungspersönlichkeiten. Der Ausschuss verabschiedete die Botschaft einer Pilgerweg-Begegnung mit dem chinesischen Volk und den chinesischen Kirchen, geprägt von Christus, Kultur und Kontext (www.oikoumene.org/news 28.10.; www.oikoumene.org/resources/documents/pilgrimage-encounter-message-christ-culture-and-context-in-china).
Isabel Friemann, China InfoStelle

Katholische Kirche

14. Oktober 2025:
Buchvorstellung: Liu Zhiqing beendet 3. Projekt seiner Forschungsreihe zur Geschichte des Katholizismus in China
Prof. Liu Zhiqing (Anyang Normal University) erforscht seit Jahren akribisch die Geschichte der katholischen Kirche Chinas und hat bereits zwei umfangreiche Bücher zum Thema veröffentlicht, eines über die historische Entwicklung der Diözesen in China (中国天主教教区的历史沿革与现状研究, 2016), das andere über die Rolle der internationalen Missionsorden in diesem Prozess (天主教修会在华传教史研究, 2020). Im September 2025 erschienen die Ergebnisse seines 3. Projekts mit dem Titel „Eine Studie über den Zusammenhang zwischen der Verwaltung des chinesischen Katholizismus durch die Missionare der neueren Zeit [ab dem 19. Jh.] und der Sinisierung des Katholizismus“ (近代传教士对中国天主教的治理与天主教中国化关系研究). Alle drei Forschungsprojekte wurden vom Staatlichen Sozialwissenschaftsfonds gefördert. In einer von der katholischen Website Xinde am 14. Oktober übernommenen Meldung wird die neue Publikation vorgestellt. Dort heißt es u.a., das Projekt habe sich die dringende Aufgabe gestellt, das wenig bearbeitete Material über die chinesischen [d.h. einheimischen] Missionare zu sammeln und zu ordnen. Da die Zahl und geografische Verteilung der Beteiligten in dem langen Zeitraum sehr groß waren, habe man Datenbanken und Big-Data-Techniken eingesetzt. Über 10.000 chinesische und ausländische Missionare der neueren Zeit wurden mit den einzelnen Pfarreien und Diözesen verknüpft. Für diese aufwendige Arbeit sei eine eigene Datenbank entworfen worden, die allerdings nachgebessert werden müsse, weil Suchanfragen mit dem Stichwort „Pfarrei“ derzeit nicht möglich seien. Der Artikel wertete das Projekt nicht nur als wichtiges Referenzmaterial für die Wissenschaft, sondern es liefere auch „theoretische Grundlagen und historische Referenzen für Partei und Staat bei der Formulierung von Strategien zur Förderung der Sinisierung des Katholizismus“ (https://xinde.org/show/57369). kwt

15. Oktober 2025:
Wu Jianlin wird zum Weihbischof von Shanghai geweiht
Bischof Shen Bin 沈斌 von Shanghai weihte Priester Ignatius Wu Jianlin 吴建林 in der Kathedrale in Xujiahui zum Weihbischof. Mitkonsekratoren waren die Bischöfe Yang Yongqiang von Hangzhou, Li Suguang von Jiangxi und Xu Honggen von Suzhou. Priester Yang Yu, der Generalsekretär der Chinesischen Bischofskonferenz, verlas das Approbationsschreiben der Bischofskonferenz. Die Weihe fand unter strengen Sicherheitskontrollen statt, Mobiltelefone mussten abgegeben werden, wie AsiaNews berichtete.
Wu Jianlin wurde am 28. April 2025, in der Sedisvakanz nach dem Tod von Papst Franziskus, zum Weihbischof gewählt. Am Tag der Weihe gab das vatikanische Presseamt bekannt, dass Papst Leo XIV. ihn am 11. August 2025 zum Weihbischof von Shanghai ernannt hat. Wu Jianlin wurde am 27. Januar 1970 in Shanghai geboren, er studierte Theologie im Sheshan-Priesterseminar von Shanghai und wurde 1997 zum Priester geweiht. Der vatikanischen Meldung zufolge „trug er von 2013 bis 2023 in der Zeit der Sedisvakanz zur Verwaltung der Diözese bei“; anschließend „bekleidete er das Amt des Generalvikars“.
Ende Januar 2013 hatte Bischof Jin Luxian 金鲁贤 (1916–2013), wenige Monate vor seinem Tod, Wu Jianlin zum Vorsitzenden des neu gegründeten Diözesankoordinierungsausschusses ernannt. Wu spielte also bis zur (erst nachträglich vom Papst autorisierten) Versetzung von Bischof Shen bin nach Shanghai im Juli 2023 eine Führungsrolle in der Diözese, er gilt als regierungsnah.
Die Situation in Shanghai ist komplex. Bischof Jin Luxian hatte nacheinander bereits zwei Weihbischöfe für die Diözese Shanghai geweiht und als seine Nachfolger vorgesehen. Weihbischof Joseph Xing Wenzhi 邢文之, geweiht 2005, verschwand 2011 aus der Öffentlichkeit und „hat noch immer keine Gelegenheit gehabt, seine Version der Ereignisse zu schildern, die zu seiner moralischen, kirchlichen und politischen Diskreditierung geführt haben“ (G. Criveller). Thaddäus Ma Daqin 马达钦 erklärte bei seiner Bischofsweihe am 7. Juli 2012 seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung, steht seitdem unter einer Art Hausarrest im Sheshan-Seminar und darf sein Amt nicht ausüben (siehe folgenden Eintrag) (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2510/0080-1.htm; https://press.vatican.va/content/salastampa/en/bollettino/pubblico/2025/10/15/251015c.html; AsiaNews 31.07. [G. Criveller]; 10.,15.10.; UCAN 29.04.2013). kwt

15. Oktober 2025:
Ma Daqin laut Fides weiterhin von Rom als Weihbischof von Shanghai anerkannt – er gratuliert Weihbischof Wu
Die vatikanische Nachrichtenagentur Fides berichtete am 15. Oktober über die Weihe von Weihbischof Wu Jianlin (siehe oben) und fügte folgende Erklärung an: „Thaddäus Ma Daqin, der im Juni (sic) 2012 zum Weihbischof ordiniert wurde, als die Diözese noch von dem Jesuitenbischof Aloysius Jin Luxian geleitet wurde, lebt ebenfalls in Shanghai. Ma Daqin wurde mit der Zustimmung sowohl des Heiligen Stuhls als auch der Beijinger Regierung zum Bischof gewählt. Er wird jedoch seit dem Tag seiner Bischofsweihe gezwungen, im Shanghaier Seminar zu bleiben, nachdem er am Ende der Weihezeremonie die Absicht angekündigt hatte, von seinen bisherigen Positionen in der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung zurückzutreten. In der Folge entzog ihm das Leitungsgremium der chinesischen katholischen Bischöfe die Approbation zur Ausübung seines Bischofsamts und suspendierte ihn für zwei Jahre von der öffentlichen Ausübung seines Priesteramts. Während dieser gesamten Zeit hat der Heilige Stuhl Ma Daqin als Weihbischof von Shanghai anerkannt und tut dies auch weiterhin.“ [Anm.: Eine Diözese kann mehrere Weihbischöfe haben.]
Thaddäus Ma wiederum postete am 15. Oktober auf seinem WeChat-Profil gute Wünsche für Weihbischof Wu und schrieb: „Ich freue mich zu erfahren, dass Bischof Shen Bin heute Morgen Priester Wu Jianlin zum Weihbischof geweiht hat. [D.h. Ma war offensichtlich nicht bei der Weihe dabei.] Ich bin fest davon überzeugt, dass Bischof Shen mit dieser wertvollen Unterstützung die verschiedenen Werke der katholischen Kirche in Shanghai zu einer immer größeren Entwicklung führen kann, zur noch größeren Ehre des Herrn. Ich bin sicher, dass der neue Bischof mit neuem Elan in der Lage sein wird, uns Gläubigen mit Engagement und Hingabe zu dienen.“
Weihbischof Mas Situation bleibt also weiter ungeklärt (Fides 15.10.; Weihbischof Mas WeChat-Post nach AsiaNews 15.10.). kwt

13. November 2025:
Gerichtsverhandlung gegen Priester Ma Xianshi, ehemaliger Administrator im offiziellen Teil der Diözese Wenzhou, wegen „illegalem“ Verkauf von Gesangbüchern
Der Priester Ma Xianshi 麻显士 leitete von 2016 bis zu seiner Festnahme im November 2024 den offiziellen Teil der Diözese Wenzhou. Er und der katholische Geschäftsmann Zhuang Qiantuan 庄千团, der mit ihm verhaftet wurde, sind angeklagt, das katholische Gesangbuch Tianlu miaoyin 天路妙音 (Himmlische Melodien) illegal verkauft zu haben. Am 13. November 2025 wurde der Fall öffentlich vor dem Volksgerichtshof in Yiwu, Provinz Zhejiang, verhandelt. AsiaNews berichtete ausführlich über die Argumentation von Anklage und Verteidigung: Das Gesangbuch wurde von der Diözese Wenzhou mit Druckerlaubnis der Religionsbehörde der Provinz Zhejiang legal veröffentlicht, es wurde jedoch auf dem Kleinwarenmarkt in der Stadt Yiwu öffentlich über den Laden von Zhuang Qiantuan verkauft. Laut Anklage verstößt dies gegen die Bestimmung, dass religiöse Publikationen nur intern [d.h. innerhalb religiöser Stätten] vertrieben werden dürfen, weshalb es sich um „illegale Geschäfte“ handle. Das Strafmaß dafür hängt von der Höhe des Umsatzes ab und davon, ob der Täter als Einzelperson oder Vertreter eines Kollektivs handelte. Von dem Gesangbuch sollen 50.000 Exemplare verkauft und ein Umsatz von 1,5 Mio. Yuan (ca. 182.000 Euro) erzielt worden sein, der auf das private Konto von Priester Ma eingezahlt wurde. Die Verteidigung argumentierte, dass aufgrund „historischer Umstände“ Pfarreien der Diözese Wenzhou oft Konten benutzen, die auf die Namen ihrer Pfarrer laufen. Die Verteidiger legten Kontoauszüge, Aufzeichnungen über Geldauszahlungen und die Zeugenaussage von Ma vor, um zu belegen, dass alle Ausgaben vom Bankkonto für kirchliche Angelegenheiten bestimmt waren und keinerlei persönliches Gewinnstreben dahinterstand, und plädierten auf Straffreiheit. Ma Xianshi selbst erklärte bei der Verhandlung, dass er als Geistlicher stellvertretend für die Kirche und nicht in persönlicher Gewinnabsicht gehandelt und sich deshalb persönlich nicht strafbar gemacht habe. Zhuang Qiantuan hingegen bekannte sich schuldig und beantragte Strafmilderung, um bald wieder bei seiner Familie zu sein. Urteil und Strafmaß wurden bei der Gerichtsverhandlung noch nicht festgelegt.
Die Verhandlung war ursprünglich für 1. Juli angesetzt, dann jedoch kurzfristig abgesagt worden. Viele aus der Diözese Wenzhou, die sich als Zuhörer für den 13. November registriert hatten, wurden laut AsiaNews von den Religionsbehörden unter Druck gesetzt, so dass schließlich nur zwei Priester bei dem Verfahren anwesend waren. Die meisten Zuhörer waren Katholiken, die sich nicht vorher angemeldet hatten. Einige von ihnen berichteten, dass Pfarrer Ma anscheinend in guter geistiger Verfassung war; er habe sich beim Betreten des Gerichtssaals bekreuzigt und beim Verlassen seinen Segen erteilt. Es wurde auch berichtet, dass sich Ma und Zhuang während ihrer einjährigen Untersuchungshaft hingebungsvoll um ihre Mitgefangenen gekümmert hätten und zu Zellführern gewählt worden seien.
Es wird vermutet, der eigentliche Anlass der Verhaftung von Ma Xianshi sei, dass er bei einer Wallfahrt nach Rom unerlaubt Vatikanvertreter getroffen habe. Es gibt auch die Lesart, dass er sich gegen die Einsetzung eines Bischofs durch die Behörden gewandt und so deren Missfallen auf sich gezogen habe. Der Bischof von Wenzhou, Shao Zhumin 邵祝敏, wirkt im Untergrund und wird vom Staat nicht anerkannt (AsiaNews 14.11.; siehe auch China heute 2025, Nr. 2, Chronik, Katholische Kirche, 11. Juli 2025). kwt

28.–29. Oktober – 19.–21. November –29. November 2025:
Konferenzen zur Sinisierung des Katholizismus in Fuzhou, Nantong und Beijing
In Fuzhou fand vom 29. bis 30. Oktober das „6. Forum über sinisierte katholische Theologie“ statt. Es wurde von den nationalen Leitungsgremien des Katholizismus – Bischofskonferenz und Patriotische Vereinigung – organisiert. Unter dem Titel „Fünf Religionen strahlen gemeinsam“ beinhaltete es auch ein Podium, auf dem Vertreter der 5 Religionen über Sinisierung diskutierten.
Vom 19. bis 21. November tagte in Nantong das „6. Yushan-Forum und Symposium zur systematischen Förderung der Sinisierung des Katholizismus“. Es wurde von den katholischen Leitungsgremien der Provinz Jiangsu unter Beteiligung der Shanghaier Gremien veranstaltet und widmete sich dem Thema „umfassende und strikte Lenkung der Kirche“, einem prominenten Motto der Religionspolitik. Die „10. Konferenz des Beijinger Katholizismus über sinisiertes katholisches Denken 2025“ am 29. November befasste sich mit der „Sinisierung der katholischen Liturgie und Kirchenmusik“ (http://xinde.org 04.,26.11.; www.chinacatholic.cn 01.12.). kwt

29. Oktober 2025:
Untergrundbischof Bischof Jia Zhiguo (1935–2025) von Zhengding verstorben
In seinem Beitrag „Julius Jia Zhiguo war ein Zeuge (1935–2025)“ (Fides 4.11.2025) zitiert Gianni Valente, Direktor des vatikanischen Nachrichtendienstes Fides, Worte des Bischofs aus einem Interview, das er 2016 mit ihm führte und das damals von der italienischen Tageszeitung La Stampa veröffentlicht wurde: „Mein Leben“, so Bischof Jia, „besteht darin, über Jesus zu sprechen. Ich habe nichts anderes zu sagen und zu tun. Mein ganzes Leben, jeder Tag, dient nur dazu, anderen von Jesus zu erzählen. Allen.“ Bischof Jia, so Valente in Fides, „bekannte sich auch zu seinem Glauben an Jesus, wenn er mit den staatlichen Beamten sprach, die ihn von Zeit zu Zeit zu Umerziehungsmaßnahmen abholten, und während er unter Hausarrest stand“. Im Osservatore Romano und auf der chinesischen Webseite von Vatican News wird der verstorbene Bischof mit folgenden Worten gewürdigt: „Am Nachmittag des 29. Oktober 2025 verstarb im Alter von 90 Jahren S.E. Mons. Julius Jia Zhiguo, Bischof von Zhengding in der chinesischen Provinz Hebei, der zur ‚inoffiziellen‘ Gemeinschaft gehörte. Er wurde am 1. Mai 1935 in einer katholischen Familie im Dorf Wuqiu, der heutigen Kreisstadt Jinzhou, geboren. Nach einer langen und beschwerlichen Ausbildungszeit wurde er am 7. Juni 1980 von S.E. Mons. Petrus Fan Xueyan, Bischof von Baoding, zum Priester geweiht, der ihn – einige Monate später – auch zum Bischof der Diözese Zhengding weihte. Bischof Jia war pastoral stets in schwierigen Zeiten tätig, in denen die Beziehungen zu den zivilen Behörden nicht einfach waren, was manchmal schwerwiegende Folgen für seine persönliche Freiheit hatte. Trotzdem ließ er sich nie entmutigen, sondern versuchte sein Bestes, um die Evangelisierung, die Ausbildung der Priester und die Betreuung behinderter Kinder voranzutreiben und die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater aufrechtzuerhalten. Heute zählt die Diözese Zhengding etwa 130.000 Gläubige, wird von zahlreichen Priestern betreut und nutzt die Präsenz verschiedener diözesaner Ordensgemeinschaften.“
Bischof Jia widersetzte sich zeitlebens dem Eintritt in die Patriotische Vereinigung und wurde von der chinesischen Regierung bis zu seinem Tod nicht anerkannt. Erstmals wurde er 1963 verhaftet, lange vor seiner Priesterweihe, und verbrachte etwa 15 Jahre hinter Gittern. Auch in den 2000er Jahren wurde er immer wieder festgenommen und überwacht, zuletzt viermal zwischen 2004 und 2020. Auch soll er im Gefängnis gefoltert worden sein. Die Behörden, so UCAN, „sollen seine Zelle mit Wasser überflutet haben, was zu schmerzhaften Knochenwucherungen führte, die ihn sein Leben lang beeinträchtigten“. Sein Waisenheim wurde Berichten zufolge 2020 von den Behörden wegen fehlender staatlicher Genehmigung abgerissen. Bischof Jia wurde am 31. Oktober unter strengen Sicherheitsvorschriften in seinem Heimatdorf Wuqiu, wo er die letzten Jahre verbracht hatte, beigesetzt.
Wie AsiaNews berichtete, veröffentlichte am 1. November, dem Tag nach der Beerdigung, Paul Dong Guanhua, „ein mit Rom zerstrittener Untergrundpriester“, eine Bekanntmachung, in der dieser sich selbst zum neuen Ordinarius von Zhengding erklärte. Im Jahr 2016 hatte Dong ohne päpstliches Mandat seine eigene Bischofsweihe verkündet, die Bischof Jia Zhiguo für unrechtmäßig erklärt hatte. „Da Dong Guanhua privat zum Bischof geweiht und am 11. September 2016 als Bischof eingesetzt wurde, haben Dong und sein Weihender gegen Kanon 1382 des Kirchenrechts verstoßen und unterliegen der latae sententiae (der automatischen Exkommunikation)“, habe Bischof Jia damals geschrieben, „ein weiterer Beweis für die tiefe Loyalität dieses großartigen Bischofs gegenüber dem Papst“, so AsiaNews (AsiaNews 04.11.; Fides 04.11.; UCAN 30.10.; www.lastampa.it/esteri/2016/02/02/news/io-vescovo-dentro-e-fuori-dal-carcere-solo-perche-consacro-preti-in-cina-1.36558106; www.osservatoreromano.va/it/news/2025-11/quo-252/lutti-nell-episcopato.html 03.11., Chinesisch auf www.vaticannews.va/zh.html 03.11.). kf

Sino-vatikanische Beziehungen

10. Oktober 2025:
Akademische Feier an der Universität Urbaniana zum „Concilium Sinense” und zur Gegenwart der Kirche in China
„Hundert Jahre nach dem Konzil von China: zwischen Geschichte und Gegenwart“ war der Titel der akademischen Feier, mit der der Beginn des akademischen Jahres an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom am Nachmittag des 10. Oktober begangen wurde. Während der Feier wurde das Buch 100 anni dal Concilium Sinense: tra storia e presente 1924-2024. Atti del Convegno internazionale vorgestellt, das von der Urbaniana University Press veröffentlicht und vom Dikasterium für die Evangelisierung herausgegeben wurde. Der chinesisch-italienische Band enthält die Beiträge der internationalen Tagung zum „Concilium Sinense”, die am 21. Mai 2024 – 100 Jahre nach dem Konzil von Shanghai – an der Universität stattfand.
Zur Eröffnung des akademischen Jahres richtete Papst Leo XIV. eine Botschaft an die Päpstliche Universität. Das Schreiben ist an den Großkanzler der Universität, Kardinal Luis Antonio Tagle, adressiert. Darin schreibt der Papst u.a.: „Ich habe mit Freude erfahren, dass im Rahmen der Eröffnung des akademischen Jahres die Akten des Studientreffens zum ‚Concilium Sinense‘ vorgestellt werden, das 1924 in Shanghai stattfand. Dieses Konzil stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Kirche in China dar und zeugt deutlich von der Kühnheit einer christlichen Gemeinschaft, die fähig war, sich in unterschiedliche historisch-kulturelle Kontexte einzufügen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren.“
Bei der akademischen Feier am 10. Oktober hielten Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Kardinal Luis Antonio Tagle, die Hongkonger Professorin Erica Siu-Mui Lee sowie P. Federico Lombardi SJ, Präsident der Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger-Benedikt XVI., Vorträge zur jüngeren Geschichte der katholischen Kirche in China ausgehend vom „Concilium Sinense“. Den Abschluss bildete der Beitrag von Professor Vincenzo Buonomo, Päpstlicher Delegierter der Universität Urbaniana. Die Tagung am 21. Mai 2024 war von der Päpstlichen Universität in Zusammenarbeit mit Fides und der Pastoralkommission für China organisiert worden (siehe hierzu China heute 2024, Nr. 2, Informationen, Dokumentation) (Fides 07.10.; 11.10. [Beiträge der akademischen Feier auf Deutsch]; www.fides.org/de/news/76905-VATIKAN_Papst_Leo_XIV_Das_Concilium_Sinense_war_ein_Meilenstein_in_der_Geschichte_der_Kirche_in_China. kf

Hongkong

12. September 2025:
Kardinal Chow spricht bei Besuch in Australien über Religionsfreiheit in Hongkong
Am 12. September kam Kardinal Stephen Chow SJ, Bischof von Hongkong, zu einem einwöchigen Besuch nach Australien. U.a. hielt er in Sydney und Melbourne Vorträge über seine Rolle als Brückenbauer zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung und traf sich mit Mitgliedern von chinesisch- und kantonesischsprachigen katholischen Gemeinden. Wie die katholische Erzdiözese Melbourne am 19. September auf ihrer Webseite berichtete, habe Kardinal Stephen Chow Laien und Geistliche gleichermaßen aufgefordert, den Dialog mit der chinesischen Regierung weniger als politisches Verhandlungsobjekt, sondern vielmehr als gemeinsame pastorale Mission zu betrachten. Er warnte, so der Bericht, vor „vereinfachenden Annahmen über Pekings Verständnis der Kirche“ und betonte, dass die chinesische Regierung „sehr versiert“ in Theologie, Kirchenrecht und den tieferen Strömungen des katholischen Denkens sei. „Sie haben bereits Leute ausgesandt, um Theologie, fortgeschrittene Theologie, Kirchenrecht und die Heilige Schrift zu studieren. [Sie] studieren viele Dinge in der Kirche, also sind sie informiert“, so der Kardinal. In Bezug auf die Situation in Hongkong habe Kardinal Chow versucht, die Vorstellung einer weit verbreiteten religiösen Verfolgung zu zerstreuen. „Ich möchte aufrichtig sagen, dass es in Hongkong keine religiöse Verfolgung an sich gibt. Ich habe mich auch bei anderen Kirchen und Religionen in Hongkong erkundigt. Keine von ihnen gab an, derzeit solche Erfahrungen zu machen.“ Hongkong sei nach wie vor ein Ort, an dem Religionsfreiheit in der Praxis weiterhin existiere. „Ich glaube also, dass Peking die Religionsfreiheit in Hongkong aufrechterhalten will, weil Hongkong für China wichtig ist. Das Common Law, die Religionsfreiheit – all das ist ebenfalls wichtig für den Glauben der Menschen. Ich kann immer noch hierher [nach Australien] kommen. Wir können immer noch Priester weihen. Religionsunterricht in der Schule ist weiterhin möglich.“ Kardinal Chow plädierte für einen neuen Ansatz, der über die konfrontativen westlichen Modelle hinausgehe. „Im Westen sieht man die Dinge sehr direkt und offen“, sagte er. „Ich denke, das funktioniert im Westen, aber im Osten – nicht nur in China, aber definitiv in China – wird Ihnen die andere Person nicht zuhören, wenn Sie sie weiterhin öffentlich, direkt und scharf kritisieren. … Wir müssen diese Art von kultureller Beziehung berücksichtigen, um den Menschen ihr Gesicht zu wahren. Privat, auf eine andere, indirektere Weise, kann man das vielleicht tun. Ich habe es versucht, und manchmal hat es funktioniert. Wenn man die Person erreichen kann, sieht sie, dass man aufrichtig und ehrlich ist.“ Es sei nicht nur die Frage der Kontrolle der Kirche in China, die ihn beschäftige. Es gebe auch die pastorale Herausforderung, dass junge Menschen die Kirche verlassen, insbesondere aufgrund der Massenauswanderung junger Familien aus Hongkong seit 2019. Kardinal Chow betonte, dass die Kirche proaktiv auf die Menschen zugehen sollte, anstatt darauf zu warten, dass sie zu ihr kommen (Sunday Examiner 26.09.; https://melbournecatholic.org/news/walking-the-tightrope-between-the-vatican-and-china-cardinal-chow-calls-for-understanding).
Zu den Aussagen von Kardinal Chow zur Religionsfreiheit in Hongkong gab es im Nachhinein auch kritische Stimmen, so von Frances Hui, die nach den Protesten 2019 als erste Aktivistin aus Hongkong in den USA politisches Asyl erhielt und als Koordinatorin für Politik und Interessenvertretung bei der Committee for Freedom in Hong Kong Foundation tätig ist (siehe ihren Beitrag im National Catholic Register 21.10.). kf

30. September 2025:
Kommissar Cui Jianchun: Neue US-Generalkonsulin in Hongkong soll sich nicht „einmischen“
Wie einer Erklärung auf der Webseite des Büros des Kommissars Cui Jianchun vom Außenministerium der VR China in der Sonderverwaltungszone Hongkong vom 2. Oktober 2025 zu entnehmen ist, traf Kommissar Cui mit Julie Eadeh, der neuen US-Generalkonsulin in Hongkong, zusammen, „um ihr eine feierliche Protestnote wegen ihres Verhaltens seit ihrem Amtsantritt zu überreichen“. „Kommissar Cui“ – so die Erklärung – forderte Generalkonsulin Julie Eadeh nachdrücklich auf, sich an die grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen zu halten, darunter die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, und sich klar von den anti-chinesischen Kräften zu distanzieren. Kommissar Cui formulierte ausdrücklich die Erfordernis der ‚vier Verbote‘: keine Treffen mit Personen, mit denen sich die Generalkonsulin nicht treffen sollte, keine Absprachen mit anti-chinesischen Kräften, keine Anstiftung, Unterstützung, Beihilfe oder Finanzierung von Aktivitäten, die die Stabilität in Hongkong untergraben, und keine Einmischung in Fälle, die die nationale Sicherheit in Hongkong betreffen.“ Julie Eadeh übernahm Ende August das Amt der US-Generalkonsulin in Hongkong und Macau. Zu ihrer Amtseinführung hatte sie u.a. die Oppositionspolitikerinnen Anson Chan und Emily Lau eingeladen. Eadeh war bereits 2019 als US-Diplomatin in Hongkong tätig und traf sich damals mit prominenten Demokratieaktivisten wie Joshua Wong und Nathan Law. Von 2010 bis 2012 war Eadeh US-Generalkonsulin in Shanghai. Sie spricht Chinesisch (AFP nach UCAN 03.10.; Protestnote von Kommissar Cui: https://hk.ocmfa.gov.cn/eng/zjgs/tpyjl/202105/t20210519_8897479.html; https://hk.usconsulate.gov). kf

15. Oktober 2025:
Familie von Jimmy Lai trifft Papst Leo XIV. in Rom
Ehefrau Teresa und Tochter Claire Lai des in Hongkong inhaftierten bekannten 78-jährigen Demokratiebefürworters und Katholiken Jimmy Lai konnten den Papst nach der Generalaudienz am 15. Oktober sprechen. Der Gründer von Apply Daily (die Zeitung wurde 2021 geschlossen), der auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit 2020 im Rahmen des Nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong mit einer Unterbrechung in Haft. Die Hongkonger Justiz wirft Lai unter anderem sogenannte geheime Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften vor. Dafür kann ihm lebenslange Haft drohen. Lai plädierte auf nicht schuldig. Im Prozess sind die Schlussplädoyers inzwischen abgeschlossen, das Urteil ist allerdings noch nicht gefällt. Jimmy Lais Familie hat immer wieder große Sorgen um dessen Gesundheitszustand geäußert, sein Sohn Sebastian Lai setzt sich weltweit für die Freilassung seines Vaters ein (AsiaNews 25.10.
Interview mit Sebastian Lai; www.catholicnewsagency.com 16.10.; www.reporter-ohne-grenzen.de 11.09.). kf

5.-6. November 2025:
4. Symposium zur Sinisierung der katholischen Theologie (Inland – Hongkong) findet in Hangzhou statt
Nach dem Bericht auf der Webseite von Chinesischer katholischer patriotischer Vereinigung und Chinesischer Bischofskonferenz (Sammelbegriff „Eine Vereinigung, eine Konferenz“) wurde das Symposium gemeinsam von deren theologischer Forschungskommission und dem Holy Spirit Study Centre der Diözese Hongkong organisiert. Zu den nahezu 100 Teilnehmenden gehörten gemäß dem Bericht Vertreter der Einheitsfrontabteilung der KPCh, des Verbindungsbüros der Zentralregierung in der Sonderverwaltungszone Hongkong, Verantwortliche der Kommission für ethnische und religiöse Angelegenheiten der Provinz Zhejiang sowie der „Eine Vereinigung, eine Konferenz“ wie auch Experten und Wissenschaftler, Kleriker und Ordensschwestern aus den katholischen Diözesen Hongkong und Macau und aus der Kirche auf dem Festland, von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Thema der Tagung war „Glaubensgrundlage, historische Erfahrungen und heutige Entwicklung der Sinisierung des Katholizismus“ („天主教中国化的信仰根基、历史经验与当代发展“). Es gab 10 thematische Vorträge sowie Diskussionen, „die den akademischen Diskurs und die praktische Erforschung der Sinisierung des Katholizismus weiter vorangetrieben haben“. Das Gruppenfoto zeigt in der Mitte Kardinal Stephen Chow SJ von Hongkong, umrahmt von den Bischöfen Shen Bin von Shanghai, dem Vorsitzenden der Chinesischen Bischofskonferenz, sowie Li Shan von Beijing, dem Vorsitzenden der Patriotischen Vereinigung (www.chinacatholic.cn/ccic/report/2511/0057-1.htm; zu den ersten drei Symposien siehe China heute 2022, Nr. 1, Chronik, Hongkong, 30. Dezember 2021; Nr. 4, Chronik, Hongkong, 15.-16. November 2022; 2023, Nr. 4, Chronik, Hongkong, 13.-17. November 2023). kf

27. November 2025:
Papst Leo XIV. spricht Beileid nach Großbrand in Hongkong aus
In einem offiziellen Telegramm von Papst Leo XIV. an Kardinal Stephen Chow SJ, Bischof von Hongkong, drückte der Papst seine tiefe Betroffenheit über den schweren Brand aus, der am 26. November in dem Wohnkomplex Wang Fuk Court mit rund 2.000 Wohneinheiten im Stadtteil Tai Po/New Territories über Baugerüste aus Bambus mehrere der Hochhäuser erfasste. Über 150 Menschen fanden dabei den Tod, viele wurden schwer verletzt, weitere Menschen werden vermisst. „Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. hat mit Trauer von dem Feuer erfahren“, heißt es in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm. Der Papst versichere all jene seiner spirituellen Solidarität, die unter den Auswirkungen der Katastrophe litten, insbesondere den Verletzten und den trauernden Familien. Er vertraue die Seelen der Verstorbenen der Liebe des Allmächtigen an und bete für das Notfallpersonal, das weiterhin medizinische Hilfe leiste und nach Vermissten suche. Abschließend erbat der Papst den göttlichen Segen für alle Betroffenen. In dem 1983 erbauten Komplex mit acht 31-stöckigen Hochhäusern lebten bislang etwa 4.600 Menschen. Die Flammen zerstörten sieben der Gebäude, an denen Renovierungsarbeiten stattfanden. Sicherheitsminister Chris Tang sagte nach dem Brand, so die FAZ, das während der Gebäudesanierung zur Dämmung verwendete Styropor habe sich entzündet und zu extrem hohen Temperaturen geführt. Dies wiederum habe die Netze und die Bambusgerüste in Brand gesetzt. In Hongkong laufen umfassende Ermittlungen, auch gab es bereits Verhaftungen (AsiaNews 27.11.; FAZ 28.11.; Vatican News 27.11.). kf

29. November 2025:
Seine Heiligkeit Mar Awa III. bekundet Beileid zur Brandkatastrophe
Das Hong Kong Institute of Jingjiao Studies (HKIJS) hat nach dem tragischen Brand in Tai Po eine persönliche Beileidsbekundung von Seiner Heiligkeit Mar Awa III., Katholikos-Patriarch der assyrischen Kirche des Ostens, erhalten. Wie das Institut auf seiner Webseite schreibt, habe Seine Heiligkeit seine tiefe Trauer über den Verlust von Menschenleben ausgedrückt und seiner Gebete für die Verletzten, die Vermissten und alle betroffenen Familien versichert. Er habe sich auch nach dem Wohlergehen beim HKIJS in Hongkong erkundigt. „Ich möchte allen dort mein Beileid aussprechen und sie meiner Gebete versichern.“ 
Das Hong Kong Institute of Jingjiao Studies ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das sich der interdisziplinären Erforschung der Jingjiao 景教 (Kirche des Ostens, auch als nestorianische Kirche bezeichnet) widmet (Sunday Examiner 30.11.; https://hkijs.org/2025/11/29/message-of-condolence-from-his-holiness-mar-awa-iii/). kf

Macau

30. Oktober 2025:
Macau: Unabhängiges Medienunternehmen schließt bis Dezember
Eines der letzten unabhängigen Medienunternehmen in Macau wird im Dezember seinen Betrieb einstellen. Dies teilte das Unternehmen auf seiner Plattform am 30. Oktober unter Verweis auf „zunehmenden Druck und Risiken“ mit. Die Nachrichtenplattform All About Macau Media (AAMacau, chin. 論盡), die 2010 vom inzwischen verstorbenen Journalisten Ng Sio Ngai mitbegründet wurde, äußerte sich oft kritisch zu sozialen Themen in Macau, so der Bericht von AFP. Das Unternehmen gab bekannt, dass die gedruckte Ausgabe dieses Monats die letzte sein und der Rest des Betriebs im Dezember eingestellt werde. Bisher erschienen Artikel digital und in Print sowie in sozialen Medien. Man habe von Beamten in Macau mitgeteilt bekommen, dass man „die gesetzlichen Anforderungen für die Ausübung relevanter Tätigkeiten“ gemäß dem Mediengesetz der chinesischen Sonderverwaltungszone „nicht mehr erfülle“ und dass die Registrierungsnummer für die monatliche Veröffentlichung widerrufen worden sei. „Angesichts begrenzter Ressourcen, zunehmenden Drucks von außen und der Notwendigkeit, dass unsere Reporter sich mit Gerichtsverfahren auseinandersetzen müssen, wurde es für das Team immer schwieriger, die Standards für die Berichterstattung aufrechtzuerhalten“, erklärte AAMacau. So habe man keine andere Wahl gehabt, als „diese schwierige Entscheidung zu treffen“ (www.aamacau.com; AFP nach UCAN 31.10. mit Screenshot von der Ankündigung der Schließung des Nachrichtenportals; https://macaonews.org 31.10.). kf

Taiwan

13. Oktober 2025:
Empfang der Botschaft der Republik China im Vatikan
Die Botschaft der Republik China (Taiwan) beim Heiligen Stuhl feierte den 114. Jahrestag der Gründung der Republik China mit einem offiziellen Empfang in Anwesenheit von Mitgliedern der kirchlichen Gemeinschaft, des diplomatischen Corps und Vertretern aus Wissenschaft, Kultur und Religion. Wie AsiaNews am 13. Oktober berichtete, erinnerte Botschafter Anthony C.Y. Ho an „die tiefen historischen Verbindungen zwischen Taiwan und der katholischen Kirche“ und betonte, dass Missionare zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Dienstleistungen für die Bedürftigsten beigetragen hätten. „Der Botschafter erinnerte daran, dass sich Präsident Lai Ching-Te seit seinem Amtsantritt im Mai 2024 kontinuierlich für die Wahrung des Friedens und der Stabilität in der Taiwanstraße eingesetzt hat“, so AsiaNews. Ho bekräftigte, dass Taiwan „als Leuchtturm der Freiheit und Demokratie“ gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl weiterhin Brücken des Friedens und der Nächstenliebe bauen werde. Von Seiten des Vatikans sprach Kardinal Silvano Maria Tomasi, ehemaliger Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls beim Büro der Vereinten Nationen in Genf, ein Gebet für das taiwanische Volk und hob die gemeinsamen Werte des Friedens und der Brüderlichkeit hervor. Bei dem Empfang wurde seitens der taiwanischen Botschaft dem Istituto Salesiano Don Bosco in Verona eine Spende in Form von IT-Ausrüstung überreicht. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch eine Ausstellung mit Salzskulpturen des taiwanischen Künstlers Lo Kuang-Wei eröffnet. Seine Werke, die von biblischen Episoden inspiriert sind, so AsiaNews, symbolisieren den Glauben und die Widerstandsfähigkeit des taiwanischen Volkes. „Taiwan wird weiterhin gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl voranschreiten und Brücken des Friedens und der Nächstenliebe bauen“, so Botschafter Ho (AsiaNews 13.10.). kf

22. Oktober 2025:
Veröffentlichung einer Studie in Taipei: China wirbt mit religiöser Charmeoffensive um taiwanische Gläubige
Laut der Studie des Taiwan Information Environment Research Center (IORG) in Taipei City, einer Nichtregierungsorganisation, haben 2024 10.496 Taiwanesen an über 110 religiösen Reisen und Aktivitäten auf dem chinesischen Festland teilgenommen, die von Regierungseinheiten in ganz China unterstützt oder organisiert wurden (ganzer Bericht unter https://iorg.tw/_en/da/120). IORG sagte, der veröffentlichte Bericht offenbare erstmals das Ausmaß der chinesischen Kampagne. Am 23. Oktober, so ein Bericht von Reuters, habe Taiwans Kabinettsbehörde Rat für Festlandangelegenheiten bekundet, dass Beijing seit Langem Religion benutze, um „Einheitsfront“-Arbeit mit Blick auf die Insel zu betreiben. Die taiwanische Regierung beobachte die Lage aufmerksam, erklärte der Rat und fügte hinzu, dass der IORG-Bericht einen hohen Referenzwert besitze. Die Untersuchung des IORG analysierte mehr als 7.346 Artikel, die auf einem Nachrichtenportal des Büros für Taiwan-Angelegenheiten des chinesischen Staatsrats gepostet waren. Diese Artikel, so Reuters, enthielten detaillierte Informationen zu Veranstaltungen – darunter Umfang, Orte und Tagesordnungen – und wurden mit Hilfe künstlicher Intelligenz geprüft, bevor sie von den Forschern des IORG verifiziert wurden. „Die Kommunistische Partei Chinas nutzt religiösen Austausch weiterhin als Deckmantel für politische Propaganda“, heißt es in dem Bericht des IORG. Die untersuchten Artikel betonten, dass beide Seiten gemeinsame Wurzeln hätten und dazu bestimmt seien, „sich wiederzuvereinigen“ (Reuters 23.10.). kf

 

Katharina Feith (kf)
Isabel Friemann, China InfoStelle
Katharina Wenzel-Teuber (kwt)

Alle Quellenangaben in der „Chronik“ beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Jahr 2025.

 

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